Dienstag, 21. Dezember 2010

Dai Sijie - Balzac und die kleine chinesische Schneiderin



Genre: Erzählung/Gegenwartsliteratur
Seiten: 231
Verlag: echomedia (Sonderausgabe für Eine Stadt. Ein Buch)
Meine Bewertung: 5 von 5 Sternchen





Vor ein paar Wochen habe ich vom diesjährigen Gratisbuch der Stadt Wien berichtet, das ich mir natürlich auch geholt habe. Im Gegensatz zu manchen Büchern der letzten Jahre ist "Balzac und die kleine chinesische Schneiderin" sehr leichte Literatur, die sich flott lesen lässt. Dabei klingt der Inhalt eher nach schwerer Kost: Im Zuge der Kulturrevolution werden der Ich-Erzähler und sein Freund Luo - zwei 17jährige Burschen - zur Umerziehung in ein chinesisches Bergdorf verbannt. Durch einen anderen Jungen gelangen sie an - verbotene - europäische Romane und entdecken gemeinsam mit einer jungen Schneiderin ihre Liebe zur Literatur.

Der Hintergrund ist also ein sehr ernster und die Probleme und Entbehrungen dieser Umerziehung schimmern auch immer wieder zwischen den Zeilen durch. Dennoch hat der Roman einen eherheiteren Grundton und geizt auch nicht mit komischen Szenen und skurrilen Figuren. Trotzdem wirkt die Handlung nie lächerlich, werden die Umstände nie verharmlost. Dai Sijie gelingt hier ein toller Balanceakt zwischen Gesellschaftskritik und einer Art Schelmenroman.
Das Buch liest sich vom Anfang bis zum Schluss zügig durch, lässt einen manchmal schlucken und verströmt doch so etwas wie "Gute-Laune-Feeling".
Sprachlich ist es eher einfach geschrieben, aber die Schlichtheit der Sprache passt zum Inhalt und zum Ich-Erzähler. Dazu noch sympathisch und warmherzig gezeichnete Figuren und eine unbändige Lust am Erzählen - was zum Teil ja auch Gegenstand des Romans an sich ist. Da ich von chinesischer Kultur und Geschichte zugegebenermaßen wenig Ahnung habe, waren auch das Umfeld und die Hintergründe für mich sehr faszinierend.
Kurz: Ich hab an diesem Buch nicht das Geringste auszusetzen und vergebe ohne zu zögern 5 Sterne.

Interessant ist übrigens auch das Begleitmaterial, das bei den Gratisbüchern immer im Anhang enthalten ist. In diesem Fall ein ausführliches Interview mit dem Autor und ein kurzer Abriss der chinesischen Geschichte, was die Erzählung an sich wunderbar abrundet.

Kommentare:

  1. Ui, das klingt aber sehr nett. Schade, dass ich zu faul war, mir das bei der Gratisbuch-Aktion zu holen. :)

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  2. Hallo Evi!
    Ja, das ist wirklich schade.
    Ich freu mich übrigens ein neues Gesicht hier zu sehen - und schau mich jetzt auch gleich mal neugierig auf deinem Blog um. :-)

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  3. Oh, ich les ja schon ein Zeiterl mit, hab aber wohl noch nie einen Kommentar hinterlassen. Ich freu mich aber immer, wenn ich wieder mal über einen österreichischen Blog stolpere. :)

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