Dienstag, 21. Mai 2013

Rick Riordan - Percy Jackson


Im Alter von 12 Jahren hat Percy Jackson schon eine ganze Reihe von Schulen besucht, weil ihm ständig seltsame Dinge passieren, von kleinen Missgeschicken angefangen bis hin zu ausgewachsenen Katastrophen. Als er endlich erfährt, was hinter all dem steckt, fällt er aus allen Wolken: Er ist der Sohn eines Gottes und hat als solcher nicht nur außergewöhnliche Fähigkeiten, sondern wird auch von allerlei Monstern gejagt, die ihn lieber tot als lebendig sehen würden.
Um seine Fähigkeiten zu trainieren und sich fortan selbst schützen zu können, verbringt Percy seine Sommer nun zusammen mit anderen Halbgöttern im "Camp Half Blood". Doch nicht nur Monster haben es auf die Halbgötter abgesehen, sondern auch der gesamten Götterwelt droht eine große Gefahr: Der Titan Kronos möchte sich für die Schmach rächen, die Zeus ihm einst angetan hat und die Herrschaft über den Olymp wieder an sich reißen.

"Percy Jackson" ist eine ausgesprochen unterhaltsame und spannende Serie, die sich praktisch "wie nichts" wegliest. Das faszinierende daran ist vor allem die Art und Weise, wie Rick Riordan die griechische Götterwelt in die Gegenwart transportiert. Die Erklärung, weshalb der Olymp sich mittlerweile in New York befindet, hinkt zwar ein wenig, aber ansonsten werden all die mythologischen Elemente sehr schön ins Amerika des 21. Jahrhunderts eingefügt. Dabei greift der Autor auch auf allerlei weniger bekannte Gestalten zurück und modernisiert sie auf eine meist sehr originelle und doch stimmige Art und Weise.

Die eigentliche Hauptfigur verblasst im Vergleich dazu fast ein wenig: Percy ist zwar ein sehr sympathischer, frecher Junge, ist aber einfach zu sehr der typische jugendliche Held mit nur wenigen Ecken und Kanten, um sich von vergleichbaren Protagonisten abzuheben. Die Nebenfiguren sind da großteils interessanter geraten, auch wenn mich die Konstellation der drei Freunde sehr an Harry Potter erinnert hat: Ein sehr besonderer Junge, der treue Freund (in diesem Fall der Satyr Grover), der oft als Comic Relief dient und das intelligente Mädchen (hier Annabeth, die Tochter der Athene). Dazu dann noch zwei Zwillinge, die stets zu Streichen aufgelegt sind und ein weiser Mentor ...
Diese Parallelen haben mich nicht allzu sehr gestört, aber sie fallen einem halt doch auf.
Apropos Harry Potter: Natürlich erinnert auch Camp Half Blood ein wenig an Hogwarts (so sind etwa die Hütten der Götter mit den Häusern vergleichbar), aber da das Camp von den meisten Halbgöttern nur im Sommer bewohnt wird, ergibt sich eine teils etwas erzwungene Struktur: Die wichtigen Dinge ereignen sich stets nur im Sommer; die Zeit dazwischen, also das Schuljahr in der "normalen" Welt, wird findet in der Regel zwischen den Bänden statt. Das führt zu einer etwas sprunghaften Struktur, da man stets den Großteil des Jahres nicht miterlebt. Dafür wird aber die Handlung in den einzelnen Bänden stets sehr kompakt geschildert: der Zeitraum umfasst ja immer nur ein paar Wochen. 
Das ist wohl mit ein Grund, weshalb das Tempo fast durchgehend hoch ist und die Spannung konstant gehalten wird. Im letzten Band war mir das Tempo fast ein wenig zu hoch, da kommt man ja bei all den Kämpfen kaum noch zum Verschnaufen.

Es gab noch so ein paar Schwächen, die mich ein wenig gestört haben, aber ich möchte hier jetzt nicht lang und breit alle Kritikpunkte auflisten. Die "Percy Jackson"-Bände haben mir nämlich trotzdem sehr gut gefallen und mich stets gut unterhalten. Am besten fand ich ja den 2. Band, was zum Teil wohl an den Anklängen an die Odyssee liegt, über die ich einfach immer wieder gern lese. Dazu gibt es auch noch einige wirklich urkomische Szenen, wobei man solche eigentlich in jedem Band findet. Ich bin ja meistens nicht so sehr ein Fan von humorvoller Literatur, aber Percy Jackson fand ich wirklich witzig zu lesen und ich musste mehrmals lauthals lachen. Besonders herrlich fand ich ja die Partyponys. ;-)

