Dienstag, 30. August 2011

Challenge-Überlegungen

Ich spiele ja mit dem Gedanken, in nächster Zeit auch einmal eine Challenge ins Leben zu rufen und habe nach meinem Beitrag einige sehr interessante Anregungen in den Kommentaren bekommen. So wirklich weiß ich aber noch nicht, was nun wirklich eine geeignete Challenge wäre. Bisher habe ich eine paar Ideen, die alle ganz genre-unabhängig wären:

Frenzels Motive der Weltliteratur
Christine hat die Idee in den Raum gestellt, typische Themen der Weltliteratur zu nehmen. Nun gibt es ja von Elisabeth Frenzel ein Buch mit dem Titel "Motive der Weltliteratur", in dem sie 58 solcher Motive ausführlich behandelt. Eine Überlegung wäre also, einige auszuwählen, von denen dann zumindest ein Teil abgedeckt werden müsste. Wie aber auswählen? Alle 58 Motive zu nehmen und davon vielleicht 10 für eine Challenge lesen zu müssen, gefällt mir nicht so recht. Also jene aussortieren, die ohnehin etwas dubios sind bzw. zu denen man nur wenig findet? Irgendwie schwierig ...

Tarotkarten
Durch die Sache mit den Motiven fielen mir plötzlich Tarotkarten ein. Wäre es also vielleicht eine Idee, Bücher zu suchen, die zu den großen Arkana passen? Das sind 22 Stück, und wenn davon 10 verpflichtend wären, wäre das ja eine durchaus gute Anzahl (und die Möglichkeit zur Auswahl).
Allerdings ist die Frage, wie das zu realisieren wäre. Wenn man mal nur die Bezeichnungen der Karten heranzieht, kommt man bei einigen vielleicht auf einen grünen Zweig (etwa Der Narr und Der Magier), während es bei anderen recht schwierig ist (Die Welt oder Mäßigkeit).
Davon abgesehen wäre es ja auch schade, wenn man die tiefergehende Bedeutung der Karten ganz außer Acht lässt. Wenn man diese allerdings miteinbezieht, wird das ganze wohl einfach zu schwierig. Die tiefere Bedeutungsebene eines Romans erkennt man ja oft erst, wenn man ihn schon gelesen hat - unter diesen Gesichtspunkten also im Vorfeld Bücher auszuwählen, wäre wirklich sehr schwierig.
Tja, ich mag zwar die Idee, aber sie kommt mir doch zu schwierig vor.

20 Masterplots
Schließlich fielen mir noch die 20 Masterplots von Ronald B. Tobias ein, die darauf beruhen, dass der Autor davon ausgeht, dass fast alle Romane sich in gewisse Grundstrukturen einteilen lassen. Beispiele wären etwa "Quest", "Verbotene Liebe", "Aufstieg und Abstieg".
Hier entsteht aber dasselbe Problem wie bei den Tarotkarten - zwar kann man wohl vorher schon ganz gut erkennen, welche Grundstruktur ein Roman haben wird, aber mit Sicherheit lässt er sich wohl erst einteilen, wenn man ihn schon gelesen hat. Dabei gefällt mir aber diese Idee von den drei vorgestellten fast am besten und ich werde wohl das Buch von Tobias nochmal genauer durchsehen, um herauszufinden, ob das nicht doch für eine Challenge geeignet wäre.

Reise um die Erde oder Auf den Spuren von Phileas Fogg
Schließlich hatte ich noch eine ganz andere und vermutlich deutlich simplere Idee, die mir dank Noras Vorschlag mit einem bestimmten Land kam: Wie wäre es, der Reise von Phileas Fogg zu folgen, indem aus jenen Ländern/Regionen, die er durchquert, jeweils ein Roman gelesen werden muss? Entscheidend wäre in diesem Fall der Handlungsort und nicht die Nationalität des Autors/der Autorin.
Momentan hätte ich hier 12 Stationen und habe mir überlegt, dass vielleicht mindestens 6-8 verpflichtend sein sollten (kommt auch auf den Zeitraum der Challenge darauf an).
Wie gesagt: Von den verschiedenen Ideen wäre diese hier natürlich die einfachste und auch eine, die keine ellenlangen Erklärungen im Vorfeld notwendig machen würde.

Tja, was meint ihr dazu?

Montag, 29. August 2011

Verlängerung der Klassiker-Challenge

Lena hat nun die Klassiker-Challenge bis zum 30.06.2012 verlängert, da die meisten mit den Bücher noch eher hinterherhinken. Allerdings müssen bis zum 31.12.2011 zumindest 4 Klassiker beendet werden.
Für mich selbst ändert das insofern nicht so viel, da ich die geforderte Mindestzahl von 10 Klassikern trotzdem bis Ende 2011 gelesen haben möchte. Eigentlich wollte ich dann im nächsten Jahr für mich persönlich wieder das Ziel setzen, 10 Klassiker zu lesen (egal aus welchem Land), aber in dem Fall versuche ich vielleicht stattdessen, dass ich bis Juni tatsächlich alle 16 Länder schaffe. Mal sehen.

Übrigens habe ich inzwischen ein paar Ideen für eine eigene Challenge, aber noch keine davon finde ich so wirklich überzeugend. Aber dazu vielleicht heute Abend noch mehr.

