Samstag, 17. November 2012

Aufgeben ist keine Lösung: Riava

Riava Ledan-Astis ist meine älteste noch bestehende Figur (im Sinne von: ich schreibe noch weiter über sie). Und anders als Vendalar, der ähnlich alt ist, aber zahlreiche Veränderungen hinter sich hat, ist Riavas Charakter sehr konstant geblieben.

Um mal mit ein paar allgemeinen Informationen anzufangen: Riava hat einige Jahre ihrer Kindheit und Jugend in der Priesterschule von Crayasuma verbracht. Ihre Eltern haben das als eine ganz vernünftige Erziehung für ein junges Mädchen betrachtet, aber als sie 15 Jahre alt und somit nach lidanischen Begriffen im heiratsfähigen Alter ist, holen ihre Eltern sie wieder zurück in die Hauptstadt, um sie hoffentlich bald gut zu verheiraten.
An diesem Punkt - als Riava die Priesterschule verlassen muss - setzt auch die Handlung des Romans ein. Riava selbst würde viel lieber in Crayasuma bleiben und tatsächlich Priesterin werden, da in ihrem Leben die Götter und der Glauben daran eine große Rolle spielen.
Davon abgesehen zweifelt sie ohnehin daran, dass sie eine gute Partie abgibt, da sie nicht wirklich den lidanischen Schönheitsvorstellungen entspricht. Sie ist ziemlich schmal und schlaksig, hat kaum weibliche Rundungen und auch ein eher kantig-herbes Gesicht. Wie die meisten Angehörigen ihres Volkes hat Riava dunkle Haare und Augen und eine hellbraune Haut. 
Das Bild ist übrigens uralt und aus meiner jetzigen Sicht furchtbar (ich konnte damals noch nicht wirklich mit Ölfarben umgehen), aber solange ich kein neues habe, dient es mal als Platzhalter.

Riava hat noch so einige Züge an sich, die darauf hindeuten, dass die "Göttersteine" ursprünglich eine sehr klassische Struktur hatten. So bekommt sie von Tiron, dem Gott der Träume, prophetische Träume geschickt, die sie erst auf die Spur der titelgebenden Göttersteine bringen. Sie sieht es daher als ihre Bestimmung, diesen Weg auch tatsächlich einzuschlagen - dabei ist Tiron eigentlich ein durchaus egoistisches Geistwesen, das Riava schlichtweg als Werkzeug missbraucht.

Charakterlich ist Riava wohl eine meiner positivsten Figuren. Sie ist zwar recht schüchtern und manchmal ängstlich, hat aber eine sehr unvoreingenommene Art, die es ihr ermöglicht, auf die meisten Menschen freundlich und ohne Vorurteile zuzugehen. Sie ist außerdem sehr warmherzig und anders als viele meiner recht kopflastigen Frauenfiguren (ich kann mir ja gar nicht erklären, woher das kommt *hust*) ein sehr emotionaler Mensch, der seinen Gefühlen vertraut. 
Würde ich Riava jetzt neu als Figur entwerfen, würde ich ihren Charakter wohl "grauer" machen, aber sie ist natürlich nicht ohne jegliche Ecken und Kanten. Wenn sie ihre Ziele erreichen will, kann sie nämlich mitunter recht rücksichtslos werden. Zudem wird sie immer wieder von Selbstzweifeln geplagt und steht sich mit ihrer Unsicherheit oft selbst im Weg.
Das klingt alles vielleicht eher "schwach", aber Riava ist aus meiner Sicht eigentlich eine sehr starke Figur. Gerade, weil sie sich immer wieder überwinden und sich ihren Ängsten stellen muss, finde ich es bemerkenswert, dass sie niemals aufgibt, stets unermüdlich weitermacht und sich immer wieder von neuem aufrappelt.

Gerade weil Riava in vieler Hinsicht so ganz anders ist als meine sonstigen Lieblinge unter meinen Figuren, ist es erstaunlich, dass sie sich stets problemlos schreiben lässt. Ich hatte noch nie auch nur die geringsten Probleme, mich in sie hineinzuversetzen und denke, es liegt daran, dass sie eben schon so lange durch meinen Kopf geistert und ich sie entsprechend gut kenne.
Tatsächlich würde ich Riava noch immer als meine Lieblingsfigur bezeichnen. Sie liegt mir wahnsinnig am Herzen und sollte ich im Laufe des 2. Teils der Göttersteine feststellen, dass für den Plot ihr Tod notwendig wäre, dann weiß ich nicht, ob ich das übers Herz bringen könnte.

