Dienstag, 27. Oktober 2015

Buchstabengeplauder #42

Da ich übers Wochenende Besuch hatte, bin ich in den letzten Tagen nicht viel zum Lesen gekommen. Das hat mich aber nicht davon abgehalten, mich vorher noch in der Bücherei eifrig mit Büchern einzudecken. Dabei wollte ich eigentlich nur zwei Nobelpreis-Bücher holen, aber wie das eben immer so ist, wurden es dann doch etwas mehr ... Schuld daran war ein Abstecher zu den Hörbüchern, wo ich gleich drei mitnahm.


Schöne neue Welt will ich schon seit einer Ewigkeit lesen, daher habe ich sofort zugegriffen, als ich das Hörbuch gesehen habe. Das größere Wunder ist, soweit ich mich nicht irre, ein gekürztes Hörbuch (es ist mal wieder nicht genau angegeben auf der CD-Hülle), aber da ich zwar auf das Buch neugierig bin, in letzter Zeit aber immer von Thomas Glavinic enttäuscht wurde, habe ich es dennoch mitgenommen. Und Atlas eines ängstlichen Mannes habe ich letztes Jahr bereits begonnen, musste es dann aber zurück in die Bücherei bringen. Da es sich darin um eine Sammlung von Reiseimpressionen handelt, es also keinen durchgehenden Plot gibt, sollte es aber nicht schwierig sein, das Buch nun ein Jahr später fortzusetzen (ich denke aber, dass ich ohnehin noch einmal von vorne beginnen werde).

Die beiden geplanten Nobelpreisträger habe ich auch mitgenommen - aktuell versuche ich, meiner bislang sehr "westlich" zentrierten Auswahl entgegenzusteuern. Auf meinem Reader tummelt sich dazu noch In der Mitte des Lebens von Samuel Joseph Agnon.


Als wäre das noch nicht genug, habe ich aber auch in der Buchhandlung zugeschlagen. Geplant war Tschernobyl von Swetlana Alexijewitsch. Nicht ganz so geplant war 1913. Der Sommer des Jahrhunderts. Interessiert hat mich das Sachbuch schon länger, aber ich wollte es eigentlich nur ausleihen. Aber dann ist es mir in dieser entzückenden Mini-Hardcover-Ausgabe von Fischer untergekommen und ich konnte nicht widerstehen (ich liebe diese kleinen Büchlein und praktisch für unterwegs sind sie noch dazu!).


Und was tut sich sonst so? Wir haben am Samstag ein wenig die Sonne und die leuchtenden Herbstfarben auf der Donauinsel genossen. Wenns nach mir geht, darf das derzeitige Wetter gern noch eine ganze Weile anhalten!



Gestern habe ich außerdem wieder beim "Tag der offenen Tür" (anlässlich des Nationalfeiertags) bei den Museen gearbeitet - vielleicht kann sich noch jemand erinnern, dass ich voriges Jahr ganz schockiert war angesichts des Besucheransturms. Dieses Jahr war ich also auf das schlimmste gefasst und dann wars gar nicht mal so stressig. 

Wegen des Feiertags haben wir gerade eine recht kurze Lehrgangswoche, bei der wir nun die verschiedenen Abteilungen der Bibliothek kennenlernen. Sehr spannend und auch abwechslungsreich, wenn man mal ein paar Tage lang durch die Gebäude tingelt, anstatt immer nur im Seminarraum zu sitzen; allerdings habe ich schon wieder das "Problem", dass ich alle Bereiche so interessant finde, dass ich beim besten Willen nicht weiß, in welche Richtung ich selbst in Zukunft gehen möchte ... Nun ja, besser aus umgekehrt. ;-)
Ab nächster Woche habe ich dann übrigens zwei lehrgangsfreie Wochen vor mir - es stehen mir nur diverse Dienste und Prüfungen bevor. Vielleicht (hoffentlich) komme ich dann dazu, ein paar der neuen Bücher zu lesen.

Donnerstag, 22. Oktober 2015

Selma Lagerlöf - Nils Holgerssons wunderbare Reise durch Schweden



erschienen bei Die Andere Bibliothek
übersetzt von Thomas Steinfeld

woher: Buchhandlung Kuppitsch

Nobelpreis-Challenge




 
Um 1900 beschloss der Verband der schwedischen Volksschullehrer, die veralteten Lesebücher durch neue zu ersetzen. Die Schriftstellerin Selma Lagerlöf wurde damit beauftragt, den Band über Land und Leute Schwedens zu schreiben. Aus den geplanten 200 Seiten wurden knapp 700 und dennoch scheint es, als hätte die Autorin sich zum Ende hin deutlich kürzer gefasst als geplant.
Deutsche Übersetzungen gab es einige, aber erst diese von Thomas Steinfeld aus dem Jahr 2014 ist vollständig. Zwar wurde auch schon eine frühere Übersetzung von Pauline Klaiber-Gottschau als ungekürzt bezeichnet, allerdings wurde auch dort moderat gekürzt und einige Stellen abgeändert, um sie etwas moralischer zu gestalten.
 
