Freitag, 29. April 2011

Victoria Holt - The Shivering Sands


Genre: Gothic Romance
Seiten: 312
Verlag: Doubleday
ISBN: 978-0385065887
Meine Bewertung: 5 von 5 Sternchen

English-Challenge  (April)



Als eine Archäologin bei Ausgrabungen spurlos verschwindet, versucht ihre Schwester Caroline Verlaine herauszufinden, was mit ihr passiert ist. Erst kürzlich verwitwet nimmt sie eine Stelle als Klavierlehrerin auf Lovat Stacy, unweit der Ausgrabungsstätte an. Hier lernt sie Napier Stacy kennen, der vor Jahren seinen Bruder unabsichtlich erschoss, daraufhin verbannt wurde und nun zurückgekehrt ist, um Edith, das Mündel der Familie, zu heiraten. Caroline wird immer tiefer in dunkle Familiengeheimnisse verstrickt, die mit dem Verschwinden ihrer Schwester in Verbindung zu stehen scheinen.

Hach. HACH! Ich weiß jetzt wieder, warum ich die Romane von Victoria Holt vor Jahren so gern gelesen habe. "The Shivering Sands" ist ein stellenweise wirklich unheimlicher Roman in der besten Tradition von Wilkie Collins und Daphne du Maurier. Dazu gibt es eine gute Portion Romantik und eine dunkle Vergangenheit, die nach und nach ans Licht gelangt.
Die Romane von Victoria Holt klingen zunächst nach typischem Kitsch mit klischeehaften Figuren, aber das trifft nur teilweise zu.
Caroline ist eine eher untypische Heldin, kein ganz junges Mädchen mehr und bereits verwitwet. Ihre Ehe mit einem gefeierten Konzertpianisten, demzuliebe sie ihre eigene Musik aufgegeben hat, hat sie in vielen Punkten desillusioniert und ein wenig verbittert zurückgelassen. Es scheint, als könne sie auch nach seinem Tod nicht aus dem Schatten ihres berühmten Mannes hervortreten, zumal sie ihre Erinnerungen im Nachhinein immer mehr verklärt.
Auch Napier Stacy hat mit Dämonen der Vergangenheit zu kämpfen, da er wiederum immer noch im Schatten seines verstorbenen und beliebten Bruders zu stehen scheint.
Es ist also nicht verwunderlich, dass sich zwischen den beiden bald Gefühle entwickeln, obwohl Caroline von dem unhöflichen Napier anfangs keineswegs begeistert ist. Die Beziehung zwischen den beiden beginnt also in bester Manier erst einmal mit Abneigung, ehe sie sich allmählich besser kennenlernen. Das Schöne ist, dass man dieses Kennenlernen als Leser genau mitverfolgen und auch gut nachvollziehen kann, weshalb zwischen ihnen bald ein tiefes Verständnis herrscht. Es gibt einige ganz wunderbare Dialoge (anfangs eher ein Schlagabtausch) zwischen den beiden.
 Auch die anderen Figuren sind glaubwürdig gezeichnet, wenn auch manche ein wenig übertrieben scheinen (so etwa die nervige Mrs Rendall oder die verrückte Miss Stacy). Aber jede von ihnen ist auf ihre Weise einzigartig, und so entsteht rund um Lovat Stacy eine Art Mikrokosmos mit einer ganz eigenen Dynamik zwischen den Figuren.

Sehr schön ist auch die dezent unheimliche Stimmung, die mich manches Mal wirklich schaudern ließ. Gerade Kleinigkeiten erzeugen hier eine ganz besondere Atmosphäre, und wenn man allmählich merkt, was hinter scheinbar harmlosen Aussagen oder Begebenheiten steckt, bekommt man wirklich eine Gänsehaut.
Dass ich doch recht bald geahnt habe, worunter sich das tatsächlich "Böse" verbirgt, war in diesem Fall nicht so schlimm, da mir doch die Zusammenhänge erst spät klar wurden und ich mir auch lange nicht sicher war, ob ich mich auf der richtigen Fährte befand.
Spannend blieb es auf alle Fälle bis zum Ende.

Der Roman hat zwar auch einige Schwächen, so etwa die eine oder andere Länge im Mittelteil und dann ein etwas überstürztes Ende. Auch hatte ich das Gefühl, als würden die Figuren nicht immer zeitgemäß denken und handeln, aber dennoch habe ich das Lesen sehr genossen und hatte Spaß daran, wieder einmal einen solchen Roman zu lesen.
Die vernünftige Caroline war mir durchwegs sympathisch, und es war schön, die vorsichtige Annäherung zwischen ihr und Napier mitzuerleben. Dazu noch eine unheimliche Grundstimmung und so manche rätselhafte Vorgänge. Ein perfekter Roman, um bis spät in die Nacht hinein ins Bett gekuschelt zu lesen, sich dabei wohlig zu gruseln und doch das beruhigende Wissen zu haben, dass es am Ende gut ausgehen wird.

Gibt von mir endlich wieder einmal überzeugte 5 Sternchen!

Mittwoch, 27. April 2011

Ein kleiner Statusbericht nach den Feiertagen

Ich hoffe, ihr hattet erholsame Osterfeiertage!
Meine waren wirklich wunderbar entspannend mit viel Sonne, Büchern und einer großen Dosis Familie. ;-)
Allerdings bin ich momentan nicht so ganz gesund und etwas schummrig im Kopf, daher gibts erst mal wieder einen Zwischendurch-Plauderbeitrag, ehe ich mich den geplanten Rezensionen zuwende.

Aktueller Lesestoff
Über Ostern habe ich "Der Scherbensammler" von Monika Feth gelesen und dann "Lila, Lila" von Martin Suter, das ich toll fand. So toll, dass ich gleich mit dem zweiten Suter-Buch von meinem SuB begonnen habe, nämlich "Die dunkle Seite des Mondes". Damit bin ich jetzt etwa bei der Hälfte - und bisher finde ich es ebenfalls grandios.

Challenges
Ich habe ganz tapfer meiner Mutter die "Buddenbrooks" entführt und möchte mich also demnächst auf den Roman stürzen. Derzeit lese ich für die Klassiker-Challenge aber noch "Aethiopika" von Heliodoros, ein Roman, der derart verschachtelt ist, dass einem beim Lesen schnell der Kopf schwirrt.
Für die Historien-Challenge habe ich in letzter Zeit ein bisschen recherchiert, um das europäische Mittelalter weitgehend vermeiden zu können (auch bei den Sagen in der Geschichte). Das Ergebnis meiner Bemühungen seht ihr in der Leseliste - ich habe sie nun entsprechend aktualisiert.

