Mittwoch, 29. Februar 2012

Ally Condie - Matched



Genre: Dystopie, Jugendbuch
Seiten: 384
Verlag: Dutton Juvenile
ISBN: 978-0525423645
Meine Bewertung: 3,5 von 5 Sternchen



Für Cassia ist es normal, dass ihr gesamtes Leben aufgrund statistischer Daten und Berechnungen von außen bestimmt wird. Auch die Wahl des zukünftigen Partners wird nicht dem Zufall oder einem schwammigen Gefühl wie Liebe überlassen, sondern mithilfe eines ausgeklügelten Systems berechnet. Mit 17 Jahren soll Cassia endlich ihren Match erfahren - und kann ihr Glück nicht fassen, als es sich dabei ausgerechnet um Xander, ihren Freund seit Kindheitstagen handelt.
Doch auf dem Chip, der Informationen über ihren Match bereithält, erscheint ein anderes Gesicht - jenes von Ky, den sie ebenfalls kennt und der als sogenannter Aberration nicht einmal für eine solche Verbindung im System sein sollte. Cassia beginnt zu zweifeln und die Dinge zu hinterfragen - und ein Interesse an Ky zu entwickeln, das von den Oberen nicht gern gesehen wird.

Ich bin skeptisch an "Matched" herangetreten und war dann auch zu Beginn nicht sehr von dem Roman begeistert. Zu schwammig und uninteressant kam mir die dystopische Gesellschaft vor, die Handlung zu sehr auf ein Liebesdreieck konzentriert. Beinahe hätte ich den Roman abgebrochen, aber dann habe ich ihm doch eine zweite Chance gegeben - und fand ihn gar nicht mal so schlecht.

Die zunächst "perfekt" erscheinende Welt von Cassia ähnelt ein wenig dem Bild, das Juli Zeh in Corpus Delicti zeichnet: Dank genauer Berechnungen, intensiven statistischen Auswertungen und völliger Kontrolle der meisten Lebensbereiche sind Krankheiten beinahe ausgerottet. Partnerschaften werden aufgrund ihrer Anlagen und Gene bestimmt, jeder bekommt das für ihn geeignete Essen, alle Risiken, die zu Krankheit, Verletzungen oder Aufbegehren führen könnten, werden dezimiert. Die Schattenseiten offenbaren sich natürlich schnell. Jeder Einzelne unterliegt der strengen Kontrolle der Society, es gibt keine Freiheiten, keine Wahlmöglichkeiten und kein Hinterfragen. Selbst der Zeitpunkt des Todes wird von außen bestimmt.
Diese ganze Gesellschaft wirkt sehr konstruiert (was sie ja gewissermaßen auch ist) und hat mich oftmals zu der Frage gebracht, wie das funktionieren kann, ohne dass sich mehr Menschen auflehnen. Natürlich, das Leben der Menschen spielt sich wie einer geschlossenen Blase ab (ein Lob hier an die passende Covergestaltung!), denn da es kaum noch Literatur und Kunstwerke gibt - nur die wenigen, die von der Society noch zugelassen werden - gibt es auch wenig, das noch an ein anderes Leben erinnert und den Menschen zeigt, was ihnen fehlt. So manches kam mir zwar dennoch nicht ganz nachvollziehbar vor, aber insgesamt hat Ally Condie sich bei der Entwicklung ihrer dystopischen Welt zweifellos viele Gedanken gemacht und auch sehr interessante Ideen umgesetzt.
Was ein bisschen fehlt, das ist diese Unmittelbarkeit, diese starke Verbindung zu unserer jetzigen Gesellschaft, die man etwa in den "Hunger Games" findet. Die Medienkritik, das schonungslose Weiterentwickeln von Reality Shows und das Töten von Kindern für die Belustigung einer dekadenten Oberschicht - das alles wirkt tatsächlich nur noch wenige Schritte von der heutigen Medienwelt entfernt. Die Gesellschaft, die Ally Condie zeichnet, scheint da (trotz zunehmenden Überwachungswahns) viel weiter von uns entfernt.

Die Handlung selbst ist eher still und entwickelt sich gemächlich. Das führt ab und zu zu Längen, dennoch ist der Roman aber keineswegs langweilig. Im Gegenteil: Ich fand es durchaus schön, dass die größten Entwicklungen in Cassia stattfinden - und schließlich auch äußere Entwicklungen mit sich bringen, bis letztendlich ihre ganze Welt in sich zusammenzubrechen scheint.
Die Konzentration auf das Liebesdreieck ist dabei gar nicht so groß wie befürchtet. Cassia pendelt hier nicht so nervig zwischen zwei Männern, zwischen denen sie sich nicht entscheiden kann, hin und her, wie es in vergleichbaren Konstellationen oft der Fall ist. Die Frage bei ihr ist eher: persönliche Wahl vs. das, was von der Society vorgegeben wird.
Tja, und da kommt jetzt einer meiner größten Kritikpunkte: Auch auf Ky wird Cassia ja erst so richtig aufmerksam, als er ihr als möglicher Match gezeigt wird. Dieser Punkt wird durchaus thematisiert und bereitet auch ihr selbst Kopfzerbrechen, aber er hinterließ bei mir einen schalen Nachgeschmack.
Schön hingegen fand ich es, dass die Liebesgeschichte hier sehr langsam und nachvollziehbar entwickelt wurde und man nicht vom einen Augenblick auf den anderen ein "Du bist jetzt mein Leben und alles andere spielt keine Rolle" präsentiert bekommt.

Das liegt zu einem großen Teil an der Ich-Erzählerin, da Cassia eine junge Frau mit einem Leben und einem familiären Umfeld ist, das sie nicht sofort für eine Liebe über den Haufen werfen möchte. Es sind mehrere Konflikte, in die sie gestürzt wird, und die Art, wie sie damit hadert, ist nachvollziehbar und auch sympathisch. Allgemein war ich von Cassia sehr positiv überrascht. Sie ist keine Rebellin von Anfang an und mag manchen Lesern etwas zu angepasst sein, aber sie wirkt eben in ihrer Gesellschaft glaubwürdig. Dennoch ist sie aus meiner Sicht eine sehr starke Figur, die erfreulich wenig jammert und einen bemerkenswert kühlen Kopf in Extremsituationen behalten kann.
Ich habe ihre Perspektive gern eingenommen und muss sagen, dass Cassia für mich zu den sympathischsten Heldinnen gehört, die mir in letzter Zeit in Jugendromanen untergekommen sind.
Deutlich blasser bleiben dagegen Xander und Ky, die eigentlich beide sehr ähnlich sind. Beide sind verständnisvoll, rebellieren nicht offen, sind aber bereit, einige Grenzen zu übertreten, wenn es notwendig ist und würden wohl fast alles für Cassia tun. Hier hätte ich mir zwei greifbarere und vor allem auch unterschiedlichere Persönlichkeiten gewünscht.

Noch ein paar Worte zur Sprache: Sie ist schlicht und nüchtern, flüssig zu lesen, aber auch nicht sonderlich bemerkenswert. Auf Englisch ist der Roman daher gut verständlich, wobei es durchaus sein kann, dass der Stil mir auf Deutsch zu unauffällig wäre.

So, bevor diese Rezension noch endlos lange wird (eigentlich ist sie das schon *hüstel*), komme ich zu einem Fazit: 
"Matched" ist ein duchaus gelungener Roman mit einer sympathischen Ich-Erzählerin, der trotz einer ruhigen Handlung zu fesseln weiß und eine interessante Gesellschaft zeigt. Es gibt aber einige Punkte, die mich daran gestört haben - allen voran die beiden männlichen Hauptfiguren - und die das Lesevergnügen doch auch getrübt haben. Ein völliges Eintauchen in das Buch war mir dadurch einfach nicht möglich.
Dennoch ein solider Einstiegsband, der mich neugierig auf den Nachfolger macht und sich 3,5 Sternchen verdient.

Montag, 27. Februar 2012

Verspätetes "Sonntags"geplauder #15

7 Days 7 Books
Die letzte Woche stand ganz im Zeichen der Aktion "7 Days 7 Books", der Aktion von Books for all Eternity und Crazy for Books. Ich bin leider unter der Woche nicht so viel zum Lesen gekommen wie erhofft, da mir diverse Verpflichtungen dazwischenkamen, aber die Aktion hat sehr viel Spaß gemacht und ich hoffe, dass ich im Sommer wieder dabeisein kann.

Mein "Resultat":
gelesene Bücher:
Daniel Glattauer - Ewig dein (208 Seiten)
Uta Over - Ponys bis fast in die Küche (128 Seiten)
Ally Condie - Matched (384 Seiten)
Gillian Bradshaw - Der Falke des Lichts (398 Seiten)
Kate Mosse - Die achte Karte (Hörbuch; 9h 30 min)

Dazu kamen noch etwa 120 Seiten von "Die Alchemie der Unsterblichkeit" (abgebrochen) und 249 Seiten von "Kein Sterbenswort" (nicht mehr fertig geworden). Diese beiden Bücher zähle ich natürlich nicht mit, daher waren es letztendlich 5 Bücher.

Schreibgeplauder
Nun ja, dementsprechen wenig bin ich letzte Woche zum Schreiben gekommen. Ein bisschen was hab ich geschafft, aber wenn ich jetzt endlich mal mit den Göttersteinen fertig werden will, sollte ich ordentlich Gas geben. Irgendwie zieht sich das alles jetzt schon wieder viel länger als geplant ...

Sub-Geplauder
Man sollte meinen, die "7 Days 7 Books"-Aktion hätte meinen SuB kräftig schrumpfen lassen, aber das war nicht wirklich der Fall, da 2 Bücher Rereads waren, eins erst letzte Woche gekauft wurde ("Ewig dein") und eins spontan aus der Bücherei mitkam ("Kein Sterbenswort").
Mein nächstes Ziel ist es auf alle Fälle, meinen SuB dauerhaft unter 25 Bücher zu bekommen und in einiger Zeit schließlich dauerhaft unter 20. Also ein sukzessiver Abbau. ;-)

Und sonst so?
Letzte Woche habe ich von einer Bewerbung gesprochen, die mich einiges an Schweiß und Kreativität gekostet hat - und es hat sich zumindest insofern gelohnt, da ich diese Woche nun zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen bin.
Uiuiui ... als eine, die in letzter Zeit eigentlich nur Absagen bekommen hat, macht mich das natürlich ganz schön nervös. Hoffentlich läuft das Gespräch gut. Wenn ja, könnte das zwar auf Dauer zu deutlich weniger Lesezeit führen, dafür aber auch endlich mal zu einem (voraussichtlich) spannenden Job.

