Dienstag, 29. September 2015

Rob Thomas, Jennifer Graham - The Thousand Dollar Tan Line

ungekürztes Hörbuch (8 h 42 min)
gelesen von Kristen Bell
erschienen bei Random House Audio

entdeckt: durch die Fernsehserie Veronica Mars
woher: Audible

Hörbuch-Challenge


Während Veronica bei Mars Investigations verzweifelt auf Aufträge wartet, feiern unzählige Collegestudenten ausgelassen den Spring Break in Neptune. Als ein Mädchen spurlos von einer Party verschwindet, beginnt Veronica zu ermitteln - und scheint damit in ein Wespennest aus Drogendealern und organisiertem Verbrechen zu stechen.

Dieser Krimi setzt nahtlos dort an, wo der Film zu der TV-Serie "Veronica Mars" aufgehört hat: Veronica ist nach Jahren in New York in ihre Heimatstadt Neptune zurückgekehrt und kümmert sich dort um das Detektivbüro Mars Investigations, während ihr Vater sich von einem Unfall erholt.
Ich war mir zunächst nicht sicher, ob der Wechsel von der Leinwand zum Buch für mich funktionieren würde, aber erfreulicherweise war das Veronica Mars-"Feeling" schnell wieder da. Zwar fand ich es ungewohnt, dass der Roman nicht aus der Ich-Perspektive von Veronica erzählt wird, aber nach kurzer Zeit habe ich mich gut in die neue Perspektive eingefunden. Dabei ist es natürlich sehr hilfreich, dass Kristen Bell das englische Hörbuch liest und man damit sofort wieder die altbekannte Stimme im Ohr hat. 
Es gibt auch ein Wiedersehen mit den meisten altvertrauten Charakteren: Keith, Mac und Wallace spielen eine größere Rolle, während Logan und Weevil zumindest am Rande vorkommen - und schließlich taucht sogar noch eine Person aus Veronicas Vergangenheit auf. Auch Sheriff Lamb ist wieder mit von der Partie, wobei ich auf ihn gut hätte verzichten können (wer nicht).

Der Kriminalfall selbst ist solide und gut konstruiert. Die Ermittlungen sind spannend gestaltet und jederzeit nachvollziehbar. Bei der Auflösung war ich Veronica sogar kurz einen Schritt voraus, aber die tatsächlichen Zusammenhänge haben sich mir dann erst nach und nach erschlossen. Ich fand die Auflösung alles in allem sehr gut gelungen, wenn mir auch manche Aspekte ein wenig "too much" waren (hier muss ich leider so vage bleiben, um Spoiler zu vermeiden).

Besonders gut hat mir gefallen, dass Veronica, so sarkastisch sie auch manchmal sein mag, doch ein sehr sensibler Mensch ist. Die Schicksale von anderen gehen ihr nahe, sie kann Gewalt nicht so einfach wegstecken und braucht auch ihre Zeit, um gefährliche Situationen zu verarbeiten. Das hindert sie zwar nicht daran, sich beherzt und mutig in die Ermittlungen zu stürzen, aber ich fand es schön zu lesen, dass Gewalt und Tod hier nicht mit einem Achselzucken abgetan werden - ein Aspekt, der mir auch schon in der Serie gut gefallen hat.

"The Thousand Dollar Tan Line" ist eine ganz und gar gelungene Fortsetzung der TV-Serie und transportiert deren Atmosphäre gut in das andere Medium. Ob der Roman auch für Neueinsteiger geeignet ist, kann ich nur schwer beurteilen. Möglicherweise ja, da die Hintergründe am Anfang ganz gut erklärt werden, aber vorrangig richtet der Krimi sich vermutlich doch an Veronica Mars-Fans.
Das englische Hörbuch kann ich besonders empfehlen, da Kristen Bell in der Lesung Veronica perfekt zu Leben erweckt und auch sonst ihre Sache äußerst gut macht.

Sonntag, 27. September 2015

Buchstabengeplauder #39

Vor ziemlich genau einem Jahr bin ich umgezogen - und nun steht die nächste große Veränderung in meinem Leben vor der Tür: Gestern hatte ich in meinem einen Job den letzten Dienst und morgen beginne ich den zweisemestrigen Lehrgang "Library and Information Studies" an der Österreichischen Nationalbibliothek. 
Da es sich nicht um einen berufsbegleitenden Lehrgang handelt, ich aber natürlich trotzdem daneben arbeiten muss (ebenfalls in der Nationalbibliothek, wo ich seit etwas mehr als einem Jahr einige Stunden in der Woche arbeite), weiß ich noch gar nicht, wie die nächsten Monate bei mir aussehen werden. Ich hoffe natürlich auf einen sehr spannenden Lehrgang und danach auf bessere Jobchancen als bisher mit "nur" einem Germanistikstudium.

Was das für meinen Blog bedeutet, kann ich jetzt noch nicht abschätzen - ob und wieviel Zeit ich dafür und fürs Lesen noch finden werde. Das wird sich alles erst noch zeigen.
Wer links einen Blick auf meine "Ich lese gerade"-Box wirft, sieht auf jeden Fall, dass ich derzeit noch wild entschlossen bin, die Nobelpreischallenge zu schaffen. Nicht weniger als drei Nobelpreisträger lese ich aktuell - ein dickes Buch liegt auf meinem Nachttisch, ein dünnes ist unterwegs immer mit dabei und ein Hörbuch begleitet mich bei Handarbeiten.

Nun, da der Sommer vorbei ist, ist es außerdem an der Zeit, meine Sommerwünsche Revue passieren zu lassen. Dazu wird es in den nächsten Tagen also noch einen Beitrag geben.