Überarbeiten - noch immer
Nein, ich bin immer noch nicht mit der Überarbeitung von "Polarnacht" fertig. Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen ...

Bücherregen
Ein unerwarteter kleiner Geldsegen hat dazu geführt, dass ich drei Bücher gekauft habe (alles Mängelexemplare) und noch auf ein paar weitere bestellte warte. Das ist für meiner Verhältnisse echt ungewöhnlich, da ich mich sonst ja beim Bücherkauf immer sehr einschränke. Nun hab ich halt doch mal über die Stränge geschlagen ...
Die nächsten Tage werde ich euch also meinen SuB-Zuwachs vielleicht einmal präsentieren.

Donnerstag, 21. April 2011

Osterpause

Ich habe gerade beschlossen, mein MacBook nicht zu meiner Familie mitzunehmen, wenn ich heute über Ostern zu ihr fahre. Zwar wollte ich eigentlich weiter "Polarnacht" überarbeiten und auch sonst schreiben, aber ich bin einfach viel zu viel im Internet, und eine kleine Zwangspause würde mir bestimmt guttun.
Außerdem fehlt eh noch die Detailüberarbeitung bei ein paar Kapiteln, und die mach ich ja ohnehin großteils auf Ausdrucken.
Damit komme ich vielleicht trotz Ostern und einer Geburtstagsfeier auch mehr zum Lesen.

Noch anstehende Rezensionen (etwa zu Holts "The Shivering Sands") verschiebe ich also erst einmal nach hinten. Zwar kann ich theoretisch am alten Laptop meiner Mutter ins Internet, aber das plane ich erst einmal nicht.

Das hier sind übrigens meine geknüpften Ostermitbringsel (ich nehme nicht an, dass meine Familie hier mitliest und wage es also, sie hier schon mal zu zeigen):
Und mit diesen Frühlingsschmetterlingen verabschiede ich mich erst einmal für ein paar Tage und wünsche euch schöne Osterfeiertage und ein frohes Fest! :-)

Dienstag, 19. April 2011

Buchserien

Ich möchte mal versuchen, alle begonnenen Buchserien, die ich noch plane weiterzulesen, aufzulisten - auch als Übersicht für mich selbst. Ich verliere nämlich schon ein wenig den Überblick, wieviele ich sozusagen "laufen" habe.
Einige könnte ich eigentlich jederzeit zu Ende lesen - bei anderen hingegen warte ich noch auf das Erscheinen weiterer Bände. Und das, obwohl ich mir so oft vornehme, keine Serien mehr zu beginnen, die noch unvollendet sind (das ständige Warten auf den nächsten Harry Potter war eigentlich schon Folter genug ...). Nun ja, ich und meine Vorsätze eben ... ;-)

Dann mal los. Alle Bände, die ich noch nicht gelesen habe, markiere ich rot; Rezensionen zu gelesenen Bänden sind verlinkt.
(Hier habe ich übrigens auch mal eine Tabelle mit all meinen Serien der letzten Jahre erstellt - also auch denen, die ich bereits zu Ende gelesen habe.)

Robert Harris - Cicero-Trilogie
- Imperium
- Titan
- Dictator

George R. R. Martin - A Song of Ice and Fire
- A Game of Thrones
- A Clash of Kings
- A Storm of Swords
- A Feast for Crows
- A Dance with Dragons
- The Winds of Winter (noch kein Erscheinungstermin)
- A Dream of Spring (noch kein Erscheinungstermin)

Patrick Rothfuss - Die Königsmörder-Chroniken
- Der Name des Windes
- Die Furcht des Weisen 1
- Die Furcht des Weisen 2
- The Doors of Stone (noch kein Erscheinungstermin)


Mervyn Peake - Gormenghast
- Der junge Titus
- Im Schloß
- Der letzte Lord Groan
- Titus erwacht (aus dem Nachlass vollendet von Maeve Gilmore) 

Felix J. Palma - Viktorianische Trilogie
- Die Landkarte der Zeit
- Die Landkarte des Himmels
- Die Landkarte des Chaos

Carlos Ruiz Zafon - Friedhof der vergessenen Bücher
- Der Schatten des Windes
- Das Spiel des Engels
- Der Gefangene des Himmels
- ? (noch kein Titel und kein Erscheinungstermin bekannt)

Julie Campbell - Trixie Belden (Reread auf Englisch)
- The Secret Of The Mansion
- The Red Trailer Mystery
- The Gatehouse Mystery
- The Mysterious Visitor
- The Mystery Of Glenn Road
- The Mystery in Arizona
Alle weiteren Bände wurden nicht mehr von Julie Campbell geschrieben, sondern von verschiedenen AutorInnen unter dem Pseudonym "Kathryn Kenny". Vorerst habe ich nur ein Reread von Campbells Romanen geplant.

Dorothy L. Sayers - Lord Peter Wimsey-Krimis
- Der Tote in der Badewanne
- Diskrete Zeugen
- Keines natürlichen Todes
- Ärger im Bellona-Club
- Starkes Gift
- Fünf falsche Fährten (abgebrochen)
- Zur fraglichen Stunde
- Mord braucht Reklame
- Der Glocken Schlag
- Aufruhr in Oxford
- Hochzeit kommt vor dem Fall

Hugh Howey - Silo
- Silo
- Level
- Exit  

Maggie Stiefvater - The Raven Circle
- The Raven Boys
- The Dream Thieves
- Blue Lily, Lily Blue
- The Raven King

Marie Brennan - A Memoir by Lady Trent
- A Natural History of Dragons
- The Tropic of Serpents
- Voyage of the Basilisk
- In the Labyrinth of Drakes 

Carola Dunn - Daisy Dalrymple Mysteries
- Death at Wentwater Court
- The Winter Garden Mystery
- Requiem for a Mezzo
- Murder at the Flying Scotsman
- Damsel in Distress
- Dead in the Water
- Styx and Stones 
- Rattle His Bone 
- To Davy Jones Below
- The Case of the Murdered Muckraker 
- Mistletoe and Murder 
- Die Laughing 
- A Mourning Wedding 
- Fall of a Philanderer 
- Gunpowder Plot 
- The Bloody Tower 
- Black Ship 
- Sheer Folly 
- Anthem for Doomed Youth 
- Gone West 
- Heirs of the Body
  
Robert Galbraith - Cormoran Strike
- Der Ruf des Kuckucks
- Der Seidenspinner
- Die Ernte des Bösen  

Sonntag, 17. April 2011

Jane Austen oder: Eine Entdeckung am Sonntag

Hurra, ich hab eine Entdeckung gemacht: Ich hab quasi einen neuen Jane-Austen-Roman entdeckt! *herumhüpf*
Vielleicht fragt ihr euch jetzt: Bitte was? Was soll das für ein Blogeintrag sein? Was war in ihrem Frühstückskaffee?

