Mittwoch, 7. Mai 2014

Frank Schätzing - Lautlos


Genre: Thriller
Dauer: 22 Stunden 13 Minuten (ungekürzte Lesung)
gelesen von: Stefan Kaminski
Verlag: der Hörverlag
ISBN: 978-3867178310
Meine Bewertung: 2 von 5 Sternchen



Bei seinem Besuch am 18. Juni 1999 zu einem Weltgipfel in Köln soll Bill Clinton einem Anschlag zum Opfer fallen. Die Auftragskillerin Jana hat in der Operation "Lautlos" alles minutiös geplant und bezweifelt nicht, dass alles glatt über die Bühne gehen wird. Durch Zufall schöpft aber der irische Physiker und Schriftsteller Liam O'Connor, der gerade für eine Lesereise nach Deutschland gekommen ist, Verdacht. Wie glaubwürdig ist aber ein Mann, der zwar als Anwärter auf den Nobelpreis gilt, in erster Linie allerdings für seine Alkoholexzesse und seltsamen Scherze bekannt ist?

Während mir "Der Schwarm" vor einigen Jahren sehr gut gefallen hat, konnte mich Schätzings Politthriller "Lautlos" ganz und gar nicht überzeugen. Dabei ist die Idee interessant und der Plot könnte auch spannend sein, wäre die Umsetzung anders ausgefallen.
Eins der größten Probleme des Romans ist Schätzings unglaubliche Geschwätzigkeit und der damit verbundene Infodump. Vor allem die Dialoge ziehen sich oft unendlich in die Länge, da ständig über alle möglichen (und unmöglichen) Themen geredet wird, die mehr (oder eher weniger) zur Handlung passen und offensichtlich vor allem dazu da sind, um zu zeigen, was der Autor nicht alles weiß. 
Und natürlich, wie toll Liam O'Connor ist. Damit sind wir nämlich bei meinem Hauptkritikpunkt. Es wird mehrmals betont, wie wahnsinnig gutaussehend der Physiker ist, nämlich "der schönste Mann von Irland" - dass seine Beschreibung frappant an Frank Schätzing erinnert, ist dann in dem Zusammenhang schon recht witzig. Außerdem ist Liam natürlich wahnsinnig intelligent, kann alles, was er macht, super und selbst, wenn er betrunken ist, büßt er nichts von seinem Charme (haha!) und seinem scharfen Verstand ein.
Blöd nur, dass für mich Liam vor allem eines war: ein präpotentes Arschloch, das ständig zum Ausdruck bringen muss, wie sehr doch alle unter seiner Würde sind. Es gibt hier im Wesentlichen nur Überflieger, die entweder zu Liams auserwählten Freundeskreis gehören oder zumindest seine gefährlichen Gegner sind, und Idioten, die samt und sonders als lächerlich beschrieben werden (da geschieht es ihnen ja recht, dass der unwiderstehliche Ire auf sie herabsieht und sich über sie lustig macht, nicht wahr?).

Besonders enttäuscht hat mich Kika Wagner, Liams Pressesprecherin, die darauf achten soll, dass er sich nicht allzu sehr daneben benimmt. Zunächst macht sie noch einen ganz interessanten Eindruck, aber bald ist sie nur noch dazu da, um den Lesern zu zeigen, wie attraktiv und toll und charmant und - erwähnte ich schon toll? - Liam ist. Und dadurch, dass Liam sie als "würdig" betrachtet, von ihm geliebt zu werden, wird gezeigt, wie einzigartig auch sie sein muss.
Das ist ein Motiv, das in Büchern immer wieder auftaucht und das mich wahnsinnig nervt: Wenn eine weibliche Figur nur dadurch besonders wird, dass der tolle Hecht (der zuvor alle Frauen nur als Matratze betrachtet hat) sich in sie verliebt. Natürlich muss Kika dann bei der tatsächlichen Action verhindert sein, um dem Mann bei seinen Touren im Alleingang nicht die Show zu stehlen.

