Dienstag, 27. September 2016

Henry Rider Haggard - Erik Hellauge


erschienen bei Fischer Taschenbuch
(in einer neuen Übersetzung als Kindle-ebook)

woher: von einer Freundin ausgemistet


Island vor der Christianisierung: Erik Hellauge verliebt sich in die schöne Gudruda, die Tochter des Odinspriesters Asmund. Um sich als würdiger Ehemann zu erweisen, gewinnt er das Schwert Weißfeuer, kämpft gegen den Berserker Skallagrim und geht auf Wikingerfahrt. Doch auch Gudrudas Halbschwester Schwanhild, Tochter einer mächtigen Hexe, verliebt sich in Erik und versucht ihn mit Ränke für sich zu gewinnen.

Erik Hellauge, ein Fantasyroman im Stil einer isländischen Saga, ist auf Englisch erstmals 1890 erschienen, wurde aber erst 1986, also beinahe 100 Jahre später, ins Deutsche übersetzt. Der Autor Henry Rider Haggard, der sonst vor allem für die Abenteuerromane um Allan Quatermain bekannt ist, beschäftigte sich für dieses Buch intensiv mit Sagaliteratur und reiste auch zu Recherchezwecken nach Island. Diese umfangreichen Vorbereitungen machen sich bezahlt: Erik Hellauge liest sich tatsächlich über weite Strecken sehr authentisch und es lassen sich gewisse Vergleiche etwa zur Grettis saga ziehen.

Den Beginn habe ich allerdings als etwas zäh empfunden, mit ausführlichen Liebesschwüren und einer vermeintlich zu simpel-heldenhaften Handlung. Ich war schon nahe daran abzubrechen, war  aber doch neugierig auf die weiteren Geschehnisse und habe dann auch besser in den Roman hineingefunden. Umso stärker sich die kommende Tragödie abzeichnet, umso mehr Fahrt nimmt auch die Handlung auf.
Obwohl mir der Roman alles in allem ganz gut gefallen hat, bin ich mir nicht sicher, ob ich ihn weiterempfehlen würde. Denn eigentlich könnte man stattdessen auch gleich eine isländische Saga lesen. Gut, in manchen Punkten ist Erik Hellauge leichter zugänglich, aber es gibt auch eine Reihe von isländischen Sagas, die sich sehr gut lesen lassen. Und die meisten haben vielschichtigere Figuren als in diesem Roman, in dem die Rollen sehr klar verteilt sind.

Letztendlich würde ich den Roman vor allem denen empfehlen, die entweder an alter Fantasy interessiert sind oder aber gern Sagas lesen und neugierig sind, wie ein moderner Autor eine solche umsetzt.

Kommentare:

  1. Ich hab einen Quaterman gelesen und zwei Teile "She" von Haggard. Das ließ sich sogar im originalen Englisch ganz gut lesen. Ich mag altmodische Fantasy - und gerade She würde ich dir mal ans Herz legen wollen. Das ist altmodisch in seiner Langsamkeit, aber ich fand es auch faszinierend mit der starken Frauenrolle, die nicht wirklich sympathisch ist.

    Vinni

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    1. Ich mag altmodische Fantasy auch gern - in dem Fall würde ich halt eher auf die noch ältere, also altisländische Fantasy zurückgreifen. *g* Aber vielleicht schau ich mir mal "She" an, das ist mir in meinen kleinen Recherchen rund um den Autor eh häufig untergekommen.

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  2. Mh, lesen oder nicht? Zu meinem Fantasy-Projekt würde sich das Buch ja perfekt eignen. Leider entwickle ich einen immer größeren Unmut gegenüber Darstellungen von klischierten Weiblichkeit/Frauenfiguren. Die femme fatale, als die mir Schwanhild zumindest nach deiner Schilderung erscheint, würde mir wohl nur auf den Senkel gehen mich die Augen verdrehen lassen :)
    Vielleicht werfe ich mal einen Blick hinein, falls sich die Gelegenheit bietet. Rider Haggard begegnet einem ja doch immer mal wieder.

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    1. In dem Buch sind alle Figuren ziemlich klischeehaft - Männer und Frauen gleichermaßen. Ich weiß nicht, ob ich Schwanhild als femme fatale bezeichnen würde. Sie ist eher so die klassische böse Zauberin, die intrigiert und immer gerade das Gesicht zeigt, das sie in dem Moment am besten weiterbringt.

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  3. Ich habe das Buch auch gerade beendet und war sehr angetan. Durch die Sprache liest sich das Buch nicht leicht und schnell aber es lohnt sich meiner Meinung nach. Endlich mal wieder ein Buch ohne Happy-End. Das Buch von Haggard, das mir am Besten gefallen hat ist aber immer noch "Nada, die Lilie". Schöne Grüße Helge

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