Freitag, 26. August 2016

Aude de Tocqueville - Atlas der verlorenen Städte


erschienen bei Frederking & Thaler

Zufallsfund; woher: Thalia


Aude de Tocqueville beschreibt in diesem Buch an die fünfzig "verlorene" Städte. Diese reichen von alten Ruinen wie etwa Tikal und Pompeji über amerikanische Städte aus der Zeit des Goldrauschs bis hin zu einer modernen Fehlplanung wie Seseña. Die Autorin erzählt von ihrer Entstehung und ihrem Untergang und von einzelnen Momenten aus ihrer Geschichte.

Das großformatige Buch ist mir durch seine äußerliche Ähnlichkeit zu Judith Schalanskys Atlas der abgelegenen Inseln ins Auge gesprungen und nach einem kurzen Durchblättern habe ich es trotz des recht stolzen Preises von knapp 30 Euro gekauft.
Das Buch ist auch tatsächlich sehr hübsch gestaltet mit Illustrationen von Karin Doering-Froger. Es ist in Kontinente unterteilt, wobei jeder Abschnitt mit einer Übersichtskarte des jeweiligen Kontinents beginnt. Bei den einzelnen Städten gibt es dann auf einer Seite Text sowie eine Mini-Karte, auf der man noch einmal die Lage der Stadt erkennen kann und auf der anderen Seite eine Detailkarte mit einer stilisierten Zeichnung der Stadt.


In einer Rezension wird bemängelt, dass im Buch keine Fotografien oder genauen Zeichnungen enthalten sind, aber das hat mich persönlich nicht gestört. Mir gefallen die Illustrationen von Karin Doering-Froger sehr gut, da sie auf ihre Weise einzigartig sind. Fotos der Städte lassen sich ohne großen Aufwand googlen oder auf dem Smartphone betrachten, aber die verwendeten Bilder vermitteln den Eindruck einer sehr liebevollen Gestaltung des Buches.

Mir hat die Auswahl der Städte gut gefallen, da sie sehr abwechslungsreich ist und auch einige mir bislang gänzlich unbekannte Orte enthält. Schade nur, dass Australien gänzlich übergangen wird.
Die Texte an sich sind zwar kurzweilig, aber stellenweise etwas trocken geschrieben. Ich habe weiter oben den "Atlas der abgelegenen Inseln" genannt und anders als bei diesem hatte ich hier nicht so sehr das Bedürfnis, mich genauer über die Orte zu informieren und deren Geschichte tiefer nachzulesen.

Dennoch hätte mir das Buch an sich ganz gut gefallen, wären da nicht zahlreiche Schlampigkeiten bei den Karten gewesen. Es hat damit begonnen, dass Leptis Magna auf der Übersichtskarte (nicht aber auf der Detailzeichnung) von der Mittelmeerküste mitten hinein in die Wüste verlegt wird. Eine ähnliche Umplatzierung ist bei Hattusa passiert, das etliche Kilometer in den Südosten gewandert ist. 

Gänzlich konfus wurde die Sache dann aber bei Colesbukta. Die Minenstadt, die auf Spitzbergen liegt, wird im Text in den "Norden Norwegens" verortet, was meiner Ansicht nach nicht richtig formuliert ist. Man würde ja schließlich auch Funchal auf Madeira nicht mit "im Süden von Portugal" bezeichnen. Immerhin aber liegt im Text die Stadt korrekterweise am Isfjord auf Spitzbergen. Auf der Überblickskarte ist sie dagegen weder auf Spitzbergen noch im Norden Norwegens eingezeichnet, sondern in Südnorwegen in der Provinz Møre og Romsdal. Analog dazu ist sie auch auf der Detailkarte am Romsdalsfjord bei Åndalsnes gelandet.



Und als wäre das noch nicht genug, ist schließlich auch noch Prypjat auf der ganz kleinen Übersichtskarte von der Ukraine nach Russland - annähernd an die Küste der Barentssee - gewandert.

Natürlich, ein einzelner Fehler kann mal vorkommen, aber in Summe ist das schon eine ziemliche Frechheit. Noch dazu frage ich mich nun, wieviele Fehler mir vielleicht gar nicht aufgefallen sind, da ich bei vielen Städten schlicht nicht weiß, wo genau sie sich befinden sollen.

So schön ich also die Idee dieses Buches finde und so gut mir einzelne Aspekte auch gefallen haben - ich habe es mit einem sehr unzufriedenen Gefühl zugeklappt. Besonders das Chaos der Platzierung von Colesbukta ist ein massiver Fehler, der so nicht durchs Lektorat rutschen dürfte.

