Freitag, 24. Oktober 2014

Heinrich Steinfest - Der Allesforscher


Genre: Belletristik, Gegenwartsliteratur
Seiten: 400
Verlag: Piper
ISBN: 978-3492054089
Meine Bewertung: 2,5 von 5 Sternchen




Sixten Braun ist erfolgreich als Geschäftsmann in Asien unterwegs, als zwei Ereignisse sein Leben aus der Bahn werfen. Zuerst landet er im Krankenhaus, nachdem er von einem explodierenden Wal getroffen wird und lernt dort die Liebe seines Lebens kennen. Als er dann auch noch als einziger einen Flugzeugabsturz überlebt, nimmt sowohl sein berufliches als auch sein Liebesleben einige Wendungen. Er findet sich schließlich als Bademeister wieder und scheint in dieser Rolle zufrieden zu sein, bis ein Kind auftaucht, das sein Leben erneut auf den Kopf stellt.

Ich bin auf diesen Roman durch eine Lesung im Radio aufmerksam geworden, die gleichermaßen skurril und interessant klang. Daraufhin habe ich mir das Buch recht spontan aus der Bücherei ausgeliehen und voller Enthusiasmus zu lesen begonnen.
Leider hat dieser Enthusiasmus schnell nachgelassen. "Der Allesforscher" ist tatsächlich ein äußerst skurriles Buch, aber was am Anfang noch einen Heidenspaß macht, wird schließlich so abstrus, dass ich mich irgendwann nur noch gefragt habe, was zum Geier das alles soll.

Noch dazu hatte ich das Gefühl, dass alles mehr und mehr zerfasert und ständig zufällig irgendwelche Dinge geschehen. Ich konnte weder einen roten Faden erkennen noch nachvollziehen, worauf der Autor eigentlich hinauswollte. 
Obwohl der Roman sprachlich sehr gut und in punkto Stil auch eher auf der anspruchsvolleren Seite einzuordnen ist, fand ich ihn inhaltlich dermaßen banal und nichtssagend, dass ich mich wirklich gefragt habe, wie er es auf die Longlist für den Deutschen Buchpreis geschafft hat. 
Ja, Heinrich Steinfest liefert hier ein wahres Feuerwerk an absurden Ideen und Szenen ab und für sich genommen sind auch einige dieser Episoden herrlich zu lesen. 
Aber als Gesamtwerk war mir der Roman eben nicht nur zu zerfasert, sondern irgendwann auch einfach zuviel des Guten. Wenn auf einmal die tote Schwester in Träumen auftaucht und dort kräftig den Plot mitbestimmt oder eine Ansammlung von skurrilen Menschen sich vom Schnee eingeschlossen in einer Berghütte wiederfindet, fragt man sich allmählich, was zum Geier der Autor beim Schreiben geraucht hat. ;-)

Fazit: Ein schön geschriebener Roman mit anfangs sehr witzig-abstrusen Ideen, die sich mit der Zeit einfach abnutzen und inhaltlich auch leider ins Nichts führen.

Kommentare:

  1. Schade - das Buch klingt ja wirklich gut. Reinlesen werde ich bestimmt mal, aber ich denke, da reicht mir dann auch ein Büchereibuch. ;)

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    1. Ja, ich würde auch zur Ausleihe raten - da machts dann auch nicht so viel, wenn man doch abbricht.

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  2. Bore da, Neyasha.
    Die mit den Weihen der hohen Kultur Gesegneten stehen ja ganz gern auf leicht verschwurbeltes Material, das sich widerstandslos in jede Richtung interpretieren läßt. Ein böse Zunge könnte auch behaupten, daß die Macher des Buchpreises nach den ersten paar Seiten einfach aufgehört haben zu lesen. Wie gesagt - böse Zungen.

    Immerhin umfaßte die Papiersammlung aus der "Reste"-Schublade lediglich 400 Seiten...
    Das war jetzt sehr böse spekuliert.

    Immerhin, Du hast den Roman lediglich ausgeliehen.

    Als Alternative sehr lesbar ist dagegen "Der Umbruch - oder Hanna und die Freiheit". Von Alice Rühle-Gerstel (1894-1943).

    bonté

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    1. Ach, verschwurbelt fand ich den Roman gar nicht. Er liest sich sprachlich wirklich gut. Das mit all den Absurditäten ist dann wohl reine Geschmacksache, aber gerade für einen Buchpreis-Anwärter war mir das Buch dann auch schlichtweg zu nichtssagend.
      Und ich bin jetzt auch misstrauisch: Der Preisträger "Kruso" klingt sehr interessant, aber interessant geklungen hat "Der Allesforscher" ja auch ...

      Danke für den Buchtipp!

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    2. ...nichts zu sagen zu haben ist für einen Roman natürlich ein solider Offenbarungseid. :-D

      bonté

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