Sonntag, 26. Juli 2015

Julie Campbell - The Gatehouse Mystery

3. Band der Serie "Trixie Belden"
Rezensionen der bisherigen Bände: Band 1, Band 2

erschienen bei Penguin Random House

entdeckt: in der Kindheit durch ältere Geschwister
woher: Kauf (kobobooks)



In einem verlassenen Pförtnerhaus auf dem Anwesen der Wheelers finden Trixie und Honey einen Diamanten. Wie kommt der wertvolle Stein in das alte Häuschen? Haben gar der Gärtner und der Chaffeur, die von den Wheelers gerade erst neu angestellt wurden, etwas damit zu tun? Trixie und Honey beschließen, den Fund geheimzuhalten und bringen sich damit ordentlich in Schwierigkeiten. Gut, dass sie auf Jim und auf Trixies ältere Brüder zählen können. 

Bei diesem Trixie Belden-Band hatte ich nun erstmals das Gefühl, inzwischen doch zu alt für diese Serie zu sein. Die fixe Idee der Mädchen (bzw. vor allem von Trixie), sie müssten den Diamanten-Fund verheimlichen, ließ mich nur noch den Kopf schütteln. Noch weniger konnte ich nachvollziehen, weshalb dann sogar Jim und Trixies ältester Bruder Brian, die sonst eher die Stimme der Vernunft darstellen, bei diesem Irrsinn mitmachen. Und wie zum Geier schafft man es, einen so wertvollen Edelstein immer wieder aus den Augen zu verlieren? Ich habe nicht mitgezählt, wie oft sie danach suchen und sich wieder einmal einen neuen "sicheren" Ort dafür überlegen, aber es geschieht mehrmals.

Obwohl ich beim Lesen manchmal händeringend rufen wollte "Kinder, denkt doch mal nach!", hatte ich alles in allem meinen Spaß mit dem Buch. Wie schon in den ersten beiden Bänden lässt Campbell sich auch hier viel Zeit für ihre Charaktere. Trixie, Honey und Jim bekommen mehr Tiefe, während mit Trixies Brüdern Mart und Brian zwei sehr liebenswerte neue Figuren eingeführt werden.
Noch dazu wird hier nun der Club "Bob-Whites of the Glen" gegründet und somit die Grundlage für die weiteren Bände gelegt. 

Bereits in den vorigen Bänden habe ich auf die Kürzungen und Änderungen in der deutschen Übersetzung hingewiesen. Dieses Mal wollte ich es nun genau wissen und habe die englische und deutsche Version parallel gelesen. Ganz allgemein lässt sich sagen, dass in der Übersetzung sowohl Dialoge als auch Beschreibungen der Umgebung oder alles, was sonst zur Atmosphäre beiträgt, gekürzt werden, solange es nicht direkt um den "Kriminalfall" geht. Manchmal fehlen ganz Szenen - so wird etwa ein Ausritt, bei dem es zu einem für die Auflösung nicht ganz unwichtigen Gespräch mit Mr. Lytell kommt, auf einen kurzen Absatz zusammengekürzt, in dem Mr. Lytell noch nicht einmal auftritt.

Oft kommt mir auch die Übersetzung deutlich weniger lebhaft und anschaulich vor. Als etwa Trixies kleiner Bruder Bobby sich das Knie aufschlägt und jammert, dass er nach Hause möchte, kommt folgende Reaktion: "Of course you do", Honey cried sympathetically. Man kann richtig herauslesen, wie die sensible Honey voll ehrlichen Mitleids ist.
In der Übersetzung wird das zu einem lapidaren "Na klar", beruhigte ihn Brigitte. Hier wird nicht einmal klar, ob Brigitte (Honey) mit dem Jungen mitfühlt oder ihn einfach nur schnell beruhigen möchte, damit er still ist.

Als ein Beispiel dafür, wie in der Übersetzung die Szenen auf das absolut Wesentliche zusammengekürzt werden, stelle ich hier eine Szene, in der Trixie heimlich Kaffee trinkt, um die Nacht über wach zu bleiben, auf Englisch und Deutsch einander gegenüber:
When Celia [das Hausmädchen] brought in Miss Trask's coffee, Trixie pushed back her chair und jumped to her feet. She grabbed the nearest platter and said, "I'll help you clear the table, Celia. I always do it at home." She pushed through the swinging door into the butlers's pantry. On the drain board was a large cup of black coffee which Celia had obviously just poured for herself. Trixie slid the platter of cold cuts in between the pots and pans beside the sink, and grabbed the cup.
After the first swallow, she almost screamed with pain. It was scalding hot and as strong as lye. Trixie had never tasted coffee before. It was horrible, but she forced herself to gulp down as much as her protesting throat would let her, and hurried back into the dining-room.
"Why, Trixie", Honey gasped. "You've been crying. What's the matter?"
Trixie hastily dabbed at her watering eyes with her napkin.
"Oh, dear", Miss Trask said worriedly. "Don't tell me you're a hay fever victim, Trixie? This is the ragweed season, you know."
Celia sniffed. "More likely, onions is the answer. Trixie loves onions, and I left some thick slices in the pantry. I forgot Mr. Wheeler wouldn't be here for supper. He loves 'em too."
(S. 51 meiner ebook-Ausgabe)

Trixie, die entschlossen war, die Nacht wach zu bleiben, schlich sich heimlich in die Küche und trank dort eine halbe Tasse starken, bitteren Kaffee. Gräßlich schmeckte das. Was die Erwachsenen nur daran fanden!
Als sie ins Zimmer zurückkam, standen ihr noch Tränen in die Augen, und Fräulein Trasch fragte sie besorgt, was denn los sei. "Du wirst doch nicht etwa Heuschnupfen bekommen, Trixie?" meinte sie.
Celia, die Trixies Vorliebe für rohe Zwiebeln kannte, meinte augenzwinkernd, Trixie habe wohl in der Küche Zwiebelscheiben genascht.
(S. 50)

Abgesehen davon, dass die Sache mit dem Kaffee im Original viel lebhafter beschrieben ist, fällt mir hier vor allem auf, dass Honey/Brigitte erneut schlecht charakterisiert wird in der Übersetzung. Sie ist im Original natürlich die erste, der auffällt, dass ihre Freundin Tränen in den Augen hat und macht sich deshalb Sorgen (später kommt sie auch nochmal darauf zurück). In der Übersetzung dagegen wird das alles Miss Trask zugeschoben und Brigitte äußerst sich gar nicht dazu, dass ihre Freundin anscheinend geweint hat.

