Mittwoch, 25. April 2012

Agatha Christie - Endless Night


Genre: Krimi
Seiten: 304
Verlag: Harpercollins
ISBN: 978-0007151677
Meine Bewertung: 3 von 5 Sternchen

English-Challenge (April)


Every night and every morn,
Some to misery are born,
Every morn and every night,
Some are born to sweet delight.
Some are born to sweet delight,
Some are born to endless night.
(William Blake, Auguries of Innocence)

Michael Rogers hat bisher ein unstetes Leben geführt und sich mit verschiedenen Gelegenheitsjobs über Wasser gehalten. Doch dann stößt er durch Zufall auf "Gipsy's Acre", das zum Verkauf steht, und er träumt fortan von diesem Grundstück. Als er die reiche Erbin Ellie kennenlernt, scheint sein Traum in greifbare Nähe zu rücken, aber man munkelt, ein Fluch liege auf Gipsy's Acre ...

"Endless Night" ist anders als die meisten Romane von Agatha Christe und ich bin mir auch nicht sicher, ob man es tatsächlich als Krimi bezeichnen kann. Die tatsächlichen Krimielemente tauchen erst sehr spät auf und stehen auch da nicht unbedingt im Vordergrund. Über weite Teile ist das Buch eher ein psychologische Studie.
Man lernt Michael in einem gemächlichen Einstieg ausführlich kennen, und den Großteil des Romans erlebt man mit, wie er sich mit Ellie ein gemeinsames Leben aufbaut. Der Fluch von Gipsy's Acre schwebt dabei ebenso als stetige Bedrohung über ihnen wie auch Ellies Verwandte und Bekannte, die über die Verbindung zu dem Taugenichts Michael nicht sehr glücklich sind.
Es ist also eine unterschwellige Spannung da, die auch noch aus einem anderen Grund entsteht. Und nun komme ich zu dem Punkt, an dem ich nicht weiß, wie ich überhaupt noch etwas über dieses Buch schreiben kann, ohne bereits zuviel zu verraten.

Das Problem ist, dass mein größter Kritikpunkt an dem Roman zugleich der größte Wendepunkt am Ende ist (den ich natürlich nicht spoilern möchte). Ich konzentriere mich vorerst also einmal auf die positiven Dinge: Der Beginn, der Michael sehr schön charakterisiert, hat mir wirklich gut gefallen, und obwohl die Handlung dann eher dahinplätschert, habe ich mich beim Lesen nie gelangweilt. Der Roman ließt sich auch auf Englisch sehr flüssig lesen, auch wenn mir manche Dialoge arg gekünstelt vorkamen.
Mir hätte der Roman sehr gut gefallen, hätte ich nicht bereits etwa ab der Hälfte einen bestimmten Verdacht gehabt, von dem ich hoffte, er würde sich als falsch erweisen. Hat er aber leider nicht. Agatha Christie wendet nämlich in diesem Roman einen Kniff an, den ich bereits aus einem anderen Buch von ihr kannte, und den ich damals schon nicht sehr mochte. Immerhin war ich damals wirklich überrascht, während mir dieses Mal eben die zu erwartende Wendung schon früh klar war.
Das hat mein Lesevergnügen doch sehr beeinträchtigt - nicht nur, dass ich den Kniff schon früh durchschaut habe, sondern vor allem, dass ich diesen Kniff nicht mag. Daher war ich vor allem genervt, als am Ende die Auflösung kam - obwohl ich zugeben muss, dass sie recht geschickt ausgeführt ist.

Alles in allem war es für mich dadurch nur ein mittelmäßiges Lesevergnügen. Schade, denn der Anfang war wirklich interessant.

Falls jemand den Roman kennt (der auf Deutsch "Mord nach Maß" heißt), würde es mich sehr interessieren, ob es euch ähnlich damit ging wie mir.

