Montag, 31. August 2015

Buchstabengeplauder #37

Die letzten Tage hatte ich einen sehr schönen - und lesereichen - Kurzurlaub. Am Donnerstag bin ich mit meiner Mutter (die im Zug etwa auf halber Strecke zu mir gestoßen ist) nach München gefahren, wo ich zwei Internetfreunde getroffen habe, die ich schon viel zu lange nicht mehr gesehen habe. Am späten Nachmittag haben uns dann meine Taufpatin und deren Mann in München abgeholt und wir haben einen sehr gemütlichen Abend mit Grillen bei ihnen verbracht. Am nächsten Tag gings leider schon wieder zurück, aber wir haben noch einmal Station in München gemacht, wo wir im Deutschen Museum waren. Das war nun schon mein dritter Besuch dort und noch immer habe ich nicht alles gesehen ...



Am Samstag hatte ich dann die ganz seltene Situation, dass ich bei meiner Familie war, ohne bereits tausend Termine oder Feiern geplant zu haben. Ich bin dann fast den ganzen Tag lesend im Garten gelegen, was herrlich war. Ich dachte schon, dass ich für so etwas gar nicht mehr die Ruhe aufbringen könnte, aber mit dem richtigen Buch und ohne eine lange To-Do-Liste im Kopf hat das doch geklappt. 
Gestern habe ich dann noch eine Freundin besucht, die gerade in Salzburg ist, und wir sind gemeinsam nach Hallein gefahren, wo wir im Salzbergwerk und im Keltendorf waren und dann einen schönen Wanderweg zurück zum Bahnhof genommen haben. Bei der Fahrt von Salzburg zurück nach Wien habe ich dann das Buch ausgelesen. Es handelte sich übrigens um Rabenzeit von Astrid Vollenbruch, zu dem ich bald noch etwas schreiben werde, da es mit diesem Buch für mich eine ganz besondere Bewandtnis hat. 

Keltendorf und Kirche am Dürrnberg
Hallein - Blick über die Salzach auf das Tennengebirge
Es waren ein paar wirklich tolle Tage, mit denen ich übrigens auch einen meiner Sommerwünsche erfüllt habe. Der einzige Wermutstropfen war nicht (wie ursprünglich befürchtet) ein Gespräch über meine abgebrochene Doktorarbeit, sondern eine unschöne, wenn auch kurze Flüchtlings-Diskussion. Es ist wirklich erschreckend, wieviele Menschen aus der eigenen Umgebung und Verwandtschaft da äußerst engstirnige Ansichten haben - aber dazu werde ich in den nächsten Tagen noch einen eigenen Beitrag schreiben.

Als ich zurück nach Wien gekommen bin, dachte ich schon, ich hätte nun erfolgreich einen Teil meiner Pflanzen umgebracht. Ich habe sie vor meiner Abreise noch intensiv gegossen und den Wasserflaschen-Trick angewendet, der im Juni schon mal prima funktioniert hat, aber damals hatte es halt nicht jeden Tag 35 Grad ... 
Als ich gestern Abend bei der Ankunft mit bösen Vorahnungen auf den Balkon gegangen bin, habe ich also vor allem die Erdbeeren und den Mangold am Balkongeländer in erbärmlichen Zustand vorgefunden. Der vor einer Weile neu ausgesäte Pflücksalat, den ich extra in den Schatten gestellt hatte (fragt mich nicht, warum ich das nicht mit den anderen Pflanzen auch gemacht habe), ist dagegen gewachsen wie verrückt und dem Mangold auf dem Fensterbrett gings auch gut. 
Aber nach mehrmaligem, ausgiebigem Gießen haben sich tatsächlich alle Pflanzen wieder erholt und die Erdbeeren tragen sogar wieder neue Früchte. Dabei hätte ich beim Mangold schon nicht mehr zu hoffen gewagt, da er wirklich den Eindruck erweckt hat mausetot zu sein. Umso erfreulicher, dass er nun wieder aussieht wie das blühende Leben (ich habe ihn aber immerhin heute in den Schatten gestellt, damit er nicht gleich wieder in der Sonne braten muss).
Eine gute Gelegenheit also, euch mal wieder ein paar Fotos zu zeigen:

Basilikum
der totgeglaubte Mangold (inzwischen schaut er noch fitter aus)
Steinkraut und Pelargonien lassen sich weder von energischem Rückschnitt
noch von Hitze im Wachstum beirren
Pflücksalat - auch nach 3 Tagen ohne Gießen putzmunter
Außerdem gibt es noch zwei buchige Neuzugänge - das eine ist The Rithmatist, das ich bei Elena gewonnen habe. Ich probiere es also noch einmal mit Brandon Sanderson und hoffe, dass mir dieser Roman gefällt. Zumindest optisch ist das Buch schon mal vielversprechend - mit kleinen Skizzen und schematischen Zeichnungen:


Das zweite ist ein spätes Geburtstagsgeschenk und ein Buch, das ideal für Blogger und Listenfans ist. Es nennt sich Literary Listography und enthält eine ganze Reihe von Listen zum Ausfüllen - angefangen von "Books that made me cry" über "Books I couldn't finish" bis hin zu "Memorable characters who died right before my eyes". Ich freue mich schon darauf, alle diese Listen auszufüllen und werde vielleicht auch ab und zu mal eine hier posten. Danke, Victoria, damit hast du echt meinen Nerv getroffen!


Bevor mich nun geballt alle Dienste, die ich in den letzten Tagen weggetauscht habe, überfallen, habe ich morgen noch einen freien Tag, den Lyne und ich zum Lesen nutzen wollen, wie ich hier schon angekündigt habe. Falls sich noch jemand anschließen will (ich weiß, Dienstag ist ungeeignet für alle mit "normalen" Arbeitszeiten), könnt ihr euch gern noch in den Kommentaren melden.

Donnerstag, 27. August 2015

[Ankündigung] Lesetag am 1.9.2015

Lyne und ich wollen wieder mal gemeinsam lesen und zwar am 1. 9., also kommenden Dienstag. Möchte sich uns noch jemand anschließen?

Wir werden dieses Mal keine Fragen und Rätsel posten wie beim letzten Mal; es soll einfach ein gemütliches gemeinsames Lesen werden. 
Wenn jemand mitlesen mag, wäre es schön, wenn ihr ein wenig darüber erzählt, was ihr lest und wie es euch mit euren Büchern geht. Vielleicht ergibt sich dann wieder ein nettes Geplauder in den Kommentaren, was natürlich eine schöne Sache wäre.
Ansonsten gibt es aber keinerlei Vorgaben oder Einschränkungen - steigt einfach ein, wann ihr wollt und könnt und lest mit uns ein paar Stündchen. :-)

Wer mitmachen will, kann sich hier per Kommentar melden - bitte seid nicht irritiert, wenn es ein paar Tage dauert, bis ich diesen freischalte. Ich bin ein paar Tage ohne Internet, weil ich in München und Salzburg unterwegs bin (während dieser Beitrag erscheint, sitze ich bereits im Zug).