Ich finde es wirklich schade, dass die Bücher auf Deutsch nahezu auf das Skelett zusammengekürzt werden, als wäre es bei einem Kinderbuch einzig und allein wichtig, dass man in aller Kürze die Handlung unterbringt, während Atmosphäre keine Rolle spielt. Erzieht man auf diese Weise nicht sogar Kinder zu ungeduldigen Lesern?
Um ehrlich zu sein, kann ich nicht behaupten, dass mir als Kind beim Lesen von Trixie Belden etwas gefehlt hätte. Aber ich bin mir auch sicher, dass ich mich nicht gelangweilt hätte, wenn die Geschichten nicht dermaßen gekürzt worden wären - ich konnte ohnehin nicht genug davon bekommen und fand, dass ich mit einem Band immer viel zu schnell durch war.
Das bestärkt mich nun auf alle Fälle in meinem Entschluss, die deutschen Bände alle auszumisten und durch die Englischen zu ersetzen. Schade nur, dass es diese bisher nur lückenhaft als ebooks gibt (so fehlt etwa noch Band 4, während es dann 5-7 wieder gibt).

Donnerstag, 23. Juli 2015

[Wiener Streifzüge] Archäologischer Park Carnuntum

Ich war schon öfter in Carnuntum - zuletzt vor etwa einem Jahr - und wollte auch schon längst diesen Streifzug posten, wusste aber nie so recht, wie ich ihn aufteilen oder die Fotos aussortieren sollte, da es so viel gibt, was ich euch da zeigen kann.
Carnuntum ist eine römische Stadt aus der frühen Kaiserzeit mit gut 50.000 Einwohnern in ihrer Blütezeit und war 308 n. Chr. Sitz der Kaiserkonferenz. Abgesehen von der Zivilstadt befanden sich dort auch ein Legionslager und eine Militärsiedlung.
Außer dem archäologischen Park gibt es das Amphitheater der Zivilstadt, das Amphitheater der Militärstadt, das römische Museum in Bad Deutsch-Altenburg und das sogenannte "Heidentor" zu besichtigen. Von Wien aus erreicht man die Orte mit der Schnellbahn und dann einem kleineren Fußweg. Wenn man sich alles an einem Tag ansehen möchte und vielleicht noch bei Bad Deutsch-Altenburg auf den Pfaffenberg wandern will (wie ich es einmal gemacht habe), ist man ordentlich beschäftigt und hat auch so einige längere Fußwege zurückzulegen.

Ich werde euch in diesem ersten Streifzug einmal das "Highlight" vorstellen - den Archäologischen Park von Carnuntum.
Was einst "nur" eine für Besucher zugängliche Archäologische Ausgrabungsstätte mit einigen Ausstellungen und Infotafeln war, ist mittlerweile einer der Vorreiter auf dem Gebiet der archäologischen Rekonstruktion. In Carnuntum wurden in den letzten Jahren mehrere Gebäude mit den Mitteln der experimentellen Archäologie an ihrem ursprünglichen Standort (und anhand der ergrabenenen Grundrisse und Gebäudeteile) wiederaufgebaut. Das heißt, es wurde nur mit historischen Nachbauten antiker Werkzeuge gearbeitet und zwar bis in die Details; bei den Möbeln hat man sich an Text- und Bildquellen sowie an archäologischen Vergleichsfunden orientiert. Das besondere ist, dass die Häuser funktionstüchtig sind: Sie werden mittels Hypokausten und Holzöfen beheizt und an den Küchenherden kann gekocht werden.

Begonnen hat man vor einigen Jahren mit dem Haus des Lucius, einem kleinen Stadthaus eines Tuchhändlers aus der Mittelschicht; dann ging es weiter mit der Villa Urbana, einer Stadtvilla der Oberschicht und zuletzt schließlich mit einer der kleineren Stadtthermen. Alle Gebäude und Einrichtungsgegenstände sind der ersten Hälfte des 4. Jahrhunderts zuzuordnen, also etwa der Zeit der Kaiserkonferenz.

Zivistadt von Carnuntum
Nach einer kleinen Ausstellung im Infocenter und einem Modell der Stadt betritt man direkt den Park, wo sich einem folgender Blick bietet:

Blick auf einen Teil des Geländes mit der Therme und der Villa Urbana
Das Haus des Lucius von hinten
Innenhof im Haus des Lucius
Werkstatt mit historisch hergestellten Stoffen
Wohnraum im Haus des Lucius
Säulengang und Front der Villa Urbana und der Thermen
thermopolia ("Imbissbuden") im Säulengang
Küche in der Villa Urbana
Einer der Innenhöfe der Villa Urbana: rechts hinten ist die Heizungsklappe,
unter der Treppe wird Holz gelagert
Vorraum der Therme
Galerie im Vorraum mit Liegen und Umkleidemöglichkeiten
Wasserbecken im frigidarium
Wasserbecken im caldarium mit warmem Wasser
Ofen im Hinterhof zum Beheizen des caldariums
In Carnuntum wird auch weiterhin ausgegraben
Soweit einmal ein kleiner Einblick vom Archäologischen Park. Man kann auf den Fotos nicht festhalten, wie unglaublich schön die Thermen sind - als ich den Vorraum betreten habe, war ich völlig überwältigt. Es ist auch faszinierend, die Hypokaustenheizung einmal in Aktion zu erleben und in den Innenhöfen zu sehen, von wo aus und wie die Räume beheizt werden.

