Donnerstag, 31. März 2011

eBook-Reader - Sinnvoll oder neumodischer Blödsinn?

eBooks - ein Thema, bei dem sich die Geister mal wieder scheiden. Nach anfänglicher Ablehnung denke ich nun tatsächlich darüber nach, mir einen eBook-Reader von meiner Familie zum Geburtstag zu wünschen.
Falls ihr diese Dinger für Teufelszeug haltet, solltet ihr also besser nicht weiterlesen, um eure Nerven zu schonen. Oder ihr stellt schon mal das Weihwasser bereit. ;-)

Ich denke nicht, dass eBooks gedruckte Bücher verdrängen können. Ich denke auch nicht, dass sie mir gedruckte Bücher ersetzen könnten. Aber inzwischen denke ich doch, dass sie eine gute Ergänzung sein könnten. Denn ich sehe doch eine ganze Reihe von Vorteilen:
- Bei Urlauben und langen Zugfahrten braucht man nicht mehr stapelweise Bücher mitnehmen, sondern es genügt ein kleiner Reader, solange man ihn vorher mit genug Lesestoff gefüttert hat.
- Es gibt mittlerweile in der Bücherei auch eine digitale Bibliothek mit einer ganzen Reihe von interessanten Neuerscheinungen.
- Klassiker, die digital frei verfügbar sind, könnte man bequem lesen. Bisher war für mich das Problem immer: Soll ich sie am Bildschirm lesen? Nicht sehr angenehm. Oder ausdrucken? Dann wäre es aber keine sonderliche Geld- und Platzersparnis mehr.
- Mein Bücherregal platzt schon jetzt aus allen Nähten.
- Wenn man englische Bücher liest, hat man das Wörterbuch gleich im Reader integriert.

Natürlich kann so eine eBook es nicht mit einem "echten" Buch, das man bei sich im Regal stehen hat, aufnehmen. Andererseits habe ich nicht das Bedürfnis, jedes Buch, das ich lese, zu besitzen  - sonst würde ich nicht so viel Lesestoff aus Bibliotheken ausleihen.

Dennoch bin ich unschlüssig. Würde ich so einen eBook-Reader wirklich häufig verwenden? Ist so ein Ding wirklich sinnvoll? Und vor allem: Welcher sollte es werden? Ich neige vor solchen Anschaffungen dazu, ewig zu vergleichen, Testberichte zu lesen und und und. Der Zwilling in mir mit der Unentschlossenheit lässt grüßen ...
Am ehesten liebäugle ich momentan entweder mit dem Sony PRS-350 oder dem iriver Story.

Tja, und wie seht ihr das mit den eBooks? Teufelszeug oder doch ganz praktisch? Hat jemand von euch vielleicht sogar einen eBook-Reader und kann mir einen empfehlen?

Dienstag, 29. März 2011

Franka Rubus - Die Blutgabe



Genre: dieses Buch steht zwischen den Genres - Science Fiction, Dystopie, Urban Fantasy, ... von allem ein bisschen was
Seiten: 480
Verlag: Aufbau Taschenbuch
ISBN: 978-3746626840
Meine Bewertung: 4 von 5 Sternchen



In einer düsteren Zukunft beherrschen zweierlei Arten von Vampiren die Welt - die konservativen Vampire und die Progressiven, auch "Bluter" genannt, die in ihrem Anfangsstadium eine Phase des Wahnsinns durchleben.
Der junge Mensch Red September flieht von einer "Farm", wo Menschen als Blutlieferanten dienen, um sich auf die Suche nach seiner Freundin Blue zu machen. Dabei gerät er an eine Gruppe von konservativen Vampiren, die einige Menschen für die Jagd auf Bluter ausbilden. In Kris erkennt Red jenen Vampir, der Blue einst von der Farm weglockte - und tatsächlich scheint Kris etwas über ihren Verbleib zu wissen ...

Dieser Versuch einer kurzen Zusammenfassung gibt den Inhalt nicht adäquat wieder. Es ist schwierig, etwas über die Handlung zu schreiben, ohne gleichzeitig schon zu viel zu verraten. Es ist auch schwierig, den Plot dieses Romans auf den Punkt zu bringen, da er mit nichts vergleichbar ist, was ich bisher über Vampire gelesen habe.
Denn Vampirismus wird hier wissenschaftlich-medizinisch erklärt und zwar auf eine Art und Weise, die durchaus plausibel klingt. Wobei ich ja zugeben muss, dass ich von Biologie und Medizin wenig bis gar keine Ahnung habe, aber dennoch habe ich die Erklärungen gut verstanden.

Die Vampire werden hier also gewissermaßen entmystifiziert, was ich sehr spannend fand. Überhaupt haben mich die Hintergründe und all die Erkenntnisse, die im Laufe des Romans gewonnen werden, am meisten gefesselt.
Und damit wäre ich auch bereits bei einem Kritikpunkt: Man tappt als Leser sehr lange im Dunkeln, was mich manchmal ein wenig genervt hat. Gern hätte ich Red zugerufen "Jetzt frag doch mal nach! Geh den Dingen auf den Grund!", denn für meinen Geschmack nimmt er zuvieles einfach hin. Wenn man selbst bereits darauf brennt, gewisse Zusammenhänge erklärt zu bekommen, kann das also zu einer gewissen Geduldsprobe werden.
Im zweiten Teil wird dann vieles klarer, und die Art und Weise, wie die Hintergründe aufgedeckt werden, ist sehr gut gelungen. Ich will hier nicht zuviel verraten, aber vor allem die Tagebucheinträge haben es mir angetan.

Dennoch hatte ich auch mit dem zweiten Teil des Romans meine kleinen Probleme, da mir die Ziele und Motive mancher Figuren nicht wirklich klar waren. Ich wusste oft nicht, was Cedric und auch Kris überhaupt bezwecken, wodurch mir die Handlung stellenweise etwas ziellos vorkam.
Davon abgesehen sind die Figuren aber sehr gut gezeichnet und verweigern sich auch jeder Einteilung in "gut" oder "böse". Sie haben alle ihre Stärken und Schwächen und sind auch allesamt auf ihre Weise sehr glaubwürdig.

