Donnerstag, 31. Mai 2012

Robert Löhr - Krieg der Sänger



Genre: Historischer Roman
Seiten: 320
Verlag: Piper
ISBN: 978-3492054515
Meine Bewertung: 4,5 von 5 Sternchen



Im Jahr 1206 versammelt Landgraf Hermann von Thüringen einige der bedeutendsten Dichter seiner Zeit auf der Wartburg. Aus der friedlichen Zusammenkunft entwickelt sich ein Wettstreit mit hohem Einsatz: Der Verlierer des Sängerkrieges soll seinen Kopf verlieren. Doch hinter dem Wettstreit scheint noch etwas ganz anderes zu stecken und Biterolf von Stillaha, der unbedeutendste der Dichter, bringt eine ungeheuerliche Intrige ans Tageslicht.

Die aus der mittelhochdeutschen Spruchdichtung bekannte Geschichte von dem Sängerkrieg auf der Wartburg erzählt Robert Löhr hier auf seine ganz eigene Weise. Auf die Figur des Zauberers Klingsor verzichtet er dabei und so wird aus der Legende ein historischer Roman, dessen einzige phantastische Komponente die Rahmenhandlung (der Teufel erscheint Luther auf der Wartburg und erzählt von dem Sängerstreit) darstellt.
Historisch ist hier nicht in dem Sinne zu verstehen, dass Robert Löhr in dem Roman in erster Linie von tatsächlich belegten Ereignissen und Personen erzählt. Die Handlung ist fiktiv und seine Interpretationen nicht als wissenschaftliche These zu lesen. Die schlechte Quellenlage für diese Zeit und vor allem für die handelnden Personen kommt ihm dabei sicher entgegen: Theoretisch spricht nichts dagegen, dass sich zumindest einige der geschilderten Ereignisse tatsächlich so zugetragen haben.
Gerade das hat die Lektüre so reizvoll gemacht und umso mehr man über mittelalterliche Dichtung weiß, umso mehr Spaß hat man meiner Meinung nach mit diesem Buch. Wenn am Ende große Parallelen zum Nibelungenlied entstehen oder die Anekdote mit Gerhart Atze und dem Pferd Eingang in den Roman findet, führt das zu einer gewissen kindlichen Entdeckerfreude. Was allerdings nicht bedeutet, dass für das Verständnis irgendein Vorwissen notwendig wäre.

Stilistisch und strukturell ist dieser Roman sicher mit Löhrs Vorgängerromanen Das Erlkönig-Manöver und Das Hamlet-Komplott zu vergleichen, auch wenn ich das Gefühl hatte, dass der Autor hier weiter weg von den Figuren war. Es gibt auch keine Identifikationsfigur in dem Sinne, was mich aber erstaunlicherweise beim Lesen nicht gestört hat.
Die Charaktere sind interessant (wenn auch nicht immer sympathisch) und die Handlung fesselt bis zum Schluss, und dass Löhr zuweilen sehr distanziert und trocken erzählt, ist eine Besonderheit des Romans, die der Spannung überhaupt keinen Abbruch tut. Wie schon das "Erlkönig-Manöver" hätte ich auch diesen Roman am liebsten in einem Rutsch durchgelesen, wenn ich nur die Zeit dazu gehabt hätte.

Wer schon Robert Löhrs frühere Romane mochte, kann wohl auch hier bedenkenlos zugreifen. Und allen, die gerne mal einen etwas anderen Mittelalterroman lesen wollen, kann ich dieses Buch ebenfalls empfehlen.
Mir hat die Lektüre wirklich Spaß gemacht und wäre mir im letzten Viertel nicht doch manches zu dick aufgetragen gewesen, würde ich dem Roman die volle Punktzahl geben. So sind es dann "nur" 4,5 Sternchen.

Dienstag, 29. Mai 2012

[30 Tage übers Schreiben bloggen] 25. Frage

Haben irgendwelche Figuren von dir Haustiere? Erzähl uns von ihnen!

Angesichts der Tatsache, dass ich Tiere so gern mag und früher auch immer Haustiere hatte, ist es eigentlich erstaunlich, dass ich hierzu nicht viel beitragen kann. Allerdings sind Haustiere im Fantasybereich so eine Sache. So ist Linn aus den "Frostpfaden" etwa mit Rentieren aufgewachsen, aber ich denke nicht, dass ich die Rentierherde einer Nomadenfamilie als Haustiere bezeichnen kann. ;-)
In den "Göttersteinen" sind meine Figuren so viel unterwegs, dass Tiere ohnehin eher problematisch wären. Und bei "Bühnenzauber" wiederum haben Tiere nirgends so recht reingepasst. Wie gesagt, in einem Fantasyumfeld kann das auch eher schwierig sein. Am ehesten hält man in einer so altertümlichen Welt nun mal Nutztiere - und da "Bühnenzauber" komplett im städtischen Bereich angesiedelt ist, fällt das auch flach.

Ich muss mich also mal den Romanen zuwenden, die im Hier und Jetzt angesiedelt sind. Da hat zumindest Emma, die Mitbewohnerin meiner Hauptfigur in "Die geraubte Seele", eine Katze. Eine wirklich große Rolle spielt diese Katze allerdings nicht.
Und Tess, eine meiner Hauptfiguren in meiner gänzlich unphantastischen Romanidee vom letzten Jahr, hat Ratten. Allerdings habe ich von diesem Roman erst so wenig geschrieben (und momentan liegt er auch auf Eis), dass ich noch nicht einschätzen kann, ob diese öfter vorkommen.

