Sonntag, 23. April 2017

Zehn Bücher, die mein Lesen verändert haben

Da ich schon wieder vergessen habe, ein Gewinnspiel für den Welttag des Buches vorzubereiten, möchte ich anlässlich des heutigen Tages wenigstens einen Beitrag schreiben, der mir schon seit einer Weile im Kopf herumspukt: Ich werde zehn Bücher beleuchten, die in irgendeiner Weise mein weiteres Leseverhalten verändert haben - etwa, dass ich ein neues Genre kennengelernt oder mir eine andere Art des Lesens erschlossen habe.

Kurt Held - Die rote Zora und ihre Bande

Soweit ich mich erinnern kann, war das das erste Buch in meinem Leben, mit dem im zunächst gekämpft habe. Ich muss acht oder neun Jahre alt gewesen sein, als ich es gelesen habe. Zu dem Zeitpunkt hatte ich schon unzählige Bücher (von "Bille und Zottel" über die Serien von Enid Blyton bis hin zu Astrid Lindgren) gelesen, in die ich aber stets auf Anhieb hineingefunden habe. "Die rote Zora", ein Buch, das meiner Mutter gehört hatte, war für mich aber in dem Alter vom Einstieg her schwierig. Straßenkinder in Jugoslawien um 1940 - das war für mich als Kind sehr fremd und mit vielen Namen/Begriffen konnte ich nichts anfangen. Ich war aber damals immer so verzweifelt auf der Suche nach neuem Lesestoff, dass ich dennoch weitergelesen und das Buch dann schnell lieben gelernt habe. Was mir dieser Roman (neben einer tollen Geschichte) mitgegeben hat, war Geduld und die Bereitschaft, einem Buch auch dann eine Chance zu geben, wenn der Einstieg sperrig und das Äußere nicht allzu einladend ist.



Agatha Christie - Das Böse unter der Sonne

Im Sommer, bevor ich ins Gymnasium kam (ich war damals also gerade zehn Jahre alt geworden) besuchten wir meine Tante, die damals in der Nähe von Cambridge wohnte. Mitten im Urlaub ging mir der Lesestoff aus und da ich vor Ort mangels Englischkenntnissen auch nur schlecht mit neuem versorgt werden konnte, gab meine Mutter mir das Buch, das sie selbst mitgebracht hatte: Agatha Christies "Das Böse unter der Sonne". Ich hatte schon vorher sehr gern Detektivserien wie "Die fünf Freunde", "Die schwarze Sieben" und "Trixie Belden" gelesen, aber das war mein erster Kontakt mit Erwachsenenkrimis. Danach las ich mich zuhause quer durch das Agatha-Christie-Angebot der Bibliothek - und entwickelte in dieser Zeit eine Begeisterung für Cozy mysteries, die im Grunde bis heute anhält.

Wolfgang Hohlbein - Unterland

Als junger Teenie mit etwa zwölf Jahren geriet ich in eine Lesekrise. Für meine geliebten Kinderbuchserien fühlte ich mich allmählich zu alt, aber in der Erwachsenenliteratur fühlte ich mich abseits von Krimis noch nicht sehr zuhause. Da damals das Angebot an Jugendbüchern in der Bibliothek kaum vorhanden war (es gab nur ein paar Teenie-Problembücher, die mich nicht interessierten), saß ich etwas verloren zwischen den Stühlen der Kinder- und Erwachsenenbücher. In dieser Krise lieh mir eine Klassenkameradin Hohlbeins "Unterland" und ich war begeistert. 800 Seiten Spannung und Abenteuer mit einem jugendlichen Protagonisten. Ich war im Lesehimmel! Danach las ich mich nicht nur quer durch Hohlbeins Romane, sondern hatte auch das Genre Fantasy für mich entdeckt. In der Bibliothek entdeckte ich nämlich in einem so betitelten Regal irgendwo im letzten Eck Hohlbein und andere Autoren. 
Strenggenommen habe ich auch schon als Kind Bücher gelesen, die in dieses Genre fallen (z.B. Michael Endes "Die unendliche Geschichte"), aber erst jetzt griff ich bewusst dazu.