Samstag, 27. August 2011

Sascha Berst - Mord im Garten des Sokrates


Genre: Historischer Roman
Seiten: 368
Verlag: Knecht
ISBN: 978-3782009089
Meine Bewertung: 3 von 5 Sternchen

Historien-Challenge (Griechische Antike)



Als Periander, ein gefeierter Olympiasieger, ermordet aufgefunden wird, soll Nikomachos, der Hauptmann der Bogenschützen beauftragt den Mörder zu finden. Auf diese Weise gerät er nicht nur in die philosophischen Kreise rund um Sokrates, sondern findet sich auch in einem politischen Machtkampf zwischen Demokratie und Oligarchie wieder.

"Mord im Garten des Sokrates" ist in zwei Teile aufgeteilt, und diese zwei Teile lesen sich fast wie zwei verschiedene Bücher: Zeigt sich der erste Teil noch als beinahe klassischer Krimi mit falschen Fährten, beschäftigt sich der zweite Teil (der 4 Jahre später einsetzt) in erster Linie mit Politik und Kriegen.
Die Verbindung zwischen dem Mord und den politischen Wirren ist durchaus erkennbar und wird zum Ende hin nochmal klarer herausgearbeitet, aber trotzdem wirkt der Roman seltsam zerfasert. Es ist vor allem der 4-Jahres-Sprung, den ich nicht für allzu glücklich halte. Außerdem erscheinen manche Zusammenhänge eher etwas gezwungen, so als hätte der Autor einen Krimi begonnen, wäre auf etwas anderes umgeschwenkt und hätte nun irgendwie eine Verbindung herstellen müssen.
Versteht mich nicht falsch: Mich stört nicht der Genremix (für mich müssen auch Krimis nicht stur auf die Ermittlungen ausgerichtet sein), sondern die Tatsache, dass ich manchmal einen durchgängigen Plot bzw. Spannungsbogen vermisst habe. Mit dem Ende des ersten Teils bricht die Handlung erst einmal ganz in sich zusammen, um dann allmählich wieder neu aufgebaut zu werden. Das nimmt dem Roman ausgerechnet in der Mitte völlig den Wind aus den Segeln und somit auch die Spannung. Mir war dann auch die Aufklärung des Mordes relativ egal - und als dann ganz zum Ende hin endlich der Mörder präsentiert wird (was recht schnell und schließlich ohne weitere Eigenleistung von Nikomachos geschieht), hat mir das nicht mehr als ein müdes Achselzucken entlockt.
Interessanter sind da tatsächlich die politischen Wirren, die aber anfangs trotz einiger Andeutungen zu wenig aufgebaut werden.

Die Figuren waren ein weiteres Problem: Nikomachos blieb mir - obwohl ein Ich-Erzähler - völlig fern und war mir eher gleichgültig. Für mich blieb er recht farblos, wobei ich nicht einmal genau benennen kann, weshalb das so war. Wenn ich da mal an einen Decius aus den SPQR-Krimis denke: Was für ein herrlicher Ich-Erzähler, dessen Persönlichkeit, Gefühle und Ansichten aus jeder Zeile hervorschimmern!
Nikomachos hingegen hat keine klaren Konturen. Er ist die meiste Zeit recht modern und "gut" in seinen Ansichten, was ihn aber dennoch nicht sehr sympathisch macht. Die Fehler, die er vor allem später im Roman zeigt, kamen mir eher alibihaft untergebracht vor. 
Die Nebenfiguren sind da teilweise interessanter, wobei mir einige doch sehr eindimensional vorkommen. Sascha Berst erwähnt einige Charakterzüge dermaßen penetrat, dass ich einige Male genervt die Augen verdreht habe - wenn etwa jenseits der 300 Seiten zum wiederholten Mal darauf hingewiesen wird, dass Nikomachos' Ehefrau Aspasia sehr eifersüchtig ist und den (ehemaligen) Geliebten ihres Mannes nur ungern in ihrem Haus sieht.
Dafür ist aber Sokrates sehr schön beschrieben, wobei ich aber gern noch viel mehr von Platon gelesen hätte, der nun wirklich interessant eingeführt wird, später aber nicht mehr vorkommt.

Unterm Strich ergibt das einen Roman, der nicht unbedingt durch faszinierende Figuren überzeugt und in der Handlung oftmals zerfasert, dafür aber die politischen Gegebenheiten und philosophischen Ansichten jener Zeit in Athen sehr anschaulich darstellt. Er liest sich auch locker und flüssig, und die ausführlichen Anhänge (Informationen zu den historischen Personen sowie eine Auflistung jener Gegebenheiten, die für den Roman geändert wurden) runden das ganze nochmal ab.
Ich kann den Roman nicht uneingeschränkt weiterempfehlen, aber historisch interessierte Leser werden wohl ihren Gefallen daran finden.
Der Titel ist mir übrigens mal wieder ein Rätsel: Ja, es gibt einen Mord und ja, es kommt Sokrates vor, aber der Mord findet keineswegs in seinem Garten statt. ;-)

Da ich mich trotz aller Kritikpunkte nicht mit dem Roman quälen musste, gibt das von mir doch noch 3 Sternchen.