Alles in allem kann ich "Percy Jackson" allen empfehlen, die auch schon an Harry Potter ihre Freude hatten. Rick Riordan hat einige wirklich originelle Ideen auf Lager und kann zudem sehr unterhaltsam schreiben. Wenn man in der griechischen Mythologie einigermaßen sattelfest ist, ist der Lesespaß umso größer, aber dank des Glossars am Ende eines jeden Bandes sind im Grunde keinerlei Kenntnisse notwendig.
Trotz einiger Logikfehler und anderen Kritikpunkten habe ich "Percy Jackson" mit Freude gelesen und werde bestimmt auch noch die Nachfolgeserie "Helden des Olymp" beginnen.

Freitag, 17. Mai 2013

Norwegens "Syttende mai"

Heute gibts mal einen Beitrag abseits von Büchern und Lesen, denn heute ist der 17. Mai, also Nationalfeiertag in Norwegen - einem Land, an dem mein Herz ganz besonders hängt.
Ich geb euch hier mal eine schöne musikalische Untermalung zu diesem Blog-Eintrag, und zwar ein Lied der norwegischen Sängerin Kari Bremnes: Berg og båre

Als ich 2005 für ein Semester in Oslo studiert habe, hatte ich am 17. Mai gerade Besuch von einem lieben Freund und wir haben uns mitten in den Trubel der Innenstadt gestürzt. Norwegen versteht es nämlich wirklich, den Nationalfeiertag äußerst charmant zu feiern. Von Militärparaden keine Spur, stattdessen finden große Umzüge von Kindergärten und Schulen statt und im Anschluss gibts Spiele und viel Eis für die Kinder.
An dem Tag war gefühlt jeder einzelne Osloer auf den Straßen und so sah daher die Karl Johans gate aus:

Wohin man auch blickt: die Farben der norwegischen Flagge

Die Kinder ziehen dann in Oslo alle am Palast vorbei, wo am Balkon die Königsfamilie steht und sich vermutlich einen Wolf winkt:


Nächstes Jahr gibts dann übrigens das 200jährige Jubiläum, denn 1814 wurde das norwegische Grundgesetz in Eidsvoll erlassen. Dieses Jubiläum würde ich ja gerne wieder in Oslo mitfeiern ...

Gratulerer med dagen, Norge!

Montag, 13. Mai 2013

Michelle Magorian - Goodnight Mister Tom


Genre: Kinderbuch
Seiten: 452
Verlag: Puffin Modern Classics
ISBN: 9780141964522
Meine Bewertung: 4,5 von 5 Sternchen

"Bücher, die man gelesen haben muss"-Challenge


Zu Beginn des 2. Weltkrieges werden ganze Scharen von Londoner Kindern aufs Land evakuiert. Eines dieser Kinder ist William Beech, der bei dem alten Einzelgänger Tom untergebracht wird. Aufgezogen von einer strengen Mutter, deren Vorstellungen von einem christlichen Leben vor allem Entbehrungen, Härte und Sünde bedeuten, erlebt William bei Mister Tom erstmals Liebe und Warmherzigkeit - und was es bedeutet, einfach Kind sein zu können.

Ich habe lange überlegt, wie ich "Goodnight Mister Tom" bewerten und rezensieren soll. Der Roman hat - bei kritischer Betrachung - einige Schwächen, aber die meisten davon waren mir beim Lesen ziemlich egal. Denn Michelle Magorian hat mich auf eine emotionale Achterbahnfahrt geschickt und mir vor allem in der ersten Hälfte des Buches mehrmals Tränen in die Augen getrieben.
Zu erleben, wie William, der in seinem ganzen Leben eigentlich noch nichts schönes erlebt hat, bei Tom zunächst völlig überwältigt von jeder kleinen Geste der Freundlichkeit ist, ist mehr als bewegend. Das beste daran ist aber die völlig unsentimentale Weise, wie das alles geschildert wird. Tom ist ein eher grummeliger Mann, der nicht die Arme über dem Kopf zusammenschlägt und ruft "ach, du armes Kind!" oder sich in übertriebene Fürsorge stürzt. Er hat einfach nur sehr schlichte und praktische Vorstellungen davon, wie man ein Kind zu behandeln hat und kann es kaum fassen, dass es Menschen gibt, die Kinder mit dem Gürtel schlagen, von einem Jungen keinen Mucks hören wollen und alle Freuden als Sünde betrachten.
Man muss Tom einfach mögen und wenn er auf Wills Entschuldigungen, dass er ein Bettnässer ist, lediglich mit der pragmatischen Feststellung reagiert, das wäre mit seinem Hund früher ähnlich gewesen, dann möchte man ihn nur umarmen.