Also, wer ist mit dabei am 1. September? 

Mittwoch, 26. August 2015

[Tag] Mein Leben in Büchern

Bei BücherFähe bin ich auf diesen netten Tag aufmerksam geworden und habe daraufhin mein Bücherregal durchforstet. Ich habe mich daher bei den Fragen auf Bücher beschränkt, die ich tatsächlich daheim im Regal stehen habe.

1. Suche dir je eins deiner gelesenen Bücher für deine Initialen heraus.


 Mit meinem zweiten Vornamen dazugenommen sind das also drei Bücher mit folgenden Buchstaben:


J - Jenseits des Karussells v. Ju Honisch
Ich habe einige Bücher von Ju Honisch über ihre Fey gelesen und dieses ist für mich eins der besten. Hier geschehen seltsame magische Dinge, deren Zusammenhänge erst nach und nach klar werden. Für alle Leser der Vorgängerromane "Das Obsidianherz" und "Salzträume" gibt es ein Wiedersehen mit einigen Figuren, aber abgesehen davon funktioniert der Roman auch für sich allein.

S - Silentium v. Wolf Haas
Hier könnte ich fast dasselbe schreiben wie zum vorigen Buch: Ich habe alle Brenner-Romane (bis auf den neuesten) von Wolf Haas gelesen und "Silentium" ist für mich einer der besten. Hier wird in einem Salzburger Internat gemordet und auf einmal findet sich Brenner zwischen katholischen Priestern, den Festspielen und Mädchenhandel wieder. Einer der witzigsten und zugleich schwärzesten Romane von Wolf Haas.

O - The Old Man and the Sea v. Ernest Hemingway
Vor einer gefühlten Ewigkeit für ein Englisch-Referat gelesen, war ich damals ein wenig davon überfordert. Englisches Lesen war ganz allgemein nicht meine Stärke im Gymnasium. Deshalb wäre auch das (wie "Lord of the Flies") ein Buch, das ich wieder einmal zur Hand nehmen sollte. 

2. Stell dich vor dein Bücherregal und zähle dein Alter entlang die Bücher ab - bei welchem Buch landest du?


Da ich mehrere kleine Bücherregale habe, musste ich mich erst einmal für eins entscheiden - und habe Klassiker sowie allgemeine Belletristik gewählt. Hier bin ich bei Die Herrin von Wildfell Hall v. Anne Brontë gelandet - ein Buch, das mir sehr gut gefallen hat und sich nicht hinter den bekannteren Romanen ihrer Schwestern verstecken muss.



3. Suche dir eines deiner Bücher aus, das in deiner Stadt, deinem Bundesland oder in deinem Land spielt.


Es ist nicht sonderlich schwer, ein Buch zu finden, das in Wien spielt (bei meinem Geburtsort wäre es schwieriger geworden). Ich hätte da etwa auch noch "Wie die Tiere" v. Wolf Haas und "Die Arbeit der Nacht" v. Thomas Glavinic, habe mich aber für Victorias zwei Romane über das Bureau für Okkulte Angelegenheiten entschieden: Des Teufels Maskerade und Fortunas Flug spielen beide zumindest teilweise in Wien (der erste Band teilweise in Prag) und sind beides sehr empfehlenswerte phantastische Romane aus den letzten Jahren der k.-u.-k.-Monarchie.


4. Jetzt suche ein Buch heraus, das einen Ort repräsentiert, an den du gerne reisen würdest. 


Hier habe ich mich für die Chronicles of Prydain v. Lloyd Alexander entschieden (hier stellvertretend der 1. Band "The Book of Three"), die in einem mythologisch-phantastischen Wales angesiedelt sind. Ich würde sehr gern einmal nach Wales reisen und zweimal wäre es auch fast etwas geworden, aber es hat dann doch nicht gepasst. Aber irgendwann wird es hoffentlich doch noch klappen (zumal eine Bekannte meiner Familie in England nahe der walisischen Grenze wohnt).

5. Was ist deine Lieblingsfarbe? Fällt dir ein gelesenes Buch ein, dessen Cover in dieser Farbe gehalten ist?


Ich mag türkis sehr gern - zwar eher ein dunkles Türkis, aber das Cover von Das Königin der Quelle v. Heide Solveig Göttner passt zumindest annähernd. Es handelt sich hier um den 3. Band der ganz wunderbaren Fantasy-Trilogie Die Insel der Stürme, die leider ganz zu Unrecht nur wenig Beachtung fand.  Ich würde sehr gern noch mehr von der Autorin lesen, aber seither sind von ihr keine weiteren Bücher erschienen - vielleicht weil bei der Trilogie der erhoffte Erfolg ausblieb? Sehr, sehr schade.

6. An welches Buch hast du die schönsten Erinnerungen? 


Diese Frage ist gar nicht so einfach zu beantworten. Ich habe mich schließlich für Ein Lied für Arbonne v. Guy Gavriel Kay entschieden, das ich in Oslo gelesen habe. Diesen Roman habe ich mir zu Weihnachten gewünscht, da ich kurz vorher "A Sarantine Mosaic" gelesen hatte, das ich grandios gefunden habe. Leider gab es "Ein Lied für Arbonne" nur noch gebraucht und der Versand dauerte länger als gedacht. Das Buch ist dann gerade noch rechtzeitig angekommen, damit ich es nach Oslo mitnehmen konnte (Anfang Januar hat mein Semester dort begonnen). Dort habe ich es dann verschlungen und war ganz hin und weg.
Wenn ich an dieses Buch denke, denke ich also nicht nur an einen großartigen Roman, sondern auch an meine tolle Zeit in Oslo.

7. Bei welchem Buch hattest du die größten Schwierigkeiten, es zu lesen?

 
Diese Frage könnte ich - mal wieder - mit "Ulysses" beantworten, aber da waren die Schwierigkeiten so groß, dass ich noch nicht einmal weit gekommen bin.
Ich habe daher Gier v. Elfriede Jelinek gewählt, das ich fürs Studium lesen musste. Mit dem Roman hatte ich inhaltlich und stilistisch große Probleme. Dabei finde ich, dass Elfriede Jelinek unglaublich gut schreibt - ihre Sprache hat beinahe schon etwas rhythmisch-melodisches. Bei diesem Buch aber fühlte ich mich von den Bildern und Assoziationen ein wenig erschlagen und der Inhalt ist ziemlich harter Tobak. Es war wirklich keine Freude, dieses Buch zu lesen, obwohl ich nicht behaupten könnte, dass ich es nicht mochte.

8. Welches Buch auf deinem SuB wird dir das größte Gefühl verschaffen, etwas geleistet zu haben, wenn du es gelesen hast?  