Und nun genieße ich noch die letzten gemütlichen Sonntagsstunden, ehe es dann morgen so richtig losgeht. ;-)

Freitag, 25. September 2015

Meine 20 Lieblingsbücher

Im August hat Grete darum gebeten, dass man ihr die liebsten 20 bis 50 Bücher aller Zeiten nennt, um die Top 20 oder Top 50 der beliebtesten Bücher in Bloggerkreisen zu ermitteln. Bis 30. September kann man ihr noch die Listen per Mail oder Facebook schicken oder einfach einen Kommentar bei ihr hinterlassen.
Ich habe ihr meine Top 20 damals schon in die Kommentare geschrieben und fand die Auswahl sehr schwierig. Schon jetzt bin ich mir nicht mehr sicher, ob ich nicht das eine oder andere Buch austauschen würde.
Ich möchte euch hier nun diese 20 Lieblingsbücher von mir vorstellen (Achtung, das könnte ein sehr langer Beitrag werden). Die Reihung sagt übrigens bei mir nichts über die Beliebtheit aus - abgesehen von der Nr. 1, die diesen Platz unangefochten verdient. :-)

1. Astrid Lindgren – Die Brüder Löwenherz

Die Nr. 1 ist ein Buch, das mich bereits seit meiner Kindheit begleitet, das ich seither unzählige Male gelesen und jedes Mal geliebt habe.
Vermutlich hat dieses Buch einen ganz besonderen Stellenwert in meinem Herzen, weil ich es in einer sehr einschneidenden Situation meines Lebens bekommen habe. Als ich acht Jahre alt war, ist mein Vater gestorben und eine Bekannte hat mir dieses Buch beim Begräbnis geschenkt. Ich habe es damals sofort gelesen und als ich damit durch war, habe ich sofort erneut damit begonnen.
Es geht darin um zwei Brüder, die nach ihrem Tod in das sagenhafte Reich Nangijala gelangen, in das Reich der Sagen und Märchen und Lagerfeuer. Aber es ist nicht alles so schön, wie es zunächst aussieht, und bald finden sich die beiden im Kampf gegen einen Tyrannen wieder.
Hat mir dieses Buch dabei geholfen, mit Tod und Trauer umzugehen? Vielleicht. Aber ganz unabhängig davon ist es ein großartiges, spannendes Buch, das eine abenteuerliche Geschichte erzählt und so viele Wahrheiten enthält, dass eigentlich jeder es lesen sollte.

2. J.R.R. Tolkien – Der Herr der Ringe

Auch dieser Roman ist ohne jedes Zögern auf meiner Liste gelandet. Ich habe zwar mehrere Anläufe gebraucht, aber als ich etwa 15 Jahre alt war, bin ich endlich über die ersten Seiten hinausgekommen und war dann bald gefangen. Ich kann kaum in Worte fassen, wieviel mir dieses Buch damals bedeutet hat. Es hat mich dazu gebracht, selbst Welten zu entwerfen. Es hat mich dazu gebracht, High Fantasy zu schreiben (vorher war ich schreiberisch nur bei Pferdegeschichten und Contemporary Fantasy unterwegs). Es hat mich monatelang davon abgehalten, weitere Fantasybücher zu lesen, weil ich dachte, dass keines mich jemals wieder so beeindrucken könnte. Und ganz ehrlich: Bis heute hat mich keines mehr so beeindruckt. Ich habe seither großartige Fantasyromane gelesen und einige davon würde ich ganz sachlich betrachtet als besser bezeichnen - und einige würden mir heute wohl auch mehr Lesevergnügen bereiten. Aber keines hat einen solchen Eindruck bei mir hinterlassen wie damals Mittelerde und Tolkiens Schreibstil.

3. John Steinbeck – Jenseits von Eden

Das ist einer der einzigen Romane auf meiner Liste, den ich bisher nur einmal gelesen habe. Aber Steinbecks große Familiensaga hat mich letztes Jahr so begeistert, dass sie sich einen Platz hier verdient hat. "Jenseits von Eden" ist außerdem eines der wenigen Büchern, das ich kaum zu Ende lesen wollte, weil ich die Figuren nicht verlassen wollte.

4. Christoph Ransmayr – Die letzte Welt

Dieser Roman hat mich so beeindruckt, dass ich seither jedes Buch von Christoph Ransmayr lese (und mir wünsche, dieser Autor möge irgendwann einmal den Nobelpreis erhalten). Es geht darin um den Römer Cotta, der in Tomi am Schwarzen Meer nach dem verbannten Dichter Ovid sucht und stattdessen überall auf Spuren der "Metamorphosen" stößt. Der Roman ist sehr komplex und anspruchsvoll, spielt mit Realität und Fiktion und erfordert einige Konzentration beim Lesen. Ich war, als ich ihn mit 16 Jahren zum ersten Mal gelesen habe (auf Empfehlung meines Lateinlehrers), ein wenig überfordert, aber trotzdem davon fasziniert. Seither habe ich ihn noch zweimal gelesen und muss sagen, dass das ein Roman ist, der mit jedem Lesen dazugewinnt.

5. Sharon Shinn – Summers at Castle Auburn

Dieser Fantasyroman über ein Mädchen, das allmählich erkennen muss, dass in dem vermeintlich idyllischen Auburn nicht alles so schön ist wie es scheint, hat im letzten Jahr mit seinen leisen Tönen und den sympathischen Figuren mein Herz erobert. Ich habe ihn bereits in diesem Jahr zum zweiten Mal gelesen und bin mir sicher, dass ich ihn noch öfter zur Hand nehmen werde.

6. J.K. Rowling – Harry Potter And the Prisoner of Azkaban

Dieser Band steht für mich stellvertretend für die ganze Reihe, da dieser hier mein Lieblingsband ist. Ich mag die Spielerei mit der Zeit, die überraschenden Wendungen und die perfekte Mischung aus Spannung und Spaß. Dieser Band ist bereits etwas erwachsener als die ersten beiden, trotzdem aber noch ein sehr schönes und amüsantes Kinderbuch - und er weist auch noch nicht die Längen der späteren Bände auf.

