Mittwoch, 28. Mai 2014

Stieg Larsson - Verblendung



Genre: Krimi
Dauer: 10 Stunden 20 Minuten (gekürzte Lesung)
gelesen von: Dietmar Bär
Verlag: Random House Audio
ISBN: 978-3866049949
Meine Bewertung: 4,5 von 5 Sternchen


Eine Enthüllungsstory über die zweifelhaften Geschäftspraktiken eines Industriellen hat den
 Reporter Mikael Blomqvist in Teufels Küche gebracht. So kommt es für ihn gelegen, als ihn ein alter Mann darauf ansetzt, das spurlose Verschwinden seiner Nichte vor über 40 Jahren aufzuklären. Hilfe erhält Mikael dabei von der Computerspezialistin Lisbeth Salander. Bald merken die beiden aber, dass sie mit ihren Nachforschungen in das reinste Hornissennest gestochen haben.

Für manche Bücher braucht man zwei Anläufe: Ich hatte schon einmal mit "Verblendung" begonnen, als es damals in aller Munde war, aber ich konnte nicht hineinfinden, fand es auch gar nicht fesselnd und da es ohnehin nur geliehen war, habe ich es abgebrochen, noch ehe die eigentliche Handlung begonnen hatte.
Nun habe ich es mit dem Hörbuch noch einmal probiert und kann wirklich nicht mehr nachvollziehen, was mir damals an dem Roman nicht gefallen hat. Gut, die Sache um die Enthüllungsstory am Anfang hat mich auch dieses Mal nicht sofort hineingezogen, aber sobald es um das Verschwinden von Harriet Vanger ging, hatte der Roman mich am Haken. In jeder freien Minute habe ich dem Hörbuch gelauscht, so spannend fand ich die Geschichte.

Dabei ist das Tempo des Romans gar nicht einmal so hoch: Larsson nimmt sich Zeit für seine Figuren, für Beschreibungen und die kleinen Details am Rande. Man kann also nicht behaupten, dass man von einer Actionszene in die nächste stolpert. Trotzdem (oder vielleicht gerade deshalb) fand ich die Handlung beinahe durchgehend sehr spannend. Zunächst dachte ich, es würde sich hier eher um einen Politthriller handeln, aber im Grunde ist "Verblendung" ein ganz klassischer Krimi, der auch mit einigen Überraschungen aufwarten kann. Die eine oder andere Wendung war mir zwar schon recht bald klar, aber das hat die Spannung keineswegs beeinträchtigt - und das große Gesamtbild konnte ich ohnehin erst am Ende überblicken.
Die ganze Geschichte rund um Harriets Verschwinden und Mikaels Nachforschungen innerhalb der verzweigten Vanger-Familie finde ich wirklich hervorragend umgesetzt, auch die Art und Weise, wie der Reporter und Lisbeth nach und nach aufdecken, was damals passiert ist.

Besonders bekannt ist Stieg Larsson wohl für seine beiden Ermittler Mikael und Lisbeth. Gerade die hochintelligente Computerspezialistin, die so einige dunkle Abgründe zu bieten hat, ist eine durchaus interessante Figur. Allerdings muss ich zugeben, dass ich die allgemeine Begeisterung für die beiden nicht gänzlich nachvollziehen kann. Mikael ist nicht unsympathisch, wirkt aber als Figur recht flach. Und Lisbeth kommt mir nicht ganz konsistent gezeichnet vor. Je nachdem, wie es der Plot gerade erfordert, ist sie entweder sozial völlig inkompetent (bis hin zu soziopathisch) oder gänzlich normal und auch mitfühlend in ihrem Verhalten. Das führt dazu, dass sie teilweise zu sehr eine Überflieger-Figur ist, da ihre größte Schwäche nicht konsequent ausgeführt wird.
Im Gesamtkontext des Romans waren das für mich aber doch eher kleine Schönheitsfehler, die mir wohl vor allem deshalb aufgefallen sind, weil Larsson für die beiden immer so hochgejubelt wird.