Da man sich den Roman auf der Webseite des Verlags gratis als pdf-Dokument runterladen kann (wie auch einige andere Romane dort), ist es übrigens kein Problem, einfach mal reinzuschnuppern (falls man keinen Reader besitzt und nicht am Bildschirm lesen möchte) oder ihn eben gänzlich auf einem eBook-Reader zu lesen. Dafür ein großes Dankeschön an den Verlag - das ist mal wirklich ein leserfreundliches Angebot! 

Donnerstag, 25. August 2011

Eine eigene Challenge?

Ich mach mal ein wenig die blogfreie Zeit hier wieder gut. ;-)

Schon länger spiele ich mit dem Gedanken, im kommenden Jahr (bzw. halt in absehbarer Zeit) auch mal eine Challenge zu starten. Nur was für eine? Und wie das ganze aufziehen? Umso mehr ich darüber nachdenke, umso weniger fällt mir ein.

Dabei habe ich eigentlich schon einige recht klare Vorstellungen:
- Die Challenge sollte in der Buchwahl nicht zu sehr einschränken. Ich möchte selbst die Möglichkeit haben, damit meinem SuB ein wenig zu Leibe zu rücken und hätte gern eine annähernd freie Wahl und das soll natürlich auch für die Teilnehmer so sein.
- Andererseits soll die Challenge aber durchaus Grenzen stecken, die über eine reine Anzahl von Büchern hinausgeht (es soll also nicht so etwas wie die Seitenzähl- oder SuB-Abbau-Challenge sein). Dafür bin ich ja auch selbst zu sehr ein Listenfan.
- Ich fände es schön, eine übersichtliche Anzahl an Teilnehmern zu haben, die ich einigermaßen im Blick behalten kann.
- Umgekehrt bringt es aber auch nichts, eine Challenge ins Leben zu rufen, die außer mir selbst niemanden interessiert.

Tja, aber was zum Kuckuck soll denn nun das Thema der Challenge sein? Ich möchte sie auf kein bestimmtes Genre festlegen, aber Thema ... das wäre so ein Stichwort. Ein bisschen spiele ich mit dem Gedanken, ein Thema auszuwählen, das in den Büchern irgendwie behandelt wird. Aber was für ein Thema sollte das sein? Besteht da nicht doch die Gefahr, dass das ganze zu eintönig wird? Wird die Suche nach geeigneten Büchern dann vielleicht zu schwierig?
Oder vielleicht ein Themenkreis. Nur welcher? Bestimmt gibt es da zig Möglichkeiten, aber mir fällt da spontan nichts ein. Es soll ja auch ein reizvolles Thema sein und nichts, das gänzlich abstrus ist und nur zwei Leute überhaupt interessiert.

Ach ja, gar nicht so einfach. Ich werde also noch weiter darüber nachdenken. Aber falls jemand Anregungen und Ideen hat, dann nur her damit!

Ein Roman wie ...

Es gibt Momente, da schau ich mir meine Romane an und denke darüber nach, ob ich nicht doch mal die Bewerbung bei Agenturen ins Auge fassen sollte. Neben Anfällen hochgradiger Unsicherheit und Selbstzweifel passiert es mir nämlich durchaus, dass ich mein Geschreibsel nicht ganz so schlecht finde. Vor allem, wenn ich nette Rückmeldungen bekomme wie etwa voriges Wochenende bei einer kleinen Vorleserunde.

Nun sollte man sich aber wohl für eine Bewerbung bewusst machen, was eigentlich die Zielgruppe ist (okay, theoretisch wäre es natürlich noch günstiger, das beim Schreiben schon zu wissen) und Vergleiche ala "für Leser von blablablubb" sind angeblich durchaus gern gesehen. Hmmmm ... Nur womit zum Geier ließen sich meine Romane vergleichen? Ich geh sie also mal der Reihe nach durch und überlege mir ein paar größenwahnsinnige, gänzlich unbescheidene Vergleiche.
(Achtung, das ist nicht wirklich ernstzunehmen ;-))

Die Göttersteine
Jahaha, da fängt es schon mal an. "Epische High-Fantasy" ist mein erster Gedanke dazu. Aber irgendwie gibt es vergleichsweise wenig Action und Gekämpfe, dafür sehr viele zwischenmenschliche Beziehungen. Andererseits aber geht es doch um magische Artefakte und weltbewegende Dinge, und man sollte sich nicht wirklich darauf verlassen, dass wichtige Figuren und Perspektiventräger bei mir zwangsläufig alle überleben. 
Also ... Für Leser von George R. R. Martin, die statt Kriegen, Politik und viel nackter Haut gern ein bisschen Romantik und mehr Magie haben. *g*

Bühnenzauber
Ui. Ein schwerer Brocken. Es gibt Magie, aber keine epischen Dinge. Wir sind zwar in einer Fantasywelt, aber der Handlungsspielraum ist fast gänzlich auf eine Stadt und dort in erster Linie auf ein Theater konzentriert. Es gibt seltsame Ereignisse, eine verzweifelte Liebe, eine gefeierte Schauspielerin und eine nicht mehr so ganz jugendliche, eigensinnige Heldin.
Phantom der Oper meets Die Maske des Apoll und Rosamunde Pilcher mit tragischer Liebesgeschichte in einem High-Fantasy-Umfeld. Na, wenn darauf nicht die Welt gewartet hat! ;-)

Die geraubte Seele
Ha, das ist leicht! Das ist Romantasy, nur dass meine Hauptfigur sich nicht in den dunklen Fremden verliebt (sondern ihn bekämpt). Und es gibt keine Vampire und keine anderen sexy Wesen, dafür aber ein stinkendes, durchgeknalltes Wassermännlein. Ach ja, und meine weibliche Heldin rettet den Love Interest (mehrfach) anstatt sich als anständiges schwaches Hascherl retten zu lassen.
Ähhhh ... doch nicht so leicht?

