Montag, 30. Mai 2011

Bettina Belitz - Splitterherz


Genre: Romantasy (ich schätze mal, dieses unsägliche Wort ist in dem Fall zutreffend)
Seiten: 630
Verlag: Script5
ISBN: 9783839001059
Meine Bewertung: 2 von 5 Sternchen




Ein Umzug aufs Land bringt das Leben der 17jährigen Ellie gehörig durcheinander. Sie hat Schwierigkeiten, Freunde zu finden und fühlt sich gleichzeitig ihren Freundinnen aus der Stadt immer fremder. Die einzige interessante Person in der Einöde ist für sie der unnahbare Colin Blackburn. Doch er ist ebenso seltsam wie die Träume, die sie neuerdings plagen. Und weshalb ist sie seit dem Umzug ständig so müde?

Okay, hier kommt eine ausdrückliche Warnung an alle Fans dieses Romans: Das hier wird keine nette Kritik; Weiterlesen erfolgt also auf eigene Gefahr. ;-) Dass sich niemand persönlich angegriffen fühlen sollte, ist hoffentlich eh klar. Geschmäcker sind nun einmal verschieden.

Tja, ab und an lese ich ganz gern mal romantisch-phantastische Jugendliteratur, nicht zuletzt deshalb, weil zumindest eins meiner Romanprojekte vage in diese Richtung geht und es mich interessiert, wie dieses Genre eigentlich "funktioniert".
Nun ja, "Splitterherz" hat zumindest für mich überhaupt nicht funktioniert. Ich versuche mal, meine Gedanken zu sortieren und darzulegen, was mir alles nicht gefallen hat.

Zunächst mal scheint das Szenario doch arg bekannt: Mädel kommt aufs Land (oder wahlweise in eine verregnete Kleinstadt) und ist hier unglaublich fasziniert von einem geheimnisvollen Jungen, der von den anderen Bewohnern misstrauisch beäugt wird. Sie aber fühlt sich von ihm angezogen, umso mehr, da er immer dann auftaucht, wenn sie gerade in Schwierigkeiten steckt, und sie heldenhaft rettet usw. usf.
Ja, das Thema "Mädchen verliebt sich in übernatürlichen Mann" wurde seit Twilight oft strapaziert, aber wohl selten mit so vielen Parallelen wie hier. Umso mehr, da einige Punkte an Colin wirklich sehr stark an einen bestimmten Vampir erinnern (wechselnde Augenfarbe, kühle Haut und ähnliches).
Ach ja, Stichwort "Vampir": Es hat mich wirklich genervt, dass nicht nur in Rezensionen oft darauf hingewiesen wird, wie originell der Roman wäre, weil hier es hier einmal nicht um Vampire geht, sondern dass sogar im Roman mehrmals betont wurde, wir hätten es hier - OMG! - tatsächlich nicht mit Vampiren zu tun. Also jetzt mal ehrlich: Sind wir jetzt schon so weit, dass ein Roman nur deshalb außergewöhnlich und originell ist, weil darin keine Vampire vorkommen? Selbst, wenn die sonstige Struktur des Romans ein einziger Abklatsch von Twilight ist?

Na gut, lassen wir diese Vergleiche und kommen wir zu Ellie. Wenn man in einem Roman die Ich-Erzählerin nicht leiden kann, ist das natürlich nie ein guter Start. Aber die liebe Ellie macht es einem auch wirklich schwer: Sie suhlt sich nahezu im Selbstmitleid, ist überheblich, die meiste Zeit total hilflos, da sie ständig in irgendwelche absurden Gefahrensituationen stolpert (okay, wenn sich ein harmloser kleiner Bach bei einem Unwetter in Windeseile in reißende Fluten verwandelt, kann man schon mal von der Situation überrumpelt werden) und schläft permanent ein. Gut, letzteres wird im Laufe des Romans noch erklärt, aber das ändert nichts daran, dass ich das mehr als anstrengend und nervig fand. Dazu kommt noch, dass Ellie ständig und wegen jeder Kleinigkeit in Tränen ausbricht und außerdem kein einziges Hobby zu haben scheint. Offensichtlich hat sie außer Colin keine Interessen, und so ist sie auch zu Beginn des Romans die meiste Zeit damit beschäftigt sich zu langweilen.
Colin selbst ist nicht viel interessanter. Er ist natürlich sehr geheimnisvoll, sehr faszinierend, ganz und gar souverän, ist bei allem, was er macht, toll und ist immer dann zur Stelle, wenn Ellie mal wieder in der Patsche sitzt. Immerhin fand ich seine oft schroffe Art dann doch recht interessant.
Mir war nur leider nicht klar, was er eigentlich an Ellie fand, und allgemein konnte ich zwischen den beiden keinerlei Anziehung spüren.

Tja, und dann die Handlung an sich. Ich muss es dem Roman zugute halten, dass zumindest die letzten etwa 100 Seiten dann doch ziemlich spannend wurden. Die 500 Seiten vorher hätte man allerdings gut auf die Hälfte zusammenkürzen können - immerhin hätte man sich dann ein paar der zig Varianten von "Ellie bringt sich in Gefahr", "Ellie ist von Colin fasziniert", "Ellie lässt sich von Colin herumkommandieren" und "Ellie heult" sparen können. 

Puh, jetzt ist die Rezension schon so lange geworden, und ich habe gerade mal die Hälfte der Kritikpunkte angebracht, die ich mir im Laufe des Lesens geistig notiert habe. Ich lasse es jetzt einmal gut sein; ich denke, es ist bereits klar geworden, was für mich alles nicht an dem Roman funktioniert.

Vielleicht bin ich da einfach wirklich mittlerweile zu alt für solche Romane. Oder zu feministisch veranlagt für diese unsägliche "hilfloses Mädel/toller männlicher Retter"-Konstellation. Meine Sympathie für derartig schwache Frauenfiguren wie Ellie hält sich allgemein sehr in Grenzen.
Allerdings finde ich dann auch durchaus wieder Romane desselben Genres, die ich sehr gern mag (Nina Blazons "Faunblut" und Maggie Stiefvaters "Shiver" etwa, wobei hier natürlich bei beiden die weibliche Hauptfigur um Welten interessanter und selbständiger ist). Aber mit "Splitterherz" bin ich einfach nicht warm geworden, und so werde ich die beiden Folgebände auch bestimmt nicht mehr lesen.

