Montag, 30. Juni 2014

Kurzes Lebenszeichen

Ich wollte mich nur rasch mal melden, da es hier schon eine Weile so still ist. Ich bin derzeit für einige Tage bei meiner Familie und habe hier nicht nur schlecht Zugang zu einem Computer, sondern auch wenig Zeit zum Bloggen. Meine Mutter ist im Krankenhaus und ich besuche sie regelmäßig, außerdem habe ich auch noch ein wenig mit meinen Geschwistern meinen Geburtstag nachgefeiert und nutze die Tage hier, um mich mal wieder mit alten Freunden zu treffen.
Die Zeit dazwischen nutze ich zum Lesen und ein wenig erholen, da das gerade auch gleichzeitig mein "Urlaub" ist.
Bis demnächst also!

Montag, 23. Juni 2014

Buchstabengeplauder #11

Allmählich wird es bei mir wieder ein wenig ruhiger. Ich habe die erste Woche in meinem neuen Zweitjob gut überstanden und habe allgemein in nächster Zeit etwas weniger Dienste als in den letzten beiden Monaten.
Das bedeutet, dass ich hoffentlich wieder etwas mehr Zeit zum Lesen finden werde und auch für alle möglichen anderen Dinge, die ich in letzter Zeit vor mir hergeschoben habe.
Aktuell habe ich mit meinem Zufallsbuch Mein kleines schmutziges Buch der gestohlenen Zeit begonnen und finde es ziemlich schräg, aber auch unterhaltsam. Ich bin gespannt, wie sich die Handlung weiter entwickeln wird (da ich nun über den Punkt, bis zu dem mich der Klappentext gespoilert hat, hinaus bin).
Daneben höre ich noch immer Jules Vernes Die geheimnisvolle Insel und habe mir aus der Onleihe Kiplings Kurzgeschichtensammlung Dunkles Indien ausgeliehen. Damit habe ich auch endlich den nächsten Nobelpreisträger in Angriff genommen.
 
Letzte Woche hatte ich Geburtstag und mir zum ersten Mal seit Jahren keine Bücher gewünscht, da ich in diesem Jahr vermutlich noch umziehen werde. Vor der Bücherschlepperei graut es mir ohnehin schon, da muss ich es mir bis dahin nicht noch schwerer machen. ;-) Aber was wäre natürlich ein Geburtstag ganz ohne neuen Lesestoff und so habe ich mir von diversen Gutscheingeschenken schon mal zwei ebooks gegönnt: die Anthologie Exotische Welten (irgendwie ist mir gerade nach Kurzgeschichten) und den 2. Trixie Belden-Band The Red Trailer Mystery als gemütliche Sommer-Wohlfühllektüre.
Da ich damit noch nicht alle Gutscheine aufgebraucht habe, werde ich mir wohl demnächst noch mehr ebooks gönnen, aber ich finde die Entscheidung immer so schwer. *g*
Ganz ohne Wunsch habe ich dann auch doch noch ein Buch geschenkt bekommen und zwar Hab ich selbst gemacht von Susanne Klingner, in dem sie von einem "Selbermach-Jahr" berichtet. Dieses Buch hatte ich zwar schon mal aus der Bücherei ausgeliehen, fand es damals aber sehr unterhaltsam und werde es jetzt wohl im Rahmen der Sachbuch-Challenge noch einmal lesen.
 
Ich habe also genug Lesepläne, damit mir in der nächsten Zeit nicht langweilig wird. ;-)
Gerne hätte ich diese Woche auch bei Wörterkatzes Lesemarathon mitgemacht, aber da ich am Freitag ein Referat über meine Doktorarbeit halten muss, habe ich das dann doch besser bleiben lassen. Ich wünsche allen, die mitmachen, eine schöne Lesewoche und allen anderen natürlich ebenfalls!

Samstag, 21. Juni 2014

Judith Schalansky - Atlas der abgelegenen Inseln


Genre: Sachbuch
Seiten: 144
Verlag: Mare Verlag
ISBN: 978-3866481176
Meine Bewertung: 4,5 von 5 Sternchen

Sachbuch-Challenge


Dieser Atlas ist kein Atlas im herkömmlichen Sinn und vor allem kein Reiseführer. Judith Schalansky porträtiert hier in aller Kürze fünfzig Inseln, auf denen sie nie war (und nie sein wird), wie der Untertitel verrät. Es geht hier um das Reisen im Kopf, nicht darum, abgelegene Inseln als ein tatsächliches Reiseziel zu präsentieren.
Die Inseln reichen von allseits bekannten (Osterinsel, St. Helena, Pitcairn) bis hin zu solchen, von denen vermutlich noch kaum jemand gehört hat (Sankt-Paul-Insel, Takuu). Jede einzelne stellt die Autorin in einer Art Momentaufnahme vor: mit einer Anekdote aus der Vergangenheit oder Gegenwart, manchmal auch mit einem kurzen Abriss der Geschichte oder mit einer Kuriosität der jeweiligen Insel.

