Freitag, 18. September 2015

Steffen Unger - Vorkoster gesucht! 100 Berufe aus der Antike


erschienen bei Philipp von Zabern

entdeckt: bei der Recherche für meinen Roman
woher: Geburtstagsgeschenk

Sachbuch-Challenge



Unterteilt nach Tätigkeitsfeldern - Politik, Rechtsprechung, Militär, Landwirtschaft, Handwerk/Handel, Medizin, Bildung, Religion, Kriminelles, Unterhaltung - stellt Steffen Unger in diesem Buch eine Reihe von antiken Berufen vor. Der Schwerpunkt liegt dabei auf Athen und Rom, wobei der Autor auch ab und zu Vergleichsbeispiele etwa aus Karthago und Ägypten erwähnt.
Zu Beginn gibt es eine kurze Einleitung zum Arbeitsleben in der Antike, die mit nicht einmal 2 Seiten allerdings sehr knapp ausfällt. Hier hätte ich eine ausführlichere Einleitung sehr begrüßt, wobei ich einräumen muss, dass der Titel bereits eine Konzentration auf die Berufe an sich suggeriert. 

Leider konnte mich das Buch aber auch im Hauptteil nicht überzeugen, wobei es mir sehr schwerfällt, den Finger darauf zu legen, was für mich das eigentliche Problem war. Bestimmt war eins der Probleme, dass das Buch sich nicht so sehr dazu eignet, es in einem durch zu lesen. Durch die Unterteilung in Kapitel, die in sich doch Einheiten bilden, ist es aber umgekehrt auch nicht direkt als Nachschlagewerk konzipiert. 

Es war mir außerdem nicht ganz klar, an welches Publikum sich der Autor richtet. Einerseits ist das Buch eher der populärwissenschaftlichen Richtung zuzuordnen, andererseits setzen aber einige Kapitel doch schon einiges an Hintergrundwissen voraus. Gerade bei den politischen Ämtern, der Rechtsprechung und der Religion werden die Zusammenhänge vermutlich nur schwer zu verstehen sein, wenn man mit der Materie noch nicht so vertraut ist. Ich selbst bringe einiges an Hintergrundwissen mit und habe in dem Buch nun auch nicht so viel Neues erfahren, fand es aber dennoch eher sperrig zu lesen.
Als Zielgruppe sehe ich daher vor allem interessierte Laien, die in der Antike bereits ganz gut zuhause sind.

Vom Umfang her fällt das Buch auch eher knapp aus und so bleiben manche Berufszweige ein wenig auf der Strecke. So hätte ich das Kapitel zu den gewerblichen Berufen gerne ein wenig ausführlicher gehabt (es kommen z.B. Zöllner und zahlreiche Handwerksberufe gar nicht vor). Vielleicht war hier auch der Versuch, die Berufe sowohl im griechischen als auch im römischen Bereich zu betrachten, etwas zu ehrgeizig.

Ich will nun nicht behaupten, dass das Buch ganz und gar misslungen wäre. Einige Kapitel sind sehr gut zu lesen und vermitteln auch eine Vielzahl an Informationen (Medizin und Bildung sind mir hier sehr positiv in Erinnerung). Und ich will dem Buch auch eine Eignung als Nachschlagewerk nicht ganz absprechen, da es zu einigen Berufen bzw. Berufsgruppen wirklich sehr kompaktes Wissen vermittelt. Zudem schließt es sicher eine Lücke, da es so eine Zusammenstellung antiker Berufe im populärwissenschaftlichen Bereich bisher anscheinend überhaupt nicht gegeben hat - auch im fachwissenschaftlichen Bereich sind die Publikationen zu dem Thema eher rar gesät.
Alles in allem war ich aber trotzdem eher enttäuscht, was vielleicht auch auf eine falsche Erwartungshaltung zurückzuführen ist. So hätte ich mir etwa mehr Informationen zu den üblichen Berufen der Mittel- und Unterschicht (z.B. auch zu Tagelöhnern) gewünscht und weniger zu den Ämtern des Senatorenstandes, die ohnehin in vielen Werken über die Antike behandelt werden. Mehr allgemeine Informationen zum Berufswesen (auch zu Lehre und Ausbildung) hätten das Buch meiner Meinung nach außerdem besser abgerundet.