 
Hier muss ich ein Buch wählen, das ich aus der Bücherei ausgeliehen habe (mein eigener SuB enthält kein passendes Buch) und zwar Sterben und Auferstehen von dem finnischen Nobelpreisträger Frans Eemil Sillanpää. Allerdings bin ich skeptisch, ob ich das Buch überhaupt noch lesen kann, ehe ich es zurückgeben muss. Ich habe es nämlich schon zweimal verlängert und muss es daher am 7. September auf jeden Fall in die Bücherei zurückbringen. In letzter Zeit bin ich aber bei meinen ausgeliehenen Bücher nicht weit gekommen und aktuell stecke ich noch mitten in "Unter dem Tagmond" von Keri Hulme, das auch nicht eben leichte Lektüre ist. 

Sonntag, 23. August 2015

Eric Berg - Das Nebelhaus

ungekürztes Hörbuch (11 h 2 min)
gelesen von Anneke Kim Sarnau und Jürgen Uter
erschienen bei Jumbo Neue Medien

wie entdeckt: Rezension bei Sarahs Welt der Bücher
woher: Audible-Abo

Hörbuch-Challenge


Im September 2009 lädt Philipp drei alte Freunde, die er seit Jahren nicht mehr gesehen hat, in sein Haus auf Hiddensee ein. Von Anfang an steht das Wochenende unter keinem guten Stern - es gibt Reibereien zwischen den vier Freunden sowie mit Philipps Familie und am Ende des Wochenendes sind drei Personen tot und eine liegt im Koma. Zwei Jahre später recherchiert die Journalistin Doro über die "Blutnacht" von Hiddensee. Dabei stößt sie auf Geheimnisse und ungeklärte Fragen, die sie an dem vermeintlichen Tathergang zweifeln lassen.

"Das Nebelhaus" wird parallel in zwei Zeitebenen erzählt. In der Gegenwart geht es um Doros Ermittlungen, die aus der Ich-Perspektive der Journalistin erzählt werden; in der Vergangenheit werden die tatsächlichen Ereignisse beleuchtet. Es handelt sich daher nicht um einen klassischen Krimi. Zwar deckt Doro einige Dinge auf, aber die Details erfährt man in erster Linie aus dem Handlungsstrang, der in der Vergangenheit spielt.
Der Hauptaugenmerk liegt auf den Figuren und ihren Beziehungen zueinander. Vor allem die vier Freunde, Philipps Frau und die kambodschanische Haushaltshilfe Frau Nan fand ich sehr interessant, wenn auch manchmal vielleicht etwas übertrieben gezeichnet. Trotzdem fand ich sie glaubhaft dargestellt und die meisten waren mir trotz ihrer Schwächen und Fehler sympathisch.
Doro bleibt in der Gegenwart etwas blasser, was interessant ist, da gerade sie aus ihrer eigenen Perspektive erzählt. Vielleicht liegt es daran, dass sie im Vergleich zu den recht schillernden Figuren der Vergangenheit deutlich bodenständiger und gemäßigter wirkt. Ich fand aber auch sie recht gut gezeichnet, hatte allerdings mit der Liebesgeschichte zu kämpfen, die den Handlungsstrang in der Gegenwart dominiert und mir persönlich etwas zu gezwungen vorkam.

Der Roman ist dennoch sehr spannend und hat mich auch über Stunden am Stück gefesselt. Eric Berg versteht es recht geschickt, die Identität der Toten zum Teil offenzulassen und so ist das - neben der Frage nach dem tatsächlichen Täter und dem Motiv für die Morde - eines der Rätsel, über die ich die ganze Zeit nachgegrübelt habe.
Letztendlich war ich übrigens mit der Lösung auf dem Holzweg, aber das liegt auch daran, dass der Autor am Ende noch einmal sehr stark auf den Überraschungseffekt setzt. Darunter leidet die Glaubwürdigkeit ein wenig, denn für mich war es schon wieder zu sehr hergeholt. Im Laufe des Romans werden einige mögliche Szenarien entworfen, die ich allesamt stimmiger gefunden hätte, aber das ist wohl ein ewiges Krimi-Problem: Die Balance zu finden zwischen vorhersehbar und zu abwegig, ist alles andere als leicht.
Ich hatte außerdem den Eindruck, dass die Polizisten bei den damaligen Ermittlungen recht schlampig gearbeitet haben müssen, wenn man bedenkt, was ihnen alles entgangen ist.

Obwohl mich also die Auflösung nicht überzeugt hat und ich die Sprache manchmal etwas holprig fand, hat mir der Roman sehr gut gefallen. Gerade im Rückblick sehe ich zwar einige deutliche Schwächen, aber beim Hören hat mich die Frage, was genau geschehen ist, stetig vorangetrieben und es ist mir sehr schwergefallen, zwischendurch zu unterbrechen.
Von den beiden Sprechern hat mir Anneke Kim Sarnau besser gefallen, da Jürgen Uter für meinen Geschmack die Frauenstimmen ein wenig seltsam gelesen hat. Und ich hätte es sehr begrüßt, wenn die beiden sich bei Herrn Nan darauf geeinigt hätten, ob dieser nun einen Akzent bekommt oder nicht ... Alles in allem war es aber angenehm den beiden zu lauschen und das Hörbuch hat meine viele Häkelstunden der letzten Woche fast im Fluge vergehen lassen.

Freitag, 21. August 2015

Häkeln und Knüpfen, bis die Finger rauchen

In den letzten drei Wochen hatte ich einige Geburtstagsgeschenke aus Wolle/Garn zu machen, sowohl Geknüpftes als auch Gehäkeltes. Und da sich ein paar Projekte als zeitaufwändiger herausgestellt haben als gedacht und ich für andere grandios spät dran war, habe ich vor allem in den vergangenen Tagen gewerkelt wie verrückt.
Das hatte übrigens die praktische Nebenwirkung, dass ich das Hörbuch "Das Nebelhaus" von Eric Berg im Rekordtempo gehört habe. Dafür war es auch gut geeignet, da ich es sehr spannend fand, aber dazu demnächst mehr in der Rezension.

Hier also meine Handarbeiten der letzten Zeit (damit tut sich auch in dieser Kategorie mal wieder was):

Zunächst habe ich einen Doctor Who-Schlüsselanhänger gehäkelt - auf einer Seite die Tardis, auf der anderen ein Dalek:


Dann habe ich den Geburtstagswunsch meines Neffen erfüllt, der von mir einen größeren Minion wollte (einen kleinen hab ich ihm schon mal gehäkelt). Da dieser dann doch größer wurde als gedacht und mit all den Details recht aufwändig war, war ich damit deutlich länger beschäftigt als gedacht. Daher wurde er leider nicht mehr rechtzeitig zur Feier fertig und ich habe meinem Neffen bei meiner Rückfahrt nach Wien versprochen, dass ich ihm den Minion schicken werde. Seither passt der arme Kerl jeden Tag ungeduldig den Postboten ab - aber nun hat sich das Geschenk auf den Weg gemacht und das Warten hat für ihn hoffentlich bald ein Ende.