Da wären etwa Floreana, auf der zwei Aussteiger ihr kleines Paradies gründen wollten, die verlassene Polarstation auf Einsamkeit und Pingelap, wo eine große Zahl der Einwohner aufgrund einer Mutation auf dem Chromosom Nr. 8 farbenblind ist. Oder die rätselhafte Geschichte von Marc Liblin, der angeblich in Träumen eine Sprache lernte, die niemand verstand - bis sich herausstellte, dass diese auf der polynesischen Insel Rapa Iti gesprochen wird.
Es sind stets nur kleine Streifzüge, die Judith Schalansky den Lesern hier bietet, aber diese Streifzüge machen unglaubliche Lust auf mehr. Da ich das Buch nur ausgeliehen hatte, habe ich mir eine ganze Reihe von Inseln notiert, über die ich mich näher informieren möchte.
Nicht alle Inseln erscheinen gleich interessant, aber viele davon sind unglaublich inspirierend. Bei den wenigsten Inseln wird man sehnsüchtig wünschen, sie besuchen zu können, da viele der Geschichten tragisch, erschreckend oder grausam sind, und trotzdem verspürte ich beim Lesen ein leises Fernweh.
Leider sind die Anekdoten aber allesamt sehr kurz und so erscheint das Buch wie ein Appetitanreger: Es führt kaum zur Sättigung und macht Lust auf mehr.

Ganz besonders möchte ich auch die Gestaltung des Buches hervorheben. Schon, dass es sich tatsächlich um ein gebundenes Buch mit Fandenbindung handelt, ist erfreulich, aber auch sonst ist es wunderschön gestaltet. Jeder Insel ist eine Doppelseite gewidmet: Auf einer Seite findet sich eine Karte, auf der anderen Seite der Text mit einigen kleinen Informationen, etwa die Anzahl ihrer Bewohner und die Entfernung zu anderen Inseln bzw. dem Festland. Übersichtskarten, auf denen die Inseln eingezeichnet sind, runden das schöne Gesamtbild ab.
So etwas kommt also dabei heraus, wenn die Autorin auch eine Grafikerin und für die gesamte Gestaltung ihres Buches verantwortlich ist. Einfach nur grandios!

Der "Atlas der abgelegenen Inseln" bietet mit seinen fünfzig skurrilen, schaurigen, witzigen und informativen Geschichten Stoff zum Träumen und ist zudem auch noch eine wahre Augenweide. Oft fand ich aber die Beschränkung auf eine Seite (mit noch dazu recht großer Schrift) doch zu knapp bemessen. Natürlich kann so eine Buch nicht jede Insel in aller Ausführlichkeit vorstellen, aber manchmal hätte es gern ein wenig ausführlicher sein können. Abgesehen davon aber eine absolute Leseempfehlung für alle, die auch gern vom Sofa aus ferne Orte erkunden.

Donnerstag, 19. Juni 2014

Sharon Shinn - Summers at Castle Auburn



Genre: Fantasy
Seiten: 352
Verlag: Ace
ASIN: B000OCXG32
Meine Bewertung: 5 von 5 Sternchen



Corie, die illegitime Tochter eines Adeligen, wächst in einem kleinen Dorf bei ihrer Großmutter auf und wird dort als eine Art Kräuterhexe ausgebildet. Jedes Jahr aber verbringt sie den Sommer in einer gänzlich anderen Welt: auf Castle Auburn bei ihrer Halbschwester Elisandra. Für Corie sind das zauberhafte Sommer, in denen sie Prinz Bryan anschwärmt und ihren Onkel bewundert, der als geschicktester Jäger der feenhaften aliora gilt. Erst als Corie älter wird, erkennt sie, dass auf Auburn vieles nicht so glanzvoll ist, wie sie immer dachte.