J.R.R. Tolkien - Der Herr der Ringe

Nach der Entdeckung der Fantasy dauerte es noch gut zwei Jahre, bis ich endlich den Klassiker dieses Genres zur Hand nahm. Es lässt sich nur schwer in Worte fassen, was diese Trilogie damals für mich bedeutete. Tolkiens Schrebstil und Mittelerde saugten mich in sich auf und ich war von der Tiefe dieser Welt völlig überwältigt. Als ich mit dem Buch zu Ende war, hatte ich das Gefühl, dass ich nie wieder etwas lesen würde, was diesem gleichkommt. Ab da las ich mich kreuz und quer durch verschiedene Spielarten der Fantasy - immer auf der (vergeblichen) Suche nach einem zweiten Tolkien.
Gewissermaßen stürzte mich "Der Herr der Ringe" also in eine weitere Lesekrise, aber er war auch der Anstoß zu meinem eigenen Weltenbasteln (Fantasy hatte ich schon vorher geschrieben, aber nur mit sehr simplen Hintergrundwelten).


Margaret Atwood - Der Report der Magd

Ich war etwa fünfzehn Jahre alt, als mir in der Bibliothek der Roman "Katzenauge" in die Hände fiel. Da er mir sehr gut gefiel, griff ich danach zu einem weiteren Buch der Autorin - zu "Der Report der Magd". Ich hatte keine Ahnung, dass es sich bei Atwood um eine preisgekrönte Autorin und bei dem Buch um einen Bestseller handelte, der bereits verfilmt worden war. Ich wusste nur, dass mich der Roman völlig überwältigte und mir das Tor zur Gegenwartsliteratur öffnete. Ich hatte ja schon immer viele verschiedene Genres ausprobiert und auch den Großteil meiner Schullektüre gern gelesen, aber "Der Report der Magd" (und Ransmayrs "Die letzte Welt", das ich etwa zur selben Zeit las) war ausschlaggebend, dass ich bewusst nach vergleichbarer Lektüre Ausschau hielt.

Johann Wolfgang von Goethe - Faust I

Ebenfalls im Alter von fünfzehn Jahren entdeckte ich durch den Deutschunterricht "Faust". Obwohl ich Klassikern gegenüber immer schon recht aufgeschlossen gewesen war, war dieses Werk in meinem Kopf ein Schreckgespenst, vor dessen Lektüre ich Respekt hatte. Ich stellte dann aber fest, dass ich die Tragödie spannend zu lesen fand und mir die intensive Beschäftigung damit im Unterricht Spaß machte. "Faust" war maßgeblich mit dafür verantwortlich, dass ich mich für ein Germanistikstudium entschied - und meine Angst vor Klassikern der Weltliteratur ablegte (was nicht heißt, dass ich im Studium immer alle gerne gelesen habe).


Joanne K. Rowling - Harry Potter and the Order of the Phoenix

Als der fünfte Harry Potter 2003 erschien, wollte ich nicht auf eine deutsche Übersetzung warten und griff daher zum englischen Original. Es war seit meiner Schulzeit das erste Buch, das ich auf Englisch las - und auch in der Schule hatten wir im Englischunterricht kaum Bücher gelesen. Der Einstieg war daher eine ziemliche Qual und es dauerte lange, bis ich einigermaßen in die Sprache hineinfand. Aber knapp 800 Seiten später ging es mir dann mit der Sprache schon deutlich besser und von da an griff ich immer wieder nach englischen Büchern.