Tja, ihr seht also: Mit Haustieren sieht es in meinen Romanen eher mau aus. Früher war das anders. Natürlich, in Pferdegeschichten kommen naturgemäß viele Pferde vor, aber abgesehen davon hatten da die Protagonistinnen auch oft einen Hund oder eine einigermaßen präsente Katze als Haustier. Da ich diesen Romanen aber doch mittlerweile entwachsen bin und auch nicht über Projekte plaudern will, die schon seit mehr als 10 Jahren abgeschlossen sind, gibt es über diese Haustiere nicht allzu viel zu erzählen.

Ich glaube, ich muss mal wieder ein paar mehr Tiere unterbringen. ;-)

Freitag, 25. Mai 2012

Abgebrochen: Ein Spiel der Natur

Das hier wird keine Rezension, sondern nur eine Erklärung, weshalb ich "Ein Spiel der Natur" von Nadine Gordimer nun doch abgebrochen habe.
Dieser Roman sollte eigentlich mein Beitrag zur Klassiker-Challenge für Afrika werden. Deshalb - und weil ich doch einer Nobelpreisträgerin länger eine Chance geben möchte - habe ich mich nun seit einigen Tagen weiter durch das Buch gequält, obwohl mir schon klar war, dass wir beide nicht miteinander harmonieren. Nach 200 Seiten werfe ich also nun doch das Handtuch, da ich keinen Sinn darin sehe, mich nur deshalb weiter durch das Buch zu kämpfen, weil es nun einmal Weltliteratur ist. Das habe ich schon oft genug getan, aber da mir nun weder die Uni im Nacken sitzt noch das Buch zwingend notwendig ist für die Challenge (die hab ich eh schon geschafft), gebe ich dieses Mal mit einem etwas schlechten Gewissen auf.

Worum geht's überhaupt in dem Roman? In den 50er Jahren wächst in Südafrika das Mädchen Hillela auf, das laut Klappentext "wie durch ein Spiel der Natur ganz frei vom Rassismus ihrer Umgebung ist". Später heiratet sie dann einen schwarzen Widerstandskämpfer, aber so weit bin ich nicht gekommen.
Mein Hauptproblem mit dem Roman war Hillela. Ist sie tatsächlich frei vom Rassismus? Ja, vermutlich stimmt das schon, aber das liegt nicht an irgendwelchen großartigen Überzeugungen oder Idealen, sondern eher daran, dass Hillela sich grundsätzlich um gar nichts schert, was andere sagen oder was sich gehört. Das wäre prinzipiell ja sympathisch, aber leider geht es so weit, dass sich Hillela auf eine unglaublich gedankenlos-egozentrische Art gar nicht Gedanken über andere macht. Ob jemand sich um sie sorgt, ob sie vielleicht jemanden in eine unangenehme Situation bringt - all das spielt für sie keine Rolle. 
Da Nadine Gordimer außerdem recht weit von ihrer Heldin entfernt bleibt und teils auch eher die Gefühle der Menschen in ihrer Umgebung schildert, kam ich an Hillela nicht "ran". Sie war mir unsympathisch, ich fand sie viel zu naiv und egoistisch und da ich nur selten in ihren Kopf blicken durfte, wusste ich meist auch gar nicht, warum sie bestimmte Dinge tut (falls es für sie überhaupt jemals ein wirkliches "warum" in dem Roman gibt).
Das, was Hauptthema des Buches zu sein scheint und was mich auch am meisten daran interessiert hat, nämlich die Konflikte zwischen Schwarzen und Weißen, spielte bis zur Seite 200 nur untergeordnet eine Rolle. Wenn, dann nur im Zusammenhang mit Hillelas Tante, die sich für die Rechte der Schwarzen engagiert, während Hillela die ganze Thematik ja mal prinzipiell egal zu sein scheint. Mit ihrem Umzug in eine eigene Wohnung und der daraus resultierenden Distanz zu ihrer Familie treten diese Konflikte überhaupt völlig in den Hintergrund. Vermutlich ändert sich das dann im Laufe des Romans noch, aber es hat mich enttäuscht, dass das Thema auch bislang eher stiefmütterlich behandelt wurde.

Die Hauptfigur konnte mich also nicht packen, ihr weiteres Schicksal war mir relativ egal und die kritische Auseinandersetzung mit dem schwierigen Thema Rassismus kam bislang auch nur am Rande vor.
Damit gab es eigentlich nichts mehr, was mich an dem Buch noch fesseln konnte. Sprachlich ist es sehr anspruchsvoll, aber dennoch gut zu lesen - allerdings ist Gordimers Stil dann auch nicht so einzigartig, dass mich allein die Sprache bei der Stange gehalten hätte.
Tja, schade, dass es mit mir und dem Roman nicht geklappt hat.

Mittwoch, 23. Mai 2012

[30 Tage übers Schreiben bloggen] Frage 24

Tut mir Leid, dass es auf meinem Blog gerade so Stöckchen-lastig zugeht, aber ich bin gerade wirklich eine Leseschnecke, daher herrscht auch momentan so eine Rezensions-Flaute.
So, jetzt aber zur Frage: 

Wie bereit bist du, deine Figuren zu töten, wenn der Plot danach verlangt? Was ist die interessanteste Art, auf die du jemanden umgebracht hast?