7. Guy Gavriel Kay – Ein Lied für Arbonne

Dieser Roman war eines der wenigen Bücher, das ich für mein Auslandssemester mit nach Oslo genommen habe. Schon alleine deshalb habe ich sehr gute Erinnerungen daran. Aber auch an einem anderen Ort hätte ich ihn sehr genossen. Er vereint alle Stärken von Kay in sich - interessante Figuren, unerwartete Wendungen, Intrigen, Spannung, Melancholie und Humor, ein schöner Schreibstil, eine stimmige "historische" Fantasywelt. All das trifft auch auf "A Sarantine Mosaic" zu, das ich ebenfalls sehr mochte, aber "Ein Lied für Arbonne" habe ich bereits mehrere Male gelesen und es fällt mir immer als erstes ein, wenn ich ein Buch von Guy Gavriel Kay empfehle.

8. Judy Blume – Sommerschwestern

Nach den Brüdern Löwenherz ist das vermutlich der Roman, den ich in meinem Leben am häufigsten gelesen habe. Ich liebe diese Geschichte über zwei sehr unterschiedliche Freundinnen, die ihre Sommer gemeinsam auf Martha's Vineyard verbringen und sich später auseinanderleben.

9. Daniel Glattauer – Gut gegen Nordwind

Ich bin sonst kein großer Fan von Liebesgeschichten, aber Glattauers Email-Roman über Emmi und Leo mochte ich sehr. Es gefällt mir, dass die Liebe dort nichts mit Äußerlichkeiten zu tun hat, sondern aus (schriftlichen) Unterhaltungen heraus entsteht. Und mir gefällt auch das traurig-offene Ende. Über die Fortsetzung "Alle sieben Wellen" habe ich mich zwar gefreut, aber ich finde nicht, dass sie unbedingt notwendig gewesen wäre.

10. Michael Ende – Die unendliche Geschichte

Buchverfilmungen sind oft eine große Enttäuschung - hier war es zunächst umgekehrt: Ich habe als Kind den Film geliebt und war dann zunächst vom Buch enttäuscht. Wie, man kommt mit diesem Roman nicht nach Phantásien? Was soll denn das?
Aber nachdem ich mich von dieser Enttäuschung erholt hatte, habe ich das Buch gelesen und war hin und weg. Michael Ende erzählt hier nicht nur eine sehr spannende und fantasievolle, sondern auch eine sehr kluge Geschichte.

11. Peter S. Beagle – Das letzte Einhorn

Noch ein Buch, bei dem ich den Film zuvor schon kannte. Beagles poetische Sprache hat mich sofort verzaubert und ich mochte auch das Spiel mit Klischees. Das Buch geht deutlich mehr in die Tiefe als der Film, aber ich mag auch diesen noch immer sehr.

12. Richard Adams – Watership Down

Auch hier kannte ich den Film vor dem Buch - und während mich beim letzten Einhorn der rote Stier als Kind geängstigt hat, war es hier General Woundwort. Überhaupt haben mich einige Szenen so verstört, dass ich es erst als Teenager gewagt habe, das Buch zu lesen. Die Geschichte über eine Gruppe von Kaninchen auf der Suche nach einer neuen Heimat ist nicht nur spannend, sondern vermittelt auch einige wertvolle Botschaften vielleicht nicht direkt subtil, aber doch ohne erhobenen Zeigefinger. Und die Art, wie Adams das Leben und die Mythologie der Kaninchen beschreibt, ist einfach zauberhaft.

13. George R.R. Martin – A Storm of Swords

Noch ein Band, der stellvertretend für eine Reihe steht. Aktuell ist "A Song of Ice and Fire" ja durch die TV-Serie "A Game of Thrones" in aller Munde, aber als ich die Reihe vor acht Jahren zu lesen begonnen habe, war sie eher ein Geheimtipp unter Fantasyfans. Ich war damals skeptisch, ob sie meinem Geschmack entsprechen würde, war aber schnell davon gefesselt und habe alle damals erschienenen Bände im Rekordtempo gelesen. Der 3. Band "A Storm of Swords" stellt für mich bislang den Höhepunkt dar. Danach ist der Plot leider etwas zerfasert, aber dennoch warte ich sehnsüchtig auf "The Winds of Winter".

14. Jane Austen – Emma

"Emma" war meine Einstiegsdroge in die Welt von Jane Austen. Ich habe als Teenager eher aus Verzweiflung danach gegriffen, weil es mir an Lesestoff mangelte und die Bücherei gerade geschlossen hatte (Weihnachtsfeiertage). Also habe ich das mütterliche Bücherregal geplündert und war selbst überrascht, wie gut mir das Buch gefallen hat, da ich mich sonst von romantischer Literatur eher ferngehalten hatte.  Danach habe ich in schneller Folge weitere Romane von Austen gelesen, aber "Emma" ist und bleibt mein persönlicher Liebling.

15. Otfried Preußler – Krabat

"Krabat" und ich hatten einen etwas holprigen Start. Als dieses Buch in der 1. Klasse Gymnasium Schullektüre war, hat mir die Geschichte über einen Müllerlehrling, der in der Schwarzen Kunst unterrichtet wird, schlaflose Nächte beschert. Als ich das Buch dann etwa zwei Jahre später erneut gelesen habe, war ich aber begeistert.

16. Kurt Held – Die rote Zora

Auch mit diesem Buch hatte ich am Anfang gewisse Schwierigkeiten. Als Volksschulkind von acht oder neun Jahren war mir zunächst Kroatien in den 30er Jahren zu fremd. Trotzdem hat mich die Geschichte von Branko und Zoras Kinderbande fasziniert und gefesselt. Meine ganze Kinder- und Jugendzeit hindurch habe ich sie unzählige Male gelesen.