Kommentare:

  1. Schade, dass dir das Buch nicht so gefallen hat. Am Anfang deiner Beschreibung dachte ich noch, das wäre was für mich. Da ich jedoch stets mehr über die Berufe im "unteren" Bereich wissen will, kommt es eher nicht in Frage. (ausser das Buch läuft mir per Zufall und günstig in die Hände, dann werde ich schnell schwach ;-)

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    1. Es kommen schon Berufe im unteren Bereich vor, aber für meinen Geschmack kamen sie recht kurz. Möglicherweise wäre "Römische Berufsdarstellungen" von Gerhard Zimmer da besser geeignet, allerdings ist das eine Dissertation, die sich vor allem auf die Darstellung von Handwerksberufen auf Grabmälern und anderen Bildquellen konzentriert. Also vielleicht nicht unbedingt zum gemütlichen Lesen in der Freizeit geeignet. Aber vielleicht leih ich mir das noch aus der Uni-Bibliothek aus und werde dann darüber berichten.

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  2. Gut, dass du das mit dem Hintergrundwissen auch so siehst... Ich hatte schon Angst, ich wäre einfach nur dumm und würde den Autor nicht verstehen.^^
    Unsere Meinungen decken sich im Groben. :) Habe meine Rezension auch vor ein paar Tagen geschrieben, allerdings kommt sie erst in ein paar Tagen online.
    Dass Berufszweige fehlen, ist mir so gar nicht aufgefallen, allerdings bin ich da auch nicht so bewandert, aber wo du das jetzt so ansprichst...
    Das Buch zu bewerten ist wirklich gar nicht so einfach. Es kommt wohl wirklich darauf an, nach was man sucht und welche Infos einen im Speziellen interessieren.

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    1. Nein, das lag sicher nicht an dir. Wie gesagt: Ich habe sogar recht viel Hintergrundwissen und fand es trotzdem manchmal schwierig, dem Autor zu folgen.
      Ich bin mal gespannt auf deine Rezension. :-)

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  3. Servus, Neyasha.
    For your consideration...
    Inspiriert von Katies letztjährigem “Film-Wochenende”(infolge dessen ich an Deinem wie Sams Blog hängen geblieben bin), hat Hotaru (Alice) ein ähnlich arangiertes Unternehmen für den 23. – 25. Oktober angedacht.
    Möglicherweise hast Du ja Zeit wie die Muse an besagtem Wochenende.
    Hier noch der Post selbst:

    http://hotarukago.blogspot.de/2015/09/mach-mit-beim-movie-marathon.html#more

    "Dezent" off topic - allerdings konnte ich an Deine Adresse keine Mail loswerden...

    bonté

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    1. Hm, warum es da bei der Mail Probleme gab, kann ich mir nicht erklären.

      An dem Wochenende hab ich sicher keine Zeit für Filme, da ich Besuch von einem Freund aus Deutschland bekomme. Aber trotzdem danke fürs Bescheidgeben!

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  4. Wie schade, dass dich das Buch nicht durchgehend überzeugen konnte. Ich habe manchmal das Gefühl (das könnte aber auch einfach eine boshafte Unterstellung sein), dass solche Autoren es sich leichter machen, indem sie auf bekannteres Wissen zurückgreifen (in diesem Fall die politischen Berufe) und nicht so ausführlich auf das Unbekanntere eingehen, weil das eben mehr Recherchearbeit erfordert. Schließlich will man mit dem Schreiben Geld verdienen und so müssen Leistung und Ertrag in einem Verhältnis stehen. Was verständlich ist, aber eben auch enttäuschend für den Leser.

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    1. Den Gedanken hatte ich auch schon öfter mal, wobei ich nicht weiß, ob das in diesem Fall hier zutrifft. Ich habe schon den Eindruck, dass der Autor hier sorgfältig recherchiert und sich viel Mühe gegeben hat.

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