Ich kann mir vorstellen, dass der Roman in diesem Umfang heutzutage Kinder wohl nicht mehr so sehr anspricht, aber mir hat er sehr gut gefallen. Natürlich erkennt man beim Lesen den Bildungsauftrag dahinter, aber ich fand es sehr beeindruckend, wie Selma Lagerlöf eine Beschreibung des Landes in der Handlung verpackt.
Die Grundzüge der Geschichte sind den meisten vermutlich von der Zeichentrickserie bekannt: Der faule und brutale Junge Nils wird in einen Wichtel verwandelt und schließt sich mitsamt der Hausgans Mårten einer Gruppe von Wildgänsen an. Diese reisen unter der Führung der weisen Gans Akka von Kebnekaise in den Norden nach Lappland.
Diese Reise dient als roter Faden, da die Struktur des Romans ansonsten eher episodenhaft ist: Nils erlebt alle möglichen Abenteuer, hilft Tieren und Menschen in Not mit einigem Einfallsreichtum und lernt währenddessen Schweden kennen. Es werden kleine Sagen und Märchen eingeflochten, um die Entstehung bestimmter Landschaften oder die Geschichte einer Gegend zu erklären.
 
Das ist nun nicht rasend spannend und ich habe den Roman auch über einen sehr langen Zeitraum gelesen. Allerdings bedeutet das nicht, dass ich mich dabei gelangweilt hätte. Es hat mir sehr viel Spaß gemacht, immer wieder ein paar Kapitel zu lesen und Nils auf seiner Reise zu begleiten. Wie Selma Lagerlöf hier die Geographie und Bräuche von Schweden auf eine unterhaltsame Weise verpackt, ist wirklich meisterhaft. Nicht nur schwedische Schulkinder haben hier wohl eine ganze Menge gelernt, auch ich habe Schweden zusammen mit Nils intensiv kennengelernt.
Neben der Landeskunde werden auch klare pädagogische Botschaften vermittelt. So wandelt Nils sich vom Nichtsnutz und Tierquäler zu einem verantwortungsvollen Jungen, der auch nicht davor zurückschreckt, sich für andere in Gefahr zu begeben. Es gibt meistens eine recht eindeutige Trennung in Gut und Böse und viele der Episoden enthalten eine moralische Botschaft. 
Mich hat das beim Lesen aber nicht gestört - einerseits wohl deshalb, weil ich den Zweck des Buches kannte und andererseits auch, weil Selma Lagerlöf sie auf eine angenehme Weise vermittelt.
Sehr schön ist auch die bildhafte Sprache, die die Schönheiten der Natur und der Städte sehr lebhaft schildert. Manchmal arbeitet die Autorin mit Stilmitteln des Märchens wie Wiederholungen oder in den entsprechenden Episoden mit einem etwas altertümlichen Sagenton.
 
Zum Lesevergnügen trug auch die wunderschöne Ausgabe bei, die ich hier schon genauer vorgestellt habe. Die Karte ist sehr hilfreich, um Nils' Reise zu verfolgen und sich zu orientieren und die Illustrationen von Bertil Lybeck sind ganz zauberhaft.
Wie ich oben schon erwähnt habe, hat es den Anschein, als hätte die Autorin kürzen (oder sich beim Schreiben beeilen) müssen, da sie am Ende nur so durch die verbleibenden Landschaften hindurchfegt. Daher ist dieser beachtliche Wälzer auf eine gewisse Weise sogar noch zu kurz - ich hätte mir durchaus gewünscht, auch den Westen von Schweden ausgiebig kennenzulernen.
Dennoch ist der Roman in sich eine runde Sache mit einem bittersüßen Ende, in dem trotz des guten Ausgangs ein erstaunlich melancholischer Unterton mitschwingt.
 
"Nils Holgersson" ist kein Buch, das mich pausenlos gefesselt hat, aber trotzdem hat mir diese Reise sehr viel Freude bereitet. Und der große Vorteil zur Fernsehserie: kein nerviger Hamster!

Sonntag, 18. Oktober 2015

John Steinbeck - Die Straße der Ölsardinen

ungekürztes Hörbuch (5 h 36 min)
gelesen von Ulrich Matthes
erschienen bei Der Hörverlag

woher: Audible

Hörbuch-Challenge
Nobelpreis-Challenge


John Steinbeck erzählt in diesem kurzen Roman von den buntgemischten Bewohnern der Cannery Row im kalifornischen Städtchen Monterey: von dem Ladenbesitzer Lee Chong über die leichten Mädchen in Doras Etablissement bis hin zum Meeresbiologen Doc, der im Western Biological forscht. Und dann sind da noch der Nichtsnutz Mac und seine Freunde, die es sich in den Kopf gesetzt haben, für Doc eine große Party zu veranstalten.

"Die Straße der Ölsardinen" ist ein ganz anderes Buch als Jenseits von Eden - keine groß angelegte Familiensaga, sondern gewissermaßen eine Momentaufnahme der Cannery Row, die in kleineren und größeren Episoden von den Menschen dort erzählt. Diese Menschen bilden das Herz der Geschichte und zeigen, was für ein Meister der Figurenzeichnung John Steinbeck ist. Er braucht keine hunderte von Seiten, um seine Figuren zum Leben zu erwecken: Bereits nach ein paar Absätzen hat er sie jeweils so gut charakterisiert, dass sie mir ans Herz gewachsen sind.
Und wenn einem das Schicksal der Figuren nahe geht, braucht es noch nicht einmal einen epischen Plot, um Spannung zu erzeugen. Ich habe mit den Menschen der Cannery Row selbst mitgefiebert, wenn es nur um kleine alltägliche Sorgen ging oder etwa um die Frage, ob die Überraschungsparty für Doc gelingen wird.

