Sonntag, 31. Juli 2011

George R.R. Martin - A Game of Thrones


Genre: Fantasy
Seiten: 831
Verlag: Bantam
ISBN: 978-0553573404
Meine Bewertung: 5 von 5 Sternchen

English-Challenge  (Juli)



Im Zentrum des ersten Bandes des "Song of Ice and Fire" steht das Schicksal der Familie Stark: Als König Robert Baratheon seinen alten Freund Eddard Stark, den Herrn des Nordens, zu seiner "Hand" macht, wird eine Kette von Ereignissen losgetreten, die das Königreich letztendlich in den Krieg treiben. Inmitten all der Intrigen finden sich Eddards Kinder und seine Frau Catelyn.
Doch das Königreich wird nicht nur von innen bedroht, sondern auch von außen: Jenseits der Narrow Sea haben Viserys und Daenarys, die letzten Nachfahren der alten Drachenkönige, ihren Anspruch auf den Eisernen Thron noch nicht aufgegeben, und im Norden jenseits der Mauer lauern Mächte, die das Land mehr zu gefährden scheinen als alles andere.

Ich bin gerade selbst erstaunt, dass man die Handlung dieses Serienauftaktes doch einigermaßen grob zusammenfassen kann. Allerdings habe ich den Roman nun nicht das erste Mal gelesen - ich habe die ersten vier Bände (bzw. acht, da sie in der deutschen Übersetzung geteilt werden) auf Deutsch bereits vor einigen Jahren gelesen.
Wenn man etwas bereits zum zweiten Mal liest, ist es natürlich einfacher, den Überblick zu behalten, aber auch beim ersten Mal kam ich mit den vielen Erzählperspektiven erstaunlich gut zurecht: Der Autor versteht es wirklich meisterhaft, einem alle Figuren, denen er eine eigene Erzählstimme gibt, näherzubringen. Scheinbar mühelos wechselt er zwischen den Figuren und den Handlungssträngen, schlüpft in die Perspektive von Kindern, Lords, Bastarden und Zwergen und bringt einem auf diese Weise seine Welt aus verschiedenen Blickwinkeln nahe.

Diese Welt wirkt über weite Teile durchaus vertraut: Westeros ist stark an das englische Spätmittelalter angelehnt und ist in einigen Punkten stark von den Rosenkriegen beeinflusst. Und doch wird hier nicht nur eine historische Epoche in eine Fantasywelt transportiert. Westeros strotzt nur so vor kleinen Details und anschaulichen Beschreibungen, die die Welt sehr greifbar machen. Und unter der sehr realistisch wirkenden Oberfläche, lauert allenthalben versteckte Magie. Doch sie ist unzweifelhaft etwas Seltenes und Fremdes in der Welt, und wer bei Fantasy hinter jeder Ecke Feuerbälle und robentragende Magier erwartet, wird hier eher enttäuscht werden.

Bei all den Details über die Welt und den großen Ereignissen sind es aber doch die Figuren, die diesen Roman zu dem machen, was er ist. Sie sind hier gewissermaßen noch konventioneller als dann teilweise in den späteren Bänden, gehen aber über eindimensionale Klischees doch weit hinaus. Manche Figuren wie der stets rechtschaffene Eddard sind vielleicht etwas weniger interessant als andere, aber doch wirken sie alle glaubwürdig. Und obwohl es durchaus so einige Hassfiguren in der Serie gibt, existiert doch keine säuberliche Trennung in Gut und Böse.
Und so entstehen auch die meisten Verwicklungen nicht auf eine schicksalhafte Weise, der die Handelnden hilflos ausgeliefert sind, sondern durch eigene (oft falsche) Entscheidungen. Beim Lesen möchte man den Figuren oftmals zurufen: "Nein, mach das nicht, das kann nicht gutgehen!" Beim zweiten Mal ist dieses Bedürfnis noch stärker geworden, und ich wollte mir manches Mal fast die Haare raufen, weil ich ja wusste, dass dieser oder jener Schritt ins Verhängnis führen würde.
Genau das macht natürlich den Roman auch so spannend, und wer denkt, dass wichtige und "gute" Figuren ohnehin bis zum Schluss überleben, dem kann ich nur sagen: Weit gefehlt. Wer George R.R. Martin liest, muss auch mit Todesfällen rechnen, die man nicht unbedingt erwartet hätte, denn: When you play the game of thrones, you win or you die.

"A Game of Thrones" ist ein Roman mit einem äußerst komplexen Geflecht an Figuren und Handlungssträngen. Allen, die gern längere Serien mit einer epischen Handlung lesen, kann ich ihn wirklich nur wärmstens empfehlen. Für mich gehört "A Song of Ice and Fire" definitiv zu einer der besten Fantasyserien überhaupt. Man kann Martin vorwerfen, dass ihm die Handlung in den späteren Bänden etwas zu sehr zerfasert, aber das ist in diesem ersten Band noch nicht der Fall. Trotz der vielen Perspektiven schreitet die Handlung zügig voran und entwickelt bald einen Sog, dem man sich nur schwer entziehen kann.
All die kleinen Rätsel und offenen Fragen schließlich regen auch zum Spekulieren und Mitraten an, und auch kleine, zunächst unscheinbare Details können später noch weitreichende Folgen haben. Das ist ein weiterer Punkt, der den Roman so lesenswert macht.

Ohne jegliche Abstriche gibt das 5 von 5 Sternchen.

Samstag, 30. Juli 2011

Noch ein paar Gedanken zu den 100 Büchern

Inzwischen haben sich auch Kiya und Latsi durch die Liste gewühlt, was ich sehr spannend finde. Und ich habe den Link zu einer ähnlichen Liste der BBC bekommen. Vielleicht geh ich die auch irgendwann noch durch, mal sehen. ;-)
Allerdings wollte ich noch ein paar allgemeine Gedanken zu der Liste loswerden: Dass ich sie gepostet habe, bedeutet nicht, dass ich finde, man müsste diese 100 Bücher gelesen haben, also nicht, dass ein falscher Eindruck entsteht. Ich finde so etwas immer sehr spannend, allerdings nur bis zu einem gewissen Grad tatsächlich aussagekräftig.
Ich glaube nämlich nicht, dass Befragte in so einem Fall immer ehrlich antworten. Ich will niemandem etwas unterstellen, habe aber doch den Verdacht, dass die Tendenz besteht, Klassiker zu nennen, die man eigentlich nicht wirklich als Lieblingsbuch betrachtet. Aber irgendwie macht es sich besser, auf die Frage nach dem Lieblingsbuch mit "Der Zauberberg" zu antworten als mit "Flammende Leidenschaft" oder so. *g* Was nicht bedeutet, dass ich grundsätzlich allen unterstelle, auf solche Fragen nicht ehrlich zu antworten - zumal die Liste ja auch eine schöne Mischung aus verschiedenen Genres darstellt. Aber trotzdem, so eine gewisse Tendenz vermute ich da einfach mal ...
Dazu kommt, dass die meisten wohl nicht ein einziges Lieblingsbuch haben. Man ist also gezwungen, eine Auswahl zu treffen, und in dem Fall wählt man vielleicht eher ein bekanntes Buch, das gerade in aller Munde ist (vielleicht, weil einem das auch schneller einfällt) als etwas ganz unbekanntes.

Was würde ich in so einem Fall als mein Lieblingsbuch nennen? Hm, das wäre ganz schön schwierig, eben weil mir da auf Anhieb mehrere einfallen.
Der Herr der Ringe, Die Brüder Löwenherz, Gut gegen Nordwind, Die letzte Welt, Watership Down, A Sarantine Mosaic, Das Buch der Dornen, Am Ende dieses Sommers, Kassandra oder vielleicht sogar die Hunger Games, um etwas ganz aktuelles zu nennen - Wie sollte ich mich da bloß entscheiden?
Ich drücke mich also hier vor einer eindeutigen Antwort.

Aber Kiya hat überlegt, dass es spannend wäre sich zu überlegen, welche Bücher einem da persönlich auf der Liste fehlen. Und das versuche ich jetzt mal für mich zu beantworten, wobei ich vorweg sagen möchte, dass das nun keine weitere Aufzählung meiner Lieblingsbücher wird (ich weiß bei vielen von denen, das die eher unbekannt sind), sondern eher eine Aufzählung von Büchern, die ich auf so einer Liste vermutet hätte.

Da ja einige Kinderbücher vertreten sind, ist mir hier gleich mal aufgefallen, dass von Astrid Lindgren ausgerechnet "Pippi Langstrumpf" dabei ist - das ich nicht für eins ihrer besten Werke halte, und das wohl auch vor allem durch die Fernsehserie so gut im Gedächtnis bleibt. Ich persönlich hätte ja eher "Die Brüder Löwenherz" oder auch "Ronja Räubertochter" erwartet.
Und noch einen weiteren Kinderbuchklassiker habe ich vermisst, und zwar "Die rote Zora" von Kurt Held, die ich früher unzählige Male gelesen habe.

Im Bereich der Klassiker hat es mich überrascht, kein einziges Werk von Schiller zu finden - aber ganz ehrlich: Ich würde den auch nicht unbedingt draufsetzen. ;-) Dafür hätte ich aber gern etwas von Heinrich Heine drauf gesehen, den ich in meinem Studium sehr gern gelesen habe. Und wo ist Shakespeare? Ich finde es schade (und überraschend), dass keins seiner Stücke es auf die Liste geschafft hat.

Bei der aktuellen Unterhaltungsliteratur hat mich die Auswahl ebenfalls teilweise überrascht - wobei man bedenken muss, dass die Liste von 2004 ist und damals natürlich einige Romane in aller Munde waren, die mittlerweile wieder ein bisschen in der Versenkung verschwunden sind. Da aber einige Fantasybücher genannt wurden, würde ich hier noch "Das letzte Einhorn" von Peter S. Beagle ergänzen. Wenn diese Liste aktueller wäre, würde ich außerdem noch "Drachenläufer" von Khaled Hosseini, "Die Vermessung der Welt" von Daniel Kehlmann und "Gut gegen Nordwind" von Daniel Glattauer darauf erwarten.