Die 2 Sternchen gibt es für den Schreibstil, den ich durchaus schön fand, und die letzten 100 Seiten.

Samstag, 28. Mai 2011

Mit dem Kopf durch die Wand: Herun

Inspiriert von Coppi, die heute auf ihrem Blog eine ihrer Lieblingsfiguren vorstellt, habe ich beschlossen, hier eine neue Kategorie einzuführen und euch nach und nach einige meiner Romanfiguren näherzubringen.

Den Anfang macht Herun Lestes, eine meiner absoluten Lieblinge. Dabei hab ich sie im Grunde recht "gezwungen" erschaffen: Für meinen Roman "Bühnenzauber" brauchte ich noch eine Perspektiventrägerin, die im königlichen Theater beschäftigt ist, und so ist Herun, die Gewandmeisterin und Schwester meines anderen Perspektiventrägers Gabran, entstanden. Dass diese rein aus praktischen Gesichtsgründen aus dem Boden gestampfte Figur für mich trotzdem nie "künstlich" wirkte, lag wohl vor allem daran, dass ich Herun ansonsten in kein Schema pressen musste. Sie musste keine bestimmten Charaktereigenschaften haben, um bestimmte Handlungsstränge möglich zu machen, sie konnte sich einfach so entfalten, wie sie wollte. Und so habe ich sie im Vorfeld auch nur wenig geplant, sondern sie brutal in den Roman geschmissen und gesagt: "Mach mal!"
So etwas kann natürlich schiefgehen. Andere Figuren schauen einen in so einem Fall verzweifelt an und fragen "Wiewowas, und jetzt?"
Herun nicht, die ist in eine Szene mit Gabran hineinspaziert und hat die Handlung an sich gerissen. Und ich hatte sie sofort in mein Herz geschlossen.

Aber wer ist eigentlich Herun?
Sie ist knapp 30 Jahre alt, hat dunkle Haare und graugrüne Augen, ist mittelgroß und eher keine klassische Schönheit. Aber sie hat eine gewisse Ausstrahlung, und die kommt wohl nicht zuletzt von ihrem sehr "starken" Charakter: Herun ist selbstbewusst, hat einen scharfen Verstand und weiß, was sie will. Geduld ist nicht unbedingt ihre Stärke und Diplomatie auch nicht. Meistens ist sie sehr direkt und nimmt sich kein Blatt vor den Mund. Da sie nicht gerade die Sensibilität in Person ist, gerät sie des öfteren mit ihrem Bruder aneinander, der manchmal etwas überempfindlich ist.
Nichtsdestotrotz ist ihr Bruder Gabran für sie wohl der wichtigste Mensch überhaupt, und sie hat oft das Bedürfnis ihn zu beschützen.
Die Liebe zwischen diesen Geschwistern finde ich nahezu rührend. Für mich ist das eigentlich die wichtigste zwischenmenschliche Beziehung im ganzen Roman, auch wenn es für Herun noch eine Person gibt, die ihr viel bedeutet (auch wenn sie das zunächst nicht wahrhaben will): Maldwin, der aus ihrer Sicht "nur" ihr Liebhaber ist, dennoch aber zu ihren wichtigsten Vertrauten zählt. Und auch die Beziehung zwischen diesen beiden mochte ich beim Schreiben sehr, da es sich hier eigentlich nicht um eine zart-romantische Liebesgeschichte handelt und es dennoch um große Gefühle geht.

Figuren wie Herun kann man sich eigentlich nur wünschen: Sie hat mir beim Schreiben nie Probleme bereitet und die Handlung enorm vorangetrieben. Und immer war sie für mich als Figur sehr eindeutig greifbar. Dazu kommt, dass ich sie einfach mag und ungemein sympathisch finde.

Und als Abschluss gibt es noch eine kleine Szene mit ihr:

Im schwachen Schein zweier Öllampen war Herun damit beschäftigt, kleine Perlen am Ausschnitt von Kudunes Kleid anzubringen. Von unten drangen Gelächter und Gesang herauf, da ein Teil der anderen Hausbewohner im Innenhof die Geburt einer Tochter feierte. Auch Herun war eingeladen worden, aber sie hatte sich nach einer Weile verabschiedet, um noch an dem Kleid zu arbeiten.
Zum wiederholten Male entglitt eine Perle ihren Fingern und landete mit einem leisen Klacken auf dem Boden. Herun war kurz davor, das Kleid einfach dazuzuwerfen. Vielleicht sollte sie das vermaledeite Ding für heute beiseite zu legen und doch wieder hinunter zu den Feiernden gehen. Für diese Arbeit brauchte sie Tageslicht.
Es klopfte an ihrer Tür. Herun hob die Augenbrauen. War das Gedankenübertragung? Bestimmt war das jemand von unten, der sie überreden wollte, mitzufeiern. Sie legte ihre Arbeit beiseite, löschte eine der Öllampen aus und ging mit der anderen zur Tür. Es würde keiner großen Überredung mehr bedürfen.
Als sie die Tür öffnete, fand sie davor aber zu ihrer Überraschung Maldwin, gekleidet wie für ein feines Abendessen.
“Bei euch geht es ja lustig zu”, sagte er anstatt einer Begrüßung.
“Aus dem zweiten Stock hat jemand eine Tochter bekommen. Und das wird nun gebührend gefeiert. Was machst du hier?”
“Weißt du, Herun, das mag ich so an dir. Man wird immer so nett und warmherzig begrüßt, da fühlt man sich sofort willkommen.”
Sie verdrehte die Augen. “Gut, mein liebster Maldwin. Ich bin überaus erfreut, dich hier zu sehen. Du bist der Lichtblick meines trüben Abends. Tritt ein und bring Glanz in meine bescheidenen Räume.” Mit einer schwungvollen Geste bat sie ihn herein. “Besser so?”
“Viel besser”, sagte Maldwin ungerührt.