Ich kann allen, die etwas länger als nur für ein Wochenende in Wien sind, nur empfehlen, einmal nach Carnuntum zu fahren. Der Archäologische Park ist mit seinen Rekonstruktionen einzigartig (vergleichbar ist nur noch die Herberge in Xanten), vor allem, da es nicht nur darum geht zu zeigen, wie etwas möglicherweise ausgesehen hat, sondern auch, wie man es möglicherweise gemacht hat. Auch wenn die experimentelle Archäologie immer wieder größerer Kritik ausgesetzt ist, vermitteln die Gebäude unbestreitbar ein anschaulicheres Bild der Antike als Modelle oder Zeichnungen es tun könnten. Es wird in Carnuntum zudem wissenschaftlich sehr sorgfältig gearbeitet und auch wenn vieles natürlich immer Interpretation bleibt, haben die Nachbauten dort dennoch Hand und Fuß. So sind etwa auch in den Wohnhäusern die oberen Stockwerke nicht rekonstruiert, da die Ausgrabungen keine Hinweise auf Nutzung oder Ausstattung gegeben haben.

Carnuntum ist also auf jeden Fall einen Ausflug wert, zumal es dort auch noch mehr zu sehen gibt - dazu komme ich dann in den nächsten Streifzügen.

Freitag, 17. Juli 2015

Buchstabengeplauder #35

Lebensgeplauder

Ich habe gerade ein paar nicht ganz so nette Tage hinter mir, da mir recht überraschend ein Weisheitszahn entfernt werden musste. Leider konnte ich mich seither noch nicht mal arm mit Büchern im Bett verkriechen, da ich gerade noch ziemlich mit Diensten eingespannt bin. Aber ich muss auch einräumen, dass es mir nicht so schlecht geht, dass es notwendig gewesen wäre, mich im Bett zu verkriechen. ;-) Da ich ab Montag Urlaub habe, hoffe ich, dass die Wunde einfach weiterhin gut verheilt und ich dann meine freie Zeit unbeschwert genießen kann.

Lesegeplauder

Derzeit lese ich mal wieder viel zu viel gleichzeitig. Auf meinem Nachtkästchen liegt Nils Holgerssons wunderbare Reise durch Schweden, mit dem ich wegen seines Umfangs wohl auch noch eine Weile beschäftigt sein werde. Parallel lese ich Zusammen ist man weniger allein von Anna Gavalda, das mich nur mäßig begeistert und die Kurzgeschichtensammlung Das Flüstern zwischen den Zweigen von Markolf Hoffmann, von der ich auch noch nicht so ganz überzeugt bin. Als Hörbuch habe ich mir aktuell ein Sachbuch ausgesucht und zwar 635 Tage im Eis von Alfred Lansing über die Shackleton-Expedition. Es war zuerst ein wenig ungewohnt, ein Sachbuch zu hören, aber inzwischen bin ich ganz gut hineingekommen.
Außerdem hat mich nun auch endlich mein Geburtstagsbuch erreicht, das aus Deutschland kam und dank Poststreik einen Monat lang zu mir nach Wien gebraucht hat:

Wie man sieht, ist das Buch schon nicht mehr so ganz das neueste - diese Ausgabe ist von 1988; ursprünglich erschienen ist es 1926. Ich bin auf diesen Klassiker der phantastischen Literatur schon sehr gespannt und hoffe, dass er mir gefallen wird.
Ich finde es übrigens interessant, wie lange es bei manchen Büchern dauert, bis sie übersetzt werden. So wurde dieser Roman auf Deutsch erstmals 1986 publiziert, also 60 Jahre nach dem Original. Noch extremer war es bei Flucht ins Feenland (Lud-in-the-Mist), das auf Englisch ebenfalls 1926 erschienen ist, auf Deutsch aber erst im Jahr 2003.



Balkongeplauder

Da im Juni das Interesse an meinen Balkonpflänzchen doch recht groß war, gibt es wieder einmal ein kleines Update. Zunächst gibt es Verluste zu beklagen: meine Zucchinipflanzen sind mir beide eingegangen. Eine war wegen Mehltau-Befall ohnehin schon mein Sorgenkind, schien aber dennoch weiter zu gedeihen, bis die Hitze sie auf einmal dahingerafft hat. Die andere ist leider Opfer eines Sturms geworden - trotz der geschützten Lage auf meinem Balkon hat der Wind es geschafft, sie quasi einmal herumzuschleudern und am Hauptstängel abzuknicken. :-(
Außerdem habe ich meine beiden Kästen mit Blümchen, die von Anfang an die Lage bei mir nicht mochten, kurzerhand neu bepflanzt. In einem habe ich Radieschen- und Mangoldsamen ausgestreut, in dem anderen habe ich Steinkraut umgepflanzt, das schon im Begriff war, meine Koniferen zuzuwuchern.

Die Radieschen sind bald erntereif
Das Steinkraut hat sich an seinem neuen Platz eingewöhnt
Bei den Koniferen wachsen die letzten, nicht umgesetzten Reste
des Steinkrauts wie verrückt
Und beim Rest ist weiterhin alles erfreulich. Die Kräuter wachsen brav vor sich hin, vom Pflücksalat ernte ich noch immer regelmäßig und die Kartoffeln scheinen auch zu gedeihen. Bei den Erdbeeren reifen jetzt nochmal Früchte heran (das hätte ich gar nicht mehr erwartet) und die Ringelblumen, die ich dort im Frühling ausgesät habe, blühen nun auch endlich. Die Pelargonien und die Schwarze Susanne wachsen ebenfalls weiterhin als obs kein Morgen gäbe.