Anfang dieses Jahres habe ich das wunderbare Buch The Shape-Changer's Wife von Sharon Shinn gelesen und wusste sofort, dass ich von der Autorin mehr lesen muss. "Summers at Castle Auburn" ist ganz anders, aber nicht weniger gut.
Die Inhaltsbeschreibung mag so klingen als ob in dem Roman nicht viel passiert - und auf eine gewisse Weise stimmt das auch. Dieser stille Fantasyroman hat keine große Action zu bieten und ist sehr unspektakulär, aber ich habe mich trotzdem kein einziges Mal beim Lesen gelangweilt.
Denn in diesem Roman finden die größten Entwicklungen in den Figuren statt. Es ist eine wunderbare Coming of Age-Geschichte einer jungen Frau, die ihren Platz im Leben finden muss. Corie ist anfangs ein naives Mädchen, das sehr von Äußerlichkeiten geblendet wird. Erst nach und nach lernt sie, hinter die Oberflächen zu sehen und entdeckt dabei Dinge, die sie lieber nie erfahren hätte.
Trotz ihrer anfänglichen Naivität war sie mir stets sympathisch. Sie mag zunächst ein noch sehr schwärmerischer Teenager sein, aber zugleich ist sie auch ein ungemein liebenswerter Wildfang und auf ihre Weise auch sehr starke Heldin, die lernfähig ist und zum Ende hin einige großartige Entscheidungen trifft.

Neben Corie kommen aber auch die anderen Figuren nicht zu kurz. Elisandra, Cories Halbschwester, wurde bereits als kleines Kind mit dem Prinzen verlobt und scheint ganz die pflichtbewusste adlige Tochter zur sein, aber in ihr steckt viel mehr als man anfangs denken würde.
Das ist überhaupt ein Motiv, das sich durch den gesamten Roman zieht: Die meisten Figuren sind nicht (nur) so, wie es zunächst den Anschein hat. So hat Cories geliebter Onkel Jaxon einige Abgründe zu bieten und Bryan ist weit entfernt von einem Traumprinzen, wobei einem das beim Lesen sehr schnell klar wird.
Und dann ist da schließlich noch Bryans Cousin Kent, ernst und zurückhaltend und gern ein wenig unterschätzt - und eine der wunderbarsten Figuren, die mir jemals untergekommen sind. Ich sag es ja nur ungern, aber Jonathan Löwenherz, meine einzig wahre Buchliebe, du hast Konkurrenz bekommen. ;-)

Nun habe ich so lange von den Figuren geschwärmt, aber der Roman hat noch deutlich mehr zu bieten. Shinn beschreibt sowohl die zauberhaften Sommer als auch die dunkleren Aspekte von Auburn so anschaulich, dass ich ganz und gar in Cories Welt eingetaucht bin und gerne noch viel länger darin verweilt wäre. 
Abgesehen davon, dass der Roman nicht in unserer Welt angesiedelt ist, hat er eher wenig Fantasyanteil: Cories Heil- und Giftkräuter sowie die aliora sind die einzigen dezent magischen Elemente des Romans. Auch das ist etwas, das ihn sehr von "The Shape-Changer's Wife" unterscheidet, aber mir hat dieser äußerst sparsame Einsatz von Magie sehr gut gefallen.
Schließlich gibt es auch eine zarte Liebesgeschichte, die ich sehr schön fand, bei der aber vielleicht absolute Romantikfans nicht auf ihre Kosten kommen. Sie entwickelt sich sehr langsam und tritt auch nie in den Vordergrund, da es für Corie meistens Probleme gibt, die für sie erst einmal Vorrang haben. Auch das war etwas, das mir an dem Roman sehr gut gefallen hat.

Gibt es auch etwas, das ich an dem Roman nicht mochte? Ja, manchmal war mir Corie gewissen Dingen gegenüber wirklich zu blind und ich habe mich fassungslos gefragt, ob sie es wohl jemals begreifen wird. Das ist auch der Grund, weshalb ich dem Roman ursprünglich nicht alle fünf Sterne geben wollte. Aber selbst Tage danach bin ich gefühlsmäßig noch ganz in Auburn und kann mich kaum dazu aufraffen, ein anderes Buch zu lesen. Ich mag gerade einfach nirgendwo anders eintauchen und mich auf keine anderen Figuren einlassen.
Das ist ein Zeichen dafür, dass ein Buch in mir wirklich einen ganz bestimmten Nerv getroffen hat und das passiert mir in letzter Zeit wirklich nur noch selten.

Ich kann also "Summers at Castle Auburn" allen empfehlen, die auch gerne mal stille Bücher lesen und abseits von der derzeit eher düsteren Fantasy auch mal wieder in ein märchenhaftes Wohlfühlbuch eintauchen wollen.
Einer der schönsten Romane, den ich in den letzten Jahren gelesen habe.