Also werde ich das Ganze mal erklären:
Als ich etwa 16 Jahre alt war, saß ich mal an einem verregneten Wochenende zuhause und hatte keinen Lesestoff. Ich hab dann die Bücher meiner Mutter durchstöbert und stieß auf "Emma". Hm, dachte ich, altmodischer Liebeskitsch - ich weiß ja nicht ...
Trotzdem habe ich mal zu lesen begonnen, und erstaunlicherweise gefiel mir der Roman von Anfang an. Ich mochte die Ironie, die teils skurrilen Figuren, die unperfekte Heldin und all die Verwicklungen. Daraufhin habe ich in den nächsten Monaten alle Jane-Austen-Romane ausgeliehen, die unsere Bücherei zu bieten hatte, und das waren eigentlich alle, selbst ihre fragmentarischen Werke "Sanditon" und "The Watsons".
Tja, irgendwann hatte ich alle durch und fand das sehr schade.

Ich war mir die ganze Zeit sicher, sie alle zu kennen, auch "Northanger Abbey". Klar, das war doch der Roman mit ... hm ... ich weiß es nicht mehr so genau, aber ich weiß, ich habe ihn gelesen. Bis ich den Film "Der Jane Austen Club" sah und mir bewusst wurde, dass ich, als "Northanger Abbey" an die Reihe kam, keine Ahnung hatte, wovon die alle sprachen.
Also flugs in meinen Brockhaus geblättert, Wikipedia bemüht und fröhlich herumgegoogelt und gemerkt: Hoppla, diesen Roman kenne ich nicht! "Northanger Abbey" habe ich noch nie in meinem Leben gelesen!

Noch immer werdet ihr euch vielleicht fragen, weshalb das einen Blogeintrag wert ist. Nun ja, es ist schwer zu beschreiben, wie ich mich gerade fühle. Ich bin immer davon ausgegangen, von einer meiner Lieblingsautorinnen sämtliche Romane zu kennen. Und da sie nunmehr vor fast 200 Jahren gestorben ist, war auch klar: Da kommt nichts mehr. Ich habe alles gelesen und mehr wird es nicht mehr geben. Schade.
Und jetzt ist da ein "neuer" Roman! Ich habe eben doch noch nicht alles gelesen! :-)

Ich muss also "Northanger Abbey" demnächst unbedingt aus der Bücherei ausleihen oder ihn mir vielleicht sogar kaufen. Ein bisschen ängstlich bin ich aber schon. Gut, ich habe Jane Austen als Teenager geliebt. Aber in dem Alter hab ich so einiges geliebt, das ich jetzt nur noch mit der Kneifzange anfassen würde. Was, wenn es mir in diesem Fall auch so geht?
Ach, das wird eine spannende Sache ...

Samstag, 16. April 2011

Juan Ramón Jiménez - Platero und ich



Genre: Prosadichtung
Seiten: 266
Verlag: Coron
ASIN: B002AFN1ZE

Klassiker-Challenge (Spanien)



Ich muss gestehen, dass ich mich lange davor gedrückt habe, diese Rezension zu verfassen. Da ich das Buch aber für eine Challenge gelesen habe, konnte ich mich nicht davor drücken. Was aber ist so schwierig an dieser Rezension?
"Platero und ich" ist kein Roman im eigentlichen Sinn. Zwar könnte man den Inhalt solchermaßen zusammenfassen, dass der Ich-Erzähler mit seinem kleinen Esel durch den andalusischen Ort Molguer und seine nähere Umgebung streicht, aber das ist weder eine adäquate Handlungszusammenfassung, noch beschreibt das das Werk auch nur annähernd.
"Platero und ich" besteht aus 138 "Kapiteln", die manchmal einzelne Szenen schildern, Erlebnisse mit Platero erzählen oder bestimmte Personen aus Moguer vorstellen und manchmal lediglich besondere oder alltägliche Stimmungen und Ereignisse einfangen. Zusammengehalten werden sie durch den Esel Platero und durch eine Art Jahreskreislauf: Der Text setzt im Frühling ein und endet im Winter.
Mehr möchte ich über den Inhalt an sich hier gar nicht sagen. Platero wird meist als Sinnbild für das Verhältnis von Mensch und Natur betrachtet, aber ich möchte mich hier nicht in Interpretationen verlieren.

Es ist schwer, den Text zu bewerten, da er natürlich nicht spannend oder fesselnd im eigentlichen Sinn ist. Dennoch entwickelt sich ein gewisser Sog, und umso besser man Moguer und seine Bewohner kennenlernt, umso besser kann man in die einzelnen Szenen eintauchen. Die Sprache ist poetisch, aber dennoch eher schlicht. Jedes einzelne Wort sitzt, nichts wirkt überflüssig oder fehlplatziert. Zwar sind manche der Bilder vom Inhalt her fröhlich oder amüsant, aber dennoch ist die Grundstimmung sehr schwermütig und melancholisch.

Die Ausgabe, die ich von der Bücherei ausgeliehen hatte, gehört zu der Sammlung "Nobelpreis für Literatur" des Züricher Coron-Verlages und bietet neben dem eigentlichen Werk noch eine Reihe von interessanten Informationen: eine ausführliche Biografie nebst einer genaueren Beschreibung des Ortes Moguer, eine Bibliografie und die Verleihungsrede anlässlich der Überreichung des Nobelpreises (im Jahr 1956).
Das war umso interessanter, da ich vorher über Jiménez so gut wie nichts wusste.
Allen, die sich für dieses Werk interessieren, kann ich also nur empfehlen, nach einer entsprechenden Ausgabe Ausschau zu halten.
Dazu gibt es auch noch Illustrationen, die wunderbar zur Stimmung der jeweiligen Szenen passen.