Sonntag, 26. Februar 2012

[7 Days 7 Books] Tag 7

Und schon ist der letzte Tag der Lesewoche halb vorbei. 
Ich habe heute Vormittag "Der Falke des Lichts" ausgelesen und musste feststellen, dass mir der Roman nicht mehr ganz so gut gefallen hat wie früher. Dabei war das immer eins meiner Lieblingsbücher. Hm, der Lesegeschmack ändert sich halt doch im Laufe der Zeit. 
Außerdem habe ich noch 2 Stunden Hörbuch gehorcht, aber ich weiß nicht recht, ob ich damit heute noch fertig werde. Immerhin fehlen mir noch 4 Stunden von "Die achte Karte", und meine traditionelle Beschäftigung beim Hören (Knüpfen) kann ich nicht so lange machen, ohne dass mir die Hände abfallen. ;-)
Ansonsten bin ich jetzt etwas unschlüssig, welches Buch ich noch beginnen soll. Geplant war eigentlich Martins "Die Flamme erlischt", aber ich habe derzeit ja auch zwei Krimis aus der Bücherei zuhause (Becketts "Die Chemie des Todes" und Cobens "Kein Sterbenswort") und die wären vielleicht besser geeignet für so ein flottes Lesen. Ich glaube, ich werde beide mal anlesen und mich dann entscheiden.

17:15 - Formatedschungel
Vor etwa einer Stunde hatte ich die Idee, dass ich ja - weil es draußen zu regnen aufgehört hatte und die Sonne rausblinzelte - ein wenig in der frischen Luft (aka Straßenverkehr) spazierengehen und dabei weiter mein Hörbuch horchen könnte.
Soweit so gut. Nun ist das Hörbuch von Audible und ich habe einen Mac. Soweit ebenfalls noch alles gut. Allerdings habe ich blöderweise letzte Woche meinen kleinen iPod shuffle bei meiner Familie vergessen. Ärgerlich, aber gut, ich habe auch noch einen alten mp3-Player. Ich habe diesen Player in letzter Zeit nicht mehr viel genutzt, aber es gab nie die geringsten Probleme im "Zusammenspiel" zwischen meinem Mac und dem Player.
So, nun braucht man aber den Audible Download Manager, um deren Dateien so auf einen mp3-Player zu bekommen, dass man sich das Hörbuch dann auch darauf anhorchen kann ... es leben spezielle Dateiformate mit DRM-Schutz ... %-)
Ja, und jetzt kommt es: Diese Software gibt es nur als .exe. Nein, oder? Das ist wohl ein Scherz? Die Möglichkeit der Kombination Mac + stinknormaler mp3-Player existiert offensichtlich in den Köpfen dort nicht. Wer einen Mac besitzt, hat sich nach Ansicht von Audible wohl völlig Apple verschrieben. Ich war jetzt eine Stunde lang damit beschäftigt, irgendwie dieses Hörbuch auf meinen mp3-Player zu bekommen und bisher ohne Erfolg. Inzwischen geht draußen die Sonne unter und ich bin einfach nur genervt über diese verschwendete Zeit - und genervt von Audible und deren Dateiformaten.
Grandios, wirklich. Ich werde jetzt noch eine entsprechende Anfrage an Audible schicken, aber für heute bringt mir das nichts mehr, ganz gleich, wie die Antwort ausfällt. Und in ein paar Tagen kann mir meine Mitbewohnerin meinen iPod nach Wien mitbringen, wodurch dieses Problem ohnehin vorerst ad acta gelegt wäre.
Aber trotzdem: Rein vom Prinzip her finde ich das einfach unglaublich.
Tja, und eine Stunde Lesezeit haben sie mir auf diese Weise ebenfalls geraubt. *mpf*
(Ich schließe übrigens nicht völlig aus, dass ich einfach nur zu blöd dafür bin, aber wenn nach über einer Stunde herumprobieren und -suchen nichts herauskommt, bezweifle ich einfach mal, dass es daran liegt.)

Mitternächtliches Fazit
Nun habe ich "Die achte Karte" tatsächlich noch zu Ende gehört und im Zuge dessen endlich ein Knüpfwerk beendet, an dem ich schon ewig sitze.
Harlan Cobens "Kein Sterbenswort" konnte ich allerdings nicht mehr auslesen. Ich werde zwar jetzt noch weiterlesen, aber ich bin mir nicht sicher, ob ich das nun noch zählen darf, da es ja schon nach Mitternacht ist. ;-) Und abgesehen davon bezweifle ich, dass ich es noch bis zum Ende schaffe, ich bin schon etwas müde. Damit hat sich wohl auch die Frage, ob ich die Abwesenheit meiner Mitbewohnerin nutzen und mir auf ihrem Fernseher die Oscar-Verleihung ansehen soll, eher erledigt.

Je nachdem waren es dann also zwischen 5 und 6 Büchern, die ich gelesen (und gehört) habe. Darunter war zwar ein 120-Seiten-Kinderbuch, aber andererseits habe ich bei der "Alchemie der Unsterblichkeit" über 100 Seiten gelesen und das Buch dann abgebrochen und kann das natürlich nicht als gelesenes Buch zählen. So gesehen hatte ich also 100 Seiten "über" und das gleicht sich dann mit dem kurzen Büchlein wieder aus.
Leider wurde es doch nicht so eine intensive und gemütliche Lesewoche wie gedacht. Von Montag bis Mittwoch hatte ich wenig Zeit zum Lesen, am Donnerstag gar keine. So ist das eben: Da denkt man, man hätte mal viel Zeit und schwupps - schon kommen unerwartete Dinge daher. ;-)
Dafür habe ich das Wochenende recht intensiv zum Lesen genutzt, wenn auch letztendlich weniger als eigentlich gedacht.
Auf alle Fälle hat es Spaß gemacht!

Anne Brontë - Die Herrin von Wildfell Hall

Genre: Gesellschaftsroman
Seiten: 653
Verlag: Insel Verlag
ISBN: 978-3458332473
Meine Bewertung: 5 von 5 Sternchen

Klassiker-Challenge (UK)
Themen-Challenge (Selbstverwirklichung)


Die ganze Nachbarschaft gerät in Aufruhr, als eine junge Frau mit ihrem Kind das alte Haus Wildfell Hall bezieht. Doch die Neugierde der Gemeindemitglieder wird nicht befriedigt, denn Helen Graham gibt sich abweisend und unnahbar. Bald entstehen erste bösartige Gerüchte um die vermeintliche Witwe. Nur der Farmer Gilbert Markham will diese Gerüchte nicht glauben, da sich zwischen ihm und Helen eine zarte Freundschaft zu entwickeln beginnt. Dennoch kann auch er nicht leugnen, dass die junge Frau offensichtlich einige Geheimnisse hat. Welcher Art diese Geheimnisse sind, erfährt er erst, als Helen ihm ihr Tagebuch zu lesen gibt, in dem die Ereignisse aufgeschrieben hat, die sie schließlich nach Wildfell Hall führten.

Ich beschränke mich hier in der Inhaltsbeschreibung ganz auf die Einleitung des Romans, da ich selbst vor dem Lesen des Buches bereits den gesamten Inhalt kannte (wie das ja bei Klassikern oft so ist) und mir diese Tatsache doch sehr viel Spannung geraubt hat. Es wäre schön gewesen, gemeinsam mit Gilbert Helens Geschichte erst nach und nach zu erfahren, aber letztendlich hat mein Vorwissen dem Lesevergnügen keinen Abbruch getan.

"Die Herrin von Wildfell Hall" ist ein sehr ruhiger Roman, der in gemächlichem Tempo und mit Liebe zum Detail die Lebensgeschichte einer jungen Frau schildert. Trotz seiner Länge wird er aber niemals langweilig, und obwohl es nicht die "großen" Ereignisse wie etwa in "Sturmhöhe" von Annes Schwester Emily gibt, weiß er von Beginn an zu fesseln.
Gerade der Beginn, der aus der Sicht von Gilbert erzählt wird, ist besonders reizvoll, da hier die traditionelle Konstellation vieler romantischen Romane umgekehrt wird: Hier ist die Frau die Geheimnisvolle und Unnahbare, die dem männlichen Ich-Erzähler einfach nicht aus dem Kopf gehen will.
Mit Helens Tagebuch wechselt die Perspektive zu ihr und bleibt dort auch für den Großteil des Romans. Helen ist eine ruhige, aber dennoch interessante Erzählerin. Aus heutiger Sicht wirkt die junge Frau vielleicht übermäßig fromm und duldsam, aber es treten doch auch ihr Mut und ihr Selbstbewusstsein klar zutage. Sie scheut nicht davor zurück, sowohl ihrem Mann als auch seinen Freunden immer wieder deutlich ihre Meinung zu sagen und hat trotz ihres großen Pflichtgefühls keineswegs vor, sich einfach in ihr Schicksal zu fügen. In diesen Punkten ist sie eine sehr "moderne" Frau, wenn sie für mich auch durch ihre extrem hohen Moralvorstellungen und eben jenes Pflichtgefühl der heutigen Zeit ferner wirkt als etwa Jane Austens ironisch-schlagfertige Heldinnen.

Gerade das macht den Roman aber auch so eindringlich: Helen ist die vorbildliche Ehefrau, für heutige Begriffe fast unerträglich duldsam, und doch verurteilen viele sie, als sie schließlich nicht mehr bereit ist, alles einfach hinzunehmen. Was heute für die meisten Frauen eine Selbstverständlichkeit ist, ist für die damalige Zeit unerhört: eine Frau, die ein selbstbestimmtes Leben führen möchte, die sich gegen ihren Mann auflehnt und nicht bereit ist, alle seine Eskapaden als brave Ehefrau hinzunehmen. Und eine Frau, die schließlich auch die Liebe über Geld und gesellschaftliche Zwänge stellt.
"Die Herrin von Wildfell Hall" zeichnet kein Idealbild (wie eben viele Austen-Romane, die ich aber ebenso liebe), sondern bildet hart und schonungslos die Realität ab.

Weshalb Anne Brontë so im Schatten ihrer berühmteren Schwestern Charlotte und Emily steht, ist mir nach Lektüre dieses Romans ein Rätsel. "Die Herrin von Wildfell Hall" muss sich meiner Meinung nach keineswegs hinter "Jane Eyre" oder "Sturmhöhe" verstecken, auch wenn es eben eher ein Roman der leisen Töne ist. Er ist elegant und schwungvoll geschrieben, regt zum Nachdenken an und hallt unweigerlich noch nach dem Zuklappen lange nach.
Auch wenn in der Form manches ein wenig konstruiert wirkt (Wer würde wohl einen so ausführlichen Brief schreiben und darin selbst noch das Tagebuch einer anderen Person einfügen?) und Helen mit ihren hohen Moralvorstellungen manchmal etwas anstrengend ist, gehört "Die Herrin von Wildfell Hall" für mich zu den besten Romanen, den ich in den letzten Monaten gelesen habe.
Und ich werde mit Sicherheit auch irgendwann noch ihren anderen Roman "Agnes Grey" lesen.