Montag, 22. August 2016

J.K. Rowling - Harry Potter and the Philosopher's Stone


erschienen bei Pottermore
auch als Download bei Audible erhältlich

ungekürztes Hörbuch (8 h 43 min)
gelesen von Stephen Fry




Bis zu seinem elften Geburtstag hat der Waise Harry Potter ein elendes Leben bei seinem Onkel und seiner Tante geführt, die ihn als Eindringling in ihrer Familie betrachten. Doch dann erfährt Harry, dass er ein Zauberer ist und die magische Schule Hogwarts besuchen soll. Für ihn beginnt ein ganz neues, aufregendes Leben, auch wenn er bald feststellen muss, dass auch die Zauberwelt ihre Schattenseiten hat.

Seltsam, dieses Buch zusammenzufassen und seltsam, wieder in die Welt von Harry Potter zurückzukehren. Die ersten Bände habe ich zuletzt kurz vor dem Erscheinen des fünften Bandes gelesen, also vor mehr als zehn Jahren. Seither ist viel geschehen: die letzten Bände sind erschienen, die Filme sind ins Kino gekommen und ich war in den Harry Potter Studios in Leavesden. 
Als ich nun mit dem Hörbuch begonnen habe, wurde ich sowohl von nostalgischen als auch von melancholischen Gefühlen überrollt. Ich war selbst überrascht, als wie traurig ich dieses Mal den Anfang empfunden habe - nun, da ich wusste, wer Lily und James und Voldemort sind und wie der Prolog einzuordnen ist.

Ich war aber auch sonst erstaunt, wie emotional dieser ReRead für mich war. Der erste Band führt in die Welt von Harry Potter einführt, man lernt darin die wichtigsten Figuren und Schauplätze kennen. Mit all den Erinnerungen an die Jahre, die diese Serie mich begleitet hat und auch an den letzten Sommer, als wir selbst durch all die vertrauten Kulissen gewandert sind, war das erneute Eintauchen in diese Welt doch etwas ganz besonderes. Es fällt mir deshalb auch sehr schwer, meine Leseeindrücke in vernünftige Worte zu fassen (ich verspreche euch, dass es ab Band 2 besser wird), daher möchte ich hier einfach einige meiner Erkenntnisse auflisten:
  • Dass Harry bei der fürchterlichen Kindheit, die er bei den Dursleys erlebt hat, überhaupt zu einem liebenswürdigen und zu Freundschaft fähigen Jungen geworden ist, ist ein absolutes Wunder.
  • Ron ist hier ziemlich clever und mutig - das vergisst man leicht, wenn man ihn nur noch als den trotteligen Grimassenschneider aus den Filmen in Erinnerung hat.
  • Snape ist noch viel fürchterlicher, als ich ihn in Erinnerung hatte. Er ist ein durch und durch katastrophaler Lehrer, der absolut keinen Wert darauf legt, den Kindern tatsächlich etwas beizubringen und der nicht nur Harry, sondern vor allem auch Neville auf das übelste mobbt. Und Dumbledore lässt es geschehen. Das soll der beste Schuldirektor sein, den Hogwarts je hatte? Na, da kann die Konkurrenz nicht allzu hart sein (nein, ich bin kein großer Dumbledore-Fan).
  • Was, zum Kuckuck, ist das für eine bescheuerte Idee, einfach mal alle, die in Richtung "dunkle Seite" tendieren, zusammen in ein Haus zu stecken, damit sie sich auch noch schön gegenseitig beeinflussen können? Das kann doch nur grandios schiefgehen! Das System der Häuser habe ich aber schon immer sehr seltsam gefunden.
  • Wo lernen kleine Zauberer eigentlich lesen und schreiben? Es erweckt nicht den Anschein, als wären sie vor Hogwarts schon gemeinsam in eine Schule gegangen, aber da ihnen die Muggelwelt so völlig fremd ist, waren sie wohl auch nicht in einer gewöhnlichen Grundschule.
  • Onkel Vernon auf der Flucht vor den Briefen ist zum Schreien komisch und auch sonst steckt in diesem Band ein herrlich ironischer und leichtfüßiger Humor.

Kurz gesagt: Mich hat der Zauber von Harry Potter wieder voll und ganz gepackt, auch wenn mir dieses Mal einige Dinge störend aufgefallen sind, die mich früher gar nicht oder zumindest weniger irritiert haben. Das hat mir aber nicht den Lesespaß vermiest - ich hatte einfach wieder sehr viel Freude an diesem Einstiegsband und seinem kindlich-märchenhaften Grundton, der später dann weitgehend verlorengeht. Tatsächlich ist das für mich auch der einzige Band, in dem Hogwarts wirklich etwas heimelig-gemütliches hat - bereits ab Band 2 wird das meiner Meinung nach sehr von den diversen Bedrohungen innerhalb der Schule überschattet. 

