Donnerstag, 18. Oktober 2012

Judy Blume - Sommerschwestern

Genre: Belletristik
Seiten: 382
Verlag: Bertelsmann
ISBN: 978-3453153622
Meine Bewertung: 5 von 5 Sternchen

Themen-Challenge  (Freundschaft)
2. Chance Challenge


Mehr aus einer Laune heraus lädt Caitlin die schüchterne Victoria, genannt Vix, ein, mit ihr und ihrem Vater den Sommer auf Martha's Vinyard zu verbringen. Daraus entwickelt sich eine Freundschaft, obwohl es zwischen ihnen mehr Unterschiede als Gemeinsamkeiten gibt. So verläuft schließlich auch ihr Leben nach dem Schulabschluss in ganz unterschiedlichen Bahnen, und doch finden die beiden immer wieder zusammen und schließlich auch zurück auf die Insel.

Ich weiß nicht, wie oft ich "Sommerschwestern" bereits gelesen habe. Manche Passagen kenne ich schon auswendig und manchmal habe ich auch nur einzelne Teile wieder gelesen. Diesmal habe ich den ganzen Roman wieder einmal von vorn bis hinten durchgelesen und es war einfach nur wunderbar, gewissermaßen wie eine Heimkehr.

Judy Blume beschreibt in diesem Buch, wie zwei ganz unterschiedliche Mädchen Freundschaft schließen, gemeinsam die Teenagerzeit erleben und sich schließlich als Erwachsene beinahe aus den Augen verlieren. Es sind vor allem Alltagssachen, die diesen Roman ausmachen: familiäre Probleme, die erste Liebe, die ersten sexuellen Erfahrungen, College, Jobsuche, Trennungen, das Erwachsenwerden und als verbindendes Element zwei junge Frauen, die einander nie völlig loslassen können.
Ihre Beziehung zueinander ist nie ganz unproblematisch, hat immer zahlreiche Schattenseiten: Vix, die ihre Gefühle oft in sich einschließt und Caitlin, die manchmal egoistisch ist und ihre Gefühle scheinbar stets auslebt. Es gibt Momente, in denen die Freundschaft beinahe etwas zerstörerisches hat, aber oft sie sie auch tief und wahrhaftig. Als Leser blickt man dabei stets Vix über die Schulter und zwischendurch auch den anderen Figuren, aber niemals Caitlin. Sie bleibt gewissermaßen ein Mysterium, und irgendwann merkt man gemeinsam mit Vix, dass wohl niemand sie jemals wirklich verstanden hat.
"Sommerschwestern" ist daher zwar ein Buch über Freundschaft, aber es ist dennoch keine völlige Vertrautheit zwischen den beiden Mädchen. Es kommt immer wieder ein Punkt, an dem sie sich gegenseitig nicht verstehen und auch ein Punkt, an dem sie merken, dass sie sich doch gar nicht richtig kennen. Freunde und gleichzeitig Fremde - das macht die Beziehung der beiden unter anderem so faszinierend.

Aber es ist auch das ganze Rundherum, das ich liebe: die Sommer auf der Insel mit all den Dingen, die das Teenageralter ausmachen, Caitlins zusammengewürfelte Familie, die sozusagen Vix' Sommerfamilie wird und sie auch ihr ganzes weiteres Leben begleitet. Ich bin manchmal selbst ganz wehmütig beim Lesen geworden, wenn Vix oft nach Jahren wieder jemanden trifft und an bestimmte Erlebnisse ihrer Kindheit erinnert wird. Es ist fast als würde man selbst auf alte Bekannte treffen und daraufhin in Erinnerungen schwelgen.

Was ich bei Judy Blume grundsätzlich mag, das sind die realistisch wirkenden Beziehungen. Nicht nur Freundschaften, sondern auch Liebe, die nicht immer gleich die eine große, ewige Liebe ist. Bei ihr leben sich auch mal Figuren auseinander, erkennen, dass die Gefühle doch nicht für ein ganzes Leben ausreichen, erleben schmerzhafte Trennungen, um sich später erneut zu verlieben. Gerade angesichts der derzeitigen "es kann nur eine einzige wahre Liebe geben"-Tendenzen vor allem in der Jugendliteratur, haben Judy Blumes Schilderungen für mich etwas erfrischendes und zugleich bodenständiges.

Sprachlich ist "Sommerschwestern" sehr schlicht geschrieben, was aber gar nicht stört. Möglich, dass ich den Roman anders sehen würde, wenn ich ihn jetzt zum ersten Mal lesen würde, aber ich liebe ihn trotz mancher Schwächen einfach innig.
Es gibt nicht viele Bücher, die ich wieder und wieder und wieder lesen kann. "Sommerschwestern" ist eins davon und ich denke, es wird nicht das letzte Mal gewesen sein, dass ich es gelesen habe. Es war von der ersten bis zur letzten Seite einfach nur wunderbar und ich finde nichts daran langweilig, nicht einmal beim zigsten Mal. Und das Ende schließlich hat mich erneut mit Tränen in den Augen und ein wenig aufgewühlt zurückgelassen. Es ist im Grunde ein perfektes Ende, aber eines, das auch ein bisschen wehtut. Auch deshalb, weil ich das Buch danach zuklappen und all die liebenswerten Figuren verlassen musste. Beruhigend zu wissen, dass ich ja jederzeit wieder von vorne beginnen kann.

Kommentare:

  1. Ich hätte es nicht besser beschreiben können... ein wunderschönes Buch, das ich immer und immer wieder lesen kann :)

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    1. Oh wie schön, endlich mal jemand, der das Buch kennt. :-)

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