Trotz kleiner Kritikpunkte ein meiner Meinung nach fast perfekter Roman. 5 Sternchen!

Übrigens gibt es eine Verfilmung von BBC aus dem Jahr 1996 - und so sehr ich sonst die BBC-Miniserien liebe, diese ist wirklich in die Hose gegangen. Schade, aber vielleicht funktioniert sie besser, wenn man das Buch vorher nicht gelesen hat.

Samstag, 25. Februar 2012

[7 Days 7 Books] Tag 6

12:45 - Wie war das noch? Lesetag?
Hm, soviel zu: Heute lese ich ganz viel.
Bisher hab ich nämlich noch gar nichts gelesen, da ich mich zuerst beim Frühstück mit meiner Mitbewohnerin vertratscht habe, dann einkaufen musste und dann etwas aufwendiger gekocht habe - Afrikanischer Eintopf mit frisch gebackenem Maisbrot. Der Eintopf köchelt gerade noch vor sich hin, das Maisbrot hab ich eben probiert und: mjamm! Ich hoffe mal, dass der Eintopf genauso gut schmeckt. Da die Menge für eine ganze Kompanie reichen würde, muss ich aber zumindest morgen keine Zeit für kochen aufwenden. *gg*

Nach dem Essen gehts dann also los. Geplant hätte ich, dass ich heute "Matched" und "Der Falke des Lichts" zu Ende lese und auch bei meinem Hörbuch weiterhorche. Damit bin ich eh schon gut beschäftigt. Ob es tatsächlich 7 Bücher werden? Dafür müsste ich morgen auch noch 2 Bücher schaffen, was zeitlich theoretisch möglich wäre. Und außer Lesen habe ich eigentlich nur vor, an meinen Göttersteinen weiterzuschreiben. Ach ja, und ein bisschen spazierengehen, weil das Wetter so schön ist. :-)



19:40 - Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen
Mittlerweile habe ich "Matched" ausgelesen - und ja, doch, es hat mir letztendlich ganz gut gefallen, auch wenn es so einiges gab, das mich daran gestört hat. Ein wenig habe ich auch bei "Die achte Karte" weitergehört, aber von einem Lesetag kann man bisher dennoch nicht wirklich sprechen.
Immerhin habe ich ein bisschen an meinem Roman weitergeschrieben, und der Tag ist ja auch noch nicht zu Ende.
Mittlerweile stapeln sich aber bei mir die Bücher, die ich rezensieren möchte, das ist ein bisschen ungünstig. Ich befürchte, da werde ich bei einigen wieder nur Kurzrezensionen schaffen.

Freitag, 24. Februar 2012

[7 Days 7 Books] Tag 5

Offensichtlich hatte ich am Mittwoch wirklich einfach eine Leseflaute  - oder war nicht in der richtigen Stimmung für "Matched". Heute hab ich nämlich ein wenig weitergelesen und fand es dann doch ganz nett. Wie kam es dazu?
Da am Freitag in der Arbeit immer viel los ist, hatte ich heute keinen Lesestoff dabei, nur "Matched" und andere Bücher, die ich nach der Arbeit in die Bücherei zurückbringen wollte. Tja, und dann herrschte über Mittag völlige Ebbe. Keine Anrufe, kaum Kunden, wenig Organisatorisches. Also habe ich ein wenig bei "Matched" weitergelesen und kam auf einmal richtig schön rein.
Später in der Bücherei hab ich es also nochmal verlängert, anstatt es zurückzugeben und werde es jetzt doch noch am Wochenende lesen. :-)
Viel mehr als 30 Seiten hab ich dann aber doch nicht geschafft in der Arbeit. Allerdings hab ich heute Abend keine Verpflichtungen mehr, also gibt es jetzt hoffentlich endlich ein paar gemütliche Lesestunden.
Bis später dann!

Update um 13:35
Wo ist die Zeit nur hinverschwunden? Es ist schon fast Mitternacht und ich bin bei "Matched" gerade mal bei der Hälfte. Aber der Roman gefällt mir mittlerweile ganz gut. Kein Highlight zwar, aber das hab ich auch nicht wirklich erwartet.
Nun ja, ich werde mich jetzt dann mit dem Buch ins Bett verkrümeln, und morgen gibts dann einen kleinen Lesemarathon. ;-)

Donnerstag, 23. Februar 2012

[7 Days 7 Books] Tag 4

Tja, leider gibt es heute nicht viel zu schreiben - ich habe nämlich bisher keine freie Minute gefunden, um auch nur eine Seite zu lesen.
Aber nun ist ein langer Arbeitstag vorbei, die aufwendige Bewerbung ist rausgeschickt (drückt mir bitte die Daumen!) und ich kann zumindest im Bett noch ein wenig lesen.
Morgen muss ich wenigstens nur bis 16 Uhr arbeiten und dann ... liegt ein langes, freies Wochenende vor mir. Daher wird dann der Samstag wohl zum Lesemarathon bei mir erklärt. Ich freu mich schon! :-)

Mittwoch, 22. Februar 2012

[7 Days 7 Books] Tag 3

Ich habe heute noch nicht viel gelesen, da ich noch immer mit einer aufwendigen Bewerbung beschäftigt bin, aber ich überlege, ob ich "Die Alchemie der Unsterblichkeit" abbrechen werde. Bisher habe ich gut 100 Seiten gelesen, aber der Roman ist einfach nicht mein Fall.
Handlung, Setting und Protagonist sind so eng an "Sleepy Hollow" angelehnt, dass man fast schon von Fanfiction sprechen könnte, es wimmelt nur so von Fehlern (ein derart schlampiges Lektorat reißt mich immer wieder aus dem Lesefluss), die Hauptfigur ist bisher sehr blass und kann mich nicht fesseln, die Art, wie die übernatürlichen Wesen in die historische Wirklichkeit eingebaut werden, wirkt nicht glaubwürdig und seltsam konstruiert. 
Alles in allem gefällt mir bisher nur die gruslige Atomsphäre und der eine oder andere nette Einfall der Autorin. Es ist mir aber herzlich egal, wie es mit Icherios weitergeht und ich musste mich schon gestern im Zug immer wieder zum Weiterlesen zwingen. :-(
Ich melde mich dann später wieder mit einem Update - vielleicht such ich mir inzwischen einen anderen Lesestoff.

17:50 - Leseflaute?
Okay, nun frage ich mich doch allmählich: Liegt es am Lesestoff oder liegt es an mir? Ich habe mir nun "Matched" von Ally Condie geschnappt und merke schon nach wenigen Kapiteln, dass das mit mir und diesem Buch nichts wird. Zumindest nicht jetzt. Ich habe grad überhaupt keine Lust auf Romantik und Dreiecksgeschichten, und den perfekten Überwachungsstaat hatte ich ja erst vor kurzem viel fesselnder und interessanter dargestellt in Corpus Delicti. Seit den "Hunger Games" sind natürlich meine Erwartungen bei Jugenddystopien hoch - offensichtlich zu hoch, da ich bisher nicht den Eindruck hatte, als könnte auch nur irgendeine Dystopie annähernd an Collins' Trilogie heranreichen.
Vielleicht probiere ich es irgendwann nochmal mit dem Roman, aber da ich ihn bald in die Bücherei zurückbringen muss, wird er vorerst auf unbestimmte Zeit verschoben.
Tja, und jetzt? Soll ich heute noch einen Versuch starten oder bin ich gerade auch einfach nicht in Lesestimmung? Ich weiß es nicht so recht. Vielleicht schnappe ich mir jetzt am ehesten "Der Falke des Lichts", denn mit einem bereits bekannten (und geliebten) Buch kann man ja eigentlich nicht so viel falsch machen. Hoffe ich.

Dienstag, 21. Februar 2012

[7 Days 7 Books] Tag 2

"Ewig dein" habe ich gestern im Bett noch ausgelesen und bin mir noch nicht sicher, was ich vom Ende halten soll.
Heute war ich die meiste Zeit ziemlich beschäftigt, aber wenigstens konnte ich zwischendurch mal ein gemütliches Ründchen am Kachelofen (ich bin gerade bei meiner Familie) einlegen und habe dort ganz nostalgisch "Ponys bis fast in die Küche" von Uta Over gelesen.
Damit hab ich zwar jetzt schon zwei Bücher, aber die waren beide so dünn (knapp 200 und etwa 120 Seiten), dass ich fast ein schlechtes Gewissen habe. ;-)

Jetzt muss ich mich erst mal wieder an die Arbeit setzen, aber im Zug werde ich dann wohl tatsächlich mit "Die Alchemie der Unsterblichkeit" beginnen (wie eigentlich gestern schon geplant).
Und irgendwann sollte ich zeitlich ein paar Rezensionen unterbringen, sonst stapeln sich die bei mir hier ...

Nachtrag um Mitternacht:
Ich habe im Zug noch etwa 70 Seiten bei "Die Alchemie der Unsterblichkeit" gelesen und danach eine Stunde bei "Die achte Karte" gehört. Beide Bücher konnten mich nicht auf Anhieb hineinziehen, ich hoffe aber, dass das noch kommt.
Jetzt verschwinde ich aber erst einmal ins Bett.

Montag, 20. Februar 2012

[7 Days 7 Books] Tag 1

Wie schon erwartet/befürchtet, bin ich heute nur am Vormittag im Zug zum Lesen gekommen. Mein erstes Buch der Woche ist aber nicht - wie eigentlich geplant - "Die Alchemie der Unsterblichkeit", das sich als ebook auf meinem Reader rumtreibt, sondern Daniel Glattauers "Ewig dein".
Ich konnte einfach nicht widerstehen, ich musste mir den Roman gleich in der Früh noch in der Bahnhofsbuchhandlung kaufen. 

Bisher gefällt mir der Roman sehr gut, obwohl er immer beklemmender wird und ich selbst schon anfange, nervös um mich zu blicken. Allerdings frage ich mich ... hm, wie formuliere ich das jetzt ohne zu spoilern? Also ich frage mich selbst schon, ob Judith eine zuverlässige Erzählerin ist. Das möchte ich heute noch herausfinden, daher werde ich das Buch wohl noch im Bett zu Ende lesen.
Sprachlich ist es auf alle Fälle ein echtes Glanzstück und ich bin froh, dass ich mir doch ausnahmsweise mal wieder ein Hardcover gegönnt habe. Der Preis war schon stolz für dieses nicht so dicke Büchlein, aber Glattauer ist dieses Geld definitiv wieder wert. :-)

Mal sehen, ob ich morgen mehr Lesezeit freischaufeln kann. Ich bezweifle es ein wenig, da mir eine Sache dazwischgekommen ist, mit der ich mich morgen intensiv beschäftigen muss. Aber spätestens am Abend sollte ich dann Zeit haben, wenn ich wieder mit dem Zug unterwegs bin.

