Donnerstag, 16. August 2012

Ruta Sepetys - Between Shades of Gray


Genre: Jugendbuch
Seiten: 352
Verlag: Puffin
ISBN: 978-0141335889
Meine Bewertung: 5 von 5 Sternchen

English-Challenge  (August) 


Am 14. Juni 1941 wird die 15jährige Lina zusammen mit ihrer Mutter und ihrem kleinen Bruder Jonas vom sowjetischen Militär aus ihrer Wohnung gezerrt und gemeinsam mit zahlreichen anderen Litauern nach Sibirien transportiert. Dort müssen sie in einem Gefangenenlager unter unmenschlichen Bedingungen arbeiten. Die Liebe zur Kunst hält Lina am Leben - und ihre Hoffnung, eines Tages befreit zu werden und ihren Vater wiederzusehen.

Schicksale wie das von Lina gab es in den baltischen Staaten während des 2. Weltkriegs viele, aber all die Verbrechen an den Menschen und ihr Leid sind hierzulande kaum bekannt. Dass Millionen von Menschen während Stalins Herrschaft in Arbeitslager deportiert wurden und ein großer Teil von ihnen dort starb, wird im Geschichtsunterricht wenig thematisiert, da die Konzentration meist rein auf Hitlers Verbrechen liegt. Dieses Buch lenkt das Augenmerk auf diesen dunklen Teil der russischen Geschichte und würde sich auch gut als Schullektüre anbieten.

"Between Shades of Gray" ist ein Buch, das einem sicher länger nicht aus dem Kopf gehen wird. Aus der Sicht von Lina beschreibt Ruta Sepetys all das Leid der deportierten Menschen: der Hunger, die Kälte, Krankheiten, die Willkür der Soldaten, der ständige Kampf ums Überleben. Dass der Roman dennoch nicht trostlos wirkt, liegt vor allem auch an Linas Persönlichkeit. Sie ist ein stures, kämpferisches Mädchen, manchmal egoistisch und manchmal von so eigenwilligem Mut, dass es schon an Dummheit grenzt. Gerade diese Eigenschaften lassen sowohl sie als auch die Leser nicht die Hoffnung verlieren. Es braucht wohl einen so kämpferischen Charakter wie Lina, um die Lektüre nicht unerträglich zu machen.
Aber es gibt auch noch andere Lichtblicke in dem Roman: tiefe Freundschaften, Hilfsbereitschaft, Menschen, die bereit sind etwas für andere zu riskieren, stiller Widerstand und die ganz zarte Liebesgeschichte.
Wunderschön wird auch Linas Liebe zum Zeichnen beschrieben, die ihr immer wieder Hoffnung gibt. Jedes kleinste Fetzchen Papier oder auch nur Rinde nützt sie zum Zeichnen und dazu, sowohl dem Elend zu entfliehen als auch ein Ventil für all ihre Wut zu finden.
 Neben Lina hat der Roman noch weitere großartige Figuren wie ihre Mutter, die vielleicht fast zu gut ist um wahr zu sein, oder den glatzköpfigen Mitgefangenen, der unter all seiner Ichbezogenheit und seinen Hasstiraden doch auch ein gutes Herz verbirgt.

Ruta Sepetys schafft bei diesem Roman die schwierige Gratwanderung, die Lage weder völlig hoffnungslos darzustellen noch sie zu verharmlosen. Er ist oft sehr schwer zu lesen und lässt einem auch beim Lesen einige Male voller Wut und Verzweiflung zurück, wird aber nie unerträglich. Es ist ein Roman, der einem auch nach dem Zuklappen des Buches noch lange nicht aus dem Kopf geht.

Die Sprache ist manchmal eher nüchtern, was aber sehr gut zu Linas Perspektive passt und das Lesen vielleicht auch erträglicher macht als eine allzu emotionale Ausdrucksweise. Zugleich schreibt Ruta Sepetys auch sehr präzise und genau mit dem richtigen Gespür für das richtige Tempo. Denn "Between Shades of Gray" ist neben allem anderen auch ein spannender Roman, den man nur schwer aus der Hand legen kann.

Ich kann den Roman wirklich allen nur ans Herz legen. Er ist keine leichte, auf eine gewisse Weise aber notwendige Lektüre. Er regt zum Nachdenken an und zeigt, wie wichtig es ist, nicht nur für das eigene Überleben zu kämpfen, sondern sich auch für andere einzusetzen, ohne dabei aber jemals zu moralisieren. Und schließlich ist es auch eine Geschichte über die Hoffnung, die Lina auch in den dunkelsten Stunden nicht verlässt.
Auf Deutsch ist der Roman übrigens unter dem sehr passenden Titel "Und in mir der unbesiegbare Sommer" erschienen.

1 Kommentar:

  1. Danke für die Rezension - das Buch ist direkt auf meinen Wunschzettel gewandert!

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