Samstag, 29. Dezember 2012

[Rezension im Dreierpack] Ferne Zeiten und ferne Orte

Da ich mit Rezensionen mal wieder etwas hinterherhinke (und ich zu manchen Büchern auch gar nicht so viel zu sagen weiß), gibt es für zwischendurch erneut drei Kurzrezensionen, wovon eine Lektüre nun schon etwas länger her ist:

Tereza Vanek - Die Träume der Libussa

Selten fällt es mir so schwer, meine Meinung in Worte zu fassen, wie es bei diesem Roman der Fall ist.
"Die Träume der Libussa" ist ein historischer Roman mit phantastischen Einsprengseln, der sich auf die Spuren des Mythos um die Seherin Libussa und Premysl, den Stammvater des böhmischen Herrschergeschlechts, begibt. Böhmen im 8. Jahrhundert ist mal ein etwas anderer Hintergrund für einen historischen Roman, den ich auch sehr spannend beschrieben fand. Schade, dass die Autorin eher auf Klischees zurückgreift, wenn es um Kelten und Waräger geht, denn sonst wirkt der historische Hintergrund sehr gut recherchiert.
Warum ich den Roman aber letztendlich nur mittelmäßig fand, kann ich nicht klar sagen. Ich hatte mit manchen der Figuren Probleme, bin über die eine oder andere logische Lücke gestolpert und fand vor allem den Mittelteil sehr zäh. Warum ich ihn aber zäh fand und was genau meine Probleme mit den Figuren waren - ich weiß es nicht genau.
Es hat wohl auch mein Lesevergnügen getrübt, dass Vanek oft zu Wiederholungen neigt (man könnte ein Trinkspiel daraus machen, wie oft Premysls kratzige Hände erwähnt werden) und das ebook entweder gar nicht oder extrem schlampig lektoriert wurde. Auf fast jeder Seite fanden sich Fehler - sowohl kleinere Tippfehler als auch komplett fehlende Wörter. Noch nie bin ich in einem publizierten Buch über so viele Fehler gestolpert. Ich weiß nicht, ob das hier nur ein Problem des ebooks ist, aber auch da darf so etwas nicht vorkommen.
Alles zusammen hat bei mir eher einen "naja"-Eindruck hinterlassen. Nicht schlecht, aber auch nicht grandios und daher mittelmäßige 3 von 5 Sternchen.


Rafik Schami - Eine Hand voller Sterne

Das diesjährige Gratisbuch der Stadt Wien erzählt von der Kindheit und Jugend eines Bäckersohns in Damaskus. In Tagebuchform geschrieben wirkt der Roman vor allem am Anfang manchmal etwas ziellos und zerfasert, was ihn aber gleichzeitig als Tagebuch authentisch klingen lässt. Ab der Mitte wurde aber die Geschichte des Ich-Erzählers, der Journalist werden möchte und seinen ganz eigenen Weg findet, um politisch problematische Artikel unter die Leute zu bringen, mehr als spannend und es fiel mir schwer, das Buch aus der Hand zu legen.
"Eine Hand voller Sterne" erzählt von einer schwierigen Kindheit unter schwierigen Umständen mit politischen Umstürzen, Armut, Angst vor Spitzeln und Ungerechtigkeit, behält aber dennoch einen eher heiteren Grundton. In der Hinsicht erinnerte mich der Roman ein wenig an Balzac und die kleine chinesische Schneiderin, das Gratisbuch von 2010. Immer wieder gibt es auch komische und herzerwärmende Situationen, die den Roman trotz der ernsten Untertöne tatsächlich zu einem Lesevergnügen machen.
Ein lesenswertes Buch, das es aber doch nicht geschafft hat, mich nachhaltig zu beeindrucken.
4 von 5 Sternchen


Thomas Burnett Swann - Die Bienenkönigin

Nach Queens Walk in the Dust und Green Phoenix bildet "Lady of the Bees" (das ich leider nur noch auf Deutsch gebraucht auftreiben konnte) das Ende der locker verknüpften Latium-Trilogie.
In diesem Roman, der sich der Sage um Romulus und Remus annimmt, ist von den altbekannten Figuren ist nun nur noch Mellonia übrig. Obwohl Swann mit den beiden Zwillingsbrüdern und dem Faun Sylvan interessante neue Figuren einführt, haben mir Aeneas und auch Ascanius sehr gefehlt.
Vielleicht lag es daran, dass der Roman mich nicht ganz so sehr einfangen konnte wie seine Vorgänger, vielleicht lag es auch an der Übersetzung, die doch deutlich holpriger klingt als der poetisch-blumige Stil im Original. 
Trotzdem ein sehr schöner, melancholischer und stiller Roman, der einen ganz anderen, phantastischen Zugang zur römischen Gründungslegende bietet.
3,5 von 5 Sternchen

Kommentare:

  1. Hm, "Die Träume der Libussa" klingt ja nicht so toll. Ich hatte mir mal die Leseprobe dazu durchgelesen, aber auch da fand ich schon etwas zäh und...ich weiß auch nicht, irgendwie hat es mir nicht gefallen. Zumindest nicht so gut, das ich sofort hätte weiter lesen wollen.

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    1. Ja, mir hat auch die Leseprobe schon nicht so sehr zugesagt. Aber mich hat eben das Setting gereizt, und da das ebook so günstig war ...
      Naja, es war nun auch kein völliger Fehlkauf.

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