Ganz zu schweigen natürlich von all den Titeln, die zu meiner persönlichen Liste der 100 liebsten Bücher gehören. Aber die zähle ich jetzt nicht auch noch alle auf. ;-)

Donnerstag, 28. Juli 2011

100 Bücher

Ich liebe Listen. Und Statistiken. Ich kann zwar nicht erklären, weshalb das so ist, aber egal. Auf alle Fälle hat es mich schon länger in den Fingern gejuckt, die Liste der "100 Lieblingsbücher der Deutschen" durchzugehen (auch wenn ich Österreicherin bin ;-)). Diese Liste ist entstanden, als der ZDF 2004 eine Umfrage gestartet hat (Quelle). Also, 2004, merkt euch die Jahreszahl - die erklärt nämlich, weshalb sich da keiner der letzten Harry-Potter-Romane tummelt. ;-)
Also, auf gehts, alle fett markierten Bücher habe ich gelesen:


1. Der Herr der Ringe, J. R. R Tolkien
Ja, da gehe ich mit dem "Massengeschmack" konform - ich liebe den Herr der Ringe und würde ihn auch ohne zu zögern als eins meiner Lieblingsbücher bezeichnen (trotz Startschwierigkeiten).

2. Die Bibel
Puh. Ich kenne sie natürlich über weite Teile und habe auch schon zweimal das Projekt gestartet, sie tatsächlich ganz zu lesen - aber ich bin nie weit gekommen. Insofern kann ich sie wohl nicht zählen.

3. Die Säulen der Erde, Ken Follett
Begonnen und innerhalb der ersten 100 Seiten aufgegeben.

4. Das Parfum, Patrick Süskind
Ein tolles Buch! Hab ich gelesen, als ich etwa 14 war, und es hat mich sehr beeindruckt.

5. Der kleine Prinz, Antoine de Saint-Exupéry
Hab ich gelesen, und ich fand es damals auch recht schön, aber großartig in mein Gedächtnis eingebrannt hat es sich trotzdem nicht.

6. Buddenbrooks, Thomas Mann
Da ich gerade mittendrin bin und es bestimmt auch zu Ende lese, bin ich so frei und zähle das Buch schon mal auf der "gelesen"-Seite.
(inzwischen ausgelesen und für sehr gut befunden ;-))

7. Der Medicus, Noah Gordon
Oh, das fand ich damals auch toll (so mit 14 oder 15). Ich hab aber den Verdacht, dass ich heute davon genervt wäre. ;-)

8. Der Alchimist, Paulo Coelho
Ach, ein sehr schönes Buch! *schwärm*

9. Harry Potter und der Stein der Weisen, J. K. Rowling
Ach, der erste Band ist irgendwie sehr herzig. Ein wirklich spannendes und witziges Kinderbuch, das ich damals in einem Rutsch durchgelesen habe.

10. Die Päpstin, Donna W. Cross
Da gilt dasselbe wie beim Medicus. *g*

11. Tintenherz, Cornelia Funke
Hm, von dem Roman war ich leider sehr enttäuscht. Ich fand den Anfang gut, aber dann wurde es ziemlich schwach. Die weiteren Bände habe ich dann gar nicht mehr gelesen.

12. Feuer und Stein, Diana Gabaldon
Ogott, Jamie Fraser. Ich mag ihn nicht, und da der Roman ein einziges Anschmachten seiner Person ist, hatte ich natürlich so meine Probleme damit. Dabei mochte ich den Stil, und ich hab sogar noch ein bisschen in der Serie weitergelesen, aber da Jamie mich immer stärker genervt hat, hab ich dann aufgehört.

13. Das Geisterhaus, Isabel Allende

14. Der Vorleser, Bernhard Schlink
Wollte ich eigentlich mal lesen. Steht aber nicht ganz oben auf meiner Prioritätenliste.

15. Faust. Der Tragödie erster Teil, Johann Wolfgang von Goethe
Eins der besten "Schulbücher". Erstaunlicherweise kam der eigentlich in der ganzen Klasse ziemlich gut an.

16. Der Schatten des Windes, Carlos Ruiz Zafón
Oh, das ist definitiv eins meiner Lieblingsbücher! Ich hab es atemlos verschlungen.

17. Stolz und Vorurteil, Jane Austen
Nicht mein Favorit unter den Austen-Romanen, aber hat mir dennoch gut gefallen. :-)

18. Der Name der Rose, Umberto Eco
Irgendwann will ich den Roman noch lesen. Ich könnte ihn auch jederzeit von meiner Mutter ausleihen, aber so richtig juckt es mich nicht in den Fingern ...

19. Illuminati, Dan Brown
Am besten ist mir davon noch das haarsträubende Ende in Erinnerung. Was hat Dan Brown da bloß geraucht?

20. Effi Briest, Theodor Fontane
War bei mir keine Schullektüre, und als ich es dann relativ spät im Laufe meines Studiums gelesen habe, fand ich es ziemlich gut.

21. Harry Potter und der Orden des Phönix, J. K. Rowling
Meiner Meinung nach der schwächste Potter-Band.

22. Der Zauberberg, Thomas Mann
Hm. Fand ich am Anfang sehr gut, aber zum Ende hin dann immer zäher.

23. Vom Winde verweht, Margaret Mitchell
Ich kenn den Film und mag ihn nicht, daher weiß ich nicht, ob ich mich mal zum Lesen des Buches aufraffen kann. Das steht ja auch bei meiner Mutter im Bücherregal.

24. Siddharta, Hermann Hesse
Hm, ich hab einiges von Hesse gelesen, aber ich bilde mir ein, dass das Buch nicht darunter war.

25. Die Entdeckung des Himmels, Harry Mulisch
Hö? Das erste auf der Liste, wo mir weder Autor noch Titel irgendetwas sagen.

26. Die unendliche Geschichte, Michael Ende
Hach! :-) Eins der besten Fantasybücher überhaupt, wie ich finde.

27. Das verborgene Wort, Ulla Hahn

28. Die Asche meiner Mutter, Frank McCourt
Hat mir meine Mutter schon mehrmals wärmstens empfohlen, aber bisher bin ich noch nie dazu gekommen.

29. Narziss und Goldmund, Hermann Hesse
Ich hab offensichtlich ein Hesse-Problem - auch bei dem bin ich mir nicht hundertprozentig sicher, aber ich bilde mir ein, ich hätte es gelesen.

30. Die Nebel von Avalon, Marion Zimmer Bradley 
Fand ich mit 13 ganz toll, aber als ich unlängst nochmal versucht habe es zu lesen ... herrje! Geht gar nicht mehr. 

31. Deutschstunde, Siegfried Lenz

32. Die Glut, Sándor Márai
2014 habe ich diesen Roman dann doch mal gelesen - und es hat sich gelohnt!

33. Homo faber, Max Frisch
Ach, den Roman mochte ich richtig gern, trotz Schullektüre. Ich hab dann im Anschluss gleich noch weitere Bücher von Max Frisch gelesen.

34. Die Entdeckung der Langsamkeit, Sten Nadolny
Stand lange auf meiner "möchte ich lesen"-Liste, aber im letzten Jahr hab ich es dann mal runtergenommen.

35. Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins, Milan Kundera

36. Hundert Jahre Einsamkeit, Gabriel Garcia Márquez

37. Owen Meany, John Irving

38. Sofies Welt, Jostein Gaarder
Oh, das hab ich gelesen, als ich selbst so alt war wie Sofie. Hat zu einer kurzzeitigen großen Begeisterung für Philosophie geführt.

39. Per Anhalter durch die Galaxis, Douglas Adams
Ich fand es ganz witzig, aber nicht überragend. Weitere Bände habe ich dann auch nicht mehr gelesen.

40. Die Wand, Marlen Haushofer
An einem Nachmittag verschlungen! Ich glaube, ich habe mich nicht mehr vom Sofa wegbewegt, bis ich es durch hatte.

41. Gottes Werk und Teufels Beitrag, John Irving
Da kenn ich nur den Film.

42. Die Liebe in den Zeiten der Cholera, Gabriel Garcia Márquez

43. Der Stechlin, Theodor Fontane

44. Der Steppenwolf, Hermann Hesse
Ja, Hesse-Problem, definitiv. Ich bin mir nämlich schon wieder nicht sicher! Aber ich glaube, ich hab es nicht gelesen. (Tja, und deshalb führ ich seit einigen Jahren Leselisten)

45. Wer die Nachtigall stört, Harper Lee
Ein geniales Buch, das ich eigentlich uneingeschränkt weiterempfehle!

46. Joseph und seine Brüder, Thomas Mann

47. Der Laden, Erwin Strittmatter

48. Die Blechtrommel, Günter Grass
Eins meiner Studienbücher, das ich sehr mochte.

49. Im Westen nichts Neues, Erich Maria Remarque
ähem. Nein, ich habs tatsächlich noch nie gelesen ...

50. Der Schwarm, Frank Schätzing
Oh, das fand ich ja anfangs so spannend. Ich musste da gerade für eine Prüfung lernen und es war die reinste Folter, mich von dem Roman loszureißen. Leider hat er ab der Hälfte stark nachgelassen.

51. Wie ein einziger Tag, Nicholas Sparks
Ich hab mal ein anderes Buch von Sparks gelesen, und das hat mir definitiv gereicht!

52. Harry Potter und der Gefangene von Askaban, JK Rowling 
Mein Lieblingspotter! :-))

53. Momo, Michael Ende
Hach. Da habe ich als Kind den Film gesehen (was hatte ich für eine Heidenangst vor den Herren der Zeit!), das Buch aber erst recht spät gelesen. Ich fand es trotzdem grandios.

54. Jahrestage, Uwe Johnson

55. Traumfänger, Marlo Morgan
Mit etwa 15 hat mich das sehr beeindruckt und zu einer Australien-Phase geführt.

56. Der Fänger im Roggen, J.D. Salinger

57. Sakrileg, Dan Brown
Mpf. Dan Brown funktioniert folgendermaßen: Dank zahlreicher Cliffhänger und anderer Tricks liest man ganz schnell immer weiter und merkt dann erst am Ende, wie schlecht der Roman eigentlich ist ...

58. Krabat, Otfried Preußler
Ein tolles Buch! Ich musste das mit 10 oder 11 Jahren für die Schule lesen und habe mich nahezu zu Tode gefürchtet. So richtig gut gefallen hat es mir daher erst, als ich schon etwas älter war.

59. Pippi Langstrumpf, Astrid Lindgren
Ich bin mir nicht sicher, aber ich glaube, dass ich da nur die Fernsehserie kenne.

60. Wüstenblume, Waris Dirie
Ein sehr beeindruckendes und erschreckendes Buch. Ich bin sonst kein Fan von Autobiographien, aber die hier fand ich wirklich gut.