Ich werde dieses Werk nicht wie sonst mit Punkten bewerten, da es mir irgendwie nicht passend vorkommt. Es lohnt sich auf alle Fälle, es zu lesen und sich auf die einzelnen Stimmungsbilder einzulassen.

Montag, 11. April 2011

Kurzrezensionen: Trauerarbeit und einige Jugendromane

Ich fasse mal wieder Mini-Rezensionen ein paar meiner gelesenen Bücher der letzten Zeit in einem Beitrag zusammen:

Lisa-Marie Dickreiter - Vom Atmen unter Wasser
Es ist fast ein Jahr her, seit die 16jährige Tochter ermordet wurde, als die Mutter nicht mehr mit der Situation fertig wird und versucht, sich das Leben zu nehmen. Ihr Mann und ihr 20jähriger Sohn gehen beide auf ihre Art damit um, während sie auch selbst noch mit der Trauer um Sarah zu kämpfen haben.
Lisa-Marie Dickreiter schrieb das Drehbuch für den gleichnamigen Film (2008), ehe sie den Stoff nun in Romanform umsetzte. In einem eher knappen, nüchternen Stil schreibt sie aus der Sicht der drei Familienmitglieder und zeichnet sehr überzeugend das Bild einer zerrütteten Familie.
Leider hatte ich das Gefühl, in dem Roman noch die Filmszenen durchscheinen zu sehen: Die einzelnen Szenen sind oft sehr kurz und wechseln abrupt. Es bleibt manchmal kaum Zeit, sich auf eine Situation oder einen Schauplatz einzustellen, ehe schon wieder ein harter Schnitt kommt. Das lässt den Roman für mich etwas gehetzt und wie ein Flickwerk wirken.
Dennoch lesenswert: 4/5 Sternchen

Monika Feth - Der Mädchenmaler (Hörbuch)
Vor Jahren "musste" ich für ein Seminar über Kinder- und Jugendkrimis den Thriller "Der Erdbeerpflücker" von Monika Feth lesen, den ich sehr spannend fand. Nun beginnen die 18jährige Jette und ihre Mitbewohnerin Merle wieder auf eigene Faust zu ermitteln, als eine Freundin von ihnen vom einen Tag auf den anderen spurlos verschwindet.
Auch der zweite Jette-Thriller von Monika Feth ist wieder aus vielen verschiedenen Perspektiven geschrieben: Der Entführer, Jette, ihre Mutter, ein Kommissar, die verschwundene Ilka, ihr Freund Mike. Im Hörbuch werden diese Perspektiven von verschiedenen Sprechern und Sprecherinnen gelesen, wobei manche Personen sich quasi eine Sprecherin "teilen" müssen, was etwas irritierend ist. Ansonsten sind sowohl die Handlung als auch die Hörbuch-Umsetzung gut gelungen. Schön ist, dass es Bezüge zu den Geschehnissen des Vorgängers gibt und die Figuren ihre damaligen Erlebnisse nicht einfach so wegstecken. Allerdings ist es gerade angesichts Jettes anfänglichen Problemen nicht nachvollziehbar, dass sie sich nun wieder so gedankenlos in Gefahr begibt. Auch sonst ist nicht jede Handlung der Figuren immer ganz verständlich und der Kommissar scheint teilweise blind und taub durch seine Ermittlungen zu stolpern.
Insgesamt ein spannender und psychologisch interessanter Thriller mit einigen Schwächen: 3/5 Sternchen

Kai Meyer - Arkadien erwacht
Ich hatte bisher bei Kai Meyer oft das Problem, dass ich seine Serienauftakte großartig fand, für mich dann aber Handlung und Spannung abfielen. Ganz so großartig fand ich den Auftakt seiner Arkadien-Romane nun nicht. Der Einstieg war sehr stark: Die 17jährige Rosa reist aus Amerika zurück in ihre Heimat Sizilien, wo ihre Tante das Oberhaupt eines Mafiaclans ist. Und diese Rosa hat mich sofort gefesselt - ein zynisches, trotziges und misstrauisches Mädchen, das man nicht unbedingt mit den Eigenschaften "lieb" oder "nett" beschreiben kann und das noch so einige Dinge aus der Vergangenheit mit sich herumzuschleppen scheint. Was für Dinge das sind, erfährt man im Laufe des Romans, und ich kann nur sagen, dass ich nicht nur überrascht war, sondern auch beeindruckt, welche Themen Kai Meyer sich hier anzusprechen wagt.
"Arkadien erwacht" ist kein "weichgespülter" Jugendroman, sondern gewissermaßen schonungslos. Auch die sich entwickelnde Liebesgeschichte zwischen Rosa und Alessandro, der aus einem verfeindeten Clan stammt, wirkt nicht kindlich und ist sehr gut nachvollziehbar: Eine langsame Entwicklung anstatt der großen Liebe von einer Sekunde zur anderen.
Eher schleppend war für mich hingegen die Handlung, zumal ich auch mit den Themen Mafia und Gestaltwandler nicht so schnell warm wurde. Dennoch hat mir das Buch gut gefallen und ich bin gespannt auf den nächsten Band.
4/5 Sternchen

Isabel Abedi - Isola
Für ein Filmprojekt kommen 12 Jugendliche auf eine kleine Insel vor Rio de Janeiro ohne zu wissen, was genau sie dort erwartet. Der Regisseur, der sie von der Nachbarinsel aus mittels zahlreichen Kameras beobachtet, überrascht sie mit einem "Spiel", das allerdings bald eskaliert - denn noch jemand anders scheint hier mit den Beteiligten zu spielen.
Dieser Roman hat mich vom ersten Satz weg gepackt und mich dann atemlos immer weiter- und weiterlesen lassen. Toll!, dachte ich mir. Endlich wieder ein Buch, das mich so richtig fesselt, ein Buch mit dem gewissen Etwas!
Aber leider, das war es dann doch nicht. Angesichts des Themas fand ich es sehr schade, dass keinerlei medienkritische Auseinandersetzung damit stattfand. Noch mehr enttäuscht hat mich aber die Auflösung bzw. nicht einmal die Auflösung an sich, sondern die vermeintlichen überraschenden Wendungen, die sich jeweils schon mehrere Seiten vorher abgezeichnet haben. Bis es dann zur Wendung kam, war mir längst schon klar, was nun kommen würde und die vermeintliche unglaubliche Entdeckung verpuffte einfach. Sehr ärgerlich war das, als es um die Identität einer bestimmten Person ging. Schon längst war klar, dass das nur eine bestimmte Person sein konnte, dennoch bemühte Abedi sich noch, in entsprechenden Szenen die Identität noch künstlich zu verschleiern, indem sie keinen Namen nannte und die Ich-Erzählerin Vera außerdem komplett im Dunkeln tappen ließ. Nicht ein einziges Mal zieht Vera die betreffende Person auch nur annähernd in Betracht, und als sie es dann herausfindet, bleibt der entsprechende Knallefekt wieder aus, da ich mir nur dachte: Ja, das war jetzt schon seit gut 30 Seiten klar.
Schade, das hat am Ende dem Roman einiges an Spannung genommen. Wäre das alles nicht so offensichtlich gewesen, hätte ich den Roman wirklich grandios gefunden. So vergebe ich für den fesselnden Sog der Handlung in den ersten zwei Dritteln 4/5 Sternchen.