Zwei kleine Punkte noch zur Gestaltung des Buches: Cover sind natürlich immer Geschmacksache, und dass ich da einen anderen Geschmack habe als die meisten Leser, ist für mich auch nichts Neues, aber ich muss zugeben, dass ich mich mit dem Cover gar nicht anfreunden kann. Ich finde, dass es für den Roman zu "kitschig" wirkt und im Zusammenhang mit dem verschnörkelten B ein wenig den Eindruck erweckt, als ginge es in erster Linie um eine Romanze.
Auch der Klappentext geht ein wenig in diese Richtung - vor allem aber bietet er einen riesengroßen Spoiler. Das fand ich etwas ärgerlich.

Für die Bewertung tut das aber natürlich nichts zur Sache. Ich habe übrigens lange zwischen 4 und 5 Sternchen geschwankt, aber die angesprochenen Kritikpunkte haben dann doch zu einem kleinen Abzug geführt (ihr wisst ja schon, wie sehr ich mit der Höchstwertung geize).
Nichtsdestotrotz ist der Roman sehr empfehlenswert - auch (oder: vor allem) für all jene, die von dem derzeitigen Vampirtrend schon die Nase voll haben. Glaubt es mir, wenn ich euch sage, dass dieses altbekannte Thema hier wirklich neue und spannende Wege geht.
Dazu ist der Roman auch sprachlich sehr gut geschrieben, und somit freue ich mich bereits jetzt auf den Folgeband "Unberührbar", der nächstes Jahr erscheinen soll. :-)

Samstag, 26. März 2011

L. Frank Baum - The Wonderful Wizard of Oz

Lit2Go: MP3 Stories and Poems Genre: Kinderbuch
Dauer: ca. 4 Stunden (ungekürzte Lesung)
gelesen von: Rick Kistner
Meine Bewertung: 3 von 5 Sternchen

English-Challenge (März)

Ein Wirbelsturm trägt das Mädchen Dorothy und ihren Hund Toto in eine fremde Welt, wo sie auf eine Vogelscheuche, einen Mann aus Blech und einen feigen Löwen trifft. Gemeinsam machen sie sich auf den Weg zu dem mächtigen Zauberer von Oz, damit er ihnen ihre Wünsche erfüllt: Dorothy möchte zurück nach Kansas, die Vogelscheuche hätte gern einen Verstand, der Blechmann wünscht sich ein Herz und der Löwe möchte keine Angst mehr haben.

Ich denke, viel mehr muss ich zum Inhalt nicht sagen, der ja sowieso gut bekannt sein dürfte. Es ist eigentlich ein arges Versäumnis, dass ich diesen Kinderbuchklassiker bisher nie gelesen habe. Vor langem habe ich zwar die Verfilmung gesehen, aber ich war davon nicht allzu begeistert.
Nun muss ich leider zugeben, dass ich mich auch mit dem Buch nicht wirklich anfreunden konnte. Vielleicht wäre es anders gewesen, wenn ich es als Kind gelesen hätte - allerdings lese ich auch jetzt ab und zu noch gern Kinderbücher und finde durchaus Gefallen daran.
Bei Oz wollte aber der Zauber nicht so recht überspringen. Es ist eine nette Geschichte mit skurrilen Wesen und witzigen Passagen, aber mitreißend fand ich sie nicht.
Dorothy war für mich überhaupt nicht greifbar - man erfährt über sie eigentlich nur, dass sie unbedingt zurück nach Kansas möchte, aber darüber hinaus bleibt sie als Figur sehr blass.
Mehr Charme hatten da ihre Begleiter, aber die ständigen Wiederholungen ermüdeten mich. In jedem Kapitel wird mehrmals erwähnt, dass die Vogelscheuche keinen Verstand hat, gern aber einen hätte - und dasselbe gilt auch für die Wünsche des Blechmannes und des Löwen.
Am besten hat mir an dem Roman die Figur des Zauberers gefallen, die mit einigen Überraschungen punktet und für unerwartete Wendungen sorgt.

Ansonsten würde ich den Roman als phantasievolles Märchen bezeichnen, in dem nicht immer alles so ist, wie man auf den ersten Blick denken würde. Kinder im Grundschulalter haben daran sicher ihre Freude - ich selbst hätte vielleicht den nostalgischen Blick einer frühen Oz-Liebhaberin gebraucht.

Auch die Lesung fand ich diesmal nicht so gelungen, da der Sprecher ziemlich nuschelt und dann auch noch das s ein bisschen lispelt. Als Tante einer kleinen Nichte, die derzeit wegen eines s-Fehlers Unterricht bei einer Logopädin hat, hatte ich ab und zu das dringende Bedürfnis, ihn auszubessern. Ich bin eben in meiner Familie schon darauf trainiert, bei meiner Nichte immer darauf zu achten, ob sie das s richtig spricht. ;-)
Insgesamt hat mir das auch ein wenig das Hörvergnügen geraubt - und mir wieder einmal gezeigt, wie wichtig die Stimme des Sprechers ist.

Alles in allem vergebe ich 3 Sternchen für eine unterhaltsame Geschichte, die mich aber nicht wirklich in ihren Bann gezogen hat.

Freitag, 25. März 2011

Bücherparadies

Büchereien sind für mich so etwas wie ein Paradies. Mehr noch als Buchhandlungen. Denn ich muss nicht überlegen, ob ich genug Geld oder Platz für neue Bücher habe - ich kann einfach hemmungslos zuschlagen. Außerdem kann man auch unbekanntere Bücher oder Genres, die man sonst nicht so liest, ausprobieren. Wenn es einem nicht gefällt - was solls? Dann bringt man es eben einfach wieder zurück.