Sonntag, 19. Februar 2012

Sonntagsgeplauder #14

Schreibgeplauder
Ich schreibe derzeit langsam, aber stetig an den Göttersteinen weiter und habe nun tatsächlich die Hoffnung, dass die Rohfassung bis Ende Februar abgeschlossen sein könnte. Dann gibt es allerdings noch sehr viel zu überarbeiten - auch inhaltlich, da ich einen Handlungsstrang noch weiter ausbauen (also zusätzliche Szenen schreiben) muss und dafür einen anderen stark kürzen werde.
Aber trotzdem ... sollte ich es wirklich schaffen, bis zum Ende des Monats die letzten Kapitel zu schreiben, wäre schon mal ein sehr, sehr großer Schritt geschaffft.

Lesegeplauder
Ich habe gerade einen leichten Lesestress, da ja morgen die "7 Days 7 Books"-Woche beginnt und ich bis dahin noch "Die Herrin von Wildfell Hall" zu Ende lesen wollte. Mir fehlen aber noch über 100 Seiten und ich muss heute Nachmittag arbeiten. Wenn ich dann gegen 21 Uhr nach Hause komme, wird mir nicht mehr viel Zeit bleiben, da ich auch noch ein paar andere Sachen zu erledigen habe und ja idealerweise auch die Rezension noch vor Beginn der Aktion schreiben sollte ... Uiui, das wird eng.

Erfreulich ist, dass ich inzwischen doch etwas besser in "Fool on the Hill" reingekommen bin und außerdem auch tapfer bei "A Storm of Swords" weitergehört habe und mittlerweile doch das Gefühl habe, mehr zu verstehen. Gerade das letzte Kapitel (eins aus Aryas Perspektive) ging recht gut, wobei mich der Sprecher selbst nicht gerade zu Begeisterungsstürmen hinreißt ...
Beide Bücher werde ich allerdings nun erst einmal unterbrechen, da mir "Fool on the Hill" doch zu anstrengend ist für die Lesewoche und "A Storm of Swords" schlichtweg zu lang.

Challengegeplauder
Wie schon im letzten Jahr läuft es bei der Englisch-Challenge recht gut, da ich mein Februarbuch mit Green Phoenix bereits zu Beginn des Monats abgedeckt habe.
Mit "Der Herrin von Wildfell Hall" hätte ich dann ein weiteres Buch für die Klassiker-Challenge gelesen - es ist bisher eins der Highlights dieser Challenge. Ich dachte eigentlich auch, dass ich damit das Thema "Selbstverwirklichung" bei meiner Challange abdecken könnte, aber mittlerweile bin ich etwas unsicher. Ohne Zweifel spielt das Thema Selbstbestimmung eine sehr große Rolle, aber kann man tatsächlich davon reden, dass Helen sich selbst verwirklicht? Ich bin noch etwas unschlüssig.
Nächste Woche werde ich auf alle Fälle auch wieder etwas für die 2. Chance-Challenge lesen, da ich mir für die Lesewoche mit "Der Falke des Lichts" auch ein geliebtes, altvertrautes Buch ausgesucht habe.
Außerdem werde ich nun endlich meiner Mutter "Ein Spiel der Natur" von Nadine Gordimer entführen, womit also das nächste Buch für die Klassiker-Challenge bei mir Einzug halten wird.
Etwas unschlüssig bin ich noch, wie ich mit Hörbüchern für die Vokabelchallenge verfahren soll, aber ich schätze, dass ich die eher ausklammere. Ich knüpfe ja immer während mir vorgelesen wird, daher schlag ich da eigentlich nie Vokabeln nach.

Suchbegriffe
In der letzten Zeit gabs mal wieder ein paar lustige Suchanfragen, die ich euch nicht vorenthalten möchte:

asoiaf taschenbuch schrift so klein
Ohhhja, damit rennt ihr bei mir offene Türen ein. Zur Erklärung: asoiaf kürzt "A Song of Ice and Fire" ab, und die Schriftgröße bei den Taschenbüchern ist wirklich nur etwas für sehr gute Augen.

gedanken einer sub
Ähm?

maloof schaukelstuhl schema
Wie bitte? Ich weiß schon mal nicht, wer Maloof sein soll - bei mir wird nur David Malouf auf meiner Liste für die Klassiker-Challenge aufgeführt.Ist er damit gemeint? Und findet man in seinen Romanen tatsächlich ein Schaukelstuhl-Schema? Und wenn ja, was soll ich mir darunter vorstellen? Alle Helden von Malouf sinnieren auf Schaukelstühlen über ihr Leben, oder wie?
Fragen über Fragen

anden-komplott
*kopfkratz* Was soll das sein? Was genau wird denn böses geplant in den Anden?

Ach ja, nur zur Info: Der Sony PRS-350 kann eBooks im epub-Format lesen - die Frage kam nämlich auch. ;-)

Fragen, die ich mir übrigens schon seit längerem stelle: Warum erzeugt blogspot so einen grausligen html-Code, dass ich ständig nachbessern muss? Und warum verfasse ich meine Beiträge nicht gleich im "html-bearbeiten"-Feld? %-)

Samstag, 18. Februar 2012

[30 Tage übers Schreiben bloggen] 17.-19. Frage

17. Lieblingsprotagonist! Warum?

Das ist ohne Zweifel Riava, die ich hier nur deshalb noch nicht vorgestellt habe, weil ich dafür noch ein besseres Bild von ihr zeichnen wollte als das, was ich bisher habe.
Ich weiß nicht genau, ob ich sie deshalb so mag, weil sie als Figur schon so "alt" ist. Ich habe auch andere alte Figuren, die mir nicht so sehr am Herzen liegen und ich könnte auch nicht behaupten, dass Riava mir vom Charakter her ähnlicher ist als meine anderen Protagonisten. Woran es also genau liegt, weiß ich nicht, aber Riava macht es mir schon sehr leicht, sie zu mögen, weil sie einfach ein sehr liebenswerter Mensch ist. Ich habe bei ihr sogar fast etwas wie einen Beschützerinstinkt - es tut mir richtig weh, wenn ich ihr etwas schlimmes antun muss, und in der Hinsicht bin ich sonst sehr skrupellos, glaubt mir. Andere Figuren wie Farn könnten da Geschichten erzählen ... na, lassen wir das. *g* 
Ich habe beim Schreiben also ein wenig den Wunsch, Riava zu beschützen. Mancmal ist sie so unsicher und voller Selbstzweifel, dass ich sie am liebsten in den Arm nehmen würde. Gleichzeitig ist sie aber ein echtes Stehaufmännchen, das niemals aufgibt und das finde ich bewundernswert.
Außerdem sie ist sehr gefühlsbetont, was bei meinen Hauptfiguren eher selten ist. Die sind sonst eher so Kopfmenschen wie ich selbst, aber Riava ist da ganz anders. Ich glaube fast, dass sie die einzige meiner weiblichen Perspektiventräger ist, die sich aus ganzem Herzen und ohne Rücksicht auf Verluste auf die Liebe einlässt. Umgekehrt mag ich aber auch ihre Rücksichtslosigkeit, die sie an den Tag legen kann, wenn jemand ihren Zielen im Weg steht oder denen, die sie mag, schaden will. Sie kann dann erschreckend kaltherzig sein und ist also nicht immer nur lieb und nett.
Und das alles zusammen macht sie eben zu meinem "Liebling"

18. Lieblingsschurke! Warum?

Hm, das ist schon etwas schwerer, weil ich nur selten richtige "Schurken" habe. Einen richtigen Bösewicht habe ich immerhin mit dem Donaufürsten, der schon gewissermaßen cool ist. Aber viel herrlicher finde ich in demselben Roman ja das Wassermännlein in der Wien. Ich weiß nicht mal, ob man das überhaupt als Schurken bezeichnen kann, weil es dafür eine viel zu jämmerliche Gestalt ist. Aber die Szenen mit ihm haben unglaublich Spaß gemacht.
Das Wienmännlein hat nämlich echt einen an der Klatsche und ich hatte wohl noch nie eine Figur mit einer so auffälligen Sprechweise. Mein jämmerliches Wassermännlein neigt nämlich zu Wiederholungen, zu vielen "Jajas" und "Neins" und zu einem recht seltsamen Kichern. Man muss ihm zugute halten, dass sein Leben auch kein Zuckerschlecken ist. Wer den Wienfluss kennt und weiß, wie der heutzutage aussieht, wird sich vorstellen können, dass ein Wassergeist es kaum schlechter treffen könnte. Wenn das arme Wienmännlein also inzwischen ein paar seltsame Marotten entwickelt hat und nicht unbedingt der netteste Zeitgenosse ist, ist das also eigentlich nur zu verständlich.

19. Lieblingsnebenfigur, die sich in Rampenlicht gedrängt hat - und warum!


Dass Nebenfiguren sich ins Rampenlich drängeln, kommt ja oft vor. Ich habe da auch so einige, vor allem aber Maldwin Hatras, mein reicher Händler, Gönner und Heruns Liebhaber. Er ist sehr von sich überzeugt und war schnell der Meinung, dass ich ihm mehr Aufmerksamkeit schenken müsste - was ich dann auch getan habe.
Es macht mir nämlich sehr viel Spaß über Maldwin zu schreiben, und ich mag ihn auch einfach. Dementsprechend schnell habe ich ihm zugestimmt und ihm deutlich mehr Raum in "Bühnenzauber" gegeben als ursprünglich geplant. Die Perspektive hat er zwar nie bekommen, aber das ist ihm ganz recht. Maldwin lässt sich nämlich nicht gern in die Karten schauen.
Seinen Vorstellungstext habe ich übrigens schon fertig geschrieben - ich wollte nur erst noch ein Porträt von ihm anfertigen, ehe ich den Text auf meinen Blog stelle. Er liegt mir allerdings schon seit Tagen in den Ohren, dass ich doch endlich den Text hochladen und das Bild später nachliefern soll. Und wie ich ihn kenne, wird er ja doch seinen Willen bekommen ... ;-)

Donnerstag, 16. Februar 2012

Katherine Scholes - Roter Hibiskus



Genre: Romantik, Afrikaroman
Seiten: 416
Verlag: Knaur TB
ISBN: 978-3426503591
Meine Bewertung: 3 von 5 Sternchen



Tansania in den 60er Jahren: Mara und John Sutherland betreiben die in der Savanne liegende "Raynor Lodge", doch die Gäste bleiben aus und John muss sich immer wieder als Jäger bei Safaris verdingen. Als die Lodge bereits vor dem finanziellen Ruin steht, möchte eine Filmcrew sie als Drehort für einen großen Hollywoodfilm nutzen. Während John weit entfernt eine Safari leitet, ist Mara auf der Lodge auf sich alleine gestellt. Und sie entdeckt mehr Gemeinsamkeiten mit dem Schauspieler Peter als ihnen beiden lieb ist.