Frostpfade
Zumindest das müsste aber doch simpel sein. Es gibt eine Abenteuergeschichte sowie eine jugendliche Heldin, die sich im Laufe der Handlung weiterentwickelt. Es findet eine Reise durch unbekannte Lande statt, wo meine kleine Linn allerlei interessante Wesen und Leute kennenlernt.
Also irgendwie für Leser der "Reise auf der Morgenröte" sowie Jules Vernes "Die Kinder des Kapitän Grant". Aber irgendwie hinken da die Vergleiche, und so brandaktuell sind diese Werke jetzt auch nicht mehr. Trallala.

Der Nachtjäger
Das schwierigste hab ich mir bis zum Schluss aufgehoben. Mein Nachtjäger, ja.
Eigentlich reiht der sich ja in die momentan so beliebten Dystopien ein. Aber so wirklich ist das dann doch nicht das Hauptthema, und anstatt in einer düsteren Metropole sind wir hier in der tiefsten oberösterreichischen Provinz unterwegs. Hm, sehr glamourös. *gg*
Vielleicht ist es dann doch eher eine Fantasygeschichte mit Weltenwechslerei. Nur so ganz trifft es das auch nicht - und die Parallelwelt ist ziemlich sperrig und seltsam.
Okay, also ein phantastisches Jugendbuch mit Liebesgeschichte? Jein. Meine Heldin ist zwar im richtigen Alter und eine Liebesgeschichte ist durchaus geplant, aber so richtig scheint sie nicht zu funktionieren. Es sieht sogar fast so aus, als könnte diese eher zwischen dem potentiellen Love Interest und der besten Freundin meiner Ich-Erzählerin stattfinden. Ups.
Davon abgesehen ist das ganze ja auch noch ein bisschen etwas wie ein Märchen bzw. eine Neubearbeitung von mitteleuropäischen Sagen.
Also, ich fasse es zusammen: Dystopische Endzeitstimmung trifft in der Provinz auf eine Parallelwelt mit grausamen Sagengestalten im Mantel einer Liebesgeschichte, die offensichtlich doch keine ist. Alle Klarheiten beseitigt? ;-)

Mein Fazit also: Näää, das funktioniert nicht. Meine Romane sind einfach seltsame Mischungen, die sich einer klaren Einordnung ziemlich widersetzen. Und die Zielgruppe - nun, das sind einfach Leser, denen das gefällt. Basta.

(Oh, ich kann übrigens doch etwas klar einordnen: Meine Pferdegeschichten sind einfach Pferdegeschichten für reitbegeisterte Mädels. HA!)

Mittwoch, 24. August 2011

Alan Bennett - The Uncommon Reader


Genre: Novelle/Kurzroman
Seiten: 128
Verlag: Faber and Faber
ISBN: 9780374280963
Meine Bewertung: 5 von 5 Sternchen

English-Challenge  (August)



It was the dog's fault.
Ja, nur den königlichen Welsh Corgies ist es zu verdanken, dass die Queen neuerdings nur noch mit einem Buch in der Hand anzutreffen ist und die Abläufe im Palast ordentlich durcheinanderwirbelt. Als die lieben Tierchen beim Gassigehen ausbüchsen, führen sie nämlich die Queen geradewegs in die "travelling library" von Westminster, und aus reiner Höflichkeit leiht Her Majesty sich ein Buch aus. Doch das will natürlich zurückgebracht werden, und wenn sie schon mal da ist, kann sie doch gleich ein neues ...
So nimmt die Sache ihren Lauf und die Queen gesellt sich spät, aber doch zu den Leseratten. Sie organisiert sich zu diesem Zweck sogar einen persönlichen Assistenten, der dem Privatsekretär schnell ein Dorn im Auge ist. Überhaupt: Ein Staatsoberhaupt, das es sich plötzlich erlaubt, ein Hobby zu pflegen - kann das denn gutgehen?

Alan Bennetts Novelle ist eine wunderschöne kleine Liebeserklärung an das Lesen. Mitzuverfolgen, wie die Queen die Welt der Bücher für sich entdeckt und immer tiefer darin eintaucht, ist nicht nur höchst amüsant, sondern auch berührend. Eine "was wäre wenn"-Geschichte, die wohl alle begeisterten Leser anspricht.
Dabei hat man trotz aller Fiktionalität das Gefühl, dass das ganze tatsächlich so oder ähnlich ablaufen könnte. Bennett schreibt augenzwinkernd, aber doch einfühlsam über den Alltag und die Pflichten der Queen, über ihre stille Höflichkeit und ihre Sonderstellung, die sie einsam und auch sehr unnahbar macht. Natürlich erhebt diese Novelle keinen Anspruch auf "Wahrheit", aber er liest sich dennoch glaubwürdig und ist mit dieser Protagonistin einfach ungleich reizvoller als mit einer fiktiven Figur.