61. Geh, wohin dein Herz dich trägt, Susanna Tamaro

62. Hannas Töchter, Marianne Fredriksson
Ich hab einige Romane von Fredriksson gelesen, aber das ist einer der besten. :-)

63. Mittsommermord, Henning Mankell
Ich hab ein paar Krimis von Mankell gelesen, aber den hier nicht.

64. Die Rückkehr des Tanzlehrers, Henning Mankell
Und den auch nicht.

65. Das Hotel New Hampshire, John Irving
Ein richtig schräger Irving halt. Hier hab ich aber auch vorher bereits den Film gekannt.

66. Krieg und Frieden, Leo Tolstoi

67. Das Glasperlenspiel, Hermann Hesse
Was auch immer das mit mir und Hesse ist ... Ich bin mir wieder nicht sicher, aber ich glaube, ich habe es nicht gelesen.

68. Die Muschelsucher, Rosamunde Pilcher

69. Harry Potter und der Feuerkelch, J. K. Rowling
Ha, der Band mit dem Weihnachtsball und dem Tanzunterricht! *kicher*

70. Tagebuch, Anne Frank

71. Salz auf unserer Haut, Benoîte Groult

72. Jauche und Levkojen, Christine Brückner

73. Die Korrekturen, Jonathan Franzen
Ein ziemlich interessanter Roman, wenn auch stellenweise etwas zäh. Meine Mutter ist ein großer Fan davon - ganz so begeistert war ich dann nicht.

74. Die weiße Massai, Corinne Hofmann

75. Was ich liebte, Siri Hustvedt

76. Die dreizehneinhalb Leben des Käpt’n Blaubär, Walter Moers
Ich habs ehrlich gesagt nicht so mit Walter Moers. Aber Käpt'n Blaubär kenne ich immerhin aus der "Sendung mit der Maus". ;-)

77. Das Lächeln der Fortuna, Rebecca Gablé
Hm, das war jener Gablé-Roman, bei dem ich das Gefühl hatte, alles exakt vorhersagen zu können, weil es genau dieselbe Struktur war wie bei ihren anderen Romanen. Und ja: Ich hatte recht mit meinen Vorhersagen ...

78. Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran, Eric-Emmanuel Schmitt
Eine sehr nette kleine Geschichte. :-)

79. Winnetou, Karl May
Ich geb es zu: Als ich Winnetou mal lesen wollte, war ich schon 18 oder 19 Jahre alt und es ging gar nicht. Ich fand die Figuren alle unerträglich.

80. Désirée, Annemarie Selinko

81. Nirgendwo in Afrika, Stefanie Zweig

82. Garp und wie er die Welt sah, John Irving

83. Die Sturmhöhe, Emily Brontë 
Was für ein Roman! Das sind zum Teil echt abartige Figuren und Beziehungen darin, aber auch sehr faszinierend.

84. P.S. Ich liebe Dich, Cecilia Ahern
Da kenn ich nur den Film.

85. 1984, George Orwell
*hüstel* Aber irgendwann werd ich es mal lesen ...

86. Mondscheintarif, Ildiko von Kürthy
Fand ich absolut schauderhaft.

87. Paula, Isabel Allende

88. Solange du da bist, Marc Levy

89. Es muss nicht immer Kaviar sein, Johannes Mario Simmel
Von Simmel kenn ich nur "Ein Autobus groß wie die Welt" - da hab ich als Kind das Hörspiel rauf und runter gehört.

90. Veronika beschließt zu sterben, Paulo Coelho
Nicht der beste Coelho-Roman, aber trotzdem noch immer ein gutes Buch. Ich würde auch sehr gern mal die Verfilmung sehen.

91. Der Chronist der Winde, Henning Mankell

92. Der Meister und Margarita, Michail Bulgakow
Hab ich vor einiger Zeit leider aus unerfindlichen Gründen abgebrochen (ich hab den Roman eigentlich sehr gut in Erinnerung). Ich möchte den auf alle Fälle noch lesen, allerdings muss ich inzwischen wieder von vorn anfangen, und davor schrecke ich ein wenig zurück.
(Nachtrag im Juni 2012: inzwischen gelesen!)

93. Schachnovelle, Stefan Zweig

94. Tadellöser & Wolff, Walter Kempowski

95. Anna Karenina, Leo Tolstoi

96. Schuld und Sühne, Fjodor Dostojewski
Jaaaa, bei mir herrscht eine riesige Lücke an russischen Klassikern. Aber irgendwann les ich die alle mal. *räusper*
Aktualisierung 2012: Na bitte, ich habs ja doch "irgendwann" gelesen!

97. Der Graf von Monte Christo, Alexandre Dumas
Ich geh mich schämen ...
Aktualisierung 2012: Nichts mehr mit schämen. ;-) Inzwischen hab ich den Roman gelesen und wirklich toll gefunden!

98. Der Puppenspieler, Tanja Kinkel

99. Jane Eyre, Charlotte Brontë
Ich liebe den Roman, ich liebe die Figur der Jane Eyre und ich vergöttere Mr. Rochester. Noch Fragen? *g*

100. Rote Sonne, schwarzes Land, Barbara Wood
Das hab ich als ziemlich gut in Erinnerung. Allerdings ist es schon Jahre her, seit ich den Roman gelesen habe, und damals war ich weniger kritisch als heute.


So, Fazit:
Von der Liste habe ich 47 Romane gelesen (neuer Stand: 53), ich kenne also etwa die Hälfte. Allerdings tummeln sich unter denen, die ich nicht kenne, einige Klassiker, die man vielleicht schon mal lesen sollte - zumindest als Germanistin. Schaun wir mal, ob ich ein paar davon vielleicht in absehbarer Zeit doch endlich lese.

Dienstag, 26. Juli 2011

Langersehnte Fortsetzungen

Schon letzte Woche traf "A Dance with Dragons" von George R. R. Martin bei mir ein - der 5. Band seiner Serie "A Song of Ice and Fire". Da ich ganz begeistert von dem wunderschönen Hardcover bin (es handelt sich um die Ausgabe von Bantam), wollte ich schon letzte Woche ganz euphorisch meinen Neuzugang hier präsentieren, aber irgendwie kam mir das dann doch etwas übertrieben vor. Schließlich habe ich bereits die Serie hier vorgestellt und möchte auch noch etwas zu den deutschen Übersetzungen schreiben - und meine derzeit neu aufgeflammte Begeisterung für Martins Epos soll hier ja nicht überhand nehmen.
Aber nun habe ich einen weiteren Fortsetzungsband als Neuzugang hier zu bejubeln, und so zahlt sich jetzt ein derartiger Beitrag doch aus. In nächster Zeit werdet ihr wohl sowieso noch öfter mal was von "A Song of Ice and Fire" hier lesen - da müsst ihr einfach durch. ;-)

Vier lange Jahre musste ich nun auf den neuen Band von George R. R. Martin warten. Und das ist ja vergleichsweise noch wenig, denn ich habe seine Serie erst 2007 gelesen. Für alle englischen Leser, die sozusagen von Anfang an dabei waren, waren es gleich sechs Jahre Wartezeit seit "A Feast for Crows". Es ist also durchaus angebracht, das Erscheinen von "A Dance with Dragons" ordentlich zu zelebrieren.
Der Roman ist ein echtes Monsterding. Er hat über 1.000 Seiten und ist noch dazu größer als ein normales Hardcover - als Vergleich stell ich euch mal ein Bild rein:
Hierzu ist zu sagen, dass es sich bei "Hiobs Brüder" um einen ziemlichen Wälzer handelt, aber hier im Vergleich sieht das Buch ja fast klein aus.
"A Dance with Dragons" wird also nicht so ganz bequem zu lesen sein, befürchte ich. Aber ich bin trotzdem froh, dass ich mir das Hardcover gegönnt habe, da ich es wunderschön finde. Der Schutzumschlag entspricht genau meinem Geschmack - dezent, elegant und doch passend. Die Abbildung des Drachen glänzt außerdem metallisch und hebt sich reliefartig vom Hintergrund ab, was fast den Eindruck eines echten Medaillons erweckt.
Aber auch, wenn man den Schutzumschlag wegnimmt, hält man noch ein sehr schönes Buch in den Händen: Den Buchdeckel ziert ein sehr schickes, ebenfalls metallisch glänzendes Ornament.

Und diese sorgfältige Gestaltung setzt sich auch im Innenleben fort. Gleich im Deckel sind sowohl vorn im Buch als auch hinten die beiden Überblickskarten von Westeros, die im Vergleich zu den früheren Bänden überarbeitet wurden und jetzt etwas verspielter und eleganter aussehen. Es folgen dann drei Detailkarten bzw. Länder außerhalb von Westeros - das Land jenseits der Mauer inklusive eine Detailbetrachtung der Mauer, die freien Städte und Valyria.
Kapitelverzierungen komplettieren schließlich die sorgfältige Innengestaltung. Das Papier ist von sehr guter Qualität (besser als bei der Ausgabe von HarperCollins, muss ich jetzt mal ganz ehrlich sagen) und die Schrift gestochen scharf und kontrastreich.

So, genug geschwärmt. ;-) Bis ich den Roman tatsächlich lesen kann, wird es wohl noch eine Weile dauern, da ich mit meinem Reread der vorigen Bände (der dringend notwendig ist) noch nicht sehr weit gekommen bin.

Durch eine glückliche Fügung bin ich heute noch in den Besitz eines weiteren Wälzers gekommen. Ich habe mir zwar vorgenommen, mir erst mal keine neuen Bücher zu kaufen, aber im British Bookshop in Wien ist derzeit großer Ausverkauf angesagt, und so gab es sämtliche Taschenbücher um je 3 Euro zu kaufen.
Erfreulicherweise habe ich dort noch ein Exemplar von "The Wise Man's Fear" von Patrick Rothfuss gefunden, dem 2. Band seiner "Kingkiller Chronicle". Das Taschenbuch ist ebenso groß wie das oben gezeigte Hardcover - und mit knapp 1.000 Seiten ebenso dick. Es handelt sich also um ein echtes Monster-Taschenbuch, für das man sonst auch prompt etwa 13-20 Euro zahlen muss. Ich habe es nun um 3 Euro bekommen - ein neues Taschenbuch in einwandfreiem Zustand (kein Mängelexemplar, keine Abnutzungserscheinungen). Da konnte ich natürlich nicht widerstehen. ;-)
Das Cover finde ich nicht ganz so schön, das wirkt etwas comichaft (das ist der seltene Fall, wo ich die deutschen Cover deutlich passender finde), aber hässlich ist es jetzt auch nicht gerade und ich will mal nicht übernörgelig sein (der Inhalt ist es ja, der zählt).