Dabei sind Steinbecks Figuren beileibe keine Heiligen. Mac etwa ist im Grunde ein Gauner; er schummelt sich durchs Leben und rettet sich mit unglaublichem Einfallsreichtum noch aus den schwierigsten Situationen. Seine Mitmenschen bleiben da gern mal auf der Strecke und doch konnte ich ihm nie wirklich böse sein. Er ist auf seine Weise einfach liebenswert und ich konnte auch nicht umhin, sein Talent sich überall herauszureden zu bewundern. 
In Mac und seinen "Jungs" zeigt sich zugleich auch das tragikomische Element des Romans, wenn sie mit bester Absicht einen riesengroßen Blödsinn machen und - zumindest kurzfristig - auf eine Weise unter den Folgen leiden, die mir wirklich zu Herzen ging.

Alles in allem ist der Grundton in "Die Straße der Ölsardinen" aber eher heiter, auch wenn es zwischendurch ernste und auch traurige Szenen gibt. Dieser heitere Ton und der sehr warmherzige Blick auf die Figuren machen den Roman tatsächlich zu einer Art Wohlfühl-Lektüre. Es macht einfach unglaublich Spaß, die Geschehnisse in der Cannery Row mitzuerleben und von mir aus hätte der Roman gern deutlich länger sein können.
Der schöne, schlichte Schreibstil von John Steinbeck und sein scharfer Blick für kleine Details trägt natürlich auch einiges zum Lesevergnügen bei.
Und schließlich ist auch Ulrich Matthes' Lesung ein echter Genuss. Ich hatte das Gefühl, dass er mit seiner Stimme den Charakter der Figuren wirklich gut einfängt und auch die humorvollen Stellen sehr gelungen transportiert.

Was bleibt mir am Ende dieser Lobeshymne noch zu sagen außer: Lest (oder hört) dieses kleine Juwel! Und wenn ihr etwas mehr Zeit habt, dann greift am besten auch gleich noch zu Jenseits von Eden.

Samstag, 17. Oktober 2015

Buchstabengeplauder #41

Zuerst mal das wichtigste, damit die häufigste Suchanfrage auf meinem Blog endlich beantwortet wird:

Nach 6 langen Jahren ist im Oktober der 3. Band von Robert Harris' Cicero-Trilogie sowohl auf Englisch als auch in der deutschen Übersetzung unter dem Titel Dictator erschienen. Das kam für mich ziemlich unerwartet, da ich erst im Sommer nach Informationen zum 3. Band gesucht und damals noch keine Ankündigung gefunden habe. Dementsprechend gespannt bin ich jetzt darauf und hoffe, dass ich ihn bald in der Bücherei erwischen werde.

Lebensgeplauder

Und nun das zweitwichtigste: Wochenende! :-) Die letzte Woche war ziemlich anstrengend, da ich irgendwie tausend Dinge zu erledigen hatte und ich auch ein wenig das Gefühl habe, dass ich ganz überfrachtet bin von all dem neuen Wissen, das mir in den letzten drei Wochen vermittelt wurde. Nun folgt aber nur noch ein Kurstag am Montag und dann wird es mal ein wenig ruhiger, ehe es dann im November wieder so richtig losgeht mit dem nächsten Kursblock und allerlei Prüfungen.

Immerhin habe ich aber letzte Woche auch einen Kinobesuch untergebracht und mir Der Marsianer angesehen. Als ich im Frühling den Roman von Andy Weir gelesen habe, war ich davon nicht ganz überzeugt und habe sogar die Hoffnung geäußert, dass mir in diesem Fall die Verfilmung besser gefallen könnte. Und ja, die Hoffnung hat sich erfüllt. Mir hat der Film sehr gut gefallen und vor allem Matt Damon als Mark Watney hat mich voll und ganz überzeugt. Der Charakter war mir im Film, wo man nicht immer nur sein flapsiges Logbuch liest, sondern auch mal von außen seine Angst, seine Verzweiflung und seine Wut miterlebt, viel sympathischer. Natürlich ist es eher ein Actionfilm und keine differenzierte Charakterstudie und er enthält auch so einige typische Hollywood-Elemente, aber ich fand ihn durchaus gelungen. Dazu gibt es fantastische Bilder und eine gehörige Portion Humor.
Worunter der Film (neben mangelndem Realismus in einigen Szenen) vielleicht etwas leidet, ist die Notwendigkeit zur Verkürzung. Einerseits fand ich es angenehm, nicht ständig alles im Detail von Mark erklärt zu bekommen, aber andererseits wird dadurch manchmal nicht mehr genau klar, was genau Mark da eigentlich macht und wie er auf diese Lösungen kommt. Anders ist es aber wohl in einem Film, der ohnehin schon gut 2 Stunden dauert, wohl nicht machbar. 
Wer Science Fiction dieser Art mag und schon in Apollo 13 Freude an der Tüftelei und Bastelei rund um den Adapter hatte, sollte sich Der Marsianer auf alle Fälle nicht entgehen lassen.

Lesegeplauder

Nachdem ich bereits mehr als die Hälfte davon gelesen habe, habe ich nun Steinfrühling abgebrochen. Ich fand den Roman nicht ganz schlecht, aber ich wurde mit den Figuren nicht wirklich warm und habe mich über so einige Logiklücken im Weltenbau geärgert. Als dann auch noch ein Sprung von 15 Jahren kam, hatte ich einfach kein Interesse mehr an den weiteren Geschehnissen.
Schade drum, aber ich hatte das ebook ja zum Glück nur ausgeliehen. 