Mitzuverfolgen, wie das strenge Leben der Queen durcheinandergewirbelt wird, wie ihre Umgebung ratlos und höchst alarmiert auf ihre neue Vorliebe reagiert und wie sie den Premierminister in Verlegenheit bringt, indem sie ihm Fragen über Literatur stellt, ist wirklich höchst unterhaltsam. Das Ende schließlich ist einfach nur köstlich und überraschend, aber mehr verrate ich natürlich hier nicht darüber.
Kenntnisse der englischen Literatur sind zwar nicht notwendig, erhöhen aber das Lesevergnügen, wenn die Queen kritisch über die Bücher nachdenkt und über manchen Autoren schier verzweifelt:

She was not a gentle reader and often wished authors were around so that she could take them to task.
"Am I alone", she wrote, "in wanting to give Henry James a good talking-to?"
"I can see why Dr Johnson is well thought of, but surely, much of it is opinionated rubbish?"
It was Henry James she was reading one teatime when she said out lod, "Oh, do get on."
The maid, who was just taking away the tea trolley, said, "Sorry, ma'am", and shot out of the room in two seconds flat.

Sprachlich fand ich die Novelle manchmal nicht ganz einfach. Mein Englisch ist nicht das allerbeste, und während ich mit den meisten Jugendbüchern und etwa auch Martins "A Song of Ice and Fire" recht problemlos klarkomme, tat ich mir hier deutlich schwerer und musste auch einige Male Vokabeln nachschlagen (ein Hoch auf die Wörterbuchfunktion meines Readers!).
Dennoch war das Buch schön zu lesen, und wenn ich vielleicht nicht jeden einzelnen Satz ganz genau verstanden habe, so hat das dem allgemeinen Verständnis doch keinen Abbruch getan.

Allen leidenschaftlichen Lesern kann ich "The Uncommon Reader" nur wärmstens empfehlen. Denn wer fühlt sich bei Passagen wie der folgenden nicht angesprochen?

What she was finding also was how one book led to another, doors kept opening wherever she turned and the days weren't long enough for the reading she wanted to do.

5 begeisterte Sternchen von mir.

Montag, 22. August 2011

Wieder zurück

Seit gestern Abend bin ich wieder zurück im Alltag. Und ich muss ehrlich sagen, dass ich darauf gerade gar keine Lust habe. In den letzten zwei oder drei Jahren war ich sonst nie länger als ein paar Tage weg, und es war mir gar nicht bewusst, wie schwierig es ist, sich nach 10 Tagen wieder in den Alltag einzufinden. ;-)
Es war auf alle Fälle eine schöne Zeit - ich habe viele Gespräche übers Schreiben und über Bücher geführt, einiges an Literatur für meine Doktorarbeit gefunden und fand allgemein den Tapetenwechsel sehr entspannend.

Gelesen habe ich allerdings weniger als erwartet. Ich hatte ja meinen Sony-Reader gut mit Literatur bestückt, aber soviel hätte ich gar nicht gebraucht. Hier mal eine kleine Kurzübersicht, was ich so gelesen bzw. begonnen habe:

Alan Bennett - The Uncommon Reader
Ein sehr schöner kleiner Roman darüber, wie die Queen plötzlich die Liebe zum Lesen entdeckt. Da dieser Roman mein August-Buch für die Englisch-Challenge ist, werde ich die nächsten Tage aber ohnehin noch eine Rezension schreiben.

Tamora Pierce - Die schwarze Stadt (Alanna von Trebond 1)
Die Reihe von Tamora Pierce wurde mir schon mehrfach empfohlen. Eine Freundin aus Deutschland war so lieb, mir letzte Woche die Bücher für unser kleines Schreibtreffen mitzubringen. Ich habe den ersten Band gleich gelesen, war aber dann doch nicht so begeistert. Vermutlich ist das doch eine Serie, die man eher schon als Kind/Jugendliche lesen muss. Es ist wirklich eine nette Geschichte, aber mir waren die Figuren einfach zu klischeehaft und eindimensional.

Thomas Glavinic - Das Leben der Wünsche (Hörbuch)
Damit bin ich noch nicht ganz durch, aber besonders begeistert bin ich nicht. "Die Arbeit der Nacht" fand ich toll, aber schon "Lisa" hat mir nicht sehr gefallen, und so denke ich, dass ich mit Glavinic in nächster Zeit doch eher vorsichtig sein werde.
Vielleicht reißt ja das Ende nochmal was raus, aber das bezweifle ich doch eher.

Sascha Berst - Mord im Garten des Sokrates
Bei dem Roman bin ich etwa bis zur Hälte gekommen. Es ist ein durchaus interessanter historischer Krimi, aber so richtig überzeugen kann er mich doch nicht. Derzeit wäre es etwa eine Bewertung von 3 Sternchen - mal sehen, ob er noch besser wird.

Ja, und dann habe ich noch etwa 100 Seiten bei den Buddenbrooks weitergelesen. Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen, aber immerhin gehts voran. ;-)

Soviel also dazu. Heute Abend werde ich mich dann mal durch die Blogs wühlen, die ich so mitverfolge, und vermutlich ganz viele Posts nachlesen.

Mittwoch, 10. August 2011

Urlaub

Morgen fahre ich für 10 Tage nach Deutschland, um Freunde zu besuchen, viel übers Schreiben zu quatschen und Literatur für meine Dissertation zusammenzusuchen. Das bedeutet, dass es hier ein Weilchen eher still sein wird.
Vielleicht komm ich zwischendurch mal ins Internet und schreibe hier was; ansonsten gehts dann nach dem 21. August hier wieder mit neuem Elan weiter.