Und schließlich gabs noch zwei Geburtstagsgeschenke, die mehr oder weniger zusammengehören. Sie waren nämlich für einen Fan von Sherlock und Benedict Cumberbatch - und letzterer spielt in London Hamlet. Da das Geburtstagskind Karten für eine der Aufführungen hat, gabs eine kleine Knüpferei als Einstimmung (leider nur zwischen Tür und Angel mit dem Handy fotografiert) und außerdem auch noch einen gehäkelten Sherlock:


So gern ich auch solche Handarbeiten mache - das war in den letzten Wochen schon ganz schön stressig. Ich bin also ganz froh, dass ich nun aktuell keine weiteren Geschenke häkeln muss. ;-)

Montag, 17. August 2015

[Challenge] Das war "Zurück in die Vergangenheit"


 Vor zwei Jahren hat Elena eine Challenge ins Leben gerufen, die mich gleich angesprochen hat, da es darum ging, Bücher wieder einmal zu lesen, die man schon seit Jahren nicht mehr gelesen hatte. Die Challenge war zunächst für ein Jahr geplant, aber da Elena in der Zeit selbst nur wenig zum Lesen gekommen ist, hat sie die Challenge schließlich noch um ein Jahr verlängert
Ich habe dann - weshalb auch immer - die Challenge an sich ein wenig aus den Augen verloren, in der Zeit aber dennoch einige passende Bücher gelesen und nun also endlich meine Challengeseite auf den aktuellen Stand gebracht.

Unter den elf Büchern sind sowohl solche, die ich erst vor einigen Jahren zuletzt gelesen habe, als auch solche, die tatsächliche Kindheitsbücher sind und damals von mir rauf- und runtergelesen wurden, seit dem Erwachsenwerden aber im Regal verstaubt sind. Ahornstraße 5 musste ich sogar erst einmal irgendwo auftreiben, da ich das Buch damals nur aus der Bücherei hatte - und ich war richtig aufgeregt, als ich ein gebrauchtes Exemplar gefunden habe. 
Bei Trixie Belden (Band 2 und Band 3 - den ersten habe ich schon vor Challengebeginn gelesen) habe ich nun zu den englischen Originalen gewechselt, was sich wirklich gelohnt hat, da die Übersetzungen massiv gekürzt sind. Beim 3. Band habe ich daher sogar beide Sprachen nebeneinander gelesen, um einen direkten Vergleich zu haben, wie stark die Kürzungen und Veränderungen sind. Eine ziemlich ernüchternde Erfahrung. Bei Aufregung im Ponyclub habe ich dagegen zwar keinen Vergleich, aber einige sehr sprunghafte Übergänge und hastige Passagen haben beim ReRead in mir den Verdacht geweckt, dass auch dieses Buch in der deutschen Übersetzung stark gekürzt wurde.
Wolfsaga hat dieses Übersetzungsproblem nicht, wurde es doch von der österreichischen Autorin Käthe Recheis geschrieben. Da diese leider in diesem Jahr gestorben ist, hat es sehr gut gepasst, dass ich wieder einmal ein Buch von ihr gelesen habe (wenngleich das Zufall war - ich habe Wolfsaga im Februar gelesen und die Autorin ist am 29. Mai gestorben).  

Bei Das Kartengeheimnis, The Hobbit und Besessen handelt es sich um Bücher aus meiner späten Jugendzeit - ich glaube, dass ich bei diesen etwa zwischen 16 und 18 Jahre alt gewesen sein muss, als ich sie zum ersten Mal gelesen habe. Leider hat mir Besessen beim erneuten Lesen nicht mehr ganz so gut gefallen. 
Dagegen war mein ReRead von Lord of the Flies für mich ein voller Erfolg, da mich der Roman beim ersten Mal, als ich ihn für den Englischunterricht gelesen habe, sprachlich überfordert hat. Nun, mit mehr englischer Leseerfahrung hatte ich damit keine Probleme mehr.

Und schließlich gesellen sich mit Pompeji und Der Name des Windes noch zwei Bücher dazu, die ich zwar als Erwachsene zum ersten Mal gelesen habe, bei denen die Lektüre aber doch auch schon lange her war (Pompeji habe ich vor etwa 10 Jahren gelesen, Der Name des Windes vor 7).

Obwohl ich in den zwei Jahren gern noch ein paar mehr Bücher von früher noch einmal gelesen hätte, hat sich die Challenge doch für mich gelohnt. Ich habe einige Bücher wieder für mich entdeckt, die ich schon lange nicht mehr zur Hand genommen habe und hatte mit den meisten auch wieder eine große Freude.

Herzlichen Dank für die Challenge, Elena!

Freitag, 14. August 2015

Alfred Lansing - 635 Tage im Eis: Die Shackleton-Expedition

ungekürztes Hörbuch (11 h 41 min)
gelesen von Wolfgang Condrus
erschienen bei Audible (Printausgabe im Goldmann-Verlag)

entdeckt: durch allgemeines Interesse an Polarexpeditionen
woher: Audible-Abo

Sachbuch-Challenge
Hörbuch-Challenge

Im August 1914 brach Sir Ernest Shackleton gemeinsam mit 28 Mann auf, um mit der Endurance in die Vahsel-Buch zu segeln und von dort aus den antarktischen Kontinent zu durchqueren. Doch die Endurance blieb noch im Weddell-Meer im Packeis stecken und wurde dort nach der Überwinterung von den Eismassen zerdrückt. Für die Expeditionsteilnehmer begann daraufhin ein beispielloser Kampf ums Überleben. Zuerst drifteten sie auf einer Eisscholle im Packeis monatelang nordwärts, ehe sie mit drei Booten zur kargen Elephant Island reisten, von wo aus eine kleine Rettungsmannschaft nach Südgeorgien aufbrach, um von dort Hilfe zu holen.

Die Shackleton-Expedition kann man wie die Apollo 13-Mission als einen "erfolgreichen Fehlschlag" bezeichnen, da alle Mitglieder der sogenannten "Weddell Sea Party" die unglaublichen Strapazen überlebten. Ganz ohne Verluste ging die Expedition indes nicht ab, da bei der "Ross Sea Party", die von der anderen Seite des Kontinents aus Depots anlegte, drei Männer starben - dazu später mehr.

Alfred Lansing beginnt sein Buch mit einer Art Stimmungsbild von der Endurance, die vom Eis zerstört wird, ehe er zurückspringt zum Beginn der Expedition und sie chronologisch erzählt. Da das Buch bereits in den 50er Jahren erschienen ist, konnte der Autor noch mit einigen Expeditionsteilnehmern und Zeitzeugen sprechen. Darüber hinaus zitiert er viel aus Tagebüchern (etwa von Shackleton, Worsley, Orde-Lees und McNish), was einen sehr umfassenden Blick auf die Expedition ermöglicht. Ich könnte mir vorstellen, dass ich vielleicht auch eins der Tagebücher noch lesen werde, aber um einen ersten und durchaus detaillierten Eindruck zu bekommen, ist Lansings Buch hervorragend geeignet. Wenn auch schon einige Jahrzehnte alt, so wirkt es keineswegs verstaubt. Es ist eher schlicht geschrieben, dokumentiert die Ereignisse aber sehr anschaulich und fesselnd.