Die folgende (auch schon uralte) Szene ist ziemlich vom Anfang des Romans, als Riava Vendalar noch nicht lange kennt. Die beiden hatte einen denkbar schlechten Start, aber dennoch erzählt Riava ihm schließlich von ihren Träumen und dass in einem davon auch er vorkam:

Vendalar starrte sie an und jetzt meinte Riava ganz deutlich Angst in seinem Blick zu erkennen. „Warum hast du mich in einem Traum gesehen?“
„Ich denke, dass es wichtig ist, dass ich mit dir diese Reise mache. Und ohne den Traum hätte ich mich vielleicht geweigert.“
„Wichtig?“, fragte Vendalar mit tonloser Stimme.
Mit einemmal hatte Riava das Gefühl, als wäre es ein schrecklicher Fehler, dass sie ihm davon erzählt hatte. Vendalar kam ihr plötzlich wie erstarrt vor, als hätte ihn das Grauen gepackt. „Macht dir das Angst, das mit meinen Träumen?“
„Nein!“, entgegnete Vendalar heftig, zu heftig. Dann runzelte er die Stirn und Riava hatte das Gefühl, als würde er zum ersten Mal wirklich offen mit ihr sprechen, als er sagte: „Doch. Es macht mir Angst.“
„Mir auch.“
Eine Weile sagte niemand ein Wort und Riava fragte sich, was Vendalar nun von ihr halten mochte. Vielleicht hätte sie nicht so offen über ihre Träume sprechen sollen, aber irgendwie war es ihr richtig vorgekommen. Selbst jetzt wollte sie ihre Worte nicht zurücknehmen, nicht so wie bei Galada damals.
Vendalar fragte nicht weiter nach, er schwieg einfach und zum ersten Mal war sie froh über seine Schweigsamkeit. Sein Blick ruhte noch immer auf ihr, aber jetzt beunruhigte dieser Blick sie nicht mehr. Sie wusste nicht weshalb, aber sie fühlte sich verstanden. Sie hatte von ihren Träumen erzählt und er hatte ihr zugehört. Er hatte nicht gesagt, dass sie verrückt wäre und sich das einbildete und auch nicht, dass sie sofort aufhören sollte, solchen Unsinn zu reden, ehe sie noch die Götter beleidigte. Und ihr wurde auf einmal bewusst, dass sie nicht länger Angst vor ihm hatte.

Kommentare:

  1. Das klingt nach einer Figur, die ich sehr mögen würde. Eindeutig starke Frauenfiguren findet man mittlerweile ja auch nicht zu knapp, fast interessanter finde ich daher solche Figuren, die zurückhaltend, ängstlich erscheinen, aber innerhalb ihrer Möglichkeiten, auf ihre Weise, subtil Stärke zeigen. Wahrscheinlich sind diese Figuren sogar realitätsnäher.
    Das Bild gefällt mir übrigens sehr gut, bin aber auch auf eine neue Version gespannt.

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    1. Das freut mich zu lesen. :-) Ich denke, dass ich Riava wohl auch gerade deshalb mag, wobei ich ja auch eine Schwäche für Herun habe, die das klare Gegenteil ist.

      Das Bild passt an sich ja ganz gut zu ihr, aber es ist eben handwerklich nicht gut. Deshalb brauch ich dringend mal ein neues.

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  2. Hach, ich lese deine Charaktervorstellungen immer so gerne. Ein bisschen weiß ich ja dann doch inzwischen über deine Leutchen, aber in so einem zusammengefassten Text treten sie einem doch nochmal deutlicher vor Augen.
    Und Figuren, die sich selber überwinden müssen, finde ich ja auch immer spannender und stärker als die von Anfang an starken Helden.

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    1. Oh, das freut mich, dass du das schreibst. Ich selbst hab nämlich oft die Befürchtung, dass meine Charaktervorstellungen wenig aussagekräftig sind.
      Das mit den starken Helden ist ja so eine Sache. Bei meinen geht es dann oft eher darum, dass sie feststellen müssen, dass sie eben doch nicht so stark sind, dass es Situationen gibt, mit denen sie nicht (allein) klarkommen. Und das finde ich eigentlich auch immer recht interessant.
      Was aber mühsam ist, das sind starke Helden, die einfach stark bleiben und das wars.

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