Zwischen den Erdbeeren ausgesäte Ringelblumen


Besonders freue ich mich aber über den Mangold, den ich bei den Asiasalaten ausgesät habe. Während die Asiasalate nun zu blühen begonnen haben und somit die Ernte vorbei ist, geht es mit dem Mangold erst so richtig los. Ich habe schon einmal kräftig geerntet und kann (sobald ich wieder kauen kann) bald die nächste Partie zubereiten:


Alles in allem habe ich weniger Verluste zu beklagen, als ich es mit Einsetzen der ersten großen Hitzeperiode befürchtet hätte. Um die Zucchini tut es mir natürlich leid - mal sehen, ob ich nächstes Jahr trotzdem noch einmal einen Versuch starte (ich habe ja immer noch Samen übrig). Ansonsten sieht es aber dafür, dass ich eigentlich gar keinen grünen Daumen habe, auf meinem Balkon auch weiterhin nicht so schlecht aus. ;-)

Donnerstag, 16. Juli 2015

Michael Ridpath - Fluch


1. Band der Krimireihe "Fire&Ice"
erschienen bei Hoffmann und Campe

entdeckt durch: Empfehlung einer Bekannten
woher: Städtische Bücherei (Onleihe)




Nachdem der Bostoner Polizist Magnus Jonson einem Verbrecherring in die Quere gekommen ist, werden innerhalb kürzester Zeit zwei Anschläge auf ihn verübt. Er wird daraufhin zu seinem eigenen Schutz in seine alte Heimat Island geschickt, wo er es gleich mit dem Mord an einem Literaturwissenschaftler zu tun bekommt. Die Ermittlungen führen Magnus zu einer alten Saga und zum "Herr der Ringe", der damit im Zusammenhang zu stehen scheint. Aber was kann an diesen literarischen Werken so wichtig sein, dass dafür gemordet wird?
Also zunächst mal: Was ist das mit den deutschen Verlagen und den Einwort-Titeln bei Krimis? Da werden aussagekräftige Titel in der Übersetzung zu "Verblendung", "Erbarmen", "Erlösung", "Verdammnis" und ähnlichen nichtssagenden Titeln, die alle irgendwie gleich klingen. Hier ist es ganz ähnlich. Aus dem Originaltitel "Where the Shadows Lie", der als ein Teil von Tolkiens berühmtem Ringspruch bereits das Thema des Romans vorgibt, wird ein schnödes "Fluch".
Dem Inhalt tut das natürlich glücklicherweise keinen Abbruch, denn an diesem Krimi hatte ich wirklich meine helle Freude.
Magnus Jonson bringt als Ermittler eine interessante Hintergrundgeschichte mit und auch wenn er so seine Probleme mit sich herumschleppt, gehört er glücklicherweise nicht dem depressiven Wallander-Erlendur-Typ an, der zur Zeit so häufig in skandinavischen Krimis zu finden ist.
Als Protagonisten einen Isländer zu wählen, der lange Zeit im Ausland gelebt hat, ist ein kluger Schachzug, da Magnus sich zwar einerseits in der isländischen Kultur auskennt, andererseits aber auch die Sichtweise eines mittlerweile Fremden mitbringt, der auf diese Weise gut die Leser auf Besonderheiten der isländischen Polizei und Lebensweise aufmerksam machen kann.
Auch die anderen Figuren sind durchwegs gut gelungen, wobei das Motiv des Vorgesetzten, der keine Lust auf diesen neuen, fremden Ermittler im Team hat, vielleicht ein bisschen ausgewalzt ist.
Der Kriminalfall selbst ist sehr schön konstruiert. Ridpath hat mit der Gauks Saga eine ganze Isländersaga erfunden, die dank einer Mischung aus altbekannten Sagamotiven und eigenen Elementen durchaus authentisch wirkt. Er orientiert sich an den Erzählungen von Andvaris Ring in der Edda und der Völsunga Saga und führt die Geschichte dieses Ringes noch weiter. Auf die Parallelen zum Herr der Ringe werden schließlich auch zwei Tolkien-Fans aufmerksam, die die verlorengeglaubte Gauks Saga bisher nur vom Hörensagen kennen. Sie machen sich daraufhin nicht nur auf die Sache nach der Saga, sondern auch nach dem vermeintlichen Ring, der mit einer tragischen Familiengeschichte verknüpft ist.
Ridpath führt diese Elemente - die Saga, den Herr der Ringe, den Mord und den Bostoner Verbrecherring, der Magnus nach dem Leben trachtet - sehr schön zusammen, auch wenn sie jetzt in der Zusammenfassung etwas wirr klingen mögen. Der Fall ist spannend konstruiert und konnte mich bis zum Ende weitgehend überzeugen, auch wenn es für mich bei der Auflösung doch den einen oder anderen Kritikpunkt gibt.
Dennoch hat mir dieser Krimi sehr gut gefallen und ich werde vermutlich auch den Nachfolgeband "Wut" (da, schon wieder so ein Einwort-Titel!) lesen. Eine gewisse Begeisterung für Tolkien und/oder isländische Sagas erhöht bestimmt das Lesevergnügen, aber es ist nicht zwangsläufig ein Vorwissen zu diesen Themen notwendig, um den Krimi zu verstehen.
Alles in allem war dieser Roman zwar kein Jahreshighlight für mich, aber auf jeden Fall ein Buch, das ich sehr gerne und auch schnell gelesen habe.

Montag, 13. Juli 2015

[Challenge] Lese-Bingo 2015

Zwar ist das halbe Jahr schon rum, aber ich steige verspätet noch in Carolines Lese-Bingo ein, bei dem die Regeln sehr entspannt sind. Es geht einfach darum, möglichst alle Felder bis zum Ende des Jahres abzuhaken - dazu muss nicht zwangsläufig auch jedes Buch rezensiert werden und ich darf auch Bücher zählen, die ich bisher in diesem Jahr schon gelesen habe.