Alles in allem ist "Verblendung" meiner Meinung nach zu recht so gehypt worden. Wenn ich den Roman auch nicht ganz perfekt fand, handelt es sich doch um eins meiner absoluten Krimi-Highlights der letzten Jahre. Ich hoffe, dass die Nachfolgebände das hohe Niveau halten können! 

Ein paar Worte noch zum Hörbuch: Erst nach dem Hören ist mir aufgefallen, dass es sich um eine gekürzte Lesung handelt. Angesichts der (für einen Krimi) recht stattlichen Hördauer hätte ich das nicht vermutet und mir kam auch nichts an der Handlung sprunghaft oder überhastet vor. Trotzdem kann es natürlich sein, dass meine Kritikpunkte sich zum Teil durch die Kürzung ergeben - es kann aber auch sein, dass ich erst durch die Kürzung den Roman diesmal von Anfang an spannend fand. 
Da mir aber die Lesung von Dietmar Bär sehr gut gefallen hat, werde ich bei "Verdammnis" vielleicht dennoch wieder zum Hörbuch greifen.

Sonntag, 25. Mai 2014

Buchstabengeplauder #9

Hier ist es momentan sehr still, was daran liegt, dass es in meinem Leben alles andere als still ist. Konkreter gesagt: Ich bin gerade in einer Nonstop-Dienstphase, habe 3 Wochen durchgehend jeden Tag Dienst und befinde mich gerade am Ende der zweiten Woche. Dieses Wochenende hat es überhaupt besonders in sich - so bin ich erst vor kurzem aus der Arbeit nach Hause gekommen und muss in einer Stunde schon wieder los zu meinem zweiten Job, wo ich dann noch bis 22:45 arbeite. Da kommt Freude auf ...

Dementsprechend wenig Zeit und Nerven habe ich also gerade, um Rezensionen zu schreiben. Oder mich an meine Romane zu setzen. Oder hier mal wieder eine Figurenvorstellung zu schreiben.

Rechnet also vor Ende nächster Woche nicht damit, dass sich hier allzu viel tut. Ich hoffe, dass ich zumindest mal eine Rezension dazwischen schieben kann, bin aber nicht sehr optimistisch. Aber dann erwarten mich zumindest mal zwei freie Tage, an denen ich vielleicht mal wieder zu irgendetwas komme.

Ich wünsche euch noch einen schönen Sonntagabend und hoffe sehr, dass eurer entspannter verlauft als meiner!

Sonntag, 18. Mai 2014

Neue Seite: Meine Romane

Am Donnerstag habe ich erwähnt, dass ich schon vor ewigen Zeiten eine Seite begonnen habe, auf der ich meine Romane vorstellen möchte. Nun habe ich mich endlich wieder drangesetzt und mich dem Schreckgespenst "Wie soll ich einen Monsterroman wie die Göttersteine kurz zusammenfassen" gestellt.
Und tadaa: Rechts oben seht ihr nun in meiner Linkleiste die neue Seite Romanprojekte. Dort findet ihr bislang drei meiner Projekte - Frostpfade, Bühnenzauber, Die Göttersteine - mit einer kurzen Inhaltsangabe, Hintergründe zum Schreiben des Romans, ein paar Eckdaten (Länge, Genre, etc.) und Links zu den jeweiligen Figurenvorstellungen. Im Laufe der Zeit werden dann hoffentlich weitere Vorstellungen folgen (z.B. zu meinem aktuellen Projekt "Bühnenrätsel" oder dem auf Eis liegenden "Die geraubte Seele").
Damit das ganze nicht zu unübersichtlich ist, könnt ihr die einzelnen Projekte innerhalb der Seite anspringen - da ich nun endlich herausgefunden habe, wie man innerhalb einer Blogseite Ankerpunkte setzt (bislang hatte ich es immer nur mit dem html-Code versucht, wie man es auf normalen Webseiten macht und übersehen, dass das bei Blogs etwas anders funktioniert).