Sonntag, 10. April 2011

Rainer-K. Langner - Duell im ewigen Eis. Scott und Amundsen oder Die Eroberung des Südpols


Genre: Sachbuch/Tatsachenbericht
Seiten: 209
Verlag: Fischer
ISBN: 978-3596149087
Meine Bewertung: 5 von 5 Sternchen

Historien-Challenge (Sachbuch - Neueste Geschichte)




Im Jahr 1910 bricht Robert Falcon Scott mit der Terra Nova auf, um sein großes Lebensziel zu erreichen: den Südpol erreichen und somit seinen Landsmann Shackleton zu überflügeln. Doch ein weiterer macht sich auf, den Südpol zu erobern - unter Vorspiegelung falscher Tatsachen (angeblich wollte er die Nordpolarregion wissenschaftlich untersuchen) bricht Roald Amundsen auf der Fram von Norwegen auf und nimmt ebenfalls Kurs auf den Südpol. Damit eröffnet er einen Wettlauf, den Scott nie wollte.

Dieses recht schmale Büchlein konzentriert sich ganz auf die Gegenüberstellung der beiden "Kontrahenten" - ihr bisheriges Leben, ihr Charakter, ihre bisherigen Polarfahrten und schließlich ihr Weg zum Südpol. Beide gehen auf ganz unterschiedliche Art und Weise an die Sache heran: Amundsen passt sich den Bedingungen an - Scott bekämpft sie; Amundsen lernt von den Inuit, übernimmt ihre Art der Fellkleidung und verlässt sich Schlittenhunde - Scott setzt auf Traditionen und britische Werte, verlässt sich auf Shetland Ponies und Motorschlitten; Amundsen organisiert die Reise penibel durch, berechnet Proviant und Ausrüstung sehr großzügig und kann auf zahlreiche Erfahrungen im norwegischen Bergland zurückgreifen - Scott plant wenig bis gar nicht, scheitert an der Improvisation, berechnet Proviant und Ausrüstung ohne Spielraum und hat kaum praktische Erfahrungen mit Skiern und Schnee.
Langner versteht es sehr gut, die Unterschiede in Planung und Ausführung der beiden Polarforscher herauszuarbeiten, und so begreift man als Leser sehr gut, weshalb der eine erfolgreich war und der andere scheiterte.

Ich hatte schon immer großes Interesse an Polarexpeditionen, besonders aber an jenen, wo die Fram beteiligt war. In Oslo ist diesem Schiff nämlich ein Museum gewidmet, dessen Kernstück das Originalschiff selbst ist, das man betreten und sowohl auf als auch unter Deck genau in Augenschein nehmen kann. Ich war mehrere Male in dem Museum, habe dort auch die zahlreichen Informationen zu den Fahrten der Fram gelesen und wusste über den Ausgang der Südpoleroberung also bestens Bescheid.
Dennoch war das Buch unglaublich spannend und vermochte mich bis zum Ende zu fesseln. Die Mischung aus der rückblickenden Zusammenfassung der Ereignisse und Tagebucheinträgen ist ideal und liest sich besser als so mancher Roman.
Beide Männer werden kritisch beleuchtet und nicht zu Helden idealisiert - man sieht ihre Stärken und Schwächen, findet sie mal sympathisch, mal beinahe unerträglich. Dass der Tod von Scott und vier seiner Gefährten durch eine bessere Planung, eine größere Offenheit und etwas weniger Arroganz zu verhindern gewesen wäre, tut beim Lesen richtig weh. Das endgültige Scheitern nur 11 Meilen von einem Vorratslager entfernt hätte nicht sein müssen und ließ mich beim Lesen beklommen und traurig zurück.

Langners Buch ist natürlich zu kurz für eine wirklich umfassende Darstellung der Expedition, aber seine Konzentration auf Amundsen und Scott selbst (und weniger auf die Reise zum Südpol) führt zu einem sehr harmonischen Ganzen.
Dabei werden auch viele Informationen zu der Geschichte der Südpolforschung und zu den historischen Hintergründen der Zeit eingeflochten. Einige Fotos und zwei Karten (eine Überblickskarte am Anfang, eine Detailkarte am Ende) runden das ganze ab. Das Buch bietet wirklich einen tollen Überblick und macht Appetit auf mehr.
Unbedingt empfehlenswert für alle, die sich für dieses Thema interessieren!

Freitag, 8. April 2011

Meine Challenges - ein Zwischenstand

Das Jahr schreitet zügig voran, und es lohnt sich mal wieder ein Blick auf meine Challenges.