Birgit Brandau, Hartmut Schickert - Hethiter. Die unbekannte Weltmacht

Im Sommer 2005 war ich mit einer Freundin bei deren Oma in der Schweiz, die gerade dieses Buch las und es mir ans Herz legte. Ich blätterte ein wenig hinein und war interessiert, aber es dauerte zwei Jahre, bis ich mir das Buch dann auch selbst kaufte. Obwohl mich Antike und frühe Hochkulturen schon seit meiner Kindheit faszinierten, war es das erste Mal, dass ich ein Sachbuch zu diesem Thema las. Es zeigte mir außerdem, dass ein Sachbuch ebenso spannend zu lesen sein kann wie Belletristik. Zwar hatte ich in meiner Jugend schon einige Biografien und außerdem zahlreiche Pferdesachbücher gelesen, aber gerade mit Beginn des Studiums war Fachliteratur für mich zu reiner Recherchelektüre und Prüfungsvorbereitung geworden. "Hethiter. Die unbekannte Weltmacht" war daher seit Jahren das erste Sachbuch, das ich in der Freizeit las. Danach las ich zumindest sporadisch Sachbücher, bis ich mit Winterkatzes erster Sachbuch-Challenge endgültig in dieses "Genre" hineinkippte. 


Jostein Gaarder - Die Frau mit dem roten Tuch

Ich hatte als Kind immer sehr gern Hörspiele gehorcht, aber Hörbücher blieben mir lange verschlossen. Ich versuchte ein paarmal, welche zu lesen, aber ich konnte mich nie richtig darauf konzentrieren. Dann entdeckte ich 2010 das Knüpfen wieder für mich und stellte fest, dass ich mich währenddessen prima auf Hörbücher konzentrieren konnte. "Die Frau mit dem roten Tuch" war das erste von vielen, das ich mir aus der Bibliothek auslieh (bis dann 2012 ein Audible-Abo dazukam).

Oliver Plaschka - Die Magier von Montparnasse

So wie das vorige Buch ist auch dieses eines, das weniger inhaltlich als eher von der Form her prägend war: Es war das erste Ebook, das ich gelesen habe. 

In den letzten Jahren habe ich mein Leseverhalten also vor allem in punkto Technik erweitert und bin vom reinen Printbuch weggekommen, während ich weiterhin die Genres lese, die ich mir im Laufe der früheren Jahre erschlossen habe. 

Habt ihr auch solche Bücher, die für euch die Entdeckung eines neuen Genres darstellen oder die bei euch das Leseverhalten in irgendeiner Weise dauerthaft geprägt haben? 

Montag, 17. April 2017

Buchstabengeplauder #73

Ich wollte mich heute eigentlich noch ein wenig Winterkatzes Osterlesen anschließen, aber damit wurde es nichts mehr. Ich bin erst später nach Wien zurückgekommen als ursprünglich geplabt, hier habe ich dann zunächst mal Karottenkuchen für meine Arbeitskollegen morgen gebacken und danach bin ich ein wenig bei LibraryThing hängengeblieben. Ich bin ja an sich seit Jahren bei Lovelybooks registriert, habe aber zunächst die Seite nur zur Verwaltung meiner Bücher genutzt und auch das nur noch selten, seitdem ich das Programm Bookpedia verwende. 

Seit längerem überlege ich nun schon, ob ich meine brachliegende Bibliothek bei Lovelybooks wieder aktualisieren oder meinen Account überhaupt löschen soll. Obwohl ich die Bookpedia liebe, bin ich doch sehr am Überlegen, ob ich nicht doch wieder auf eine entsprechende Online-Lösung umsteigen möchte. Es nervt mich, dass ich auf meine Bibliothek nur zuhause auf meinem Computer Zugriff habe und manchmal fehlt mir doch auch der Community-Aspekt. Bei Lovelybooks habe ich diesen nie viel genutzt, aber ich muss auch ehrlich sagen, dass ich diese Plattform nie besonders mochte. Wenn, dann würde ich wohl eher Goodreads oder LibraryThing nutzen, wobei mir zweiteres in vielen Aspekten mehr zusagt. 
Ich habe heute mal versucht, meine Bibliothek aus Bookpedia dorthin zu exportieren, was nur mäßig gut geklappt hat. Es ist noch einiges nachzubearbeiten und den Zeitaufwand wiederum möchte ich mir nur antun, wenn ich sicher umsteigen möchte. Aber beim ersten Herumprobieren fehlt mir doch einiges (vor allem die jährlichen Statistiken), das ich bei der Bookpedia so liebgewonnen habe. Da ich aber sicher auf Dauer nicht zwei Bibliotheken (einmal offline und einmal online) pflegen werde, bin ich nun erst recht wieder unschlüssig.
Ach je.
Wie ist das denn bei euch? Nutzt ihr eine solche Plattform und wenn ja: welche? 