(und ehe jemand fragt: Ja, das Bild habe ich gezeichnet und zwar nicht mit Farbstiften, sondern mit meinem Grafiktablett ;-))

Lesefreuden, Leseenttäuschungen und meine ewige Überarbeitung

Es ist mal wieder Zeit für einen kleinen Lese-/Schreibplauderbeitrag. ;-)

Zuletzt gelesen
Ich habe die letzten Tage einige Bücher ausgelesen bzw. ein Hörbuch gehört, und das war mal wieder eine sehr durchwachsene Angelegenheit.

- Rubinrot von Kerstin Gier (das Hörbuch) fand ich ganz entzückend. Kein Buch, das mich zu Begeisterungsstürmen hinreißt, aber ein wirklich nettes Leseerlebnis mit viel Gekicher meinerseits und einer recht liebenswerten Protagonistin. "Saphirblau" ist auch schon als Hörbuch von der Digitalen Bücherei runtergeladen und wird also meine nächste Knüpf-Untermalung.
Eine Rezension wird es dann vermutlich erst zur gesamten Trilogie geben. 

- Splitterherz von Bettina Belitz hat mich hingegen unglaublich enttäuscht. Mit viel gutem Willen gibt das von mir vielleicht 2 Sternchen. Zu dem Buch möchte ich allerdings eh noch was längeres schreiben, also schonmal im Vorfeld eine Warnung an alle Fans davon: Ich werde mit dem Roman nicht allzu zimperlich umgehen.

- Und schließlich hab ich noch Der Brenner und der liebe Gott von Wolf Haas gelesen. Sonst bin ich ja ein großer Fan der Brenner-Romane, aber dieser hat mich auch nicht so ganz überzeugt. Da gabs schon besseres. Gerade "Silentium", "Komm süßer Tod" und "Wie die Tiere" fand ich um Welten origineller, spannender und lustiger. Auch hierzu werde ich vielleicht (je nach Zeit) noch eine Rezension schreiben.

Mein aktueller Lesestoff
Wintergewölbe von Anne Michaels lese ich jetzt schon seit einer ganzen Weile parallel zu anderen Büchern. Ich werde damit nicht ganz warm. Zwar finde ich es nicht schlecht und sehr schön geschrieben, aber ich komme nicht so recht rein. Ich hoffe aber doch, dass ich es die nächsten Tage dann endlich mal auslesen werde.
Ganz anders ist es mit Arkadien brennt von Kai Meyer, das mir bislang eigentlich besser gefällt als der 1. Band. Ich bin ja sowieso ein großer Fan von Rosa, und auch mit der ganzen Mafia-Thematik komm ich inzwischen besser klar. Derzeit (bin etwa bei der Hälfte) eine begeisterte Empfehlung von mir. :-)

Und was ist mit dem Schreiben?
Ja, ich weiß, in der Hinsicht ist es hier schon länger recht ruhig. Trotz inspirierendem Kurzurlaub bin ich einfach gerade in keiner rechten Schreiblaune - und schon gar nicht in Überarbeitungslaune. Zwei Kapitel sind es jetzt noch, die mir bei "Polarnacht" fehlen, und die möchte ich zumindest noch in diesem Monat schaffen. Ich werkel da eh schon viel länger daran herum als geplant.
Ansonsten spuken mir "Bühnenzauber" und die "Göttersteine" zumindest sehr intensiv im Kopf herum. Ich habe jetzt schon so einige Ideen für die Überarbeitung von ersterem und plotte gedanklich auch brav an der weiteren Handlung von zweiterem herum.
Ich hoffe also, dass sich in nächster Zeit wieder etwas mehr bei meiner Schreiberei tut.

Mittwoch, 25. Mai 2011

Ich präsentiere meinen neuen "Mitbewohner": Sony PRS-350

Ja, ich habe mich nun tatsächlich für einen eReader entschieden, und es ist jetzt doch der Sony PRS-350 geworden (also der kleine mit 5 Zoll).
Seit der Öffnung des deutschen Kindle-Shops habe ich zwischendurch schon sehr mit dem Kindle geliebäugelt, aber leider blieb auch weiterhin das Problem der virtuellen Bücherei. Ich habe versuchsweise probiert, die ePubs für das Kindle-Format zu konvertieren (was rein theoretisch trotz *hust*DRM*hust* funktionieren hätte sollen), aber das hat alles nicht so geklappt wie es sollte, und letztendlich war das doch mein persönlicher Todesstoß für den Kindle.

Mittlerweile hatte ich bereits beide neuen Sonys (also den PRS-350 sowie den PRS-650) ausprobiert, und so im direkten Vergleich fand ich den kleineren eigentlich nicht zu klein für mich. Ich wollte ja einen handlichen Reader, und da mir beim Lesen etwa auch Reclam-Schriftgröße nichts ausmacht, passt mit einer entsprechenden Einstellung für meinen Geschmack auch genug auf eine Seite drauf.
Tja, nun ist zwar mein Geburtstag erst im Juni, aber ich hatte die Möglichkeit, einen gebrauchten Sony inklusive Schutzhülle zu einem einigermaßen moderaten Preis zu kaufen, und so habe ich zugeschlagen.

Heute ist mein Reader angekommen, und mir gefällt das kleine Ding auf Anhieb. Ich hab schon ein wenig damit herumprobiert, und das Synchronisieren mit meinem Mac sowie das testweise Aufspielen von ePubs aus der virtuellen Bücherei haben problemlos funktioniert. Jetzt wird erst mal der Akku geladen, und dann hoffe ich, dass ich es schaffe, mich dazu zu zwingen, den Reader bis zu meinem Geburtstag erst mal wieder wegzupacken. ;-)

Sobald ich ihn dann mal eine Weile in Benutzung gehabt habe, werde ich auf alle Fälle einen ersten Erfahrungsbericht schreiben.

