Dienstag, 25. Februar 2014

Buchstabengeplauder #1

Ein neuer Labertitel. ;-) Ich weiß noch nicht, ob er mir wirklich gefällt, aber ich finde, er passt nicht so schlecht.

Derzeit ist es hier mal wieder verflixt ruhig. Ich bin auch leider im Februar kaum zum Lesen gekommen, aber immerhin habe ich am Samstag Mirror Mirror ausgelesen, das ich sehr seltsam fand (und ich weiß noch nicht, ob im positiven Sinn). Gestern hab ich dann auch noch Fire and Hemlock ausgelesen, das mir sehr gut gefallen hat, auch wenn mich das Ende nicht ganz überzeugen konnte.

Obwohl diese Woche mit Diensten eigentlich voll gewesen wäre, habe ich nun heute unverhoffte Lesezeit bekommen - aber leider auf eine nicht so angenehme Weise. Ich habe mir nämlich gestern Abend bei einem kleinen Rodelunfall heftig den Fuß geprellt und kann gerade nur unter Schmerzen mühsam hinken. Ja, tatsächlich rodeln - mag man bei 10 Grad und Sonnenschein in Wien gar nicht glauben, aber wir sind zum Nachtrodeln auf den Semmering gefahren und dort war ziemlich viel Schnee. Abgesehen von meinem Unfall war es auch sehr lustig, nur die Nachwirkungen sind natürlich jetzt nicht besonders lustig.
Nun ist also Ruhe und schonen angesagt und abgesehen vom Schreiben an meiner Diss werde ich wohl die Zeit lesend auf dem Sofa vebringen. Oder vielleicht auch häkelnd, untermalt von Das Spiel der Nachtigall, das mich als gut 30stündiges Hörbuch schon seit einer Weile beschäftigt.

Was das Schreiben betrifft, so habe ich im Februar jeden Tag brav ein wenig an "Bühnenrätsel" geschrieben. Zeitbedingt entstehen da zwar pro Tag nicht unbedingt große Mengen, aber steter Tropfen höhlt den Stein. ;-) Irgendwann werde ich dann hoffentlich mit der Rohfassung fertig.

Habt einen schönen Tag und falls ihr demnächst noch irgendeinen Wintersport geplant habt: Seid vorsichtig!

Dienstag, 18. Februar 2014

Reinhold Messner - Der nackte Berg. Nanga Parbat - Bruder, Tod und Einsamkeit


Genre: Sachbuch, Erfahrungsbericht
Seiten: 320
Verlag: Piper
ISBN: 9783492239219
Meine Bewertung: 4 von 5 Sternchen

Sachbuch-Challenge


Der Nanga Parbat war für Reinhold Messner Triumph und Tragödie gleichermaßen: 1970 gelang ihm mit seinem Bruder Günther die Erstbesteigung von der Rupalwand aus, doch beim Abstieg kam Günther ums Leben. Über 30 Jahre später schildert Reinhold Messner nun die Ereignisse - und sucht dabei nach den Ursachen, die zu dem Unglück geführt haben.

Dieses Buch entstand im Zuge der langen Debatten über die Frage nach den genauen Umständen von Günthers Tod. Erst während und nach der Lektüre habe ich mich über die unschöne Auseinandersetzung informiert, die zwischen Reinhold Messner und dem Expeditionsleiter Karl Herrligkoffer sowie weiteren Expeditionsteilnehmern stattgefunden hat. Hintergrund des ganzen war, dass die Messner-Brüder nach Erreichen des Gipfels einen anderen Abstieg wählten, bei dem Günther schließlich starb. Herrligkoffer warf Reinhold Messner vor, er habe die Überschreitung des Gipfels geplant und mit seinem Ehrgeiz den Tod seines Bruders verschuldet, da sie durch die geänderte Route nun fernab der Lager und möglicher Hilfe unterwegs waren. Messner hingegen erklärte, er habe diese leichtere Abstiegsroute gewählt, weil der schlechte Zustand seines Bruders einen Abstieg über die Rupalwand nicht erlaubte und beschuldigte seinerseits Herrligkoffer und die anderen Expeditionsteilnehmer der unterlassenen Hilfeleistung.