Bei Der Geschichte auf der Spur ist mittlerweile Halbzeit, das bedeutet, ich sollte zumindest schon sechs Bücher gelesen haben und natürlich auch schon mal etwas von der Sachbuch-Liste. Das ist allerdings nicht der Fall. Bislang habe ich fünf Romane gelesen und noch kein Sachbuch. Ich bin mir nicht mehr sicher, ob ich diese Challenge noch schaffe, da ich immer noch Mittelalter-müde bin, und noch dazu "Der Winterkönig" von Cornwell abgebrochen habe, weil ich überhaupt keine Lust mehr auf Artus (in welcher Form und Interpretation auch immer) habe. Hier muss also unbedingt ein anderer Sagenkreis her.
Ansonsten hab ich mich zumindest mal mit passendem Lesestoff aus der Bücherei eingedeckt - so liegen bei mir hier jetzt "Alias Grace" von Margaret Atwood (19. Jahrhundert), "Before the Storm" von Judith Lennox (1900-1945) sowie "Duell im ewigen Eis" von Rainer-K. Langner (Sachbuch; Neueste Geschichte). Und ich lese gerade "Kaiser von morgens bis abends" von Jörg Fündling (Sachbuch; Antike). Noch habe ich also nicht aufgegeben, aber ich werde jetzt einfach mal schauen, wie es weiterhin so läuft. Zwingen möchte ich mich zu nichts - sollte ich bis zum Herbst immer noch des Mittelalters überdrüssig sein, wird das eben nichts mehr mit der Challenge.

Deutlich besser läuft es bei der Englisch-Challenge, wo ich bisher brav pro Monat ein englisches Buch gelesen bzw. gehört habe (manchmal auch mehr als eins, wobei ich nicht alle rezensiert habe) und auch momentan mit einem beschäftigt bin: "The Shivering Sands" von Victoria Holt - in einem Anfall von Nostalgie. ;-)
Gewissermaßen ist das die "leichteste" Challenge, weil man hier große Freiheiten hat. Es geht ja nur um ein englisches Buch pro Monat - Genre und Umfang sind völlig egal. So sehr ich auch Spaß am Erstellen der Listen für die anderen Challenges hatte, so muss ich doch sagen, dass mir jetzt beim Lesen diese freie Wahl doch am meisten zusagt.

Und dann haben wir noch die Klassiker aus aller Herren Länder, wo ich ganz gut in der Zeit liege. Ich habe inzwischen drei Bücher gelesen, wobei ich für das letzte ("Platero und ich") noch eine Rezension schreiben muss.
Da ich mir ja für den Mai die "Buddenbrooks" vorgenommen habe, bräuchte ich jetzt im April am besten noch eins in einer überschaubaren Länge. Das eine oder andere Buch fällt allerdings schon mal weg, weil ich nicht alle hier in Wien habe und erst zu Ostern wieder bei meiner Familie bin. In der Uni-Bibliothek hab ich jetzt mal "Aethiopika" von Heliodoros bestellt. Schaun wir mal, wie das so ist.
"Remembering Babylon" von David Malouf hab ich übrigens vorerst wieder in die Bücherei zurückgebracht. Ich schätze, ich werde das doch in der deutschen Übersetzung lesen. Es frustriert mich zwar, aber offensichtlich kann ich bislang auf Englisch doch nur eher "leichte" Unterhaltung bewältigen. Dabei würde ich doch gern "The Tenant of Wildfell Hall" auf Englisch lesen, und "Gulliver's Travels" liegt ja sowieso im Original auf meinem SuB. Vielleicht wirds ja noch was gegen Ende des Jahres.

Soweit also der Zwischenstand. Und da ich ja ein Statistik-Fan bin, jetzt das ganze noch einmal in Zahlen und Prozenten (wobei zu bedenken ist, dass die Geschichte-Challenge schon 3 Monate vor den anderen beiden endet):

- Der Geschichte auf der Spur:
                 Romane: 5/12 = 41,7%
                 Sachbücher: 0/5 = 0%
                 gesamt: 5/17 = 29,4%
- I'm in ... English Challenge: 3/12 = 25%
- Klassiker aus aller Herren Länder: 3/10 = 30%

Dienstag, 5. April 2011

Das Warten auf ein Buch mit dem gewissen Etwas

Momentan habe ich mal wieder das Gefühl, eine besonders nörgelige Leserin zu sein. Umso mehr ich ernsthafter ich selbst schreibe, umso anspruchsvoller werde ich beim Lesen. Das ist vermutlich ganz normal, auch wenn ich noch nie zu denen gehört habe, die sich vor lauter Kritik und Analyse schon die Lust am Lesen genommen haben. Und wenn ich mir da einige Schreibkollegen ansehe, habe ich das Gefühl, als wäre ich eigentlich doch eine recht wohlwollende und leicht zufriedenzustellende Leserin.

Derzeit kommt es mir aber so vor, als wäre ich selbst für meine Verhältnisse ungewöhnlich kritisch. Erst zwei Romane habe ich in diesem Jahr mit meiner Höchstnote von 5 Sternchen bewertet, obwohl mir bisher viele Bücher wirklich gut gefallen haben. Aber meistens hat dennoch das gewisse Etwas gefehlt. Das "gewisse Etwas" bedeutet bei mir im Wesentlichen, dass ich einen Roman so toll finde, dass ich ihn für nahezu perfekt halte - oder aber, dass ich an einem Roman zwar einige Schwächen sehe, beim Lesen aber so reingezogen wurde, dass sie mir schlichtweg egal sind.
Dieses "reingezogen werden" ist mir in letzter Zeit selten passiert. Ich denke, es war sogar seit den "Hunger Games" nicht mehr der Fall (und die habe ich letztes Jahr im Oktober gelesen). Dazwischen haben mir zwar einige Romane sehr gut gefallen, aber sie haben mich alle nicht so nachhaltig beschäftigt - und mich auch nicht so sehr zu fieberhaftem Weiterlesen gebracht.
Ich erinnere mich, dass ich auch früher schon öfter solche Phasen hatte und dann manchmal sogar Angst hatte, ich hätte vielleicht die Fähigkeit verloren, mich ganz von einem Buch gefangennehmen zu lassen. Gottseidank gab es dann trotzdem immer mal wieder einen Roman, der mich vom Gegenteil überzeugt hat. Insofern bin ich auch diesmal hoffnungsvoll.

Ich habe übrigens die letzten Tage einige Bücher ausgelesen - "Arkadien erwacht" von Kai Meyer (sehr guter Roman, aber keine 5 Sternchen ;-)), "Lisa" von Thomas Glavinic (eher eine Enttäuschung) und "Platero und ich" von Juan Ramón Jiménez (sehr schöne Einzelbilder).
Was ich als nächstes lese, weiß ich gerade nicht so recht. Vielleicht "Fool on the Hill" von Matt Ruff, oder aber eins der Bücher, die ich noch von der Bücherei daheim habe. Auf alle Fälle sollte ich mich schnell entscheiden, denn in einer Stunde muss ich in die Arbeit fahren - und da möchte ich Lesestoff mitnehmen. ;-)

Und als Abschluss noch die Frage: Kennt ihr solche unzufriedenen Phasen? Zeiten, wo ihr gute Bücher lest und einige davon auch ganz toll findet, aber doch irgendetwas fehlt?