Auf diese Weise bekommt nun auch mein Blogtitel wieder etwas mehr Berechtigung - in letzter Zeit habe ich hier ja das "vom Schreiben" schändlich vernachlässigt.

Donnerstag, 15. Mai 2014

Buchstabengeplauder #8

Lese- und Rezensionsgeplauder
 
Da ich in der letzten Zeit einigermaßen brav meine Rezensionen abgearbeitet habe, wird mein Stapel der unrezensierten Bücher (dafür bräuchte man auch eine Abkürzung) nun auch kleiner - aktuell fehlen mir nur noch "Verblendung" und "The World of Downton Abbey".
Momentan ertrinke ich allerdings ein wenig in Diensten; hoffentlich komme ich also dennoch zu den Rezensionen, ehe ich weitere Bücher auslese. ;-) Ich lese noch immer "The Raven Boys" und brauche dafür nicht etwa so lang, weil es mir nicht gefällt (bis jetzt mag ich den Roman sehr!), sondern weil ich eben nicht so viel Zeit zum Lesen finde. Parallel habe ich außerdem ein Hörbuch - "Die geheimnisvolle Insel" - und ein Sachbuch - "Goethe & Schiller" - begonnen.

Projekt "Zufallsbuch"

Bei BücherFähe habe ich dieses tolle Projekt entdeckt, bei dem es darum geht, nach zufälligen Vorgaben ein Buch aus der Bibliothek auszuleihen. Ihr könnt das bei ihr genauer nachlesen - man hat halt Kärtchen für den Anfangsbuchstaben des Nachnamens, für das Genre und für Mann/Frau.
Ich finde die Idee sehr schön, zumal ich ohnehin gern wieder öfter Zufallsbücher aus der Bücherei mitnehmen möchte. Also habe ich vor meinem letzten Besuch der Bücherei rasch solche Kärtchen geschrieben und mir die Vorgaben für mein Zufallsbuch gezogen.
Als Genres habe ich die Unterteilungen meiner nächstgelegenen Zweigstelle gewählt, da dort die Bücher sehr stark nach Genres unterteilt sind (in der Hauptstelle, wo ich häufiger bin, gibt es nur sehr wenige grobe Unterteilungen, daher ist sie nicht so gut geeignet).
Nun ja, eines der "Genres" meiner Zweigstelle nennt sich Kritische Unterhaltung und genau das habe ich gezogen, gepaart mit dem Buchstaben J und "weiblich". Mit diesen Vorgaben blieb mir dann die ungeheure Auswahl von zwei Büchern. Also eh das beste für so entscheidungsfreudige Menschen wie mich. *gg*
Mitgenommen habe ich "Mein kleines schmutziges Buch von der gestohlenen Zeit" von Liz Jensen, das ziemlich schräg klingt. Ich bin ja mal gespannt, was mich da erwartet.
Um mich mit diesem Projekt nicht zu sehr unter Druck zu setzen (ich habe eh schon genug Challenges), nehme ich mir das aber nicht wie BücherFähe fix für jeden Monat vor. Ich werde mir also einfach immer dann ein Zufallsbuch mitnehmen, wenn mir gerade danach ist. 