Freitag, 13. Juni 2014

[Nobelpreis-Challenge] Meine Motivationsrede (und eine kurze Verlängerung)

Im April war bereits Halbzeit meiner Challenge - da hätten also theoretisch schon jeweils fünf Bücher auf unseren Listen stehen sollen. So gesehen hinken wir alle ein wenig hinterher, auch wenn sich Ariana, Birthe und cat schon sehr ins Zeug gelegt haben. Ich freue mich übrigens sehr, dass ihr drei so eifrig dabei seid!
Schade ist, dass manche noch gar nichts gelesen oder nach einem Buch anscheinend schon wieder aufgegeben haben.
Nun lassen sich natürlich Nobelpreisträger meist nicht ganz so locker-flockig dahinlesen, daher kann ich gut verstehen, dass 10 Bücher sich für viele doch als eine größere Hürde erweisen als gedacht. Ich selbst hinke ja auch noch immer ziemlich hinterher.
Da ich aber natürlich gern möglichst viele erfolgreiche Challenge-Teilnehmer hätte ;-) und es schön fände, wenn auch ein paar von denen, die noch gar nichts gelesen haben, doch noch miteinsteigen, habe ich mir ein paar Dinge überlegt:

1. Zunächst einmal werde ich die Challenge ein wenig verlängern und zwar bis zum 10. Dezember 2014, also den Tag, an dem der Nobelpreis übergeben wird. Das soll uns nicht nur ein wenig mehr Lesezeit verschaffen, sondern uns auch die Möglichkeit geben, im Rahmen der Challenge noch den/die Preisträger(in) des Jahres 2014 zu lesen.

2. Alle, die die Challenge erfolgreich mit 10 gelesenen (und rezensierten) Büchern abschließen, bekommen von mir ein geknüpftes Lesezeichen. Ein paar Beispiele, wie ein solches aussehen kann, seht ihr hier.
Ja, ich gehe das Risiko ein, dass ich am Ende des Jahres wie verrückt knüpfen werde, falls doch noch mehr die Challenge schaffen, als es momentan den Anschein hat. ;-)
Zusätzlich wird natürlich auch wie ursprünglich angekündigt unter allen erfolgreichen Teilnehmerinnen ein Gewinn verlost.

3. Unter allen, die bis zum 10. Dezember immerhin 5 Bücher geschafft haben, werde ich als Preis für die geschaffte halbe Challenge, ebenfalls noch eine Kleinigkeit verlosen. Vielleicht kann ich auf diese Weise auch jene noch motivieren, die die Challenge für sich bereits aufgegeben haben.

Ich hoffe, dass ich auf diese Weise noch für ein bisschen Ansporn sorgen kann (also zusätzlich zu Ruhm und Ehre). Jaja, wer bei Neyasha etwas gewinnen will, muss sich etwas mehr ins Zeug legen als einfach meinem Blog zu folgen. *in Deckung geh*
Da ich unglaublich gern eure Rezensionen lese und mitverfolge, wie es euch mit den verschiedenen Nobelpreisträgern ergeht, gibt es also durchaus auch egoistische Gründe dafür, dass ich möglichst viele von euch noch (weiter) motivieren möchte! ;-)

Mittwoch, 11. Juni 2014

Jonas Jonasson - Die Analphabetin, die rechnen konnte



Genre: Schelmenroman
Seiten: 448
Verlag: carl's books
ISBN: 978-3570585122
Meine Bewertung: 2,5 von 5 Sternchen



Nombeko, die in Südafrika in ärmlichsten Verhältnissen aufwächst, kann zwar nicht schreiben, hat aber ein Gespür für Zahlen wie keine Zweite. Der Zufall (und mehr als nur eine skurrile Wendung) will es, dass sie als Putzfrau bei einem Atomwaffentechniker landet. Auf der anderen Seite der Welt, in Schweden, wachsen zwei Jungen heran, von denen der eine offiziell nicht existiert und der andere als einziges Ziel hat, die Monarchie zu stürzen.
Als sich die Lebenswege der drei kreuzen, wird die Sache erst so richtig kompliziert ...

Vor zwei Jahren hat mich Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand völlig begeistert und ich wünschte, ich könnte dasselbe auch von Jonassons zweitem Roman sagen. Leider kann aber der Nachfolger nicht einmal annähernd mit seinem Erstling mithalten.
Das liegt zum Teil daran, dass das Konzept nun nicht mehr neu ist: Wieder lässt Jonasson mehrere Menschen durch Zufall in aberwitzige Abenteuer und über die eine oder andere bekannte Persönlichkeit stolpern. Vielleicht hätte mir die Analphabetin also besser gefallen, wenn ich sie zuerst gelesen hätte.