Und hier ist Carolines Bingo mit einigen sehr spannenden Kategorien:


Samstag, 11. Juli 2015

[Kurzrezensionen] Von Detektivinnen, Freunden und bösen Bibliothekaren

Alexander McCall Smith - The No. 1 Ladies Detective Agency

Nach dem Tod ihres Vaters eröffnet Mma Precious Ramotswe ein Detektivbüro und ist somit Gaborones erste weibliche Privatdetektivin. Bald sind sie und ihre Sekretärin Grace Makutsi mit den ersten Fällen beschäftigt - angefangen von untreuen Ehemännern bis hin zu einem verschwundenen Kind.
Es handelt sich hier um den ersten Band einer Krimiserie, der auf Deutsch unter dem Titel "Ein Krokodil für Mma Ramtoswe" veröffentlicht wurde. Die auf den Büchern basierende Fernsehserie wurde leider nach einer Staffel bereits wieder eingestellt. Diese erste Staffel habe ich bereits gesehen, ehe ich das Buch gelesen habe, was für mich nicht die ideale Reihenfolge war. Obwohl ich die Lektüre durchaus genossen habe, hat mir in diesem Fall tatsächlich die filmische Umsetzung besser gefallen. Das mag daran liegen, dass dort die Fälle meist etwas ausgeschmückt werden, während sie im Buch recht kurz abgehandelt werden. Dieser erste Band ist also sehr episodenhaft, was sich angeblich in den späteren Bänden dann ändert.
Ich fand das Buch dennoch sehr schön zu lesen. Anders als sonst in Krimis geht es weniger um die Ermittlungsarbeit an sich, sondern mehr um moralische Fragen. Mma Ramotswe geht an die Fälle auf eine ganze eigene Weise heran und löst sie mit viel Einfühlungsvermögen und Warmherzigkeit. Der Grundton ist optimistisch und heiter, wobei auch Gesellschaftskritik nicht zu kurz kommt. Botswana bietet (sowohl in dem Roman als auch in der Serie) eine wunderschöne Kulisse und die Fälle fügen sich sehr gut in die Umgebung ein. Da kommen auch mal Krokodile und Schlangen vor, es geht um Aberglauben und die Stellung der Frau in Botswana.
 
Fazit: Ein episodenhafter Roman, der ganz klar als Einstieg in eine längere Serie dient. Obwohl er mich nicht restlos begeistert hat, kann ich ihn ebenso empfehlen wie die sehr gut gelungene Umsetzung als Fernsehserie.


Haruki Murakami - Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki

Tsukuru Tazakis Leben gerät von einem Tag auf den anderen völlig aus den Fugen, als seine vier besten Freunde den Kontakt abbrechen, ohne ihm eine Erklärung zu liefern. Erst viele Jahre später ist Tsukuru bereit, sich den Geistern seiner Vergangenheit zu stellen und er bricht auf, um seine Freunde zu treffen.
Ich habe von Haruki Murakami bisher nur Kurzgeschichten gelesen, die mir alle gut gefallen haben, und wurde nun auch von diesem Roman nicht enttäuscht, der mich von der ersten Seite an in seinen Bann gezogen hat. In einem nüchtern-schlichten Stil erzählt der Autor von Tazaki, der sich immer als eine Art farblosen Mann ohne Eigenschaften betrachtet hat. Das Bunte in seinem Leben waren für ihn seine Freunde. Ohne sie führt er nur noch ein halbes Leben und fühlt sich nicht mehr dazu fähig, sich ganz auf andere Menschen einzulassen.
Der Roman geht stellenweise in die Richtung magischer Realismus und steckt voll (teils rätselhaftem) Symbolismus, ist aber bei weitem nicht so surreal wie die Kurzgeschichten, die ich von Murakami gelesen habe. Gefallen hat mir beides - das Realistische und das Surreale. Dennoch haben mich Tazakis Pilgerjahre nicht ganz überzeugt, da mir am Ende zuvieles offen blieb. Weniger in der Haupthandlung als eher, was Nebenfiguren und angedeutete Rätsel betrifft. Ich habe nichts dagegen, wenn ein Ende manches offen lässt, aber hier hatte ich teilweise das Gefühl, dass manche Figuren und Subplots einfach ins Nichts verschwinden. Fast fühlte ich mich nach dem Zuklappen des Buches ein wenig genarrt.
 
Fazit: Ein sehr schöner und mitreißender Roman, der mich aber am Ende leider etwas ratlos und unzufrieden zurückgelassen hat.


Brandon Sanderson - Alcatraz und die dunkle Bibliothek

Der dreizehnjährige Alcatraz scheint das Unglück nur so anzuziehen und wird von einer Pflegefamilie zur nächsten weitergereicht. An seinem dreizehnten Geburtstag aber wird sein Leben komplett auf den Kopf gestellt - Schuld daran sind ein Säckchen magischer Sand und eine Verschwörung der dunklen Bibliothekare, die die Weltherrschaft anstreben. Zusammen mit seinem Großvater und anderen Helfern muss Alcatraz sich mitten hinein in die Zentralbibliothek begeben.
Dieser Auftakt einer Jugendbuchreihe ist dermaßen abgefahren und seltsam, dass mir "Alice im Wunderland" im Vergleich wie ein Ausbund an Logik vorkommt. Es geht um eine parallele Welt, die hier aber erstmal nur eine untergeordnete Rolle spielt, darum, dass unsere Wirklichkeit nicht so ist, wie sie scheint (sondern wie sie uns von Bibliothekaren vorgegaukelt wird), um magische Linsen, lesende Dinosaurier und andere Skurrilitäten. Das ist teilweise recht originell, teilweise war es mir aber auch einfach zuviel des Guten. Ich konnte dahinter keinen glaubhaften Weltentwurf erkennen, alles wirkte auf mich einfach irgendwie zusammengeworfen. Noch mehr Probleme hatte ich aber mit dem Schreibstil. Alcatraz erzählt die Geschichte aus der Ich-Perspektive und erklärt den Lesern ständig, warum Autoren wie schreiben und welche Kniffe er jetzt gerade anwendet, um die Leser bei der Stange zu halten oder sie zu täuschen. Das hätte witzig sein können (und bei vielen Lesern scheint der Humor auch gut anzukommen), aber ich fand es einfach nur nervig und viel zu bemüht. Teilweise erstrecken sich diese Einschübe sogar über mehrere Seiten und unwillkürlich hatte ich dabei das Bild des Autors vor Augen, der beim Schreiben über seine eigenen Einfälle kichert - wie ein Komiker, der auf der Bühne über seine Witze lacht, während im Publikum peinliches Schweigen herrscht.
 
