Mittwoch, 18. Januar 2012

Amnesie, Wiedergeburt und die letzte Stadt der Erde

Da nächtliche Straßenarbeiten direkt unter meinem Fenster dazu führen, dass an Schlaf nicht mal zu denken ist, nutze ich die Zeit, um ein paar überfällige Rezensionen wieder einmal zu einem Dreierpaket von Kurzrezis zusammenzufassen.


S.J. Watson - Ich. darf. nicht. schlafen.
Hörbuch

Als Christine aufwacht, findet sie sich in einem fremden Bett neben einem fremden Mann. Doch ihr fehlt nicht nur die Erinnerung an die vergangene Nacht, sondern an die letzten 20 Jahre ihres Lebens: Seit einem Unfall vor vielen Jahren kann Christine keine neuen Erinnerungen über die Nacht hinaus speichern. Ihr Leben kann sie nur mit Hilfe ihres Mannes Ben bewältigen. Doch dann findet Christine ein Tagebuch und auf der ersten Seite steht: "Trau Ben nicht."
Ich bin auf diesen Thriller bei Elena aufmerksam geworden und habe dann ganz spontan mein monatliches Audible-Guthaben dafür genutzt, um ihn zu kaufen. Und etwa bis zur Hälfte konnte mich das Hörbuch auch wirklich fesseln, obwohl sich manches wiederholt und zunächst keine typische Thriller-Spannung vorhanden ist. Aber Christine und ihre Situation haben mich fasziniert und ich wollte schnell wissen, was es mit all dem auf sich hat.
Leider hat mich der Roman letztendlich eher enttäuscht. Das Problem war nicht einmal, dass er bald recht vorhersehbar wurde, sondern dass er vor Logikfehlern nur so strotzte. Das meiste funktioniert nur, solange man über die darin vorgebrachten Erklärungen keine Sekunde lang nachdenkt. Sobald man zu grübeln beginnt, bricht alles irgendwie in sich zusammen. Und das verkitschte Ende ... nun ja. Schade, denn der Roman hat wirklich vielversprechend begonnen.
So gibt es nur 2,5 Sternchen.


Sebastian Fitzek - Das Kind
Hörbuch

Weiter gehts im Krimi-/Thriller-Bereich. Als ein zehnjähriger Junge dem Anwalt Robert Stern erzählt, er hätte in seinem früheren Leben einen Mord begangen, glaubt Stern zunächst an einen Scherz. Doch als er tatsächlich an der beschriebenen Stelle auf menschliche Überreste stößt und dann auch noch seltsame Nachrichten erhält, die darauf hindeuten, dass sein am plötzlichen Kindstod verstorbener Sohn noch leben könnte, beginnt Stern nachzuforschen - und gerät immer tiefer in einen Sumpf aus Mord, Kindeshandel und Rache.
Seit einigen Jahren ist Fitzek in aller Munde, und ich muss sagen, dass er mit "Das Kind" einen wirklich spannenden Krimi vorgelegt hat. Auch wenn mir manche Konstellationen zu klischeehaft waren und ich die eine oder andere Stelle nicht ganz glaubwürdig fand, hat mich die ungekürzte Lesung über weite Strecken sehr gefesselt. Die Figuren bleiben zwar großteils sehr oberflächlich in ihrer Charakterisierung, aber Fitzek hat doch den einen oder anderen recht interessanten Charakter geschaffen. Die Auflösung war stimmig und für mich großteils nicht vorhersehbar, und eigentlich hätte ich diesem Krimi solide 4 Sternchen gegeben, wenn ... ja, wenn nicht das unsägliche Ende wäre.
Hätte Fitzek ein wenig früher aufgehört, wäre das Ende aus meiner Sicht wirklich gelungen gewesen. Es gab sogar schon den perfekten Schlusssatz, aber dann musste Fitzek plötzlich noch eins drauflegen. Warum? Warum doch auf einmal diese esoterische Note, nachdem doch alles logisch aufgeklärt wurde? Warum dieser aufgesetzte Kitsch?
Ich fand das Ende wirklich ägerlich und dermaßen misslungen, dass ich dafür noch ein Sternchen abziehe und somit also 3 Sternchen für den durchaus spannenden Krimi vergebe.