In letzter Zeit habe ich - angesichts meines SuBs - meine Büchereibesuche ein wenig eingeschränkt. Aber gestern hat es mich mal wieder so richtig gepackt. Ich war nämlich in meiner Lieblingszweigstelle der Wiener Büchereien (für die Wiener: es ist die Zweigstelle Philadelphiabrücke). Es ist eine wunderbar helle, übersichtliche und ruhige Bücherei mit vielen aktuellen Romanen. Einziger Nachteil: Sie liegt nicht gerade bei mir ums Eck.
Gestern habe ich mir aber wieder mal einen Besuch dort gegönnt und musste mich selbst mit Händen und Füßen davon abhalten, wahre Bücherstapel mit nach Hause zu nehmen. So sind es also "nur" drei Bücher und zwei Hörbücher geworden:

"Alias Grace" ist ein Roman von Margaret Atwood, einer Autorin, über die ich durch Zufall vor vielen Jahren in einer anderen Bücherei gestolpert bin. "Der Report der Magd" war das besagte Buch, das mir damals in die Hände fiel, und ich würde es auch jetzt noch als einen der beeindruckendsten Romane, die ich je gelesen habe, bezeichnen. Danach habe ich relativ viel von ihr gelesen, aber diesen Roman hier, den ich meine Liste für die Historien-Challenge gesetzt habe, kenne ich noch nicht.
Darin geht es um Grace Marks, eine reale Person, die 1843 des Doppelmordes an ihre Arbeitgebern schuldig gesprochen wurde.

"Arkadien erwacht" von Kai Meyer muss ich wohl nicht mehr großartig vorstellen. Ich wollte jetzt eigentlich eine Weile mal wieder keine Phantastik lesen, aber der Roman hat mich in der Bücherei angelacht und ich konnte nicht widerstehen.
Ich habe dann reingeblättert und auf der Heimfahrt gleich direkt zu lesen begonnen, weil Rosa mich mit ihren unverschämten, schlagfertigen Kommentaren sofort in ihren Bann gezogen hat.

Auf "Vom Atmen unter Wasser" von Lisa-Marie Dickreiter bin ich durch das Montségur-Forum (wo ich ab und zu mitlese) aufmerksam geworden.
Eine Familie muss mit dem Tod der Tochter klarkommen - das klingt zunächst nach schon sehr oft dagewesen, aber die im Forum verlinkte Leseprobe hat mir auf Anhieb gefallen. Also wieder ein Buch auf meiner Liste (ehrlich, die Buchvorstellungen bei Montségur sind tödlich für den SuB!), und so war ich gestern sehr erfreut, als ich es in der Bücherei entdeckt habe.

Und da ich ja zur Knüpf-Untermalung gern Hörbücher höre, haben auch "Der Mädchenmaler" von Monika Feth und "Der norwegische Gast" von Anne Holt den Weg in meine Tasche gefunden. Von Monika Feth musste ich mal für ein Proseminar über Jugendkrimis den Roman "Der Erdbeerpflücker" lesen, und obwohl ich ihn nicht überragend fand, interessiert es mich doch, wie der zweite Fall von Jette ist.
Wie der Krimi von Anne Holt den Weg auf meine Bücherliste fand, weiß ich gar nicht mehr. Vielleicht, weil die Beschreibung - Reisende, die im Hotel in einem norwegische Bergdorf vom Schneesturm eingeschlossen sind - mich ein wenig an Agatha Christie erinnerte. Ich hoffe hier also auf einen klassischen Whodunnit.

Tja, und wenn ich nicht eine zu kleine Tasche dabei gehabt hätte, hätte ich wohl noch mehr Bücher mitgenommen. Ich weiß schon, warum ich nicht mit großen Rucksäcken in Büchereien fahre - wann sollte ich das denn alles jemals lesen? ;-)

Dienstag, 22. März 2011

Stephenie Meyer - Seelen

Genre: vom Setting her Science Fiction, aber insgesamt eher Romantik
Verlag: Silberfisch
ISBN: 9783867420273
Dauer: ca. 10 Stunden (gekürzte Lesung)
gelesen von: Ulrike Grote
meine Bewertung: 2 von 5 Sternchen


In einer fernen Zukunft hat eine fremde Spezies die Herrschaft über die Erde übernommen. Die "Seelen" leben sozusagen als Parasiten in den Menschen und übernehmen ihr gesamtes Handeln und Denken. Doch Melanie, deren Körper die Seele Wanda besetzt hat, klammert sich hartnäckig an ihr Bewusstsein und ist nicht bereit, Wanda die alleinige Herrschaft über ihren Körper zu überlassen. Das führt schließlich so weit, dass Melanie sie dazu bringt, sich auf die Suche nach den beiden Menschen zu machen, die ihr  am wichtigsten sind: ihr Bruder Jamie und ihre große Liebe Jared.

Was für eine geniale Idee! Was für eine tolle Ausgangssituation! Und was für ein lahmes Geschwafel, das dabei heraus gekommen ist ...
Ja, leider hat mich "Seelen" sehr enttäuscht. Der Roman begann so vielversprechend: Wandas Erschrecken, als sie feststellt, dass ihr Wirt aktiv gegen sie ankämpft; der Konflikt zwischen ihr und Melanie; die angedeuteten Kämpfe zwischen Seelen und verbliebenen Menschen.
Das alles klang spannend, originell und auch sehr kritisch. Leider hat Stephenie Meyer das Potenzial dieser Geschichte nicht einmal annähernd ausgeschöpft.

Von dem Zeitpunkt an, als Wanda bei den Rebellen eintrifft, stagniert die Handlung völlig. Alles scheint sich nur noch darum zu drehen, wer Wanda mag und wer nicht, wer sie töten will und wer sie heldenhaft beschützt, wer sie liebt und wen sie liebt ...
Nichts gegen zwischenmenschliche Beziehungen, und angesichts der Situation Wanda/Melanie in einem Körper hätte der Roman auch mit einer ruhigen Handlung sehr fesselnd werden können. Aber trotz der stark gekürzten Hörbuchfassung tritt der Roman auf der Stelle und ergeht sich in endlosen (und sich wiederholenden) Schilderungen von Wandas Gefühlsleben.
Auch das hätte noch interessant sein können, wäre Wanda interessant. Aber so ein dermaßen schwacher, jammernder, ängstlicher und dabei so aufopfernder Charakter ist mir noch nie untergekommen. Gut, Wanda ist kein Mensch. Und Gewalt ist Seelen fremd. Aber leider kommt dabei eine so nervtötend "gute" Figur heraus, dass ich Wanda einige Male gern gepackt und geschüttelt hätte. Sie ist ja so friedlich, so selbstlos, so hilfsbereit, so freundlich, so gutherzig, so so so ...
Ehrlich, so eine Ich-Perspektive hält man doch nicht aus! Wanda hat einfach keine Ecken und Kanten, ihre einzige Schwäche ist im Grunde, dass sie - ja - schwach ist und ständig beschützt werden muss.