Sonntag, 22. Mai 2011

Judith Lennox - Before the Storm

Genre: Familiensaga/Historischer Roman
Seiten: 608
Verlag: Headline
ISBN: 9780755331345
Meine Bewertung: 3 von 5 Sternchen

English-Challenge  (Mai)
Historien-Challenge (Die Welt von 1900-1945)



Im Jahr 1909 verliebt sich der reiche und erfolgsverwöhnte Richard Finborough in Isabel, eine Frau aus armen Verhältnissen. So beginnt die Geschichte der Familie Finborough, die den Zeitraum einer Generation umspannt. Mit Richard erlebt man die Schrecken des 1. Weltkriegs, zusammen mit seinen Kindern und seiner Pflegetochter Ruby durchstreift man das London der Zwischenkriegszeit, bis es schließlich erneut zum Krieg kommt ...

Ich mag normalerweise die Romane von Judith Lennox sehr. Sie klingen in den Beschreibungen oft recht kitschig, aber die Autorin versteht es, realistische und lebendige Figuren zu erschaffen und sie in ein sehr detailliert beschriebens Umfeld zu setzen.
Mit diesem Roman allerdings hatte ich meine Probleme.
Über weite Teile fehlt mir so etwas wie ein roter Faden - die Handlung zerfasert ein wenig, es werden die Schicksale von zu vielen Figuren beschrieben: Neben Richard und Isabel, deren Ehe nicht immer glücklich ist, beobachtet man ihre drei Kinder sowie Ruby beim Erwachsenwerden und Bewältigen ihres Lebens. Nun ziehen aber alle diese Personen einen wahren Rattenschwanz von kleinen Einzelhandlungen mit sich: das mysteriöse Verschwinden von Rubys Vater, die unglückliche Liebe der Tochter Sarah mitsamt allen möglichen Verwicklungen, die Vergangenheit von Isabel, das Leben von Richards Söhnen. Dazu bekommen auch noch weitere Figuren aus dem Umfeld dieser Hauptpersonen die Perspektive und eine eigene Geschichte - und neben all diesen Einzelschicksalen spielt schließlich auch der historische Hintergrund eine große Rolle.

Das alles ist ein wenig zuviel und hat auch zur Folge, dass die meisten dieser Handlungsstränge oftmals zu hastig abgehandelt werden müssen. Der große Zeitraum, den der Roman umspannt, zwingt bereits zu manchen Sprüngen und geraffter Erzählweise - und die Konzentration auf so viele Personen verschärft dieses Problem.
Bei einigen Handlungssträngen findet man keine Zusammenhänge und fragt sich, ob sie überhaupt noch jemals zu einem Ende geführt werden. Zur Beruhigung: Doch, letztendlich werden sie tatsächlich alle aufgelöst. Allerdings klafft bei manchen eine solche Lücke zwischen dem Einführen des Problems und seine Auflösung, dass ich das Thema zwischenzeitlich aus den Augen (und ein wenig auch das Interesse daran) verloren habe.

Dabei ist der Roman keineswegs schlecht. Judith Lennox schildert die Verhältnisse jener Zeit sehr anschaulich und erschafft auch wieder gewohnt lebensnahe, interessante Figuren. Angesichts ihrer Vielzahl hat man bei den meisten von ihnen aber kaum die Möglichkeit, sie wirklich kennenzulernen.

Einschränkend muss ich dazu sagen, dass ich auf Englisch etwas langsamer lese als auf Deutsch und so mit diesem recht dicken Buch doch eine ganze Weile beschäftigt war. Das hat sicher auch zu meinem Eindruck einer "zerfaserten" Handlung beigetragen. Allerdings ist für mich der Spannungsbogen stellenweise so sehr abgesackt, dass ich kaum das Bedürfnis hatte schnell weiterzulesen.

Insgesamt habe ich das Lesen dennoch genossen. Im Vergleich zu anderen Romanen von Lennox hat dieser mich aber nicht so sehr begeistert.
Mehr als 3 von 5 Sternchen sind da für mich nicht drinnen.

Freitag, 20. Mai 2011

Hallstatt und Sonstiges

Ich bin wieder aus meinem Kurz-/Rechercheurlaub zurück und es war wirklich toll! Für meinen "Nachtjäger" bin ich zwar nur mäßig inspiriert, aber immerhin hat der Urlaub mich ganz allgemein inspiriert und mir wieder Lust aufs Schreiben gemacht.
Heute ist außerdem endlich "Daughter of Xanadu" bei mir angekommen, auf das ich jetzt wochenlang gewartet habe. Mein SuB ist also schon wieder gewachsen ...
Und schließlich habe ich noch meine Serien-Auflistung als eigene Seite oben verlinkt.

Jetzt kommen noch ein paar Impressionen der letzten Tage:

Blick auf Hallstatt vom Ostufer

In der Eishöhle

Der Hallstätter Gletscher

Blick vom Krippenstein auf den Hallstätter See

Montag, 16. Mai 2011

Eine kleine "Recherchereise"

Erinnert ihr euch noch an meinen NaNo-Roman vom letzten Jahr, an den "Nachtjäger"? (hier hab ich die ersten Ideen niedergeschrieben) Der Roman an sich ruht ja schon seit einigen Monaten, aber ich bin wild entschlossen, ihn irgendwann weiterzuschreiben.
Da meine Helden im Laufe der Geschichte auch mal durch das zu der Zeit verlassene Salzbergwerk von Hallstatt irren, wollte ich mir ebenjenes nocheinmal ansehen. Ich war zwar vor ein paar Jahren dort, aber ich kann mich nicht mehr an Details erinnern, und auf gewisse Dinge, die ich für meinen Roman brauche, habe ich damals natürlich nicht geachtet.
Daher geht es also von morgen bis Donnerstag mit einer Freundin nach Hallstatt und Obertraun. In erster Linie wird es wohl einfach ein gemütlicher Kurzurlaub werden, aber der Stein des Anstoßes war eben jener Roman, daher ist es also gewissermaßen auch so etwas wie eine Recherchereise.

Und nach meiner Rückkehr bin ich hoffentlich wieder voller Inspiration und Elan, um mich erneut meinem "Nachtjäger" zu stellen.
Also bis dann!

