Mittwoch, 24. August 2011

Alan Bennett - The Uncommon Reader


Genre: Novelle/Kurzroman
Seiten: 128
Verlag: Faber and Faber
ISBN: 9780374280963
Meine Bewertung: 5 von 5 Sternchen

English-Challenge  (August)



It was the dog's fault.
Ja, nur den königlichen Welsh Corgies ist es zu verdanken, dass die Queen neuerdings nur noch mit einem Buch in der Hand anzutreffen ist und die Abläufe im Palast ordentlich durcheinanderwirbelt. Als die lieben Tierchen beim Gassigehen ausbüchsen, führen sie nämlich die Queen geradewegs in die "travelling library" von Westminster, und aus reiner Höflichkeit leiht Her Majesty sich ein Buch aus. Doch das will natürlich zurückgebracht werden, und wenn sie schon mal da ist, kann sie doch gleich ein neues ...
So nimmt die Sache ihren Lauf und die Queen gesellt sich spät, aber doch zu den Leseratten. Sie organisiert sich zu diesem Zweck sogar einen persönlichen Assistenten, der dem Privatsekretär schnell ein Dorn im Auge ist. Überhaupt: Ein Staatsoberhaupt, das es sich plötzlich erlaubt, ein Hobby zu pflegen - kann das denn gutgehen?

Alan Bennetts Novelle ist eine wunderschöne kleine Liebeserklärung an das Lesen. Mitzuverfolgen, wie die Queen die Welt der Bücher für sich entdeckt und immer tiefer darin eintaucht, ist nicht nur höchst amüsant, sondern auch berührend. Eine "was wäre wenn"-Geschichte, die wohl alle begeisterten Leser anspricht.
Dabei hat man trotz aller Fiktionalität das Gefühl, dass das ganze tatsächlich so oder ähnlich ablaufen könnte. Bennett schreibt augenzwinkernd, aber doch einfühlsam über den Alltag und die Pflichten der Queen, über ihre stille Höflichkeit und ihre Sonderstellung, die sie einsam und auch sehr unnahbar macht. Natürlich erhebt diese Novelle keinen Anspruch auf "Wahrheit", aber er liest sich dennoch glaubwürdig und ist mit dieser Protagonistin einfach ungleich reizvoller als mit einer fiktiven Figur.

Mitzuverfolgen, wie das strenge Leben der Queen durcheinandergewirbelt wird, wie ihre Umgebung ratlos und höchst alarmiert auf ihre neue Vorliebe reagiert und wie sie den Premierminister in Verlegenheit bringt, indem sie ihm Fragen über Literatur stellt, ist wirklich höchst unterhaltsam. Das Ende schließlich ist einfach nur köstlich und überraschend, aber mehr verrate ich natürlich hier nicht darüber.
Kenntnisse der englischen Literatur sind zwar nicht notwendig, erhöhen aber das Lesevergnügen, wenn die Queen kritisch über die Bücher nachdenkt und über manchen Autoren schier verzweifelt:

She was not a gentle reader and often wished authors were around so that she could take them to task.
"Am I alone", she wrote, "in wanting to give Henry James a good talking-to?"
"I can see why Dr Johnson is well thought of, but surely, much of it is opinionated rubbish?"
It was Henry James she was reading one teatime when she said out lod, "Oh, do get on."
The maid, who was just taking away the tea trolley, said, "Sorry, ma'am", and shot out of the room in two seconds flat.

Sprachlich fand ich die Novelle manchmal nicht ganz einfach. Mein Englisch ist nicht das allerbeste, und während ich mit den meisten Jugendbüchern und etwa auch Martins "A Song of Ice and Fire" recht problemlos klarkomme, tat ich mir hier deutlich schwerer und musste auch einige Male Vokabeln nachschlagen (ein Hoch auf die Wörterbuchfunktion meines Readers!).
Dennoch war das Buch schön zu lesen, und wenn ich vielleicht nicht jeden einzelnen Satz ganz genau verstanden habe, so hat das dem allgemeinen Verständnis doch keinen Abbruch getan.

Allen leidenschaftlichen Lesern kann ich "The Uncommon Reader" nur wärmstens empfehlen. Denn wer fühlt sich bei Passagen wie der folgenden nicht angesprochen?

What she was finding also was how one book led to another, doors kept opening wherever she turned and the days weren't long enough for the reading she wanted to do.

5 begeisterte Sternchen von mir.

Kommentare:

  1. Schön, dass es dir auch gefallen hat. Es ist auch einfach ein sehr nettes kleines Büchlein.
    Ich habe übrigens das gleiche Zitat wie du ausgewählt, es spricht also wirklich den typischen Leser sofort an.

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  2. Ja, diese Textstelle bietet sich wirklich als Zitat an - wer von uns kann diese Worte schließlich nicht nachvollziehen. ;-)

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  3. Oh, das klingt toll und kenne ich noch gar nicht - das wandert mal auf meine Wunschliste :-)

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  4. Beim Stöbern auf deinem Blog bin ich auf diese Rezi gestoßen. Ich hab das Buch auch gelesen und bin ziemlich genau deiner Meinung. Nur das Ende hat mich nicht so ganz überzeugt, aber das tut dem Buch überhaupt keinen Abbruch. Daher auch von mir eine (späte) Leseempfehlung.

    Viele Grüße
    Ariana

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    1. Ich muss sagen, dass ich das Ende total gern mochte. Für dieses Buch fand ich es eigentlich perfekt.

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