Thomas Elbel - Asylon

Nach einer Klimakatastrophe ist Asylon die letzte Stadt der Erde, das letzte Bollwerk der Zivilisation. Warum aber wollte dann die Frau, deren Leiche Torn im Minengürtel rund um die Stadt findet, offenbar aus Asylon fliehen? Als dann auch noch Torns Frau nach einer Fehlgeburt im Krankenhaus verschwindet, gerät sein Weltbild endgültig ins Wanken.
"Asylon" ist ein rasanter, actiongeladener Roman, dessen schnelle Szenenwechsel mir anfangs den Einstieg schwer gemacht haben. Mit so raschen Schnitten habe ich mir beim Lesen schon immer schwer getan - kaum taucht man in eine Szene und eine Figur richtig ein, wird man schon wieder herausgerissen. Da noch dazu die Figuren neben all der Action etwas auf der Strecke bleiben, hat es eine Weile gedauert, ehe ich wirklich in den Roman hineinkam. Etwa ab der Hälfte hat er mich dann aber gepackt und ich konnte ihn nur noch schwer aus der Hand legen. Und anders als bei Fitzeks Roman finde ich hier das Ende wirklich sehr gut gelungen. Es kommt wirklich selten vor, dass ich ein Ende dermaßen perfekt finde wie bei "Asylon".
Schade, dass ich am Anfang etwas gebraucht habe, um richtig in den Roman einzutauchen und dass die Figuren allesamt etwas blass bleiben. So vergebe ich letztendlich 3,5 Sternchen.

Kommentare:

  1. Oh, das Ende bei "Das Kind" hat mich auch richtig verärgert - so sehr, dass ich bis heute keinen weiteren Fitzek angefasst habe. *g*

    Deine Meinung zu "Asylon" macht mir richtig Lust auf das Buch, das sollte ich im Hinterkopf behalten. :)

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  2. Ja, das solltest du im Hinterkopf behalten. :-)

    Ich bin ja erleichtert, dass es mit dem Ende nicht nur mir so ging. Aber das ist doch auch wirklich ärgerlich. Da bekommt man eine schön stimmig-rationale Erklärung, und dann muss er auf einmal für so ein halbgares Happy End doch noch so in die "mystische" Kerbe hauen. Sowas mag ich ja gar nicht.

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  3. Irgendwas scheint mit deiner Kommentarfunktion nicht zu stimmen. Sowohl auf der Arbeit als auch daheim bekam ich - nachdem kurz der Artikel aufleuchtet - immer nur eine weiße Seite. Trotz verschiedener Browser. Mit Chrome klappt's nun.

    Ähm, was wollte ich eigentlich? Ach ja, Logiklücken: Welche meinst du denn?

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  4. Ich habe mir "Asylon" mal in der Bibliothek vorgemerkt. :)

    Bei "Das Kind" muss ich zugeben, dass das Lesen so lange her ist, dass ich mich nicht mehr an Details erinnere. Aber ich weiß noch, dass ich den Anfang sehr vielversprechend fand, mich zwischendurch über ein paar (in meinen Augen) unnötige Wendungen etwas ärgerte und mit dem Ende hatte mich der Autor dann ganz verloren. Und das auf eine Art und Weise, dass ich keine weitere Lust auf Experimente mit seinen Büchern habe. Bei anderen Autoren bleibt ja hingegen oft noch die Neugier darauf, ob andere Titel einem eher zusagen ...

    P.S.: Bei mir gibt es mit den Kommentaren keine Probleme. Aber gestern am späten Abend muckten Google und Blogspot auch wieder etwas - vermutlich basteln die wieder an irgendwas rum.

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