Wenn der Plot es verlangt, dann bin ich dazu ohne weiteres bereit. Ich habe tatsächlich einmal eine Figur, deren Tod ich bereits geplant hatte, dann doch nicht getötet. Gefühlsmäßig zwar eher, weil ich es nicht übers Herz gebracht hatte, aber letztendlich war es auch wirklich notwendig, diese Figur noch weiterleben zu lassen.
Wenn aber der Plot es wirklich verlangt, dann ziehe ich auch den Tod von geliebten Figuren durch - sowas steht mir auch am Ende der Göttersteine noch bevor und ich weiß, dass es daran auch nichts mehr zu rütteln gibt. 
Ich bin auch prinzipiell kein Fan davon, wenn in einem Roman sämtliche Figuren immer alles überstehen, ganz egal, wie groß die Gefahren sind. Irgendwann höre ich dann nämlich auf, um die Figuren zu bangen, da sich der Gedanke "ist ja eh klar, dass alle überleben" einstellt. Damit meine ich jetzt nicht, dass grundsätzlich in Romanen immer jemand sterben soll. ;-) Aber es ist schon gut, wenn man merkt, dass der/die Autor/in bereit ist, in dem Fall auch zum äußersten zu gehen. 
Umgekehrt mag ich es aber auch nicht, wenn wichtige Figuren einfach in einem Nebensatz sterben. Stichwort Harry Potter und Hunger Games - bei beiden gibts ja im letzten Band so gewisse Tode, die so hopplahopp mal eben geschehen. So etwas finde ich sehr schade. Man muss einen Tod ja nicht immer ewig inszenieren wie jenen von Boromir, mit salbungsvollen letzten Worten und ähnlichem, aber es sollte doch nicht einfach nebenbei geschehen.
Ob ich das selbst so hinbekomme, wie ich es beim Lesen gern hätte, kann ich allerdings nicht wirklich beurteilen.

Bei dem zweiten Teil der Frage muss ich allerdings passen. Die interessanteste Art, auf die ich jemanden umgebracht habe? Also ich habe da keine Darwin-Award-verdächtigen Szenarien und auch nicht so unglaublich spektakuläre Todesarten. Allerdings habe ich mal eine Kurzgeschichte geschrieben, in der am Ende der Ich-Erzähler stirbt. Das war vielleicht zumindest ungewöhnlich. ;-)

Sonntag, 20. Mai 2012

Sonntagsgeplauder #24

Schreibgeplauder
Lenkt euren Blick mal nach links zu meinem Schreibstatus. Ist es irgendwem aufgefallen? Ja, genau, ich habe bei den Göttersteinen weitergeschrieben, etwa 2.000 Wörter sind in der letzten Woche dazugekommen. Okay, im NaNo hab ich das an einem Tag geschrieben, aber dennoch. Es tut sich wieder was!
Und ich habe die etwas erschreckende 250.000-Marke geknackt. Uffz. Wieviel fehlt jetzt noch? Ich würde sagen: 4-5 Kapitel und dann noch 2 von mittendrin, die ich bisher übersprungen habe. Also immer noch so einiges ...

Lesegeplauder
Anfang letzter Woche habe ich "Der Fluch" von Krystyna Kuhn ausgelesen und war nicht übermäßig begeistert. Ich werde dann wohl wieder eine allgemeine Rezension zur gesamten 2. Season schreiben, daher gibt es vorerst keine Rezension dazu. Kurz gesagt ist mir einfach zu wenig an die Geheimnisse rund um das Tal angeknüpft worden und ich fand es etwas nervig, dass die Tagebucheinträge von Dave Yellad völlig zusammenhanglos eingestreut wurden und es nicht einmal die kleinste Verknüpfung dieser Einträge mit der Haupthandlung des Buches gab.
Neu begonnen habe ich mit "Ein Spiel der Natur" von Nadine Gordimer für die Klassiker-Challenge, aber bisher bin ich nicht allzu angetan von dem Buch. Ich überlege sogar, ob ich es nicht abbrechen soll. In einer Woche habe ich jetzt nicht mal 100 Seiten geschafft! Na, mal sehen, ein bisschen eine Chance will ich dem Roman doch noch geben.

SuB-Geplauder
Ich habe ja eh einen extra Beitrag dazu geschrieben - letzte Woche gab es nun doch mal wieder einen Bücherzuwachs. Und es juckt mich auch so unglaublich in den Fingern, endlich mal wieder eine richtig ausgiebige Stöberrunde in der Bücherei zu machen. Aber dann rücke ich meinen SuB-Leichen ja nie zu Leibe ... erst recht bei meinem derzeitigen Schneckentempo und meinem Zeitmangel. Ich halte mich also eisern zurück, zumindest solange, bis mein SuB auf unter 20 geschrumpft ist.

Suchbegriffe
Ganz aktuell ist jetzt der erste Teilband der deutschen Übersetzung von "A Dance with Dragons" erschienen, und das merkt man auch an den Suchbegriffen bei mir. Die Spitzenreiter der letzten Woche waren:
dance with dragons deutsch
das lied von eis und feuer 9 mit alter übersetzung?
eis und feuer neue übersetzung
Also keine allzu spannenden oder lustigen Suchbegriffe, aber zumindest einen hatte ich, der mich zwischen WTF? und einem kleinen Lachflash schwanken ließ:

landkarte winnetou 3 buchdeckel innenseite
Was? Wie kommt man damit auf meinen Blog? Ich habe Winnetou nie gelesen und nie darüber geschrieben. Vielleicht ist der Name mal bei den 100 Büchern gefallen, das wäre die einzige Erklärung ... Auf alle Fälle fand ich das lustig und irgendwie schräg. Ist bei den Winnetou-Büchern tatsächlich irgendwo eine Landkarte zu finden?

Donnerstag, 17. Mai 2012

[30 Tage übers Schreiben bloggen] 22. und 23. Frage

Erzähl von einer Szene zwischen deinen Figuren, die du nie geschrieben oder jemandem erzählst hast. Sie muss nicht ernst gemeint sein.

