Mittwoch, 30. November 2011

Michail Bulgakow - Der Meister und Margarita


Genre: Phantastik/Satire
Seiten: 512
Verlag: Sammlung Luchterhand
ISBN: 978-3630620930
Meine Bewertung: 4,5 von 5 Sternchen

Klassiker-Challenge (Russland)



An einem Frühlingstag in Moskau führen zwei Literaten an den Patriarchenteichen eine Diskussion über Jesus, als sich plötzlich ein seltsamer Mann in ihr Gespräch einmischt. Er nennt sich Voland, gibt sich als Zeitgenosse von Pilatus aus und prophezeit einem seiner Gesprächspartner seinen baldigen Tod. Als diesem tatsächlich bei einem Unfall der Kopf vom Rumpf getrennt wird, ist das nur der Beginn einer Serie von kuriosen und furchterregenden Begebenheiten rund um Voland und seine Helfer, die Moskau ins völlige Chaos stürzen. 
Parallel dazu wird die Geschichte des "Meisters" erzählt, der einen Roman über Pontius Pilatus schrieb und nun im Irrenhaus vor sich hinvegetiert. Aber seine Geliebte Margarita ist nicht bereit ihn aufzugeben - und begibt sich in die Hände des Teufels, um ihn wiederzubekommen.

Obwohl Bulgakow den Roman bereits 1940 beendete, wurde er erst 1966 veröffentlicht (die erste Fassung wurde verbrannt) - und auch da nur stark von der Zensur gekürzt. Heute zählt der Roman hingegen zu den Meisterwerken der russischen Literatur des 20. Jahrhunderts. Auf satirische (und manchmal auch einfach nur albern-witzige) Weise prangert Bulgakow das Leben in Moskau zu seiner Zeit mit seiner starren Bürokratie und der ständigen Überwachung an. 
Wer sich hier gut auskennt, hat es sich leichter beim Lesen und versteht so manche Begebenheiten wohl auch besser. Ich selbst bin mit den Zuständen der Sowjetunion in den 1930er Jahren nicht allzu sehr vertraut, wie ich zugeben muss, hatte aber mit keinen großen Verständnisschwierigkeiten zu kämpfen.
Meine Schwierigkeit waren vielmehr die Personen und ihre Namen. Dazu muss ich sagen, dass ich den Roman vor zwei Jahren schon mal begonnen hatte, dann aber nicht zum Weiterlesen gekommen bin und irgendwann nicht mehr hineinfinden konnte. Nun habe ich den Roman erneut ganz von Anfang an gelesen, und die ersten Kapitel, die ich schon kannte, fand ich nun deutlich leichter zu lesen und all die Figuren, die darin vorkommen, leichter auseinanderzuhalten. Etwa bei der Hälfte des Romans musste ich aber zeitbedingt wieder eine Pause einlegen, und als ich dann weitergelesen habe, kamen mir im Kopf schon wieder all die russischen Namen durcheinander.
Es ist also sicher empfehlenswert, den Roman eher zügig durchzulesen oder aber sich zu Beginn ein paar Namen zu notieren.

Man muss Bulgakows Roman also schon sehr aufmerksam lesen, auch wenn er sprachlich nicht besonders anspruchsvoll ist. Aber wenn sich am Ende alles ineinander fügt und einzelne Handlungsstränge aufgelöst werden, ist es etwas ungünstig, wenn man die Namen teilweise nicht mehr zuordnen kann.
Das ist jetzt nicht direkt eine Kritik an dem Roman, sondern eher an meinem eigenen Leseverhalten, aber es hat doch das Lesevergnügen ein wenig beeinträchtigt.

Ansonsten besticht der Roman vor allem durch seine zahlreichen Ebenen: Es ist ebenso eine Allegorie und eine Satire wie die Geschichte eines Teufelspaktes und ebenso eine Liebesgeschichte wie ein historischer Roman, da die Erzählung des Meisters über Pilatus ebenfalls in die Handlung eingeflochten ist. Diese Kapitel fand ich sogar am stärksten, da Bulgakow hier eine wirklich spannende Interpretation der biblischen Geschichte liefert. Auch die Szenen, als Voland und seine Helfer Moskau durcheinanderwirbeln, sind grandios zu lesen, während die Geschichte um Margarita und den Meister meiner Meinung nach etwas schwächer ausfällt.
Dennoch ist der Roman als Ganzes sehr zu empfehlen und erhält von mir 4,5 Sternchen.

In Russland hat Bulgakow übrigens eine riesige Fan-Gemeinde. Es gibt Festivals und Veranstaltungen zu Ehren des Autors, der Roman wurde für Film und Bühne mehrfach adaptiert und einer der Handlungsorte des Buches (die Wohnung Nr. 50 in der Sadowaja 302b) ist eine regelrechte Pilgerstätte geworden. Schade, dass der Roman hierzulande doch recht unbekannt ist - er hätte auf alle Fälle mehr Aufmerksamkeit verdient!

Kommentare:

  1. Das klingt wirklich interessant - und so verschroben, dass ich mir gar nichts Genaues darunter vorstellen kann. Das macht mich neugierig. Das Buch werde ich mir auf jeden Fall mal merken.

    Diese dreiteiligen russischen Namen, die auch noch irgendwie ähnlich klingen, sind aber echt immer eine Herausforderung ;)

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  2. Das tut mir Leid, wenn du dir noch nichts drunter vorstellen kannst, aber es ist auch wirklich schwierig, diesen Roman in ein paar Sätzen zu beschreiben. Zuviel verraten wollte ich ja dann auch nicht.
    Aber verschroben trifft es schon ganz gut - es ist schon irgendwie ein seltsamer Roman. ;-)
    Es gibt übrigens eine ganz interessante Rezi auf der Bibliotheka Phantastika: http://www.bibliotheka-phantastika.de/rezensionen/der-meister-und-margarita/
    Diese hat das Wesen des Romans vielleicht etwas besser in Worte gefasst als ich. ;.-)

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  3. Oh, tut mir leid, dass sollte nicht als Kritik an deiner Rezension rüberkommen. Das war sogar eher positiv gemeint. Die Verschrobenheit hast du ja vermittelt und das hat mich neugierig gemacht. Manchmal zieht einen doch gerade das Mysteriöse an.
    Und manche Bücher wollen sich auch gar nicht richtig beschreiben lassen ;)

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  4. Ach, ich hab das jetzt nicht direkt als Kritik aufgefasst. Aber ich hatte sehr große Probleme dabei, den Roman sinnvoll zusammenzufassen und zu beschreiben, und ich habe befürchtet, dass man vielleicht nur Bahnhof versteht.
    Wenn die Rezension dennoch (oder deshalb) neugierig macht, freut mich das natürlich.

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