Freitag, 24. Juni 2011

Pflicht und Verantwortung: Königin Bergund Hano

Bergund ist ebenfalls eine Figur aus meinem High-Fantasy-Projekt "Die Göttersteine". Sie ist von der Entstehung her fast so alt wie Vendalar und Riava, hat aber seither eine Namensänderung und eine komplette Kehrtwendung ihres Charakters hinter sich. Beim Schreiben habe ich mit ihr manchmal meine Probleme, da sie für mich ziemlich schwierig zu schreiben ist und ich mit ihrer Perspektive teilweise nicht gut klarkomme.

Bergund ist Anfang zwanzig, hat dunkle Haare und grüne Augen, ist relativ groß und ein wenig kräftiger gebaut. Sie ist das zweitälteste von vier Kindern und daher eigentlich nicht die erste in der Thronfolge. Ihre ältere Schwester Ramhild hat allerdings (aus Liebe, nicht aus politischem Kalkül) in ein Fürstentum eingeheiratet und damit auf den Thron verzichtet. Um das genauer zu erklären, müsste ich nun die Heirats- und Häuserpolitik der Skonländer erläutern, was hier aber zu weit führen würde. Daher müsst ihr das jetzt wohl einfach mal so hinnehmen. ;-)
Das ganze ist natürlich in der Familie besprochen worden - sowohl der König als auch Bergund waren damit einverstanden. Allerdings ist dann der König unerwartet früh bei einem Reitunfall gestorben, wodurch Bergund viel früher als gedacht Königin wurde.
Sie fühlt sich ein wenig damit überfordert und hat eine große Angst, etwas falsch zu machen. Aus diesem Grund klammert sie sich in vielen Punkten an Traditionen fest. Trotz ihrer Einwilligung in Ramhilds Entscheidung, nimmt sie es ihrer Schwester übel, dass sie ihre Gefühle über ihre Pflichten gestellt hat. Nach Bergunds Ansicht kommt zuerst die Verantwortung ihrem Land gegenüber und erst dann die eigenen Bedürfnisse und Gefühle.
Bergund hat also ihre Gefühle ganz in sich eingeschlossen, und dazu kommt noch, dass sie schon von Haus aus eher kühl und zurückhaltend ist. Mit großen Emotionen kann sie nichts anfangen.
Obwohl Bergund so streng mit sich selbst und ein wahres Arbeitstier ist, ist sie nicht unbedingt eine beliebte Königin. Dafür wirkt sie zu kaltherzig, und dafür sind auch die Maßstäbe, die sie an andere legt, zu hoch: Denn sie erwartet von allen dasselbe Streben nach Perfektion wie von ihr selbst.

Zu Beginn des Romans heiratet Bergund einen Adligen namens Farn, obwohl sie eigentlich keinen Ehemann möchte. Aber sie betrachtet auch das als ihre Pflicht und als eine Tradition, der sie sich nicht widersetzen möchte. Farn wiederum hegt aufrichtige Gefühle für Bergund, womit sie nicht besonders gut klarkommt. Ihre wäre eine reine Zweckgemeinschaft lieber, da sie mit Farns Liebe nichts anfangen kann.
Dazu kommt noch, dass Bergund versucht, mehr über die titelgebenden Göttersteine herauszufinden, was möglichst niemand wissen sollte. Und Farns große Neugierde betrachtet sie daher als Gefahr.

Es klingt vielleicht so, als wäre Bergund mit ihrer kühlen Art und ihrer Schwierigkeit, mit anderen Menschen umzugehen, Vendalar ein wenig ähnlich. Das mag auf den ersten Blick auch so sein, aber der entscheidende Unterschied ist: Dalar trägt nach außen hin eine Maske, während es aber unter der Oberfläche sozusagen gewaltig brodelt. Bergund hingegen ist gewissermaßen tatsächlich zu der Maske geworden, die sie trägt.

In der folgenden Szene begegnen wir Bergund und Farn direkt vor ihrer Hochzeitsnacht. ;-) Ich hoffe, die vielen Namen irritieren euch nicht - es ist für das Verständnis der Szene eigentlich unerheblich, wer sie alle sind.