Sonntag, 15. Mai 2011

Heliodor - Aethiopika


Genre: antiker Abenteuerroman
Seiten: 320
Verlag: dtv/Artemis
ASIN: 978-3423022477
Meine Bewertung: 4 von 5 Sternchen

Klassiker-Challenge (Griechenland)



Vorweg zum Titel: Ich verwende hier zur Vereinfachung den griechischen Originaltitel "Aethiopika", da die deutsche Übersetzung unter vielen verschiedenen Titeln vorhanden ist:
- Die Abenteuer der schönen Chariklea
- Äthiopische Geschichten
- Die äthiopischen Abenteuer von Theagenes und Charikleia
- Theagenes und Charikleia
Falls sich also wer auf die Suche nach dem Roman macht: Alle oben genannten Titelvarianten meinen denselben.

Nun aber zum Inhalt:
"Aethiopika" erzählt eine verschachelte Geschichte über den Thessalier Theagenes und die äthiopische Königstochter Chariklea, die das Schicksal immer wieder trennt, neu zusammenführt und mit allerlei Gefahren konfroniert. Der Einstieg erfolgt in medias res, man begegnet dem Liebespaar sozusagen mitten in ihrem Abenteuer, und ihre Vorgeschichte wird dann erst im Laufe des Romans erzählt. Die Struktur ist recht kompliziert, so gibt es mehrere ineinander verschachtelte Erzählungen von verschiedenen Personen, die einander ergänzen und das Leben mehrerer Figuren miteinander verbinden.

Genau diese Struktur ist es, die den Roman natürlich nicht ganz einfach macht. Lange Lesepausen machen es einem sehr schwierig, der Handlung noch zu folgen und den Überblick über die eingeschobenen Erzählungen zu behalten. Insofern kann ich nur empfehlen, den Roman eher zügig zu lesen.
Das fällt am Anfang nicht schwer, da der unmittelbare Einstieg und viele aufeinanderfolgende Gefahren die Sache recht spannend machen. Dann allerdings beginnt sich die Handlung ein wenig zu ziehen. Es läuft letztendlich immer wieder auf dasselbe hinaus: Theagenes und Chariklea werden voneinander getrennt oder geraten gemeinsam in große Gefahr, wobei das größte Problem für sie diverse Nebenbuhler sind. Denn beide sind von so unglaublicher Schönheit, dass sich eigentlich ständig mächtige und/oder gefährliche Figuren vom Fleck weg in sie verlieben und somit ihre Liebe gefährden.

Die Handlung an sich erschöpft sich also mit der Zeit und ist nicht allzu abwechslungsreich. Interessanter ist da das Rundherum, da Heliodor Landschaften und Städte am Nil bis hin nach Äthiopien sehr anschaulich beschreibt. Auch kulturelle Besonderheiten, Feste und Kriegsführung werden von ihm oft detailliert geschildert, wodurch der Roman besonders für geschichtlich interessierte Leser zu empfehlen ist.
Auch die verschachtelte Struktur und die Werte, die Heliodor hier vermittelt, bieten einen interessanten Blick auf spätantike Erzähl- und Denkweise.
Der Roman liest sich stilistisch eigentlich sehr gut, ist aber aus modernen Gesichtspunkten oft zu auktorial-distanziert erzählt sowie mit Superlativen überhäuft (die Figuren sind die schönstmöglichen, die Gefahren die schrecklichsten, die Liebe/Leidenschafsten am tiefsten). "Aethiopika" ist also nicht zeitlos, aber genau das macht ja auch die Faszination des Romans aus: Ein Stück Erzählkultur aus einer ganz anderen Zeit, geprägt von einer oft sehr fremden Denkweise.

Obwohl der Roman heute nicht mehr von so großer Bekanntheit ist, hat er die Literatur der Spätantike und besonders des Barocks maßgeblich beeinflusst. So war er bis ins 19. Jahrhundert außerordentlich beliebt und findet Niederschlag in bekannten Werken wie Goethes "Wahlverwandtschaften" und Verdis "Aida".

Wenn man "Aethiopika" also im Hinblick auf diese Bedeutung und auf seine Zeitstellung - und eben wirklich als einen "Klassiker" - liest, ist er sehr empfehlenswert. Reines Lesevergnügen aus moderner Sicht bietet er aber nicht unbedingt.
Gibt von mir nach langem Überlegen 4 von 5 Sternchen.

Freitag, 13. Mai 2011

Verschwundener Beitrag

So etwas Blödes! Gestern hab ich ewig Bilder gesucht und Cover abfotografiert, die Fotos bearbeitet, einen langen Beitrag geschrieben, in dem ich den großen Stapel an SuB-Zuwachs vorgestellt habe ... und jetzt ist der Post auf einmal weg.
Den ganzen Tag schon hat heute Blogger irgendwie rumgezickt, und ich hab noch gehofft, dass mein Beitrag wieder auftaucht, wenn da wieder alles in Ordnung ist, aber das war leider nicht der Fall.
Tja, von nun an werde ich meine Beiträge wohl abspeichern - vermutlich wäre das auch bisher ratsam gewesen (hab das bisher irgendwie immer nur bei Rezensionen gemacht, weil ich die in Word vorschreibe). Ich ärgere mich jetzt riesig über die vertane Zeit. :-(
Vielleicht komm ich ja irgendwie wieder an den Post ran, aber große Hoffnungen habe ich da jetzt nicht mehr ...

Nachtrag: Angeblich wird daran gearbeitet, die verlorenen Beiträge wiederherzustellen (das hat anscheinend mehrere betroffen). Insofern wird das ja vielleicht doch nochmal was.

Und noch ein Nachtrag: So, er ist wieder da! :-)

Donnerstag, 12. Mai 2011

Großer SuB-Zuwachs im April und Mai

In der letzten Zeit ist mein SuB ganz enorm gewachsen - solche Zuwüchse gibt es bei mir normalerweise nur nach meinem Geburtstag oder im Laufe von mehreren Monaten.
In den letzten 3 Wochen kamen aber mehrere Dinge zusammen: Geld zu Ostern von meiner Mutter, ein Gutschein, den ich noch für eine Online-Bestellung hatte und schließlich das Wühlen in einer großen Kiste Mängelexemplare. Und so haben folgende Bücher den Weg zu mir gefunden:

Mario Vargas Llosa - Tod in den Anden
Ich wollte von diesem Autor eigentlich ein anderes Buch für die Klassiker-Challenge lesen, und zwar "Der Krieg am Ende der Welt". Aber dann ist mir dieses Buch zum halben Preis in die Hände gefallen, und so habe ich mich umentschieden. 
In diesem Roman von 1993 versuchen zwei Polizisten einer abgelegenen Straßenbausiedlung, der strafversetzte Korporal Lituma und sein Helfer Tomás Carreno, das rätselhafte Verschwinden dreier Menschen aufzuklären.
Auf dieses Buch bin ich schon sehr gespannt.