Ich reise diesmal erstmals nicht mit mehreren schweren Büchern im Gepäck, sondern nehme lediglich meinen Sony-Reader mit. Darauf habe ich genug Lesestoff (nicht zuletzt noch etwa 300 Seiten Buddenbrooks), um im Zug und auch sonst gut über die Runden zu kommen. ;-) Das ist schon recht entspannend, vorher nicht ständig überlegen zu müssen, ob man mit diesem und jenem Buch auskommt oder ob man nicht doch noch eins einpacken soll, obwohl man doch eigentlich keinen Platz mehr dafür hat ...

Also vorerst mal Tschüss!

Dienstag, 9. August 2011

Robert Löhr - Das Erlkönig-Manöver


Genre: Historischer Roman
Seiten: 368
Verlag: Piper
ISBN: 978-3492049290
Meine Bewertung: 5 von 5 Sternchen

Historien-Challenge (1789-1815)



Ein aberwitziger Auftrag führt Goethe und Schiller quer durch Deutschland und bis hinein in den Kyffhäuser: Sie sollen den wahren König von Frankreich befreien und in Sicherheit bringen. Unterstützt werden sie dabei von Heinrich von Kleist, Alexander von Humboldt, Achim von Arnim und Bettine Brentano.

Eine Auflistung, die sich ein wenig liest wie eine "Liga der außergewöhnlichen Gentleman" der deutschen Dichter. Und tatsächlich scheint der Vergleich nicht einmal so weit hergeholt: Wenn Goethe und Kleist mit Pistolen gegen die Feinde vorgehen und Schiller sich als Meister der Armbrust erweist, hat man kurzfristig das Gefühl, in einem Hollywood-Actionspektakel gelandet zu sein.
Doch obwohl ich anfangs sehr skeptisch war und Angst vor unfreiwilliger Komik hatte, konnte mich der Roman schnell in seinen Bann ziehen. Robert Löhr präsentiert hier eine "was wäre wenn"-Geschichte, die trotz aller Absurditäten seltsam authentisch wirkt. Vermutlich liegt es an der Sprache, die - gerade in den Dialogen - oft tatsächlich eher wie ein Werk des 19. Jahrhunderts klingt als ein moderner Roman. Dabei verwendet Robert Löhr unverfroren zahlreiche Originalzitate und bringt sie teils in recht ungewöhnliche Zusammenhänge.

Von unfreiwilliger Komik kann glücklicherweise nicht die Rede sein - im Gegenteil: Robert Löhr überzeugt mit Wortwitz und Situationskomik und macht auf diese Weise vor allem die erste Hälfte des Romans zu einem großartigen Lesespaß.
Umso mehr die Handlung voranschreitet, umso ernstere Töne schlägt der Roman allerdings an, und es gab so einige Stellen, die mich wirklich beklommen machten. Ein ängstlicher Blick auf die Jahreszahl - 1805 - ließ mich vor allem im Hinblick auf Schiller zum Ende hin immer mehr bangen.
Dennoch geht dem Roman bis zum Schluss nicht der Humor abhanden, und obwohl ich oft kein Fan von witzigen Büchern bin, musste ich hier einige Male leise vor mich hinkichern oder gar laut losprusten.

Das Herrlichste an dem Roman sind aber die Figuren. Anfangs fragte ich mich, weshalb der Autor unbedingt auf derart bekannte historische Persönlichkeiten zurückgreifen musste und nicht einfach fiktive Figuren wählen konnte. Bald hatte ich aber doch meine Freude daran, die Dichter und Naturforscher auf ihrer aberwitzigen Reise zu begleiten.
In punkto Sympathie macht ganz klar Schiller das Rennen. In seiner Freundschaft zu Goethe, seinem Vertrauen in die Reisegefährten und mit seinen hohen Idealen wirkt er einfach ungemein sympathisch. Ganz entzückend ist auch Bettine Brentano als eigenwilliges und tatkräftiges Mädchen, das Goethe nahezu anhimmelt. Goethe selbst hielt mich als Leserin mit seiner unnahbaren Art eher auf Distanz, was sicher so gewollt ist. Interessant ist auch Kleist mit all seinem Zorn und seine Zerissenheit, während Humboldt und Achim von Arnim vergleichsweise ein wenig blass bleiben. Vor allem letzterer ging mir oft gewaltig auf die Nerven.
Der Roman lebt wirklich von diesen Figuren, und auch wenn Robert Löhr sie recht respektlos von ihren Sockeln zerrt und sie durch allerlei Abenteuer jagt, wirken sie stets glaubwürdig und niemals lächerlich.

Kurz gesagt: Dieser Roman macht einfach Spaß, ist ungemein spannend und bietet dazu noch sehr anschauliche Beschreibungen so einiger Orte im 19. Jahrhundert. Umso mehr Hintergrundwissen man über die Dichter mitbringt, umso mehr nette Details kann man entdecken, wobei man sich auch ohne jegliches Wissen problemlos in dem Roman zurechtfinden wird. Auf alle Fälle aber macht er Lust darauf, sich genauer zu informieren und herauszufiltern, was nun reine Fiktion ist und was doch überlieferte Tatsache.
Ich kann den Roman nur weiterempfehlen und vergebe begeisterte 5 von 5 Sternchen.