17. Patricia McKillip – Die vergessenen Tiere von Eld

An dieser Stelle könnte auch "Das Buch der Dornen" oder "Schatten über Ombria" stehen. Es gibt einfach so viele Romane dieser Autorin, die mich ganz und gar verzaubert haben - sowohl sprachlich als auch inhaltlich. "Die vergessenen Tiere von Eld", das von der Zauberin Sybel erzählt, die fernab der Menschen mitten unter magischen Tieren lebt, halte ich aber für eins der besten Werke von Patricia McKillip.

18. Christa Wolf – Kassandra

Manche Bücher erschließen sich einem erst, wenn man sich genauer mit ihnen auseinandersetzt; und manche Bücher verlieren ihren Zauber, wenn man sie zu intensiv analysiert. "Kassandra" hat für mich aber auf beide Arten funktioniert. Ich habe den Roman zunächst ganz unbedarft in der Freizeit gelesen und ihn später in einem Seminar Wort für Wort, Satz für Satz analysiert. In beiden Fällen hat er mich voll und ganz überzeugt.

19. Suzanne Collins – The Hunger Games Marlen Haushofer - Die Wand

Bei Grete habe ich die Hunger Games-Trilogie auf die Liste gesetzt, aber inzwischen habe ich das Gefühl, dass sich diese Serie bei mir erst noch "bewähren" muss. Ich habe sie einmal gelesen und war begeistert, aber ich bin mir noch nicht sicher, ob sie mich bei einem Reread erneut überzeugen kann. "Die Wand" hat sich bereits auf diese Weise bewährt und ist zudem ein Buch, das mich beim ersten Mal lesen in den Bann gezogen hat wie kaum ein zweites.

20. Agatha Christie – Und dann gabs keines mehr

Ich lese gern Krimis, aber dennoch nenne ich selten Krimis, wenn es um meine Lieblingsbücher geht. Das mag damit zusammenhängen, dass sich dieses Genre weniger für Rereads anbietet als andere. Christies Krimi über eine Gruppe von Menschen, die auf einer Insel einer nach dem anderen getötet werden, hat mich aber so gefesselt, dass ich ihn mehrmals gelesen habe und auch dann noch spannend fand, als ich die Identität des Mörders schon kannte.


Und hier noch ein paar Bücher, die es nur knapp nicht auf die Liste geschafft haben:

Freitag, 18. September 2015

Steffen Unger - Vorkoster gesucht! 100 Berufe aus der Antike


erschienen bei Philipp von Zabern

entdeckt: bei der Recherche für meinen Roman
woher: Geburtstagsgeschenk

Sachbuch-Challenge



Unterteilt nach Tätigkeitsfeldern - Politik, Rechtsprechung, Militär, Landwirtschaft, Handwerk/Handel, Medizin, Bildung, Religion, Kriminelles, Unterhaltung - stellt Steffen Unger in diesem Buch eine Reihe von antiken Berufen vor. Der Schwerpunkt liegt dabei auf Athen und Rom, wobei der Autor auch ab und zu Vergleichsbeispiele etwa aus Karthago und Ägypten erwähnt.
Zu Beginn gibt es eine kurze Einleitung zum Arbeitsleben in der Antike, die mit nicht einmal 2 Seiten allerdings sehr knapp ausfällt. Hier hätte ich eine ausführlichere Einleitung sehr begrüßt, wobei ich einräumen muss, dass der Titel bereits eine Konzentration auf die Berufe an sich suggeriert. 

Leider konnte mich das Buch aber auch im Hauptteil nicht überzeugen, wobei es mir sehr schwerfällt, den Finger darauf zu legen, was für mich das eigentliche Problem war. Bestimmt war eins der Probleme, dass das Buch sich nicht so sehr dazu eignet, es in einem durch zu lesen. Durch die Unterteilung in Kapitel, die in sich doch Einheiten bilden, ist es aber umgekehrt auch nicht direkt als Nachschlagewerk konzipiert. 

Es war mir außerdem nicht ganz klar, an welches Publikum sich der Autor richtet. Einerseits ist das Buch eher der populärwissenschaftlichen Richtung zuzuordnen, andererseits setzen aber einige Kapitel doch schon einiges an Hintergrundwissen voraus. Gerade bei den politischen Ämtern, der Rechtsprechung und der Religion werden die Zusammenhänge vermutlich nur schwer zu verstehen sein, wenn man mit der Materie noch nicht so vertraut ist. Ich selbst bringe einiges an Hintergrundwissen mit und habe in dem Buch nun auch nicht so viel Neues erfahren, fand es aber dennoch eher sperrig zu lesen.
Als Zielgruppe sehe ich daher vor allem interessierte Laien, die in der Antike bereits ganz gut zuhause sind.

Vom Umfang her fällt das Buch auch eher knapp aus und so bleiben manche Berufszweige ein wenig auf der Strecke. So hätte ich das Kapitel zu den gewerblichen Berufen gerne ein wenig ausführlicher gehabt (es kommen z.B. Zöllner und zahlreiche Handwerksberufe gar nicht vor). Vielleicht war hier auch der Versuch, die Berufe sowohl im griechischen als auch im römischen Bereich zu betrachten, etwas zu ehrgeizig.