Imre Kertész - Roman eines Schicksallosen
Und noch ein Nobelpreis-Buch. Kertész beschreibt darin aus der Perspektive des 15jährigen György das Leben in Ungarn während des Zweiten Weltkrieges, die Deportation in ein Konzentrationslager und das Leben dort.
Dieser Roman wurde viel diskutiert, da Kertész die Schrecken in dem Lager eher nüchtern schildert, ohne dabei groß zu werten.
Mal sehen, wie mir dieser Roman gefällt. Ich will ihn eigentlich schon seit langem lesen, aber aufgrund der Thematik bin ich immer davor zurückgeschreckt. Nun, da ich ihn selbst besitze, werde ich ihn aber doch bald in Angriff nehmen.

Krystyna Kuhn - Das Tal Season 1.1. Das Spiel
Weiter zu einem gänzlich anderen Genre.
Ich habe über diese neue Reihe schon so einiges gehört, wollte sie mir aber eigentlich nicht kaufen, sondern lieber aus der Bücherei ausleihen. Bei einem sehr günstigen Mängelexemplar habe ich dann aber doch zugegriffen.
Ein College mitten in den kanadischen Bergen, in dem mysteriöse Dinge vor sich gehen ... Das klingt erst mal nicht allzu besonders, aber ich lasse mich überraschen. Nach den vielen Rezensionen dürfte das ganze ja sehr spannend sein.


Jane Austen - Die Abtei von Northanger
Diesen Roman musste ich mir natürlich kaufen, als ich entdeckt habe, dass ich - als großer Austen-Fan - ihn tatsächlich noch nie gelesen habe. Und es musste unbedingt die illustrierte Ausgabe des insel-Verlages sein. :-)
Diesen Roman habe ich sofort gelesen, nachdem ich ihn mein Eigen nannte, und eine Kurzrezension findet ihr hier (2. Rezension).





Wolf Haas - Der Brenner und der liebe Gott
Ich bin ein großer Fan von Wolf Haas, und seit er bei einer Lesung vor nun fast zwei Jahren aus seinem neuesten Brenner-Roman gelesen hat, stand dieser auf meiner Wunschliste. Lange hat es gedauert, aber im April erschien dann endlich die Taschenbuch-Ausgabe.
Brenner, der Expolizist, Exdetektiv und Exrettungsfahrer, arbeitet nun als Chauffeur. Aber natürlich gilt schnell "Jetzt ist schon wieder was passiert", und so ist es mit seinem ruhigen Leben bald vorbei.



David Gemmel - Der silberne Bogen
Auf der Suche nach einem passenden Buch für die Kategorie "Sagen in der Geschichte" bei der Historien-Challenge bin ich auf diesen Roman gestoßen, der den trojanischen Krieg (bzw. die Ereignisse, die dazu führten) aus der Sicht des Aeneas schildert.
Da ich diesen Auftakt einer Trilogie leider in keiner einzigen Zweigstelle der Bücherei auftreiben konnte, hab ich ihn mir also auch gegönnt. Seit Christa Wolfs "Kassandra" bin ich ein Fan von Aeneas - daher ist dieser Roman ein "Muss".


Dori Jones Yang - Daughter of Xanadu
Auf diesen Roman warte ich noch - ich hoffe, dass er bald bei mir eintrifft. Auch dieser ist Lesestoff für die Historien-Challenge, da es darin um Marco Polos Zeit bei Khubilai Khan, dem Herrscher der Mongolen, geht.
Auf diesen Roman wurde ich durch StefanieEmmy aufmerksam, zumal sie schließlich zu mir meinte, das Buch wäre ihrer Meinung nach ein "Neyasha-Buch". ;-)
Und da ich ohnehin keine Lust mehr auf europäisches Mittelalter habe, kam mir diese Empfehlung wie gerufen.


Tja, hätte ich mit den Büchern doch auch gleich Zeit mitkaufen können! Ich weiß gar nicht, wann ich die wieder alle lesen soll. *g* Aber gut, so ist das ja immer, wenn man so eine Fülle an neuen Büchern hat ...

Sonntag, 8. Mai 2011

Ein düsterer Suter, eine ironische Austen und eine vorhersehbare Feth

Da sich bei mir gerade einige Bücher zwecks Rezensionen türmen und ich ein paar davon auch wegen der Challenges schreiben "muss", gibt es jetzt von einem Teil der Bücher mal wieder meine Kurzbesprechungen:

Martin Suter - Die dunkle Seite des Mondes
Da ich "Lila, Lila" so toll fand, habe ich danach gleich mit dem zweiten Suter-Roman auf meinem SuB begonnen. Und auch "Die dunkle Seite des Mondes" hat mir sehr gut gefallen.
Die Handlung lässt sich folgendermaßen kurz zusammenfassen: Der erfolgreiche Wirtschaftsanwalt Urs Blank probiert im Zuge einer kleinen Midlife-Crisis halluzinogene Pilze aus, was bei ihm zu einer nachhaltigen Persönlichkeitsveränderung führt. Das geht soweit, dass er sogar zu einer Gefahr für seine Mitmenschen wird.
Das klingt ein wenig skurril, und genau das ist der Roman auch. Die Veränderungen von Urs Blank und die Konsequenzen, die er daraus zieht, sind in vielerlei Hinsicht extrem. Dadurch war er mir als Leserin recht fern, was aber nichts daran änderte, dass ich ihn als Figur sehr faszinierend fand. Dazu ist der Roman auch noch sehr spannend und stilistisch super zu lesen.
"Die dunkle Seite des Mondes" ist ganz anders als "Lila, Lila" - skurriler, extremer und düsterer und auch weniger witzig-ironisch, sondern teilweise eher von einem beißenden Zynismus. Aber eines haben die beiden Romane gemeinsam: Sie sind absolut zu empfehlen!
5 von 5 Sternchen

