Dienstag, 26. Juli 2016

[Kurzrezensionen] Von rätselhaften Morden, Parallelwelten und mysteriösen Flugzeugabstürzen

Maureen Johnson - Die Schatten von London

Da ihre Eltern einen Lehrauftrag in England angenommen haben, soll die Amerikanerin Rory ein britisches Internat besuchen. Doch ihre Ankunft in London fällt mit einer Serie von Morden zusammen, die verdächtig an die Verbrechen von Jack the Ripper erinnern. Keine Überwachungskamera kann den Mörder aufzeichnen - und Rory scheint die einzige zu sein, die ihn sehen kann.
Ich habe mir diesen Auftakt zu einer phantastischen Jugendbuchreihe aus der Onleihe ausgeliehen, worüber ich froh bin, da ich die Serie wohl nicht weiterlesen werde. Mir hat der Beginn, als Rory sich allmählich im Internat einlebt, sehr gut gefallen, aber der phantastische Krimiplot über Geister und eine geheime Organisation war nicht mein Fall. Mir blieben viele Motive (vor allem die des Mörders) sehr unklar und auch die Organisation kam mir nicht sonderlich durchdacht vor.
Da das Internatsleben sehr lebhaft und glaubwürdig geschildert ist und ich Rory sowie die meisten Nebenfiguren sehr sympathisch fand, kann ich mir aber vorstellen, dass ich es mit einem realistischen Jugendbuch von Maureen Johnson noch einmal probieren werde.


Åsa Böker - Im Glanz der Welten

Ähnlich wie mit "Die Schatten von London" ist es mir mit diesem Roman ergangen: Auch hier handelt es sich um einen Reihenauftakt und auch hier wird das Schulleben eines Teenagers mit einer phantastischen Handlung verknüpft. Und auch bei diesem Buch hat mir der Schulplot gut gefallen, während mich der Fantasyteil nicht zufrieden gestellt hat.
"Im Glanz der Welten" erzählt von der sechzehnjährigen Silke, die in der Schule gemobbt wird und schließlich in eine phantastische Parallelwelt flüchtet, in der sie an einer gefährlichen Suche nach den seltenen Diamantblumen teilnehmen muss.
Während Silkes Probleme mit ihren Schulkollegen sehr gut dargestellt werden, sind die phantastischen "Nordlande" für mich eher blass geblieben. Es werden einige Elemente der nordischen Mythologie und schweden Sagenwelt damit verwoben, aber alles in allem hatte ich den Eindruck einer typischen, mittelalterlich angehauchten Fantasywelt, die nicht sonderlich in die Tiefe geht. Vielleicht hatte ich deshalb diesen Eindruck, da für mich persönlich das Erzähltempo nicht gepasst hat. Da werden teilweise innerhalb von wenigen Sätzen Freundschaften geschlossen und wieder aufgelöst und größere Ereignisse fast nebenbei abgehandelt. Ich hätte mir hier mehr Ruhe in der Erzählung gewünscht, ausführlichere Beschreibungen und bessere Einblicke in die verschiedenen Figuren, da es neben Silke auch noch drei weitere Perspektiventräger gibt.
Vielleicht bin ich aber auch einfach schon zu alt für dieses Buch - bei den Jugendlichen scheint es laut Rezensionen sehr gut anzukommen.


Sarah Lotz - Die Drei

Und noch ein ebook aus der Onleihe, aber diesmal eines, das ich bereits vor längerer Zeit gelesen habe.
In dem Mysterythriller geht es um vier rätselhafte Flugzeugabstürze, bei denen es jeweils nur eine überlebende Person gibt. Eine davon stirbt kurz danach, hinterlässt vorher aber noch über ihr Handy eine beängstigende Nachricht. Die anderen drei sind Kinder, ihren Angehörigen danach seltsam verändert vorkommen. Oder ist das nur Einbildung?
Ich habe "Die Drei" unglaublich spannend gefunden, aber auf eine subtile Weise auch unglaublich gruselig. Ich habe mir mit der Rezension lange Zeit gelassen, da ich nach dem Lesen das Buch erst einmal aus dem Kopf bekommen musste. Auch jetzt noch, Wochen später, gruselt es mich schon wieder, wenn ich daran zurückdenke. 
Dabei handelt es sich beileibe um keinen Horrorroman und über weite Strecken wird noch nicht einmal klar, ob hier überhaupt etwas Mysteriöses vor sich geht, oder ob es sich lediglich um Zufälle und Einbildung handelt. Gerade das hat mir daran gut gefallen, auch wenn mich das Ende dann nicht ganz überzeugt hat.
Interessant ist auch der Aufbau des Romans, der im Stil einer Dokumentation geschrieben ist und Chat-Protokolle, Twitter-Meldungen und Interviews einflicht. 
Die lose Fortsetzung "Tag Vier" werde ich dennoch nicht lesen, da diese Art von Grusel definitiv nichts für mich ist und mir nur schlaflose Nächte beschert.

Kommentare:

  1. Ich mochte die gleichen Dinge wie du an dem Buch von Maureen Johnson, fand den Rest aber auch gut genug zum Weiterlesen. Tatsächlich fand ich bisher den ersten Teil am stärksten :-)

    "Die Drei" macht mich jetzt wirklich neugierig. Könnte mir gefallen. Hm, das englische Taschenbuch ist für 4,99 € zu haben...

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    1. Hm, wenn du den ersten Teil am stärksten gefunden hast und ich den schon nicht so mochte, werde ich die Reihe wohl wirklich nicht weiterlesen. ;-)

      Ich habe bei "Die Drei" in einigen Rezensionen gelesen, dass es zu langweilig wäre. Das ist dann so ein Moment, in dem man sich fragt, ob man wirklich dasselbe Buch gelesen hat. *g* Hängt wohl sehr davon ab, ob einem so ein unterschwelliger Grusel so zusetzt wie mir oder ob man mehr auf richtigen Horror bzw. Action steht.

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  2. Ich habe einfach für die Figuren mehr übrig als für diese Organisation, und die kamen nun mal in dem Schulkontext besser zur Geltung.

    Kommt vielleicht darauf an, was man erwartet. Ich komme auch mit "richtigem" Horror klar, solange es nicht zu splatterig wird, aber es muß eben das Gesamtbild passen. Subtiler Grusel kann auf jeden Fall viel unheimlicher sein. Danke für den Tipp :-)

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    1. Ja, ich hatte auch für die Figuren viel mehr übrig als für die Organisation! In diesem Fall hätte ich tatsächlich am liebsten einfach eine Internatsgeschichte gelesen. ;-)

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