Freitag, 4. September 2015

#BloggerFuerFluechtlinge


In den letzten Wochen ist bei mir das Gefühl der Ohnmacht immer größer geworden - eine Ohnmacht gegenüber Hasstiraden, rechtem Gedankengut oder Sprüchen, die in die Richtung gingen "Natürlich kann man die Menschen nicht sterben lassen ... aber müssen die unbedingt zu uns kommen?"

Ich habe mit Verwandten und Bekannten diskutiert (was für ein Schock, wenn man sogar in der nahen Umgebung auf eine solche Fremdenfeindlichkeit stößt) und festgestellt, dass man meistens gegen Mauern rennt. Ich habe sogar schon zu zweifeln begonnen, ob es überhaupt etwas bringt, wenn man etwas sagt oder schreibt - denn bei den einen rennt man ohnehin offene Türen ein und zu den anderen dringt man anscheinend nicht durch, egal mit welchen Argumenten.

Daher habe ich auch mehrmals hier einen Beitrag begonnen und nie die richtigen Worte gefunden. Letztendlich leihe ich mir jetzt von mir selbst einige Worte aus, das ich vor kurzem in einem Forum geschrieben habe, als dort einige fremdenfeindliche Stimmen laut wurden:

Nicht ganz so vernünftig-konstruktiv, aber weil mir das schon die ganze Zeit auf dem Herzen liegt, möchte ich jene, die sich hier so darüber empören, dass Flüchtlinge z.B. nach Deutschland wollen, mal bitten, sich in folgendes Szenario hineinzuversetzen:

Ihr seid in einem Land geboren worden, in dem Krieg herrscht und ihr um euer Leben und eure Zukunft fürchten müsst. Dafür könnt ihr nichts, ihr habt einfach nur Pech, in diesem Land geboren worden zu sein - ebenso wie andere das reine Glück haben, in einem Land geboren worden zu sein, in dem Frieden herrscht.
Ihr seht schließlich in der Flucht den letzten Ausweg. Das bedeutet, dass ihr eure Verwandten ganz oder teilweise zurücklassen müsst, dass ihr eure Freunde zurücklassen müsst, eure Heimat und alles, was euch vertraut ist. Das bedeutet auch, dass ihr euch auf eine wochen- oder monatelange Reise machen müsst, die beschwerlich und gefährlich ist, deren Ausgang alles andere als gewiss ist und an deren Ende euch vermutlich Ablehnung, Verachtung oder sogar Hass erwarten.
Wie ihr mitbekommen habt, habt ihr nicht in jedem Land dieselben Chancen. In manchen ist die Gefahr, dass euer Asylantrag abgelehnt und ihr zurückgeschickt werdet, größer als in anderen. In manchen scheint es keine Zukunft zu geben, als auf lange Zeit in überfüllten Lagern zu landen.
Euer Ziel ist es daher, in ein Land zu gelangen, wo offensichtlich die Chancen, dass ihr euch ein wirkliches Leben aufbauen und eure Familie nachholen könnt, am größten ist.

Aber wie könnt ihr das nur, ihr böse, verkommene Menschen! Wie könnt ihr auf ein bestmögliches Leben, eine wirkliche Zukunft hoffen? Solche Privilegien sollten denen vorbehalten bleiben, die in solche Verhältnisse schlichtweg aus Glück hineingeboren wurden! 

Es ist mir unbegreiflich, dass viele sich überhaupt nicht in eine solche Notsituation hineinversetzen können und dass sie es verurteilen, wenn andere Menschen auf ein Leben in Frieden, ohne Hunger und mit Zukunftsperspektiven hoffen - also etwas, das für uns ganz selbstverständlich ist.

Aber zum Glück gibt es gerade in der letzten Zeit auch sehr viel positives. Immer mehr machen den Mund auf und hören sich all die menschenfeindlichen Aussagen nicht länger an, immer mehr engagieren sich und helfen. So wollte ich mich etwa nächste Woche fürs Organisieren und Verteilen der Kleiderspenden in Traiskirchen melden - und war bereits zu spät dran, weil sich schon eine halbe Stunde (!) nach dem Aufruf an allen Tagen mehr als genug Helfer gefunden hatten. Das ist großartig!


http://www.blogger-fuer-fluechtlinge.de/

Für alle, die helfen wollen, gibt es etwa die Initiative Blogger für Flüchtlinge, die Flüchtlingen aktiv helfen will und dafür Geld sammelt sowie eine ganze Reihe von Organisationen vorstellt, bei denen man Sachspenden abgeben oder auf andere Weise mithelfen kann. Als Blogger könnt ihr diese großartige Aktion auch unterstützen, indem ihr einen Beitrag zur Flüchtlingssituation schreibt und die Initiative in der Bloggerwelt weiterverbreitet.