Kommentare:

  1. Jetzt hast du mich aber irritiert mit deiner Aussage, dass der Roman nie ins Deutsche übersetzt wurde. Denn den Inhalt kenne ich und ich habe bis zum letzten Jahr die Agatha Christies nur auf Deutsch gelesen. :D

    Auch wenn das Buch bestimmt wieder arg gekürzt wurde, so ist das hier doch die deutsche Entsprechung: http://de.wikipedia.org/wiki/Mord_nach_Mass

    Laut meiner Recherche im letzten Jahr, dürfte eigentlich (aber hundertprozentig bin ich mir da auch nicht sicher) nur "Passenger to Frankfurt" noch nicht übersetzt sein.

    AntwortenLöschen
  2. Huch, stimmt. Ich hatte den Hinweis gefunden, der wäre nicht übersetzt worden ... Ich werde das gleich mal in meinem Beitrag richtigstellen. Danke!

    Der dürfte allerdings tatsächlich übelst gekürzt worden sein. Da mir insgesamt der Stil in dem Roman ganz anders (weniger knapp) als in den sonstigen vorkam und das mein erster Christie auf Englisch war, nehm ich mal an, dass das bei allen weiteren Übersetzungen ihrer Romane auch der Fall ist. :-(

    AntwortenLöschen
  3. Ich hatte bis zum letzten Jahr auch nur hier und da gehört, dass die Bücher auf Deutsch gekürzt worden seien und hatte mir dann mal die Mühe gemacht und ein paar Romane parallel gelesen. Es ist wirklich unglaublich, wie viel da wegfällt - gerade bei den eher atmosphärischen Szenen und den Charakterbeschreibungen.

    Ein Kapitel habe ich mal auf dem Blog verglichen (http://winterkatzesbuchblog.blogspot.com/2011/08/ein-detaillierter-vergleich-zwischen.html), weil ich das auch meinen Lesern zeigen wollte. Da sind es nur relativ kleine Änderungen, aber die machen unglaublich viel aus!

    AntwortenLöschen
  4. Ja, den Eintrag hab ich bei dir gelesen, da war ich schon ziemlich baff (mir war nie bewusst, dass die Übersetzungen gekürzt sind). Aber erst jetzt beim Lesen von "Endless Night" (und wenn man die Seitenzahlen des englischen und deutschen Buchs vergleicht) ist mir so richtig bewusst geworden, wie krass die Kürzungen tatsächlich sein müssen.

    Vielleicht guck ich mal, ob es "Mord nach Maß" in der Bücherei gibt - ein direkter Vergleich von der einen oder anderen Seite würde mich da jetzt wirklich interessieren.

    AntwortenLöschen
  5. Wenn du das Buch finden solltest, fände ich es sehr spannend, wenn du noch ein kurzes Fazit zu den eventuellen Kürzungen posten würdest. Ich finde es unglaublich, wie sehr die Geschichten durch die "Übersetzungen" verändert werden.

    AntwortenLöschen
  6. Ich habe bei Agatha Christie auch mal Übersetzung und Original verglichen und war schockiert über die zahlreichen Kürzungen (da: http://kiyaliest.wordpress.com/2011/06/25/ich-lese-agatha-christie-halloween-partyschneewittchen-party/).

    Damit fiel für mich schnell die Entscheidung, die Romane trotz der ansehnlichen deutschen Ausgaben ausschließlich auf Englisch zu lesen.

    AntwortenLöschen
  7. Ich hab halt von einem Flohmarkt einen ganzen Stapel von deutschen Christie-Büchern hier (mittlerweile bin ich allerdings mit den meisten durch) und in der Bücherei gibts auch fast nur deutsche, daher hab ich vorher noch nie einen Krimi von ihr auf Englisch gelesen.
    Wenn ich mir aber bewusst einen kaufe, werde ich von jetzt an bestimmt auch nur noch zu englischen greifen.

    AntwortenLöschen

Anregungen, Lob, Tadel? Immer her damit, ich freu mich über alle Kommentare!
Nur nicht über Spam, mit dem ich seit dem Abschalten der Sicherheitsabfrage schon wieder überflutet werde - daher versuche ich es jetzt einmal mit Moderation.