Mal sehen, zu welchem Buch ich nun stattdessen greife. Seit dem letzten Wochenende bin ich ohnehin kaum zum Lesen gekommen und stürze mich meist mehr auf mein Hörbuch, das ich aber trotzdem nicht mehr rechtzeitig zu Ende hören kann. Die eAudios kann man nämlich nur für eine Woche (!) ausleihen, was ich für einen absoluten Witz halte. Wer kann sich bitte ein Hörbuch von 10 oder mehr Stunden in einer Woche anhören? 
Ich habe jetzt einfach mal den Titel vorbestellt, damit ich ihn nach meiner "Rückgabe" gleich wieder beziehen kann, aber die ideale Lösung ist das ja nun auch nicht (was, wenn vor mir schon drei andere den Titel vorgemerkt hätten?). Auch sonst klappt das mit dem Streaming über die Onleihe-App auf meinem Handy nicht so ganz reibungslos, also werde ich das eAudio-Angebot vermutlich in Zukunft nicht unbedingt häufig nutzen. 

Da ich dieses Wochenende soviel zu erledigen habe und morgen auch arbeiten muss, habe ich mich dieses Mal nicht zum Herbstlesen gemeldet. Vielleicht bringe ich aber jetzt am Abend doch noch das eine oder andere gemütliche Lesestündchen unter. :-)

Ich wünsche euch noch ein schönes Restwochenende!

Dienstag, 13. Oktober 2015

Yrsa Sigurðardóttir - Das letzte Ritual

Band 1 der Serie um Dóra Guðmundsdóttir

ungekürztes Hörbuch (11 h 12 min)
gelesen von Christiane Marx
erschienen bei Argon Hörbuch

 woher: Audible

Hörbuch-Challenge


Die Anwältin Dóra Guðmundsdóttir wird von einem deutschen Ehepaar beauftragt, den Fall um die Ermordung ihres Sohnes noch einmal aufzurollen. Der Geschichtsstudent wurde in der Universität Reykjavík gefunden und ein Drogendealer als vermeintlicher Täter bereits festgenommen, aber die Eltern haben Zweifel an den polizeilichen Ermittlungen. Es scheint, als hätte der Tod von Harald viel mehr etwas mit alten Hexenkulten zu tun, mit denen der Student sich beschäftigt hatte. Gemeinsam mit Matthias Reich, einem Vertrauten der Familie, beginnt Dóra zu ermitteln.

Krimis und ich - das ist so eine seltsame Sache. Ich lese (oder höre) sie immer wieder gern, finde sie meistens ganz nett, bin aber nur selten wirklich davon überzeugt. Genauso ging es mir auch mit dem Roman der Isländerin Yrsa Sigurðardóttir. Was mir gefallen hat, das ist der eher lockere Grundton. In letzter Zeit haben für mein Empfinden die schwermütigen Ermittler etwas Überhand genommen und auch, wenn ich dagegen nicht prinzipiell etwas habe, möchte ich doch nicht immer eine so bedrückende Stimmung haben.
Für den eher heiteren Ton sorgen vor allem Dóra und Matthias mit ihren Plänkeleien. Leider kam mir der Schlagabtausch mitunter etwas bemüht vor und beide waren mir nicht allzu sympathisch. Dóra kam mir ziemlich selbstgerecht und für eine Anwältin erschreckend unwissend - manchmal fast unprofessionell - vor, während Matthias auf eine beißende Weise arrogant ist, die ich nun wirklich nicht mehr charmant fand. Ich hatte auch nicht unbedingt den Eindruck, dass zwischen den beiden die Funken gesprüht haben, auch wenn die Autorin das anscheinend so darstellen wollte.

Die Probleme rund um Dóras Familie fand ich - gemessen daran, dass das sonst in Krimis nicht so mein Fall ist - recht interessant, auch wenn mich die Umsetzung nicht gänzlich überzeugt hat. Das "Geheimnis" um ihren halbwüchsigen Sohn ist so offensichtlich, dass ich mich gefragt habe, wie eine Mutter da so blind sein kann. Auch der Umgang damit wurde dann etwas lieblos abgehandelt. Ich bin der Meinung, dass man solche Familienkonflikte entweder vernünftig behandeln oder sie gleich bleiben lassen soll, wenn man ihn nicht zuviel Raum geben möchte. So war das nichts ganzes und nichts halbes.

Den Kriminalfall an sich fand ich dagegen sehr gelungen. Die Autorin steigt hier recht tief in das Thema um Hexenverfolgungen und die Entstehung des Hexenhammers ein. Dabei nähert sie sich der Thematik auf etwas ungewöhnlichere Weise und scheint auch sehr sorgfältig recherchiert zu haben. Es erfordert etwas Konzentration, all den Hintergründen zu folgen und die Namen zu jonglieren, wobei ich hier den Vorteil hatte, dass manches für mich nicht ganz neu war.
Die Auflösung war vielleicht nicht ganz überraschend, aber eine runde Sache und auch nicht so, dass ich schon zu früh alles geahnt hätte.

Alles in allem ein solider Krimi, bei dem mich das Ermittlerduo leider ein wenig genervt hat. Trotzdem höre ich gerade einen weiteren Krimi aus dieser Reihe, wurde also von den beiden nicht nachhaltig abgeschreckt.
Die Lesung von Christiane Marx fand ich in Ordnung, wobei Dóra und Matthias vielleicht bei ihr sogar arroganter klingen als es im Text angelegt ist.