"Lieblingsblog" bei Lesemomente

Als ich gestern nach der Arbeit meine Blogs abgeklappert habe, was haben da meine müden Augen gesehen? Tine hat meinen Blog bei ihrem wöchentlichen Projekt "Lieblingsblog" vorgestellt!
Ich habe mich nicht nur sehr darüber gefreut, dass sie meinen Blog ausgewählt hat, sondern auch über ihre lieben Worte.
Und nun nagt mal wieder das schlechte Gewissen an mir, weil sie meine Figurenvorstellungen so gelobt hat, diese Kategorie aber in der letzten Zeit schändlich vernachlässigt wurde - wie so ziemlich alles, was mit dem Schreiben zu tun hat. :-(
Nun nehme ich mir also wieder einmal fest vor, auch mal wieder eine meiner Figuren vorzustellen und allgemein mehr übers Schreiben zu bloggen (und auch wieder mehr zu schreiben ...). Wenn ich daran denke, dass ich schon vor Ewigkeiten eine Seite mit Romanvorstellungen begonnen und nie gepostet habe ... Es war mein Monsterprojekt "Göttersteine", das diese Vorstellungen zum Stillstand gebracht hat, da ich ganz klitzekleine Schwierigkeiten hatte, die verwickelte Handlung kurz zusammenzufassen, ohne dass sie fürchterlich klischeehaft klingt.
Auch an diesen Romanvorstellungen möchte ich in nächster Zeit endlich weiterarbeiten.

Das sind schon wieder ganz schön viele Vorsätze/Vorhaben angesichts meines vollen Dienstplans. Ich hoffe sehr, dass ich zumindest ein paar davon in die Tat umsetzen kann.

Dienstag, 13. Mai 2014

Guy Gavriel Kay - The Fionavar Tapestry


Genre: High Fantasy
Verlag: HarperCollins Canada
Seiten: 774
ISBN: 978-0006479505
Meine Bewertung: 3 von 5 Sternchen




Fünf junge Menschen werden von dem Magier Loren aus ihrem Studienleben in Toronto gerissen und nach Fionavar, die Erste aller Welten, versetzt. Was zunächst wie ein seltsames, aber harmloses Abenteuer wirkt, wird schnell zu einem tödlichen Ernst, als es dem dunklen Gott Rakoth Maugrim gelingt, sich aus seiner jahrhundertelangen Gefangenschaft zu befreien. Die fünf Studenten müssen feststellen, dass sie in dem einsetzenden Krieg eine wichtige Rolle spielen werden.

"The Fionavar Tapestry" ist eine Trilogie, die aus den drei Bänden "The Summer Tree", "The Wandering Fire" und "The Darkest Road" besteht. Den 1. Band hatte ich bereits vor Jahren auf Deutsch gelesen, mehr aber nicht, da es den Folgeband leider nicht in der Bücherei gab und die deutschen Bände nur noch schwer aufzutreiben sind.
Nun, da ich endlich die ganze Trilogie gelesen habe, habe ich mir einige Male gewünscht, ich hätte sie schon damals vollständig gelesen. Denn bei "Fionavar" handelt es sich um einen Roman, der mir vor einigen Jahren sicher noch viel besser gefallen hätte als jetzt.

Es ist sehr klassische High Fantasy und leider musste ich feststellen, dass das inzwischen nicht mehr so ganz mein Fall ist. "Fionavar" unterscheidet sich wirklich grundlegend von Kays späteren Romanen und hat deutliche Anleihen an "Herr der Ringe". Das ist jetzt noch nicht einmal negativ gemeint: Anders als viele andere "Erben Tolkiens", die lediglich oberflächliche Plotstrukturen und die üblichen Völker von Tolkien übernommen haben, sind bei Kay die Parallelen eher in der Tiefe zu finden. Seine Welt vermittelt denselben Eindruck mythologischer Tiefe wie Mittelerde und auch sonst sind die Ähnlichkeiten eher in einer ganz bestimmten Atmosphäre zu finden als in der eigentlichen Handlung.
Dieses Gefühl einer mythologischen Tiefe hat mich schon beim ersten Mal Lesen begeistert und mir auch jetzt gerade am 1. Band gut gefallen. Leider schlägt Kay aber dann im 2. Band mit der Verknüpfung der Artus-Sage einen Weg ein, der mich nicht so recht überzeugen konnte. Für mich will sich das alles nicht harmonisch ineinander fügen und dazu kommt im Zusammenhang mit der Artus-Sage auch noch das Prinzip des unausweichlichen Schicksals, das mir nicht gefallen hat. Dadurch konnte ich auch mit allen Figuren, die rund um dieses Element angeordnet sind (vor allem Jennifer) nicht sehr viel anfangen.