Tja, der Lesestoff geht mir also nicht so schnell aus (das wäre er aber auch ohne diese neuen 2.000 Seiten nicht ...), zumal ich dann auch noch bei einem Agatha Christie-Krimi zugegriffen habe. Aber so ein Angebot von 3 Euro muss man ja nutzen ....

Daher für alle Wiener: Schaut bis zum 30. Juli noch im British Bookshop (Weihburggasse 24) vorbei. Da der dortige Laden leider aufgegeben wird und sie noch keinen neuen haben, werden jetzt alle Bücher sehr günstig verkauft. Momentan sind es eben 3 Euro für Taschenbücher und 5-10 Euro für Hardcover. Das ganze ist schon recht ausgesucht, aber es gibt noch reichlich Bücher (viele Krimis und Thriller sowie einiges an Jugendfantasy - z.B. Artemis Fowl, Eragon, Narnia, Septimus Heap, ...). Und nagelneue Bücher bekommt man sonst selten um diesen Preis.

Montag, 25. Juli 2011

Frances Wood - Marco Polo kam nicht bis China


Genre: Sachbuch
Seiten: 247
Verlag: Piper
ISBN: 978-3492038867
Meine Bewertung: 3 von 5 Sternchen

Historien-Challenge (Sachbuch - Mittelalter)



So berühmt Marco Polo auch für seine "Beschreibung der Welt" ist, sein Werk wirft doch einige Fragen auf. Einige Forscher sind mittlerweile der Meinung, dass Marco Polo nie selbst bis nach China kam. Mit eben dieser Theorie beschäftigt sich nun Frances Wood. Sie untersucht Polos Werk genau in sprachlicher sowie sachlicher Hinsicht und erläutert genau jene Punkte, die widersprüchlich oder lückenhaft sind: Es ist nicht möglich, der Route von Marco Polo zu folgen - manche Städte werden falsch lokalisiert und einzelne Beschreibungen der Reise sind nicht nachvollziehbar. Außerdem verwendet Marco Polo für viele Orts- sowie Personennamen persische oder arabische Namen - warum nicht chinesische? Glaubt man seinen Berichten, müsste man zudem etwas über ihn in chinesischen Quellen finden, da er angeblich jahrelang einen einflussreiche Stellung bei Khubilai hatte - doch außerhalb seiner eigenen Beschreibung wird er nirgends erwähnt. Und schließlich erscheint es seltsam, dass Marco Polo bei all seinen genauen Beschreibungen weder die chinesische Mauer noch den allgegenwärtigen Tee noch die geschnürten Füße der Chinesinnen erwähnt.

All diese Probleme beleuchtet Frances Wood von mehreren Seiten. Sie überlegt, was die Gründe dafür sein können und bietet verschiedene Lösungsansätze. Ergänzend sucht sie auch noch weiteren Quellen über das Leben der Polos (welche kaum vorhanden sind) und diskutiert die Frage des "Ghostwriters", denn im Prolog steht, dass Marco Polo einen Dichter beliebter Ritterromane, Rustichello, bat alles aufzuschreiben.
Zu einer eindeutigen Lösung kommt Wood letztendlich nicht, und es ist auch zu befürchten, dass es eine solche auch niemals geben wird. Weder kann bewiesen werden, dass Marco Polo tatsächlich in China war, noch, dass er nicht dort war. Sie selbst hält es für wahrscheinlich, dass er lediglich auf die Berichte seines Onkels und seines Vaters zurückgriff, während er selbst nicht über Konstantinopel hinauskam.

All ihre Ergebnisse präsentiert Wood zwar verständlich, manchmal aber etwas langatmig. Sie scheint oftmals vom hundertsten ins tausendste zu kommen, und so einige Male fragte ich mich, was ihre Ausführungen gerade mit der eigentlichen Fragestellung zu tun hatten. Außerdem finde ich die Struktur nicht immer ganz glücklich: Ihr Werk gliedert sich in mehrere Themenbereiche (so etwa die Namen, Rustichello als eigentlicher Autor, die Chinesische Mauer, etc.), die aber oft ineinander übergehen, wodurch es in den einzelnen Kapiteln zu Überschneidungen und Wiederholungen kommt. Auch erscheint die Anordnung der Kapitel teilweise ein wenig sprunghaft.

Das alles macht das Buch ein wenig sperrig. Wood hat hier sicher eine sehr sorgfältige Arbeit geleistet, und die Endnoten zeugen auch von einer umfangreichen Literaturrecherche, aber für interessierte Laien ist ihr Werk nur bedingt geeignet. Es scheint sich eher an jene zu richten, die sich bereits eingehender mit der Materie beschäftigt haben.
Für mich war das Buch wohl letztendlich doch zu speziell. Ich wollte etwas über Marco Polo erfahren und auch darüber, wie weit es sich bei seiner "Beschreibung der Welt" um einen Tatsachenbericht handeln kann, wurde hier aber ein wenig von der Fülle der Details erschlagen. Einen wirklichen Überblick habe ich hingegen nicht bekommen - weder über Marco Polo allgemein noch über die eigentliche Fragestellung. Dafür verliert Frances Wood sich zu sehr in Details und bemüht sich zu wenig um Zusammenhänge und aufeinander aufbauende Kapitel.

Das Buch war durchaus interessant und hat mir auch einige Informationen geliefert, aber wirklich flüssig zu lesen war es nicht. Es kam mir teilweise eher so vor, als würde ich eine Dissertation lesen und nicht ein populärwissenschaftliches Werkt. Nicht, dass das per se schlecht wäre (bei Recherchen für meine eigene Dissertation freue ich mich über so sachliche und detaillierte Sekundärliteratur), aber sowohl die Aufmachung des Buches als auch der Klappentext haben bei mir andere Erwartungen geweckt.

Müsste ich mich wissenschaftlich mit Marco Polo beschäftigen, würde meine Bewertung vielleicht anders ausfallen - so aber gibt das von mir nur 3 von 5 Sternchen.

Freitag, 22. Juli 2011

Die Rose von Ahron: Andalind aus Gonnim

Bei der folgenden Figur aus meinem Roman "Bühnenzauber" handelt es sich um eine recht rätselhafte Person, bei der es mir schwer fällt, sie zu beschreiben, da ich nicht zuviel über sie verraten möchte.
Ich lasse vorerst Keil Stronden, den königlichen Geschichtsschreiber, zu Wort kommen, der bei ihrer Beschreibung ins prompt ins Schwärmen gerät:

Ich wage zu behaupten, dass wir am Ahronischen Königshof durchaus vom Anblick schöner Frauen verwöhnt sind. Und doch ist es keine adelige Frau, keine Tochter eines Fürsten, die hier in der Hauptstadt schwärmerisch als "Rose von Ahron" bezeichnet wird, sondern eine Schauspielerin.
Im Blütemond 1420 n. F. trat im Garbrand-Theater erstmals jenes Mädchen auf, das die folgenden zwei Jahre Tausende von Zuschauern in Verzückung versetzen sollte. Andalind hieß die Schauspielerin, die zunächst nur Helborgs treue Dienerin spielte. Doch mit ihrer klaren, deutlichen Stimme, den roten Locken und ihrer wohlgeformten Gestalt, fiel sie allen auf. Dazu kam, dass sie die Rolle der Dienerin so überzeugend und lebhaft darstellte, dass die Zuschauer sofort von ihr begeistert waren.
Es dauert nicht lange, ehe Andalind Helborg selbst spielte und die Schauspielergruppe vom königlichen Theater auf sie aufmerksam wurde. So kam es, dass die junge Frau ein Jahr später in Ahrons größtem Theater auf der Bühne stand.
 

Mit diesem Text nahm übrigens alles seinen Anfang. Ich hatte damals ein Porträt gezeichnet und mir überlegt, wer die junge Frau sein könnte. Schließlich formte sich in meinem Kopf das Bild einer gefeierten Schauspielerin, die eine ganze Stadt zum Schwärmen brachte. So entstand dann der Text des besagten Geschichtsschreibers, der natürlich noch länger ist - aber ich möchte hier ja nicht Andalinds gesamte Lebensgeschichte erzählen. ;-)
2009 zeichnete ich dann ein neues Bild von Andalind und dachte über ihre letzte große Rolle nach. Und so formte sich um sie und um jenes Theaterstück allmählich ein Roman.

"Bühnenzauber" beginnt also damit, dass Andalind ans königliche Theater geholt wird - und dass der Dichter Gabran sich unsterblich in sie verliebt.
Er formt sich in seinem Kopf schnell ein Bild von ihr, eine Idealvorstellung gewissermaßen, und oft bin ich mir selbst beim Schreiben nicht sicher, ob Andalind so ist oder ob nur er sie so sieht. Daran erkennt man schon, dass ich mit ihrem Charakter so meine Probleme habe.
Der Punkt ist: Sie spielt auch im wirklichen Leben eine Rolle. Nicht immer und auch nicht immer dieselbe. Vielmehr passt sie sich den Gegebenheiten an und ist dann die Person, die sie in der jeweiligen Situation am ehesten sein sollte. Sie ist schwer zu beschreiben - und sie ist auch schwer zu schreiben. Sie ist eben ein Rätsel - und in dem Roman, in dem es mehrere Rätsel gibt, ist sie vermutlich das größte.

Natürlich weiß ich noch mehr über sie als das wenige, was ich hier geschrieben habe. Allerdings kann ich kaum etwas über ihr wahres Ich preisgeben, ohne damit gleich zuviel über das Ende des Romans zu verraten. Für Gabran ist Andalind auf alle Fälle ein sanftes, scheues Mädchen, das es schafft, direkt in seine Seele zu blicken. Und obwohl er sich da ein Bild von ihr macht, das nicht völlig zutrifft, sieht er zugleich doch mehr von ihrem wahren Ich als vielleicht jeder andere.
Ja, es ist kompliziert mit ihr. ;-)

Und mit diesen dürften Informationen beende ich auch diesen Beitrag bereits wieder - und mit einer kurzen Szene natürlich. Gabran und Herun sind hier im "Konkurrenz"-Theater und sehen sich Andalind an. Ja, Gabran ist ein Schwärmer und neigt zu Übertreibungen (und zum exzessiven Gebrauch von Adjektiven) ...