Sonntag, 11. Oktober 2015

[Winterkatzes Herbstlesen] 11. Oktober

Guten Morgen! 
Ich war eben schon in klirrender Kälte unterwegs, um meine Pflicht zu tun und zu wählen. Nun kann ich nur noch abwarten und hoffen, dass es keine Katastrophe gibt.
Auf dem Heimweg habe ich gleich noch Gebäck gekauft, wenn auch nur bei der Tankstelle, da bei mir in der Nähe leider nirgends ein Bäcker ist. Bei mir ist also jetzt erst einmal frückstücken angesagt, wobei ich daneben noch nicht zu einem Buch greifen, sondern die neue Folge Doctor Who schauen werde. Ich bin ja sehr gespannt, wie es nach letzter Woche weitergeht!
Ich wünsche euch allen einen guten Start in den Sonntag!


Update um 14:00

Bisher habe ich zwar nichts gelesen, aber weiter Hörbuch gehört und gehäkelt (aktuell: Ahornblätter). So ganz überzeugt bin ich von der Streaming-Variante der Onleihe noch nicht. Heute gings zwar großteils ohne Aussetzer, aber dafür scheint das Speichern des aktuellen Stands nicht immer zu klappen, wenn man dazwischen pausiert. Ich denke, ich greife dann doch lieber wieder auf Audible und zur Überbrückung, falls mir dazwischen das Guthaben ausgeht (was eh selten passiert) auf CDs aus der Bücherei zurück.
Das gefrorene Licht, mein aktuelles Hörbuch, ist bislang ganz nett. Nicht umwerfend und mitunter etwas gruselig, aber alles in allem finde ich es nicht so schlecht.
Alles andere als schlecht war außerdem die Folge Doctor Who - nicht ganz so gut vielleicht wie der erste Teil vorige Woche, aber das mag auch daran liegen, dass es nun beim 2. Teil ziemlich stark um Zeitreise-Kram ging, was leider selten ohne Logiklöcher funktioniert.
Jetzt werde ich mich wohl mal für eine Weile in Nils Holgersson vertiefen und dann endlich den Herbst bei mir in der Wohnung einziehen lassen (derzeit kugeln meine diversen Dekoelemente noch planlos herum).


Update um 19:00

Ich bin am Nachmittag nicht wirklich zum Lesen gekommen. Stattdessen habe ich mein Zimmer herbstlich dekoriert, Gemüselasagne gekocht und mir Sorgen wegen der Wahl gemacht. Inzwischen gibts aber die ersten Hochrechnungen und das Ergebnis ist deutlich besser als vorher die Umfragen vermuten hätten lassen. Jetzt bin ich erleichtert und kann mich nun auch einigermaßen beruhigt und entspannt mit einem Buch aufs Sofa verkriechen. Und ich kann euch ja noch das Ergebnis meines Herumdekorierens zeigen:


Für die Blumenträußchen habe ich mich ein wenig bei meinen Balkonpflanzen bedient und für die Ahornblätter ist mal wieder meine alte, zerfledderte Reclam-Ausgabe von Effi Briest, die ich mal vom Flohmarkt mitgenommen habe, zum Einsatz gekommen. Ein paar gehäkelte Herbstblätter habe ich jetzt hier noch rumliegen und weiß nicht, wo ich die nun eigentlich hingeben soll, da sie eigentlich nirgends dazupassen. ;-)
Na, mal sehen. Jetzt schnapp ich mir aber wirklich endlich Nils Holgersson. Bis später!


Update um 23:30

Hilfe, wieso ist es denn schon wieder so spät? Ich sollte doch längst schon im Bett liegen. *seufz*
Ich habe heute Abend dann doch noch ein bisschen was bei Nils Holgersson geschafft und auch bei Steinfrühling habe ich ein wenig weitergelesen.
Insgesamt war das Wochenende eher hörbuchlastig und ich hatte auch noch so einiges um die Ohren.  Deshalb habe ich doch nicht so viel Zeit zum Lesen gefunden, wie ich mir das gewünscht hätte. Trotzdem hat es Spaß gemacht und ich habe mich gefreut, das Wochenende quasi mit euch zusammen hinter Büchern zu verbringen und mich mit euch in den Kommentaren auszutauschen.

Habt noch einen schönen Abend und: Gute Nacht!

Samstag, 10. Oktober 2015

[Winterkatzes Herbstlesen] 10. Oktober

Wochenende! Und noch dazu keine Dienste! Hach, darauf habe ich mich schon so gefreut und auch gleich mal gemütlich ausgeschlafen. :-)

Vorgenommen habe ich mir allerdings so einiges: Ich muss unbedingt den Stoff der letzten zwei Wochen wiederholen, ich sollte die Wohnung putzen und ich möchte sie endlich herbstlich dekorieren. Vor allem aber möchte ich an Winterkatzes Herbstlesen teilnehmen. Schade nur, dass es draußen kalt und grau ist und ich dieses Mal sicher keine Lesestunden auf dem Balkon verbringen kann. Letztes Wochenende, als ich arbeiten musste, war es natürlich sonnig und warm ...

Folgende Bücher liegen heute bei mir bereit:


Mein Langzeit-Wegbegleiter Nils Holgersson, weiters Steinfrühlung aus der Onleihe auf meinem ebook-Reader und die Häkelarbeit ist sozusagen stellvertretend für mein aktuelles Hörbuch: Die Straße der Ölsardinen. Mit letzterem werde ich heute bestimmt fertig, da mir nur noch 25 Minuten fehlen.
Jetzt werde ich aber erst einmal opulent und gemütlich frühstücken und schauen, wer sonst schon herbstlesend unterwegs ist.