Ihr Lächeln fühlte sich an wie festgefroren, und Bergund fragte sich, ob man es ihr wohl ansehen konnte, dass sie es ihrem Gesicht aufzwang. Bei ihren Schwestern war es echt, daran zweifelte sie nicht. Nanwigs Lachen tönte laut und hemmungslos durch den Saal, und Ramhild ließ sich davon anstecken. Ein wenig verlegen hielt sie sich daraufhin die Hand vor den Mund, aber Sihard beugte sich zu ihr hin, zog ihre Hand weg und küsste sie vor all den Gästen. Bergund wusste nicht, ob sie ihre Schwester wegen ihrer Unbekümmertheit beneidete oder verachtete. Ob man von ihr und Farn nun, da sie verheiratet waren, auch erwartete, dass sie ihre Zuneigung offen zur Schau stellten? Wenn, dann würden sie enttäuscht werden. Es kostete Bergund bereits alle Überwindung, ihre Hand nicht von Farns wegzuziehen, und obwohl sie immer wieder seinen Blick auf ihr ruhen fühlte, vermied sie es, zu ihm zu sehen.
Wieder lachte Nanwig, und mit einem Mal wollte Bergund einfach nur noch von hier weg. Sie erhob sich und nickte Farn kurz zu, der sofort aufstand. Das Lächeln blieb weiterhin in ihrem Gesicht, während Bergund sich an ihre Gäste wandte, ihnen für ihr Kommen dankte und ihnen noch einen angenehmen Abend wünschte. Gemeinsam mit Farn verließ sie den Saal, begleitet von Giser und ihren Verwandten, während ihnen die anderen Gäste zujubelten. Bergunds Widerwillen wuchs mit jedem Schritt, als ihre Begleiter sie bis in die Privatgemächer und vor ihre Schlafzimmertür führten. 

Dann öffnete Anrun die Tür, und die Begleiter warfen die Blüten der Feuersterne auf die Schwelle. Diese Blumen sollten die Ewigkeit ihrer Liebe symbolisieren. Beinahe hätte Bergund darüber gelacht - welche Liebe? Auch, als Anrun schon die Tür hinten ihnen ins Schloss gezogen hatte, hörten sie noch immer die rituellen Gesänge ihrer Verwandten.
Schweigend standen sie einander gegenüber. Farn wirkte nicht so selbstsicher und fröhlich wie sonst, als sie jetzt zu ihm blickte. Dennoch klang seine Stimme fest, als er die alte Formel sprach: „Ich bitte um Aufnahme in dein Haus. Ich werde dich achten, dir treu sein und dich vor allen Gefahren beschützen. Wo du bist, möchte auch ich sein, solange Guda, der Eine, es mir erlaubt.“
„Ich nehme dich auf in mein Haus. Ich werde dich achten, dir treu sein und dich vor allen Gefahren beschützen. Und wohin du gehst, dahin will auch ich gehen, solange Guda, der Eine, es mir erlaubt“, antwortete Bergund.
Sie löste den Gürtel und die Fibeln, die ihr Obergewand zusammenhielten und ließ den schweren Stoff zu Boden gleiten. Die Bewegung kam ihr plump und unbeholfen vor. Nur mit Mühe widerstand sie der Versuchung, die Arme vor ihrem Körper zu verschränken, als sie jetzt nur noch in ihrem dünnen Untergewand vor Farn stand. Schüchternheit war ihr immer fremd gewesen, doch so entblößt hatte sie sich bisher nur ihren Dienerinnen gezeigt. Farns Blick ruhte auf ihr, und Bergund erkannte darin Begehren und ... Zärtlichkeit? Rasch wandte sie den Kopf ab. „Sieh mich nicht so an“, wollte sie sagen. „Du solltest nicht so für mich empfinden.“ Denn sie würde seine Gefühle niemals erwidern können. Selbst die freundschaftliche Zuneigung, die sie noch vor einigen Monden für ihn empfunden hatte, war in der letzten Zeit erstickt worden von Pflichten und Verantwortung.

Kommentare:

  1. Die Arme :(
    Ich hoffe, sie kann ihre Maske zum Ende hin ein bisschen lichten und wieder etwas unbeschwerter werden.

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  2. Bergund gehört leider zu den Figuren, die bei mir sozusagen die Arschkarte gezogen haben, um es mal ganz unumwunden zu sagen. ;-)
    Ich möchte jetzt noch nicht viel zum Ende verraten, aber nein: Allzu viel lichtet sich da nicht.

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  3. Ich lese deine Charakterbeschreibungen sehr gerne :-)
    Durch die Bilder (sehr gelungen!) und den Einblick in eine Szene kann ich sie mir richtig plastisch vorstellen.

    Wenn man selbst ein bißchen schreibt, ist es auch immer interessant zu hören, wie andere so mit ihren Charakteren zurecht kommen. Mit einigen tut man sich ja wirklich schwerer als mit anderen ;-)

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  4. Hallo Kiya!
    Oh, danke, das freut mich. :-) Ja, das stimmt, ich finde das auch immer interessant zu lesen, wie es anderen mit ihren Figuren geht.

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  5. Ich wollte auch nicht, dass du was vom Ende verrätst. Das wär ja blöd, wenn ich dein Buch dann irgendwann mal lesen würde. :)

    Ich schreibe zwar absolut nicht selber, aber ich liebe deine Figurenvorstellungen.

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  6. Das ist wirklich eine ganz, ganz tolle Szene, Judith! *bewunder*

    Coppi

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  7. Oh, vielen Dank, Coppi! Ich selbst bin mit der Szene ja nicht so zufrieden (vor allem in sprachlicher Hinsicht), daher freut es mich umso mehr, dass sie dir gefällt. :-))

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