Ach, ich könnte mich noch eine ganze Weile über sie aufregen, aber ich denke, ich habe meinen Standpunkt ohnehin schon klar gemacht.
Und so konturenlos wie Wanda ist letztendlich der ganze Roman. Es gibt einige Ansätze, die zu einer spannenden Handlung führen könnten - aber immer, wenn man denkt, dass jetzt tatsächlich mal etwas schiefgeht und sich die Lage ordentlich zuspitzt, löst sich doch alles wieder in Wohlgefallen auf. Und auch die Gruppe der Rebellen bietet nach anfänglichen Konflikte nur noch Friede-Freude-Eierkuchen. Die Möglichkeiten, die in dem Plot stecken würden, werden allesamt verschenkt.
So bleibt letztendlich auch nichts dauerhaftes hängen, obwohl die Situation mit den Seelen und ihrer friedlichen "Übernahme" eigentlich sehr viel Stoff zum Nachdenken bieten könnten - aber dazu müsste auch der Roman erst einmal so angelegt sein, dass er zum Nachdenken anregt. Ich sollte jetzt vielleicht nicht mit so einem Vergleich kommen, aber ich kann gerade nicht anders: Wenn man vergleicht, was Suzanne Collins alles in ihre Panem-Trilogie gesteckt hat, wie sehr man an ihrer Dystopie zu knabbern hat und wie schonungslos sie schreibt, ist Meyers Roman noch enttäuschender.
Twilight ist ja wenigstens von Vornherein einfach nur als Liebesgeschichte zwischen Mensch und Vampir angelegt, aber "Seelen" hätte das Potenzial zu einem wirklich großartigen und gesellschaftskritischen Roman! Wie kann man soviel Potenzial einfach verschenken? Wirklich, mir blutet da mein eigenes Schreiberherz.

Aber ehe ich jetzt noch ins Pathetische abdrifte: Ich halte den Roman nicht für völlig misslungen. Die Spannungen zwischen Wanda und Melanie, die schließlich zu einer Art Freundschaft führen, sind wirklich schön dargestellt - und Melanie ist außerdem eine sehr sympathische und starke Figur. Ich wäre als Leserin lieber in ihrem als in Wandas Kopf gewesen.
Die Idee selbst finde ich, wie schon mehrmals erwähnt, wirklich großartig, und schließlich ist Jamie einfach nur entzückend!

Zuletzt muss ich noch einräumen, dass der vollständige Roman durchaus besser sein mag als das Hörbuch. Ich frage mich zwar, was darin dann noch ausführlicher beschrieben ist (schon das stark gekürzte Hörbuch hat seine Längen!), aber die Kürzungen haben der Handlung sicher nicht allzu gut getan.
Leider kam ich auch mit der Sprecherin nicht wirklich klar. Ulrike Grote variiert ihre Stimme kaum und hat mit ihrer eher monotonen, "weinerlichen" Art zu lesen wohl dazu beigetragen, dass Wanda noch schwächer und jammernder wirkte.

Für die guten Ansätze und einige liebenswerte Figuren vergebe ich letztendlich 2 Sternchen.

Sonntag, 20. März 2011

Sub-Zuwachs: Phantastische Romane und österreichische Gegenwartsliteratur

Wie kommt das immer, dass man an einem Tag noch den festen Vorsatz hat, nicht wieder neue Bücher zu kaufen, solange der bisherige Stapel nicht deutlich geschrumpft ist - und am nächsten Tag neuen Lesestoff zuhause hat?

Aber was soll man machen, wenn man einen Gutschein für eine Online-Bestellung bekommt, der einen bestimmten Mindestbestellwert verlangt? Immerhin hab ich mir die Bestellung (sowie den Gutschein) mit meiner Mitbewohnerin geteilt, daher habe ich wenigstens "nur" zwei Bücher bestellt:

Franka Rubus - Die Blutgabe
Dieses Buch war für mich quasi ein "Muss", da die Autorin eine Tintenzirkel-Kollegin ist und ich mich riesig gefreut habe, dass der Aufbau-Verlag ihren Roman veröffentlicht hat.
Hier gibt es Vampire einmal anders - ein düsteres Setting in der Zukunft, eine wissenschaftlich-biologische Erklärung für den Vampirismus und kein schwaches Mädel, das einem glitzernden Vampir in die starken Arme fällt.
Ich bin mit dem Roman inzwischen schon über der Hälfte und finde ihn erfrischend anders und sehr gut zu lesen. :-)


Guy Gavriel Kay - Tigana
Es gibt Autoren, von denen ich sämtliche Bücher kaufe und verschlinge. Guy Gavriel Kay ist einer davon. "Tigana" ist bereits etwas älter und stand schon seit langem auf meiner Wunschliste. Nun gab es im Februar ein neues englisches Taschenbuch mit diesem unglaublich schicken Cover - da musste ich zuschlagen.
Ich bin schon gespannt auf diesen 800-Seiten-Wälzer, der im Wesentlichen klassische High-Fantasy sein dürfte (also weniger historisch als einige andere Romane von Kay). Und ich hoffe, dass ich ihn auf Englisch gut bewältigen kann - Kay schreibt recht anspruchsvoll, und sein "Sarantine Mosaic" hat mich schon mal sehr an meine Grenzen getrieben.


Und dann war ich heute noch mit meiner Mutter bei einem Literaturfrühstück, wo es eine Lesung von Thomas Glavinic gab sowie ein großes Frühstücksbuffet. Meine Mutter konnte es nicht lassen, mir gleich den Roman zu kaufen, und deshalb habe ich also jetzt ein signiertes Exemplar davon. Die Lesung war übrigens grandios - sehr witzig, sehr "böse", vom Autor toll gelesen und dazu ist der Roman auch noch wie prädestiniert fürs Vorlesen, da der Erzähler des Romans sich per Internetradio an seine Hörer (bzw. Buchleser) wendet.