Ich will nun nicht behaupten, dass das Buch ganz und gar misslungen wäre. Einige Kapitel sind sehr gut zu lesen und vermitteln auch eine Vielzahl an Informationen (Medizin und Bildung sind mir hier sehr positiv in Erinnerung). Und ich will dem Buch auch eine Eignung als Nachschlagewerk nicht ganz absprechen, da es zu einigen Berufen bzw. Berufsgruppen wirklich sehr kompaktes Wissen vermittelt. Zudem schließt es sicher eine Lücke, da es so eine Zusammenstellung antiker Berufe im populärwissenschaftlichen Bereich bisher anscheinend überhaupt nicht gegeben hat - auch im fachwissenschaftlichen Bereich sind die Publikationen zu dem Thema eher rar gesät.
Alles in allem war ich aber trotzdem eher enttäuscht, was vielleicht auch auf eine falsche Erwartungshaltung zurückzuführen ist. So hätte ich mir etwa mehr Informationen zu den üblichen Berufen der Mittel- und Unterschicht (z.B. auch zu Tagelöhnern) gewünscht und weniger zu den Ämtern des Senatorenstandes, die ohnehin in vielen Werken über die Antike behandelt werden. Mehr allgemeine Informationen zum Berufswesen (auch zu Lehre und Ausbildung) hätten das Buch meiner Meinung nach außerdem besser abgerundet.

Montag, 14. September 2015

Sabrina Železný - Das Geheimnis des Mahagonibaums



2015 bei Aufbau Taschenbuch erschienen

entdeckt durch: Buch einer Schreibkollegin im Tintenzirkel
woher: Buchhandlung Kuppitsch (ebook)




Eines kurz vorweg: Wie oben schon angedeutet, möchte ich nicht verschweigen, dass ich die Autorin aus dem Tintenzirkel kenne. Da wir lediglich Forenkolleginnen sind und ich auch als unbedarfte Leserin an den Roman herangegangen bin, habe ich mich dazu entschlossen, eine normale Rezension zu schreiben, keine reine Buchvorstellung.


Ein Stipendium für eine Foto-Akademie bringt die deutsche Studentin Blanca nach Arequipa. Doch sie ist nicht nur zum Fotografieren hier, sondern auch, um sich auf die Spuren ihrer Urgroßmutter Guadalupe zu begeben. Diese ist einst dem Fotografen Max in seine Heimat nach Deutschland gefolgt, in den Wirren des Zweiten Weltkriegs aber nach Peru zurückgekehrt. Seither hat sich ihre Spur verloren und ihre Familie hat nie wieder von ihr gehört. Blanca versucht nun herauszufinden, was damals passiert ist und weshalb Guadalupe nie einen der Briefe beantwortet hat.

Ein fernes Land und Rätsel in der Vergangenheit - das sind keine ungewöhnlichen Romanzutaten, aber meistens wird man dabei als Leser mit nach Australien oder Neuseeland genommen, manchmal auch nach Afrika oder Asien. Südamerika und besonders Peru sind dagegen eher seltene literarische Reiseziele. Völlig zur Unrecht, wie Sabrina Železný mit diesem Buch beweist: Sie beschreibt hier Arequipa so anschaulich mit all seinen Farben, Geräuschen und Gerüchen, dass ich beinahe das Gefühl hatte, mich zusammen mit Blanca in der Andenstadt zu befinden. Bei der Lektüre besteht also akute Fernwehgefahr.

Obwohl es sich bei "Das Geheimnis des Mahagonibaums" um keinen Krimi handelt, bin ich nur so durch die Seiten geflogen, weil ich wissen wollte, wie es weitergeht. Nicht nur die Rätsel um Guadalupe haben mich gefesselt, sondern auch die sehr gelungene Vermischung mehrerer Ebenen in dem Roman.
So gibt es mithilfe von Tagebucheinträgen und Briefen einige Ausflüge in die Vergangenheit und in das Leben von Guadalupe. Auf diese Weise wird Peru in der Zeit um den Zweiten Weltkrieg zum Leben erweckt, auch wenn die Tagebucheinträge ein wenig gekünstelt wirken - sie klingen weniger wie etwas, das tatsächlich jemand in ein Tagebuch schreiben würde, sondern dienen klar als Informationen für die Leser.
Blanca wird bei ihrer Suche von Emilio, einem Mitarbeiter der Akademie, unterstützt und mit ihm kommt eine weitere Ebene mit ins Spiel: Emilio kommt aus dem Hochland und ist unter dem Schatten der Terror-Organisation "Leuchtender Pfad" aufgewachsen. Durch Rückblicke werden die Schrecken der damaligen Zeit geschildert, aber auch Rassismus in der Gegenwart wird nicht verschwiegen. Diese gesellschaftskritische Komponente, die gewissermaßen einen Kontrapunkt zu den strahlenden Farben und hellen Kolonialbauten in Arequipa setzt, hat mir sehr gut gefallen.

Ebenfalls sehr gut gefallen haben mir die sehr sanften und warmherzigen Töne des Romans. Diese zeigen sich in Blancas Charakter, in der Art, wie Sabrina Železný von Peru schreibt und auch in der zarten Annäherung zwischen Blanca und Emilio. Trotz der Gräueltaten des Leuchtenden Pfades und den Konflikten, die auch noch in der Gegenwart bestehen, ist das Buch wie eine warme Decke, in die man sich hüllen kann. Vielleicht gerade auch wegen der Schattenseiten, die angesprochen werden; es entsteht nicht der Eindruck einer kitschigen Friede-Freude-Eierkuchen-Situation, stattdessen gibt es Probleme und Grenzen, die aber (zumindest zum Teil) überwunden werden können, wodurch ein optimistischer Grundton mitschwingt.

Gestört hat mich nur, dass der Roman eher vorhersehbar war. Mir war schnell klar, worauf das alles hinausläuft und wer hier Dreck am Stecken hat. Dass Blanca ziemlich lange braucht, bis sie das ebenfalls erkennt, war beim Lesen etwas mühsam. Das ist ein Problem, dass in Büchern häufig dadurch entsteht, dass man als Leser den Überblick von außen hat, während die Figuren selbst zu tief drinstecken und den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sehen. Zum Glück hilft Blanca dann genau so ein Blick von außen auf die Sprünge und die Missverständnisse werden also nicht zu breit ausgewalzt.