Fazit: Mit diesem Roman hat Brandon Sanderson leider überhaupt nicht meinen Nerv getroffen, zumal ich auch mit keiner der Figuren etwas anfangen konnte. Vielleicht bin ich für dieses Buch doch einfach schon zu alt.

Mittwoch, 8. Juli 2015

Buchstabengeplauder #34

Puh, das war vielleicht eine Nacht ... Ich konnte gestern eh schon nicht recht einschlafen, weil es so warm im Schlafzimmer war und dann bin ich um etwa 3 Uhr schon wieder geweckt worden vom Sturm. Aber nicht, dass ihr denkt, der hätte eine Abkühlung gebracht: nein, der hat sogar noch heißere Luft hereingeweht (bei ohnehin schon 29 Grad im Schlafzimmer). Daraufhin habe ich dann auch heute Morgen verschlafen und bin erst um 7:15 aufgestanden (sonst in den letzten Tagen immer schon um etwa 6:30), wo es dann schon wieder zu heiß war, um noch vernünftig durchlüften zu können.
Ich hoffe wirklich, dass heute die ersehnte Abkühlung kommt. Allgemein ist es hier in der neuen Wohnung ja schon angenehmer als in einer alten (in der hätte ich jetzt schon wieder mindestens 33 Grad gehabt), aber inzwischen häng ich auch hier nur noch ganz fertig rum und bin zu nichts mehr zu gebrauchen.

Baden und Sommerkino

Immerhin habe ich aber gestern meinen freien Tag sehr angenehm genutzt: Am Vormittag und über Mittag war ich mit dem Rad auf der Donauinsel zum Baden und im-Schatten-Herumgammeln. Ich habe ein wenig gelesen, ein wenig gehäkelt und habe zwischendurch das kühle Nass genossen.



Man sieht auf dem oberen Foto ganz gut, wie schön klar das Wasser der Neuen Donau war. Nach den ersten Metern waren allerdings ziemlich viele Wasserpflanzen, die mich beim Schwimmen öfter von unten gekitzelt haben, aber da das Wasser eben so klar war, konnte ich die auch sehr deutlich unter mir sehen und wusste also wenigstens, was da meine Füße streift. ;-) 

Und am Abend habe ich dann - tadaaaa! - den ersten meiner Jahreswünsche erfüllt. Und zwar war ich mit einer Freundin im Sommerkino, genaugenommen im Kino am Dach der Hauptbücherei, wo wir uns Citizenfour angeschaut haben. Ein sehr spannender und erschreckender Dokumentarfilm, den ich allen wärmstens empfehlen kann. Man hat darin nun nicht unbedingt neues über die NSA erfahren, aber er zeichnet ein sehr interessantes Bild von Edward Snowden und seinen Interviews mit Glenn Greenwald, Laura Poitras und Ewen MacAskill während seines Aufenthalts in Hongkong.
Zum "Kino am Dach" selbst kann ich sagen, dass es dort oben auf dem Dach sehr nett ist - und man hört dort auch kaum ewas vom Verkehr. Trotz der brütenden Hitze in der Stadt wehte oben auch ein kühles Lüftchen, was das Sitzen dort sehr angenehm machte. Der Film war erfreulicherweise äußerst gut besucht - am Foto erkennt man das nicht so gut, aber es waren zahlreiche Sitzreihen links von dem Geländer und dann auch nochmal genausoviele rechterhand davon.

vor Filmbeginn - als dieser dann angefangen hat, wurde es auch recht schnell dunkel
Es ist ja schon typisch, dass ich mir etwas, das ich schon seit Jahren machen möchte, tastächlich schriftlich vornehmen muss, damit es endlich mal klappt. Hoffentlich bleibt es jetzt nicht bei dem einen Mal. Es wäre auch nett, andere Sommerkinos in Wien auszuprobieren, etwa das Kino unter Sternen am Karlsplatz oder das Filmfestival am Rathausplatz mit seinem klassischen Musikprogramm.

Eine Stadt. Ein Buch 2015

Die Aktion Eine Stadt. Ein Buch habe ich hier auf dem Blog schon öfter erwähnt (hier habe ich sie genauer vorgestellt) und nun steht auch das diesjährige Gratisbuch der Stadt Wien fest: Es wird Sofies Welt von Jostein Gaarder. Obwohl ich den Roman als Jugendliche ganz toll fand, bin ich nicht so begeistert. Wie schon im Vorjahr (Anna Gavalda - "Zusammen ist man weniger allein") ist es somit wieder ein Buch geworden, das ohnehin schon ein Bestseller ist. Ich hatte den Eindruck, dass mit der Aktion früher auch auf etwas unbekanntere Bücher aufmerksam gemacht wurde - teilweise auch auf unbekanntere Bücher von bekannten Schriftstellern (etwa John Irvings "Lasst die Bären los!" im Jahr 2005). Das hat mir eigentlich besser gefallen als die Tendenz zu Bestsellern in den letzten Jahren. 
Anna Gavaldas Roman lese ich übrigens gerade, da ich ja schließlich nicht noch das Vorjahres-Buch auf meinem SuB haben möchte, sobald es das neue gibt - auch wenn es das eh erst ab 2015 gibt. Die Frage ist natürlich, ob ich mir das diesjährige überhaupt holen werde, da ich "Sofies Welt" ohnehin bereits zuhause habe. Mal sehen.

Wie seht ihr das denn? Haltet ihr es sinnvoller, bei so einer Aktion bekannte Bücher zu verteilen, damit sie dadurch vielleicht auch mehr Aufmerksamkeit erfährt? Oder würdet ihr euch auch wünschen, dass man eine solche Aktion eher dazu nutzt, Bücher unter die Leute zu bringen, die noch nicht ganz so bekannt sind?