Update um 16:00

Ich war bisher einigermaßen fleißig und habe die Wohnung geputzt, nur die Küche fehlt noch.
Gelesen habe ich auch schon, aber nicht wirklich zum Vergnügen - ich habe begonnen, mich durch den Stapel Skripten der letzten zwei Wochen zu arbeiten.
Immerhin habe ich aber auch Die Straße der Ölsardinen zu Ende gehört, das mir sehr, sehr gut gefallen hat. Da ich noch einige Häkelvorhaben dieses Wochenende habe, bin ich nun auf der Suche nach einem neuen Hörbuch. Vielleicht probiere ich auch mal aus, ob die Hörbücher der Onleihe inzwischen tatsächlich per Android-App gehört werden können (was angeblich seit kurzem der Fall ist). Bislang liefen die Hörbücher nur auf Windows oder mittels Streaming auf iPhone/iPad - da bin ich als Mac-Userin mit einem Android-Smartphone bisher immer außen vor geblieben. %-)
Ansonsten bin ich nun mal gespannt, wie euer Samstag bis jetzt so war und werde also gleich noch eine kleine Blogrunde drehen.


Update um 21:00

Ich habe dann am Nachmittag mal die eAudios der Onleihe durchsucht, was insofern etwas mühsam war, weil dort nicht angegeben wird, ob die gekürzt oder ungekürzt sind. Also immer erst mal anderswo recherchieren und viele der verfügbaren, die mich interessiert hätten, waren leider gekürzt. Letztendlich habe ich mich dann für Das gefrorene Licht von Yrsa Sigurðardóttir entschieden. Erst vor kurzem habe ich von ihr Das letzte Ritual gehört, das mich zwar nicht begeistert hat, alles in allem aber doch ganz nett war.
Was nun das Streaming über Android betrifft, hat es am Anfang gleich mal perfekt funktioniert, aber nach einer Weile gabs dann immer wieder mal Aussetzer, die wohl an der Onleihe-App lagen. Ich hoffe, dass sich die nicht häufen.
Immerhin konnte ich aber schon mal meine Häkelarbeit beenden, die ich euch unten abfotografiert habe. Weitere Updates wird es von mir heute nicht mehr geben. Ich werde wohl noch ein wenig weiterhören, lesen und eure Blogs besuchen und melde mich dann morgen wieder.

Ich wünsche euch einen schönen Abend und noch ein gemütliches Lesen! 

Anleitung

Donnerstag, 8. Oktober 2015

Literaturnobelpreis 2015 für Swetlana Alexijewitsch

Der Literaturnobelpreis 2015 geht an die weißrussische Schriftstellerin und Journalistin Swetlana Alexijewitsch, die in den letzten Wochen bereits in aller Munde war, da sie bei den Wettbüros ganz vorne lag.
Mir selbst ist sie erst aus den Diskussionen um die mögliche diesjährige Preisträgerin ein Begriff - wobei ich in den letzten Jahren ohnehin nur selten die Preisträger kannte. Ich finde es aber auch schön, wenn eher unbekannte Literaten auf diese Weise in den Fokus rücken. Etwas skeptisch macht es mich allenfalls, wenn die Entscheidung der Schwedischen Akademie recht politisch motiviert wirkt, da bei so einem Preis doch eindeutig die literarische Leistung im Vordergrund stehen sollte.

Allerdings kann ich nicht im geringsten beurteilen, wie weit eine solche politische Motivation nun dieses Jahr der Fall sein könnte, da ich noch nichts von Swetlana Alexijewitsch gelesen habe. Ich werde auf jeden Fall bald eins ihrer Bücher lesen, wobei ich mir noch nicht sicher bin, welches. Interessant klingen alle.

Wer ist aber nun Swetlana Alexijewitsch? Sie wurde 1948 im heutigen Iwano-Frankiwsk geboren und verbrachte ihre Kindheit in Weißrussland. In Minsk studierte sie Journalistik und arbeitete danach als Lehrerin und Reporterin. Ihre Veröffentlichungen umfassen hauptsächlich Essays und literarische Reportagen über den Zweiten Weltkrieg, Tschernobyl und Afghanistan, die ihr einige Probleme mit der Regierung eingebracht haben. Ihre erste Buchveröffentlichung war 1983 Der Krieg hat kein weibliches Gesicht über sowjetische Soldatinnen im Zweiten Weltkrieg.
Sie wurde bereits mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, etwa mit dem Tucholsky-Preis 1996 und dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 2013 (alleine daher hätte mir ihr Name ein Begriff sein müssen, aber nun ja ... ich hatte noch nie das beste Namensgedächtnis). 

Ein ausführliches Porträt der Autorin gibt es etwa in der FAZ.

Seid ihr überrascht über die diesjährige Preisträgerin? Sagt euch der Name Swetlana Alexijewitsch etwas und habt ihr vielleicht sogar schon etwas von ihr gelesen? Falls ja: Was und wie hat euch das gefallen? Könnt ihr mir etwas empfehlen?