Was die Männer in dieser Extremsituation alles ertragen, ist kaum vorstellbar. Schon der Winter eingeschlossen im Packeis auf dem Schiff und die lange Drift auf der Eisscholle (immer mit der drohenden Gefahr, dass sie auseinanderbrechen könnte) sind eine Belastungsprobe, erscheinen aber im Vergleich zu den späteren Strapazen nahezu harmlos. Nicht nur Kälte und Nahrungsmangel setzen den Männern zu, sondern später auf den Booten dann auch schwere Stürme, ständige Nässe und Schlaflosigkeit. Dass Shackleton mit einer kleinen Rettungsgruppe in einem völlig übermüdeten und entkräfteten Zustand noch die Fahrt bis nach Südgeorgien schaffte und dort zu Fuß die bergige Insel durchquerte, ist unglaublich und zeigt, wozu Menschen fähig sein können.
Vermutlich deshalb wird Shackleton gern als vorbildliche Führungspersönlichkeit genannt, wobei man meiner Meinung nach seiner Mannschaft unrecht tut, wenn man den Erfolg allein Shackleton zuspricht. Eher ist die Expedition ein Beispiel einer sehr beeindruckenden Zusammenarbeit von Menschen, die trotz zeitweiliger Reibereien doch alle am selben Strang ziehen, wenn es darauf ankommt und dabei einen bemerkenswerten Optimismus an den Tag legen.

Ich finde es nur schade, dass Lansing sich am Ende unerwartet kurz fasst. So ist mit Shackletons Ankunft in der Walfangstation Stromness zwar das schlimmste geschafft, aber die vielen Anläufe, bis schließlich einem Schiff die Fahrt durchs Packeis zur Elephant Island gelingt, um die Männer dort zu retten, hätten etwas mehr Aufmerksamkeit verdient als eine Erwähnung im Epilog. Auch über die Rückkehr und das weitere Leben der Männer (die großteils sofort wegen des 1. Weltkriegs in den Militärdienst treten mussten) hätte ich gern zumindest ein paar Worte erfahren.
Schließlich findet die zweite Expeditionsgruppe, die oben erwähnte Ross Sea Party, gar keinen Eingang ins Buch. Diese hatte von Anfang an mit Schwierigkeiten zu kämpfen (unter anderem auch deshalb, weil Shackleton diese wohl im Vorfeld nicht sehr gut organisiert hatte) und das Anlegen der Depots forderte drei Menschenleben. Dass dieser Teil der Expedition meistens völlig unter den Tisch fällt, finde ich - angesichts dessen, was auch diese Männer bewältigten - sehr schade. Zumindest hätte Lansing in einem Extrakapitel kurz darauf eingehen können.

Ansonsten hat mir das Buch wirklich gut gefallen, auch in der von Wolfgang Condrus gelesenen Hörbuch-Fassung. Ich habe mir allerdings im Internet Karten, Mannschaftslisten und Fotos angesehen, um einen besseren Überblick zu bekommen. In der Printversion hat man diese natürlich mit im Buch dabei.

Mittwoch, 12. August 2015

Buchstabengeplauder #36

Lebt ihr noch oder schmelzt ihr schon?
Gut, andernorts scheint die arge Hitzewelle inzwischen vorüber zu sein, aber in Wien schwitzen wir noch bei täglich über 35 Grad (und das schon seit mehr als einer Woche ohne klitzekleine Abkühlung), was dazu führt, dass ich derzeit außer arbeiten (vieeele Dienste in nichtklimatisierten Räumen), Blumen gießen und Luft zufächeln nicht sehr viel sinnvolles mache. ;-)
Immerhin ist das das perfekte Wetter, um mir heute Abend einen meiner Sommerwünsche zu erfüllen und den Sternenhimmel zu beobachten. Da diese Nacht der Perseidenschauer den Höhepunkt erreicht, wäre das der ideale Zeitpunkt. Leider haben meine potenziellen Mitguckerinnen keine Zeit und ich bin nun etwas unschlüssig. Um trotz Stadtlichter einigermaßen etwas sehen zu können, wäre ich gern auf den Kahlenberg gefahren, aber da es zurück dann so spät keine Busse mehr gibt, müsste ich zu Fuß gehen, was ich alleine ungern machen möchte. Vielleicht fahre ich einfach zu einer der zahlreichen Wiesen im Prater - ich bin mir nur nicht sicher, wie gut man dort sieht, da zwar der Prater groß ist, aber doch noch mitten in der Stadt.

Während ich hier bei der Hitze gut durchgebraten werde, habe ich 635 Tage im Eis zu Ende gehört, wo die Mitglieder der Shackleton-Expedition mit Kälte und Eis zu kämpfen hatten. Kühlt das innerlich? Nein, aber es rückt die Perspektiven insofern zurecht, dass ich natürlich zehnmal lieber schwitzend in meinem Schlafzimmer liege als in der Antarktis in nassen Schlafsäcken zu zittern. Das Buch war auf jeden Fall sehr interessant und beeindruckend - eine Rezension wird bald folgen.

Ich habe in der letzten Zeit außerdem - abgesehen von den hier besprochenen Büchern - Amy & Roger's Epic Detour noch einmal gelesen, das mich erst vor einem Jahr so begeistert hat. Früher habe ich häufig Bücher nach so kurzer Zeit schon wieder gelesen; in den letzten Jahren habe ich das kaum noch gemacht (eine Ausnahme war Summers at Castle Auburn). Aber ich habe auf der Suche nach einem schönen Sommerbuch so lange nach einem Buch wie das von Morgan Matson gesucht, bis mir irgendwann klar wurde, dass ich eigentlich genau diesen Roman lesen wollte. Und er hat mir wieder genauso gut gefallen wie beim ersten Mal. Ich habe sogar bis spät in die Nacht hinein gelesen - als hätte ich nicht schon gewusst, was noch passiert und wie es endet.
So ein Re-Read kann wirklich das beste Mittel sein, wenn einem sonst die Lektüre gerade nicht so begeistert. Und gerade wenn das letzte Mal Lesen noch nicht lange her ist, kann man sich auch sicher sein, dass man das Buch noch immer mögen wird und sich der Lesegeschmack in der Zeit nicht etwa zu stark verändert hat.

Ich möchte mich übrigens noch für all eure Rückmeldungen zu meiner Fantasy-Verteidigung bedanken. Ich freue mich sehr, dass so viele von euch den Beitrag kommentiert haben und dass ihr das auch so seht wie ich (was mich jetzt allerdings auch nicht sehr überrascht hat).

