Sonntag, 18. September 2016

J. K. Rowling - Harry Potter and the Chamber of Secrets (Reread)


erschienen bei Pottermore
auch als Download bei Audible erhältlich

ungekürztes Hörbuch (10 h 8 min)
gelesen von Stephen Fry



Harrys zweites Jahr in Hogwarts hat einen holprigen Start: Nachdem bereits sein Sommer und sein Geburtstag alles andere als angenehm waren, haben Ron und er noch dazu Schwierigkeiten, den Hogwarts-Express zu erreichen. Und auch in der Schule angekommen, läuft vieles nicht so, wie es sollte. Harry vernimmt ein seltsames Flüstern in den Korridoren, das außer ihm niemand hören kann und bald wird überall von einer geheimen Kammer gemunkelt. Als dann auch noch Schüler von einer unbekannten Kreatur attackiert werden, scheint es in Hogwarts nicht länger sicher zu sein.

Ich kann mich noch erinnern, dass ich den zweiten Band als sehr unheimlich empfunden habe, als ich ihn zum ersten Mal gelesen habe. Die Stimme, die nur Harry hören kann, habe ich damals sehr gruselig gefunden und auch sonst liegt über dem Buch eine eher bedrohliche Atmosphäre. Nun, da ich genau wusste, was hinter allem steckt, fand ich das Buch nicht mehr gruselig, aber diese bedrohliche Atmosphäre hat mir auch dieses Mal wieder sehr gut gefallen, umso mehr, da hier ein Plotelement zum Tragen kommt, für das ich schon immer eine Schwäche hatte: unerklärliche Ereignisse in der Vergangenheit, von denen niemand mehr sprechen will und die sich nun in der Gegenwart zu wiederholen scheinen.

Überhaupt war ich überrascht, wie gut mir beim Reread der zweite Band gefallen hat. Obwohl ich als Jugendliche die ersten Bände alle im Schnelldurchgang verschlungen habe, war mir "Harry Potter and the Chamber of Secrets" eher in Erinnerung als ein Band, der deutlich hinter dem ersten und dem dritten zurücksteht. Dieses Mal habe ich ihn aber fast besser gefunden als das erste Buch. Nun, da man die Zauberwelt bereits kennt, muss nicht mehr so viel Zeit mit Erklärungen aufgewendet werden und es bleibt mehr Raum für einen ausgefeilteren Plot.
Es gibt in diesem Band eine ganze Reihe von kleinen Details, besonders in Bezug auf Ginny, die man beim ersten Mal nicht wirklich wahrnimmt, die einem aber doch bei einem Reread auffallen. In diesem Punkt hat der Roman beinahe etwas von einem Krimi: Man übersieht beim ersten Mal viele Hinweise, die aber bei der Auflösung durch zu einem Aha-Erlebnis führen - und bei einem weiteren Lesen macht es Spaß, all diese Hinweise bewusst zu erkennen.

In diesem Buch werden auch die Figuren etwas besser ausgeformt und man lernt neben dem zentralen Trio Harry, Ron und Hermione auch die Nebenfiguren besser kennen. Der Hochstapler Gilderoy Lockhart bringt zudem sehr viel Komik mit in die Handlung, auch wenn er für mich ein weiteres Indiz dafür ist, dass Dumbledore zwar ein brillianter Magier und ein großartiger Mensch sein mag, als Schulleiter aber gänzlich ungeeignet ist. Nicht nur ist es ihm völlig egal, dass Snape jahrelang Schüler systematisch mobbt und heruntermacht und keinerlei Interesse hat, ihnen tatsächlich Wissen zu vermitteln, er stellt auch Lockhart allein mit der Intention ein, ihn als Hochstapler entlarven zu können. Dass in der Folge davon sämtliche Schüler ein Jahr lang in einem nicht gerade unwichtigen Fach wie Defence Against the Dark Arts einfach gar nichts lernen, nimmt er dafür ohne weiteres hin.
Es sind solche Kleinigkeiten, die mich - neben all den logischen Problemen rund um die Aufteilung der Häuser - an Hogwarts doch ein wenig nerven. Und in den folgenden Bänden ergeben sich noch eine Reihe von weiteren Fragen rund um das Schulsystem, die mich ein wenig daran zweifeln lassen, wie gut Rowling diese Aspekte durchdacht hat.

Das ändert aber nichts daran, dass ich auch in diesem Band wieder großen Spaß dabei hatte, in die Zauberwelt einzutauchen. Dazu kommt noch ein spannender Mystery-Plot und sehr gut gelungene Ausflüge in die Vergangenheit von Hogwarts und gleichzeitig auch von Voldemort. Mit dem Tagebuch von Tom Riddle wird hier außerdem ein wesentlicher Gegenstand eingeführt, auch wenn das zu diesem Zeitpunkt noch niemandem im ganzen Ausmaß bewusst ist.

"Harry Potter and the Chamber of Secrets" ist gewissermaßen ein Bindeglied zwischen dem noch sehr kindlich-märchenhaft gehaltenen ersten Band und dem deutlich erwachseneren und düsteren dritten Band. Und ich finde, dass dieser Übergang hier wirklich hervorragend funktioniert.

1 Kommentar:

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