Sonntag, 23. August 2015

Eric Berg - Das Nebelhaus

ungekürztes Hörbuch (11 h 2 min)
gelesen von Anneke Kim Sarnau und Jürgen Uter
erschienen bei Jumbo Neue Medien

wie entdeckt: Rezension bei Sarahs Welt der Bücher
woher: Audible-Abo

Hörbuch-Challenge


Im September 2009 lädt Philipp drei alte Freunde, die er seit Jahren nicht mehr gesehen hat, in sein Haus auf Hiddensee ein. Von Anfang an steht das Wochenende unter keinem guten Stern - es gibt Reibereien zwischen den vier Freunden sowie mit Philipps Familie und am Ende des Wochenendes sind drei Personen tot und eine liegt im Koma. Zwei Jahre später recherchiert die Journalistin Doro über die "Blutnacht" von Hiddensee. Dabei stößt sie auf Geheimnisse und ungeklärte Fragen, die sie an dem vermeintlichen Tathergang zweifeln lassen.

"Das Nebelhaus" wird parallel in zwei Zeitebenen erzählt. In der Gegenwart geht es um Doros Ermittlungen, die aus der Ich-Perspektive der Journalistin erzählt werden; in der Vergangenheit werden die tatsächlichen Ereignisse beleuchtet. Es handelt sich daher nicht um einen klassischen Krimi. Zwar deckt Doro einige Dinge auf, aber die Details erfährt man in erster Linie aus dem Handlungsstrang, der in der Vergangenheit spielt.
Der Hauptaugenmerk liegt auf den Figuren und ihren Beziehungen zueinander. Vor allem die vier Freunde, Philipps Frau und die kambodschanische Haushaltshilfe Frau Nan fand ich sehr interessant, wenn auch manchmal vielleicht etwas übertrieben gezeichnet. Trotzdem fand ich sie glaubhaft dargestellt und die meisten waren mir trotz ihrer Schwächen und Fehler sympathisch.
Doro bleibt in der Gegenwart etwas blasser, was interessant ist, da gerade sie aus ihrer eigenen Perspektive erzählt. Vielleicht liegt es daran, dass sie im Vergleich zu den recht schillernden Figuren der Vergangenheit deutlich bodenständiger und gemäßigter wirkt. Ich fand aber auch sie recht gut gezeichnet, hatte allerdings mit der Liebesgeschichte zu kämpfen, die den Handlungsstrang in der Gegenwart dominiert und mir persönlich etwas zu gezwungen vorkam.

Der Roman ist dennoch sehr spannend und hat mich auch über Stunden am Stück gefesselt. Eric Berg versteht es recht geschickt, die Identität der Toten zum Teil offenzulassen und so ist das - neben der Frage nach dem tatsächlichen Täter und dem Motiv für die Morde - eines der Rätsel, über die ich die ganze Zeit nachgegrübelt habe.
Letztendlich war ich übrigens mit der Lösung auf dem Holzweg, aber das liegt auch daran, dass der Autor am Ende noch einmal sehr stark auf den Überraschungseffekt setzt. Darunter leidet die Glaubwürdigkeit ein wenig, denn für mich war es schon wieder zu sehr hergeholt. Im Laufe des Romans werden einige mögliche Szenarien entworfen, die ich allesamt stimmiger gefunden hätte, aber das ist wohl ein ewiges Krimi-Problem: Die Balance zu finden zwischen vorhersehbar und zu abwegig, ist alles andere als leicht.
Ich hatte außerdem den Eindruck, dass die Polizisten bei den damaligen Ermittlungen recht schlampig gearbeitet haben müssen, wenn man bedenkt, was ihnen alles entgangen ist.

