Freitag, 10. April 2015

[Buchvorstellung] Birthe zur Nieden - Wer steht schon auf Pferde?

Wer auf Birthes Blog Von Windsprechern, Drachen und Intriganten mitliest, wird dort vielleicht schon mitbekommen haben, dass vor kurzem ihr erster Roman erschienen ist. Es handelt sich dabei um den ersten Band der Serie Kat&Co, der sowohl als gebundene Ausgabe als auch als ebook erhältlich ist (ISBN: 978-3868275063).
Ich habe den Roman schon vor einer Weile testgelesen, hatte aber jetzt erneut sehr viel Spaß damit. Es geht darin um die 13jährige Kat, die mit einer pferdeverrückten Mutter gesegnet ist, selbst aber mit dem Reiten gar nichts anfangen kann. Als ihre Mutter ein Pferd bekommt, ist Kat dementsprechend eher genervt als begeistert. Dummerweise ist da aber im Pferdestall dieser obercoole Junge, vor dem sie behauptet, sie würde auch mit dem Reiten beginnen. Jetzt bleibt ihr also nichts anderes mehr übrig, aber dummerweise hat sich ihre Mutter mit dem faulen, gefräßigen Pony Otto nicht eben ein Pferd zum Angeben ausgesucht.

Birthes Roman ist im großen Sumpf der vielen Pferdebücher wirklich eine willkommene Abwechslung: So entdeckt Kat erst allmählich ihre Liebe zu Pferden und hat zunächst auch ordentlich Respekt vor den Tieren. Und Otto, die sture Haflingermischung, ist denkbar weit von den stolzen, temperamentvollen Rappen, die nur von der Hauptperson geritten werden können, entfernt.
Diese eher untypische Ausgangssituation und die realistischen Schilderungen (hier hat man es nicht mit einem Hochglanz-Turnierstall und einer einzigartig talentierten Reiterin als Hauptperson zu tun) erinnern mich ein wenig an die Serie Sofie, die ich heiß und innig liebe - auch wenn die resolute Kat recht wenig mit der schüchtern-ängstlichen Sofie gemeinsam hat. Aber beide Serien wirken quasi wie aus dem Leben gegriffen - wie etwas, das sich auch im Stall nebenan abspielen könnte. Dazu sind in "Wer steht schon auf Pferde?" auch alle Aspekte rund um Pferde und Reiten sehr sorgfältig und glaubwürdig dargestellt. Ich kann mich erinnern, dass ich beim Betalesen noch das eine oder andere Detail benörgelt habe, aber nun bin ich wirklich über nichts mehr gestolpert.

Dank Kats Ironie, ihrer überschwänglichen Mutter und nicht zuletzt dank Otto kommt außerdem der Humor nicht zu kurz. Kat ist eine herrlich direkte und sehr sympathische Hauptfigur, deren größte Schwäche es ist, dass sie manchmal sehr damit beschäftigt ist, möglichst cool zu wirken. Teilweise ist sie so darum bemüht, unabhängig von den Meinungen anderer zu sein, dass sie erst recht wieder davon abhängig wird. Diese Fehler sorgen für viel Entwicklungspotenziel und schon in diesem ersten Band lernt Kat so einiges dazu.

Zuletzt möchte ich noch darauf hinweisen, dass es sich bei Francke um einen Verlag christlicher Literatur handelt und dementsprechend spielen Religion und Glaube eine gewisse Rolle in dem Roman. Kat, die aus einer religiösen Familie kommt, ist wie selbstverständlich in die kirchliche Gemeinschaft mit hineingerutscht und beginnt nun zu überlegen, was der Glaube für sie eigentlich bedeutet und ob sie diesen ganzen "Kirchenkram" überhaupt mag. Ich war als Teenager in einer ganz ähnlichen Situation wie sie und habe mit denselben Zweifeln gekämpft und konnte das daher gut nachfühlen - auch wenn es bei mir in die gänzlich gegenteilige Richtung geführt hat. Birthe versucht in dem Roman keineswegs zu missionieren, aber wer auf solche Themen allergisch reagiert, ist hiermit gewarnt.
Ansonsten ist "Wer steht schon auf Pferde?" ein sehr amüsanter und origineller Roman für alle jungen und junggebliebenen Pferdefans.

Kommentare:

  1. Was du über Birthes Roman erzählst, klingt auf jeden Fall gut - eine angenehme Abwechslung im Pferdebücher-Kosmos.

    Wenn mich Pferdebücher nur ein bisschen mehr interessieren würden, würde ich es bestimmt auch mal mit diesem versuchen. Aber das Genre hat mich schon als Kind kaltgelassen, und damit gehörte ich zu den absoluten Ausnahmen. Rund um micht rum haben nämlich alle Mädels ihre Pferdebücher heiß und innig geliebt und eines nach dem anderen weggelesen.

    Oder meinst du, man kann das Buch auch ohne Pferde-Affinität lesen? Dann versuche ich es vielleicht doch mal ...

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    1. Hm, schwer zu sagen. Da Kat anfangs selbst nicht so viel mit Pferden anfangen kann und es auch ziemlich witzig ist, die Pferdeverrücktheit ihrer Mutter durch ihre Augen zu betrachten, ist das Buch vielleicht noch eher für Nicht-Reiter geeignet als so manche anderen Pferdeserien.
      Aber ein gewisses Interesse für Pferde und Reiten braucht man vermutlich schon, damit es einem gefällt.

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  2. Ich glaube, abgesehen von den "Bille und Zottel"-Geschichten, hatte ich keine Pferdebücher, die in Turnierställen spielten - und selbst bei diesen Büchern geht es eher um den Alltag mit Pferd und die Streiche des Ponys. *grübel*

    Ich weiß nicht, ob mich der christliche Teil an Birthes Buch stören würde, alles andere klingt wirklich sehr nett und angenehm normal-unterhaltsam. :)

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    1. Ich hatte halt sehr viele Serien, bei denen die Hauptperson bald erfolgreich auf Turnieren gestartet ist oder bei denen es darum ging, dass nur sie mit dem tollen, temperamentvollen, schwierigen Pferd umgehen konnte ... Es gingen natürlich nicht alle in die Richtung, aber doch ein großer Teil.

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  3. Ui, danke für die nette Buchvorstellung! *freu*
    Und für den ehrenvollen Vergleich mit der Sofie-Serie - die schließlich auch mein großes Vorbild war im Hinblick auf Realismus und so, nachdem ich die ja auch schon als Kind besonders geliebt habe. :-)

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  4. Mir geht es ähnlich wie Ariana, Pferde waren nie mein Ding. Natürlich habe ich trotzdem von Verwandten Pferderomane bekommen (weil: Mädchen = zwangsläufig Pferdenärrin) und sie gelesen. Darum bin ich wirklich froh, dass Birthe eine neue Geschichte erzählt; ich bin direkt versucht, das Buch zu lesen, die Geschichte klingt wirklich schön und auch lustig. "Kirchenkram" finde ich, solange nicht missioniert wird, immer sehr interessant, das würde mich also wahrscheinlich nicht stören.

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