Abgesehen von diesem Kritikpunkt habe ich aber meine Zeit mit Blanca in Peru sehr genossen und wäre gern noch länger mit ihr dort geblieben. Beim Lesen war ich sogar so vertieft in den Roman, dass ich beinahe meine Zugstation verpasst hätte. Besonders gut hat mir das Ende gefallen, das schön und befriedigend ist, aber nicht kitschig und das einfach ein gutes Gefühl in mir zurückgelassen hat.
Trotz kleiner Schwächen also ein sehr gelungener Roman, der mir viel Freude bereitet hat.

Donnerstag, 10. September 2015

Buchstabengeplauder #38

Seit dem gemütlichen Lesetag am 1.9. bin ich nicht sehr viel zum Lesen gekommen. Ich war nicht nur sehr gut eingedeckt mit Diensten, sondern war daneben auch mit allen möglichen anderen Dingen beschäftigt.
Ich habe die Geburtstagsgeschenke für meine Nichte gebastelt, mein ePiano komplett zerlegt zwecks Reinigung der Tasten (damit sie hoffentlich nicht mehr hängenbleiben), war im Pratermuseum (einer meiner Sommerwünsche), habe endlich mal meine Fenster geputzt und war am Westbahnhof, um bei der Kleiderausgabe für die Flüchtlinge zu helfen.

Tastensalat
Geschenke für meine Nichte, weil der Shop in den Harry Potter
Studios eher enttäuschend war: ein geknüpfter Anhänger; eine
Tasse (gibt es auch im Internet zu bestellen, aber ich habe einfach
den Schriftzug in Gimp gebastelt und hier vor Ort auf eine Tasse
drucken lassen); eine Kette mit golden snitch; etwas Papyrus

Ich bin also - wenig überraschend - kaum zum Lesen gekommen. Immerhin habe ich Unter dem Tagmond beendet und da ich stundenlang einzelne Klaviertasten ausgebaut, gereinigt und wieder eingebaut habe, bin ich auch mit dem Hörbuch The Thousand Dollar Tan Line fertig geworden.

Hoffentlich komme ich in nächster Zeit wieder einmal dazu, für eine Weile so gemütlich auf dem Sofa zu lesen wie am 1.9. - und nicht immer nur zwischendurch in der U-Bahn oder vor dem Einschlafen einige Seiten. Zumal mich gerade so viele meiner Bücher locken.

Wie gehts eucht derzeit mit dem Lesen? Findet ihr genug Zeit dazu oder haben bei euch auch gerade alle möglichen anderen Dinge Vorrang?

Mittwoch, 9. September 2015

Keri Hulme - Unter dem Tagmond



erschienen bei Fischer

entdeckt durch: Besprechung in What Makes This Book so Great
woher: Städtische Bücherei




Kerewin Holmes, eine eigenbrötlerische Künstlerin, hat an der stürmischen Westküste von Neuseeland wortwörtlich einen Turm um sich gebaut und sucht nur selten den Kontakt zu anderen Menschen. Doch dann taucht eines Tages der stumme Junge Simon bei ihr auf und macht es ihr unmöglich, sich weiter vor der Welt zu verschließen. Sie wird mitten hineingezogen in die seltsame Beziehung zwischen Simon und seinem Adoptivvater Joe, die gleichermaßen von Liebe und Gewalt geprägt ist. Für eine Weile scheint es, als könnten diese drei Menschen, die alle innerlich zerbrochen sind, zueinander finden.

Obwohl dieser Roman, im Original "The Bone People", den Booker Prize erhielt und in Neuseeland sowie darüber hinaus ein Bestseller wurde, bin ich erst durch Jo Walton auf ihn aufmerksam geworden. 
Es geht darin um drei Menschen, die nicht nur innerlich zerstört, sondern auch völlig entwurzelt sind. Kerewin hat sich von ihrer Familie entzweit und ihre Stimme als Künstlerin verloren; Joe fühlt sich als Halb-Maori in keiner Kultur wirklich zuhause; Simon ist der einzige Überlebende eines Bootsunfalls und weiß nur wenig über seine Vergangenheit. Diese drei Menschen finden eine Zeitlang ineinander eine Heimat, die aber nicht von Dauer sein kann, solange sie nicht jeder für sich ihre eigenen Dämonen überwinden können.

Ich hatte bei diesem Buch zunächst große Schwierigkeiten mit dem Einstieg - nicht nur, weil Keri Hulme gewissermaßen das Ende an den Beginn setzt, sondern auch, weil man sich in ihren Stil erst hineinfinden muss. Ihre Sprache ist manchmal poetisch, manchmal nüchtern-karg, wechselt zwischen Innen- und Außensicht und lässt einen als Leser oft ratlos im Regen stehen. Aber so sperrig ich den Anfang auch fand, so fasziniert war ich gleichzeitig von Hulmes ungewöhnlicher Erzählweise. Mit der Zeit hatte ich mich dann auch in ihre Sprache eingelesen und versank teilweise stundenlang in dem Buch.

Dabei handelt es sich hier auch inhaltlich nur selten um ein Lese"vergnügen". Es geht um Kindesmisshandlung, Alkoholismus, Einsamkeit und tiefste Isolation. Manche Szenen sind so brutal, dass man sie kaum lesen mag und dass keine schwarz-weiß-Zeichnung stattfindet, macht einiges sogar noch unerträglicher.
Der Roman ist dennoch nicht gänzlich trostlos oder deprimierend, sondern stellenweise voller Wärme und Hoffnung. Dass diese erst einmal auf die schlimmste Weise zerschlagen werden muss, ehe es zu einer Art Heilung kommt, ist allerdings beim Lesen sehr schmerzhaft.
Bei dieser Heilung taucht der Roman schließlich tief in die Mythologie der Maori ein und geht in die Richtung "magischer Realismus". Ich hatte mit diesem Teil, mit dem Ende, ähnlich zu kämpfen wie mit dem Anfang. Manches verstand ich nicht und manches kam mir ein wenig zu überhastet vor.