Wer in diesem Buch nun nach der endgültigen Wahrheit sucht, wird nicht fündig werden. Messner schildert darin natürlich seine Sicht der Dinge, die weitgehend einleuchtend klingt, in den Details aber doch einige Fragen aufwirft. Ob sich nun wirklich alles genau so zugetragen hat, wie Messner es beschreibt und ob man überhaupt jemandem die Schuld an der Tragödie geben kann, lässt sich auch nach der Lektüre nicht klar sagen.
Ganz unabhängig von diesen Fragen ist "Der nackte Berg" aber ein sehr spannendes und gut zu lesendes Buch. Messner fasst darin zunächst die früheren Besteigungen des Nanga Parbat zusammen und berichtet, wie es dazu kam, dass er und sein Bruder bei der Expedition von 1970 dabei waren. Der Hauptteil des Buches widmet sich dann eben jener Expedition, wobei die Erinnerungen Messners durch Briefe und Tagebucheintragungen der Brüder ergänzt werden. Dabei wird deutlich, dass schon vor der Besteigung nicht alles glimpflich verlief und die Stimmung teilweise von Misstrauen und Unsicherheiten geprägt war.

Messner versteht es sehr gut, die Tage am Nanga Parbat anschaulich zu beschreiben und auch völligen Laien die Schwierigkeiten und Probleme, die mit einer solchen Expedition verbunden sind, näherzubringen. Man merkt beim Lesen auch, wie sehr ihn der Tod seines Bruders und sein eigener schwieriger Abstieg ihn mitgenommen haben. 
Ich muss aber zugeben, dass mir Messner dennoch in seinen Erzählungen nicht sehr sympathisch war, da er sehr von sich überzeugt und teilweise auch selbstgerecht erscheint. Da Herrligkoffer ebenfalls kein einfacher Mensch gewesen sein durfte, kann man schnell nachvollziehen, wie es zu den späteren Auseinandersetzungen kam, die offensichtlich von beiden Seiten mit heftigen Anschuldigungen verbunden waren.

Alles in allem ist "Der nackte Berg" ein sehr faszinierendes und spannendes Buch, das die Besteigung des Nanga Parbat und die tragischen Folgen ausführlich schildert, dabei allerdings ebenso viele Fragen aufwirft wie es Antworten gibt.

Sonntag, 16. Februar 2014

[Wiener Streifzüge] Steinhofgründe

Letzte Woche habe ich einen freien Nachmittag und das schöne Wetter zu einem sehr spontanen Spaziergang genutzt, bei dem ich einen Multicache (diesen hier) suchen wollte. (kleine Anmerkung an meine Schreibgruppe: Tut mir leid, dass ich euch nicht Bescheid gesagt habe, aber das war eine ziemliche "von jetzt auf gleich"-Aktion von mir)
Der Cache führt über die Steinhofgründe mit dem Otto-Wagner-Spital, dem ich ohnehin schon längst einmal einen Besuch abstatten wollte, um mir die Ausstellung Der Krieg gegen die "Minderwertigen" anzusehen.

Beim Otto-Wagner-Spital handelt es sich um eine ursprünglich psychiatrische Anstalt sowie Lungenheilstätte von 1907, die in der NS-Zeit zu einer Institution der Politik gegen "lebensunwertes" Leben wurde. Unzählige Kinder, Jugendliche und Erwachsene kamen dort ums Leben oder wurden von dort in die Tötungsanstalt Hartheim transportiert.
Nach dem Krieg enstanden unterschiedliche Krankhäuser und Pflegeheime, die dann im Jahr 2000 zum Otto-Wagner-Spital zusammengefasst wurden. 

Das ganze Gelände ist eine riesige Anlage, die also eine sehr traurige Geschichte hinter sich hat, was die Schönheit der Jugendstilbauten gewaltig trübt.
Dabei war mein Start zunächst noch sehr fröhlich - zumal ich bei strahlendem Sonnenschein auch gleich das erste Rätsel des Multicaches lösen konnte.

Der Eingang des Sozialpädagogischen Zentrums
Aber schon die nächste Station führte mich dann zum Jugendstiltheater, vor dem 772 Lichtstelen an die Kinder und Jugendlichen erinnern, die hier in der Euthanasie-Anstalt "Am Spiegelgrund" ermordet wurden.