Schließlich verschwand der Bote und eine klare, deutliche Stimme durchdrang die folgende Stille: “Danhild, ich sah, wie der Bote ging. Sag mir: Gibt es freudige Nachrichten von meinem Vater?”
Gabran richtete sich interessiert auf. Was für eine wunderbare Bühnenstimme. Trotz ihrer Jugend war sie eher tief und hatte einen angenehmen, weichen Klang. Kein Akzent war ihr zu entnehmen, kein Wort war undeutlich gesprochen oder vernuschelt, wie es bei Susa so oft der Fall war.
Die Schauspielerin trat durch den mittleren Durchgang auf. Ein Raunen lief durch die Zuschauerreihen, und Gabran hielt unwillkürlich den Atem an. Rotbraune Locken umrahmten ein ebenmäßiges Gesicht, die hellbraunen Augen schienen ihn direkt anzublicken. Ein raffiniert geschnürtes Kleid brachte ihre zarten Rundungen wunderschön zur Geltung. Das Alter der Schauspielerin war schwer einzuschätzen. Sie wirkte gleichermaßen wie ein unschuldiges Mädchen und eine reife Frau. Erst, als sie neben die Dienerin trat, merkte Gabran, dass sie eher klein war. Bei ihrem Auftritt hatte sie groß gewirkt, vielleicht, weil sie sich so aufrecht hielt, vielleicht aber auch, weil sie die Bühne alleine auszufüllen schien.
“Hübsches Mädchen”, stellte Herun neben ihm fest.
Hübsch? Gabran streifte seine Schwester mit einem tadelnden Seitenblick. Diese Andalind war nicht einfach hübsch, sondern eine echte Schönheit. Ein Mädchen, das auf die Bühne gehörte, das eben jenen Bühnenzauber besaß, der Susa fehlte.
Das restliche Stück hindurch konnte Gabran die Augen nicht von ihr nehmen. Als er sie länger betrachtete, merkte er, dass ihre Augen etwas ungleich groß waren, ihre Nase vielleicht ein wenig zu stupsnäsig, ihr Gesicht ein wenig zu schmal. Das alles tat ihrer Schönheit keinen Abbruch. Alle anderen Schauspieler wirkten bedeutungslos neben ihr. Niemand sprach so deutlich, traf mit einem solchen Gefühl die richtigen Betonungen. Andalind war Helborg, mit jeder Faser ihres Körpers. Trauer, Freude, Liebe, Leid … nichts davon wirkte aufgesetzt.
Sie brauchten dieses Mädchen für ihr Theater, um jeden Preis.

Dienstag, 19. Juli 2011

Ein paar SuB-Gedanken

Als ich zu bloggen begann, schrieb ich einmal einen Beitrag darüber, dass mein SuB die schwindelerregene Höhe von 38 Büchern erreicht hätte, was für meine Verhältnisse wirklich ungewöhnlich wäre.
Nun ja, das war am 16. August 2010 und seither hat sich in der Hinsicht nicht viel verändert. Mein SuB pendelt beständig bei etwa 40 Büchern herum und ich frage mich langsam wirklich: Wie kann das sein? Ich hatte doch früher nicht so viele ungelesene Bücher, obwohl ich auch damals schon ab und zu bei Wühlkisten/Flohmärkten zugegriffen habe.
Gut, vielleicht ist es völlig unsinnig, sich darüber überhaupt den Kopf zu zerbrechen, aber nachdem ich jahrelang die Einstellung hatte, dass ich mir Bücher grundsätzlich nur aus der Bücherei ausleihe und zu besonderen Anlässen wünsche (Weihnachten, Geburtstag), beschäftigt mich doch die Frage, was sich da jetzt geändert hat. Daher also einige Gedanken zu diesem "Phänomen":

- Während ich mich früher fast völlig mit dem Lesestoff zufrieden gab, den ich in der Bücherei auftreiben konnte, bin ich da in letzter Zeit wählerischer geworden. Auf meiner Wunschliste tummeln sich also teilweise Autoren, die nicht ganz so bekannt sind und die ich in der Bücherei vergeblich suche. Dann lese ich mittlerweile auch öfter mal ein Buch auf Englisch, und da sieht es mit dem Ausleihen sowieso nicht so gut aus.

- Ich liebe es aber trotzdem, in Büchereien zu stöbern und mich mit neuem Lesestoff einzudecken, obwohl ich zuhause noch genug hätte, das ich lesen kann. Aber mein Gedankengang ist oft: "Oh, jetzt ist gerade dieses eine Buch verfügbar, das ich ohnehin lesen will - na, dann nehm ich das schnell mal mit, ehe es die nächsten Wochen wieder ausgeliehen ist! Meine eigenen Bücher laufen mir ja nicht davon."

- Die lieben SuB-Leichen - auch darüber habe ich ja schon einmal etwas geschrieben. Es gibt einfach Bücher, die schon so lange ungelesen bei mir liegen (etwa, weil ich sie bei meiner Familie stehen habe und nie daran dachte, sie mal nach Wien mitzunehmen), dass ich mir mittlerweile nicht mehr sicher bin, ob sie noch meinem Geschmack entsprechen. Und dann eben die schon mal genannten "Studien-Relikte", also Klassiker, auf die ich keine große Lust habe bzw. die mich einschüchtern (Ulysses etwa, an dem ich ja schon mehrmals irgendwo um Seite 100 herum gescheitert bin), die ich aber weiterhin mit dem Gedanken "ich sollte das mal lesen" behalte. Einige von denen nehme ich mir übrigens jetzt fürs nächste Jahr vor, da ich schonmal so halb beschlossen habe, dass ich die Klassiker-Challenge zumindest für mich wiederholen möchte. Das große "Schreckgespenst" in diesem Jahr sind die Buddenbrooks (wenn auch nicht von meinem SuB), die mir jetzt eigentlich recht gut gefallen - das Schreckgespenst des nächsten Jahres soll dann Schuld und Sühne werden, das mir vermutlich ebenfalls gefallen wird.

- Und dann gibt es auch noch Bücher, die ich aus bestimmten Gründen noch nicht gelesen habe: einige Agatha Christie-Krimis, weil ich da für plötzliche nostalgische Krimianfälle gerne welche "in Reserve" habe; In the Forests of Serre von McKillip, da mich ihr Englisch teilweise etwas überfordert und ich also noch mehr Übung mit englischen Büchern sammeln möchte, um es dann auch wirklich genießen zu können; Mord im Garten des Sokrates von Sascha Berst, um neben den Klassikern auch ein modernes eBook "für alle Fälle" auf meinem Reader zu haben.

Tja, und ansonsten bleibt zwar noch immer mein Ziel, meinen SuB zu minimieren, aber ich habe beschlossen, mich da nicht allzu sehr unter Druck zu setzen. Ich hab mir zwar erstmal ein kleines Buchkaufverbot auferlegt (A Dance with Dragons hab ich glücklicherweise schon bestellt ;-)), aber ich werde mich nicht vom exzessiven Ausleihen in den Büchereien abhalten. Dafür mach ich das einfach zu gern - auch wenn es angesichts der vielen Bücher, die sich bei mir stapeln, etwas verrückt ist.

Sonntag, 17. Juli 2011

Suchbegriffe und ein bisschen weitere Statistik

Ich hatte in letzter Zeit ein paar wirklich witzige Suchbegriffe, die ich aber leider nicht gespeichert habe. Jetzt hab ich mir gedacht, ich mach mal einen kleinen Beitrag, damit nicht alle wieder sang- und klanglos verschwinden.

buddenbrooks inhalt von jedem teil

Ah, das klingt nach einem Schüler, der zu faul ist, das Buch zu lesen. Nein, tut mir Leid, Inhaltsangaben von jedem Teil gibt es hier nicht. ;-)

amazonen kriegerin

Okay, wie zum Kuckuck landet man damit auf meinem Blog?

notizbuch was reinschreiben

Also das kann ich euch auch nicht sagen, was ihr in euer Notizbuch schreiben sollt.

"a dance with dragons" pdf

Das Buch ist gerade erst erschienen, und bei mir sind bereits mehrere mit diesen Suchbegriffen gelandet. Tststs, liebe Leute, ich werd euch sicher keine illegalen pdfs des Romans hier anbieten!

alexander pschill single

Jaja, bei jemandem wie Alexander Pschill fragt man sich das schon, nicht? Aber da kann ich niemandem weiterhelfen, ich hab nur erwähnt, dass er in den Kammerspielen in Wien den Leo in "Gut gegen Nordwind" sowie "Alle sieben Wellen" spielt.

neyasha.blogspot.com

Wenn man eh schon die genaue Adresse weiß, warum gibt man die dann nicht gleich so ein, sondern nimmt die als Suchbegriff? *g*

was bedeutet ironie die abtei northanger

Tja, irgendwie hat Jane Austen wohl nicht alles so todernst gemeint, das sie geschrieben hat, nicht?

Der absolute Spitzenreiter unter den Suchbegriffen ist bei mir übrigens:
robert harris cicero band 3

Sollte ich herausfinden, wann der 3. Band der Cicero-Trilogie erscheint, werde ich es wohl groß auf meinem Blog verkünden, um all den Armen, die ständig danach suchen, endlich weiterhelfen zu können. Ich warte ebenfalls sehnlich auf Teil 3.

Übrigens frage ich mich, ob ich eigentlich der einzige Mensch bin, der auch bei google die Suchbegriffe in korrekter Groß- und Kleinschreibung eingibt. Aber ich schreib ja selbst sms nicht nur klein. ;-)

Und noch etwas mehr an Statistiken: Die meisten Aufrufe unter meinen Beiträgen hatten folgende:
1. eBook-Reader - Ein Vergleich - na, dann hoff ich mal, dass meine Zusammenstellung hilfreich war
2. Küsst euch doch einfach mal - vielleicht bräuchte ich öfter so reißerische Titel ;-)
3. SuB - Aktueller Stand - also bin ich nicht die einzige, die bei Bücherblogs immer neugierig die SuB-Beiträge anguckt

Und bei den Rezensionen herrscht das größte Interesse an Franka Rubus' "Die Blutgabe", sowie an Gesa Schwartz' "Grim: Das Siegel des Feuers".

Soweit also mal ein paar statistische Dinge.

Samstag, 16. Juli 2011

Imre Kertész - Roman eines Schicksallosen

Genre: Gegenwartsliteratur
Seiten: 312
Verlag: Rowohlt Taschenbuch
ISBN: 978-3499240430
Meine Bewertung: 3 von 5 Sternchen

Klassiker-Challenge (Ungarn)
Historien-Challenge (Nationalsozialismus & Zweiter Weltkrieg)



Nur kurze Zeit, nachdem der Vater des fast fünfzehnjährigen, ungarischen Juden György zum "Arbeitsdienst" abberufen wird, muss György das Gymnasium verlassen und beim Wiederaufbau einer Fabrik mitarbeiten. Doch schon nach einigen Tagen wird er eines Morgens zusammen mit den anderen Jungen auf dem Weg zur Arbeit von Gendarmen aus dem Bus geholt und in die Ziegelei von Budakalász gebracht. Aus der Sicht des Juden schildert Kertész die folgende Deportation nach Auschwitz und den Alltag in den KZs Buchenwald sowie Zeitz/Wille. 