Das ist das besondere an dem Buch: zu beobachten, wie Will sich unter Toms Obhut verändert, seine ängstliche Schüchternheit verliert und beginnt, seine künstlerischen Talente zu entfalten. Äußerlich passiert nämlich die meiste Zeit kaum etwas, aber innerlich, da werden ganze Berge versetzt. Natürlich nicht nur in Will, sondern auch in Mister Tom, der sich dank des Jungen allmählich wieder in die Gemeinschaft des Dorfes eingliedert.
Abgesehen von den beiden gibt es auch noch sehr liebenswürdige Nebenfiguren, so etwa den quirligen Zach, der sich mit Will anfreundet und die Zwillingsmädchen Ginnie und Carrie. Außerdem schildert Michelle Magorian die Spiele und Unternehmungen der Kinder ganz wunderbar.

Ich habe oben geschrieben, dass mich vor allem die erste Hälfte sehr bewegt hat. Das bedeutet nicht, dass die zweite Hälfte des Buches schlecht wäre, aber die größten inneren Entwicklungen finden bereits bis zur Mitte statt. Danach verlagert sich der Fokus auch ein bisschen weg von Mister Tom und mehr hin zur Freundschaft zwischen Zach und Will. Zudem muss Will sich mit den Geistern seiner Vergangenheit auseinandersetzen und noch so einiges durchmachen. Im Zusammenhang damit finden sich auch ein paar der oben angesprochenen Schwächen: Es gibt ein paar Szenen, vor allem wenn es um Wills Mutter geht, die wirklich heftig sind und mich die Zielgruppe im Alter gedanklich gleich mal stark nach oben schrauben ließen. Gleichzeitig gibt es aber ein paar Handlungspunkte, die doch auf eine Art und Weise vereinfacht wirken, wie es eher in einem Kinderbuch der Fall ist. Und obwohl Michelle Magorian sich auf keine simple Schwarz-Weiß-Zeichnung beschränkt, wirkt die ländliche Dorfgemeinschaft ab und zu ein wenig zu herzlich-idyllisch und die eine oder andere Nebenfigur etwas zu einseitig dargestellt.

Um schließlich noch kurz auf den Schreibstil zu kommen: "Goodnight Mister Tom" ist eher schlicht und nüchtern geschrieben und oft werden die Empfindungen der Hauptfiguren nicht durch Innensicht deutlich, sondern durch die Schilderung ihrer Reaktionen, was ich insgesamt sehr gut gelungen fand. Wenn Will ganz bleich und starr wird und kein Wort herausbringt, dann muss man nicht "von innen" miterleben, dass er von der Situation überfordert und eingeschüchtert ist, das wird auch so völlig klar.
Michelle Magorian schreibt weniger aus einer personalen Perspektive, sondern eher auktorial mit einem häufigen Eintauchen in die Köpfe der verschiedenen Figuren. Im Wesentlichen also die gängige Erzählperspektive etwas älterer Kinderbücher, auch wenn sich mittlerweile eher eine stark personale Perspektive durchgesetzt hat.
Zur Sprache möchte ich noch anmerken, dass es im Buch sehr viel Dialekt gibt. Daran muss man sich erst einmal gewöhnen, aber ich kam bald damit klar und ich bin ja nun nicht das große Englisch-Genie. Hier ein kleines Beispiel:
‘S’pose you’d best know where to put yer things,’ muttered Tom, looking up at the coat rack and then down at Willie. He scratched his head. ‘Bit ’igh fer you. I’d best put in a low peg.’

Als Fazit bleibt mir eigentlich nur zu sagen: Lest dieses Buch! Und falls ihr einen ebenso mauligen inneren Kritiker habt wie ich, der immer und überall mitliest, dann knüppelt ihn nieder und fesselt und knebelt ihn zumindest so lange, bis ihr "Goodnight Mister Tom" gelesen habt.
Den Platz auf der Liste der 100 Bücher hat sich dieser Roman wirklich verdient - und ich bin mehr als froh, dass ich ihn auf diese Weise für mich entdeckt habe.