Montag, 6. Juli 2015

William Golding - Lord of the Flies


ungekürztes Hörbuch
gelesen von Martin Jarvis
erschienen bei Canongate Faber Audio

Nobelpreis-Challenge
Hörbuch-Challenge 



Als eine Gruppe von sechs- bis zwölfjährigen Jungen wegen eines Atomkriegs evakuiert wird, stürzt das Flugzeug ab und die Kinder finden sich auf einer unbewohnten Insel wieder. Unter der Führung des vernünftigen Ralph entfachen sie ein Signalfeuer und beginnen mit dem Bau von einfachen Hütten. Doch bald verlieren die meisten das Interesse an diesen langweiligen Tätigkeiten. Vor allem die von Jack angeführten "Jäger" haben ihre eigene Vorstellung davon, wie das Leben auf der Insel aussehen soll. Als auch noch Gerüchte von einem "Monster" aufkommen, eskaliert die Situation.
 
Ich habe diesen Roman schon einmal für den Englischunterricht gelesen, allerdings habe ich mir damals mit der Sprache noch sehr schwer getan und daher vieles nicht verstanden. Deshalb hatte ich schon lange vor, ihn noch einmal zu lesen und dieses Mal hoffentlich mehr mitnehmen zu können.
 
Am Beginn war ich sehr überrascht, wie viel simpler ich die drei Hauptfiguren und ihre Beziehung zueinander im Kopf hatte: Da sind der besonnene Ralph, der aggressive Jack und ein intelligenter Junge, der wegen seines Übergewichtes von allen nur "Piggy" genannt wird (tatsächlich erfährt man nie seinen richtigen Namen). In meiner Erinnerung gab es von Anfang an Konflikte zwischen Jack und Ralph, die einander als "gute, geordnete" und "böse, chaotische" Seiten gegenüberstanden.
So einfach ist es aber dann doch nicht. Die beiden Jungen kommen trotz unterschwelliger Spannungen zunächst gut miteinander aus und scheinen einander auch gut zu ergänzen. Der "gute" Ralph behandelt außerdem Piggy nicht viel besser als die anderen Kinder und zieht ihn mit seinem Körpergewicht, seinem Spitznamen und seinen diversen Beschwerden (u.a. Asthma) auf.
 
Dabei ist Piggy aus meiner Sicht der eigentliche Held: Er ist intelligent, hat klare moralische Ansichten und hält unverrückbar an der Vorstellung von einer Ordnung fest. Diese wird durch ein Muschelhorn symbolisiert, das dazu genutzt wird, Versammlungen einzuberufen und zu markieren, wer gerade sprechen darf.
Der Zerfall der Ordnung und die Nichtbeachtung des Muschelhorns gehen Hand in Hand. Jack ist der erste, der sich gegen Ralph auflehnt und mit ihm seine Jäger. Es entsteht eine gefährliche Gruppendynamik, die zu einer vollständigen Spaltung der beiden Gruppen führt. Auf der einen Seite steht Ralph, der ein diszipliniertes, "erwachsenes" Leben festzuhalten versucht und das Erhalten des Signalfeuers als wichtigste Tätigkeit überhaupt betrachtet (um in die geordnete, zivilisierte Welt zurückkehren zu können). Auf der anderen Seite steht Jack, der mit Freuden die Regeln der Erwachsenen hinter sich lässt und sich ungezügelt der Wildschweinjagd, dem Kampf gegen das Monster und Tänzen um das Lagerfeuer hingibt. Alle, die sich ihm nicht anschließen, betrachtet er letztendlich als Feinde, auf die ebenfalls Jagd gemacht werden muss.
 
Die Vorgänge auf der Insel sind umso erschreckender, weil sie so realistisch sind. Zuerst kann und mag man sich nicht vorstellen, dass die Situation derartig eskalieren wird und doch war ich nicht sehr überrascht, als es soweit kam. Der Roman mag Gruppenkonflikte und daraus resultierende Gewaltbereitschaft zwar ein wenig übertreiben, aber es ist doch alles andere als aus der Luft gegriffen.
 
Ich bin froh, dass ich den Roman nun - mit besseren Englischkenntnissen - nochmal gelesen bzw. gehört habe. Die Lesung von Martin Jarvis hat mir sehr gut gefallen, auch wenn ich die Stimme, die er Piggy verliehen hat, etwas arg klischeehaft fand. Allerdings sind die Figuren schon im Roman teilweise recht stereotyp angelegt, was auch mein einziger Kritikpunkt ist.
 
Sehr spannend fand ich übrigens die vielen Parallelen zu "Lost", die mir umso mehr aufgefallen sind, da ich derzeit gerade die Serie noch einmal schaue. Es ist klar erkennbar, dass die Serie in vielen Dingen durch den Roman inspiriert wurde - sowohl auf der strukturellen Ebene, als auch in kleinen Details (etwa das Motiv des Fallschirmspringers).
Das hat für mich die Lektüre dieses Mal umso interessanter gemacht, zumal "Lost" nicht als ein billiger Abklatsch daherkommt, sondern eher die grundlegenden Konflikte auf eine ganz eigene Weise umsetzt.
Weniger gelungen finde ich übrigens die Verfilmung des Romans von 1990 (es gibt auch eine aus dem Jahr 1963, die ich aber nicht kenne), die die Charaktere noch deutlich klischeehafter anlegt und sich sonst ganz auf die reine Handlungsebene konzentriert.

Mittwoch, 1. Juli 2015

[Tag] Meine 10 Wünsche für den Sommer


Bei Tine habe ich einen sehr schönen Tag entdeckt, der ursprünglich von Amazing Summer Reads kommt. Es geht um eine Sommer-To-Do-Liste bzw. um Sommerwünsche und das passt ja auch ganz gut dazu, da ich für 2015 ein paar Jahreswünsche habe. Nun habe ich mir also zusätzlich noch 10 Wünsche nur für den Sommer überlegt. So etwas bietet sich gerade in diesem Jahr gut an, da das seit langem mein erster Sommer ohne Doktorarbeit wird - und vermutlich auch eine "Ruhe vor dem Sturm", da bei mir ab Herbst voraussichtlich größere Veränderungen in meinem Leben anstehen.