Leider konnten mich aber auch die anderen Figuren zum großen Teil nicht überzeugen, obwohl ich sonst Kays Charakterzeichnungen immer sehr schätze. Aber in "Fionavar" sind die meisten recht eindimensional gestaltet und ein bisschen gar heldenhaft dargestellt. Wirklich mitfühlen konnte ich mit kaum jemandem, am ehesten noch mit Prinz Diarmuid, der Priesterin Jaelle und Paul. Dass mich nur die wenigsten Figuren emotional packen konnten, hat dann leider auch dazu geführt, dass ich "unterwegs" beinahe das Interesse verloren habe. Dabei gäbe es mit zahlreichen Kämpfen genug "Action", die ich aber die meiste Zeit nicht allzu spannend fand. Auch eine der zentralen Liebesgeschichten hat mich gar nicht überzeugt, denn wo bleibt das wirkliche Gefühl, wenn ohnehin alles schon schicksalhaft vorgegeben ist?
Nach einem starken Beginn und einem schwachen Mittelteil folgte dann aber zum Glück doch wieder ein starkes Ende, das mich dann auch tatsächlich noch einmal gefesselt hat.

Alles in allem blieb Kays Erstling für mich aber um Welten hinter seinen späteren Werken zurück, die sich nicht nur aus dem Einfluss Tolkiens gelöst haben, sondern auch mit interessanteren Figuren und einer größeren emotionalen Tiefe aufwarten. Auch das ständige Eingreifen von Göttern und anderen Mächten kommt bei Kays späteren Romanen nicht mehr zum Einsatz.

"Fionavar" ist eine sehr klassische und auch anspruchsvolle Fantasy-Trilogie, die in Stimmung und mythologischem Hintergrund an Tolkien erinnert. Das hat mir anfangs noch sehr gut gefallen, aber gerade im 2. Band wurde mir dann das Schicksalsprinzip zu übermächtig und die Figuren konnten mich nicht überzeugen.
Da ich das Ende dann wieder gelungen fand und die Trilogie (wie alle Werke von Kay) sprachlich ein Genuss ist, gibt das doch noch 3 von 5 Sternchen. Ich denke aber, dass meine Bewertung vor einigen Jahren noch deutlich positiver ausgefallen wäre - inzwischen habe ich es gern etwas realistischer und "handfester".

Mittwoch, 7. Mai 2014

Frank Schätzing - Lautlos


Genre: Thriller
Dauer: 22 Stunden 13 Minuten (ungekürzte Lesung)
gelesen von: Stefan Kaminski
Verlag: der Hörverlag
ISBN: 978-3867178310
Meine Bewertung: 2 von 5 Sternchen



Bei seinem Besuch am 18. Juni 1999 zu einem Weltgipfel in Köln soll Bill Clinton einem Anschlag zum Opfer fallen. Die Auftragskillerin Jana hat in der Operation "Lautlos" alles minutiös geplant und bezweifelt nicht, dass alles glatt über die Bühne gehen wird. Durch Zufall schöpft aber der irische Physiker und Schriftsteller Liam O'Connor, der gerade für eine Lesereise nach Deutschland gekommen ist, Verdacht. Wie glaubwürdig ist aber ein Mann, der zwar als Anwärter auf den Nobelpreis gilt, in erster Linie allerdings für seine Alkoholexzesse und seltsamen Scherze bekannt ist?