Jane Austen - Die Abtei von Northanger
Ihr erinnert euch vermutlich an meinen Jubel über einen noch ungelesenen Roman von Jane Austen. Ich habe mir dann bald darauf das besagte Buch zugelegt und im Schnelltempo verschlungen.
Ich weiß wirklich nicht, weshalb "Northanger Abbey" sonst als Austens Frühwerk oft eher stiefmütterlich behandelt oder belächelt wird. Mir hat der Roman sehr gut gefallen, und ich fand ihn auch äußerst fesselnd und flüssig zu lesen.
Als kleine Parodie auf diverse Schauerromane ihrer Zeit, ist "Northanger Abbey" tatsächlich ein wenig anders als die anderen Austen-Romane, auch wenn es auch hier viel um das übliche Thema Junge Frau verliebt sich geht. Hierzu möchte ich übrigens anmerken, dass ich Henry Tilney einfach wunderbar finde und er für mich sogar die bekannteren Austen-Männer wie Mr. Darcy und Mr. Knightley in den Schatten stellt. Allerdings war für mich die Chemie zwischen ihm und Catherine nicht so stark spürbar wie zwischen anderen Austen-Pärchen. Das dürfte maßgeblich daran liegen, dass Henrys Ironie und Scharfsinn bei der naiven und unerfahrenen Catherine eher im Nichts verpufft. Catherine ist ohne Zweifel eine sympathische Heldin mit ihrer Arglosigkeit, aber manches Mal war sie ziemlich nervig und mir war nicht ganz klar, was Henry an ihr fand. Auch umgekehrt war mir nicht ganz klar, weshalb sie Henry so wunderbar fand, wo doch seine vielleicht herausragendste Eigenschaft - eben diese scharfsinnige Ironie - völlig an ihr vorüber ging.
Der etwas überhastete Schluss trug auch nicht unbedingt dazu bei, dass ich die Anziehungskraft zwischen ihnen spüren konnte.
Dennoch hat es mir sehr viel Spaß gemacht den Roman zu lesen, und ich fand ihn an keiner Stelle langweilig oder langatmig. Dazu ist er auch - wie eigentlich alle Austen-Romane - sehr flüssig und locker zu lesen (zumindest in der deutschen Übersetzung).
Gibt von mir 4 von 5 Sternchen

Monika Feth - Der Scherbensammler
Bereits zum dritten Mal stolpern Jette und Merle mitten in ein Verbrechen: Diesmal nehmen die beiden ein verwirrtes und verängstigtes Mädchen bei sich auf, das Jette blutverschmiert im Garten ihrer Mutter gefunden hat. Es stellt sich heraus, dass Mina eine multiple Persönlichkeitsstörung hat - und davon überzeugt ist, ihren Vater ermordet zu haben. Das aber wollen Jette und Merle nicht glauben.
Auch dieser Thriller von Monika Feth ist wieder fesselnd und weiß mit interessanten psychologischen Einblicken zu überzeugen. Das Problem ist nur, dass bei ihr offensichtlich gilt: Kennt man einen - kennt man alle, denn ACHTUNG SPOILER!  bei ihren Tätern handelt es sich stets um äußerst charismatische Männer, die - vereinfacht ausgedrückt - aus Liebe handeln.
Deshalb hat mich dieser Roman ein wenig enttäuscht, und ich hoffe, dass mich ihr 4. Roman "Der Schattengänger" (den ich bereits als Hörbuch ausgeliehen habe) vielleicht doch einmal überrascht und vielleicht das übliche Schema durchkreuzt.
3 von 5 Sternchen 

Mittwoch, 4. Mai 2011

Martin Suter - Lila, Lila



Genre: Roman/Gegenwartsliteratur
Seiten: 344
Verlag: Diogenes
ISBN: 978-3257234695
Meine Bewertung: 5 von 5 Sternchen




Es klingt beinahe wie ein Märchen: Eine junge Literaturstudentin schickt das Manuskript ihres Freundes an einen Verlag, und der Roman wird nicht nur veröffentlicht, sondern entwickelt sich nach anfänglicher Nichtbeachtung zu einem Bestseller.
Ja, es könnte so schön sein, wäre David Kern auch tatsächlich der Autor dieses Werkes. Stattdessen hat er das Manuskript in der Schublade eines alten Nachtkästchens gefunden und es der Studentin Marie lediglich zum Lesen gegeben, um der Angebeteten endlich aufzufallen. Sein Plan geht insofern auf, da Marie den schüchternen Kellner David nun tatsächlich mit anderen Augen sieht, doch die Veröffentlichung des Romans führt erwartungsgemäß zu allerlei Problemen und Verwicklungen.

"Lila, Lila" ist ein sehr flüssig zu lesendes Buch, eine feine Satire auf den Literaturbetrieb und trotz seiner großteils eher ruhigen Erzählweise ein echter Pageturner.
Mir war David Kern, dieser schüchterne Kellner, der so gern zu einem Grüppchen illustrer Künstler gehören würde, aber immer außen vor bleibt, nicht wirklich sympathisch. Seine Tollpatschigkeit und Unbeholfenheit machen ihn zwar irgendwie liebenswürdig, aber ich fand ihn anfangs eher anstrengend. Dennoch ist er eine sehr glaubwürdige Figur, und man kommt nicht umhin, teilweise sehr mit ihm mitzufiebern, selbst wenn man seine Lügen eigentlich verwerflich findet.

