Donnerstag, 9. Oktober 2014

Literaturnobelpreis 2014 für Patrick Modiano

Wir haben also einen neuen Literaturnobelpreisträger: den Franzosen Patrick Modiano. Ich muss ehrlich zugeben, dass mir dieser Schriftsteller gar nichts sagt. Während ich mir letztes Jahr, als der Name Alice Munro fiel, dachte "Ach, Munro, von der wollte ich ja schon ewig mal etwas lesen", war ich diesmal das personifizierte Fragezeichen.
Nach ein wenig Recherche weiß ich nun, dass es sich bei Modiano, der 1945 in der Nähe von Paris geboren wurde, um einen Romanautor handelt, dessen Werke großteils bereits ins Deutsche übersetzt wurden (einige davon übrigens von Peter Handke, der schon mehrmals selbst als Anwärter auf den Preis gehandelt wurde). Wer möchte, kann also auch ohne Französischkenntnisse sofort loslegen und ein Buch von ihm lesen. ;-)
2012 hat er den Österreichischen Staatspreis für Europäische Literatur erhalten; zwei seiner Romane wurden auch verfilmt (Une jeunesse und Villa triste).
 
Ein erstes Überfliegen diverser Inhaltsangaben erweckt in mir allerdings den Eindruck, dass Modianos Themen nicht sehr weit gestreut sind: meistens geht es ums Erinnern bzw. Vergessen, oft auch um eine verlorene Liebe in der Vergangenheit (meistens in den 60er Jahren) oder um die (vergangene) Zeit der Jugend.
Im Gesamten betrachtet klingt das ein wenig eintönig, aber im Einzelnen machen mich die Klappentexte durchaus neugierig. Was ich von ihm für die Challenge lesen werde (sobald ich mit Schnee durch bin), weiß ich aber noch nicht.
 
Ob Modiano nun als Preisträger nun gerechtfertigt ist oder nicht, dazu habe ich noch keine Meinung bzw. kann noch keine haben, da ich ja noch nichts von ihm gelesen habe. Ich kann aber schon mal sagen, dass ich es ein wenig schade finde, dass es mal wieder ein Europäer ist und dass die "ewigen Anwärter" Haruki Murakami, Philip Roth und Joyce Carol Oates wieder einmal leer ausgegangen sind.
Meine Wunschpreisträgerin wäre übrigens Margaret Atwood, auch wenn es nicht zu erwarten war, dass dieses Jahr erneut eine Kanadierin zum Zug kommen würde. ;-) Aber vielleicht einmal in der Zukunft - ich fand alle Romane, die ich bislang von ihr gelesen habe, großartig: sprachlich sehr schön, oft sehr kritisch (etwa Der Report der Magd), zugleich aber auch fesselnd und flüssig zu lesen.
 
 
Und was haltet ihr vom diesjährigen Preisträger? Sagt euch der Name Patrick Modiano etwas? Habt ihr vielleicht sogar schon etwas von ihm gelesen und wenn ja: Was und wie hat euch das gefallen?
Hättet ihr euch jemand anders gewünscht?

Kommentare:

  1. Ich dachte zuerst: Wer ist das denn schon wieder? Aber als ich mir ein paar Inhaltsangaben durchgelesen hatte wurde mir klar, dass Patrick Modiano ab und zu durch die Feuilletons geistert. Ich höre ja seit Jahren gerne Buchbesprechungen im Radio. Ich habe mich für "Horizont" entschieden, weil meine Bib das als Ebook hat. Allerdings kam ich etwas zu spät und muss jetzt bis Ende Oktober warten...
    Wie du schon sagst, sind die Themen sowieso recht nah beieinander, da habe ich dann das Bequemste gewählt :) Hoffentlich ist es gut!

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    1. Dann bin ich mal gespannt, was du zu "Horizont" sagst.
      Kann natürlich sein, dass mir Modiano auch schon mal untergekommen ist, ohne dass ich mir seinen Namen wirklich gemerkt hätte.