Um diese Frage bzw. Aufforderung schleich ich schon seit einer Weile herum und komme auf keinen grünen Zweig. Gibt es Szenen, die ich nie aufgeschrieben habe? Ich kann das ehrlich gesagt gar nicht so genau sagen. Ich habe oft Szenen schon sehr lange im Kopf, ehe ich sie dann aufschreibe und ich schreibe oft auch einzelne Szenenfragmente nieder, die dann letztendlich doch nicht im Roman landen. Aber ich könnte mich jetzt nicht bewusst an eine bestimmte Szene erinnern, die ich bereits klar im Kopf hatte, aber nie aufgeschrieben habe und auch nicht in naher Zukunft in einen Roman einbauen werde.
Szenen, von denen ich noch nie jemandem erzählt habe, gibt es natürlich zuhauf. Aber, ganz ehrlich: Wenn ich über Szenen nicht erzählen möchte, dann gibt es dafür in der Regel einen Grund und ich möchte diese Szenen dann auch nicht gerade hier auf meinem Blog ausbreiten.

Wie lange brauchst du normalerweise, um eine ganze Geschichte fertigzustellen - vom Planen über das Schreiben bis zur Online-Veröffentlichung (wenn du deine Arbeiten postest)?

Auch so eine schwierige Frage ... Und ich befürchte, eine präzise Antwort kann ich auch hier nicht liefern. Das schwankt bei mir wirklich stark. Ich habe schon Romane in etwa 3-4 Monaten geplant und geschrieben (das trifft auf die "Frostpfade" zu und im Grunde auch auf meine verkorkste Rohfassung von "Die geraubte Seele"). Am anderen Ende der Skala stehen die "Göttersteine" mit vielen, vielen Jahren. Allerdings ist bei den "schnellen" Romanen die Überarbeitung noch nicht mit eingerechnet. Überarbeiten ist ja meine Achillsferse - ich drücke mich immer ewig davor, daher kann es schon passieren, dass ich einen Roman nicht nur monate-, sondern sogar jahrelang in der Rohfassung fertiggestellt habe, ehe ich mich dann endlich an die Überarbeitung setze.
Pi mal Daumen würde ich also sagen, dass ich für das Planen und Schreiben an sich meistens etwa ein halbes Jahr brauche, eher sogar kürzer. Fertiggestellt ist ein Roman dann aber noch nicht.

Dienstag, 15. Mai 2012

Nachschub für die Klassiker-Challenge

Heute war ich (ungeplant) bei einer Buchhandlung, wo es immer ganz ganz viele Mängelexemplare zum Stöbern gibt. Und ebenfalls ganz ungeplant haben zwei Bücher den Weg zu mir gefunden. ;-) Soviel also zum SuB-Abbau-Plan ... Ich habe den Kauf damit gerechtfertigt, dass ich beide Bücher für die Klassiker-Challenge brauchen kann. Allerdings muss ich zugeben, dass diese Rechtfertigung auf beiden Beinen hinkt, da die Challenge mit dem 30. Juni endet und ich bis dahin wohl gar nicht mehr so viele Klassiker lesen werde (zumal ich momentan ja gerade erst mit Gordimers "Ein Spiel der Natur") begonnen habe.
Na, was soll's, ich hab wohl so einen kleinen Buchkauf dringend mal wieder gebraucht. Und um welche Bücher handelt es sich nun?

Salman Rushdie - Die bezaubernde Florentinerin
Ein Reisender aus Europa kommt 1572 an den Hof des Mogulkaisers Akbar im indischen Fatehpur Sikri und behauptet, dessen Onkel zu sein. In der Tat: Verbunden scheinen die beiden durch eine geheimnisvolle Florentinerin, die schönste Frau der damals bekannten Welt ...
Rushdies Roman ist randvoll mit Geschichten: über die Liebe, über Macht und Verrat, über Städtebau, die christliche Seefahrt, italienische Städtepolitik, orientalische Küche, Folter, Gärten, Kleidung Kunst - ein wahres Füllhorn schüttet der wohl phantasiebegabteste Autor beider Welten über uns aus.

Ich hatte von Salman Rushdie eigentlich ein anderes Buch für die Challenge geplant, nämlich "Mitternachtskinder" oder aber "Harun und das Meer der Geschichten". Nun ist mir aber dieser Roman in die Hände gefallen, und er klang recht verlockend. Angeblich handelt es sich dabei um einen der schwächeren Romane von Rushdie, wie ich jetzt gelesen habe, aber mal sehen ...

 
Apuleius - Der goldene Esel
Die "Metamorphosen" bzw. "Der goldene Esel" erzählen von der Verwandlung eines Mannes in einen Esel und seinen Abenteuern, die er als solcher erlebt. Es handelt sich dabei um das einzige vollständig erhaltene Beispiel des komisch-realistischen Romans der Antike.
"Der goldene Esel" ist vor allem für das darin eingeflochtene Märchen von Amor und Psyche bekannt - und für seine teils recht derbe Erotik.


Auch für Italien hatte ich ursprünglich ein anderes Buch geplant und zwar die "Aeneis", aber eigentlich finde ich es ganz reizvoll, als Gegenstück zu Heliodors Aethiopika einen weiteren antiken Roman zu lesen - übrigens den ältesten vollständig erhaltenen Roman der Literaturgeschichte. 
Da ich einzelne Stellen vor Jahren als Vorbereitung auf die Matura aus dem Lateinischen übersetzt habe, weiß ich schon, dass mich da einige recht groteske Szenen erwarten. ;-)
Ob man dieses Werkt wirklich zu "Italien" zählen kann, ist vielleicht ein wenig fraglich, aber da Apuleius viel Zeit in Rom verbracht hat und auch aus einer römischen Familie stammte, hoffe ich mal, dass das in Ordnung ist.

