Donnerstag, 4. Juli 2013

Marc Elsberg - Blackout


Genre: Thriller
Seiten: 800
Verlag: Blanvalet
ISBN: 9783764504458
Meine Bewertung: 3 von 5 Sternchen




Ausgehend von Italien und Schweden bricht in ganz Europa das Stromnetz zusammen. Während bald allerortens das Chaos ausbricht, sind die Strombetreiber ratlos, was die Ursachen sind und weshalb alle Versuche, die Stromversorgung wiederherzustellen, scheitern.
Der ehemalige Hacker Manzano findet schließlich heraus, dass die Smart Meter, die intelligenten Stromzähler, manipuliert wurden, was einer der Auslöser für die Katastrophe war. Zunächst will ihm niemand Glauben schenken und als er endlich bei dem Europol- Mitarbeiter Bollard Gehör findet, steht er selbst auf der Liste der Verdächtigen ganz oben.

"Blackout" ist ein Thriller mit einem ebenso faszinierenden wie erschreckenden Gedankenspiel: Wie würde unser Leben ohne Strom aussehen? Viel katastrophaler als man vielleicht spontan denken würde. Keine Heizung, keine Wasserversorgung, massive Probleme in Krankenhäusern und Kernkraftwerken, sobald die Notstromaggregate ihre Reserven aufgebraucht haben, fürchterliche Zustände in Betrieben mit Massentierhaltung, die auf Melkmaschinen oder etwa Wärmelampen von Küken angewiesen sind, keine Kühlmöglichkeiten für Lebensmittel und noch vieles mehr.
Marc Elsberg versteht es, die Zustände so glaubhaft und eindringlich zu schildern, dass man unweigerlich darüber nachdenkt, was es eigentlich bedeutet, so völlig vom Strom abhängig zu sein. Im Zusammenhang mit diesen Fragen ist der Roman auch unglaublich spannend: Was sind die kurz- und auch langfristigen Folgen? Wie gehen die Menschen mit dieser Situation um?

Leider hat der Roman meiner Meinung nach aber auch mit vielen Schwächen zu kämpfen. Massiver Infodump ist eine davon. Natürlich ist es notwendig, einige technische Details zu erläutern, damit man dem Roman folgen kann, aber Elsberg schießt oft über das Ziel hinaus und schafft es außerdem nicht, all die Informationen flüssig in den Text einzustreuen. Stattdessen bekommt man die zahlreichen Informationen (von denen nicht alle notwendig sind) einfach hingeknallt, was mehr als ermüdend ist und manches Mal auch allzu belehrend wirkt.

Zugleich Stärke und Schwäche sind die vielen handelnden Figuren: Im Grunde kann der Roman erst seine ganze Wirkung entfalten, indem er die Katastrophe aus zahlreichen Blickwinkeln betrachtet. Gleichzeitig führt das aber gerade anfangs zu einer Vielzahl an Namen, die durch die extrem kurzen Kapiteln umso mehr zu einer gesichtslosen Masse verschwimmen. Was fehlt, das sind Einzelschicksale, die einen berühren, Figuren, an die man sich für längere Zeit heften kann. Zwar sollen wohl Manzano und die Journalistin Shannon als Identifikationsfiguren dienen, aber das funktioniert nur bedingt, umso mehr, da der Autor alle Figuren stets nur mit ihrem Nachnamen nennt und ihrer Ausgestaltung offensichtlich nicht so viel Zeit gewidmet hat wie der Hintergrundrecherche. Ein paar markante Eigenschaften sollen wohl reichen, aber selbst das wirklich spannende Thema kann platte und eindimensionale Figuren nicht ausgleichen.
Zudem sind fast alle handelnden Figuren hohe Tiere entweder in der Regierung oder im Bereich der Stromanbieter und können so zwar interessante Einblicke in die technischen und organisatorischen Probleme liefern, aber es fehlt das Einzelschicksal des "kleinen Mannes". Alle diese hohen Tiere sind lediglich Mittel zum Zweck, werden kaum charakterisiert und sind zudem in der privilegierten Lage, auf eine Notstromversorgung zurückgreifen zu können. 
Abgesehen von einigen Szenen auf der Flucht mit Manzano fehlt also der Blick auf die alltäglichen Probleme, mit denen die meisten Menschen wohl zu kämpfen haben. Und es fehlt auch gewissermaßen eine emotionale Verankerung.

Letztendlich war "Blackout" zwar ein spannender Roman, aber er schaffte es weder mich emotional zu berühren noch mich wirklich mitfiebern zu lassen. Und obwohl er an einigen Stellen durchaus zum Nachdenken anregt, konnte er doch nach dem Lesen nicht in mir nachhallen. Ich würde ihn daher als einen fesselnden, aber leider seelenlosen Thriller bezeichnen. Keine verschwendete Lesezeit zwar, aber auch kein Roman, der mich wirklich überzeugen konnte.

Kommentare:

  1. Ich hatte das Buch gestern in der Hand und hab darin rumgeblättert. Ich würde es eigentlich schon ganz gern lesen wollen, aber hab es dann doch nicht mitgenommen. Dein Text dazu gefällt mir sehr gut, hast du alles wunderbar auf den Punkt gebracht :)

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    1. Danke für das Lob. :-)
      Ich muss sagen, es hat durchaus Spaß gemacht, mal wieder einen spannenden Thriller zu lesen. Er war für mich sehr "filmisch" aufgebaut mit den vielen kurzen Szenen und ständigen Ortswechseln - sowas kennt man ja von Katastrophenfilmen. Aber genauso, wie mir Actionfilme letztendlich nicht "genug" sind (auch wenn sie für kurzweilige Unterhaltung sorgen können), hat mir eben auch bei diesem Roman einiges gefehlt.
      Dass man Action/Spannung und Charaktertiefe durchaus vereinen kann, haben ja die neuen Batman-Filme gezeigt - eine vergleichbare emotionale Tiefe würde ich mir auch mal wünschen, wenn ich einen Thriller lese.

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  2. Schade - die Inhaltsbeschreibung hat mich jetzt sehr interessiert, obwohl ich sonst eigentlich nie Thriller lese, aber ansonsten klingt das eher so, als wäre das auch nix für mich.

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    1. Inhaltlich ist der Roman auch sehr interessant, aber als "Figurenleserin" kommt man halt nicht sehr auf seine Kosten ...

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