Während mir "Der Schwarm" vor einigen Jahren sehr gut gefallen hat, konnte mich Schätzings Politthriller "Lautlos" ganz und gar nicht überzeugen. Dabei ist die Idee interessant und der Plot könnte auch spannend sein, wäre die Umsetzung anders ausgefallen.
Eins der größten Probleme des Romans ist Schätzings unglaubliche Geschwätzigkeit und der damit verbundene Infodump. Vor allem die Dialoge ziehen sich oft unendlich in die Länge, da ständig über alle möglichen (und unmöglichen) Themen geredet wird, die mehr (oder eher weniger) zur Handlung passen und offensichtlich vor allem dazu da sind, um zu zeigen, was der Autor nicht alles weiß. 
Und natürlich, wie toll Liam O'Connor ist. Damit sind wir nämlich bei meinem Hauptkritikpunkt. Es wird mehrmals betont, wie wahnsinnig gutaussehend der Physiker ist, nämlich "der schönste Mann von Irland" - dass seine Beschreibung frappant an Frank Schätzing erinnert, ist dann in dem Zusammenhang schon recht witzig. Außerdem ist Liam natürlich wahnsinnig intelligent, kann alles, was er macht, super und selbst, wenn er betrunken ist, büßt er nichts von seinem Charme (haha!) und seinem scharfen Verstand ein.
Blöd nur, dass für mich Liam vor allem eines war: ein präpotentes Arschloch, das ständig zum Ausdruck bringen muss, wie sehr doch alle unter seiner Würde sind. Es gibt hier im Wesentlichen nur Überflieger, die entweder zu Liams auserwählten Freundeskreis gehören oder zumindest seine gefährlichen Gegner sind, und Idioten, die samt und sonders als lächerlich beschrieben werden (da geschieht es ihnen ja recht, dass der unwiderstehliche Ire auf sie herabsieht und sich über sie lustig macht, nicht wahr?).

Besonders enttäuscht hat mich Kika Wagner, Liams Pressesprecherin, die darauf achten soll, dass er sich nicht allzu sehr daneben benimmt. Zunächst macht sie noch einen ganz interessanten Eindruck, aber bald ist sie nur noch dazu da, um den Lesern zu zeigen, wie attraktiv und toll und charmant und - erwähnte ich schon toll? - Liam ist. Und dadurch, dass Liam sie als "würdig" betrachtet, von ihm geliebt zu werden, wird gezeigt, wie einzigartig auch sie sein muss.
Das ist ein Motiv, das in Büchern immer wieder auftaucht und das mich wahnsinnig nervt: Wenn eine weibliche Figur nur dadurch besonders wird, dass der tolle Hecht (der zuvor alle Frauen nur als Matratze betrachtet hat) sich in sie verliebt. Natürlich muss Kika dann bei der tatsächlichen Action verhindert sein, um dem Mann bei seinen Touren im Alleingang nicht die Show zu stehlen.

Tut mir leid, wenn das jetzt alles sehr bissig klingt, aber wegen dieser Dinge habe ich bei dem Roman wirklich gefühlte hundert Mal die Augen verdreht, auch wenn ich mich gleichzeitig darüber amüsiert habe.
Der parallele Handlungsstrang, der Jana und der Operation "Lautlos" über die Schulter blickt, ist da deutlich besser gelungen. Auch wenn es ein paar Logiklücken und unrealistische Dialoge gibt, ist der Roman in diesen Passagen oft wirklich spannend.

Alles in allem konnte mich der Roman aber nicht überzeugen. Auch sprachlich klingt er oft sehr bemüht und gekünstelt, aber zumindest hat Stefan Kaminski als Sprecher eine gewohnt solide Leistung geliefert. Es macht einfach Freude ihm zuzuhören, auch wenn das Buch selbst nicht ganz soviel Anlass zur Freude bietet.

Dienstag, 6. Mai 2014

Wolf Haas - Das Wetter vor 15 Jahren


Genre: Roman
Verlag: dtv
Seiten: 224
ISBN: 978-3423136853
Meine Bewertung: 5 von 5 Sternchen

"Zurück in die Vergangenheit"-Challenge 


Vittorio Kowalski ist wie besessen von dem Wetter in einem österreichischen Bergdorf, in dem er früher mit seinen Eltern oft Urlaub gemacht hat. Mit seiner Besessenheit schafft er es sogar zum Wettkönig bei "Wetten, dass...?". Aber wie kommt es überhaupt, dass er das Wetter eines jeden einzelnen Tages in Farnach kennt? Und was ist damals vor 15 Jahren passiert, als er zum letzten Mal dort war?