Samstag, 11. Mai 2013

[Knüpfereien] Armbänder

Vor einer Weile habe ich ja schon mal einen Schwung meiner geknüpften Lesezeichen hergezeigt, nun gibt es mal Armbänder, viele davon in recht "traditionellen" Mustern geknüpft. Im Laufe der Zeit werden dann noch Schlüsselanhänger, verschiedene Techniken (Sterne, Blumen, Tiere) und meine ganz besonderen Projekte (Charakterbänder, "Houses of Westeros" und ähnliches) folgen.
Immer vorausgesetzt natürlich, dass ihr bis dahin nicht schon die Nase voll habt. ;-)

Einfache Muster

Brigid
Waldteich

Zickzack in Orange
Herbstlaub
Herzbube
Isles in the Lilac Sea
Waldfee

Kombinationen mit Perlen

Undine
Nachtgrotte
Nella Fantasia
Erstkommunionsgeschenk für meine Nichte
Shades of Gold

Mittwoch, 8. Mai 2013

[Abgebrochen] Cassandra Clare - The Mortal Instruments

Es wurmt mich ja ein wenig, dass ich schon wieder ein Buch abbreche, aber ich habe ehrlich gesagt überhaupt keine Lust mehr, "City of Glass" weiterzuhören. Also habe ich mich gefragt, wofür ich das dann mache - zumal ich ja ohnehin nie geplant hatte, die "Mortal Instruments"-Serie zu lesen. Letztendlich hatte ich die ungekürzten Hörbücher nur mitgenommen, weil ich in der Bücherei darüber gestolpert bin und mir gedacht habe, dass ich ja mal wieder was auf Englisch hören könnte.

Dabei hat mir der erste Band City of Bones noch sehr gut gefallen. Aber schon der Folgeband "City of Ashes" konnte mich nicht mehr wirklich begeistern. Irgendwie kam es mir so vor als ob dieser frisch-spritzige Grundton verloren gegangen wäre. Der Humor wirkte eher bemüht und ... ACHTUNG, AB JETZT SPOILER!

... die ganze Sache mit Simon hat mich eher genervt. Also die Vampirsache sowieso, aber davon abgesehen: Was sollte diese seltsame halbe Liebesgeschichte, bei der Clary ja nicht mal annähernd mit ihrem Herz dabei ist? Fast wirkt es, als würde sie Simon als reinen Lückenbüßer nehmen, da sie ja mit Jace nun mal nicht zusammen sein kann.
Apropos Jace: Zunächst fand ich diese neue Konstellation recht interessant, aber ich hatte bald das Gefühl, dass er sicher nicht wirklich ihr Bruder ist. Es gab einfach zu viele Hinweise (die Andeutungen des Feenvolkes, das ständige darauf Herumreiten, dass er weder Valentine noch Clary ähnlich sieht - und dazu noch die Tatsache, dass das ja die einzige Möglichkeit ist, um die Liebesgeschichte zu retten. Aber ich finde das ziemlich schade, da ich es ziemlich spannend gefunden hätte zu erleben, wie die beiden tatsächlich zu einem geschwisterlichen Umgang und vielleicht auch irgendwann zu einem richtigen Bruder-Schwester-Verhältnis finden.
Den Plot an sich fand ich aber recht spannend, auch wenn die Handlung für mich ab und zu eher auf der Stelle trat und sich ein wenig gezogen hat.

Bei "City of Glass" habe ich nur etwa 3 (von 15) Stunden des Hörbuchs geschafft, bis mir so richtig bewusst wurde, dass ich stets nur mit Widerwillen weiterhöre und auch nach einer Viertelstunde immer schon wieder genug hatte.
Ich kann gar nicht so recht sagen, was mir daran nicht gefällt, aber irgendwie geht für mich alles nur schleppend voran, Simon und sein Vampirdasein nervt mich immer mehr und Idris kann mich so gar nicht packen. Noch dazu ist nicht nur mit Sebastian auch schon der potentielle wirkliche Bruder von Clary aufgetaucht (ich muss nachher mal suchen, ob diese Annahme stimmt), sondern seit der letzten Szene mit der Inquisitorin im 2. Band braucht man auch nicht länger zu rätseln, wer denn nun wirklich Jace' Eltern sind. Es können doch fast nur Stephen und Celine Herondale sein - oder bin ich jetzt komplett auf dem Holzweg?
Wie das aber alles zugegangen ist und was noch alles hinter all dem steckt, macht mich nicht besonders neugierig (das sind mir inzwischen zu viele soapartige Verwicklungen). 
Ich weiß nicht, vielleicht bin ich inzwischen auch einfach nur übersättigt, aber für mich ist in der Serie ein wenig die Luft raus. Wie sie endet, ist mir ziemlich egal - und warum sollte ich mich dann weiter durch das Hörbuch zwingen?
Lieber behalte ich einfach "City of Bones" in guter Erinnerung und lege die Serie für mich ansonsten ad acta. Für eine "Kurzfassung" kann ich ja dann die Kinofilme gucken. ;-)