Aber es ist nicht alleine das Gefühl, das alles bereits schon einmal gelesen zu haben, das mir das Vergnügen an dem Roman ein wenig geraubt hat. Die Analphabetin ist schlichtweg über weite Strecken zäh zu lesen. Zum Teil liegt das an den Figuren, die mich allesamt nicht überzeugen konnten. Nombeko ist intelligent und gewitzt, kann sich aus jeder Situation herauswinden und ist im Grunde unfehlbar. Wenn etwas schief geht (und es geht einiges schief!), dann liegt das nie an ihr, sondern an der Unfähigkeit ihrer jeweiligen Wegbegleiter. Diese wiederum sind großteils so unfähig und dumm, dass sie Nombekos Intelligenz mehr als ausgleichen. Vor allem Holger Nr. 1 und Celestine haben mich irgendwann so genervt, dass ich mir händeringend gewünscht habe, der Elefant aus dem Hundertjährigen möge sich auf sie beide draufsetzen.
Insgesamt waren mir also die Figuren zu extrem gezeichnet - entweder toll in allem oder unfähig in allem und das auf eine Art und Weise, dass sie mir eigentlich alle unsympathisch waren.
Dafür kann Jonasson mit den Nebenfiguren punkten, angefangen von den drei Chinesenmädchen über Celestines Großmutter bis hin zum schwedischen König.

Allerdings lag es nicht nur an den Figuren, dass sich in mir stellenweise gepflegte Langeweile breitmachte. Ich hatte auch das Gefühl, dass die Handlung oft auf der Stelle trat und die Figuren nur von einem Fehlschlag zum nächsten stolperten, ohne voranzukommen. Zudem war mir der Roman auch einfach zu skurril und abgehoben. Ich könnte jetzt nicht einmal genau sagen, ob er tatsächlich noch verrückter ist als der Hundertjährige oder ob sich das Konzept mit der Zeit einfach ermüdet. 
Immerhin fand ich aber das letzte Viertel dann wieder grandios und wirklich zum Schießen (und das war an skurrilen Verwicklungen kaum noch zu überbieten).

Jonasson hat grandiose Einfälle, daran besteht kein Zweifel. Er hat auch einen wunderbar trockenen Schreibstil und rechnet einmal mehr auf die respektloseste Weise mit Politik und aktueller Geschichte ab. Trotzdem konnte mich der Roman ganz und gar nicht überzeugen. Er hat einige sehr schöne Ansätze und ist stellenweise sehr witzig, aber insgesamt fand ich ihn eher zäh zu lesen. Ein beherztes Kürzen (vor allem im Mittelteil) hätte ihm vermutlich gut getan. Und schließlich können auch Nombeko und die Holgers einfach nicht mit Allan mithalten, von dem ich auch am Ende des Hundertjährigen noch nicht genug hatte.

Sonntag, 8. Juni 2014

Rüdiger Safranski - Goethe & Schiller. Geschichte einer Freundschaft


Genre: Sachbuch
Seiten: 344
Verlag: Carl Hanser Verlag
ISBN: 978-3446233263
Meine Bewertung: 4,5 von 5 Sternchen

Sachbuch-Challenge


Rüdiger Safranski geht in diesem Buch einer Freundschaft auf die Spur, die keinen guten Start hatte: Als Schiller zum ersten Mal den von ihm verehrten Goethe trifft, zeigt der erfahrene Dichter ihm die kalte Schulter. Zu sehr erinnerte ihn der jüngere Mann an seine eigene Sturm&Drang-Zeit, die er hinter sich lassen wollte; zu leidenschaftlich erschienen ihm Schillers gefeierte "Räuber".
Erst einige Jahre später begegnen sich die beiden wieder und führen ein lebhaftes Gespräch, das in zahlreichen Briefen seinen Fortgang nimmt. Das ist der Beginn einer Freundschaft, die seinesgleichen sucht. Von nun an arbeiten die beiden Dichter gemeinsam an der Zeitschrift "Die Horen", unterstützen sich gegenseitig bei ihren Werken und haben ein diebisches Vergnügen mit den "Xenien", in denen sie ihre literarischen Gegner aufs Korn nehmen.

Safranski stellt diese ungewöhnliche Freundschaft anhand zahlreicher Originalzitate aus Briefen und Tagebüchern sehr anschaulich dar. Wie schon der Titel zeigt, legt er seinen Fokus ganz auf die Beziehung zwischen den beiden Dichtern und darauf, wie sie von den Zeitgenossen aufgenommen wurde. Dabei geht er im Großen und Ganzen zwar chronologisch vor, springt aber auch öfter mal in den Jahren vor und zurück, wenn er sich auf bestimmte Themen konzentriert.
Es ist daher durchaus empfehlenswert, mit einem kleinen Vorwissen an dieses Buch heranzugehen. Wenn man die grobe Biografie der beiden Dichter kennt, einige ihrer Werke gelesen hat und auch eine gewisse Ahnung von Literaturgeschichte hat, wird man sich mit bestimmten Bezügen sicher leichter tun und auch den Sprüngen besser folgen können. Als ein Einstiegswerk über die Zeit der Weimarer Klassik eignet sich Safranskis Buch eher nicht.