Kertész' wohl zumindest in Teilen autobiografischer Roman wird seit der Verleihung des Nobelpreises 2002 von Kritikern und Lesern bejubelt. Ich habe tatsächlich keine einzige Rezension im Internet gefunden, die nicht voll des Lobes wäre.
Ich habe also wirklich das Gefühl, mich mit meiner eher durchwachsenen Kritik allein auf weiter Flur zu befinden, aber nun ja, ich kanns nicht ändern.
Bis etwa zur Hälfte des Romans war ich sogar mehrmals versucht, das Buch einfach abzubrechen. Ich habe das nur deshalb nicht gemacht, weil ich es nicht ausgeliehen, sondern mir gekauft habe und es außerdem ein Buch für gleich zwei Challenges ist. Und das Durchhalten hat sich insofern ausgezahlt, da mir die zweite Hälfte dann tatsächlich besser gefallen hat.

Grundsätzlich kann man natürlich bei dieser Thematik kein "Lesevergnügen" im eigentlichen Sinn erwarten. Das Problem war aber, dass mich der Roman anfangs nicht im Geringsten berührt hat. Die Perspektive von György ist nüchtern, nahezu gleichgültig, kaltherzig (als es etwa um den Abschied von seinem Vater geht) und sehr naiv. Mir ist durchaus klar, dass das ein bewusstes Stilmittel ist, aber ich fand die Perspektive einfach unglaubwürdig. Der Ich-Erzähler wirkt in seiner Naivität und totalen Ahnungslosigkeit bestenfalls wie ein zehnjähriger Junge, und seine Mitgefangenen verhalten sich anfangs ebenso kindlich. Niemand scheint Angst zu haben, über alles wird gekichert und gelacht und Hunger und Durst werden schlimmstenfalls als ärgerlich oder lästig empfunden. Und ich muss zugeben, dass mich das wirklich genervt hat, weil es sehr extrem ausgeführt wird. Selbst mein elfjähriger Neffe, der behütet und nicht in Kriegszeiten aufgewachsen ist, kommt mir nicht annähernd so ahnungslos vor.

Nun ist die Frage: Wie beurteilt man so einen Roman, wenn er anscheinend sehr viele autobiografische Züge enthält? Wenn der Autor etwas ähnliches wie der Ich-Erzähler erlebt und vielleicht auf genau diese Weise erfahren hat? Kann ich mir das überhaupt anmaßen, das "unglaubwürdig" oder nervig zu finden?
Ich habe da wirklich innerlich mit mir gerungen, aber auch nach mehreren Vorlesungen über Literaturtheorie bin ich weiterhin der radikalen Meinung, dass ein Roman für sich allein sprechen muss. Mutmaßungen, was darin nun autobiografisch ist oder nicht, was der tatsächlichen Erfahrung des Autors entspricht und was davon dichterische Fantasie oder Verfremdung ist, führen für mich zu nichts. Ich will schließlich über diesen Roman keine Diplomarbeit schreiben, sondern nur eine Rezension.

Natürlich werden all die Schrecken, die der Ich-Erzähler erlebt, dennoch spürbar, aber das ändert nichts daran, dass man großteils das Gefühl hat, einem kleinen Kind zu lauschen, das sich auf ein Abenteuer begibt.
Mit der zunehmenden Hoffnungslosigkeit des Erzählers und den wachsenden Schrecken im Lager ändert sich diese Sicht allmählich. Zwar bleiben seine Nüchternheit und Gleichgültigkeit erhalten, aber die Perspektive wirkt nicht mehr ganz so kindlich-naiv.
Und es ist furchtbar zu lesen, was György bei der Arbeit in Zeitz und später im Krankenlager in Buchenwald alles widerfährt. Wie eigentlich immer bei Berichten aus jener Zeit bleibt einem irgendwann nur noch fassungsloses Kopfschütteln, weil es schlichtweg unbegreiflich ist, was damals passiert ist und wozu Menschen fähig sind.

Der Roman hat also gewissermaßen durchaus sein Ziel erreicht, und gerade die Schilderungen von Györgys Heimkehr nach der Befreiung und den Reaktionen seiner Mitmenschen sind sehr eindringlich und auch faszinierend.
Dennoch hat mich der Roman über weite Teile nicht berührt. Ich bin außerdem mit Kertész' Stil nicht wirklich gut klargekommen: Das ständige "das sehe ich schon ein" und "das muss ich zugeben" hat mir irgendwann den letzten Nerv geraubt und die vielen Bandwurmsätze waren auch nicht gerade mein Fall. Dabei habe ich nicht grundsätzlich etwas gegen derartige Endlossätze, aber zumindest hier fand ich sie sehr sperrig und oft gekünstelt.
Ich finde den Stil von Kertész nicht direkt schlecht und kann mir auch vorstellen, dass andere ihn vermutlich faszinierend finden, aber er hat einfach nicht meinem Geschmack entsprochen.

Daher gibt es von mir - so wichtig Bücher wie dieses auch sind - letztendlich nur 3 von 5 Sternchen.

Mittwoch, 13. Juli 2011

Meine "Frostpfade" sind unterwegs

Ich habe es zwar seitlich schon bei meinem Schreibstatus angegeben, aber um es nochmal "amtlich" zu machen: "Frostpfade", mein phantastischer Abenteuerroman für Kinder/Jugendliche, hat sich letzte Woche auf den Weg zum Goldenen Pick 2011 gemacht.
Es handelt sich dabei um meine allererste Einsendung - ich habe noch nie bei einem Kurzgeschichten-Wettbewerb mitgemacht und habe mich bisher auch noch nicht auf Verlags- oder Agentursuche begeben. Und eigentlich habe ich nicht gedacht, dass ich dieses Mal tatsächlich etwas einsenden würde.

Aber mir hat nicht nur eine meiner Betaleserinnen sehr überzeugend zugeredet, sondern ich habe vorher schon fest verkündet, dass ich meine "Frostpfade" einschicken würde - und in solchen Fällen mache ich nur ungern einen Rückzieher. Stolz und Versagen und so. ;-)

Tja, und jetzt ist das irgendwie seltsam. Sollte ich aufgeregt sein, weil ich tatsächlich einen Roman von mir überarbeitet und aus der Hand gegeben habe? Nervös, ob mein Manuskript überhaupt gelesen oder bereits nach der Zusammenfassung beiseite gelegt wird? Hibbelig, ob ich nicht vielleicht doch eine klitzekleine Gewinnchance haben könnte?
Fakt ist: Ich bin nichts davon. Vorerst warte ich nur auf die Bestätigungskarte vom Verlag, dass mein Manuskript gut angekommen ist. Aber ansonsten habe ich den Wettbewerb in meinem Kopf bis zum Herbst bereits abgehakt (im Oktober werden die fünf besten bekannt gegeben). Ich sehe für meinen Roman einfach so wenig Chancen, dass ich nicht mal aufgeregt bin.
Kommt diese Ruhe daher, dass ich noch gar nicht fassen kann, dass ich tatsächlich diesen Schritt gewagt habe? Oder ist das nun wieder einmal Ausdruck meiner zu großen Selbstzweifel? Ich weiß nicht - eigentlich finde ich den Roman mittlerweile ganz gut, ich sehe nur nicht die geringsten Marktchancen.

Auf alle Fälle ist es seltsam. Ich dachte, dass es mich mehr aufwühlen würde, wenn ich einen Roman zu einem nicht ganz so kleinen Schreibwettbewerb schicke.
Aber gut, schaun wir mal, wie es mir dann im Oktober geht. *g* Vielleicht setzt das große Hoffen und Bangen bis dahin noch ein.

Und ansonsten werde ich mich nun erst einmal auf die Überarbeitung von "Bühnenzauber" stürzen. Da gibt es nämlich einiges zu tun - und ich sollte somit bis zum Oktober ausreichend abgelenkt sein. ;-)

Montag, 11. Juli 2011

Dreimal Kinder- bzw. Jugendbuch

In der letzten Zeit habe ich einige Kinder- und Jugendbücher gelesen, die ich hier mal in aller Kürze rezensiere:

Jeff Kinney - Gregs Tagebuch. Von Idioten umzingelt!
Meine Nichte ist ein totaler Fan der Greg-Bücher und verschlingt eins nach dem anderen, obwohl sie vorher eher ein bisschen ein Lesemuffel war. Daher bin ich neugierig geworden, also hab ich mir mal den 1. Band von ihr ausgeliehen und recht flott durchgelesen.
Ich habe mich dabei wirklich gut amüsiert. Text und kleine (wirklich witzige) Comiczeichnungen wechseln einander ab und ergänzen sich wunderbar. Die ganze Zeit hat man das Gefühl, tatsächlich das Tagebuch eines elfjährigen Jungen zu lesen. Jeff Kinney trifft die Sprache und Gedankenwelt eines Jungen dieses Alters wirklich perfekt (soweit ich das beurteilen kann ;-)) und verzichtet auf jeglichen moralischen Zeigefinger. Greg ist faul, oft selbstsüchtig, überschätzt sich gern und tappt bisweilen von einem Fettnäpfchen ins nächste. Trotzdem ist er nicht unsympathisch, und seine kindlich-unschuldige Reaktion auf so manche Fehler, die er macht, ist einfach herrlich.
Ich musste bei dem Roman fast durchgehend schmunzeln oder kichern und fühlte mich so einige Male auch an meinen ältesten Neffen (der in Gregs Alter ist) erinnert.
Ein kurzweiliges und amüsantes Kinderbuch, das ich auch Erwachsenen sehr ans Herz legen kann! Gibt von mir 4 von 5 Sternchen

Beate Teresa Hanika - Rotkäppchen muss weinen
Wow. Was für ein Buch! In der Ich-Perspektive und einer wunderschönen Sprache erzählt die Autorin die Geschichte eines dreizehnjährigen Mädchens, das von seinem Großvater sexuell missbraucht wird. Und es ist wirklich beeindruckend, mit wieviel Fingerspitzengefühl sie sich diesem sensiblen Thema nähert. Mir war selbst beim Lesen oft ganz beklommen und unbehaglich zumute, wenn Malvina in ihrer Familie kein Gehör findet und sich alleingelassen fühlt.
Dennoch ist das Buch keineswegs trostlos, und auch Malvina stellt fest, dass sie letztendlich nicht alleine ist. Die Erinnerungen an die Abenteuer mit ihrer besten Freundin sind wunderschön erzählt, die Gespräche mit "Klatsche" machen nicht nur Malvina Mut, sondern transportieren auch zu den Lesern ein Gefühl der Hoffnung, und die warmherzige, aufmerksame Nachbarin möchte man am liebsten umarmen.
Man könnte bekritteln, dass die wenigsten Mädchen in so einer Situation letztendlich soviel Mut zeigen wie Malvina und der Roman vielleicht da doch nicht ganz realistisch ist, aber andererseits kann es ja nicht das Ziel eines derartigen Buches sein, Aussichtslosigkeit zu zeigen. Insofern passt auch das Ende perfekt und man klappt das Buch doch mit einem positiven Gefühl zu.
5 von 5 Sternchen und eine uneingeschränkte Leseempfehlung für diesen Roman!