 Thomas Glavinic - Lisa
Inspiration für diesen Roman war das "Phantom von Heilbronn", eine vermeintliche Verbrecherin, deren DNA-Spuren 40mal an Tatorten in Deutschland, Frankreich und Österreich auftauchten. Letztendlich handelte es sich aber nur um Verunreinigungen an den Wattestäbchen ...
Im Roman tauchen auf eine ähnliche Art und Weise DNA-Spuren auf verschiedenen Tatorten auf - so auch im Haus des Ich-Erzählers nach einem Einbruch. Als dann noch der ermittelnde Polizist verschwindet, packt ihn die Angst und er flüchtet mit seinem Sohn in eine einsame Almhütte, von wo er nur noch mittels Internetradio mit der Außenwelt kommuniziert.

Donnerstag, 17. März 2011

[Stöckchen] Wo liest du?

Noch immer ist es hier recht ruhig - ich bin ein wenig krank und hab grad nicht so den Nerv für geistig anspruchsvolle Dinge, wie etwa eine ordentliche Rezension zu "Seelen" zu verfassen. ;-)
Also hab ich mir jetzt mal ein Stöckchen geschnappt, auf das ich durch die Seite von Bücher-Challenges gestoßen bin. Es wurde mir also nicht zugeworfen, und bei El Tragalibros war es vor über einem Jahr - es ist also nicht gerade brandaktuell. Aber ich mag die Fragen, da ich ja zu den Leuten gehöre, die sehr viele Gelegenheiten zum Lesen nutzen. Daher:

Wo liest du?
  • beim Essen – Oft. Beim Frühstück les ich sowieso immer - das ist meine klassische Lesezeit am Morgen. Bei den anderen Mahlzeiten auch ab und an, sofern ich nicht zu sehr mit Schneiden oder Spaghetti-Wickeln beschäftigt bin. ;-)
  • beim Baden – Ja, aber zur Sicherheit les ich da ausschließlich eigene Bücher (auch wenn ich noch nie in meinem Leben eins versenkt hab).
  • am Örtchen – Früher bei meiner Familie lagen da immer "Lustige Taschenbücher". *g* Jetzt nicht mehr.
  • beim Laufen – Nein.
  • beim Friseur – Nein.
  • im Wartezimmer – Sowieso! Die einzige Chance, dass ich im Wartezimmer des Zahnarztes nicht hyperventiliere, ist ein spannendes Buch, das mich ablenkt.
  • in der Werbepause – Nö, ich hab keinen Fernsehanschluss, und bei DVDs gibts keine Werbepause. ;-)
  • im Auto (als Beifahrer) – Ich kann im Auto nicht lesen, da wird mir schlecht.
  • im Park, Freibad, etc. – Und ob! Im Sommer setz ich mich manchmal einfach für ein Stündchen in den Park um zu lesen. :-)
  • in der Kassenschlange – Also so lang muss ich da meist dann doch nicht warten ...
  • im Bett nach dem Aufwachen – Selten.
  • in der Pause (Kino, Theater, etc.) – Hm, ja, wenn ich allein im Theater war, hab ich da in der Pause auch schon mal gelesen.
  • bevor der Hauptfilm im Kino beginnt – Bisher war ich noch nie allein im Kino, daher war das noch nicht nötig, mir dort die Zeit zu vertreiben.
  • in der U-Bahn, Straßenbahn, im Zug – Klar doch! Fahrten in den Öffis gehören zu meinen wichtigsten Lesezeiten!
  • an der Haltestelle / auf dem Bahnhof – Ja. Ich bin ohnehin ein ungeduldiger Mensch und warte nicht gern, da lenk ich mich gern mit einem Buch ab.
  • im Restaurant oder Café (wenn man alleine ist) – Ja.
  • unter der Bettdecke mit Taschenlampe (als Kind) – Das hab ich nie gemacht. *g*
  • während des Kochens (Kochbuch zählt nicht) – Ja, durchaus. Wenn gerade was für eine kurze Zeit vor sich hinköcheln muss etwa.
  • während eines Besuches (wenn der Gastgeber telefoniert, etc.) – Nein, das hab ich noch nie gemacht. Wär aber mal eine Idee - man kommt sich eh so doof vor, wenn man wo auf Besuch ist und dann dem andern beim Telefonieren zuguckt ...
  • während langer Computerprozesse (Scannen, Booten, etc) – Nö.
  • auf der Arbeit / in der Schule – Sowieso. Ich hab bei meinen Diensten immer wieder mal Zeit zum Lesen und die nutz ich natürlich!

Montag, 14. März 2011

Meine Phasen der Überarbeitung

Da ich gerade so eifrig am Überarbeiten bin, dachte ich, ich erzähle mal, wie ich beim Überarbeiten schrittweise vorgehe. Vielleicht können sich die hier mitlesenden Schreiberlinge Anregungen holen bzw. mir Anregungen liefern. Auf alle Fälle würde es mich interessieren, wie ihr so vorgeht, ob ihr auch ähnliche "Phasen" kennt oder das alles ganz anders macht.

1. Durchlesen und Markieren

Wenn ich eine Rohfassung fertig habe, lasse ich sie erst einmal eine Weile liegen, ehe ich sie ein erstes Mal durchlese. Um im Lesefluss zu bleiben, verändere ich bei diesem Durchlesen noch nicht viel, vielleicht den einen oder anderen Tippfehler.

Dafür setze ich farbige Markierungen:
- gelb: schräge Formulierungen, unschöne Passagen, seltsame Metaphern – alles sprachliche eben, was mich im Lesefluss stört
- rot: inhaltliche Probleme wie Plotlöcher oder Figuren, die sich unlogisch verhalten
- grün: Recherchelücken; alles, worüber ich mich noch genauer informieren (vielleicht auch andere fragen) muss.
- hellblau: Passagen, bei denen ich mir nicht sicher bin, ob ich sie nicht als ganzes wegkürzen soll. Meistens schreibe ich nämlich in der Rohfassung einiges zu ausführlich, beschreibe zuviel oder wiederhole gewisse Sachen mehrmals.