Bei diesem Roman hat mich vor allem der Hintergrund interessiert - Tansania in den 60er Jahren, sowie die Arbeiten an einem Film in dieser Zeit -, während ich bei der Handlung vor allem mit viel Kitsch gerechnet habe.
In der Hinsicht wurde ich aber positiv überrascht, denn die Liebesgeschichte spielt in diesem Roman weniger Rolle als erwartet. Vielmehr geht es um eine junge Frau, die lernt, sich selbst zu behaupten und ihre eigenen Träume zu verwirklichen.
Es ist schön, Maras Entwicklung mitzuerleben, die mich ein wenig an "Rebecca" erinnert hat. Aus der unsicheren Frau, die sich fehl am Platz fühlt, wird eine selbstbewusste Memsahib, die die Lodge auf ihre ganz eigene Weise leitet. Die Veränderungen, die sich dabei auf Raynor Lodge vollziehen, passen zum politischen Hintergrund: Tansania ist seit kurzem unabhängig und bemüht, die Spuren der britischen Herrschaft abzuschütteln und parallel dazu verliert die Raynor Lodge mehr und mehr ihren britischen Flair und besinnt sich stärker auf die tansanische Kultur.
Diese Entwicklung war schön beschrieben, so wie überhaupt das gesamte Setting von der Autorin anschaulich und mit viel Liebe gezeichnet wird. Die Savanne, die Tiere, die Lodge selbst ... all das stand mir klar vor Augen.

Weniger gelungen war das gesamte Umfeld der Dreharbeiten. Gut, der Produzent hat Probleme mit dem Budget und es sollen auf Raynor Lodge auch nur wenige Szenen gedreht werden, aber dennoch vermittelt die Autorin hier eher das Bild einer kleinen Laienproduktion und nicht das eines großen Hollywoodfilms. Es sind nur wenige Mitarbeiter da (weshalb der Produzent auch in allen möglichen Bereichen auf Angestellte des Hotels sowie auf Mara selbst zurückgreifen muss) und das Equipment dürfte auch recht überschaubar sein. Dazu kommt, dass der Film an sich nicht greifbar wird, da man kaum erfährt, worum es darin überhaupt geht. Das ist schade und wirkt ein wenig so, als hätte Katherine Scholes selbst nicht gewusst, was für ein Film das genau sein soll.
Sehr gelungen fand ich hingegen die beiden Hauptdarsteller. Gut, Peter ist schon ein wenig der typische "Love Interest" für diese Sorte von Roman, kam aber dennoch sehr sympathisch und glaubwürdig rüber. Lillian Lane hat zwar einige Züge der typischen Filmdiva, aber es wird immer wieder mit den Erwartungen gebrochen. Ihr Charakter ist deutlich vielschichtiger und differenzierter gezeichnet, als ich es zunächst vermutet hätte.

Alles in allem ein wirklich schöner Roman, wäre da nicht noch ein großes Aber. So ist leider das Ende sehr überhastet, wäre aber immer noch gut gelungen, wenn Katherine Scholes nicht noch einen Epilog draufgepackt hätte, den ich besser gar nicht gelesen hätte.
Ohne Epilog hätte es trotz Schwächen im letzten Viertel ein sehr stimmiges Ende gegeben - nicht gerade ein Happy End, aber doch alles in allem ein positives, das den Fokus auf die Entwicklung von Mara legt und daher auch schön zu dem Roman passt.
Dann aber folgt noch ein Epilog, der (ich versuche, nicht zu spoilern) nicht nur im Schnelltempo ganze 25 Jahre rekapituliert, sondern zuletzt auch noch einen kitschigen und unglaubwürdigen Abschluss präsentiert.
WARUM? Wirklich, ich war so enttäuscht und verärgert. Wieso musste die Autorin auf diese Weise das leicht offene, aber einfach wunderbar stimmige Ende verderben? Hielt man einen derartigen Epilog für notwendig, um noch alle Leser glücklich zu machen? Wirklich, wirklich schade.

"Roter Hibiskus" ist ein Roman, der einen ganz in das Tansania vor etwa 50 Jahren entführt und die Entwicklung einer jungen Frau zeichnet, die selbst immer mehr ihre Liebe für dieses Land entdeckt. Ein Buch zum Träumen und Genießen, das über weite Strecken durchaus realistisch geschildert ist und die sich ruhig entwickelnde Liebesgeschichte auch nicht zu sehr in den Mittelpunkt stellt.
Leider endet es mit einem Epilog, der nicht notwendig gewesen wäre und auch nicht recht zum restlichen Buch passen will.

Dienstag, 14. Februar 2012

[7 Days 7 Books] Ich bin dabei!

Mittlerweile steht fest, dass "7 Days 7 Books", die Aktion von Books for all Eternity und Crazy for Books, von 20.-26. Februar stattfinden wird. Damit weiß ich, dass ich auf alle Fälle mitmachen werde, denn so wenig Dienste wie in der nächsten Woche hatte ich schon lange nicht mehr und werde ich auch lange nicht mehr haben. Daher passt das perfekt.
Ob ich tatsächlich 7 Bücher schaffen werde, ist allerdings fraglich. Ich werde nächste Woche nämlich auch mal zu meiner Familie fahren und muss im Zuge dessen auch gleich noch eine bestimmte Bibliothek in Linz aufsuchen, um dort noch ein paar Bücher für meine Dissertation durchzuforsten. Aber spätestens am Wochenende sollte ich relativ viel Zeit haben, daher bin ich mal zuversichtlich (und ein klein wenig ehrgeizig).

Als Listenfan habe ich mir natürlich schon Gedanken darüber gemacht, welche Bücher ich lesen könnte. Ich habe mal keine allzu dicken Wälzer geplant, sondern eher dünne bis mitteldicke Romane und fast alle auf Deutsch. So ist das wohl ganz gut machbar.
Momentan tendiere ich zu folgenden Büchern:

Kerstin Pflieger - Die Alchemie der Unsterblichkeit (eBook von der Bücherei; das wäre gut geeignet für die Zugfahrten)
Ally Condie - Matched (fast schon eine "Pflichtlektüre", da ich das Buch bald mal zurück in die Bücherei bringen sollte)
Gillian Bradshaw - Der Falke des Lichts (das wäre ein reread eines meiner absoluten Lieblingsbücher)
William Shakespeare - König Lear (fast schon eine SuB-Leiche, da wärs echt mal an der Zeit ...)
Daniel Glattauer - Ewig dein (hab ich noch nicht, aber das ist eins der Bücher, das ich unbedingt haben möchte und wo ich sicher auch nicht aufs Taschenbuch warte, also werd ich mir das wohl gönnen)
George R. R. Martin - Die Flamme erlischt (um noch ein Buch zu lesen, das schon seit einer Weile auf meinem SuB liegt)
Kate Mosse - Die achte Karte (um auch ein Hörbuch darunter zu haben; dieses hier war mal wieder so ein Gratis-Download von Audible - mal sehen, ob es was taugt)
Und für zwischendurch nehm ich vielleicht noch ein Kinderbuch von meiner Familie mit.

Ich freu mich schon wahnsinnig auf die Aktion und kann kaum noch erwarten, dass die nächste Woche beginnt. Ich bin nur noch etwas ratlos, wie ich mit den bereits begonnen Büchern verfahren soll. "Die Herrin von Wildfell Hall" und "Roter Hibiskus" könnte ich bis dahin eh beendet haben, aber "Fool on the Hill" schaff ich sicher nicht so schnell. Also pausieren? Oder auch nebenher weiterlesen? Ich weiß es noch nicht.

Montag, 13. Februar 2012

Heather Gudenkauf - Das Flüstern der Stille


Genre: Thriller/Familiendrama
Seiten: 368
Verlag: Mira Taschenbuch
ISBN: 978-3899418682
Meine Bewertung: 3,5 von 5 Sternchen





Zwei Familien stellen eines Morgens fest, dass ihre siebenjährigen Töchter Petra und Calli über Nacht verschwunden sind. Die beiden Mädchen sind beste Freundinnen, obwohl Calli seit drei Jahren kein Wort mehr gesprochen hat. Doch niemand weiß, ob ihr Verschwinden miteinander in Zusammenhang steht und was geschehen sein könnte. Und in all der Panik und Aufregung lassen auch gegenseitige Beschuldigungen nicht lange auf sich warten.

"Das Flüstern der Stille" beginnt mit vielen Perspektiven und macht einem den Einstieg nicht gerade leicht: Mehrere Ich-Erzähler (sowie eine 3. Person - Calli) wechseln immer schon nach wenigen Seiten, was zunächst etwas verwirrend ist. Mit der Zeit kam ich damit besser klar, aber ich bin allgemein kein Fan von allzu schnellen Wechseln. Kaum hat man sich in eine Figur hingefunden, wird man schon wieder hinausgeworfen und muss mit der nächsten klarkommen. Bei Ich-Erzählern ist die Sache noch etwas heikler, zumal die Figuren hier alle dieselbe Erzählstimme haben. Dadurch klingen vor allem die Kinder nicht besonders authentisch, da Wortschatz und Formulierungen überhaupt nicht an ihr Alter angepasst werden. Auch Callis Bruder, der 12jährige Ben, klingt viel eher wie ein Teenager um die 15 - und verhält sich auch so.

Was solche Dinge betrifft - Figuren und vor allem die Erzählstimme in der Ich-Perspektive - bin ich sehr pingelig, daher hat mich das wohl auch übermäßig gestört, obwohl der Roman sonst sprachlich sehr gut zu lesen ist.
Die Figuren sind ansonsten auch durchaus klar charakterisiert, und ich fand es spannend, mehr über ihre Vergangenheit zu erfahren. Allgemein geht es in dem Roman sehr viel um das Leben und die Probleme in den jeweiligen Familien sowie um die bisherige Lebensgeschichte der einzelnen Ich-Erzähler. Wer also einfach nur einen geradlinigen und actionreichen Thriller erwartet, wird mit diesem Roman sicherlich nicht auf seine Kosten kommen. Allgemein tritt die eigentliche Thrillerhandlung teilweise stark in den Hintergrund, was mich persönlich aber keineswegs gestört hat. Mich hat die Handlung trotzdem gefesselt und ich war gespannt, wie sich alles aufklären würde.