Auf beide Romane bin ich schon recht gespannt. Wenn ich es schaffen würde, sie noch vor dem Ende der Klassiker-Challenge zu lesen, wäre das natürlich fein.

Sonntag, 13. Mai 2012

Sonntagsgeplauder #23

Ich beginne das heutige Sonntagsgeplauder mit einer Ankündigung. Sandra von read and be yourself startet morgen eine Kinder- und Jugendbuchwoche, bei der es eine Woche lang täglich eine Buchvorstellung sowie eine kleine Fragerunde mit den jeweiligen Autoren geben wird. Sandra möchte für "Als die schwarzen Feen kamen" meine Rezension als Gastrezension reinstellen, was mich natürlich schmeichelt ;-), aber auch sonst finde ich die Idee sehr schön.
Was für Bücher und Autoren bei ihr in der kommenden Woche sonst noch vorgestellt werden, könnt ihr bei Sandra genauer nachlesen. Den Anfang macht morgen "Zum Teufel mit Barbie!" von Sylvia Dölger.


Ansonsten gibt es bei mir gerade wieder nicht soviel zu berichten, da ich noch immer relativ mit Arbeit eingedeckt bin. Bald ist aber der eine Auftrag vorerst abgeschlossen. Außerdem bin ich seit einer Weile auch wieder fleißig am Trainieren für den Österreichischen Frauenlauf - das raubt natürlich auch ein wenig Lesezeit. ;-)

Abgesehen von Im Land des Feuerfalken habe ich in der letzten Woche aber immerhin noch ein zweites Buch ausgelesen, und zwar "König Lear". Ich werde dazu wohl keine Rezension schreiben, weil ich, ehrlich gesagt, dafür keine Lust habe. Ich habe die Tragödie eher anstrengend gefunden und würde es auf meiner Shakespeare-Favoriten-Liste nicht gerade weit nach oben stellen. Unfreiwillig komisch ist außerdem die Tatsache, dass Albany (vom gälischen "Alba" für Schottland) mit Albanien übersetzt wird, was dann doch zu etwas irritierenden Momenten beim Lesen führt. ;-)

Ansonsten wurschtel ich mich weiter durch mein re-read von "A Feast for Crows" (muss Martin denn solche Wälzer schreiben?) und außerdem durch "Der Fluch" aus Krystyna Kuhns Tal-Serie. Es ist wirklich erschreckend, wieviel ich von den vorigen Bänden schon wieder vergessen habe - das macht die Sache leider etwas mühsam. Und ich beginne immer mehr daran zu zweifeln, dass Kuhn für all die Rätsel noch eine stimmige Auflösung finden wird. Aber gut, vielleicht bin ich da einfach wegen des unbefriedigenden Endes von Lost zu skeptisch.
Daneben habe ich (auf meinem Reader) mit "The Hounds of the Morrigan" von Pat O'Shea begonnen, das eigentlich schon seit ewigen Zeiten auf meiner Wunschliste stand. Der Einstieg gefällt mir schon mal sehr gut und ich bin gespannt, wie es weitergeht. :-)

Hm, dafür, dass es nicht viel zu berichten gibt, habe ich nun doch recht viel geschrieben ...
Im Wesentlichen war's das aber auch schon. Neuzugänge gab es in der letzten Woche keine (SuB-Abbau und so), ein Challengebuch hab ich auch nicht gelesen und was mein eigenes Schreiben betrifft - nun ja, darüber breiten wir mal lieber einen Mantel des Schweigens. Aber das wird schon wieder, da bin ich derzeit ganz optimistisch (da ich endlich eins der großen Plotprobleme am Ende der Göttersteine lösen konnte).

Einen schönen Restsonntag wünsch ich euch und allen Müttern noch einen schönen Muttertag!

Samstag, 12. Mai 2012

Leseunlust

Nein, nicht bei mir. ;-) 
Aber mir ist aufgefallen, dass ich in letzter Zeit bei Bloggern gelesen habe, dass sie derzeit eine gewisse Leseflaute haben. Bei manchen Blogs, die ich regelmäßig besuche, herrscht auch schon länger Stille, was natürlich nicht zwangsläufig an einer Leseunlust liegen muss.
Das hat mich aber selbst ein wenig zum Nachdenken gebracht, ob ich in letzter Zeit eigentlich jemals eine wirkliche Leseflaute hatte. Beim Schreiben (und auch beim Malen) kenne ich das ja: Da gibt es immer wieder Phasen der kompletten Stille. Aber beim Lesen?

Ich kann mich erinnern, dass ich als Jugendliche mal eine richtiggehende Lesekrise hatte. Da war ich etwa 12 Jahre alt, fühlte mich den Kinderbüchern entwachsen, aber obwohl ich damals großteils einfach "Erwachsenenliteratur" gelesen habe, war das doch nicht ganz das wahre. An Jugendbüchern gab es damals bei uns in der Bücherei nur so fürchterliche Teenieromanzen mit so tollen Titeln wie "Herzflattern" oder ähnlich. Die waren überhaupt nicht mein Ding. Allgemein kommt es mir so vor, als hätte es damals deutlich weniger Vielfalt in der Jugendliteratur gegeben als jetzt (ich glaube nicht, dass das nur an unserer Bücherei lag).

Nun ja, diese Krise konnte ich zum Glück überwinden (nicht zuletzt dank der Entdeckung der phantastischen Literatur), und seither hatte ich so einen Tiefpunkt nie wieder.
Natürlich, manchmal habe ich etwas weniger gelesen als sonst (Diplomarbeit, Graecum, Umzug - eben solche fiesen Dinge, die einen vom Lesen abhalten), aber eine richtige Leseflaute gab es nicht mehr und eine Leseunlust schon gar nicht.
Wenn man also mal von meiner kleinen Krise als 12jährige absieht, ist das ein Phänomen, das ich gar nicht richtig kenne.