Sonntag, 7. August 2011

Vom Schweigen im Schreibwalde

In letzter Zeit dürfte mein Blog fast nur den Titel "Vom Lesen" tragen. Vom Schreiben habe ich hier in letzter Zeit recht wenig gebloggt. Deshalb möchte ich mal ein bisschen darüber plaudern, was sich bei meinen Romanen so tut und weshalb es hier diesbezüglich so still ist:

Frostpfade
Meine Frostpfade liegen natürlich immer noch beim Wettbewerb. Davon abgesehen habe ich dazu noch sehr aufmunternde und hilfreiche Rückmeldung bekommen und habe also nochmal kleine Details zu überarbeiten.
Mein Gratis-Exemplar des Romans, das ich über CreateSpace drucken ließ, ist inzwischen bei mir angekommen. Ich würde das Büchlein auch ganz gern hier herzeigen, allerdings habe ich beim Cover unter anderem auch ein Bild verwendet, für das die Rechte anderswo liegen, insofern ist das etwas problematisch. Vielleicht zeige ich aber wenigstens mal  einen Teil des Covers und Fotos vom "Innenleben" hier.

Andere Romane
Ansonsten tut sich bei mir schreiberisch gerade nicht gar so viel. Ich bin mit "Bühnenzauber" beschäftigt, das ja sehr intensiv überarbeitet werden muss. Bisher habe ich mich aber eher gedanklich damit auseinandergesetzt und über manche Themen nochmal intensiver recherchiert. Ich hoffe, dass ich demnächst ordentlich mit der Überarbeitung beginnen kann, allerdings fällt es mir gerade schwer, mich auf so etwas zu konzentrieren. Ich bin auf Jobsuche und habe noch mit anderen Unsicherheiten in meinem Leben zu kämpfen und habe deshalb einfach nicht den Kopf fürs Schreiben frei. Da fällt es mir leichter, einfach in ein Buch einzutauchen und auf diese Weise den Alltag etwas hinter mir zu lassen.
Meine "Göttersteine" ruhen derzeit überhaupt. Auch sie beschäftigen mich im Kopf durchaus, aber ich muss mir erst noch über einige Plotprobleme klarer werden, ehe ich hier wieder weiterschreiben kann. Der Roman ist so lang, komplex und verschachtelt, dass ich immer wieder damit zu kämpfen habe.

Figurenvorstellungen
Natürlich hätte ich noch so einige Figuren hier vorzustellen, allerdings habe ich mir in den Kopf gesetzt, immer gleich eine Zeichnung dazu reinzustellen - und seltsamerweise habe ich eher Zeichnungen zu eher unwichtigen Nebenfiguren als zu einigen Hauptfiguren ... Derzeit bin ich zwar mit Gabran, dem Bruder von Herun, beschäftigt, aber irgendwie wird die Zeichnung nicht so, wie ich sie mir vorstelle. 
Aber auf alle Fälle sind weitere solcher Vorstellungstexte meiner Romanfiguren geplant.

Tja, und viel mehr gibt es gerade nicht zu berichten. Im Vergleich zum letzten Jahr habe ich bisher sehr, sehr wenig geschrieben. Wäre da nicht die Überarbeitung von "Frostpfade" gewesen, käme ich mir in punkto Romanschreiben völlig untätig vor. Aber ich hoffe, dass sich das demnächst auch wieder bessert.

Malcolm Bosse - Der Elefantenreiter


Genre: Historischer Roman
Seiten: 280
Verlag: Hanser
ISBN: 978-3446192614
Meine Bewertung: 3 von 5 Sternchen

Historien-Challenge (Frühes Mittelalter)


Indien im 8. Jahrhundert: Bei einem Überfall werden der Brahmane Arjun und seine Schwester Gauri voneinander getrennt. Arjuns einziges Ziel ist es, seine Schwester wiederzufinden, doch er wird selbst gefangen genommen und muss sich in der Armee bewähren. Er schafft es sogar, zu einem berühmten Elefantenreiter zu werden, doch die Gedanken an Gauri bestimmen auch weiterhin sein Leben und stellen es erneut völlig auf den Kopf.

Mit diesem Roman hatte ich so meine Probleme. Hätte ich ihn nicht für die Challenge gelesen, hätte ich ihn vielleicht sogar abgebrochen. Denn leider blieb mir Arjun sehr fremd und ich konnte kaum mit ihm mitfiebern. Das liegt zum einen an dem sehr distanzierten Schreibstil von Malcolm Bosse und zum anderen wohl an der Figur des Arjun selbst. Der Junge passt sich jeder Situation an, macht überall das beste daraus, ist stets höflich und "korrekt" in seinem Verhalten, gehorcht stets, behält moralisch fast immer seine strahlendweiße Weste an und stellt sich auf verschiedenen Gebieten als außegewöhnlich talentiert heraus. Er ist einfach zu glatt. Er begehrt nicht auf, er macht eigentlich nie etwas wirklich falsches und wird zudem durch seine extreme Anpassungsfähigkeit als Charakter kaum greifbar.
Emotional hat er mich überhaupt nicht berührt. Nicht einmal die angeblich so tiefe Freundschaft zu seinem Elefanten konnte ich spüren.