Was die Handlung vor allem vorantreibt ist das ständige Gefühl "Das kann doch nicht gut gehen" - und natürlich geht es nicht wirklich gut, was dann auch zu Komplikationen und weiteren Lügen führt.
Doch obwohl David immer mehr auf einen Abgrund zuzusteuern scheint, ist der Roman von der Stimmung her keineswegs düster und aussichtslos, sondern vielmehr ein skurriler und augenzwinkernder Seitenhieb auf den Literaturbetrieb.
Wenn David sich in kleinen Provinzbuchhandlungen vor spärlichem Publikum stotternd durch die Lesung quält, ehe er aufgrund einer einzigen aufsehenerregenden Kritik ("Lila, Lila ist der Roman, auf den wir so sehnlich gewartet haben: Das Ende der Knabenwindelprosa.") zum Starautor emporsteigt, kann man sich ein Kichern kaum verkneifen. Köstlich auch die Diskussionen auf der Buchmesse und das plötzliche Interesse der Verlage, die sich nun um David Kern reißen, nachdem sie zuvor sein Manuskript abgelehnt haben.

In den Kritiken wird "Lila, Lila" teilweise als banal oder langweilig beschimpft, aber dieser Meinung kann ich mich nicht anschließen. Der Roman hat vielleicht nicht diese atemberaubende Spannung wie "Ein perfekter Freund", entwickelt aber dennoch einen gewissen Sog. Ich habe ihn in zwei Tagen weggelesen wie Nichts, weil ich unbedingt wissen wollte, wie das mit David, Marie und dem großen Manuskriptklau endet. Dazu finde ich den Roman auch sehr schön geschrieben, mit sehr treffenden, knappen Dialogen und einem guten Blick für kleine Details.

Auch meine Mutter, die eine sehr anspruchsvolle Leserin ist, hat den Roman begeistert verschlungen, und so empfehle ich ihn mit gutem Gewissen weiter.
Ganz klar 5 Sternchen!

Übrigens wurde der Roman 2009 mit Daniel Brühl in der Hauptrolle verfilmt, wobei ich nicht beurteilen kann, wie gelungen diese Verfilmung ist. Lust auf den Film hat mir das Buch aber allemal gemacht!

Dienstag, 3. Mai 2011

Das Problem der laufenden Serien

Da ich ja vor kurzem meine laufenden Buchserien aufgelistet habe, ist mir mal wieder eins der großen Probleme davon bewusst geworden: Viele davon habe ich vor Jahren begonnen bzw. ist es schon recht lange her, seit ich den letzten Band gelesen habe, und eigentlich müsste ich jetzt noch einmal von vorne beginnen, um dann nahtlos mit dem nächsten Band anschließen zu können.
Andererseits bin ich dann manchmal zu ungeduldig und möchte lieber gleich den neuen Band lesen oder finde auch einfach nicht Zeit für soviele ReReads (wenn mich doch eine ganze Reihe noch ungelesener Bücher so verlockend ansieht).

Wie macht ihr denn das? Beginnt ihr eine Serie noch einmal von vorne, wenn das letzte Lesen beim Erscheinen des neuen Bandes schon eine Weile her ist?

Ich habe mal überlegt, wie ich das bei bisherigen Serien gehandhabt habe. Da ich sonst selten laufende Serien/Trilogien gelesen habe, sondern eher solche, die schon als Ganzes erschienen waren, fallen mir hier vor allem zwei Beispiele ein:

- Harry Potter: Die habe ich sehr oft gelesen. Zunächst habe ich wirklich bei jedem neuen Band die Serie nochmal von vorn begonnen, ehe ich dann bei den letzten zwei Bänden immer nur jeweils den vorigen nochmal gelesen habe. Bis dahin hab ich ja die ersten auch schon sehr gut gekannt. ;-) Dadurch hatte ich nie Probleme mit einem neuen Band, konnte immer noch alle Figuren zuordnen und vorangegangene Ereignisse in meinem Kopf abrufen.
Mit dem Lesespaß war es aber so eine Sache ... Die meisten Bände mochte ich so sehr, dass ich sie ohnehin sehr gern wieder gelesen habe. Allerdings habe ich mit dem 5. Band wirklich gekämpft (ich fand gerade das erste Drittel zum Gähnen langweilig), und daher fand ich das nochmalige Lesen vor Erscheinen des 6. Bandes sehr mühsam. Gelohnt hat es sich dennoch, da ich dann beim "Half-Blood Prince" nie das Problem hatte, mich an Einzelheiten nicht mehr erinnern zu können.

- Die Insel der Stürme (Trilogie von Heide S. Göttner): Hier habe ich die ersten beiden Bände relativ kurz hintereinander gelesen, musste dann aber auf Erscheinen des dritten eine ganze Weile warten. Ich hab dann sofort mit dem neuen Band begonnen - und mich gar nicht mehr zurechtgefunden.
Also habe ich dann (aus Ungeduld) die beiden vorigen Bände nur im Schnelltempo quergelesen, um wenigstens wieder halbwegs "up-to-date" zu sein. Die beste Methode war das aber auch nicht, und ich hatte dann letztendlich mit dem dritten Band wesentlicher weniger Freude als mit den beiden ersten, was vor allem daran lag, dass ich mich an viele Einzelheiten nicht mehr erinnern konnte.

Ich frage mich jetzt also, wie ich das mit meinen laufenden Serien machen soll. "A Song of Ice and Fire" möchte ich ohnehin nochmal von vorn beginnen, da ich es zuerst auf Deutsch gelesen habe und es nun auf Englisch als Gesamtes erneut lesen will. Allerdings stellt sich die Frage, wie lange es dauert, bis tatsächlich alle Bände erschienen sind. Angesichts der enormen Komplexität der Handlung und der Vielzahl der perspektiventragenden Figuren wird man bestimmt Probleme haben, einem neuen Band folgen zu können, wenn man die vorigen zuletzt vor Jahren gelesen hat. Aber habe ich wirklich Lust, die gesamte Serie noch dreimal zu lesen? Sollte ich nicht besser gleich warten, bis tatsächlich alle weiteren Bände erschienen sind? Das wäre schon allein deshalb klug, weil ich dann nicht noch mehrmals diese Folter des Wartens auf den neuen Band durchmachen müsste. ;-) Andererseits bin ich jetzt doch schon so neugierig ...
Tja, schwierig schwierig!

Und ähnliche Fragen stelle ich mir auch bei anderen Serien. Kennt ihr diese Probleme?