Samstag, 8. August 2015

[Kurzrezensionen] Ein Weltuntergang, eine Wohngemeinschaft und ein Roadtrip

Kurt Vonnegut - Katzenwiege

Ich habe diesen Roman in erster Linie gelesen, weil daraus der Begriff der "Karass" stammt, der in Jo Waltons In einer anderen Welt eine große Rolle spielt. Eine Karass ist eine Bezeichnung für eine Gruppe von Menschen, die auf eine schicksalhafte Weise zusammengehören, und hat den Ursprung in der von Vonnegut erfundenen Religion "Bokononismus". Diese Religion ist ebenso skurril wie der restliche Roman. Er beginnt damit, dass der Ich-Erzähler John über den Wissenschaftler Felix Hoenikker recherchiert und sich auf die Spuren dessen Kinder begibt. Dabei verschlägt es ihn auf die karibische Insel San Lorenzo, die auch der Geburtsort des Bokononismus ist. Auf San Lorenzo trifft John auf den Diktator Papa Monzano, dessen schöne Tochter und so einige andere schillernde Personen - und er bekommt es mit nichts weniger als dem drohenden Weltuntergang zu tun.
Ich hatte bei "Katzenwiege" das Gefühl, dass das Buch und ich einfach nicht zueinander finden wollten. Es ist über weite Strecken spannend, strotzt nur so vor schwarzem Humor und Absurditäten und spart auch nicht an Gesellschafts- und Religionskritik. Am Anfang hat mir das noch gefallen, aber in Summe wurde mir das dann zuviel. Der Humor nutzt sich meiner Meinung nach mit der Zeit ab und die Figuren fand ich zu skurril, um noch einen Zugang zu ihnen zu finden (nur John ist nicht skurril, dafür aber wie eine leere Projektionsfläche).
Ein Roman, der mal ganz außerhalb meines sonstigen Beuteschemas lag - vielleicht zu weit außerhalb, um daran noch Gefallen zu finden. Ein interessantes Leseerlebnis war es dennoch.


Anna Gavalda - Zusammen ist man weniger allein

Diesen Roman gab es schon im November 2014 als Gratisbuch der Stadt Wien, aber da er mich nicht so sehr gereizt hat, hat es eine Weile gedauert, bis ich mich zum Lesen aufraffen konnte. Leider war das Buch tatsächlich nicht ganz mein Fall, auch wenn es mir stellenweise sehr gut gefallen hat.
Es geht darin um vier sehr unterschiedliche Menschen, die alle einsam im Leben sind und in einer etwas anderen Pariser WG zusammenfinden: die Künstlerin Camille, die mit Magersucht zu kämpfen hat; der liebenswürdige Adelige Philibert, der unter Zwangsstörungen leidet; der zynische Koch Franck und dessen Großmutter, die nach einem Unfall nicht mehr allein in ihrem Haus leben kann. Die Art und Weise, wie diese vier zusammenkommen und einander helfen, hat einerseits etwas herzerwärmendes, ist manchmal aber auch arg kitschig. Zudem hatte ich den Eindruck, dass sich einige Probleme etwas zu leicht lösen lassen - das hat schon etwas von Küchenpsychologie.
Trotzdem wäre das Buch sehr nett zu lesen gewesen, wenn ich nicht meine Probleme mit dem Schreibstil gehabt hätte: Der Roman besteht zu einem Großteil aus Dialogen, bei denen die Sprecher fast nie genannt werden. Manchmal habe ich eine Weile gebraucht, um mir darüber klar zu werden, wer da mit wem redet; manchmal habe ich während der (recht redundanten) Gespräche den Überblick verloren und manchmal gab es auch Absätze und neue Anführungsstriche, obwohl es keinen Sprecherwechsel gab, was mich dann vollends verwirrt hat.
Alles in allem habe ich das Buch als eher mittelprächtig empfunden. Es war nicht direkt schlecht, aber ich konnte auch nicht nachvollziehen, weshalb es so in den Himmel gelobt wird.


Adi Alsaid - Let's Get Lost

Ich hatte - passend zum Sommer - vor kurzem Lust darauf, über einen Roadtrip zu lesen und bin nach einigem Suchen auf diesen Roman gestoßen, den es praktischerweise sehr günstig als ebook gab.
Die siebzehnjährige Leila ist quer durch die USA und Kanada nach Alaska unterwegs, um dort die Polarlichter zu sehen. Allerdings handelt es sich um einen Roadtrip der etwas anderen Art, da er hauptsächlich aus der Sicht von den Menschen erzählt wird, denen Leila unterwegs begegnet. Dadurch ergeben sich vier voneinander unabhängige Geschichten, die nur durch Leila zusammengehalten werden, ehe abschließend dann noch ein Teil aus Leilas Sicht folgt. Die Schicksale der vier Menschen bleiben allerdings sehr an der Oberfläche. Jede(r) der vier, die alle ungefähr in Leilas Alter sind, hat ein Päckchen zu tragen, aber weder bei der Charakterzeichnung noch den Gefühlen noch den Konflikten geht der Autor besonders in die Tiefe. Die Auflösung der Geschichten ist dann teilweise recht zuckerlrosa geraten.
"Let's Get Lost" ist flott zu lesender Roman, der ein paar sehr nette Geschichten erzählt, mir aber schon wieder ein wenig zu gefällig und nett war. So gesehen aber gut geeignet als leichte Sommerlektüre.

Mittwoch, 5. August 2015

Eine glühende Verteidigung der Fantasy

Während ich in London war, wurden die Bücherblogs offensichtlich von einem großen Thema überrollt: die "Qualität" von Blogs, Rezensionen und Büchern/Genres ganz allgemein. Ich wollte dazu ursprünglich nichts schreiben, zumal mich das hier auf meinem Blog eh kaum berührt. Ich selbst lese ohnehin quer durchs Gemüsebeet, kümmere mich wenig um Klickzahlen, solange ich nur weiterhin meine wunderbare, treue kleine Leserschar habe und nach einer kleinen Lesekrise zu Beginn meines Literaturstudiums (ich hatte auf einmal das Gefühl, ich müsste mich dafür schämen, gern Krimis und Fantasy zu lesen) ist es mir inzwischen ziemlich egal, was andere von meiner Buchauswahl halten.
Dann habe ich aber zuerst einen elendslangen Kommentar bei Soleil begonnen, hatte dann das Gefühl, dass dieser eigentlich besser unter den Artikel von Thomas Brasch passen würde. Dort wurde der Kommentar länger und länger und passte irgendwann nur noch am Rande zum Thema, also entschied ich mich dazu, stattdessen einen eigenen Beitrag hier zu schreiben.

