Dienstag, 13. Oktober 2015

Yrsa Sigurðardóttir - Das letzte Ritual

Band 1 der Serie um Dóra Guðmundsdóttir

ungekürztes Hörbuch (11 h 12 min)
gelesen von Christiane Marx
erschienen bei Argon Hörbuch

 woher: Audible

Hörbuch-Challenge


Die Anwältin Dóra Guðmundsdóttir wird von einem deutschen Ehepaar beauftragt, den Fall um die Ermordung ihres Sohnes noch einmal aufzurollen. Der Geschichtsstudent wurde in der Universität Reykjavík gefunden und ein Drogendealer als vermeintlicher Täter bereits festgenommen, aber die Eltern haben Zweifel an den polizeilichen Ermittlungen. Es scheint, als hätte der Tod von Harald viel mehr etwas mit alten Hexenkulten zu tun, mit denen der Student sich beschäftigt hatte. Gemeinsam mit Matthias Reich, einem Vertrauten der Familie, beginnt Dóra zu ermitteln.

Krimis und ich - das ist so eine seltsame Sache. Ich lese (oder höre) sie immer wieder gern, finde sie meistens ganz nett, bin aber nur selten wirklich davon überzeugt. Genauso ging es mir auch mit dem Roman der Isländerin Yrsa Sigurðardóttir. Was mir gefallen hat, das ist der eher lockere Grundton. In letzter Zeit haben für mein Empfinden die schwermütigen Ermittler etwas Überhand genommen und auch, wenn ich dagegen nicht prinzipiell etwas habe, möchte ich doch nicht immer eine so bedrückende Stimmung haben.
Für den eher heiteren Ton sorgen vor allem Dóra und Matthias mit ihren Plänkeleien. Leider kam mir der Schlagabtausch mitunter etwas bemüht vor und beide waren mir nicht allzu sympathisch. Dóra kam mir ziemlich selbstgerecht und für eine Anwältin erschreckend unwissend - manchmal fast unprofessionell - vor, während Matthias auf eine beißende Weise arrogant ist, die ich nun wirklich nicht mehr charmant fand. Ich hatte auch nicht unbedingt den Eindruck, dass zwischen den beiden die Funken gesprüht haben, auch wenn die Autorin das anscheinend so darstellen wollte.

Die Probleme rund um Dóras Familie fand ich - gemessen daran, dass das sonst in Krimis nicht so mein Fall ist - recht interessant, auch wenn mich die Umsetzung nicht gänzlich überzeugt hat. Das "Geheimnis" um ihren halbwüchsigen Sohn ist so offensichtlich, dass ich mich gefragt habe, wie eine Mutter da so blind sein kann. Auch der Umgang damit wurde dann etwas lieblos abgehandelt. Ich bin der Meinung, dass man solche Familienkonflikte entweder vernünftig behandeln oder sie gleich bleiben lassen soll, wenn man ihn nicht zuviel Raum geben möchte. So war das nichts ganzes und nichts halbes.

Den Kriminalfall an sich fand ich dagegen sehr gelungen. Die Autorin steigt hier recht tief in das Thema um Hexenverfolgungen und die Entstehung des Hexenhammers ein. Dabei nähert sie sich der Thematik auf etwas ungewöhnlichere Weise und scheint auch sehr sorgfältig recherchiert zu haben. Es erfordert etwas Konzentration, all den Hintergründen zu folgen und die Namen zu jonglieren, wobei ich hier den Vorteil hatte, dass manches für mich nicht ganz neu war.
Die Auflösung war vielleicht nicht ganz überraschend, aber eine runde Sache und auch nicht so, dass ich schon zu früh alles geahnt hätte.

Alles in allem ein solider Krimi, bei dem mich das Ermittlerduo leider ein wenig genervt hat. Trotzdem höre ich gerade einen weiteren Krimi aus dieser Reihe, wurde also von den beiden nicht nachhaltig abgeschreckt.
Die Lesung von Christiane Marx fand ich in Ordnung, wobei Dóra und Matthias vielleicht bei ihr sogar arroganter klingen als es im Text angelegt ist.

Kommentare:

  1. "Krimis und ich - das ist so eine seltsame Sache. Ich lese (oder höre) sie immer wieder gern, finde sie meistens ganz nett, bin aber nur selten wirklich davon überzeugt." - Diese Situation kenne ich, oder fast, denn bei mir reicht die Liebe zum Krimi nur für das gelegentliche Hören/Lesen.
    Anfang des Jahres habe ich auch einen Dóra-Roman der Autorin als Hörbuch ausprobiert (Todesschiff) und war, vor allem wegen des Ausgangs, nicht überzeugt. Zwischendrin war es richtig gut, aber ähnlich wie dir gingen mir die Ermittlerszenen eher auf die Nerven, allerdings auch, weil sie die gruselig-spannenden Szenen auf dem Schiff unterbrachen. An die kann ich mich auch noch gut erinnern; von Dóra weiß ich dagegen fast nichts mehr. Fazit nach über 6 Monaten ist also auch: starker Fall, aber keine starke Protagonistin.

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    1. Interessant, dass dir die Ermittlerszenen auch eher auf die Nerven gegangen sind. Gerade bei einer Krimiserie ist sowas ein echtes Problem. Ich glaube auch, dass ich nach "Das gefrorene Licht" keine weiteren Teile mehr lesen/hören werde.

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