Wie ist das denn bei euch? Kennt ihr solche Leseflauten? Damit meine ich nicht ein paar Wochen, in denen man einfach kein wirklich fesselndes Buch findet und auch keine stressigen Zeiten, in denen man eben nicht zum Lesen kommt, selbst, wenn man es wollte. Nein, ich meine damit wirklich eine monatelange Pause, in denen ihr kaum gelesen habt und auch nicht wirklich das Bedürfnis verspürt habt, nach einem Buch zu greifen. Hattet ihr so eine Phase schon einmal? Wie konntet ihr sie überwinden? Und hat es euch in der Zeit gestört, dass ihr nicht lest oder habt ihr da nicht mal einen Gedanken ans Lesen verschwendet?
Oder geht es euch wie mir und ihr lest eigentlich seit Jahren regelmäßig, selbst, wenn eure Zeit knapp bemessen ist?
Es würde mich wirklich interessieren, von euren Erfahrungen zu diesem Thema zu lesen.

Freitag, 11. Mai 2012

[31 Tage - 31 Filme] Tag 6 – Welchen Film hast du als erstes im Kino gesehen?

Über diese Frage musste ich lange nachdenken, und ganz sicher bin ich mir immer noch nicht, aber ich denke, es könnte "Ronja Räubertochter" gewesen sein. Der Film ist zwar schon von 1984, aber damals kamen Kinderfilme ja öfter nach einigen Jahren nochmal ins Kino, und ich weiß sicher, dass ich ihn im Kino gesehen habe. Zu sehr frühen Kinoerlebnissen von mir gehörten auch "Bambi" und "Konrad aus der Konservenbüchse", also könnte auch einer von denen der erste gewesen sein.

Zumindest ist aber "Ronja Räubertochter" ein Film, bei dem ich mich noch so richtig an das Kinoerlebnis erinnern kann. Ich weiß noch, dass ich mich vor dem Gewitter, das anfangs über der Mattisburg tobt, gefürchtet habe und dass ich auch die Wilddruden fürchterlich gruselig fand.
Ich habe jetzt überlegt, wie alt ich damals wohl war und schätze mal: nicht ganz 8 Jahre. Ich weiß nämlich, dass ich "Ronja Räubertochter" noch vor "Die Brüder Löwenherz" gelesen und gesehen habe. Und "Die Brüder Löwenherz" wiederum habe ich gut zwei Monate nach meinem 8. Geburtstag gelesen (ich habe das Buch bekommen, als mein Vater gestorben ist, daher kann ich das noch so genau sagen).

Die Verfilmung von "Ronja Räubertochter" hat sich mir wohl auch deshalb so eingeprägt, weil ich sie für eine der besten Kinderfilme überhaupt halte. Die Kinderdarsteller spielen grandios und passen auch optisch sehr gut in die Rollen, die Landschaften und auch die Aufnahmen in der Burg sind wunderbar stimmungsvoll und die ganze Umsetzung ist einfach herrlich unverkrampft. Die Themen des Buches - Erwachsenwerden, Freundschaft, Toleranz und Selbstbestimmung - werden auch im Film sehr schön rübergebracht. Es gibt lustige und traurige Momente, Harmonie und Streit, Abenteuer im Wald und sehr berührende Momente, wenn etwa Lovis das Wolfslied singt - aber egal welche Szenen, alle transportieren eine unglaubliche Warmherzigkeit, die vielen modernen Kinderfilmen fehlt.

Hach, ich könnte hier noch ewig weiterschwärmen, also kürz ich es mal ab: "Ronja Räubertochter" ist sowohl als Buchverfilmung als auch als Film an sich sehr, sehr sehenswert - und das für Erwachsene ebenso wie für Kinder.

Mittwoch, 9. Mai 2012

Julie Peters - Im Land des Feuerfalken



Genre: Familiensaga/Neuseeland-Roman
Seiten: 496
Verlag: Wunderlich
ISBN: 978-3805250245
Meine Bewertung: 3,5 von 5 Sternchen



Neuseeland zu Beginn des 20. Jahrhunderts: Die irische Auswandererfamilie O'Brien, deren erste Zeit in Neuseeland mein in Das Lied der Sonnenfänger  verfolgen konnte, hat sich entzweit. Während Josie bei ihrer Mutter Siobhan in einer einsamen Hütte zu einem Wildfang heranwächst, verläuft das Leben ihrer Schwester in Kilkenny in geregelten Bahnen. Doch Sarahs Vorstellungen ihrer Zukunft werden völlig auf den Kopf gestellt, als der 1. Weltkrieg ausbricht und auch Männer der O'Brien-Familie nach Europa aufbrechen. Bis Josie und Sarah ihre Wurzeln und ihr Glück finden, haben sie vor sich einen Weg voller Hindernisse.

Der 2. Band von Julie Peters' Neuseelandsaga begann für mich ein wenig holprig. Das liegt wohl vor allem daran, dass die Hintergründe auch für Einsteiger, die den 1. Band nicht gelesen haben, deutlich gemacht werden müssen. Allerdings hat dadurch der ganze Anfang für mich recht gekünstelt gewirkt. Was es mit Siobhans Affäre und dem Vater der beiden Schwestern auf sich hat, ist ja nicht nur in der Familie, sondern auch rundherum gut bekannt, daher fand ich es nicht ganz glaubwürdig, dass die beiden Mädchen so lange gar nicht wirklich etwas über ihre Herkunft wissen. Und dass sie zum Teil noch nicht mal viel darüber wissen wollen und kaum Fragen stellen, hat mich noch mehr irritiert. Wenn ich mir vorstelle, wie neugierig Kinder sind und wie sehr sie einen stets mit Fragen löchern - und Josie stellt sich wirklich erst als Jugendliche die Frage, weshalb sie mit ihrer Mutter einsam in einer Hütte fernab vom Rest der Familie aufwächst?