Jo Walton schreibt über diesen Roman, dass es einer ist, der mit jedem Mal Lesen besser wird und ich kann mir gut vorstellen, dass er bei einem Reread noch dazugewinnen würde. Vielleicht würde mir dann auch der Anfang nicht mehr so sperrig, das Ende nicht mehr so rätselhaft vorkommen.

Trotz dieser Schwierigkeiten war es aber eine sehr faszinierende und lohnenswerte Lektüre. Zwischendrin, als hier drei gebrochene Figuren allmählich zueinander finden, musste ich kurz an Zusammen ist man weniger allein denken. "Unter dem Tagmond" ist thematisch tatsächlich ähnlich, aber um ein vielfaches kraftvoller und vielschichtiger. Der Roman von Gavalda mag netter zu lesen sein, aber der von Keri Hulme hallt viel länger und tiefer in mir nach und wird mir wohl noch für Jahre als beeindruckende Lektüre in Erinnerung bleiben.

Freitag, 4. September 2015

#BloggerFuerFluechtlinge


In den letzten Wochen ist bei mir das Gefühl der Ohnmacht immer größer geworden - eine Ohnmacht gegenüber Hasstiraden, rechtem Gedankengut oder Sprüchen, die in die Richtung gingen "Natürlich kann man die Menschen nicht sterben lassen ... aber müssen die unbedingt zu uns kommen?"

Ich habe mit Verwandten und Bekannten diskutiert (was für ein Schock, wenn man sogar in der nahen Umgebung auf eine solche Fremdenfeindlichkeit stößt) und festgestellt, dass man meistens gegen Mauern rennt. Ich habe sogar schon zu zweifeln begonnen, ob es überhaupt etwas bringt, wenn man etwas sagt oder schreibt - denn bei den einen rennt man ohnehin offene Türen ein und zu den anderen dringt man anscheinend nicht durch, egal mit welchen Argumenten.

Daher habe ich auch mehrmals hier einen Beitrag begonnen und nie die richtigen Worte gefunden. Letztendlich leihe ich mir jetzt von mir selbst einige Worte aus, das ich vor kurzem in einem Forum geschrieben habe, als dort einige fremdenfeindliche Stimmen laut wurden:

Nicht ganz so vernünftig-konstruktiv, aber weil mir das schon die ganze Zeit auf dem Herzen liegt, möchte ich jene, die sich hier so darüber empören, dass Flüchtlinge z.B. nach Deutschland wollen, mal bitten, sich in folgendes Szenario hineinzuversetzen:

Ihr seid in einem Land geboren worden, in dem Krieg herrscht und ihr um euer Leben und eure Zukunft fürchten müsst. Dafür könnt ihr nichts, ihr habt einfach nur Pech, in diesem Land geboren worden zu sein - ebenso wie andere das reine Glück haben, in einem Land geboren worden zu sein, in dem Frieden herrscht.
Ihr seht schließlich in der Flucht den letzten Ausweg. Das bedeutet, dass ihr eure Verwandten ganz oder teilweise zurücklassen müsst, dass ihr eure Freunde zurücklassen müsst, eure Heimat und alles, was euch vertraut ist. Das bedeutet auch, dass ihr euch auf eine wochen- oder monatelange Reise machen müsst, die beschwerlich und gefährlich ist, deren Ausgang alles andere als gewiss ist und an deren Ende euch vermutlich Ablehnung, Verachtung oder sogar Hass erwarten.
Wie ihr mitbekommen habt, habt ihr nicht in jedem Land dieselben Chancen. In manchen ist die Gefahr, dass euer Asylantrag abgelehnt und ihr zurückgeschickt werdet, größer als in anderen. In manchen scheint es keine Zukunft zu geben, als auf lange Zeit in überfüllten Lagern zu landen.
Euer Ziel ist es daher, in ein Land zu gelangen, wo offensichtlich die Chancen, dass ihr euch ein wirkliches Leben aufbauen und eure Familie nachholen könnt, am größten ist.

Aber wie könnt ihr das nur, ihr böse, verkommene Menschen! Wie könnt ihr auf ein bestmögliches Leben, eine wirkliche Zukunft hoffen? Solche Privilegien sollten denen vorbehalten bleiben, die in solche Verhältnisse schlichtweg aus Glück hineingeboren wurden! 

Es ist mir unbegreiflich, dass viele sich überhaupt nicht in eine solche Notsituation hineinversetzen können und dass sie es verurteilen, wenn andere Menschen auf ein Leben in Frieden, ohne Hunger und mit Zukunftsperspektiven hoffen - also etwas, das für uns ganz selbstverständlich ist.

Aber zum Glück gibt es gerade in der letzten Zeit auch sehr viel positives. Immer mehr machen den Mund auf und hören sich all die menschenfeindlichen Aussagen nicht länger an, immer mehr engagieren sich und helfen. So wollte ich mich etwa nächste Woche fürs Organisieren und Verteilen der Kleiderspenden in Traiskirchen melden - und war bereits zu spät dran, weil sich schon eine halbe Stunde (!) nach dem Aufruf an allen Tagen mehr als genug Helfer gefunden hatten. Das ist großartig!


http://www.blogger-fuer-fluechtlinge.de/

Für alle, die helfen wollen, gibt es etwa die Initiative Blogger für Flüchtlinge, die Flüchtlingen aktiv helfen will und dafür Geld sammelt sowie eine ganze Reihe von Organisationen vorstellt, bei denen man Sachspenden abgeben oder auf andere Weise mithelfen kann. Als Blogger könnt ihr diese großartige Aktion auch unterstützen, indem ihr einen Beitrag zur Flüchtlingssituation schreibt und die Initiative in der Bloggerwelt weiterverbreitet.