Tut mir leid, wenn das jetzt alles sehr bissig klingt, aber wegen dieser Dinge habe ich bei dem Roman wirklich gefühlte hundert Mal die Augen verdreht, auch wenn ich mich gleichzeitig darüber amüsiert habe.
Der parallele Handlungsstrang, der Jana und der Operation "Lautlos" über die Schulter blickt, ist da deutlich besser gelungen. Auch wenn es ein paar Logiklücken und unrealistische Dialoge gibt, ist der Roman in diesen Passagen oft wirklich spannend.

Alles in allem konnte mich der Roman aber nicht überzeugen. Auch sprachlich klingt er oft sehr bemüht und gekünstelt, aber zumindest hat Stefan Kaminski als Sprecher eine gewohnt solide Leistung geliefert. Es macht einfach Freude ihm zuzuhören, auch wenn das Buch selbst nicht ganz soviel Anlass zur Freude bietet.

Kommentare:

  1. Ich finde, dass es eben manchmal bissig klingen muss, wenn man über solche Elemente in einer Geschichte stolpert.

    Stefan Kaminski ist mir auch schon lange nicht untergekommen, den mag ich als Sprecher auch sehr gern.

    AntwortenLöschen
  2. Hmmm, ich muss gestehen, dass ich bisher immer geglaubt habe, nie das Wort "Arschloch" aus deinem Mund zu hören kriegen werde. Irgendwie ... passt das nicht zu der Vorstellung, die ich von dir habe :D
    Aber irgendwie kann ich es gut verstehen, dass dich so eine Story dazu verleiten lässt. Ich mag so super-duper Helden, die von allen angeschmachtet werden (und das auch noch wissen!), überhaupt nicht. Von Frank Schätzing habe ich noch nie was gelesen; obwohl ich vor Jahren mal "Der Schwarm" begonnen habe zu lesen - dann fand ich es jedoch nach wenigen Kapiteln so ... öde, dass ich beiseite und bisher nie wieder dazu gegriffen habe...

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. *gg* Solche Wörter nehm ich auch nur selten in den Mund (und schriftlich noch weniger), aber bei Liam musste ich mich mal etwas unverblümter ausdrücken.
      Ich finde so arrogante Typen, die sich selbst toll finden, gar nicht mal per se uninteressant, aber dann müssen sie schon mal ordentlich eins auf den Deckel bekommen oder aber zumindest bei einer angeblich intelligenten Frau wie Kika abblitzen. Aber die findet ihn ja von Anfang an super. %-)

      Ich fand den Schwarm ja total spannend (auch wenn ich das letzte Drittel nicht besonders mochte). Als ich den gelesen habe, musste ich gerade für eine Prüfung lernen und habe es nahezu als Qual empfunden, dass ich nicht einfach stundenlang weiterlesen konnte.
      Ob ich ihn jetzt noch mögen würde, weiß ich aber auch nicht.

      Löschen
    2. Vielleicht sollte ich es auch nochmal versuchen. So eine zweite Chance, sozusagen...

      Löschen
  3. Stefan Kaminski... öhh... nun ja, bis jetzt habe ich ihn nur bei Kinderhörbüchern gekannt, also kann ich mir das nur schwer vorstellen, aber gut... Vielleicht sollte ich endlich mal "Der Schwarm" lesen.

    AntwortenLöschen
  4. Also entschuldige dich doch bitte nicht dafür, wenn das bissig klingt - ich finde das hochradig sympathisch! (Und außerdem hab ich mich kaputt gelacht :p)

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Freut mich, dass du dich amüsiert hast! *g*

      Löschen

Anregungen, Lob, Tadel? Immer her damit, ich freu mich über alle Kommentare!
Nur nicht über Spam, mit dem ich seit dem Abschalten der Sicherheitsabfrage schon wieder überflutet werde - daher versuche ich es jetzt einmal mit Moderation.