Leider war mir etwa ab der Hälfte des Buches klar, wer für Petras Verschwinden verantwortlich war und ich hatte die ganze Zeit gehofft, es würde doch noch zu einer unerwarteten Wendung kommen. Diese kam aber nicht, was mich doch ein wenig enttäuscht hat. Ich bin bei Krimis (vor allem bei Agatha Christie) normalerweise völlig unfähig, vor der Auflösung den Mörder zu erraten, aber bei Thriller bzw. Romanen mit Thrillerelementen habe ich fast immer das Problem, dass ich schnell hinter die Auflösung komme, während die Identität des Verbrechers im Buch noch immer beinahe krampfhaft verschleiert wird. 
Auch hier hat das mein Lesevergnügen getrübt und ich frage mich wirklich, weshalb ich solche Bücher immer so schnell durchschaue, während andere Leser von unerwarteten Wendungen sprechen. Ich hatte dasselbe Problem ja etwa auch bei Isola.
Da die Thrillerhandlung bei "Das Flüstern der Stille" nicht so sehr im Mittelpunkt steht, lässt sich so etwas natürlich verkraften, aber ein wenig genervt war ich dennoch.

Insgesamt fand ich den Roman keineswegs schlecht und er ließ sich auch sehr flott dahinlesen, aber es gab doch einige Punkte, die mein Lesevergnügen getrübt haben.

Sonntag, 12. Februar 2012

Sonntagsgeplauder #13

Lesegeplauder

Ich stecke momentan in einem echten Zwiespalt. Und zwar geht es um den Roman "Fool on the Hill" von Matt Ruff, den ich bereits im Jahr 2010 zu Weihnachten bekommen habe. Ich hab mir das Buch ausdrücklich gewünscht, aber irgendwie kamen mir seither immer andere Romane dazwischen, die ich lesen wollte. Nun habe ich endlich damit begonnen ... und komm einfach nicht rein. In einer Woche habe ich gerade mal um die 30 Seiten geschafft. Gut, es ist ein recht großformatiges Buch, die Schrift ist klein und entsprechend viel passt auf eine Seite drauf. Aber trotzdem ...

Hätte ich das Buch aus der Bücherei ausgeliehen, würde ich es vermutlich abbrechen. Dabei breche ich wirklich selten Bücher bereits so früh ab (ich mag ja allen eine Weile lang eine Chance geben), aber derzeit muss ich mich wirklich zwingen weiterzulesen - und nach 2-3 der umfangreichen Seiten (ich lese auf Englisch ja auch recht langsam) reicht es mir schon wieder.
Tja, was mach ich jetzt bloß mit dem Buch? Aufhören und irgendwann später nochmal versuchen? Weiterlesen und hoffen, dass es mir dann doch noch gefällt? Endgültig aufgeben und einen liebevollen neuen Besitzer suchen, der mehr damit anfangen kann als ich?


Challengegeplauder

Ich hab mir Klassiker-Nachschub besorgt und auch gleich mit "Die Herrin von Wildfell Hall" begonnen. Eigentlich hatte ich mir ja das englische ebook gratis vom Project Gutenberg runtergeladen, aber ich habe gemerkt, dass es mir auf Englisch doch eine Spur zu anstrengend ist. Und man muss es bei Hobbies ja nun wirklich nicht übertreiben mit dem Ehrgeiz ...
Ansonsten laufen sowohl die Englisch- als auch die Themenchallenge eher so nebenbei - wirklich gezieltes Lesen wird für die Themenchallenge bei mir wohl erst beginnen, wenn ich zu den "schwierigeren" Themen komme, die auch noch nicht durch weitere Bücher für die Klassiker-Challenge abgedeckt sind.
Außerdem möchte ich bald mal wieder etwas für die 2.-Chance-Challenge lesen. Entweder "Der Falke des Lichts" oder aber ich nehme bei meinem nächsten Familienbesuch mal wieder ein Kinderbuch mit. Mal schauen ...


Eco bis zum Abwinken

Um Weihnachten herum gab es von kobo ein ganz besonderes Angebot: Alle fünf historischen Romane von Umberto Eco (Der Name der Rose; Baudolino; Die Insel des vorigen Tages; Das Foucaultsche Pendel; Der Friedhof in Prag) als kostenloses eBook. Ein unschlagbares Angebot, auch wenn die Sache einen Haken hat: Alle fünf Bücher sind zusammen in einem epub, das dann also über 3000 Seiten hat und meinen armen, kleinen Reader ganz schön herausfordert. Ich hab jetzt nur mal probeweise mittendrin reingelesen, aber ab und zu dauert es da schon ein bisschen länger mit dem Umblättern. Aber naja, da gilt wohl: Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul ;-)

Auf meinen SuB habe ich die Bücher deshalb noch nicht aufgenommen, weil ich mir selbst noch nicht sicher bin, welche Romane ich tatsächlich mal lesen möchte. Ich habe nämlich ein kleines Eco-Problem, das ich mir selbst nicht so ganz erklären kann. Sowohl "Der Name der Rose" als auch "Baudolino" habe ich bereits mal angefangen zu lesen und nach einer Weile abgebrochen. Irgendwie ist mir Eco einfach zu anstrengend, wobei ich jetzt nicht wirklich erklären kann, inwiefern es soviel entspannender ist, Thomas Mann oder Günter Grass zu lesen. Ehrlich, ich bin studienbedingt wirklich "hart im Nehmen" und schrecke vor anspruchsvoller Literatur keineswegs zurück, aber Eco und ich ... irgendwas funktioniert da nicht.
Aber gut, ich werde ihm doch noch mal eine Chance geben - vermutlich mit dem Foucaultschen Pendel, das ich ohnehin mal lesen wollte.


Ersehnte Fortsetzung

Schon seit längerem schaue ich immer wieder aufgeregt bei Amazon, ob es schon ein Erscheinungsdatum für den Folgeband zu Daughter of Xanadu  gibt. Nun hat mich die Neugierde überwältigt und ich hab einfach mal ganz frech die Autorin gefragt. "Son of Venice" soll im Mai erscheinen und damit wird die Geschichte von Emmajin und Marco Polo vermutlich abgeschlossen sein. Wobei Dori Jones Yang meinte, sie wüsste durchaus, was dann weiter geschieht. Also wer weiß ... ;-)
Hingegen habe ich zum 3. Teil der Cicero-Trilogie von Robert Harris immer noch keine Informationen gefunden und ich bezweifle eher, dass man in dem Fall großartig was vom Autor erfahren würde. *g*
Und mit dem 3. Band von Daniela Knors "Elbensang"-Trilogie sieht es auch nicht viel besser aus. Der 1. und 2. Band sind ja in recht kurzem Abstand erschienen (Herbst 2008 und Frühling 2009), aber seither hört man nichts mehr davon. Ich würde ja schon gern noch diese Trilogie zu Ende lesen, aber ich merke schon, dass ich mich an vieles nicht mehr erinnern kann und ich hatte ja die Bücher auch nur ausgeliehen. Also wenn der Abschlussband nicht bald erscheint, weiß ich nicht so recht, ob ich ihn überhaupt noch lesen werde.
Tja, wie oft habe ich mir schon vorgenommen, keine unvollendeten Serien mehr zu beginnen? Ich werde es nie lernen ...


Bibliotheka Phantastika

Seit einer ganzen Weile überlege ich, mich als Rezensentin bei der Bibliotheka Phantastika zu bewerben. Es würde mich sehr reizen, aber ich bin immer noch etwas unentschlossen.
Hier auf meinem Blog plaudere ich immer nur so gemütlich über Bücher, dass ich mir gar nicht mehr sicher bin, ob ich überhaupt noch "ordentliche" Rezensionen schreiben kann. Gerade deshalb wäre es aber gut, wenn ich mich dazu mal wieder zwingen würde. Im Studium hatte ich damit schließlich auch keine Probleme.
Allerdings würde das wohl zur Folge haben, das das Genre, das mir doch immer noch am meisten am Herzen liegt - nämlich die klassische Fantasy - nur noch wenig Raum hier auf meinem Blog haben würde. Rezensionen für die BP sind exklusiv, ich könnte sie also nicht hier veröffentlichen. Und das wäre schon ein wenig schade.
Ich muss mir das wohl noch ein wenig durch den Kopf gehen lassen.


Leserunden

Was mir ebenfalls durch den Kopf geht ist, ob ich mich nicht mal bei leserunden.de registrieren und da ab und an bei einer Leserunde mitmachen soll.
Nicht immer nur alleine für sich zu lesen und ein bisschen Austausch zu haben, wäre sicher mal nett.
Macht ihr denn öfter bei solchen Leserunden mit und wie findet ihr das? Macht euch das Spaß oder fühlt ihr auch da in irgendeiner Weise eingeschränkt oder zu sehr vorangetrieben?

Mittwoch, 8. Februar 2012

[31 Tage - 31 Filme] Tag 2 – Welcher ist dein Lieblingsfilm?

Hm, irgendwie ist diese Frage nicht viel leicher zu beantworten als die nach meinem Lieblingsbuch. Ich kenne einige Filme, die mich auf irgendeine Weise sehr beeindruckt haben und die ich wirklich toll fand, so etwa "American Beauty", "Lost in Translation", "Truman Show", "Memento", "Brokeback Mountain" und "Das weiße Band", um mal nur ein paar zu nennen.
Dann gibt es Filme, die ich schon zigmal gesehen habe und trotzdem nicht als Lieblingsfilm bezeichnen würde (z.B. "Chocolat"), weil sie mich dafür doch nicht tief genug berührt haben.

Ein Film, der mich hingegen wirklich berührt hat und den ich auch immer wieder sehen könnte, ist Big Fish.


Falls ihr jetzt etwas anspruchsvolleres erwartet habt: Tut mir Leid. ;-)
Aber "Big Fish" ist einfach ein wunderschöner Film voller Fantasie, Skurrilitäten, genialer Details, Humor und einer großen Lust am Geschichten erzählen. Es ist ein Gute-Laune-Film, obwohl ich am Ende immer ganz fürchterlich heulen muss. Wenn sich schließlich die Geschichten und die Wirklichkeit verbinden und man erkennt, was der wahre Kern hinter all den Erzählungen von Edward Bloom ist, dann ist das einfach unglaublich schön und berührend.
Dieser Film ist wie ein Lobgesang auf die Fantasie und die Lust des Erzählens; ein Film, der verzaubert und den grauen Alltag ein klein wenig bunter macht.

Montag, 6. Februar 2012

Märchen, Labyrinthe und ein Familiendrama

Diesmal gibts gleich vier Kurzezension in einen Beitrag gestopft. ;-) Ich will einfach zu all diesen Büchern ein paar Worte verlieren, komme aber momentan nicht dazu, sie ausführlich zu rezensieren.