Das Ergebnis dieses ersten Durchgangs ist meistens ein sehr bunter Text. ;-)

2. Die Markierungen wegbekommen

Das eigentliche Überarbeiten beginnt bei mir damit, dass ich versuche, sämtliche Markierungen wegzubekommen. Ich formuliere die gelben Stellen um, sammle Informationen für die grünen und kürze die hellblauen, soweit es notwendig ist.

Die roten Passagen machen mir meist die größte Arbeit.
Ich plane meine Romane nicht detailliert im Voraus; ich habe lediglich einen groben Plot, eine Ausgangssituation und Figuren, lasse mich sonst aber erst einmal von der Geschichte leiten. Dadurch muss ich natürlich oft noch viele Plotprobleme im Nachhinein lösen. Vielleicht ist das nicht das klügste, aber ich kann besser die eigentliche Struktur eines Romans herausarbeiten, wenn die Rohfassung bereits steht.

Bei „Polarnacht“ etwa habe ich bei dieser Phase nicht nur mein problematisches Ende umgeschrieben, sondern auch im Mittelteil zwei Kapitel komplett neu geschrieben, weil mir an dieser Stelle der Spannungsbogen abgesackt ist. Ich habe auch den roten Faden sozusagen verstärkt und einige Szenen, die seltsam isoliert dastanden, besser in die eigentliche Handlung eingebunden. Und ich habe versucht, die Hauptthemen des Romans insgesamt noch deutlicher zu machen.

Übrigens beschäftige ich mich zu diesem Zeitpunkt noch nicht mit sprachlichen Feinarbeiten. Abgesehen von den gelben Passagen ist dieser Durchgang vor allem eine inhaltliche Überarbeitung.

3. Testleser

Tja, den 3. Punkt habe ich bisher erst einmal erreicht, nämlich bei „Polarnacht“. Ich habe den Roman an vier Testleser gegeben mit der Bitte, dass sie vor allem auf Handlung, Plot und Gesamteindruck achten sollen.

4. Die zweite große Überarbeitungsrunde

Ja, und nun geht es darum, die Anmerkungen der Testleser umzusetzen. Im Fall von „Polarnacht“ waren das bis auf das Ende gar nicht so große Dinge. Ich habe eher kleinere inhaltliche Dinge geändert bzw. deutlicher gemacht.
Momentan stecke ich noch in dieser Phase, habe aber bereits parallel mit der nächsten begonnen:

5. Sprachlicher Feinschliff

Das ist der Punkt, wo ich erstmals den Text ausdrucke (alles vorige erledige ich gleich am Computer). Und nun leuchte ich wirklich jeden Satz nochmal genauer durch. Meine „üblichen Verdächtigen“ sind meist Häufungen von Füllwörtern, Schachtelsätze und Wortwiederholungen.
Ich gehe hier kapitelweise vor, mache mehrere Durchgänge (damit ich mich nicht auf sovieles gleichzeitig konzentrieren muss) und lese als Abschluss das Kapitel laut vor. Das halte ich für sehr wichtig, da einem dabei noch Kleinigkeiten auffallen, die vorher beim leise Lesen nicht gestört haben.
Danach arbeite ich all die Änderungen am Computer ein.

Wenn ich Phase 4 und 5 erledigt habe, werde ich den Roman noch einmal an Testleser geben. Im besten Fall haben die dann nicht mehr viel zu bemängeln, ansonsten starte ich danach wieder bei Phase 4. ;-)

Freitag, 11. März 2011

Ju Honisch - Jenseits des Karussells



Genre: Steampunk/Phantastik
Seiten: 832
Verlag: Feder & Schwert
ISBN: 9783867620772
Meine Bewertung: 5 von 5 Sternchen




München 1867. Dunkle Feymächte beginnen mitten unter den Menschen ihre Fäden zu spinnen. In der Aroria-Loge für arkane Wissenschaften spürt man, dass in der magischen Welt Aufruhr herrscht: So fallen mehrere Meister der Magie in ein rätselhaftes Koma, während der junge Student Ian McMullen beunruhigende Änderungen in den Energielinien wahrnimmt.
Auch außerhalb der arkanen Kreise geschehen eigenartige Dinge: Catty Lybratte hat nicht nur finstere Träume, sondern ist auch der festen Überzeugung, dass mit ihrer Stiefmutter etwas nicht stimmt, während der Maler Thorolf Treynstern immer wieder eine riesenhafte Spinne auf Papier bannt.
Alle diese Ereignisse scheinen miteinander in Zusammenhang zu stehen, doch welche Fey verändern hier die Wirklichkeit und zu welchem Zweck?

Den vorliegenden Roman annähernd zusammenzufassen, ist alles andere als einfach. Es gibt eine ganze Reihe von parallelen Handlungssträngen und eine große Anzahl an wichtigen Figuren. Bereits die stolze Seitenzahl zeigt, dass man es hier mit einem durchaus komplexen Werk zu tun hat.
Sorgfältig baut Ju Honisch ihre Figuren auf, die man teilweise bereits aus ihren früheren Romanen kennt. Es ist nicht notwendig, vorher ihre anderen Romane gelesen zu haben (dieser hier ist der Handlung völlig eigenständig), allerdings tut man sich mit den zahlreichen Personen leichter, wenn einem manche davon schon vertraut sind.
Die Figuren sind bereits einer der großen Pluspunkte bei diesem Buch. Alle wirken sehr lebendig und glaubwürdig, gerade weil sie nicht perfekt sind. Gerade Asko von Orven möchte man ab und zu gerne kräftig durchschütteln (der gute Herr hat mich schon in "Salzträume" manchmal halb wahnsinnig gemacht), aber sein Charakter ist konsequent gezeichnet und in sich stets stimmig. Er verhält sich eben seiner Erziehung und seiner Zeit angemessen, so wie auch alle anderen Figuren. Sie fügen sich einfach wunderbar harmonisch in das München des 19. Jahrhunderts ein, ohne dabei aber für heutige Leser zu fremd zu wirken.