Sonntag, 3. April 2011

eBook-Reader - Ein Vergleich

Auf gehts zu meinem ultimativen (und abseits der harten Fakten sehr subjektivem) Vergleich einiger eBook-Reader. Dazu muss ich sagen, dass der "Sony PRS-350" tatsächlich der einzige Reader war, den ich vor Ort gefunden habe - daher konnte ich nur diesen und Thalias "Oyo" testen (und das iPad, das ich hier aber nicht vorstelle); bei allen anderen Readern kann ich mich nur auf Beschreibungen, Erfahrungsberichte und Video-Reviews auf youtube verlassen.

Da der Beitrag vermutlich recht lange wird, liste ich hier zur besseren Übersicht die Reader auf, die ich im Folgenden vorstelle (ich wollte eigentlich interne Links setzen, aber irgendetwas schien blogspot dagegen zu haben):
- Amazon Kindle 3/WiFi
- Sony PRS-350/PRS-650
- iRiver Story
- Thalias Oyo
- Pocketbook Pro 602/603

Amazon Kindle 3/WiFi
Rein von der Ausstattung her macht der neue Kindle einen sehr guten Eindruck. Dank neuer e-Ink-Technologie ist das Display sehr kontrastreich und spiegelt kaum. Bei den Video-Reviews schien der Kindle außerdem sehr flott zu reagieren. Ein paar Fakten:
Display: 6"
Gewicht: 240 Gramm
Akkulaufzeit: etwa 8.000 mal Umblättern
interner Speicher: 4 GB (nicht erweiterbar)
unterstützte Textformate: azw, txt, mobi, prc, html, pdf
Preis: ca. 180 € (Kindle 3 mit WLAN-Modul) bzw. 135 € (Kindle WiFi)

Für Notizen hat der Kindle außerdem eine QWERTY-Tastatur, was natürlich sehr praktisch ist, wenn man den Reader nicht ausschließlich zum Lesen nutzen möchte.
Klingt alles prima und wäre auch mein Favorit, wäre da nicht der größte Nachteil des Kindle: Mit dem Kindle-Store hat man Zugriff auf zig Titel bei Amazon, aber dafür wird das sonst gängige Format für eBooks (ePub) nicht unterstützt. Zwar lässt sich dieses Problem mittels Calibre lösen, aber das gilt nur für DRM-freie eBooks. Deutsche eBooks sind aber großteils DRM-geschützt.
Für mich ist das nahezu ein K.O.-Kriterium, da ich ja auch das virtuelle Angebot der Städtischen Bücherei nutzen möchte, und dort bekommt man nur DRM-geschützte ePubs. Und ein weiteres Problem: Sollte man irgendwann auf einen anderen Reader umsteigen, können die über den Kindle bei Amazon gekauften eBooks nicht übernommen werden.
Wirklich schade, da der Kindle ansonsten im Preis-Leistungsverhältnis nahezu unschlagbar ist.

Sony PRS-350/PRS-650
Die beiden neuesten Reader von Sony sind die einzigen Reader, die wie der Kindle eine neue e-Ink-Technologie verwenden. Die Kontraste sind super, der Touchscreen reagiert extrem schnell (Seitenumblättern dauert keine Sekunde) und das Display spiegelt kaum.
Bei der folgenden Aufzählung gilt immer der erste Wert für den PRS-350 und der zweite für den PRS-650:
Display: 5"/6"
Gewicht: 160 Gramm/220 Gramm
Akkulaufzeit: etwa 2 Wochen
interner Speicher: 2 GB (nicht erweiterbar)/2 GB (mittels Speicherkarten erweiterbar)
unterstützte Textformate: epub, LRF,LRX, txt, rtf, pdf, doc
Preis: ca. 179€/229€

Leider habe ich bisher beim Sony keine genaueren Angaben (also Anzahl der Seitenwechsel) bei der Akkulaufzeit gefunden. 2 Wochen klingt sehr vage (bei wie häufiger Benutzung?) und ist außerdem meines Erachtens eine recht kurze Zeit.
Anders als bei Kindle gibt es keine direkte Anbindung an einen eBook-Store.
Mein Eindruck ist übrigens, dass die neuen Sony-Reader sehr handlich, sehr leicht und sehr gut zu bedienen sind. Leider ist der Preis noch recht stolz - und der PRS-650 sprengt auch dann mein Budget, wenn ich mir zum Geburtstag Geld dafür wünsche. Und ob mir der kleine Sony mit dem 5"-Display groß genug ist, frage ich mich dann doch.

iRiver Story
Wie der Kindle hat auch der iRiver Story eine QWERTY-Tastatur und punktet zudem mit Lautsprecher und Mikrofon (falls man etwa Anmerkungen nicht eintippen, sondern sprechen möchte).
Display: 6"
Gewicht: 284 Gramm
Akkulaufzeit: etwa 8.000 mal Umblättern
interner Speicher: 2 GB (mittels Speicherkarten erweiterbar)
unterstützte Textformate: txt, mobi, html, pdf, epub, xls, ppt, doc
Preis: ca. 159€

Dieser Reader macht auf mich einen sehr guten Eindruck auf den diversen Videos und ist auch vom Preis her erschwinglich. Das Display scheint etwas schlechter zu sein als bei den neuen Kindle und Sony Readern, macht aber dennoch einen guten Eindruck. Wie der Sony hat auch der iRiver Story keine Anbindung an einen eBook-Store.
Das Problem ist: Ich konnte bisher nicht herausfinden, ob der iRiver Story Wörterbücher integriert hat. Bei den zwei vorigen Readern ist das der Fall, aber hier habe ich keine entsprechenden Angaben gefunden. Falls da jemand etwas genaueres weiß, wäre ich über einen Hinweis sehr dankbar. Denn eigentlich wäre mir ein integriertes Englisch-Deutsch-Wörterbuch sehr wichtig!

Es gibt inzwischen übrigens noch den neueren iRiver Cover Story mit Touchscreen, über den ich mich aber noch nicht genauer informiert habe. Eine kleine Vorstellung trage ich vielleicht noch nach.