Das besondere an "Das Wetter vor 15 Jahren" ist, dass darin nicht einfach Vittorio Kowalskis Geschichte erzählt wird, sondern dass es in Form eines Interviews über diesen Roman geschrieben ist, das ein fiktiver Wolf Haas vier Tage mit einer Journalistin führt. Das klingt zunächst einmal so schräg, dass ich mir vor einigen Jahren, als ich das Buch zum ersten Mal gelesen habe, kaum vorstellen konnte, wie das funktionieren soll. Aber das tut es und der Roman hat auch beim zweiten Mal nichts von seiner Faszination eingebüßt.

Durch die Form des Interviews entblättert sich der Inhalt erst nach und nach. Man steigt sozusagen mit dem Ende des Romans ein und erfährt dann ganz allmählich die Zusammenhänge und Geschehnisse. Das ist ungemein spannend und hat beinahe etwas von einem Krimi, auch ohne Detektiv und Mordfall.
Köstlich sind auch die Ironie und der sanfte Spott, mit dem Wolf Haas darin den Literaturbetrieb aufs Korn nimmt. Wenn die Journalistin in jedes kleine Detail eine Bedeutung hineininterpretiert, die der Autor selbst nie darin gesehen hätte, ist das ein herrlicher Seitenhieb auf manche Literaturkritiker. Zugleich spart Wolf Haas darin aber auch nicht mit Selbstironie und nimmt sich mit demselben Augenzwinkern auch selbst aufs Korn.
Dazu gibt es auch den Haas-typischen Stil, der etwas von einem humorvollen Plauderton hat, auch wenn die Sprache und der Umgang mit Grammatik konventioneller ausfallen als in den Brenner-Krimis.

Das Highlight des Buches ist für mich das Gespräch über - der Titel verrät es ja schon - das Wetter vor 15 Jahren. Die Atmosphäre, die sogar in der Interview-Form aufgebaut wird, ist unglaublich. In diesem Moment ist man ganz bei Vittorio und seiner Jugendliebe Anni mit dabei und kann die Hitze des damaligen Sommertages nahezu auf der eigenen Haut spüren. Auf diesen Teil des Buches habe ich mich bei meinem Reread schon die ganze Zeit gefreut, weil er mir vom ersten Mal Lesen so deutlich in Erinnerung geblieben ist (obwohl ich einiges andere seither gänzlich vergessen hatte).

Vielleicht ist dieses Romanexperiment nicht jedermanns Fall - ich empfehle ein Hineinblättern um zu sehen, ob man sich mit Haas' Sprache und Humor anfreunden kann. Ich persönlich bin ein großer Fan des Autors und liebe beides. Mir haben nicht alle seine Bücher gleich gut gefallen, aber "Das Wetter vor 15 Jahren" rangiert bei mir ganz oben, gleich neben "Silentium" und "Wie die Tiere", auch wenn diese beiden Krimis im Aufbau gänzlich anders sind.
Ich kann mir gut vorstellen, dass ich zu dem Buch auch noch ein drittes Mal greifen werde.

Montag, 5. Mai 2014

Buchstabengeplauder #7

Die letzten Tage waren bei mir sehr gemütlich und entspannend. Am Freitagabend ist meine Nichte zu mir nach Wien gekommen - etwas, das wir schon längst geplant hatten. Wir wollten eigentlich zum Waldseilpark Kahlenberg, aber leider war das Wetter am Samstag schlecht und der Waldseilpark hatte deshalb geschlossen. Wir haben uns dann die Zeit stattdessen mit Geocachen, Brettspielen und Knüpfen vertrieben, was auch sehr nett war.