Mit dem Ausbruch des 1. Weltkriegs nimmt der Roman aber deutlich an Fahrt auf und auch sonst sind die Stolpersteine des Anfangs bald überwunden.
Die Figuren sind liebevoll gezeichnet und lassen sich nicht simpel in gut oder böse einteilen, auch wenn man das von manchen zunächst noch denken könnte. Aber alle haben ihre Stärken und Schwächen und wachsen einem schnell ans Herz. Perfekte Menschen sucht man hier wie schon im 1. Band vergeblich, und manche der Figuren konnten mich immer wieder überraschen.
Auch die Handlung entwickelte sich stellenweise ganz anders als ich erwartet hätte, was mich beim Lesen sehr gefreut hat. Man wird schließlich gern von einem Buch überrascht.

Als schließlich zum Ende hin allmählich die Scherben gekittet und Wunden geschlossen wurden, musste ich das eine oder andere Mal tatsächlich mit den Tränen kämpfen. Ich fand es einfach schön, wie bei manchen Figuren allmählich eine Heilung eintritt und andere endlich ihren Weg finden. Das Ende an sich kam dann ein wenig plötzlich, aber es passt gut und schließt den Roman schön ab. 

Ich hätte mir noch ein kleines Bisschen mehr Maori und Neuseeland an sich gewünscht, aber ansonsten hat mir der Roman nach kleinen Startschwierigkeiten gut gefallen. Ein schönes Buch zum Eintauchen und Hinwegträumen. Schade nur, dass der Titel erneut keinen wirklichen Bezug zur Handlung hat.  

Sonntag, 6. Mai 2012

Sonntagsgeplauder #22

Das wird heute wohl ein recht kurzes Geplauder ... Über die letzte Woche gibt es bei mir einfach nicht viel zu berichten. Ich habe wenig gelesen, mich immerhin aber durch "Im Rausch der Stille" durchgekämpft und eine (nicht besonders nette) Rezension geschrieben.
"Schändung" von Jussi Adler-Olsen habe ich abgebrochen. Ich liebe ja Assad, aber der Fall selbst interessiert mich nicht die Bohne, und auch auf Seite 100 war noch keine Spur von Spannung da. Nachdem ich mich durch "Im Rausch der Stille" schon so gequält hatte, war meine Bereitschaft, mich durch ein weiteres Buch trotz Langeweile durchzubeißen, nicht mehr allzu groß. Dennoch werde ich es mit "Erlösung" vielleicht noch probieren, weil da der Kriminalfall einfach interessant klingt. Und da es ja eh alle Romane von Adler-Olsen in der Bücherei gibt, ist nichts verloren, wenn ich mit dem Roman einfach mal beginne.
Apropos Bücherei: Ich habe jetzt Kuhns "Der Fluch" ergattert, also den 1. Band der 2. Season der Serie "Das Tal" und bin mal gespannt, ob einige der vielen Fragen darin gelöst werden. Allerdings muss ich zugeben, dass ich vieles aus den vorigen Bänden schon wieder vergessen habe. Ich hätte mir doch zu allen Mysterien und Rätseln Notizen machen sollen (darüber hatte ich damals nachgedacht).

Ansonsten war ich in der letzten Woche viel mit arbeiten beschäftigt und nun am Wochenende mit Familienfeiern und ähnlichem. Die nächste Woche wird in der Hinsicht möglicherweise ... vielleicht ... hoffentlich wieder besser.
Immerhin habe ich etwa 500 Wörter bei den Göttersteinen weitergeschrieben. Yay!

Donnerstag, 3. Mai 2012

Albert Sánchez Piñol - Im Rausch der Stille


Genre: Phantastik
Seiten: 256
Verlag: Fischer
ISBN: 978-3100616029
Meine Bewertung: 1,5 von 5 Sternchen

Themen-Challenge (das Böse)


Ein Jahr lang soll der namenlose Ich-Erzähler Wetterbeobachtungen auf einer kargen Insel am Rande des südlichen Eismeers durchführen. Bei seiner Ankunft findet er das Haus verlassen vor, von seinem Vorgänger ist nichts zu sehen. Als einzige menschliche Gesellschaft hat er einen offenbar wahnsinnig gewordenen Leuchtturmwärter. Der Erzähler, ein irischer Freiheitskämpfer, sieht aber auch sonst in seinem Leben keine Perspektive mehr und entschließt sich daher zu bleiben. Als nachts schaurige Wesen dem Meer entsteigen und ihn angreifen, beginnt er seine Entscheidung zu bereuen.

"Im Rausch der Stille" beginnt genial. Eine karge, kleine Insel im Südpolarmeer, die der Hauch des Unheimlichen umweht, ein irrer Leuchtturmwärter, ein Erzähler, der offensichtlich eine interessante Vergangenheit besitzt und ein sehr präziser Schreibstil. Das alles machte mir Hoffnung auf einen etwas unheimlichen Roman, der aber mehr ist als einfach nur Horror.
Aber wie sehr hat mich das Buch enttäuscht!
Nein, "Im Rausch der Stille" ist nicht wirklich ein Horrorroman. Es ist nach den ersten Seiten auch kein Grusel mehr zu spüren und die Vergangenheit des Erzählers wird zwar zu Beginn thematisiert (und erklärt, weshalb er sich für so ein Unternehmen gemeldet hat), verleiht dem jungen Mann letztendlich aber auch keine wirkliche Tiefe.