War es das Wissen um die dunkle Vergangenheit der Anstalt, die die Gebäude für mich sehr düster wirken ließen oder haben sie auch ganz unabhängig davon eine äußerst düstere Atmosphäre? Ich weiß es nicht, aber auf jeden Fall fand ich den Gedanken daran, hier als Patientin untergebracht zu sein (viele der Gebäude sind ja noch in Verwendung), trotz der schönen, grünen Lage sehr unangenehm.


Die Stationen des Geocaches führten mich kreuz und quer über das gesamte Gelände und schließlich auch zu diesem hübschen Pavillon, der sich für ein Lesepäuschen angeboten hätte, wäre es nicht trotz Sonnenschein sehr kalt gewesen:


Schließlich führte mich mein Weg zum Pavillon V, in dem die erwähnte Ausstellung untergebracht ist.


Die Ausstellung ist mit zahlreichen abgebildeten Originaldokumenten (Fotos, Briefe, Patientenberichte, etc.) sehr interessant und sehenswert, aber natürlich auch sehr harter Tobak. Auf der Webseite der Gedenkstätte gibt es übrigens auch sehr viele Informationen und Video-Interviews.
Nach dem Besuch der Ausstellung fiel es mir ziemlich schwer, die Jagd nach dem Cache fortzusetzen, da mir das, was ich alles gelesen und gesehen hatte, sehr schwer im Magen lag. Egal, wie viel man auch bereits über Verbrechen der NS-Zeit erfahren hat, man ist immer wieder fassungslos über so viel Grausamkeit. Und über die Ungerechtigkeit, dass einige der Ärzte, die maßgeblich mitverantwortlich an dem Tod vieler Patienten waren, später noch weiter praktizieren durften, sogar Professuren an Universitäten bekamen oder Gerichtsmediziner wurden (siehe etwa der Fall Dr. Gross), will ich gar nicht genauer nachdenken.

Mein letzter Halt vor dem Heben des Caches war schließlich die von Otto Wagner entworfene Kirche am Steinhof, die ich leider nur von außen besichtigen konnte, da sie nicht geöffnet hatte.


Das war also mal ein Streifzug der etwas anderen Art. Zwar ist das Gelände sehenswert und der Multicache war wirklich rundum gelungen, aber davon abgesehen war der Spaziergang eher beklemmend als schön.
Dennoch sind die Steinhofgründe (die mit der Buslinie 48A gut erreichbar sind) auf jeden Fall einen Besuch wert. Alleine die Kirche ist wirklich atemberaubend und die Ausstellung sehr informativ. Und wenn man mehr Zeit hat, kann man auch dem nahegelegenen Dehnepark (den ich demnächst vorstellen werde) noch einen Besuch abstatten.

Montag, 10. Februar 2014

Nähe zu den Figuren um jeden Preis?

Für diesen Beitrag habe ich mir schon vor langem einige Notizen gemacht, aber ich bin die ganze Zeit nicht dazugekommen, meine Gedanken endlich auszuformulieren.
Auslöser des ganzen war dieser Blogartikel von Simone Heller, in dem sie über eine hyperrealistische Erzählweise sowohl in Filmen als auch Literatur schreibt. Ich habe damals den Artikel gelesen  und vieles davon hat mir so sehr aus dem Herzen gesprochen, dass ich ebenfalls einige Worte dazu verlieren wollte. Denn gerade das Thema "personale Erzählperspektive" beschäftigt mich nun schon seit einer ganzen Weile.

Wie Simone Heller finde ich den personalen Erzähler mit seinem Gefühl von "Realität" und seiner Unmittelbarkeit prinzipiell durchaus wirkungsvoll. Er ermöglicht ein völliges Eintauchen in den Roman und gerade die sehr gekonnt durchgeführte personale Perspektive in "A Song of Ice and Fire" funktioniert ungemein gut.
Auf Dauer kann aber auch die schönste Erzählweise eintönig werden. Wenn ich überlege, welche Romane mich auf eine Art und Weise fasziniert haben, dass ich den Erzählstil an sich faszinierend fand, dann waren das etwa im Fantasybereich:
- Guy Gavriel Kay mit seiner kommentierenden Erzählweise, den Rückblenden und Vorausdeutungen und all den Spielmitteln, die einem zur Verfügung stehen, wenn man einen allwissenden Erzähler verwendet.
- Der Sagenton des "Herr der Ringe"
- Der wunderbare auktoriale Erzähler der Rahmenhandlung von "The Name of the Wind", den ich viel mehr mag als den Ich-Erzähler des Hauptteils - ich würde ja lieber mehr über die Gegenwart lesen als über Kvothes Vergangenheit.