Obwohl Safranskis Stil eher nüchtern und sachlich ist, liest sich die Geschichte dieser Freundschaft wirklich herzerwärmend. Dafür sorgen die zahlreichen Passagen aus den Briefen, die eindrücklich zeigen, wie eng das freundschaftliche Verhältnis zwischen den beiden Dichtern war, die sich in all ihren Gegensätzen nahezu perfekt ergänzt haben. Ich lehne mich wohl kaum zu weit aus dem Fenster, wenn ich behaupte, dass einige ihrer wichtigsten Werke es zumindest in der Form, wie wir sie kennen, ohne die gegenseitige Inspiration und Kritik so nicht gegeben hätte.
So ist es auch kein Wunder, dass Goethes Leben nach Schillers frühem Tod kurzzeitig völlig aus den Fugen gerät. Es ist berührend und traurig zu lesen, wie Goethe sich zuerst ganz zurückzieht und später an an seinen Freund Zelter schreibt, er habe "die Hälfte seines Daseins verloren".

Mir hat Rüdiger Safranskis Buch sehr gut gefallen und ich kann es allen empfehlen, die sich näher über die beiden "Dioskuren" der deutschen Literatur informieren wollen. Sowohl die Persönlichkeiten der beiden Dichter werden klar herausgearbeitet, als auch die immense Wirkung ihrer Werke und ihrer Zusammenarbeit.
Stellenweise hätte es ein wenig ausführlicher sein können, was andererseits aber auch für das Buch spricht: Es ist an keiner Stelle langatmig und stets flüssig zu lesen. Am Ende hatte ich beinahe das Gefühl, gemeinsam mit Goethe um einen Freund zu trauern.

Freitag, 6. Juni 2014

[TAG] Wie viel liest du?

cat hat mich mit ein paar interessanten Fragen getaggt, die ich gern beantworten werde: 

1. Wie erfährst du von Büchern, die du lesen möchtest?
Mittlerweile sehr häufig durch Rezensionen auf anderen Blogs oder durch direkte Empfehlungen. Dadurch ist in den letzten Jahren auch meine Wunschliste stark gewachsen. Früher habe ich viel häufiger einfach zufällige Bücher aus der Bücherei mitgenommen und ansonsten vor allem Bücher von Autoren gelesen, die ich schon kannte.

2. Wie bist du zum Lesen gekommen?
Hm, das ist eine gute Frage. Ich weiß nur, dass ich, kaum dass ich lesen gelernt hatte, ständig meine Nase in Büchern vergraben habe. Zum Teil lag es wohl daran, dass ich in meiner Familie die große Nachzüglerin bin und mich bei Familienfeiern immer gelangweilt habe, weil ich niemanden zum Spielen hatte. Außerdem war ich ganz vernarrt in die Buchserien, die wir noch von meinen Geschwistern hatten (Fünf Freunde, Schwarze Sieben, Trixie Belden, Dolly, Bille&Zottel, Britta, etc.) und konnte es gar nicht erwarten, die endlich alle selbst lesen zu können.

3. Hat sich dein Buchgeschmack verändert als du älter wurdest?
Als Kind habe ich, abgesehen von Abenteuerserien und bestimmten ausgewählten Lieblingen (z.B. die Brüder Löwenherz), fast nur Pferdebücher gelesen. Alles, was irgendwie mit Pferden zu tun hatte, habe ich nur so verschlungen.
Später habe ich dann vermehrt begonnen, auch phantastische Bücher zu lesen und vor allem auch Krimis. Außerdem habe ich manchmal aus Mangel an Lesestoff zu allen möglichen Büchern gegriffen, die von meiner Mutter da waren, und das waren in erster Linie Klassiker sowie Gegenwartsliteratur. Auf diese Weise hat sich mein Lesegeschmack immer mehr erweitert. Schon als Jugendliche habe ich dadurch sehr breit gefächert gelesen und das hat sich bis heute nicht geändert. Trotzdem habe ich natürlich nicht mehr denselben Geschmack wie früher. Zahlreiche Bücher, die ich vor 15 Jahren toll fand, mag ich jetzt nicht mehr (z.B. Die Nebel von Avalon).