Mittwoch, 7. Oktober 2015

10 Wünsche für den Sommer - ein Rückblick

Anfang Juli habe ich mir wie auch einige andere Blogger 10 Wünsche für den Sommer überlegt. Nun, da es deutlich herbstelt und der Sommer schon seit einer Weile vorbei ist, wird es höchste Zeit, eine kleine Bilanz zu ziehen:

1. Den Höhenrausch in Linz besuchen
Dieses Jahr haben meine Mutter und ich es wieder zum Höhenrausch über den Dächern von Linz geschafft. Das Thema 2015 war (bzw. ist, denn bis 18. Oktober ist der Höhenrausch noch geöffnet) "Das Geheimnis der Vögel". Im Gebäude gab es dazu wieder allerlei Installationen und Kunstprojekte; auf den Dächern gab es neben dem üblichen Höhenrundweg ein "Vogelkino" mit Szenen aus allerlei Filmen, in denen Vögel eine Rolle spielen, ein Karussell auf dem Dach und eine Sammlung vieler Vogelhäuschen aus ganz Oberösterreich. Leider meinte es das Wetter nicht so gut mit uns - es war nasskalt und grau. Trotzdem war es sehr nett und wir sind dann auch noch gemütlich durch die Stadt gebummelt. Bessere fotografische Eindrücke vom diesjährigen Höhenrausch findet man auf der Webseite.



2. In der Neuen Donau schwimmen gehen
Auch diesen Wunsch habe ich erfüllt. Ich habe nicht nur einige sehr gemütliche Stunden auf der Donauinsel verbracht, wo ich in der Neuen Donau baden war, sondern war auch in der Donau selbst schwimmen im wunderschönen Strombad Kritzendorf.


3. Den Sternenhimmel beobachten
Nun ja, das war eher eine halbe Sache. Ich wollte die Perseiden beobachten, habe es aber in der Nacht nicht aus der Stadt raus geschafft und konnte daher nicht besonders viele Sterne sehen (immerhin aber zwei Sternschnuppen).

4. Meine Taufpatin und/oder Freunde in Deutschland besuchen
Hier kann ich gleich beides abhaken. Meine Mutter und ich haben meine Taufpatin besucht und bei der Gelegenheit habe ich in München auch gleich noch zwei Freunde aus Deutschland getroffen. Beide Wiedersehen waren sehr schön.

5. Einen Ausflug mit meiner Schreibgruppe machen
Das ist auch so eine halbe Sache. Leider haben wir es nie geschafft, einen Ausflug zu viert zu machen, da wir unsere Termine und Urlaube nicht recht unter einen Hut gebracht haben. Immerhin war ich aber mit einer Freundin aus der Gruppe einmal in Salzburg und einmal in Hallein.

6. Ins Pratermuseum gehen
Das hat diesen Sommer endlich geklappt - und aus reinem Zufall war ich sogar an einem Tag dort, an dem der Eintritt gratis war. Ein sehr skurriles, aber auch spannendes Museum, das auf kleinem Raum eine ganze Menge interessanter Informationen, Ausstellungsstücke und Bilder bietet.


7. 20 Bänder/Anhänger knüpfen/aus Perlen basteln
Fast. 18 Stück sind es geworden. Unten auf dem Foto seht ihr eine kleine Auswahl davon.


8. Eine neue Charaktervorstellung posten
Hier habe ich leider gänzlich versagt. Dabei hätte ich mit der entsprechenden Charaktervorstellung schon begonnen, aber ich möchte sie gern gemeinsam mit dem Porträt dazu posten und das ist immer noch nicht fertig ... zumindest kann ich euch hier aber mal einen kleinen work in progress zeigen (inzwischen bin ich auch schon deutlich weiter - es fehlt im Grunde nur noch die Kleidung):



9. Mit meiner jüngeren Nichte Eisessen gehen
Daraus wurde leider auch nichts. Wenn ich im Sommer bei meiner Familie war, dann war immer entweder eine Familienfeier oder meine Nichte nicht da oder es ist sonst etwas dazwischen gekommen.

10. Ein Sommerbuch lesen
Hier würden thematisch zwei passen, aber ich möchte hier in erster Linie Amy & Roger's Epic Detour nennen. Diesen Roman habe ich gerade erst im vorigen Sommer gelesen und habe dieses Jahr dann so lange ein ähnliches Buch gesucht, bis mir bewusst wurde, dass ich eigentlich am liebsten genau dieses noch einmal lesen möchte. Ich habe es innerhalb von zwei Tagen verschlungen und sogar bis spät in die Nacht hinein gelesen - als ob ich nicht noch genau gewusst hätte, wie sich der Plot entwickeln würde.


Somit konnte ich mir also 5 Wünsche ganz erfüllen und 3 zumindest annähernd. Das ist ja keine so schlechte Bilanz, wie ich finde. Auf jeden Fall war es schön, mir diese Dinge für den Sommer vorzunehmen. Ich bin mir sicher, dass ich vieles ohne diesen kleinen "Druck" dahinter nicht unternommen hätte. Das ist einerseits vielleicht schade, aber andererseits ist es ja auch schön, wenn man durch eine solche Liste einiges macht, das sonst vielleicht einfach wieder in Vergessenheit geraten wäre.

Und wie war euer Sommer? Falls ihr euch - unabhängig ob auf dem Blog oder einfach nur für euch privat - etwas vorgenommen habt: Konntet ihr all eure Vorhaben unterbringen?

Sonntag, 4. Oktober 2015

Buchstabengeplauder #40

Meine erste Lehrgangswoche ist vorbei und ich bin bislang sehr glücklich damit. Der Einstieg war noch recht entspannt, da ging es erst mal darum, dass wir uns alle kennenlernen und in der neuen Situation "ankommen", aber auch als es dann an fachliches Wissen ging, war das bisher sehr interessant. Natürlich ist es auch anstrengend - ich bin nicht mehr daran gewöhnt, jeden Tag stundenlang mit Informationen überflutet zu werden (und auch nicht daran, so früh aufstehen zu müssen). Dass ich teilweise danach am Abend und auch an den Wochenenden arbeiten muss, macht die Sache nicht unbedingt einfacher. 
Trotzdem habe ich gerade das Gefühl, allgemein viel motivierter zu sein und meine Freizeit besser zu nutzen als vorher. Das bestätigt meine Vermutung, dass ich produktiver bin, wenn ich auch tagsüber geistig mehr gefordert bin und mich mein bisheriger Job in der Hinsicht eher gelähmt hat.
Wie es mir dann aber mit dem Lernen und den Prüfungen gehen wird, kann ich momentan noch nicht gut abschätzen. Auch das wird sich zeigen.