Ju Honisch nimmt sich sehr viel Zeit für ihre Figuren und ihre Entwicklung. Wer ständige Action erwartet, wird von diesem Roman vielleicht eher enttäuscht sein. Trotz seiner oft eher ruhigen Passagen ist er aber keineswegs langweilig. Ich war durchgängig gefesselt, und als schließlich alles schiefzulaufen scheint und eine Figur nach der anderen in die Bredouille gerät, konnte ich kaum mehr mit dem Lesen aufhören. Dieses Buch hat mir daher so manche kurze Nächte beschert.
Die Spannung hält sich bis zum Schluss, wobei der eigentliche Showdown mein einziger Kritikpunkt an dem gesamten Buch ist. Es wirkte nämlich alles ein wenig konfus, und da sehr viele Figuren involviert waren, wurde es umso schwieriger, den Überblick zu bewahren und sich alles bildlich vorzustellen. Da das aber vielleicht 10 von über 800 Seiten sind, die nicht ganz so gelungen sind, lässt sich das verschmerzen.
Dazu gibt es noch einen Schuss Romantik, wobei es hier nicht in erster Linie um eine Liebesgeschichte geht (eigentlich auch in zweiter Linie nicht ;-)). 

"Jenseits des Karussells" ist ein faszinierender Roman mit liebevoll gezeichneten Figuren, einer düsteren Grundstimmung, gleichzeitig einer kräftigen Prise Humor und einer spannenden Handlung. War "Salzträume" streckenweise doch etwas langatmig, passt das Erzähltempo hier wieder perfekt. Dazu ist auch die Sprache sehr schön und zwar manchmal ein wenig verschachtelt, aber immer flüssig zu lesen.
Für alle Liebhaber von Ju Honischs früheren Romanen gibt es ein Wiedersehen mit Ian, Sophie, Charly, Graf Arpad und Asko. Vor allem ihnen sei dieses Buch wärmstens ans Herz gelegt, aber auch allen anderen Phantastik-Fans, die nicht immer epische Weltrettungs-Fantasy brauchen.

Lobend hervorheben möchte ich übrigens auch noch den Titel, dessen Bedeutung im Laufe des Romans verständlich wird und der einfach perfekt zum Buch passt, sowie die Aufmachung durch den Verlag. Ein Personenverzeichnis am Anfang, ein Glossar am Ende und eine kleine Übersicht der weiblichen "Magiezirkel" runden den Roman wunderbar ab und erleichtern auch den Überblick.

Das gibt von mir sehr überzeugte 5 Sternchen und außerdem die Hoffnung, einigen von Ju Honischs Figuren bald wieder in einem neuen Roman zu begegnen.

Donnerstag, 10. März 2011

Mühsames Überarbeiten

Die eine oder andere hier fragt sich vielleicht, was eigentlich mit meinem erwähnten Überarbeitungsmarathon los ist.
Nun ja, von geforderten 50 Stunden im März habe ich bisher gut 8 geschafft ... Das ist nicht so wahnsinnig viel. Unsere Theaterpremiere und meine vielen Dienste haben mich doch sehr ausgebremst. In den letzten Tagen war ich fleißig, aber am Wochenende werde ich mit den Doppeldiensten und den Vorstellungen am Abend bereits wieder nicht viel schaffen.
Aber es geht gar nicht mal so sehr darum, dass ich wirklich die 50 Stunden schaffe, sondern eher um einen gewissen Tritt in den Hintern. Und ohne den NaNoEdMo im Hinterkopf hätte ich wohl mit dem Stress als Ausrede wieder gar nichts überarbeitet bisher ...

Aber da ich jetzt mal ordentlich damit begonnen habe, ist es gar nicht mehr so schlimm. Ich habe schon fast alle inhaltlichen Probleme ausgemerzt (hoffentlich!) und bin jetzt mal bei der sprachlichen Feinarbeit. Allerdings habe ich das Neuschreiben der letzten beiden Kapitel noch vor mir - davor hab ich mich die ganze Zeit gedrückt, und irgendwann muss ich da doch mal durch.
Manchmal hab ich in meinen Romanen echte Schreckgespenster - Szenen, die ich ewig vor mir herschiebe, Handlungsstränge, die ich monatelang auf Eis lege oder eben in diesem Fall das Ende.
Aber bald muss ich mich damit auseinandersetzen, damit der Roman in eine 2. Testleserunde gehen kan ...

Dienstag, 8. März 2011

Julie Peters - Das Lied der Sonnenfänger


Genre: Familiensaga/Neuseeland-Roman
Seiten: 528
Verlag: Wunderlich
ISBN: 9783805208963
Meine Bewertung: 4 von 5 Sternchen

Historien-Challenge (Kolonialisierung)



Neuseeland gegen Ende des 19. Jahrhunderts: Die irische Familie O'Brien versucht, sich hier ein neues Leben als Schafzüchter aufzubauen. Doch fern ihrer Heimat haben sie alle mit ihren eigenen Problemen zu kämpfen: Der älteste Sohn Walter und seine Frau Siobhan führen nur scheinbar eine gute Ehe, den jüngeren Sohn Finn treibt die Abenteuerlust weit von seiner Familie weg und die Tochter Emily geht eine Verbindung ein, die ihr kein Glück bringt. Und auch das Wollgeschäft läuft nicht so gut wie erhofft ...
 
Mit diesem Buch bin ich gewissermaßen ein bisschen zu meiner Jugend zurückgekehrt. Mit etwa 15/16 Jahren habe ich nämlich begeistert Familiensagas verschlungen, die meist in Australien angesiedelt waren. In den letzten Jahren habe ich kaum mehr etwas aus diesem Genre gelesen, aber es hat Spaß gemacht, wieder einmal dahin zurückzukehren.
Und mit "Das Lied der Sonnenfänger" habe ich einen wirklich lesenswerten Roman erwischt. Der Schreibstil ist angenehm, und die Figuren sind liebevoll gezeichnet. Vor allem die ängstliche Siobhan durchlebt eine große Entwicklung und erwies sich als viel sympathischer und energischer als ich anfangs gedacht hätte. Sie ist eine der lebendigsten Figuren des Romans - fernab von Klischees und immer glaubwürdig. Auch mit Emily und deren Freund Aaron hat Julie Peters zwei wunderbare Charaktere erschaffen, die alles andere als perfekt sind.
Leider habe ich mir mit einigen anderen Figuren etwas schwerer getan. Vor allem Walters Motivationen konnte ich nicht immer ganz nachvollziehen und er wurde als Charakter für mich nicht ganz greifbar. Auch der Maori Amiri blieb leider ein wenig blass - dabei hätte ich gerrn mehr über ihn erfahren.
Es ist aber erfreulich, dass Julie Peters weitgehend auf schwarz-weiß-Malerei und Klischees verzichtet. So wird man von manchen Figuren oft (positiv) überrascht.