Da alle dort aufgeführten Organisationen in Deutschland beheimatet sind, verlinke ich für die mitlesenden ÖstereicherInnen hier ein paar Möglichkeiten, wo man hierzulande spenden und helfen kann:

- Hilfe für Flüchtlinge in Wien: Seite der Koordinationsstelle für Flüchtlingswesen in Wien
- Facebook-Gruppe "Wir helfen" der Caritas Wien. Hier gibt es Aufrufe, falls für den Omni.Bus in Traiskirchen oder am Westbahnhof Sachspenden gebraucht werden und man kann sich für freiwillige Mitarbeit in Doodle-Listen eintragen. 
- Refugees.at: Hier gibt es aktuelle Infos, wo derzeit was auf den Bahnhöfen (Linz, Salzburg, Wien Hauptbahnhof, Wien Westbahnhof, München Hauptbahnhof) gebraucht wird.
- Connecting People: Patenschaften für unbegleitete minderjährige und junge erwachsene Flüchtlinge

Kommentare:

  1. Ich habe im Bekanntenkreis bisher zum Glück ausschließlich positive Gespräche geführt. Ein paar sind besorgt, was ich verstehen kann, wenn in ein Dorf auf einmal ziemlich viele Fremde aus einer fremden Kultur einquartiert werden. Aber die sagen nicht "raus hier", sondern "oh ha, das wird aber schwierig" und wünschen sich mehr Unterstützung durch den Staat. Absolut verständlich.

    Und die anderen ... tja. Wie erreicht man die? Wie macht man es ihnen klar? Ich weiß es nicht. Gegen Argumente sind sie ziemlich immun, habe ich den Eindruck. Vielleicht sollte man ihnen noch klarer zeigen, was in Syrien eigentlich derzeit los ist. Warum die eigentlich alle nach Europa strömen. Und dass die südlichen Länder eben alle mehr oder weniger pleite sind und Griechenland schon die eigene Bevölkerung nicht versorgen kann.

    Den Film hier finde ich ja sehr intensiv. Vielleicht öffnet das ja irgendwem die Augen?
    https://www.youtube.com/watch?v=Z7USt47CAXw

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    1. Ich weiß auch wirklich nicht, wie man zu manchen Menschen durchdringen soll, zumal ich auch das Gefühl habe, dass ihnen schon bewusst ist, was in Syrien los ist, sie aber zu der Einstellung gelangt sind: Wenn es dort schon so schlimm ist, muss ja alles andere besser sein und die Flüchtlinge müssten überglücklich und dankbar dafür sein, wenn sie nun in einem Lager zusammengepfercht werden und teilweise kaum ein Dach über dem Kopf haben (wie etwa im völlig überfüllten Traiskirchen).

      Oft kommen dann auch so Wortmeldungen, die Flüchtlinge würden ja besser behandelt als die Österreicher und wollen nur hierher, weil sie hier ein "Rundum-sorglos-Paket" bekommen. Es ist mir einfach ein Rätsel, wie man einen solchen Neid auf Menschen haben kann, die schwerst traumatisiert aus dem Krieg kommen und alles aufgeben mussten - und hier ja wohl alles andere als ein rundum sorgloses Leben vor sich haben.
      Aber egal, was man sagt, irgendwie geht das bei einem Ohr rein und beim andern wieder raus. Unglaublich frustrierend. :-(

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  2. Ohnmacht trifft es ziemlich gut!

    Ich habe gestern mit meiner Mutter telefoniert, die grundsätzlich komplett meiner Meinung ist, was die Flüchtlingsthematik angeht. Aber auch sie fand es merkwürdig, dass die Flüchtlinge, die schon in der EU sind, noch weiter nach Deutschland wollen. Das ist von den Medien ja auch sehr geschickt überall verbreitet worden. (KOTZ!) Immerhin ist meine Mutter solchen Argumenten, wie du sie aufgeführt hast, gegenüber serh aufgeschlossen. Ich mag mir gar nicht vorstellen, wie es ist, im näheren Bekannten- oder Verwandtenkreis auf rechts "angehauchte" oder "Ich bin kein Nazi, aber..."-Menschen zu treffen.

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    1. Ich habe in meinem Umkreis auch Menschen, die Argumenten gegenüber aufgeschlossen sind, aber leider auch solche, die es eben nicht sind. Und wenn man sich dann erst mal die Kommentare bei einigen Online-Zeitungen ansieht ... Was man eh nicht tun sollte, wenn man sich nicht komplett den Tag verderben möchte.
      Aber diese völlig fehlende Empathie leidenden Menschen gegenüber ist mir ein Rätsel. Ich kann ja verstehen, dass die Situation gerade beängstigend und fremd ist und man das Gefühl hat, dass vieles nicht so funktioniert (hat), wie es sollte. Aber daran sind ja nicht die armen Flüchtlinge schuld, sondern vor allem Politik und EU. Und natürlich ist es furchtbar, dass nun tausende Flüchtlinge hierherströmen - aber nicht, weil diese Menschen nun der Untergang des Abendlandes sind, sondern weil es furchtbar ist, dass überhaupt für so viele Menschen die Flucht der einzige Ausweg ist.

      Und ich freue mich wirklich über jeden einzelnen Menschen, der das auch so sieht - daher vielen Dank für deinen Kommentar!

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