Lauren Oliver - Wenn du stirbst, zieht das ganze Leben an dir vorbei, sagen sie (Hörbuch)
Was für ein Monstertitel wurde denn da in der deutschen Übersetzung aus dem knappen englischen "Before I Fall"? Aber gut, das tut ja für den Inhalt nichts zur Sache.
Auch hier gibt es wieder eine Ich-Erzählerin - die beliebte und recht oberflächliche Samantha Kingston. Nach einem Autounfall ist sie in einer Art Zeitschleife gefangen und erlebt ihren letzten Tag insgesamt sieben Mal. Wieder und wieder erhält sie also die Chance, etwas zu verändern und damit vielleicht sich zu retten - oder geht es um etwas ganz anderes?
Sam macht es einem als Perspektiventrägerin nicht unbedingt leicht. Sie ist eine typische "Tussi", für die Mode, "Coolsein", Parties und das erste Mal mit dem perfekten Freund die wichtigsten Dinge im Leben sind. Oder anders gesagt: Sam ist genauso wie die Mädels, die mich in meiner Klasse früher am meisten genervt haben. ;-)
Im Laufe des Romans macht Sam einige Veränderungen durch und entwickelt sich weiter, aber wirklich sympathisch wurde sie mir bis zum Ende nicht. Außerdem hatte der Roman für mich einige deutliche Längen und ich habe mich dabei ertappt, wie meine Gedanken beim Zuhören teilweise sehr weit abgeschweift sind. Es gab durchaus fesselnde Passagen und auch den einen oder anderen interessanten Gedanken darin, aber zum weiteren Nachdenken hat mich der Roman nicht unbedingt angeregt. Das war eher ein Fall von "beendet und vergessen". Sonst sind die Kritiken hier sehr begeistert, aber ich kann mich denen nicht unbedingt anschließen.
3 von 5 Sternchen

Donnerstag, 7. Juli 2011

Sony PRS-350 - ein erster Erfahrungsbericht

Da ich meinen Reader nun seit etwa einem Monat habe, wird es mal Zeit für einen ersten Erfahrungsbericht. Im Folgenden habe ich ein paar Bilder verkleinert verlinkt - klickt sie einfach an, falls ihr sie etwas größer sehen wollt.

Lesen
Ich bin bis jetzt sehr zufrieden mit meinem Reader und finde, dass das Lesegefühl ein sehr gutes ist. Ich habe ihn eigentlich von Anfang an sehr angenehm zum Lesen gefunden. Der Kontrast ist gut, die Schärfe auch und man wirklich mehr das Gefühl, als würde man auf ein Blatt Papier schauen anstatt auf einen Bildschirm. Für die Augen ist das Lesen darauf auf alle Fälle sehr angenehm und nicht mit einem LCD-Bildschirm vergleichbar.
Der Nachteil ist natürlich, dass man gute Lichtverhältnisse braucht (so, wie wenn man eben in einem normalen Buch liest), da der Reader ja keine eigene Beleuchtung hat. Mich stört das nicht besonders, aber Lesen im Bett nur mit dem Reader geht natürlich nicht.
Dafür kann man auch im prallen Sonnenlicht lesen ohne auch nur die geringsten Spiegelungen zu sehen. Das einzige Problem ist, dass der silberne Rahmen ein bisschen reflektiert. Links seht ihr den Reader bei Sonneneinstrahlung, wobei er auf dem Foto ein bisschen dunkler und kontrastärmer aussieht als in Wirklichkeit.

Die Handhabung finde ich recht einfach, wenn man sich mal ein wenig eingewöhnt hat. Man kann entweder mit den Tasten unten oder mit einem leichten Wisch über die Seiten umblättern und auch schnell durchblättern. Das Blättern geht sehr flott und ist für mein Empfinden nicht störend (um eine echte Buchseite umzublättern, brauch ich länger).
Man kann den Reader auch ganz gut nur mit einer Hand halten (er ist ja sehr leicht) und dabei einfach mit dem Daumen weiterblättern.

Formate
Der Sony PRS-350 kommt natürlich am besten mit dem epub-Format klar. Mithilfe von Calibre kann man auch etwa mobi und pdf zu epub konvertieren - natürlich immer vorausgesetzt, dass die Bücher nicht DRM-geschützt sind.
Mit pdf kommt der Reader auch sehr gut klar - er ist meines Wissens der bisher einzige mit einer Reflow-Funktion, wodurch man auch in pdf-Formaten einfach die Schriftgröße ändern kann (während etwa der Kindle in dem Fall nur in die Seite reinzoomen kann). Der Sony hat auch sonst noch ein paar Tricks auf Lager, damit man mehrspaltige und auch bilderlastige pdfs gut angezeigt bekommt, allerdings kann ich dazu nichts sagen. Bisher hab ich darauf nur normale Bücher gelesen, keine Tageszeitungen.
Weiters zeigt der Reader auch doc/rtf/text-Dateien an, was ich sehr praktisch finde, da ich ihn auch schon zum Betalesen und Korrekturlesen eigener Romane verwendet habe.
Alle diese Formate kann man sich in sechs verschiedenen Schriftgrößen anzeigen lassen - auf den beiden Bildern unten seht ihr mal die zwei gängigsten Schriftgrößen nebeneinander im Vergleich.

Zusatzfunktionen: Notizen und Wörterbuch
Stichwort: Korrekturlesen. Man kann auf dem Reader Notizen machen, und zwar sowohl direkt mit dem Stylus, der rechts im Rahmen des Readers versteckt ist oder auch über eine virtuelle Tastatur (die dann sowohl mit dem Stylus als auch einfach mit den Fingern verwendet werden kann). Man kann also sowohl Anmerkungen machen, als auch Worte markieren, unterstreichen, umkringeln, durchstreichen, ...
Die Notizfunktion hat einen großen Vorteil und einen großen Nachteil: Der Vorteil ist, dass man sie überall anwenden kann, auch auf pdfs, da sie quasi wie eine Schicht darübergelegt werden. Der Nachteil ist, dass man sie nicht wirklich gut auf den Computer importieren kann.

Uneingeschränkt toll ist hingegen das Wörterbuch. Ich habe es bei mir standardmäßig auf Englisch-Deutsch eingestellt, da ich außer englischen Büchern eigentlich eh keine fremdsprachigen lese. Wenn man ein Wort doppelt antippt, bekommt man unten einen Kurzeintrag, der normalerweise schon ausreicht. Wenn man es genauer wissen will, kann man sich auch die ganze Wörterbuchseite anzeigen lassen bzw. einfach selbst Vokabeln eintippen.

Zubehör, Akku und Ähnliches
Ich habe meinen Reader ja gebraucht gekauft und ihn gleich zusammen mit der zugehörigen Tasche bekommen (die man sonst recht teuer dazukaufen muss). Diese wird per klick oben und unten am Reader befestigt und hält mithilfe von Magneten, wenn man sie zuklappt. Der Reader ist damit also gut für den Transport geschützt, ich hab sie aber auch sonst immer fix drauf, da sie mich beim Lesen nicht stört und man auch eher das "typische" Buchgefühl hat. Auf den Fotos seht ihr einmal den Reader auf der Vorderseite mit der geschlossenen Klappe und dann nochmal mit der geöffneten:

Der Akku kann entweder über den Computer geladen werden oder aber über die Steckdose. Beim Kauf mit dabei ist allerdings nur ein usb-Kabel, man muss sich also einen Netzstecker extra kaufen. Das Originalteil von Sony ist recht teuer und das Laden funktioniert leider nicht mit jedem anderen Stecker, der sich an den Sony anschließen lässt. Ich selbst habe mir ein ganz günstiges kleines Netzteil gekauft (das HTC TC E250) gekauft, bei dem ich einfach das usb-Kabel anschließen kann, und glücklicherweise funktioniert das Laden damit problemlos.
Mit der Akkulaufzeit bin ich allerdings nicht gänzlich zufrieden. Bisher habe ich den Eindruck, dass er doch nur etwa eine gute Woche hält bei mäßigem Gebrauch. Allerdings habe ich oft auch Notizen gemacht oder in Büchern herumgeblättert, was natürlich alles mehr Akku verbraucht als wenn man wirklich nur liest.
Genaueres kann ich hierzu wohl erst in einigen Wochen sagen.

eBooks auf den Reader laden
Der Sony hat keine Verbindung zum Internet, man muss also die Bücher über den Computer kaufen und von dort auf den Reader laden. Mich selbst stört das nicht, da ich die eBooks sowieso lieber auf dem Computer verwalte und nur eine Handvoll jeweils auf dem Reader drauf habe.
Bisher habe ich mir noch keine eBooks tatsächlich gekauft. Alle, die bisher auf meinem Reader sind, sind etweder gemeinfreie vom Gutenberg-Projekt, ausgeliehene von der Onleihe oder solche, die von Verlagen gratis zur Verfügung gestellt werden (ja, das kommt auch vor).
Außer bei der Wiener Bücherei, wo ich ja sowieso eine Jahreskarte habe, habe ich mich nun auch bei der Library of Singapore fernangemeldet (das kostet nichts), da es dort sehr viele englische eBooks gibt. Bisher hat die Onleihe problemlos funktioniert. Das Problem ist nur, dass man die Bücher wirklich gleich lesen muss, wenn sie verfügbar sind, da man sie nur für 2 Wochen ausleihen kann (danach hat man keinen Zugriff mehr darauf, DRM-Schutz macht das möglich ...). Aber gut, zwei Wochen sind in Ordnung, und meistens könnte man die Bücher dann auch gleich nochmal bestellen und auf diese Weise "verlängern".