Da alle dort aufgeführten Organisationen in Deutschland beheimatet sind, verlinke ich für die mitlesenden ÖstereicherInnen hier ein paar Möglichkeiten, wo man hierzulande spenden und helfen kann:

- Hilfe für Flüchtlinge in Wien: Seite der Koordinationsstelle für Flüchtlingswesen in Wien
- Facebook-Gruppe "Wir helfen" der Caritas Wien. Hier gibt es Aufrufe, falls für den Omni.Bus in Traiskirchen oder am Westbahnhof Sachspenden gebraucht werden und man kann sich für freiwillige Mitarbeit in Doodle-Listen eintragen. 
- Refugees.at: Hier gibt es aktuelle Infos, wo derzeit was auf den Bahnhöfen (Linz, Salzburg, Wien Hauptbahnhof, Wien Westbahnhof, München Hauptbahnhof) gebraucht wird.
- Connecting People: Patenschaften für unbegleitete minderjährige und junge erwachsene Flüchtlinge

Dienstag, 1. September 2015

Lesetag mit Lyne am 1.9.2015

Lyne und ich wollen heute mal wieder den ganzen Tag die Nase in Büchern vergraben und außer uns zwei haben sich folgende Teilnehmerinnen gefunden:


Bei mir köchelt gerade der Kaffee vor sich hin, während ich überlege, was ich heute eigentlich lesen mag. Aktuell lese ich gerade folgende Bücher (sowie den 1. Veronica Mars-Krimi als Hörbuch):


Ich möchte bei diesen Büchern auch auf jeden Fall weiterlesen, aber sie sind alle drei nicht so gut geeignet, um sich stundenlang in ihnen zu vergraben. Vielleicht fange ich also parallel noch ein weiteres Buch an.

Jetzt werde ich mal gemütlich auf dem Balkon frühstücken und mir dabei eins der Bücher schnappen. Updates kommen dann immer direkt in diesem Beitrag. Ich wünsch uns ein gemütliches Lesen!


Update um 12:30

Ich habe einen recht gemütlichen Lesevormittag auf dem Balkon verbracht. Zwischendurch hab ich mal eine kleine Blogrunde gedreht und ich hatte auch gerade schon einen Salat als Mittagessen, aber ansonsten habe ich die meiste Zeit bei "Unter dem Tagmond" weitergelesen. Das ist kein Roman, den man schnell verschlingen kann, aber man kann trotzdem gut darin versinken. Vielleicht werde ich jetzt dann aber zur Abwechslung zwischendurch mal zu einem anderen Buch greifen.
Leider wird es mittlerweile draußen unangenehm heiß und in der Wohnung ist es dank der Hitze der letzten Tage auch nicht gerade kühl. Vielleicht such ich mir noch ganz ein anderes Leseplätzchen, aber meiner Erfahrung nach ist es bei 35 Grad auch auf der Donauinsel nicht mehr besonders angenehm.
Und wie gehts euch beim Lesen?


Update um 15:30

Puh, ich könnte grad mitten unterm Lesen einschlafen ... Ich weiß nicht, ob es daran liegt, dass meine Nacht etwas kurz war oder an der Wärme oder an meinem gemütlichen Sofa - oder an allem zusammen. Auf alle Fälle muss ich jetzt zwischendurch mal was anderes machen. Entweder ich schnapp mir mein Knüpfzeug und hör wenigstens Hörbuch ich geh mal raus an die frische Luft in die brütende Hitze.
Ein wenig habe ich aber doch sowohl an "Unter dem Tagmond" als auch an "Nils Holgersson" weitergelesen. Bei ersterem habe ich aber gerade das Gefühl, dass jetzt alles ziemlich trostlos wird und das hält mich ein wenig vom Weiterlesen ab.
Und was tut sich bei euch? Habt ihr auch mit nachmittäglicher Müdigkeit zu kämpfen?


Update um 19:30

Letztendlich habe ich meine Müdigkeit mit Knüpfen und Hörbuchhorchen bekämpft und dabei ist gleich noch ein ganzes Wickelarmband entstanden:

Danach habe ich ein Kapitel bei "Vorkoster gesucht" gelesen und mich nun nach dem Abendessen wieder in "Unter dem Tagmond" vertieft. Gerade habe ich vorsichtig die Nase zur Balkontür rausgesteckt und denke, dass ich meinen Leseplatz wieder nach draußen verlegen werde. Es ist noch nicht kühl genug zum Lüften, aber man hält es draußen wieder aus.
Im Sommer habe ich jetzt auch sehr gern nach Einbruch der Dunkelheit noch draußen gelesen, aber in dem Fall müsste ich dann auch noch ein ebook beginnen, da die Beleuchtung eher schlecht ist. Mal sehen, ein bisschen bleibt es ja noch hell.


Update um 22:30

Da mir beim Lesen schon fast die Augen zufallen (obwohl vor 23:00 sonst eher nicht meine Bettgehzeit ist), beende ich für mich den Lesetag nun.
Ich habe bei "Unter dem Tagmond" gut 300 Seiten gelesen und mich damit nun deutlich dem Ende genähert. Zwischendurch hab ich auch für ein Weilchen Nils Holgersson auf seiner Reise durch Schweden begleitet (da habe ich etwa 30 Seiten gelesen) und mich in "Vorkoster gesucht" über antike Berufe informiert. Dazwischen habe ich knapp 1,5 Stunden mit dem Hörbuch "The Thousand-Dollar Tan Line" verbracht.
Für mich war das ein sehr gemütlicher Lesetag, auch wenn zwischendurch auch immer wieder einige Zeit für anderes draufgegangen ist. Ich hoffe, ihr habt heute auch einige schöne Lesestunden verbracht! Danke fürs Mitlesen, Beiträge posten und Kommentieren!