Es war auch sehr schön, die Geschichte dieses Mal als Hörbuch vorgelesen zu bekommen. Stephen Fry liest den Roman ganz wunderbar, mit einer sehr deutlichen Aussprache und einer gewissen Märchenonkel-Stimme. Ich kann euch die englischen Hörbücher also auf jeden Fall empfehlen.

Donnerstag, 18. August 2016

[Kurzrezensionen] Von roten Schals, zweiten Chancen und gefährlichen Schwärmen

Michel Bussi - Die Frau mit dem roten Schal
(ungekürzte Lesung von Thomas Wenke)

Vor Jamals Augen stürzt sich eine junge Frau von den Klippen, aber niemand will ihm glauben, dass es Selbstmord war und bald steht er selbst unter Mordverdacht. Noch dazu sind in den letzten Jahren bereits zwei Frauen nach demselben Muster zu Tode gekommen und man hat den Mörder nie gefunden. Nun deutet auch hier alles darauf hin, dass Jamal der Tätige sein könnte.
Michel Bussis Krimi war sehr spannend zu lesen und hat mich beinahe bis zum Schluss rätseln lassen, wie genau denn nun die Auflösung sein könnte. Zwei Punkte haben mich aber doch gestört: Zum einen hat mich die Auflösung nicht überzeugt und ich fand sie zu konstruiert. Zum anderen ist ein Teil der Geschichte als Jamals Tagebuch betitelt und aufgebaut, aber er spricht darin die Leser teilweise direkt an, was bei einem Tagebuch überhaupt keinen Sinn ergibt. Das mag nur eine formale Sache sein, aber sie hat mich dennoch sehr irritiert. Alles in allem aber ein sehr fesselnder Roman, der einige überraschende Wendungen zu bieten hat.


Morgan Matson - Second Chance Summer
(ungekürzte Lesung von Brittany Pressley)

Als Taylors Vater erfährt, dass er an Bauchspeicheldrüsenkrebs erkrankt ist, will die Familie einen letzten gemeinsamen Sommer am See verbringen. Zuletzt war Taylor vor fünf Jahren hier und damals hat sie sowohl ihre beste Freundin als auch ihre erste Liebe aus eigener Schuld verloren. Nun muss sie nicht nur von ihrem Vater Abschied nehmen, sondern sich auch den Ereignissen von damals stellen.
Ich liebe Amy & Roger's Epic Detour, aber Since You`ve Been Gone konnte mich nicht vollständig überzeugen. Ähnlich ging es mir jetzt auch mit "Second Chance Summer". Zwar beschreibt Morgan Matson wieder wunderbar die Sommerstimmung am See und die kleinen Szenen des Alltags, aber die Figuren erinnern mich in einigen Punkten wieder an Amy und Roger. Auch die Beziehung von Taylor zu ihrem Vater und der Verlust eines geliebten Familienmitglieds sind zwar feinfühlig beschrieben, kamen mir aber allzu bekannt vor. Ich habe den Eindruck, als würde Morgan Matson immer bei denselben Themen haften bleiben, die sie aber in ihrem ersten Roman bereits perfekt umgesetzt hat. Alles, was nun danach kommt, scheint nicht mehr denselben Zauber und auch nicht mehr dieselbe Tiefe zu erreichen.
Kein schlechtes Buch und auch schön zu lesen, mit Matsons Debüt kann "Second Chance Summer" meiner Meinung nach nicht mithalten.


Frank Schätzing - Der Schwarm
ungekürzte Lesung von Stefan Kaminski

Überall auf der Welt häufen sich seltsame Geschehnisse rund um das Meer und seine Lebewesen, aber nur Signur Johanson sieht einen Zusammenhang bei all den Ereignissen. Bis auch andere endlich die Augen öffnen, ist es beinahe schon zu spät.
Ich habe Schätzings Roman vor einigen Jahren bereits einmal gelesen und war damals unglaublich vom ersten Drittel des Romans gefesselt. Obwohl ich dieses Mal schon wusste, was es mit all den Ereignissen auf sich hat, habe ich den Roman wieder spannend gefunden. Wie damals konnte mich aber auch dieses Mal das letzte Drittel nicht überzeugen. Während Schätzing sonst einige Klischees sehr gut umschifft, scheint das Ende in ein Hollywood-Actions-Spektakel abzugleiten. Das ist schade, da ich den Roman sonst wirklich über weite Strecken für sehr gelungen halte. Zwar übertreibt Schätzing es manchmal mit dem Infodump und den lehrreichen Passagen, aber alles in allem sind seine wissenschaftlichen Exkurse durchaus interessant. Mir gefällt außerdem, dass hier Wissenschaftler verschiedenster Herkunft zusammenarbeiten, auch wenn die Amerikaner ein wenig zu sehr die Rolle der dumm-aggressiven Ignoranten einnehmen.
Ich habe dieses Mal manches etwas kritischer betrachtet als beim ersten Lesen und ich würde "Der Schwarm" auch nicht als perfekten Roman bezeichnen, aber alles in allem hat er mir auch dieses Mal wieder gut gefallen.

