Donnerstag, 29. September 2011

Simon Beaufort - Das Geheimnis der Heiligen Stadt


Genre: Historischer Roman
Seiten: 394
Verlag: Bastei Lübbe
ISBN: 978-3404153442
Meine Bewertung: keine, da ich das Buch abgebrochen habe

Historien-Challenge (Die Kreuzzüge)



Kurz nach dem ersten Kreuzzug, ein Jahr nach der Eroberung von Jerusalem, erschüttert eine Mordserie die Heilige Stadt. Geoffrey Mappestone, ein Kreuzritter in den Diensten von Tankred von Tiberias, wird beauftragt, den Schuldigen zu finden. Doch bei seinen Ermittlungen gerät er zwischen die Fronten und kann bald selbst seinen engsten Freunden nicht mehr trauen.

Folgendes vorweg: Ich breche selten Bücher ab und dachte, ich müsste diesen Roman auf jeden Fall zu Ende lesen (weil er für die Historien-Challenge ist), allerdings habe ich festgestellt, dass es erlaubt ist, eines der Challenge-Bücher abzubrechen, wenn man wenigstens bis Seite 100 gelesen hat. Daher "muss" ich jetzt dennoch eine Rezension schreiben. Behaltet dabei bitte im Hinterkopf, dass ich den Roman nur bis Seite 252 gelesen habe.

Dass ich das Buch abgebrochen habe, sagt im Grunde schon aus, wie es mir gefallen hat: nämlich gar nicht. Ich versuche mal zu ergründen, was ich daran so schlecht fand.
Zunächst einmal konnte ich mit den Figuren, allen voran mit Geoffrey selbst, nichts anfangen. Klischees und Verallgemeinerungen haben mir jeden Zugang zu ihnen verwehrt. Praktisch alle Mönche sind fett, gierig und stellen den Frauen nach; alle Kreuzritter bis auf Geoffrey sind dumme Plünderer und jederzeit gern für ein Massaker zu haben. Ich bezweifle gar nicht, dass das auf viele auch zutraf, aber dennoch hätte ich mir hier eine etwas differenzierte Darstellung und etwas mehr Graustufen gewünscht.
Geoffrey hingegen ist ein durch und durch moderner Mensch, der in seinem gesamten Denken und Verhalten anders ist. So etwas ist in historischen Romanen nicht selten und eine gewisse Modernisierung braucht man wohl, um sich in die Figuren hineinversetzen zu können, aber Geoffrey ist wirklich ein Extrembeispiel. Ich möchte hier kurz die SPQR-Krimis von John Maddox Roberts erwähnen (ja, ich bin ein Fan davon): Auch hier ist Decius in einigen Punkten ein echter Exot unter den restlichen Römern, aber dennoch wirkt er in seiner Kultur fest verankert und bei vielen Themen (etwa Sklaverei) ganz klar von seiner Zeit geprägt.
Bei Geoffrey konnte ich so etwas gar nicht feststellen. Seine ethischen und moralischen Grundsätze sind völlig modern und es gibt nichts, was ihn in seiner Zeit und Kultur verankert. Den Kreuzzug hat er übrigens nur mitgemacht, weil er Interesse an fremden Kulturen hat und die arabischen Wissenschaften genauer studieren will. Natürlich ist er auch durch und durch gerecht, edel, hilfreich und gut, macht sich nichts aus Reichtümern und ist gebildet ohne Ende.
Ob es dann auch noch eine Liebesgeschichte mit einer äußerst selbstbewussten, klugen und schlagfertigen Frau gibt, die offensichtlich im Zusammenhang mit den Morden steht, konnte ich allerdings nicht mehr feststellen ...

Stichwort fremde Kulturen: Trotz teilweise recht ausführlicher Beschreibungen konnte der Autor mir Jerusalem um 1100 nicht greifbar machen. Ich hatte nie das Gefühl, wirklich drinnen zu sein oder die Stadt spüren zu können. Und trotz aller Problematik mit den Kreuzrittern und den Geistlichen kam es mir auch nicht vor, als würde mir diese Zeit irgendwie nahegebracht werden.
Das mag unter anderem auch am Schreibstil liegen, der nicht direkt schlecht ist, aber sehr hölzern wirkt.

Und als wäre das alles nicht genug, konnte mich auch der Kriminalfall nicht fesseln. Vielleicht lag es daran, dass ich mich durch meine ganzen Probleme mit dem Roman nicht mehr so gut darauf konzentrieren konnte, aber ich konnte überhaupt nicht mehr durchblicken und auch Geoffreys Verdächtigungen nicht wirklich nachvollziehen.
Spannung kam daher für mich gar nicht auf - wer nun die Morde begangen hat und warum ist mir, ehrlich gesagt, herzlich egal.
Dass ich einen Krimi ohne mit der Wimper zu zucken abbreche, nachdem ich schon über der Hälfte war, ist wirklich eine Premiere. Aber in mir ist nicht die geringste Neugierde, wie sich nun alles auflöst.

Ich bin nun wirklich erleichtert, dass ich den Roman abbrechen kann und kann ihn - was für eine Überraschung ;-) - nicht weiterempfehlen.

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