Am Samstagabend habe ich meine Nichte zurück zu meiner Familie begleitet, wo ich bis heute Mittag geblieben bin. Und nach dem ziemlich anstrengenden Ostertreffen war das nun eine richtige Wohltat im Vergleich. Ich habe gemütlich auf der Terrasse gelesen, meine älteste Schwester und ihren Schwager besucht, um deren Geburtstag im ganz kleinen Kreis zu feiern (da ich nächste Woche zur eigentlichen Feier nicht kommen kann), habe ein wenig meine Bücher, die noch in meinem alten Zimmer stehen, ausgemistet (und mich dabei an manchen wieder festgelesen) und in diverse Romane meiner Mutter reingeblättert.
Und als Draufgabe gabs auch noch Baby-Meerschweinchen zu sehen:

Keine Sorge, das ist nur eins ihrer kleinen Häuschen -
die haben auch noch reichlich Platz im Freigehege

Bei meiner gemütlichen Lesezeit auf der Terrasse habe ich dann auch endlich die Fionavar-Trilogie von Guy Gavriel Kay beendet. Nach einem ziemlichen Durchhänger hat mir das Ende dann doch wieder ganz gut gefallen. Alles in allem ist das für mich aber bisher das schwächste Werk von Kay - eine Rezension folgt noch (wodurch sich meine Liste der zu rezensierenden Buücher nochmal verlängert ...).
Danach habe ich mit The Raven Boys von Maggie Stiefvater begonnen, das schon mal eine interessante Handlung und interessante Figuren verspricht. Und weil ich nach Das Wetter vor 15 Jahren gerade so in Wolf Haas-Stimmung war und eh grad ein neues Hörbuch brauchte, habe ich nochmal Das ewige Leben zu hören begonnen (es handelt sich dabei um eine Live-Lesung des Autors selbst).

Alles in allem waren es also neben einem erfolgreichen Lesewochenende auch angenehme Familientage. Ich glaube, ich sollte nur noch außerhalb von großen Feiern zu meiner Familie fahren - das ist viel entspannter. ;-)

Freitag, 2. Mai 2014

[Nobelpreis-Challenge] Halbzeit!

Mittlerweile ist schon gut das erste halbe Jahr der Challenge vorbei - und dafür, dass wir schon Halbzeit haben, sieht es bei ein paar noch recht leer aus. Also kommt in die Gänge! Ich will doch am Ende möglichst viele erfolreiche Teilnehmer haben! :-)
Bei der Bücherphilosophin habe ich noch nicht einmal eine Challengeseite gefunden - bist du noch dabei? Und "Weltenlesen", der Blog von Evie, ist leider überhaupt ganz von der Bildfläche verschwunden.

Ariana und ich haben seit dem letzten Überblick beide unser viertes Buch gelesen - und wie es der Zufall so will, war es bei uns beiden Disgrace/Schande von J. M. Coetzee, das uns beide ziemlich verstört hat (obwohl Ariana es schon zum zweiten Mal gelesen hat).
Mehr Begeisterung für ihre Lektüre haben Birte und cat gezeigt, die inzwischen ebenfalls ihre ersten Bücher rezensiert haben - sowohl Früchte des Zorns, das Birthe ziemlich überwältigt hat, als auch Das Mädchen Orchidee, das cat gleich mal allen ans Herz gelegt hat, tummeln sich nun auf meiner Leseliste.
Und auch Nina hat mit Liebe von Toni Morrison offensichtlich einen Volltreffer gelandet.

Auch wenn also im letzten Vierteljahr nicht so viele Bücher für die Challenge gelesen wurden, fiel die Bilanz doch vorwiegend positiv aus. Na, ist das denn kein Ansporn für die anderen, sich auch mal auf die ersten Nobelpreisträger zu stürzen?

Hier gabs übrigens den ersten Überblick und das ist der derzeitige Stand der Dinge (den ihr auch jederzeit auf meiner Challenge-Seite findet):