Freitag, 25. Mai 2012

Abgebrochen: Ein Spiel der Natur

Das hier wird keine Rezension, sondern nur eine Erklärung, weshalb ich "Ein Spiel der Natur" von Nadine Gordimer nun doch abgebrochen habe.
Dieser Roman sollte eigentlich mein Beitrag zur Klassiker-Challenge für Afrika werden. Deshalb - und weil ich doch einer Nobelpreisträgerin länger eine Chance geben möchte - habe ich mich nun seit einigen Tagen weiter durch das Buch gequält, obwohl mir schon klar war, dass wir beide nicht miteinander harmonieren. Nach 200 Seiten werfe ich also nun doch das Handtuch, da ich keinen Sinn darin sehe, mich nur deshalb weiter durch das Buch zu kämpfen, weil es nun einmal Weltliteratur ist. Das habe ich schon oft genug getan, aber da mir nun weder die Uni im Nacken sitzt noch das Buch zwingend notwendig ist für die Challenge (die hab ich eh schon geschafft), gebe ich dieses Mal mit einem etwas schlechten Gewissen auf.

Worum geht's überhaupt in dem Roman? In den 50er Jahren wächst in Südafrika das Mädchen Hillela auf, das laut Klappentext "wie durch ein Spiel der Natur ganz frei vom Rassismus ihrer Umgebung ist". Später heiratet sie dann einen schwarzen Widerstandskämpfer, aber so weit bin ich nicht gekommen.
Mein Hauptproblem mit dem Roman war Hillela. Ist sie tatsächlich frei vom Rassismus? Ja, vermutlich stimmt das schon, aber das liegt nicht an irgendwelchen großartigen Überzeugungen oder Idealen, sondern eher daran, dass Hillela sich grundsätzlich um gar nichts schert, was andere sagen oder was sich gehört. Das wäre prinzipiell ja sympathisch, aber leider geht es so weit, dass sich Hillela auf eine unglaublich gedankenlos-egozentrische Art gar nicht Gedanken über andere macht. Ob jemand sich um sie sorgt, ob sie vielleicht jemanden in eine unangenehme Situation bringt - all das spielt für sie keine Rolle. 
Da Nadine Gordimer außerdem recht weit von ihrer Heldin entfernt bleibt und teils auch eher die Gefühle der Menschen in ihrer Umgebung schildert, kam ich an Hillela nicht "ran". Sie war mir unsympathisch, ich fand sie viel zu naiv und egoistisch und da ich nur selten in ihren Kopf blicken durfte, wusste ich meist auch gar nicht, warum sie bestimmte Dinge tut (falls es für sie überhaupt jemals ein wirkliches "warum" in dem Roman gibt).
Das, was Hauptthema des Buches zu sein scheint und was mich auch am meisten daran interessiert hat, nämlich die Konflikte zwischen Schwarzen und Weißen, spielte bis zur Seite 200 nur untergeordnet eine Rolle. Wenn, dann nur im Zusammenhang mit Hillelas Tante, die sich für die Rechte der Schwarzen engagiert, während Hillela die ganze Thematik ja mal prinzipiell egal zu sein scheint. Mit ihrem Umzug in eine eigene Wohnung und der daraus resultierenden Distanz zu ihrer Familie treten diese Konflikte überhaupt völlig in den Hintergrund. Vermutlich ändert sich das dann im Laufe des Romans noch, aber es hat mich enttäuscht, dass das Thema auch bislang eher stiefmütterlich behandelt wurde.

Die Hauptfigur konnte mich also nicht packen, ihr weiteres Schicksal war mir relativ egal und die kritische Auseinandersetzung mit dem schwierigen Thema Rassismus kam bislang auch nur am Rande vor.
Damit gab es eigentlich nichts mehr, was mich an dem Buch noch fesseln konnte. Sprachlich ist es sehr anspruchsvoll, aber dennoch gut zu lesen - allerdings ist Gordimers Stil dann auch nicht so einzigartig, dass mich allein die Sprache bei der Stange gehalten hätte.
Tja, schade, dass es mit mir und dem Roman nicht geklappt hat.

Kommentare:

  1. Interessant, dass du mit Nadine Gordimer auch nicht klargekommen bist. Mit der Charakterzeichnung hatte ich bei "July's People" ja auch Probleme, allerdings wohl anderer Art.
    Allerdings hätte ich mich wahrscheinlich bis zum Schluss gequält, eben weil es Weltliteratur ist und ich diesen Zwang habe, davon so viel wie möglich gelesen zu haben. Ein angenehmer Zwang ist das (v.a. momentan) allerdings nicht.

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  2. Ich hab mich ja schon oft genug gequält - im Klassikerbereich zuletzt durch "Gulliver's Travels" - und habe mir daher überlegt: Was gewinne ich, wenn ich mich noch 350 Seiten lang durch dieses Buch quäle? Meine Erkenntnis: Nichts vermutlich, außer, dass ich nachher sagen kann "okay, jetzt hab ich es gelesen". Und dafür ist mir dann doch meine Zeit zu schade.
    Schließlich heißt ja auch Weltliteratur nicht, dass man sich in seiner Freizeit quälen muss. Dafür gibt es viel zu viel Weltliteratur, die keine Qual bedeutet. ;-)

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  3. so, hier mit richtigem Acount :D
    "Ach je, das hab ich total verpennt, stimmt wir hatten mal gesagt dass wir das zusammen lesen richtig? Find den eintrag nicht, aber mir ist da dunkel was im gedächtnis.

    Hm.. Na dann bin ich gespannt auf deine rezi. Ich mein, das Buch bleibt natürlich ein Klassiker und mit der Spannung von Panem oder so kann es trotzdem nicht verglichen werden. Deswegen hab ich jetzt auch mal langsam wieder Lust etwas aktuelleres zu lesen, hab schon überlgt ob ich mir mal die Insurgent bände bestelle, die werden ja überall so in den himmel geschwärmt. Allerdings komm ich dann wieder nicht zur Liste und ich hab eh shcon so wenig zeit zum lesen. Haaaach :)"

    Die Rezension gefällt mir, ich mag Abbruch Rezis fast noch lieber als normale. Ist das wohl sehr schlimm? :)

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