Alles in allem bin ich bisher wirklich sehr zufrieden mit meinem Kauf. Ich betrachte den Reader als eine Ergänzung, habe also nicht vor, fortan auf "normale" Bücher zu verzichten. Aber für unterwegs ist er sehr praktisch, da er so klein und leicht ist (so habe ich nun zuhause das schwere Buddenbrooks-Exemplar meiner Mutter und nehme es unterwegs einfach als eBook mit ;-)), und gerade für englische Bücher finde ich ihn super - nicht nur wegen der Wörterbuchfunktion, sondern auch, weil so manche englische Taschenbücher von sehr schlechter Qualität sind und das Lesevergnügen darunter sehr leidet. So gewisse amerikanische Taschenbuchverlage sind also von jetzt an für mich ein klarer Fall für eBooks.
Ob sich der Kauf des Readers dank gemeinfreier Literatur und Onleihe auch finanziell rentiert, werde ich wohl erst in ein paar Monaten sagen können.

Montag, 4. Juli 2011

Oliver Plaschka - Die Magier von Montparnasse



Genre: Phantastik
Seiten: 427
Verlag: Klett-Cotta
ISBN: 9783608938746
Meine Bewertung: 3 von 5 Sternchen




Im Jahr 1926 in Paris ist der Bühnenzauberer Ravi nach einem Zwischenfall bei einer Vorführung gezwungen, vor aller Augen echte Magie einzusetzen. Damit setzen er und seine Assistentin Blanche mehrere Ereignisse in Gang, die sie zu Gefangene in einer Zeitschleife machen. Immer wieder wiederholt sich fortan in Paris derselbe Tag, doch niemand vermag zunächst zu durchschauen, was genau dahintersteckt.
Sieben Mal wiederholt sich nun dieser eine Tag in Paris, den man nun von mehreren Ich-Erzählern geschildert bekommt: der Magier Ravi, die Kellnerin Justine, der Schriftsteller Gaspard, der Magier Barneby, der Wirt Alphonse und seine Ehefrau Esmeé

Ich hatte diesen Roman schon sehr lange auf meiner Wunschliste, daher war ich sehr erfreut, als ich ihn in der Bücherei als eBook entdeckte.
Oliver Plaschka kannte ich bereits von "Fairwater oder Die Spiegel des Bartholomew", seinen sehr skurrilen und eigenwilligen Erstling, der mich mit vielen Fragezeichen zurückließ. Dennoch fand ich den Roman sehr faszinierend und war daher auf sein neues Werk "Die Magier von Montparnasse" gespannt. Vom Anfang war ich auch tatsächlich so begeistert, wie ich es erhofft hatte, aber dann verschwand meine Faszination für diesen Roman mehr und mehr.
Oliver Plaschka hat einen sehr schönen, aber leider auch recht eintönigen Schreibstil. Jede der Figuren hat dieselbe Erzählstimme, keine von ihnen klingt einzigartig. Aber es ist eher unwahrscheinlich, dass ein grummeliger Wirt, ein geheimnisvoller Zauberer und ein junge Kellnerin alle gleich klingten. Noch dazu hat das manchmal sogar dazugeführt, dass ich nochmal rasch zum Kapitelanfang zurückblättern musste, weil ich mir plötzlich nicht mehr sicher war, in welchem Kopf ich gerade drinnensteckte.
Das Problem ist, dass für mich auf diese Weise auch die Figuren eher blass und unbestimmt blieben. Keine einzige kam mir wirklich greifbar und lebendig vor, auch wenn sie durchaus interessant waren. Da bei mir Romane meistens mit den Figuren stehen und fallen, war das natürlich beim Lesen ein großes Problem.
Dazu kam noch, dass ich oft ihre Motivationen und Handlungsweisen nicht nachvollziehen konnte und sie in ihren Beziehungen zueinander sehr eigenartig fand. Die meiste Zeit tut ein Teil der Figuren äußerst seltsame Dinge oder schwingt rätselhafte Reden und der andere Teil der Figuren nimmt es hin, lässt sich instrumentalisieren oder wundert sich höchstens leise vor sich hin.

Das alle führte dazu, dass ich den Roman am liebsten etwa bei der Hälfte abgebrochen hätte, aber der Inhalt ließ mich doch weiterlesen: Es werden so viele Rätsel aufgeworfen und ineinander verstrickt, dass ich unbedingt wissen wollte, was es mit all den Geschehnissen überhaupt auf sich hat. Das wiederum hat mich dann beim Lesen einigermaßen genervt: Wäre er wenigstens gänzlich schlecht und uninteressant gewesen, hätte ich ohne mit der Wimper zu zucken abgebrochen. So aber wollte ich einfach nur mit dem Roman fertig werden, um endlich zur "Auflösung" zu kommen.
Erstaunlicherweise hat dann das Ende bzw. die letzten 100 Seiten nochmal viel herausgerissen. Ich finde die Auflösung wirklich stimmig, überraschend und faszinierend. Es kommt sonst häufig vor, dass Romane nach einer spannenden Handlung ein eher schwaches Ende bieten zu haben. Hier war es nun umgekehrt, und so gibt es von mir alleine dafür ein Sternchen.

Ich habe mich nicht direkt durch den Roman gequält, aber das Lesevergnügen war nicht besonders hoch. Positiv finde ich den Schreibstil im Allgemeinen (auch wenn ich mit eine differenziertere Sprache gewünscht hätte), die Idee an sich und sowohl den Anfang als auch das Ende.
Leider vermochte mich aber der Mittelteil nicht zu überzeugen, was vor allem an den Figuren lag. Es ist wirklich schade, wenn man bei 7 Ich-Erzählern keinen einzigen findet, den man wirklich interessant und lebendig findet. Bei den meisten habe ich auch das Gefühl, dass ihr Potenzial nicht ganz ausgeschöpft wird.

Die Meinungen gehen bei diesem Roman sehr stark auseinander und tendieren großteils entweder zu ganz großer Begeisterung oder aber totaler Ablehnung.
Ich selbst stehe irgendwo dazwischen und vergebe recht großzügige 3 von 5 Sternchen.

Samstag, 2. Juli 2011

George R. R. Martin - A Song of Ice and Fire

Ich weiß nicht, ob man es hier auf dem Blog schon mitbekommen hat, aber ich bin ein riesiger Fan von George R. R. Martins "A Song of Ice and Fire". Für alle, denen es nichts sagt: Dabei handelt es sich um eine wirklich epische Fantasygeschichte in einer Welt, die der unseren recht ähnlich ist. Magie und typische Fantasyelemente spielen darin kaum eine Rolle (man findet auch keine Elfen, Zwerge, Trolle oder ähnliches; Drachen sind die einzigen üblichen Fantasywesen darin); der Hauptaugenmerk liegt auf Politik, Intrigen und den Wirren eines Bürgerkrieges. Es handelt sich um sehr erwachsene Fantasy - es gibt Gewalt und Sex in rauen Mengen und die Figuren werden nicht im Geringsten geschont (da passiert es auch schon mal, dass wichtige Figuren mittendrin sterben).
Die Figuren sind übrigens das wunderbarste an dieser Serie. Martin schreibt immer kapitelweise aus der Sicht verschiedener Figuren, und er schafft es, wirklich jeder einzelnen Leben und Charakter einzuhauchen. Manche sind interessanter und vielschichtiger als andere und natürlich sind manche liebenswerter als andere, auch wenn sich im Laufe der Handlung die Sicht auf eine Figur massiv ändern kann. Da fängt man plötzlich an, frühere Widerlinge zu mögen. ;-)
Einziger Kritikpunkt von meine Seite ist, dass es im 4. Band allmählich doch zu viele Figuren werden und ich mich frage, wie Martin jemals wieder alle Handlungsstränge zusammenführen und zu einem Ende bringen will.


Bisher gab es 4 englische Bände, die im Deutschen geteilt wurden - also 8 deutsche Bände. Im Original hat jeder Band um die 1000 Seiten; man hat es hier also wirklich mit einer langen Serie zu tun. Dabei ziehen sich die Handlungsstränge über mehrere Bände, man hat also nicht in sich abgeschlossene Bücher wie bei Harry Potter, sondern wirklich einen durchgehenden Plot.
Am 12. Juli wird nun der 5. Band "A Dance with Dragons" erscheinen - endlich, nachdem wir Fans jahrelang darauf warten mussten.

Da ich die vorigen Bände vor etwa vier Jahren gelesen habe und man wirklich von einer Fülle an Figuren und Handlungsorten erschlagen wird, kann ich mich an viele Details nicht mehr erinnern. Mein Plan war, die Serie dann, wenn sie komplett abgeschlossen ist (7 Bände sollen es insgesamt werden) nochmal als ganzes zu lesen.
Aber naja, ihr kennt ja solche Pläne.
In diesem Jahr begann die Fernsehserie von HBO, wobei jeweils ein Band als eine Staffel verfilmt wird. Und natürlich hat mich die Serie jetzt wieder in das totale Ice-and-Fire-Fieber versetzt. Daran, auf das Erscheinen des letzten Bandes zu warten, ehe ich überhaupt weiterlese, ist nicht mehr zu denken. ;-)
Ich schätze also, dass ich demnächst mit einem Re-Read aller bisherigen Bände beginnen werde, um dann in absehbarer Zeit auch den 5. Band lesen zu können.

Hier am Rande noch ein paar Worte zu dem Aufruhr, der seit ein paar Tagen im Internet tobt: Verbindlicher Ersterscheinungstermin ist, wie schon geschrieben, der 12. Juli 2011. Nun gingen aber vom deutschen Amazonshop bereits in den letzten Tagen an die 200 Exemplare raus. Wie das passieren konnte - keine Ahnung. Aber bei einer Serie, die zumindest im amerikanischen Raum eine wohl annähernd so große Fangemeinde hat wie Harry Potter - und dementsprechend viele Leser, die seit Jahren sehnsüchtig auf den neuen Band warten - kann man sich vorstellen, was dadurch ausgelöst wurde. Die Angst vor vorzeitigen Spoilern ist groß (und insofern berechtigt, da Martin in der Regel nicht mit unvorhergesehenen Wendungen geizt), der Ärger über Amazon ebenfalls und der Neid auf jene, die das Buch bereits in Händen halten dürfen, wohl auch.
Ich kann gut verstehen, dass die Verleger und auch George R. R. Martin ziemlich aufgebracht sind, aber nichtsdestotrotz wünsche ich allen, die das Buch bereits in Händen halten ein ganz tolles Lesewochenende! Genießt das Lesen und verkneift euch Spoiler! ;-)