Leider neigt Bosse in dem Roman auch dazu, ausgerechnet jene Szenen in einem Satz abzuhandeln, die einem Arjun vielleicht näher gebracht hätten. So etwa hätte ich gerne miterlebt, wie sich für Arjun der erste Ritt auf einem Elefanten anfühlte. Immerhin wird vorher deutlich gemacht, wie sehr ihn diese Tiere faszinieren, und man kann sich wohl vorstellen, dass es für ihn überwältigend sein musste, zum ersten Mal auf einem Elefanten zu sitzen. Leider wird aber nur im Nachhinein kurz erwähnt, Arjun wäre nun zum ersten Mal auf einen Elefanten aufgestiegen.
Und dieses eine Beispiel ist nur ein Stellvertreter für viele ähnliche "Lücken" in dem Roman. Gerade die Szenen, die emotional wirklich interessant sein könnten und die für Arjun auch bedeutend sein müssten, werden oft sehr schnell übergangen.

Sehr faszinierend ist hingegen der historische und kulturelle Hintergrund des Romans. Von Indien im 8. Jahrhundert habe ich zugegeben überhaupt keine Ahnung, daher schenke ich Malcolm Bosse hier in dem, was er schreibt und beschreibt, einfach mal Glauben. Gerade, wenn er die Ausbildung der Elefanten mit all ihren (teils auch grausamen) Aspekten schildert, scheint es, als hätte er wirklich sehr sorgfältig recherchiert. Und genau in diesen Momenten versteht es der Roman auch wirklich, die Leser zu fesseln (oder zumindest mich).
Das Indien dieser Zeit wird einem mit diesem Buch wirklich nähergebracht - mit all seinen Eigenheiten und Fremdartigkeiten.

Genau darin liegen die Stärken des Romans und mein Hauptgrund für die doch noch recht gnädige Bewertung. Auch Arjuns Lebensweg ist durchaus interessant und geht auch in eine sehr philosophische Richtung - konnte mich aber dann letztendlich nicht mehr wirklich berühren, da mir Arjun bis zum Schluss fernblieb.
Ein Roman also, der einen in eine sehr interessante Zeit führt und es versteht, diese Zeit und die Umgebung zum Leben zu erwecken. Leider gelingt ihm dies aber nicht mit der Hauptfigur - und auch nicht mit den Nebenfiguren.

Mittwoch, 3. August 2011

Ein weiterer Challenge-Zwischenstand nach der Jahreshalbzeit

In etwa zwei Monaten geht die Historien-Challenge zu Ende, und auch bei den anderen Challenges ist die Halbzeit bereits überschritten - Zeit also, um mal wieder eine Zwischenbilanz zu ziehen.

Bei der Historien-Challenge geht es, wie schon gesagt, allmählich als Eingemachte. Mir fehlen bei den Romanen noch drei Stationen, wobei ich einen Roman davon schon zur Hälfte durch habe ("Der Elefantenreiter" von Malcolm Bosse für das Frühmittelalter). Allerdings ist meine Lust auf die Kreuzzüge noch immer nicht gestiegen, und ich frag mich allmählich wirklich, ob ich wegen dieser einen Station vielleicht die Challenge noch hinschmeißen werde. Das wäre schade und ärgerlich, aber trotzdem werde ich mich für die Challenge nicht durch ein Buch quälen.
Na, schaun wir mal.
Bei den Sachbüchern werde ich nun vermutlich aufgeben. Ich habe drei gelesen und habe ein weiteres bereits aus der Unibibliothek ausgeliehen, aber ich befürchte doch, dass mir das alles ein wenig zu knapp wird. Aber auch hier gilt: Schaun wir mal. ;-)

Immer noch gut im Rennen bin ich bei der Englisch-Challenge, wo ich bisher jeden Monat brav mindestens ein englisches Buch geschafft habe. Im Juli ist es etwas knapp geworden, da ich "A Game of Thrones" genau am 31. beendet habe, aber der Roman ist ja auch wirklich ein Wälzer.
Jetzt im August werde ich vielleicht gleich mal den 2. Band - "A Clash of Kings" - lesen oder aber doch etwas kürzeres. Je nachdem, worauf ich dann spontan Lust habe.

Und schließlich wären da natürlich noch die Klassiker, die mich derzeit mit den "Buddenbrooks" ganz schön fordern. Ich finde den Roman durchaus gut und spannend zu lesen, aber es ist auch einfach ein fürchterlicher Wälzer, und bis ich bei der Vielzahl an Personen durchgeblickt habe, hat es etwas gedauert ...
Hier stehe ich also bei fünf gelesenen Büchern und einem, bei dem ich gerade mittendrin bin. Nachdem die Challenge noch knapp 5 Monate dauert, habe ich ab jetzt etwa jeden Monat ein Buch zu lesen. Da die "Buddenbrooks" mit Abstand das umfangreichste auf meiner Liste sind, sollte das zu schaffen sein.

Und wie bei meinem letzten Zwischenstand gibt es auch diesmal noch ein wenig Statistik:

- Der Geschichte auf der Spur (endet in 2 Monaten)
Romane: 9,5/12 = 76%
Sachbücher: 3/5 = 60%
  gesamt: 12,5/17 = 73,5%

- I'm in ... English Challenge (endet in 5 Monaten)
7/12 = 58,3%

- Klassiker aus aller Herren Länder (endet in 5 Monaten)
5,5/10 = 55%