Hier also meine 10 Wünsche für die Sommermonate:

1. Den Höhenrausch in Linz besuchen
Der Höhenrausch ist für meine Mutter und mich fast schon zu einer Sommertradition geworden (von unserem Besuch 2013 habe ich hier berichtet). Letztes Jahr haben wir es aber leider nicht hin geschafft, da meine Mutter Anfang Juli im Krankenhaus war und es ihr danach noch länger nicht ganz gut ging - und im September hatte ich dann keine Zeit mehr. Dieses Jahr möchte ich unbedingt wieder mit ihr hin; am besten verbunden mit einem gemütlichen Bummeltag in Linz.

2. In der Neuen Donau schwimmen gehen
Ich war immer schon gerne im Sommer auf der Donauinsel zum Baden, allerdings musste ich dazu bisher immer einmal quer durch die Stadt fahren. Nun wohne ich praktisch ums Eck und daher möchte ich mir natürlich mal mein Fahrrad schnappen, an die Neue Donau fahren und dort einen netten Badetag verbringen.

3. Den Sternenhimmel beobachten
Eine Freundin hat vor einer Weile mal einen Berg oder eine Anhöhe am Rand von Wien erwähnt, wo man ganz toll die Sterne sehen kann. Ich habe keine Ahnung mehr, wo genau, aber auf jeden Fall würde ich gerne mit ihr dorthin fahren und Sterne gucken. Im Garten meiner Familie habe ich das früher gern gemacht und konnte auch schon so einige Sternbilder finden, aber in Wien ist es dafür viel zu hell und so habe ich das schon seit Jahren nicht mehr gemacht. 

4. Meine Taufpatin und/oder Freunde in Deutschland besuchen
Das ist gewissermaßen ein wunder Punkt bei mir. Sowohl meine Freunde in Deutschland, die ich aus dem Weltenbastler-Forum kenne als auch meine Taufpatin (die in der Nähe von Augsburg wohnt) habe ich schon lange nicht mehr gesehen. Ich hatte auch in der letzten Zeit kaum noch Kontakt zu ihnen. Und leider ist das nicht nur ein Zeitproblem, sondern hängt auch damit zusammen, dass ich irgendwann eine Scheu entwickelt habe, überhaupt mit Menschen zu reden, die ich länger nicht mehr gesehen habe und die also nicht ganz "up-to-date" sind, was mein Leben betrifft. Ich wollte niemandem erklären müssen, weshalb meine Doktorarbeit nicht fertig wird und weshalb ich noch nirgendwo "angekommen" bin im Leben - und dass ich inzwischen die Doktorarbeit abgebrochen habe, macht die Sache nicht einfacher. Gleichzeitig finde ich es ärgerlich und traurig, dass mich das davon abhält, Menschen wieder zu sehen, die mir am Herzen liegen.
Ich würde daher dieses Jahr gern entweder meine Taufpatin besuchen oder/und jemand aus dem Forum, mit denen ich früher so regen Kontakt hatte. Hoffentlich klappt es.

5. Einen Ausflug mit meiner Schreibgruppe machen
Ob das was wird, hängt natürlich nicht nur von mir alleine ab. Seit Ewigkeiten gibt es ein paar Ausflüge, die wir gern machen würden - aber irgendwie schaffen wir es nie. Zumindest aber eine gemeinsame Unternehmung in Wien sollte machbar sein.

6. Ins Pratermuseum gehen
Ich glaube, ich möchte dieses Museum schon seit Jahren besichtigen. Es beschäftigt sich mit der Wiener Unterhaltungskultur im Wandel der Zeiten und ist weder besonders groß noch besonders teuer, aber trotzdem bring ich es nie so recht unter, da es nur von Freitag bis Sonntag geöffnet hat und ich an diesen Tagen meist relativ mit Diensten eingespannt bin. Aber das Hauptproblem ist im Grunde, dass ich es mir nie fix vornehme und dann immer darauf vergesse.

7. 20 Bänder/Anhänger knüpfen/aus Perlen basteln
Vor einer Weile habe ich eine kleine Knüpfchallenge gemacht und eine Woche lang jeden Tag ein Bändchen geknüpft. Es waren natürlich sehr kleine Projekte und es war ziemlich stressig, aber es hat dennoch Spaß gemacht. 20 über den Sommer verteilt sollten also auf jeden Fall möglich sein.

8. Eine neue Charaktervorstellung posten
Hierzu gibt es nicht viel zu sagen. Ich finde es einfach schade, dass diese Kategorie auf meinem Blog schon wieder so eingeschlafen ist - also soll sie im Sommer dringend wiederbelebt werden. :-)

9. Mit meiner jüngeren Nichte Eisessen gehen
Da meine ältere Nichte und ich so einen guten Draht zueinander haben und wir nun noch dazu dieses Jahr nach London fliegen (mein Firmgeschenk an sie, da ich ihre Patentante bin), hat ihre kleine Schwester im Vergleich immer ein wenig das Nachsehen. Also möchte ich einmal mit ihr Eisessen gehen (oder etwas anderes unternehmen) - und zwar nur mit ihr allein. Damit haben dann meine Neffen noch immer das Nachsehen, aber die Burschen legen eh nicht so viel Wert auf meine Gesellschaft. ;-)

10. Ein Sommerbuch lesen
Ich möchte diesen Sommer so einiges lesen, aber abseits von Challenges und SuB hätte ich darunter auch gern ein richtiges Sommerbuch - so eine locker-flockige (oder vielleicht auch eher melancholische?) Lektüre voller Sonnenschein und Sommergefühle. Ich habe noch kein bestimmtes Buch ins Auge gefasst, weiß aber, dass sich auf meiner Wunschliste ein paar potenzielle Kandidaten tummeln.

Wie immer tagge ich niemand bestimmten, aber vielleicht hat ja jemand von euch auch Lust, eine Liste mit Sommerwünschen zu erstellen. Ich wäre auf jeden Fall neugierig, was für 10 Dinge ihr im Sommer gern machen möchtet.