Es gäbe zu dem Artikel einiges zu diskutieren - von seinem Abwatschen der Booktuberin Sara Bow (deren Videso mich übrigens zum Fremdschämen bringen, um ehrlich zu sein) angefangen bis hin zu dem Satz "Wer mit 16 Jahren Fantasy-Fiction und sonstige eskapistische Trivialliteratur liest, wird sich nicht Jahre später der Indie-Literatur hinwenden oder begeistert Virginia Wolff, Juli Zeh, Albert Camus, Thomas Bernhard, Reinald Goetz etc. lesen."
Das einzige, das ich hier aber diskutieren möchte, ist die "Qualität" von Fantasybüchern.

Ich weiß nicht, weshalb immer wieder Fantasy als das Paradebeispiel eines minderwertigen Genres herhalten muss. Ich möchte dazu vorausschicken, dass ich durchaus der Meinung bin, dass Bücher in ihrem Anspruch unterschiedlich sind. Das hat für mich nichts damit zu tun, dass ich hier in gute oder schlechte Literatur unterscheiden möchte oder es irgendwie verwerflich finde, wenn Bücher "nur" Unterhaltung sind. Trotzdem braucht man, glaube ich, nicht darüber diskutieren, dass es sich etwa bei Bernhards "Heldenplatz" um ein anspruchsvolleres Werk handelt als bei "Harry Potter" - was letzteres nicht im Geringsten abwerten soll.
Man kann wohl jeglicher Genreliteratur vorwerfen, dass sie ja "nur" der Unterhaltung diene (selbst wenn - warum ist das negativ?), aber dennoch schießen sich die meisten immer auf Fantasy ein. Schon bei meinem Studium hatte ich das Gefühl, dass der absurdeste blutrünstige Thriller oder der kitschigste Liebesroman noch eher als Lektüre einer Literaturstudentin geduldet wird als ein Fantasyroman. Denn fällt die Bezeichnung Fantasy, ist meist der Eskapismus-Vorwurf nicht weit. Ganz so, als könnte einem Fantasy nichts über unsere Welt lehren, als würden nicht manche phantastische Romane aktuelle Themen ansprechen und unserer Gesellschaft einen Spiegel vorhalten.

Wenn dann einmal anerkannt wird, dass Fantasy auch genau das sein kann, dann ist die Schlussfolgerung meistens, dieses Buch wäre nicht wirklich Fantasy. Stellvertretend dafür die Aussagen des Goldmann-Verlages zur Neuinszenierung der Pratchett-Romane vor einigen Jahren. Da sagt etwa die Lektorin Vera Thielenhaus: "Nichts gegen Fantasy, aber Pratchett wird unter Wert verkauft. Er ist viel mehr als ein Genreautor, weil er so wunderbar bissig-witzig und intelligent erzählen kann. Seine Romane spielen zwar in einer magischen Welt, doch die entpuppt sich schnell als Spiegelbild unserer Gesellschaft."
Und danach legt der Artikel noch eins drauf: "Auch auf der Insel war der heute 62-Jährige viele Jahre auf fantastische Literatur festgelegt, doch längst gilt er als brillanter Satiriker und scharfsinniger Gesellschaftsporträtist, dem die Queen 2008 wegen seiner Verdienste um die Literatur sogar die Ritterwürde verliehen hat."
Die Aussage dahinter? Nicht etwa, dass Fantasyromane auch intelligent und scharfsinnig und satirisch sein können. Nein, wenn sie intelligent, scharfsinnig und satirisch sind, wird ihnen die Bezeichnung Fantasy nicht mehr gerecht. Das ist, als würde ich sagen, dass Fisch fürchterlich schmeckt, aber da Lachs gut schmeckt, kann es sich dabei wohl nicht um einen richtigen Fisch handeln.

Dabei haben die, die so gegen Fantasy hetzen, meist nicht viel Ahnung von dem Genre, oder - um bei meinem Vergleich zu bleiben - sie haben noch nicht sehr viel Fisch gegessen.
Auch Thomas Brasch räumt in den Kommentaren ein, dass ihm durchaus bewusst sei, dass es auch anspruchsvollere Fantasy gäbe, denn er würde gerade selbst seinem Kind Harry Potter vorlesen ....
Also nichts gegen Harry Potter - ich habe selbst die Bücher verschlungen, liebe sie heiß und innig, finde sie handwerklich auch sehr gut und bin gerade vor einer Woche mit einem Kloß im Hals in den Filmstudios vor dem großen Hogwarts-Modell gestanden, aber das ist doch kein Beispiel für anspruchsvolle Fantasy. 
Bei anspruchsvoller phantastischer Literatur denke ich an Mervyn Peake, Hans Bemmann, Jorge Luis Borges oder Evangeline Walton; wenn man die Genregrenzen in Richtung Science Fiction ausweitet auch Doris Lessing und Margaret Atwood. Und was die sprachliche Qualität betrifft, brauchen sich Tolkien, Rothfuss, McKillip oder Kay nicht hinter Zeh und Co verstecken. Von all den Büchern, die heutzutage als Klassiker gelten und eindeutig in das phantastische Genre fallen, mal ganz zu schweigen.

Das mag so jetzt nicht auf den Hauptanteil der phantastischen Literatur zutreffen, aber ein bisschen ist das auch eine self-fulfilling prophecy: Gerade im deutschen Sprachraum sind die Vorurteile gegenüber Fantasy dermaßen groß, dass anspruchsvolleren und originelleren Werken umso weniger Chance gegeben wird (das ist ja dann nicht das, was Leser von dem Genre erwarten). Diejenigen, die dagegen nach so etwas suchen, werden bei der Fantasy nur wenig fündig - und so entsteht ein gewisser Teufelskreis.
Im englischen Sprachraum kommt mir das Genre mutiger und vielfältiger vor, was wohl sicher auch daran liegt, dass es sich da um einen deutlich größeren Buchmarkt handelt, aber das alleine wird wohl nicht der Grund sein. Es ist wohl auch bezeichnend, dass die Gewinner des World Fantasy Awards (zu denen übrigens auch Haruki Murakami mit "Kafka am Strand" zählt) in den letzten Jahren häufig gar nicht erst auf Deutsch übersetzt wurden. Bei den Preisträgern handelt es sich durchwegs um eher anspruchsvolle und oft auch recht ungewöhnliche Fantasyromane.

Lange Rede, kurzer Sinn: Die Genrebezeichnung Fantasy bzw. Phantastik sagt erst einmal nichts über den Anspruch eines Werkes aus. Fantasyromane können reine Unterhaltung sein (wogegen überhaupt nichts spricht) oder unbequeme Wahrheiten vermitteln; sie können simpel sein oder komplex; sie können sprachlich einfach oder herausfordernd sein; sie können Konventionen folgen oder aber Experimente wagen und neue Wege gehen.
Ich persönlich mag die gesamte Bandbreite des Genres, würde mir aber wünschen, dass vor allem die deutsche Fantasy wieder etwas mutiger wird und ihren Lesern auch mal mehr zutraut. Und von allen, die auf dieses Genre schimpfen und es naserümpfend betrachten, würde ich mir wünschen, dass sie sich einmal genauer damit auseinandersetzen, was Fantasy alles sein kann.