4. Kaufst du regelmäßig Bücher, wenn ja, wie oft?
Ich kaufe eher selten Bücher, obwohl ich gern in Buchhandlungen stöbere. Aber es ist tatsächlich eher das Stöbern an sich, das ich mag. Ich tätige nicht gern Spontankäufe, da ich vorher meist nachschauen will, ob es das Buch nicht auch in der Bücherei gibt. Daher kaufe ich nur sehr ausgewählt solche Bücher, die ich wirklich unbedingt haben will und die ich auch in der Bücherei nicht auftreiben kann.

5. Wie bist du zum Buchtuben/Buchbloggen gekommen?
Einerseits hatte schlicht Lust darauf, über das Lesen und das Schreiben zu plaudern und einen Ort für meine Rezensionen zu haben. Andererseits ging es mir auch ganz konkret darum, bei einem sehr groß geplanten 24-Stunden-Lesemarathon mitzumachen, für dessen Teilnahme man einen Blog haben musste. Das war dann der Anlass für mich, tatsächlich einen Blog zu eröffnen.

6. Wie reagierst du, wenn du das Ende eines Buches überhaupt nicht ausstehen kannst?
Hm, so etwas ist schwierig. Gerade das Ende eines Buches ist das, das einem ja sozusagen als letztes in Erinnerung bleibt und wenn das misslungen ist, dann kann mir das nochmal den ganzen Blick auf das Buch verderben.
Ich kann mich etwa noch an "Der kleine Freund" von Donna Tartt erinnern. Das Buch an sich fand ich großartig, aber das Ende hat mich sehr enttäuscht und unbefriedigt zurückgelassen. Alleine aus diesem Grund würde ich den Roman nur sehr eingeschränkt weiterempfehlen.

7. Sei ehrlich: Liest du manchmal schon die letzte Seite, um zu wissen, ob es ein gutes Ende gibt?
Nein, das mache ich nie!
Ab und zu blättere ich nach hinten, um zu sehen, wie viele Seiten der Roman hat (etwa, wenn es auch noch ein Nachwort, ein Glossar oder etwas in der Art gibt), aber dann achte ich immer ganz vorsichtig darauf, dass ich außer der Seitenzahl nur ja nichts von der letzten Seite lese.

8. Hast du manchmal Leseflauten?
Ja, das kommt schon öfter mal vor. Derzeit bin ich auch in einer leichten Leseflaute, wobei diese vor allem zeitlich bedingt ist. Das ist bei mir auch der Hauptgrund für Lesetiefs: dass ich einfach wenig Zeit zum Lesen finde. Manchmal kommt es aber auch vor, dass ich einfach kein Buch finde, das mich wirklich fesselt und ich mich deshalb nicht wirklich zum Lesen aufraffen kann.

9. Passt sich deine Bücherauswahl an eine Jahreszeit/Fest/Ereignis an?
Selten - wenn, dann ist es eher Zufall. In den letzten zwei Jahren habe ich in der Adventszeit ein paar zu Weihnachten passende Bücher gelesen, aber das wars auch schon. Ich kann mich aber erinnern, dass ich als Kind in den Sommerferien gerne Bücher gelesen habe, in denen auch gerade Sommer war (etwa diverse Campingausflüge der Fünf Freunde). Das war immer schön und ich überlege, ob ich mir für diesen Sommer nicht vielleicht das eine oder andere passende Buch suche.


Da ich das Gefühl habe, dass mittlerweile fast alle Blogs, die ich häufig besuche, getaggt worden sind, lasse ich euch den/das (?) Tag einfach mal zur freien Entnahme hier. ;-)

Montag, 2. Juni 2014

Jessica Fellowes - The World of Downton Abbey


Genre: Sachbuch, Begleitbuch zur Serie
Seiten: 303
Verlag: St. Martins
ISBN: 9781250006349
Meine Bewertung: 5 von 5 Sternchen

Sachbuch-Challenge


"The World of Downton Abbey" ist ein Begleitbuch zu der wundervollen britischen Fernsehserie "Downton Abbey" und umfasst die ersten beiden Staffeln. So weit sollte man die Serie also gesehen haben, um das Buch so richtig genießen zu können. Zwar halten sich tatsächlich Spoiler sehr in Grenzen, aber es ist durchaus von Vorteil, wenn man alle Charaktere und Ereignisse, auf die verwiesen wird, einordnen kann.