Da ich die letzte Woche also weniger im Internet versumpft bin als sonst, bin ich trotz spärlicher Freizeit ganz gut zum Lesen und Bloggen gekommen. Ich habe Bölls Irisches Tagebuch ausgelesen und bereits rezensiert, außerdem endlich meine Rezension zu dem Veronica Mars-Krimi geschrieben und heute Morgen im Bett A Natural History of Dragons ausgelesen. Nach diesem buchigen Start in den Tag habe ich überlegt, heute an Winterkatzes Herbstlesen teilzunehmen, aber nach dem Frühstück musste ich erst einmal dringend die aktuelle Folge von Doctor Who anschauen (die ich übrigens grandios fand!) und jetzt habe ich auch noch einiges zu erledigen, ehe ich dann in die Arbeit muss.
Aber nächstes Wochenende werde ich voraussichtlich mit dabei sein.

Auch am Balkon habe ich wieder gewerkelt: Mit Chrysanthemen und Besenheide sind nun einige Herbstpflanzen bei mir eingezogen und ich habe gestern Unmengen von Basilikum für Pesto geerntet.



Bei all dieser Herbstelei wird es nun wirklich Zeit, dass ich ein Fazit zu meinen Sommerwünschen schreibe - ich hoffe, dass ich nächste Woche dazukommen werde.

Ich wünsche euch einen schönen Sonntag heute - ob herbstlesend oder nicht! :-)

Samstag, 3. Oktober 2015

Heinrich Böll - Irisches Tagebuch


erschienen bei Kiepenheuer&Witsch
(Sonderausgabe mit Materialien, Fotos und Nachwort)

woher: Städtische Bücherei

Nobelpreischallenge



Heinrich Böll, 1917 in Köln geboren, erhielt 1972 den Nobelpreis für Literatur. Er schrieb zahlreiche Kurzgeschichten und Romane und hielt sich in den 1950er Jahren häufig während der Sommermonate in Irland auf. Aus seinen Eindrücken dieser Reisen entstand eine Sammlung von halbdokumentarischen Texten, das 1957 erstmals erschienene "Irische Tagebuch".
 
Ich hatte bisher nur sehr wenig Berührungen mit Heinrich Böll. In der Schule haben wir einige Kurzgeschichten von ihm interpretiert, was nicht unbedingt zu meinen Leidenschaften gehörte, und im Studium stand er tatsächlich nie auf meinen verpflichtenden Leselisten. Nun ist mir in der Bücherei, auf der Suche nach der nächsten Lektüre für meine Nobelpreischallenge, das "Irische Tagebuch" in die Hände gefallen und ich frage mich, weshalb ich um diesen Autor immer so skeptisch herumgeschlichen bin. Zumindest seine Texte über Irland haben mich ganz und gar überzeugt.
Es handelt sich dabei nicht wirklich um ein Tagebuch; mehr um eine Mischung aus Stimmungsbildern, Charakterporträts und persönlichen Reiseberichten. Der Großteil dieser Texte ist vorher bereits in der FAZ erschienen und später dann in eine zusammenhängende Komposition gebracht worden.
 
Die Texte sind keine reine Sachliteratur, sondern zum Teil fiktiv. Sie basieren auf Bölls Erfahrungen und beschreiben einige seiner Erlebnisse in Irland, haben aber zweifellos einen eher poetisch-literarischen Anspruch als einen journalistischen. Das merkt man auch an der Sprache: Wie Heinrich Böll hier ein verlassenes Dorf beschreibt, sich in die Perspektive einer Arztfrau hineinversetzt oder einige skurrile kleine Situationen skizziert, hat wirklich etwas von Poesie. Jeder Satz ist ein kleines Juwel für sich und es lohnt sich, manche Passagen mehrmals zu lesen. Gleichzeitig hat Bölls Stil aber nichts erzwungenes oder gekünsteltes, sondern fließt scheinbar mühelos dahin.
Bölls Blick auf Irland in den 50er Jahren wirkt sanft und liebevoll, aber es wird dennoch klar, dass er kein idyllisches Paradies beschreibt. Auf jeden Fall ließ er das Land und seine Bewohner der damaligen Zeit sehr lebhaft vor meinen Augen entstehen.
 
Die Ausgabe, die ich gelesen habe, ist insofern sehr interessant, weil sie eine Reihe von Zusatzmaterial enthält: Fotos, Briefe, Informationen über Heinrich Bölls Irland-Aufenthalte sowie die Publikation seiner Irland-Impressionen und den Essay "Dreizehn Jahre später", in dem Böll auf seine Texte zurückblickt und über die großen Veränderungen in Irland seither nachdenkt.
 
"Irisches Tagebuch" ist ein wunderbares Büchlein über Irland vor etwas mehr als einem halben Jahrhundert und auch stilistisch ein wahrer Schatz. Das wird bestimmt nicht das letzte Werk sein, das ich von Heinrich Böll gelesen habe.