Um mal eins meiner größten Probleme mit dem Buch auf den Punkt zu bringen: Es gibt keine einzige Figur, mit der man auch nur annähernd mitfiebern könnte. Der Ich-Erzähler ist uninteressant und über weite Strecken auch unsympathisch, Batís Caffó, der Leuchtturmwärter, ist nicht mehr ganz richtig im Kopf (kein Wunder, wenn man die äußeren Umstände betrachtet), darüber hinaus aber auch einfach nur unsympathisch und das weibliche Wasserwesen, das bei ihnen Zuflucht sucht, war mir ebenfalls ziemlich gleichgültig. Hätten die "Bösen" alle drei bald getötet - ich hätte ihnen nicht nachgeweint.

Der Roman hätte wirklich viel Potenzial gehabt, auch mit der Frage, wie weit man im Kampf gegen das Böse gehen darf und ob die vermeintlich Bösen überhaupt als solche bezeichnet werden können. Aber indem Piñol die Wesen weder mit einer Geschichte, noch einem greifbaren Hintergrund oder auch nur einer wirklich klar erkennbaren Motivation ausstattet, lässt er diese Fragen eher im Nichts verlaufen.
Denn Tatsache ist, dass die Wesen letztendlich unwichtig sind. Es geht um zwei Menschen in einer Extremsituation, zwei Menschen, die ganz aufeinander angewiesen sind, in jeder Zusammenarbeit aber scheitern. Daneben verliert der Roman sich in pseudophilosopischen Ansätzen und in Parabeln, die ebenfalls im Nichts verlaufen. Am Ende bleibt einfach - gar nichts. Nur Aussichtslosigkeit und das völlige Scheitern eines Menschen, der es nicht schafft, in dieser Welt einen Platz zu finden.

Der Weg bis zu diesem Ende ist aber zäh und langwierig und nach einem starken Einstieg nicht mehr fesselnd. Die skurrilen Horrorelemente zerfasern in der platten Philosophie, eine wirklich tiefere Aussage liegt dem Roman aber auch nicht inne. Na gut, eine schon, eine äußerst plakative, um nicht zu sagen kitschige Moral, für die es sich nicht gelohnt hat, den ganzen Roman zu lesen.
Mittendrin habe ich überlegt, das Buch abzubrechen - hätte ich es nur getan! Am Ende war ich nur genervt (nicht zuletzt auch genervt vom Ende selbst) und habe mich über die verschwendete Zeit geärgert.

Die Kritiker überschlagen sich ansonsten fast vor Begeisterung - bin ich schlichtweg zu dumm, um die Genialität dieses Buches zu erkennen? Ist mir die eigentliche Aussage verborgen geblieben?
Möglich, aber ich habe auch keine Lust mehr, noch weiter darüber nachzudenken. Da nutze ich meine Zeit lieber, um ein anderes (und hoffentlich besseres) Buch zu lesen. Das hätte ich schon nach 100 Seiten machen sollen ...

Mittwoch, 2. Mai 2012

[31 Tage - 31 Filme] Tag 5 – Welcher Film erinnert dich an jemanden?

Es gibt eine ganze Reihe von Filmen, die ich auf irgendeine Weise mit einer bestimmten Person verknüpfe. Ganz stark ist das aber der Fall bei Star Wars und dazu muss ich mal wieder etwas weiter ausholen:
Mit etwa 12 oder 13 Jahren hat eine Schulfreundin besagte (alte) Trilogie für sich entdeckt, war begeistert und wollte mich unbedingt dazu überreden, dass ich mir mit ihr die Filme ansehe. Ich aber schaltete auf stur: Science-Fiction, pfuibäh, das ist doof, das gefällt mir sicher nicht, nein. Man muss dazu sagen, dass ich manchmal zu Sturheit aus Prinzip neige und damals war das noch viel schlimmer als heute. Umso mehr sie also versuchte mich zu überzeugen, umso mehr sträubte ich mich.
Bis dann einmal "Spaceballs" im Fernsehen lief und ich mich prächtig amüsierte (mittlerweile ist es mir schleierhaft, wie man den Film witzig finden kann, ohne Star Wars zu kennen). Tja, und dann siegte meine Neugierde: Ich entführte meinem Bruder seine Star Wars-Videos und guckte mir den ersten Teil an und - fand ihn ganz toll (und ja, damals als kleiner Teenie habe ich natürlich für Luke Skywalker geschwärmt).
Das war mir zunächst tatsächlich etwas peinlich (immerhin hatte ich wochenlang steif und fest behauptet, ich würde die Filme bestimmt furchtbar finden), aber schließlich kroch ich zu Kreuze, gestand es meiner Freundin - und sie sagte nicht "Haha, wusste ich's doch, aber du wolltest ja nicht auf mich hören", sondern freute sich einfach nur. Die beiden weiteren Teile haben wir uns dann natürlich zusammen auf Video angesehen.

Als dann die neue Trilogie kam, haben wir quasi aus alter Tradition heraus die ersten beiden Teile gemeinsam im Kino angeschaut, obwohl wir sonst zu der Zeit praktisch keinen Kontakt mehr miteinander hatten. Als der dritte Teil kam, war ich übrigens gerade in Oslo, also musste ich mit unserer Tradition brechen.

Ich habe diese Schulfreundin mittlerweile schon seit Jahren nicht mehr gesehen, aber sobald jemand Star Wars erwähnt oder ich irgendetwas davon sehe, muss ich sofort an sie und ihre damalige vergebliche Missionierung denken. ;-)