Leider wird aber eine solche Erzählstimme immer seltener und oft sogar als "falsch" oder "schlechter Stil" empfunden. Das Problem ist vermutlich: Umso mehr man sich als Leser an den personalen Erzähler gewöhnt, umso fremder wirkt alles andere und umso seltener werden solche Romane letzendlich werden.

Ich merke dieses Gefühl der "Fremdheit" selbst beim Schreiben. Früher war ich viel flexibler und habe so geschrieben, wie es die Geschichte meinem Gefühl nach erforderte. Aber nachdem mir nicht nur Schreibratgeber, sondern auch zahlreiche andere Autoren eingehämmert haben, alles außer der "sauberen" personalen Perspektive wäre im Grunde ein Perspektivenfehler, bin ich beim Schreiben immer mehr von anderen Möglichkeiten abgekommen.
Natürlich, ein personaler Erzähler schreibt sich sehr nah an den Figuren und ist wohl auch die einfachste Art der Erzählperspektive. Er liest und schreibt sich sehr "natürlich" und verringert die Distanz zwischen Figuren und Lesern auf ein Minimum.
Dennoch ist es nicht die einzig richtige Möglichkeit, so wie auch eine gewisse Distanz nicht prinzipiell etwas schlechtes sein muss. 

In meinen "Göttersteinen" habe ich noch einige Relikte aus früheren Jahren, in denen ich beim Schreiben teils auktoriale Einschübe bzw. eine alles überblickende Perspektive gewählt habe; diese helfen enorm, in einer so großen Geschichte mit mehreren Handlungssträngen den Überblick zu behalten.
Aber beeinflusst durch Schreibratgeber, andere Autoren und im Grunde auch durch Bücher wie das erwähnte "Song of Ice and Fire" hatte ich irgendwann das Gefühl, so dürfte ich nicht schreiben und ich müsste immer nah an einer Figur dranbleiben.

Mittlerweile rücke ich von diesem Dogma wieder ab, aber ich habe das Gefühl, dass ich nun gar nicht mehr anders als streng personal schreiben kann. Ich habe mir offensichtlich meine alte Flexibilität selbst ausgetrieben.
Das finde ich ziemlich traurig und da die personale Erzählweise unter Lesen anscheinend auch immer mehr als die einzig wahre Perspektive gilt, frage ich mich wirklich, ob anderen Erzählweisen (vor allem der auktorialen Perspektive) auf Dauer der Tod beschieden ist. Und das wäre ja wirklich schade.

Wie geht es euch damit? Wollt ihr beim Lesen immer möglichst nah an einer Figur dran sein und ganz in sie eintauchen? Oder genießt ihr auch die Distanz und die gewisse Künstlichkeit, die eine auktoriale Erzählperspektive mit sich bringen? Oder achtet ihr darauf gar nicht, solange die Handlung für euch stimmt? Ist euch Nähe zu den Figuren wichtiger als ein Spiel mit Stilmitteln, die es in einer solch unmittelbaren Erzählweise nicht geben kann?

Montag, 3. Februar 2014

[Challenge] Reading Bingo

Hm, wie war das mit "nicht mehr viele Challenges"? Aber diese hier kann ich mir einfach nicht verkneifen:

Durchgestrichene Kästchen sind erledigt - durch einen Klick darauf kommt ihr zur jeweiligen Rezension
Afrikanische Tragödie Fire and Hemlock

Entdeckt habe ich das Lese-Bingo bei Caroline und mir hat die Idee sofort gefallen, da auch die Buchvorgaben viele Freiheiten lassen und dennoch eine reizvolle Herausforderung bieten. Ursprünglich stammt das ganze vom Retreat Book Club (Random House), wo sich folgende "Regeln" finden: 
You can approach the Reading Bingo card however you like: beginners, start by getting one line; if you’re more advanced, try the whole outside box on the card; experts, fill in the whole card!

Mein Ziel ist es natürlich, alle Felder abhaken zu können, wobei das eine oder andere schon etwas schwieriger werden könnte (ewa "A book that scares you" oder "A book based on a true story"). Aber alles in allem klingt das nach einer richtig schönen Challenge!