Obwohl mich also die Auflösung nicht überzeugt hat und ich die Sprache manchmal etwas holprig fand, hat mir der Roman sehr gut gefallen. Gerade im Rückblick sehe ich zwar einige deutliche Schwächen, aber beim Hören hat mich die Frage, was genau geschehen ist, stetig vorangetrieben und es ist mir sehr schwergefallen, zwischendurch zu unterbrechen.
Von den beiden Sprechern hat mir Anneke Kim Sarnau besser gefallen, da Jürgen Uter für meinen Geschmack die Frauenstimmen ein wenig seltsam gelesen hat. Und ich hätte es sehr begrüßt, wenn die beiden sich bei Herrn Nan darauf geeinigt hätten, ob dieser nun einen Akzent bekommt oder nicht ... Alles in allem war es aber angenehm den beiden zu lauschen und das Hörbuch hat meine viele Häkelstunden der letzten Woche fast im Fluge vergehen lassen.

Kommentare:

  1. Danke für den Tip! Das Buch hab ich noch halbvergessen von einer Tauschaktion herum liegen und abgesehen von den "Krimi-Kinder-Krankheiten", über die wir wohl immer wieder mal stolpern werden, klingt das doch ganz gut, was du schreibst. Jedenfalls nicht wie das, was ich grade wieder "durchquält" habe. Ich bin ja so ein Hirni, der auch immer alles , was er anfängt zu Ende liest, ich habe mir jetzt wirklich vorgenommen, das nicht mehr zu machen, wenn ich schon am Anfang merke, dass das nix wird. Auf jeden Fall hab ich jetzt Lust auf "Das Nebelhaus" und kriege es bestimmt im September mit unter.

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    1. Ich habe früher auch immer alles zu Ende gelesen, aber das in den letzten Jahren aufgegeben - ich habe mir dann mal gesagt, dass es einfach zu viele gute Bücher gibt, um sich die Lesezeit mit schlechten zu rauben. Was nicht heißt, dass ich nicht immer noch manchmal ein schlechtes zu Ende lese (und sei es nur, um es dann wenigstens "verreißen" können *ähem*).
      Wenn du das Buch eh noch herumliegen hast, passt das ja. Ich bin gespannt, was du dazu sagst.

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  2. Hm, das klingt so ... durchwachsen. Neugierig machend, aber auch nicht wirklich gut. *g* Ich glaube, ich schau mal, ob ich den Roman in der Bibliothek finde, damit hätte sich dann das Sprecherproblem schon mal erledigt und ich könnte schauen, ob mir die Geschichte gefällt.

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    1. Also beim Lesen habe ich es wirklich gemocht, aber manchmal sause ich durch ein Buch nur so durch und danach werden mir dann erst so einige Schwächen wirklich bewusst. Das hier war so ein Fall. Trotzdem hat es mir einige sehr spannende Stunden beschert.

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  3. Von der Story her klingt es auf jeden Fall spannend.
    Aber eins verstehe ich nicht: welcher Sprecher hat denn wann geredet? Haben die auch dieselben Figuren gesprochen? Klingt das nicht irgendwie komisch? Also, tut mir Leid, wenn ich so doof frage, aber mit Hörbüchern stehe ich ja noch am Anfang. :D

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    1. Also normalerweise hat man ja beim Hörbuch einen Sprecher, der alles spricht. Das ist dann auch nicht komisch, wenn der alle Figuren spricht, weil das so ist als ob einem jemand das Buch vorliest. Bei einer Lesung stört einen das ja auch nicht.
      In diesem Fall sind es halt zwei klar getrennte Handlungsstränge. Die Sprecherin hat den Handlungsstrang in der Gegenwart (Doros Ich-Perspektive) gelesen; der Sprecher hat den Handlungsstrang in der Vergangenheit gelesen.

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    2. Achso, dankeschön. :)
      Ich war nur verwirrt, weil beide anscheinend den Herrn Nan sprechen. Aber gut, dass beide verschiedene Handlungsstränge sprechen, passt ja dann eigentlich ganz gut.

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    3. Einige Figuren kommen halt sowohl in der Vergangenheit als auch in der Gegenwart vor - und das war für mich mit den Sprechern auch kein Problem. Aber Jürgen Uter spricht Herrn Nan mit einer ziemlich seltsamen Stimme, aber ohne Akzent; Anneke Kim Sarnau spricht ihn dagegen mit deutlichem Akzent. Das war dann schon ziemlich irritierend.

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