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  2. Salut, Neyasha.
    Auf dem Weg nach Hause konnte ich mich via Radio eingehender mit dem neuen Preisträger beschäftigen. Und wie es scheint, haben die alten Herren des Nobel-Kreises dem Medien a-affinen Schriftsteller keinen wirklich genehmen Donnerstag verpaßt. Er war nicht erreichbar & in Anbetracht seiner Medienscheue auch kein dankbares Objekt (!) für die Geier des Feuilletons.
    Was Ihn mir schoneinmal sympathisch macht. :-)

    Literarisch hält er den Franzosen den Spiegel ins Gesicht, die gern davon träumen, daß ganz Frankreich damals Teil der ruhmreichen Resistance war. Wenn auch ganz gewiß nicht in Stil & Ton der deutschsprachigen Nachkriegskollegen.
    Persönlich habe ich die Vergabe zur Kenntnis genommen. Richtig interessiert bin ich weitaus mehr an den aktuellen Roman von Sofi Oksanen & Katja Kettu; ähnliche Themen, jüngerer Blick darauf.

    Ich denke die "ewigen Anwärter" sind bereits seit langem von der Liste gestrichen und lediglich noch Spielbälle für den Kulturjournalismus, um sich die Zeit damit zu vertreiben.

    Bei Miss Atwood würde es mich bereits deshalb erfreuen, weil sie seit Jahrzehnten (auch) Science Fiction-Themen behandelt. Aber auch sie scheint mir dem Rummel gegenüber eher skeptisch gegenüber eingestellt.

    In personam sind mir solche hochhackigen Preise eher egal, weil sie nicht Ausschlag gebend für mein Interesse an einem Buch sein können. Es bleibt eine subjektive Auswahl.
    Der Oscar für einen Film zwängt mich ja auch nicht dazu! :-)

    bonté

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    1. Ich halte Literaturpreise auch nicht für das Maß aller Dinge, aber ich finde es ganz schön, wenn dadurch auch immer wieder mal Autoren und Bücher ins Blickfeld gerückt werden, die nicht unbedingt die Bestseller-Liste stürmen.
      Und ich selbst werde dadurch eben auch ab und zu mal auf Autoren aufmerksam, die mir sonst vermutlich eher entgangen wären (z.B. Mario Vargas Llosa).

      Bei den ewigen Anwärtern möchte ich die Hoffnung noch nicht aufgeben. Vielleicht wird es ja doch noch ...

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  3. Hallo Neyasha,
    also für mich war Patrick Modiano auch ein totaler Unbekannter. Das wollte ich rasch ändern. Und da ich gerade ein Buch durchgelesen hatte, suchte ich mir als nächstes eins von seinen aus: Im Café der verlorenen Jugend.

    Das Buch hat mich leider nicht überzeugt. Der Sprachstil ist zwar wunderschön (!), aber dem Buch fehlt es aus meiner Sicht an einer richtigen Handlung. An einem roten Faden. Auch die Hauptpersonen blieben sehr blass.
    Daher werde ich auch erstmal keine weiteren Werke von dem Nobelpreisträger des Jahres lesen.
    Vielleicht hatte ich auch nur Pech mit der Buchwahl...

    Eine ausführliche Rezension ist hier: http://www.disia.de/im-cafe-der-verlorenen-jugend-patrick-modiano/

    Viele Grüße
    A. Disia

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    1. Hallo A. Disia,
      Danke für den Link zu der interessanten Rezension. Schade, dass dich der Roman nicht überzeugen konnte. Vielleicht werde ich dann besser ein anderes Buch wählen und hoffe mal, dass mein Eindruck von Modiano dann positiver ist.

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    2. Ich fand es auch schade. Mit deiner Wahl wünsche ich dir auf jeden Fall mehr Glück. Ich bin gespannt auf deine Meinung.

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