Oyo
Thalias eigener Reader ist bei mir trotz günstigem Preis schon fast aus dem Rennen. Weshalb, darauf komme ich noch zu sprechen, zunächst aber die üblichen Fakten:
Display: 6"
Gewicht: 240 Gramm
Akkulaufzeit: etwa 8.000 mal Umblättern
interner Speicher: 2 GB (mittels Speicherkarten erweiterbar)
unterstützte Textormate: epub, pdf, txt, html
Preis: ca. 139€

Der Oyo punktet mit einem vergleichsweise günstigen Preis sowie einem integrierten eBook-Store (Thalia).  Da ich diesen Reader ebenso wie den Sony in Augenschein nehmen konnte, kann ich sagen, dass das Display gut lesbar und annähernd spiegelfrei ist, allerdings nicht mit dem neuen Sony mithalten kann. Solange man keine direkten Vergleiche zieht, ist aber der Kontrast wirklich zufriedenstellend.
Das Problem ist eher, dass die Reaktionszeit nicht sehr schnell ist. Der Touchscreen scheint nicht immer gleich zu reagieren, und Seitenumblättern dauert schon mal ein paar Sekunden. Das fand ich persönlich sehr nervig, und ich befürchte, dass das für mich ungeduldigen Menschen auf Dauer nichts wäre.
Dazu kommt noch, dass der Oyo kein Wörterbuch integriert hat.

Pocketbook Pro 602/603
Zwei eBook-Reader, die mich noch interessieren, sind das Pocketbook Pro 602/603, die sich dadurch unterscheiden, dass das 603 über ein integriertes UMTS-Modul verfügt und ein etwas anderes Display (Wacom Digitizer Touchscreen) hat.
Display: 6"
Gewicht: 250 Gramm
Akkulaufzeit: etwa 14.000 mal Umblättern
interner Speicher: 2 GB (mittels Speicherkarten erweiterbar)
unterstützte Textformate: fb2, txt, pdf, rtf, html, prc, chm, djvu, doc, epub, tcr
Preis: ca. 199€ (602) / ca. 269€ (603)

Das Pocketbook Pro hat wie Oyo und Kindle einen direkten Zugriff auf einen eBook-Store, wo auch das Angebot an deutschen Titeln einigermaßen zufriedenstellend sein dürfte. Die Akkulaufzeit klingt sehr vielversprechend und auch sonst machen diese Reader einen guten Eindruck.
Das Display ist wohl nicht so gut wie das der neuen Kindle und Sony Reader, aber die sind aufgrund der Pearl eInk-Technologie derzeit ungeschlagen. Immerhin ist die Reaktion beim Umblättern schnell, und es sind auch Wörterbücher integriert.

Interessant scheint auch noch das Pocketbook 360° zu sein, das ein 5"-Display hat. Auch diesen Reader werde ich vielleicht noch etwas genauer unter die Lupe nehmen, allerdings schreckt mich da der geringe interne Speicher von 512 MB etwas ab (auch wenn der Speicherplatz erweiterbar ist).


Tja, es ist alles nicht so einfach. Eigentlich haben alle Reader Vor- und Nachteile, bei denen es schwierig ist, sie gegeneinander abzuwiegen. Der Kindle wäre mit ePub-Unterstützung für mich allererste Wahl, aber so spricht doch zuvieles dagegen. Was Display, Lesbarkeit und Reaktionsgeschwindigkeit betrifft, scheinen die neuen Sonys klar die Nase vorn zu haben, was auch klar am Preis erkennbar ist.
Insgesamt kann ich nur sagen, dass ich noch mehr als unentschlossen bin. Da ich erst im Juni Geburtstag habe, kann ich ja noch lange darüber nachdenken und mich weiter informieren. Zumindest das Pocketbook Pro scheint auch noch eine vernünftige Alternative zu sein - ebenso wie der iRiver Story (wo die Wörterbuch-Frage aber noch ungeklärt ist).
Das Problem ist einfach, dass ich diese beiden Reader hier nirgends ausprobieren und mich also nur auf Hörensagen verlassen kann.

Vielleicht konnte ich der einen oder anderen von euch mit dieser kleinen Gegenüberstellung helfen. Ich wüsste noch ein paar Dinge mehr zu manchen Readern zu sagen, wollte aber nicht, dass dieser Eintrag hier in der Länge endgültig ausartet. Falls ihr also noch etwas wissen wollt, fragt einfach - vielleicht kann ich euch Auskunft geben.

Freitag, 1. April 2011

Ein Fazit zu meinem Überarbeitungsmonat

So, der März ist vorbei - und was ist jetzt mit meinem angekündigten NaNoEdMo? Wir erinnern uns: Es ging darum, 50 Stunden im Monat dem Überarbeiten zu widmen. Nun ja, ich habe etwa einen halben EdMo geschafft.
25 Stunden Überarbeitungszeit im Monat ist jetzt nicht sooo schlecht, wenn man bedenkt, dass ich das ja nicht etwa beruflich mache. Knapp 1 Stunde pro Tag. Allerdings wars eher so, dass ich die Hälfte des Monats gar nicht überarbeitet habe und die restlichen Tage dann oft gut 2 Stunden pro Tag. Ich habe (wie immer bei solchen Gelegenheiten) eine Statistik geführt, und die zeigt mir, dass ich in der ersten Märzwoche (also vor der Premiere unseres Theaterstücks) gar nichts geschafft habe und dann einen weiteren Einbruch hatte, als ich krank war. Es war also keine reine Faulheit, die mich vom Erreichen des Ziels abgehalten hat.

Was bedeutet das jetzt eigentlich für "Polarnacht" abseits der reinen Zahlen? Mein Ziel, den Roman bis Ende des Monats zu überarbeiten, habe ich nicht geschafft. Sehr schade.
Inhaltliche Änderungen am Anfang und mitten im Roman habe ich erledigt. Außerdem sind von 19 Kapiteln 13 komplett überarbeitet inklusive sprachlicher Feinarbeit. Was aber noch fehlt, ist nicht nur die sprachliche Überarbeitung der restlichen 6 Kapiteln, sondern auch das Neuschreiben des Endes. Das liegt mir schwer im Magen und das hätte ich wirklich gern schon im März erledigt gehabt.
Tja, nun muss ich also die nächsten Tage noch fleißig weiterüberarbeiten. Immerhin zeigt sich ja schon ein Licht am Ende des Tunnels.