Man kann in den Roman schnell eintauchen, und er verfügt über keine wirklichen Längen. Dennoch konnte er mich stellenweise nicht völlig fesseln. Das liegt wohl an den längeren Zeiträumen, die zwischendurch immer wieder vergehen. So eine Struktur ist natürlich bei Familiensagas durchaus üblich, aber ich habe da oft ein Problem, mich nach Zeitsprüngen wieder in die Situation einzufinden und die Entwicklung der Figuren gänzlich nachvollziehen zu können.
Das war allerdings nur an wenigen Stellen der Fall - sonst hat mir der Roman von der Handlung her sehr gut gefallen. Manches kann man erahnen, aber trotzdem wurde ich immer wieder von unvorhersehbaren Wendungen überrascht.

Trotz kleiner Schönheitsfehler ist "Das Lied der Sonnenfänger" ein empfehlenswerter Roman, der wunderbar die Schwierigkeiten einer Familie, die in der Fremde ein ganz neues Leben beginnen möchte, einfängt. Auch das Umfeld wird sehr anschaulich beschrieben, und der zeitliche Hintergrund scheint gut recherchiert zu sein. Ich kenne mich nicht so gut mit dieser Epoche in Neuseeland aus, aber man hat nicht das Gefühl, dass moderne Menschen von heute einfach in eine andere Zeit gesteckt wurden.

Wegen der kleinen Schwächen gibt es 4 Sternchen und eine Leseempfehlung für diesen Roman, der gerade das richtige für verregnete Wochenenden ist.

Samstag, 5. März 2011

Es ist so still hier ...

Momentan bin ich ziemlich eingespannt mit Diensten und Theater, deshalb ist es hier gerade so ruhig. Ich komm auch fast gar nicht zum Schreiben bzw. Überarbeiten, und bis ich bei meinem momentanen Lesetempo mit dem Wälzer "Jenseits des Karussells" durch bin, wird es wohl auch noch etwas dauern. Schade eigentlich, denn der Roman ist toll und ich würde gern mal für ein paar Stunden darin eintauchen.
Aber nach dem Wochenende wird es zumindest etwas ruhiger, und etwa ab dem 15. März hab ich dann überhaupt wieder etwas mehr Zeit.
Die eine oder andere Rezension steht ja quasi noch in den Startlöchern; die werd ich dann hoffentlich auch bald mal schreiben können.


Ansonsten wünsch ich euch einstweilen mal ein schönes Wochenende! :-)

Dienstag, 1. März 2011

Meine Blogvorstellung, Aktuelles in Sachen Lesen/Schreiben und ein Theaterstück

Mit einer kleinen Verzögerung gibt es jetzt auf "Zwillingsleiden" jetzt meine kleine Blog-Vorstellung. Wobei - ganz so klein ist sie gar nicht. Da ich bei der Frage nach Lieblingsautoren und -büchern ein wenig ins Schwafeln gekommen bin, ist sie sogar relativ lang ausgefallen. ;-)

Dann noch ein kleine Statusmeldung in Sachen Lesen und Schreiben:

Lesestoff und geplante Rezensionen

Auf alle Fälle werde ich die nächsten Tage noch eine Rezension zu "Das Lied der Sonnenfänger" verfassen. Ob ich mein Lesemarathon-Buch "Im Nebel eines neuen Morgens" auch noch rezensieren werde, weiß ich nicht. Ich fand es recht mittelmäßig - nicht wirklich schlecht, aber auch nicht toll, und ich wüsste gar nicht so genau, was ich darüber schreiben soll. Mal sehen ...
Ansonsten bin ich jetzt wohl erst noch eine Weile mit "Jenseits des Karussells" und "Platero und ich" beschäftigt. Zweiteres ist dann bereits mein 3. Buch der Klassiker-Challenge. Im Mai möchte ich übrigens gemeinsam mit Nanni die "Buddenbrooks" in Angriff nehmen. Mal sehen, wie es uns damit geht und ob wir beide durchhalten. ;-)

Die liebe Überarbeitung

Noch immer habe ich den Großteil der Überarbeitung von "Polarnacht" vor mir und dabei wollte ich im März doch eigentlich schon beginnen, "Bühnenzauber" zu überarbeiten. Um mir ein wenig Druck zu machen (ohne gehts bei mir manchmal nicht), hab ich mich jetzt mal beim NaNoEdMo registriert. Ihr erinnert euch an meine November-Schreiberei im Rahmen des NaNoWriMo, wo es darum ging, 50.000 Wörter zu schreiben? Nun ja, da sich überarbeiten schlechter in allgemeine Werte fassen lässt, geht es hier nun darum, im März auf zumindest 50 Stunden zu kommen, die man dem Überarbeiten widmet.
Die Aktion ist nicht annähernd so groß wie jene des NaNoWriMo, aber vielleicht hilft mir das ganze ja doch weiter. Angesichts meiner Dienste und der kommenden Theatervorstellungen wage ich es ja zu bezweifeln, dass ich die 50 Stunden schaffe, aber ich möchte es wenigstens versuchen.

"Reigen" von Arthur Schnitzler

So, und jetzt kann ich mir ein wenig Werbung in eigener Sache nicht verkneifen.
Am 4., 5., 12. und 13. März führt der Theaterverein Vision, bei dem ich Mitglied bin, Schnitzlers "Reigen" auf. Ich war bei dem Stück als Regieassistentin beteiligt.
Die Aufführungen finden im Wiener Off-Theater statt; genauere Details (zu Tickets, Beginnzeiten, etc.) findet ihr auf der Webseite unseres Vereins: Theaterverein Vision
Vielleicht lesen hier ja mehr Wiener mit als ich weiß - und vielleicht finden sich darunter auch Theaterfreunde.