Mittwoch, 24. Juni 2015

Jo Walton - What Makes This Book so Great?


Sammlung von Essays
Seiten: 448
Verlag: Corsair
ASIN: B00GHK72U8
Meine Bewertung: 4 von 5 Sternchen

Sachbuch-Challenge


"What Makes This Book so Great" ist eine Sammlung von über 100 Blogbeiträgen, die die Autorin Jo Walton für Tor.com geschrieben hat. Man könnte die Beiträge also auch einfach direkt dort lesen, aber bequemer ist es doch in Buchform (bzw. ebook-Form), zumal die Autorin aus etwa 500 Beiträgen die ihrer Meinung nach besten ausgewählt hat.

Jo Walton schreibt darin in erster Linie über Rereads von Büchern - vor allem von Klassikern aus dem Fantasy- und Science Fiction-Genre, aber es kommen auch aktuelle Werke und Bücher außerhalb der phantastischen Genres vor. Sehr viele Beiträge widmet sie Lois McMaster Bujold, deren gesamten Barrayar-Zyklus sie bespricht. Weitere AutorInnen sind etwa C. J. Cherryh, Keri Hulme, Daniel Abraham, George Eliot, Robert A. Heinlein, George R.R. Martin, Dorothy L. Sayers und Samuel Delany (um nur ein paar zu nennen).
Jo Waltons Beiträge sind keine Literaturkritik und auch keine Rezensionen in dem Sinn. Vielmehr ist es der Blick einer leidenschaftlichen Leserin auf Bücher, die sie liebt, auf deren Stärken und Schwächen und das, was sie daran besonders begeistert. Manchmal geht sie auch darauf ein, wie sich ihr Blick auf das jeweilige Buch im Laufe der Zeit verändert hat und was sie daran Neues entdeckt hat.
Es ist diese pure Begeisterung, die Waltons Sammlung zu einem wahren Lesevergnügen macht - allerdings auch zu einem gefährlichen. Mit der Lektüre dieses Buches ist meine Wunschliste nahezu explodiert und bei meinem letzten Büchereibesuch habe ich auch bereits nach einigen der erwähnten Werke Ausschau gehalten. Viele davon sind leider nur noch schwer aufzutreiben und manche wurden auch gar nie ins Deutsche übersetzt. Abgesehen von Klassikern des Genres bin ich hier also auch auf viele Bücher gestoßen, von denen ich vorher noch nie gehört habe.

Ein Buch über Bücher - wird das nicht nach ein paar Seiten langweilig? Nein, gar nicht. Ich kann nicht genau sagen, ob es dabei von Vorteil ist, wenn man die darin besprochenen Bücher kennt oder nicht. Ich kannte die meisten nicht und habe mich gefreut, auf unbekannte Werke aufmerksam gemacht zu werden, aber es war auch spannend zu lesen, was Walton über Bücher schreibt, die ich selbst ebenfalls gelesen habe.
Sie betrachtet auch nicht alle Bücher auf dieselbe Weise. Manchmal geht sie kritisch auf das Frauenbild oder Diversität ein, manchmal konzentriert sie sich auf die darin erschaffene Welt und manchmal (etwa beim "Song of Ice and Fire") überlegt sie, was manche Bücher eigentlich zu so einer "Droge" macht, dass man nach dem Lesen eines Bandes sofort nach dem nächsten giert.

Zwischendurch gibt es auch ganz allgemeine Beiträge, etwa zu dem Thema, weshalb sie überhaupt manche Bücher mehr als einmal liest und welche Freude (oder auch Enttäuschung) so ein Reread sein kann.
"When I re-read, I know what I’m getting. It’s like revisiting an old friend. An unread book holds wonderful unknown promise, but also threatens disappointment. A re-read is a known quantity."
Gerade bei diesen allgemeinen Beiträgen kann es übrigens spannend sein, diese auch nochmal auf Tor.com zu suchen und dazu auch die Kommentare zu lesen, in denen darüber eifrig diskutiert wurde.

Ich habe zu "What Makes This Book so Great" vornehmlich deshalb gegriffen, weil ich gehofft habe, dass ich darin mehr erfahren werde zu einigen Büchern, die Jo Walton in In einer anderen Welt erwähnt. Diese Hoffnung hat sich zum Teil erfüllt, aber ich hatte auch sonst sehr viel Freude an diesem Buch. Zum einen hat Jo Walton mich nahezu angesteckt mit ihrem Enthusiasmus (und war maßgeblich mit ein Grund, weshalb ich über mein Leseverhalten nachgedacht habe); zum anderen macht sie sich auch einige sehr kluge Gedanken zu den Büchern, die ich sowohl aus Leser- als auch aus Schreibersicht sehr interessant fand.

Ab und zu haben mich dann aber manche Beiträge doch gelangweilt, weil mich die darin besprochenen Bücher schlichtweg nicht interessiert haben. Das ist bei so einer Sammlung vermutlich unumgänglich - umso mehr, wenn man sie in einer so kurzen Zeit liest wie ich.
Dennoch war es für mich eine sehr lesenswerte Lektüre, die mir außerdem auch zahlreiche neue Bücher auf der Wunschliste beschert hat.

Kommentare:

  1. ""When I re-read, I know what I’m getting. It’s like revisiting an old friend."

    Ja, genau das ist es! :)

    Ich glaube, ich muss mich dann mal durch ihre Tor.com-Beiträge lesen - vor allem die zum Thema McMaster Bujold, denn deren Bücher mag ich so gern. :)

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    1. Ah, dann ist das natürlich fein - mir wurde es im Buch dann schon ein wenig zuviel McMaster Bujold. Aber vielleicht werde ich nun mal was von ihr lesen.

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    2. Ich kann dir nur zuraten! Gerade ihre SF-Romane mag ich sehr, weil sie so gar nicht in eine Schublade passen und so viele Themen ansprechen und trotzdem (oder gerade deshalb) so unterhaltsam sind.

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  2. Verflixt. Das hört sich viel zu reizvoll an. ...

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  3. ...was Natira sagt. Und Tor ist ja auch eine renommierte Adresse. Wirklich interessant. Gerade so allgemeine Beiträge über das Lesen finde ich immer wieder schön.

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    1. Ich auch. Allerdings liegt der Schwerpunkt wirklich auf einzelnen Büchern - die allgemeinen Beiträge sind nur ab und zu dazwischengestreut.

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  4. Klingt interessant, aber ich glaube, ich würde zu wenige Autoren/Werke kennen, um da meine Freude daran zu haben. ;)
    Aber schön, dass es dir gefallen hat. :)

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    1. Ich kannte auch nur die wenigsten, aber ich habe auch seit "In einer anderen Welt" bewusst nach Tipps zu klassischer Science Fiction gesucht und insofern hat das für mich jetzt auch gut gepasst.

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  5. Das Buch klingt echt gut. Vor allem weil ich doch selber nach ein paar Science Fiction Klassikern suche :)

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