Montag, 3. August 2015

Das war London

Falls sich jemand gewundert hat, wo ich die letzte Woche hinverschwunden bin: Ich war mit meiner 13jährigen Nichte in London. Eigentlich hätte ich vorher noch einen Blogbeitrag geplant, aber dann war noch so viel zu tun, dass ich nicht mehr dazu gekommen bin. Das ist auch der Grund, weshalb ich erst jetzt Kommentare freischalte und beantworte und mich wohl erst in den nächsten Tagen mal durch all eure Blogbeiträge der letzten Woche wühlen werde.

Nun aber zu unserem London-Urlaub: Es waren fünf aufregende, interessante, spannende, aber auch extrem anstrengende Tage. Wir haben wahnsinnig viel unternommen und noch dazu war in London einfach nur die Hölle los, weshalb mir Wien nach der Rückkehr sehr lauschig-ruhig vorgekommen ist.
Wir waren in Museen, haben uns auch sonst vieles angeschaut, waren im Musical/Theater ("Wicked" und "War Horse") und und und.

Hier zunächst mal ein kleiner Eindruck unserer Reise:

Tower Bridge
St. Paul's Cathedral
Blick über London von der Galerie der St. Paul's Cathedral
Hyde Park
Big Ben
Sherlock Holmes Museum
Da steht doch tatsächlich eine Tardis ganz unschuldig herum ;-)
Da es für meine Nichte der erste längere Besuch in London war (sie war vorher nur einmal im Zuge einer Schiffsreise für ein paar Stunden dort), haben wir im Wesentlichen das übliche Touistenprogramm gemacht (das ungewöhnlichste waren wohl die Suche nach der Blue Police Box bei der Station Earl's Court sowie der Besuch des skurrilen Sir John Soane Museums). Ich habe daher nicht viel gesehen, was ich nicht schon von früheren Besuchen kannte, aber das hat mich nicht gestört.

Was aber auch auf dem Programm stand und auch für mich noch gänzlich neu war, das waren die Harry Potter Filmstudios. Die waren im Grunde der Hauptzweck unserer Reise und letztendlich auch das Highlight. Wir waren fast einen ganzen Tag lang dort und völlig überwältigt. Harry Potter hat mich 12 Jahre lang begleitet - vom Lesen der ersten drei Bände im Jahr 1999 bis zum Erscheinen des letzten Films 2011 - und die so vertrauten Kulissen der Filme praktisch in Echt zu sehen, ist ein ganz besonderes Erlebnis.
Im folgenden bekommt ihr auch davon ein paar Foto-Eindrücke, wobei es wirklich schwierig ist, die Kulissen dort vernünftig zu fotografieren, da überall so viele Menschen herumwuseln und die Beleuchtungssituation mitunter schwierig ist. Die Fotos können daher nur einen sehr vagen Eindruck davon vermitteln, wie die Studios tatsächlich sind.

Große Halle von Hogwarts
Gryffindor-Gemeinschaftsraum
Die geniale, riesige Pendeluhr aus dem 3. Film
Diagon Alley
Läden in der Diagon Alley
Godric's Hollow
Modell von Hogwarts
Außerdem sind wir gleich am ersten Nachmittag beim großen Waterstones am Piccadilly Circus eingefallen und haben uns dort beide ein wenig vergessen: meine Nichte hat in der Jugendbuchabteilung gestöbert, ich ein Stockwerk weiter unten bei der Fantasy und der allgemeinen Literatur und zwischendurch haben wir uns immer wieder mal getroffen, um uns unsere aktuellen Funde zu zeigen und einander bei der Entscheidung zu beraten. Das lief dann in etwa so ab, dass ich mich bemühte, meiner Nichte klarzumachen, dass sie alle diese Bücher im Koffer unterbringen müsste, sie vielleicht nicht gleich am ersten Tag ihr ganzes Geld ausgeben sollte und ich ihr einige dieser Bücher sowieso leihen könnte. Sie wiederum riet mir eher, ich sollte doch einfach alle Bücher kaufen, die ich mir zusammengesucht hatte, denn so schnell würden wir hier nicht wieder herkommen und überhaupt: Bücher. Sehr hilfreich war das nicht. *gg*

Schließlich siegte bei mir die Vernunft (und - ich gebe es zu - der Gedanke, dass man diese Bücher auch problemlos von zuhause aus bei Amazon bestellen könnte) und es durften drei Bücher mitkommen:

Mit auf dem Bild dabei ein Lesezeichen aus dem Sherlock Holmes Museum
Diese entzückende Ausgabe von Alice's Adventures in Wonderland und Through the Looking Glass konnte ich einfach nicht dort lassen und es wird eh Zeit, dass ich Alice mal im Original lese.
Von A Natural History of Dragons kenne ich bereits die Leseprobe und eigentlich wollte ich mir einfach das ebook kaufen, aber es handelt sich um ein wirklich wunderschönes Buch mit Illustrationen, also durfte doch das Paperback mitkommen.
Und schließlich stolperte ich schon auf dem Weg zur Kassa noch über ein traumhaft schönes Hardcover von His Dark Materials, das auch sehr hochwertig gemacht ist - und wofür ich dann diese tolle Ausgabe von McKillips Ombria in Shadow zurückließ.
Weitere Bücher, die ich beinahe mitgenommen hätte, waren übrigens diverse Klassiker in verschiedenen, schönen Ausgaben, Go Set a Watchman von Harper Lee und Poul Andersons The Broken Sword, das ich schon längst lesen wollte und das es in derselben "Fantasy Masterworks"-Ausgabe wie "Ombria" gab. Inzwischen habe ich festgestellt, dass es das auf der deutschen Amazon-Seite nur noch gebraucht zu horrenden Preisen gibt. Tja. Hätte ich es eben doch besser in London gekauft ...

Dieses gemeinsame Bücherkaufen war ein weiteres Highlight der letzten Woche. Ich hatte zunächst gedacht, ich müsste mich bei der Auswahl beeilen, weil meiner Nichte sonst wohl langweilig werden würde - aber letztendlich war ich dann diejenige, die sie schon fast nach draußen schleifen musste.
Ich bin sonst ja gar nicht so die exzessive Buchkäuferin, aber das hat wirklich Spaß gemacht - und ich frage mich noch immer ein wenig, ob ich nicht mehr Bücher hätte mitnehmen sollen. Mein bei der Heimreise ziemlich voller und schwerer kleiner Koffer dankte es mir aber, dass ich mich dann doch noch am Riemen gerissen habe.

Wir hatten also wirklich eine tolle Zeit in London und ich wünschte mir, dass ich nicht schon wieder in den Alltag zurückkehren müsste.