Nach einem Vorwort von Julian Fellowes, dem Drehbuchautor und Produzenten der Serie, gliedert sich das Buch in die Kapitel Family Life, Society, Change, Life in Service, Style, House&Estate, Romance und War auf. In diesen Kapiteln gibt es nicht nur einen Einblick in den historischen Hintergrund, sondern auch allerlei genauere Informationen zur Welt von Downton an sich (etwa, wie ein Arbeitsalltag von Daisy verläuft) und Anekdoten zu historischen Personen und Ereignissen, die Vorbild für so manche Szenen der Serie waren. Zwischendurch wird auch ein wenig auf die Dreharbeiten eingegangen, denen schließlich auch am Ende des Buches mit einem Behind the Scenes auch noch ein Kapitel gewidmet wird.
Es werden auch so einige Fragen beantwortet, die man sich vielleicht beim Anschauen der Serie stellt (etwa, wie damals die rechtlichen Grundlagen für Erbschaften waren) und vieles noch einmal klar verständlich erläutert.
Kurze Anekdoten von den Schauspielern zu den Dreharbeiten, eine Castliste und ein kleiner Stammbaum runden das Buch schließlich noch ab.


Das schön gestaltete Hardcover enthält zahlreiche (oft großformatige) Filmfotos, Zeichnungen, Kostümskizzen, historische Fotos und andere grafische Elemente, die das Buch auch optisch zu einem wahren Hingucker machen. "Üppig" ist ein Worte, das dieses Buch wirklich hervorragend beschreibt.


"The World of Downton Abbey" ist sowohl informativ als auch unterhaltsam und auf Englisch absolut flüssig zu lesen. Man muss keine großartige historische Vorbildung mitbringen, wobei man natürlich durch die Serie ohnehin schon einen ganz guten Eindruck von der Epoche haben wird.
Die Balance zwischen historischem Hintergund, politischer Lage, Alltagsleben und Informationen zur Serie an sich ist perfekt gelungen und die schöne Gestaltung mit den vielen Fotos lädt auch dazu ein, das Buch immer wieder einmal zur Hand zu nehmen und darin zu schmökern.

Ich kann dieses Begleitbuch allen Fans der Serie daher nur wärmstens empfehlen. Etwa 20 Euro für dieses wunderschön aufgemachte, großformatige Hardcover sind auch ein absolut fairer Preis und ich bereue es fast, dass ich das Buch nur aus der Bücherei ausgeliehen hatte.
Ein durch und durch gelungenes Buch also, bei dem ich nur eine Sache zu bemängeln habe: Das Warten auf die nächste Staffel wird durch die Lektüre nicht leichter! ;-)

Sonntag, 1. Juni 2014

Buchstabengeplauder #10

Hurra, ich lebe noch! Oder so. *g*
Ja, nach 3 Wochen durchgehend Dienste habe ich nun heute und morgen frei! Also naja, fast frei, da ich noch einen kleinen Korrekturlese-Auftrag habe. Darum kümmere ich mich aber erst morgen, da ich die ganze letzte Nacht beim Life Ball (ein großes AIDS Charity Event) gearbeitet habe, heute erst um 7 Uhr früh ins Bett gefallen bin und mit mir irgendwie noch immer nichts anzufangen ist. Dafür gibts jetzt mal etwas, das es hier auf dem Blog (glaube ich) noch nie gab, nämlich ein Foto von mir. Handschmuck, Kette und Haarschmuck habe ich selbstgemacht, das Kleid ist aber gekauft. ;-)
Und ja, es war anstrengend. Lustig und sehenswert und eine interessante Erfahrung, aber sehr anstrengend. Ich bin auch leider nicht so die richtige, um inmitten von Menschenmassen und Lärm Stimmung zu verbreiten, weil ich mich bei solchen Veranstaltungen nicht wirklich wohlfühle. So als klassischer Bücherwurm hab ich es lieber ruhig und still in einer Leseecke. *g*

Tja, da ich nun also noch immer müde bin und mein Kreislauf nicht richtig in die Gänge kommt (ich habe bis halb 12 geschlafen und packe es irgendwie gar nicht, tagsüber zu schlafen), weiß ich heute gar nichts mit mir anzufangen. Derzeit kann ich mich noch nicht einmal zum Lesen aufraffen - und zum Schreiben von Rezensionen vermutlich noch weniger. DVDs habe ich allerdings auch gerade keine aus der Bücherei ausgeliehen und meine Kreativität ist leider noch im Bett geblieben.
Na, ich versuche jetzt mal, in meiner Wohnung das angestaute Chaos der letzten Tage zu beseitigen, werd dann mal was leckeres kochen und danach sehe ich weiter.
Zumindest sollte sich ab jetzt wieder etwas mehr tun auf meinem Blog. Zwar wird auch mein Juni sehr dienstreich, aber der ärgste Stress ist jetzt vorüber.

Ich wünsche euch noch einen schönen Restsonntag und hoffe, ihr könnt mit dem Tag heute mehr anfangen als ich! ;-)