Lilach Mer - Der siebte Schwan 

Die verträumte Mina folgt dem Lied eines Drehorgelspielers und gerät auf diese Weise mitten hinein in die Welt der Tater, der Sagen und Märchenwesen. Auf der Suche nach ihren Brüdern, von denen sie nur eine alte Fotografie besitzt, muss sie so manche Opfer bringen und sich Gefahren aus beiden "Welten" stellen.
"Der siebte Schwan" basiert vor allem auf zwei Märchen der Brüder Grimm, wenn auch die Strukturen dieser Märchen eher auf einer tieferen Ebene zu erkennen sind als an der Oberfläche. Auch sonst schöpft Lilach Mer aus Märchenmotiven und norddeutschen Sagen - und doch bleibt ihr Roman etwas ganz eigenes.
Die Sprache ist wunderschön und manches Mal ebenso rätselhaft wie manche Teile der Handlung. Man kann diesen Roman sicher mehrmals lesen und jedes Mal noch etwas neues entdecken.
"Der siebte Schwan" ist wie ein seltener Edelstein - ein kostbares, verträumtes Buch, wie man es nicht oft findet. Da braucht man sich nicht lange zu fragen, weshalb der Roman damals aus tausenden Einsendungen in die Endauswahl des Heyne-Wettbewerbs kam.
Leider ist die Geschichte ab und zu ein kleines Bisschen zu rätselhaft und zu ausführlich erzählt, ansonsten aber rundum gelungen.
4,5 Sternchen

Joanne K. Rowling - Die Märchen von Beedle dem Barden

Als ich zuletzt bei meiner Familie war, habe ich meiner Nichte dieses Buch entführt - und konnte es ihr eine gute Stunde später schon wieder zurückgeben. Ein allzu langes Lesevergnügen beschert einem dieses dünne Büchlein also nicht.
Abgesehen von der bekannten Geschichte von den drei Brüdern, die man bereits aus "Harry Potter and the Deathly Hallows" kennt, werden noch vier weitere kurze Märchen erzählt. Sie sind nett, keine Frage, allerdings nicht sonderlich originell. Das schönste Märchen ist meiner Meinung nach ohnehin das von den Heiligtümern des Todes. Die anderen können bei weitem nicht eine solch kraftvolle Wirkung entfalten.
Zu jedem Märchen gibt es Anmerkungen von Dumbledore, die sehr kurzweilig und witzig zu lesen sind. Teilweise sind diese Anmerkungen sogar interessanter als die Märchen selbst, wobei ich mich frage, ob sie mit ihren augenzwinkernden Seitenhieben auf die Literaturwissenschaft auch für Kinder lesenswert sind (da muss ich wohl mal meine Nichte fragen).
Eine nette Unterhaltung für zwischendurch - nicht mehr und nicht weniger.
3 Sternchen

James Dashner - Im Labyrinth
Hörbuch

Ohne Erinnerung findet sich Thomas gemeinsam mit anderen jugendlichen Jungs auf einer Lichtung wieder, die von einem riesigen Labyrinth umgeben ist. Dessen Mauern verschieben sich in jeder Nacht - doch was hat es damit auf sich?
Das ist einer der Romane, bei dem mich einfach die Ausgangssituation interessiert hat, etwa so wie bei "Die Ritter der vierzig Inseln". Leider hat mir dieses Hörbuch ebenso wenig zugesagt wie Lukianenkos Roman. Nicht, dass es wirklich schlecht gewesen wäre, aber es hat mich nicht gerade vom Hocker gerissen. Die Figuren bleiben in der Charakterzeichung sehr oberflächlich, die Beschreibungen wiederholen sich immer wieder und die Handlung tritt zeitweise sehr auf der Stelle. Irgendwann habe ich nur noch weiter gehört, weil ich die Auflösung wissen wollte. Die fand ich dann nicht wirklich überzeugend und logisch, allerdings bleibt vieles vorerst ohnehin noch unklar. Ich bezweifle allerdings, dass ich den nächsten Band noch lesen werde - und somit werde ich also nie erfahren, ob letztendlich doch noch alles auf eine nachvollziehbare Weise erklärt wird.
2,5 Sternchen

Donna Milner - River

Ich mag Romane, die zwischen der Gegenwart und der Vergangenheit wechseln und von einer vermeintlich heilen Welt berichten, die schließlich zerstört wird. Der Auslöser für das Familiendrama, das lange im Dunkeln bleibt, ist hier River, ein junger Mann, der als Kriegsdienstverweigerer auf einer Farm in Kanada landet und dort das Leben der 14jährigen Natalie kräftig durcheinanderwirbelt.
Ein schöner Roman, der mich durchwegs gefesselt hat und der sehr anschaulich von dem Leben auf der kleinen Milchfarm erzählt. Die permanenten Andeutungen auf die fürchterlichen Dinge, die damals geschahen, fand ich zwar etwas plakativ, aber nun ja, sie haben funktioniert: Ich konnte teilweise kaum aufhören zu lesen, weil ich unbedingt wissen wollte, was denn nun genau geschehen ist. Manches war natürlich bereits zu erahnen, aber Donna Milner legt dann noch eins drauf ... und noch eins ... und noch eins.
Ja, das ist dann auch mein Hauptkritikpunkt an diesem sonst sehr empfehlenswerten Roman: Es ist alles ein wenig zuviel des Guten. Die Hälfte der Tragöden hätte es auch getan - so wurde es dann nicht nur überladen, sondern auch einfach unglaubwürdig.
4 Sternchen

Sonntag, 5. Februar 2012

Sonntagsgeplauder #12

Schreibgeplauder
Letzte Woche habe ich zumindest am Montag und Dienstag sehr viel geschrieben und die Göttersteine ein Stück weitergebracht. Zwei weitere Handlungsstränge sind jetzt zusammengeführt und ich nähere mich mit riesigen Schritten dem Ende.
*Schweigeminute*
So ganz kann ich mir das noch nicht vorstellen, dass ich dieses Langzeitprojekt tatsächlich mal beenden könnte (okay, von dem weiteren Überarbeiten mal abgesehen); es ist schon ein seltsames Gefühl. Vielleicht zögere ich das Ende auch deshalb so raus.

Lesegeplauder
Derzeit habe ich wieder eine Unmenge an Diensten, die mir zumindest teilweise Zeit zum Lesen lassen. Das klingt übrigens viel himmlischer als es ist - ich würde nämlich auf der Stelle und ohne zu Zögern meine Nebenjobs gegen eine Stelle eintauschen, bei der ich zwar nicht mehr zum Lesen komme, die mich aber wirklich interessiert und die auch meinen Fähigkeiten entspricht.
Nun ja, wie auch immer. Einige Bücher harren noch darauf, rezensiert zu werden, aber immerhin zu "Green Phoenix" hab ich schon mal eine Rezension geschrieben.
"Weißer Schrecken" von Thomas Finn habe ich vorerst abgebrochen - nicht, weil ich das Buch schlecht finde, sondern weil ich einfach zu schwache Nerven für solche Romane habe. Jaja, lacht ruhig. ;-) Ich habs gerade einmal bis etwa Seite 100 geschafft, da wurde es mir schon zu gruselig. Dabei finde ich den Roman wirklich spannend und interessant, aber ich befürchte, ich könnte es bereuen, wenn ich ihn weiterlese (wenn ich nämlich dann nachts im Bett liege und meine lebhafte Vorstellungskraft nicht abstellen kann ...).
Mal sehen, ob ich den Roman doch noch weiterlese, aber wohl eher nicht. Ach ja, ich Weichei. *g*

Challengegeplauder
Ich habe beschlossen, bei der Vokabelchallenge von Lettersalad mitzumachen, die sich ja durchaus gut in Einklang bringen lässt mit der Englisch-Challenge. Bei der bin ich übrigens wieder sehr brav, während ich mir für die Klassiker-Challenge noch Lesestoff besorgen muss. Letzte Woche hatte ich ja überlegt, mir "The Tenant of Wildfell Hall" als eBook runterzuladen - ja, das habe ich auch gemacht, aber ich glaube, das wird mir auf Englisch doch zu anstrengend. Da muss doch die deutsche Version her.

Neuzugang
Derzeit bin ich ja wirklich sehr brav, was neue Bücher betrifft. Gekauft (im Sinne von: eigenes Geld ausgegeben) habe ich in diesem Jahr noch gar keins, aber ich habe den Rest meines Weihnachtsgutscheins für "Das Flüstern der Stille" von Heather Gudenkauf ausgegeben. Das wird mich heute Nachmittag auch gleich mit zu meinem Dienst begleiten. 
Ich weiß gar nicht mehr, wo ich auf das Buch aufmerksam geworden bin, aber ich bin schon sehr gespannt darauf. :-)  



Ansonsten möchte ich in nächster Zeit wieder ein paar Fragen meiner diversen Aktionen beantworten oder vielleicht auch mal wieder eine Romanfigur vorstellen. Mal sehen, wann ich dazu komme. Vorher möchte ich wirklich endlich die anstehenden Rezensionen schreiben und außerdem den Offenen Bücherschrank Neubau vorstellen, den ich ja nun schon vor einer Weile extra dafür fotografiert habe.
Außerdem freue ich mich auf die "7 Days 7 Books"-Aktion von Books for all Eternity, die voraussichtlich von 20.-26. Februar stattfinden wird. Und damit würde mein einziges komplett dienstfreies Wochenende seit Weihnachten genau in diese Zeit fallen. Ich glaube zwar trotzdem nicht, dass ich 7 Bücher schaffen werde (Dissertation und so), aber dennoch stelle ich mir so eine Lesewoche sehr nett vor. :-)

Samstag, 4. Februar 2012

Thomas Burnett Swann - Green Phoenix


Genre: Phantastik
Seiten: 150
Verlag: Wildside Press
ISBN: 978-1434430984
Meine Bewertung: 4,5 von 5 Sternchen

English-Challenge  (Februar) 


"Aeneas must die."
Das beschließt die Königin der Dryaden, als Aeneas mit seinen Männern an der italischen Küste anlegt, um dort nach langen Reisen hoffentlich endlich sein "zweites Troja" gründen zu können. Aber die Dryaden wollen keine Eindringlinge in ihrem Wald dulden - und schon gar keinen brutalen Krieger, der Dido herzlos in den Selbstmord getrieben hat.
Aber die Dryade Mellonia merkt bald, dass Aeneas anders ist als man ihn ihr beschrieben hat und gerät auf diese Weise in einen gefährlichen Konflikt.