Dienstag, 16. August 2016

Classic Confessions Nr. 11: Was ist dein klassisches Lieblingsdrama?

Es gibt wieder eine neue Frage bei den Classic Confessions von Lauter & Leise und dieses Mal geht es um Dramen. 
 
Mir fällt es sehr schwer zu sagen, was für mich mein Lieblingsdrama ist. Ich bin seit ein paar Jahren Mitglied in einem Theaterverein, wenn auch in der letzten Zeit leider sehr inaktiv, und für mich sind schon mal so ziemlich alle Stücke, an denen ich selbst mitgearbeitet habe, sehr positiv besetzt. Wenn mich jemand nach meinem Lieblingsdrama fragt, denke ich also sofort an Gefährliche Liebschaften von Christopher Hampton, an Shakespeares Sommernachtstraum, an den Reigen von Schnitzler und an das Hotel zu den zwei Welten von Éric-Emmanuel Schmitt, wobei letzteres für mich noch nicht unbedingt als Klassiker zählt. Ob ich aber nun wirklich diese Dramen an sich so gern mag oder nur die schönen Erinnerungen an die Proben- und Aufführungszeit damit verbinde, lässt sich für mich nur schwer sagen.

Aber auch, wenn ich mich abseits vom Verein umsehe, fällt mir die Entscheidung sehr schwer. Ich habe Goethes Faust sehr gern gelesen, Heldenplatz hat mich mit Thomas Bernhard versöhnt und Fräulein Julie von Strindberg hat mich sehr beeindruckt.
Nachdem ich mich nun also wieder davor gedrückt habe, nur einen einzigen Titel zu nennen, würde ich sagen, dass Hexenjagd von Arthur Miller mein Lieblingsdrama ist - und da ich es noch nie auf der Bühne gesehen habe, kann ich es in diesem Fall auch nicht auf eine bestimmte Inszenierung zurückführen.
Das Stück basiert auf den wahren Ereignissen der Hexenprozesse von Salem, was die Handlung umso aufwühlender macht. Als Leserin muss man hilflos mitansehen, wie unschuldige Menschen Opfer haltloser Anschuldigungen werden und sich mit jedem Versuch, dagegen anzukämpfen, noch tiefer hineinreiten. Deshalb ist das Drama auf eine gewisse Weise furchtbar zu lesen, aber trotzdem sehr zu empfehlen. Es geht um Zivilcourage und Massenhysterie, um Denunziation und religiösen Wahn und obwohl es im 17. Jahrhundert angesiedelt ist, ist es auf eine gewisse Weise zeitlos. Zudem liest sich "Hexenjagd" sehr spannend und mitreißend.

Montag, 15. August 2016

Buchstabengeplauder #61

Hier war es eine Weile sehr ruhig, was daran liegt, dass ich letzte Woche einen höllischen Stress mit der Projektarbeit hatte und dann übers Wochenende in Slowenien war - zuerst in Ljubljana und dann noch in der Potojna-Tropfsteinhöhle.
Dieser Kurzurlaub hat sich relativ spontan ergeben, weil mich drei aus dem Lehrgang gefragt haben, ob ich sie nicht auf einen kleinen Roadtrip begleiten wolle. Ich muss sagen, dass ich bislang Ljubljana überhaupt noch nie auf dem Schirm hatte, aber völlig zu Unrecht! Die Stadt ist ganz zauberhaft und unbedingt einen Besuch wert! Sie hat eine äußerst malerische Altstadt, sehr gemütliche Lokale direkt am Fluss, man kann dort vorzüglich essen und sich über das viele Grün in der Stadt erfreuen. Es gibt dort auch einige interessante Museen, aber wir haben uns außer der Altstadt nur die Burg (samt deren Ausstellungen) angesehen. Soviel Zeit hatten wir schließlich gar nicht, da wir erst am Freitagabend angekommen sind und gestern Nachmittag schon nach Potojna gefahren sind. Die Tropfsteinhöhlen dort sind übrigens auch sehr beeindruckend.
Das ganze wollten wir dann noch mit einer Nacht baden und campen am Faaker See abrunden, aber da haben uns ein Megastau vorm Karawankentunnel und das Wetter einen Strich durch die Rechnung gemacht. Wir haben dann sehr spontan in einer Jugendherberge in Velden am Wörthersee übernachtet und heute gings zurück nach Wien.

Ich lasse euch hier ein paar fotografische Eindrücke aus Slowenien zurück und kann euch nur nochmal empfehlen: Fahrt mal nach Ljubljana!