Samstag, 2. Juli 2016

J.K. Rowling - Fantastic Beasts and Where to Find Them


erschienen bei Bloomsbury Publishing

Ein Teil des Verkaufserlöses dieses Buches geht an die Hilfsorganisation Comic Relief


"Fantastic Beasts and Where to Find Them" ist ein fiktives Schulbuch aus der Harry Potter-Welt, in dem der Zauberer Newt Scamander eine ganze Reihe von phantastischen Wesen, von Acromantula bis Yeti, beschreibt.
Es finden sich darin sowohl Wesen, die man aus der Mythologie kennt (etwa Hippokampen und Basilisken) als auch ganz eigenständige Erfindungen. Manche kennt man bereits aus den Harry Potter-Bücher, manche sind aber auch ganz neu. 

Die Beschreibungen sind großteils kurzweilig und oft auch witzig zu lesen und ab und zu finden sich dazwischen auch Kommentare von Harry, Ron und Hermione.
Es handelt sich also um ein nettes, kleines Büchlein, an dem mich aber doch einige Aspekte gestört haben. Zum Einen sind die Kreaturen sehr auf den westlichen Kulturkreis konzentriert. Bei den Beschreibungen ist mir schnell aufgefallen, dass die meisten in Europa vorkommen, manchmal auch in Nordamerika, aber alle anderen Kontinente sind lediglich Ausnahmen. Auch der mythologische Einfluss beschränkt sich fast ganz auf das antike Griechenland und auf Nordeuropa - als eine seltene Ausnahme findet sich darin der japanische Kappa. Das fällt umso störender auf, wenn Newt schreibt: I have visited lairs, burrows and nests across five continents, observed the curious habits of magical beasts in a hundred countries (...)
Entweder übertreibt hier Newt also oder die anderen Kontinente sind tatsächlich so spärlich mit magischen Wesen besiedelt. Wie man es dreht und wendet: Das hier ist mal wieder ein perfektes Beispiel dafür, wie stark Fantasy auf Europa ausgerichtet ist und hier natürlich auch stark auf Mittel- und Nordeuropa. 

Noch dazu gilt das Buch als Standardwerk für Zauberschüler und so liest es sich meiner Meinung nach nicht. Ich erwarte keine detaillierte wissenschaftliche Abhandlung von einem Buch, das sich an junge Schüler richtet, aber die Beschreibungen sind großteils so knapp und selektiv, dass ich mir nur schwer vorstellen kann, wie so etwas (auch in einer magischen) Schule als Lehrbuch verwendet werden soll. Am gelungensten fand ich in der Hinsicht noch die Einleitung, in der Newt Scamander diskutiert, was überhaupt als "beast" gilt und wie sich der Begriff im Laufe der Zeit gewandelt hat.

Seltsam habe ich auch die ganz selten dazwischen gestreuten kleinen Zeichnungen gefunden, die aussehen, als hätte sie jemand mal eben in ein paar Minuten aufs Papier geworfen. So wie sie in den Text integriert worden sind, erwecken sie den Eindruck, als sollten sie von Newt Scamander sein, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass ein leidenschaftlicher Forscher solche oberfächlichen, ungenauen Skizzen in sein Buch integrieren würde.
Überhaupt finde ich, dass mehr und detailliertere Illustrationen das Buch sehr aufwerten würden. Dann könnte man sich auch viele der Wesen besser vorstellen, deren Erscheinungsbild oft nur sehr knapp beschrieben wird.

Das klingt jetzt, als würde ich an dem Buch kein gutes Haar lassen. Tatsächlich habe ich mir davon mehr versprochen. Zwar schimmert immer wieder einiges von Rowlings Phantasie und Humor durch, den man auch aus ihren Harry Potter-Romanen kennt, aber stellenweise habe ich das Buch etwas langweilig gefunden. Dazu kommt eben noch, dass so ausdrücklich darauf beharrt wird, was für ein Standardwerk das nun schon seit Jahrzehnten wäre, was sich mir aus den oben genannten Gründen nur schwer erschließt.
Vielleicht hätte mir das Buch besser gefallen, wenn ich mich nicht lange sehr intensiv mit Weltenbasteln beschäftigt hätte und dementsprechend in der Hinsicht auch anspruchsvoll bin und auf Stimmigkeit innerhalb eines fiktiven Universums sehr viel Wert lege. Die meisten treuen Fans werden wohl einfach froh sein, mehr aus der Welt von Harry Potter zu lesen zu bekommen und ich mag dem Büchlein auch nicht absprechen, dass darin einige wirklich sehr nette Ideen stecken.

Darüber hinaus ist es natürlich sehr erfreulich und erwähnenswert, dass mit dem Verkauf sowohl dieses Werkes als auch von "Quidditch Through the Ages" mehrere Millionen Pfund für Comic Relief gesammelt werden konnten.

Kommentare:

  1. Von heute aus betrachtet sehe ich das ähnlich wie du. Damals (2001) beim ersten Lesen war ich schon fasziniert von den Geschöpfen, vor allem denen, die bereits in den Harry Potter Büchern vorkamen oder die ich aus irischen Sagen kannte. Jedenfalls fand ich es besser als "Quidditch im Wandel der Zeit", das mir schon zu dem Zeitpunkt etwas langatmig vorkam, wenn auch mit einigen Highlights.

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    1. Ich glaube, dass mir das Buch vor ein paar Jahren auch besser gefallen hätte, vor allem, wenn ich damit ein wenig Wartezeit auf den nächsten Band überbrückt hätte. *g*

      Ich muss halt auch ehrlich sagen, dass mich Rowling mit ihren Geschöpfen da großteils nicht mehr vom Hocker reißen kann. Da habe ich einfach im Weltenbastler-Forum von anderen Bastlern zahlreiche nicht nur originellere, sondern auch besser ausgearbeitete Ideen gelesen.

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