Kurz beschrieben klingt der Inhalt sehr banal und wie schon hundertmal dagewesen. Aber Swanns Roman ist eine ganz besondere kleine Geschichte - eine Geschichte der leisen Töne, die tief in die Mythologie der klassischen Antike eintaucht und von Faunen, Zentauren, Dryaden und besonderen Wäldern erzählt.
Dabei schafft Swann mit seiner Sprache eine Atmosphäre, die einen ganz tief in diese altertümliche Welt eintauchen lässt. Es ist eine zauberhafte, zugleich aber melancholische Welt, da das "Goldene Zeitalter" unweigerlich vorbei ist und die Wesen des Waldes das auch spüren. Aeneas, als Held des trojanischen Krieges, der ein wenig etwas Übermenschliches an sich hat, scheint selbst ebenfalls einer vergangenen Zeit anzugehören, während sein Sohn Ascanius (den er Phoenix nennt - daher der Titel) mehr im Hier und Jetzt verankert ist und auch mehr in diese "neue Zeit" gehört.
Wenn ich schreibe "übermenschlich", dann meine ich damit aber nicht, dass Aeneas ein makelloser Held ist. Man kann ihn, den Träumer und Dichter, Anführer wider Willen und Vater mit Leib und Seele, überhaupt nur schwer in Worte fassen. Ich mochte ihn als Figur wahnsinnig gern; man könnte fast sagen, dass ich einen ziemlichen Narren an ihm gefressen habe. ;-)
Aber so ging es mir auch schon mit Christa Wolfs Aineias in "Kassandra", und Swanns Held lässt sich mit diesem durchaus in Einklang bringen.
Ascanius ist der praktischere, aber auch etwas rücksichtslosere Gegenpart, den trotz aller Unterschiede eine sehr tiefe Liebe mit seinem Vater verbindet. Die Beziehung zwischen den beiden wird wirklich sehr schön gezeichnet und wirkt hier, da sie nun beide erwachsen und gewissermaßen ebenbürtig sind, fast noch enger als in "Queens Walk in the Dusk".

Ach ja, Stichwort "Queens Walk in the Dusk". Das ist leider der einzige Wehrmutstropfen an dem Roman. "Green Phoenix" war der frühere Roman - Swann hat erst ein paar Jahre später die Vorgeschichte geschrieben, die von Dido und Aeneas erzählt. Das Problem ist aber, dass der Autor entweder selbst nicht mehr wusste, wie er manche Einzelheiten beschrieben hatte (das hätte er dann vielleicht nochmal nachlesen sollen) oder aber er hat sie bewusst verändert. Was auch immer der Grund dafür ist, es gibt auf alle Fälle einige größere Widersprüche zwischen den beiden Romanen. So stimmen sie zeitlich nicht zusammen. Seit dem Verlassen von Karthago sind 5 Jahre vergangen und demnach wäre Ascanius damals ein 15jähriger Jugendlicher gewesen. In "Queens Walk in the Dusk" ist er aber ein Kind. Auch Dido wird anders beschrieben und Ascanius mochte sie angeblich nicht, obwohl das in der Vorgeschichte ganz anders beschrieben wird.
Nun kann ich das eigentlich nur schwerlich "Green Phoenix" ankreiden, da die Version darin ja die ursprünglichere ist. Aber da ich nun mal das Prequel zuerst gelesen habe, bin ich hier nun immer wieder über die Widersprüche gestolpert und sie haben doch ein wenig mein Lesevergnügen getrübt. Das finde ich schade, da sie ja zu vermeiden gewesen wären.

Abgesehen davon ist "Green Phoenix" aber ein wunderschön geschriebener, phantastischer Roman, der am ehesten noch mit den Büchern von Patricia McKillip vergleichbar wäre (wenn man denn Vergleiche suchen möchte) - allerdings ohne so rätselhaft zu sein. Und Swanns Geschichten sind auch deutlich "sinnlicher", ohne aber direkt erotisch zu sein.
Sein Englisch ist übrigens sehr gut verständlich, obwohl er zu ausschweifenden Beschreibungen neigt und oft auch einige wenig gebräuchliche Vokabeln verwendet. Aber man kann sich in seine poetische Sprache sehr gut und schnell reinlesen.

4,5 Sterne für einen fast perfekten Roman, an dem mich nur die Widersprüche zur Vorgeschichte massiv irritiert haben.

Jetzt muss ich es nur noch schaffen, den 3. Teil "The Lady of the Bees" irgendwo aufzutreiben, in dem allerdings von den bekannten Figuren nur noch Mellonia dabei sein wird.

Freitag, 3. Februar 2012

Die Vokabelchallenge von Lettersalad

Ich werde dieses Jahr noch bei einer Challenge der etwas anderen Art mitmachen und zwar bei Lettersalads Vokabelchallenge.
Im Wesentlichen geht es dabei darum, sich bei fremdsprachiger Lektüre (es muss nicht Englisch sein) einige unbekannte Vokabeln rauszuschreiben und diese dann bis Ende des Jahres zu lernen. Die genauen Regeln könnt ihr bei Lettersalad nachlesen.

Warum diese Challenge? Nun ja, mein Problem ist, dass sich bei all dem Lesen auf Englisch mein aktiver Wortschatz überhaupt nicht vergrößert. Dabei schlage ich, seit ich englische Bücher vor allem auf meinem Sony-Reader lese, durchaus so einige unbekannte Wörter nach (ist ja mit kurzem Tippen auf das Wort erledigt). Aber ich merke mir dieses Wort dann nicht. Gut, manche merke ich mir zumindest passiv, dass ich sie also verstehe, wenn ich das nächste Mal darüber stolpere. Aber von einem tatsächlichen Lernen kann keine Rede sein.

Dem möchte ich also mit dieser Challenge entgegenwirken. Und da ich dafür ja keine bestimmte Bücher lesen muss, sondern einfach nur auch weiterhin brav regelmäßig englische Bücher, lässt sie sich auch gut ohne Stress unterbringen.
Meine zu lernenden Vokabeln werde ich auf dieser Liste sammeln - und wie ihr seht, habe ich mir jetzt mal ganz motiviert vorgenommen, in diesem Jahr auch wieder etwas auf Norwegisch zu lesen. Vielleicht ein Bilderbuch ... *hüstel*

Mittwoch, 1. Februar 2012

Von Liebe, Tod und Ehre - das war der Januar

Der Anmeldeschluss zu meiner Challenge ist jetzt offiziell vorbei und somit ist Zeit für einen ersten Überblick.
Mich selbst eingerechnet, sind es unglaubliche 36 Teilnehmer, die sich in diesem Jahr durch verschiedene große Themen lesen wollen. Ich bin immer noch ganz überwältigt, habe ich doch nicht mit mehr als vielleicht 10 Teilnehmern gerechnet. ;-)
Das bringt jetzt aber auch das Problem mit sich, dass ich noch nicht ganz weiß, wie ich mit diesem großen Teilnehmerfeld am besten umgehe. Denn mein eigentlicher Plan, einmal im Monat einen kleinen (aber umfassenden) Überblick zu posten, ist so wohl nicht durchführbar. Ich habe jetzt zwar eine ganz tolle Liste angelegt, die mir dabei hilft, doch noch einen gewissen Überblick zu wahren, aber dennoch muss ich das Ganze wohl etwas anders angehen.
Daher werde ich versuchen, jeden Monat einen kleinen Streifzug hier zu posten.

Im Januar waren viele bereits sehr fleißig. Ich selbst habe drei Themen abgedeckt (es wird sicher aber auch Monate geben, in denen ich gar nichts Passendes lese), aber es gibt auch einige Teilnehmerinnen (ich glaube, es sind nur Frauen bei der Challenge dabei - korrigiert mich, wenn ich falsch liege) die schon 5 oder mehr Themen durchlesen haben. Meine Güte wart ihr fleißig!
Vielleicht hätte ich also doch alle 20 und nicht nur 10 Themen voraussetzen sollen - denn die Challenge soll ja schon noch eine Herausforderung sein. ;-)

Insgesamt wurde bereits zu jedem Thema mindestens ein Buch gelesen und ich sehe auch keine wirkliche Dominanz eines einzelnen Themas. Es ist also bisher eine bunte Mischung und es ist spannend zu sehen, was ihr anderen alle so gelesen habt. So hat Mila sich todesmutig auf den "Graf von Monte Christo" (also auf einen rechten Ziegelstein) für die Rache gestürzt, was ich natürlich spannend finde, da dies auch mein Buch für dieses Thema werden soll. Solitary hat sich für das Thema Freundschaft ein Kinderbuch ausgesucht, was ich insofern interessant finde, da ich den Eindruck habe, dass gerade Freundschaft ein Thema ist, das in Kinderbüchern sehr oft zu finden ist - in "erwachsener" Literatur hingegen eher selten. Ein Buch wurde bereits von drei Teilnehmerinnen (von Rosa, Caro und Nanni) gelesen und zwar "Die Bestimmung" von Veronica Roth für das Thema Dystopie; ansonsten kam bisher noch nichts doppelt vor. 
Soweit also ein kleiner Einblick.

Eine Sache macht mich aber gerade etwas ratlos: Ich wollte mich in die Auswahl der Bücher gar nicht einmischen, solange nicht direkt jemand mit Fragen zu mir kommt. Es ist ja auch oft schwierig zu beurteilen, ob ein Buch nun zu einem Thema passt oder nicht, wenn man es selbst nicht gelesen hat.
Bei meiner Blogrundreise bin ich allerdings auf das eine oder andere Buch gestoßen, das ich selbst auch gelesen habe, und das meiner Meinung nach nicht zu dem gewählten Thema passt. Bzw. auch auf Bücher, die ich nicht kenne, bei denen ich aber den Eindruck habe, das sie das Thema lediglich streifen.
Nun weiß ich nicht, ob ich mich in solchen Fällen doch einmischen soll oder nicht. Letztendlich ist das ja auch sehr viel Interpretationssache, aber es lässt mir doch nicht gänzlich Ruhe. Was meint ihr denn dazu?
Grundsätzlich möchte ich in diesem Zusammenhang nochmal zwei Dinge zu bedenken geben:
1. Das Thema sollte wirklich im Mittelpunkt stehen und nicht etwas sein, das eben auch am Rande im Buch vorkommt.
2. Versucht nicht krampfhaft, alle eure gelesenen Bücher einem Thema zuzuordnen. Nicht alle Romane stellen überhaupt ein Thema in den Mittelpunkt und das Jahr ist ja auch noch lange genug, dass ihr euch da nicht stressen müsst. ;-)

Bei drei Blogs (kattiesbooks, Bücher ohne Ende, myriam kreativ) habe ich übrigens noch keinen Beitrag zur Challenge gefunden. Da das eine meiner wenigen Teilnahmebedingungen war, werde ich demnächst mal nachfragen. ;-) Ich schließe nicht aus, dass ich einfach mit Blindheit geschlagen war, aber da zwei der Blogs eine Liste von Challenges haben, meine aber nicht darunter ist, weiß ich nicht, ob ihr noch mit dabei sein wollt.
Falls ihr hier mitlest, könnt ihr mir auch gern einen Link zu eurem Beitrag/eurer Challengeüberblickseite in den Kommentaren posten - oder es hier vermelden, falls ihr doch nicht bei der Challenge dabei sein wollt.

So, das war also der Januar. Ich habe mich schon richtig darauf gefreut, den ersten Monatsüberblick zu meiner Challenge posten zu können - aber jetzt habe ich das Gefühl, als hätte ich doch nicht wirklich viel darin untergebracht. Mal sehen, ob ich das in den nächsten Monaten etwas anders handhaben werde.