Obwohl das heute mit meinem geplanten Lesenachmittag nichts wurde, habe ich doch über Ostern recht viel gelesen. Als ich am Samstag zu meiner Familie gefahren bin, hatte ich im Zug bleiben von Judith Taschler mit dabei, das mir meine Mutter schon vor einer Weile ausgeliehen hat. Und da ich den Roman dann nicht noch einmal mit nach Wien nehmen wollte, habe ich gestern den ganzen Abend lesend beim Kachelofen verbracht. Mir hat der Roman gut gefallen, auch wenn mich ein paar Aspekte doch daran gestört haben. 

Und wie habt ihr das Osterwochenende verbracht?

Freitag, 14. April 2017

Osterlesen mit Winterkatze: Freitag

Da ich heute dank Karfreitag einen verkürzten Arbeitstag hatte, habe ich noch genug Zeit, mich ein wenig bei Winterkatzes Lese(frei)tag anzuschließen.
Ich muss heute noch ein wenig für Ordnung in der Wohnung schaffen (putzen heb ich mir dann für Montag auf) und die Ostermitbringsel für meine Familie fertigstellen, aber ansonsten habe ich nichts mehr vor und kann mir Zeit fürs Lesen nehmen.
In der letzten Zeit habe ich viel unterwegs gelesen und abends im Bett, aber ich habe mich nur selten gemütlich mit einem Buch aufs Sofa gekuschelt. Welches Buch das heute werden soll, weiß aber noch nicht genau. Die Verschwundenen von Jakobsberg habe ich gestern gerade ausgelesen und Der Weg nach Surabaya, das ich gerade von Christoph Ransmayr lese, ist eine Sammlung von Kurzreportagen - also nur bedingt für eine gemütliche längere Lesesession geeignet. Als Hörbuch habe ich gerade A Song for Arbonne, das ich auf Deutsch schon ein paarmal gelesen habe, aber auf Englisch ist es doch nochmal was anderes. Das werde ich mir jetzt mal einschalten, während ich aufräume. Und vielleicht komme ich dann auch zu einer Entscheidung, welches Buch ich nachher lesen möchte.


Update um 19:00

In meiner Wohnung ist nun wieder eingermaßen Ordnung eingekehrt und ich habe dann nach getaner Arbeit auch gleich noch ein Geburtstagsgeschenk fertig gehäkelt. Das hat mich zwar bei den Ostermitbringseln nicht weitergebracht, aber da muss ich auch nur noch Etiketten für das gestern hergestellte Karotten-Tomaten-Pesto basteln - das sollte nicht so lang dauern.
Da ich beim Aufräumen und Häkeln das Hörbuch laufen hatte, bin ich bei Guy Gavriel Kays A Song for Arbonne ein ganzes Stück weitergekommen. Es ist irritierend, wie schwer ich mir mit diesem Hörbuch tue, wenn man bedenkt, dass ich die deutsche Ausgabe schon mehrmals gelesen habe (das letzte Mal ist aber etliche Jahre her). Ich weiß, dass Kays Stil nicht ganz einfach ist, aber ich habe doch auch schon Romane von ihm auf Englisch gelesen und hätte nicht damit gerechnet, dass ich mich auf das Hörbuch dermaßen konzentrieren muss. Eventuell suche ich mir ein anderes Hörbuch und mache mit dem Reread doch auf Deutsch weiter - mal sehen.
Zum Schmökern auf dem Sofa habe ich mich nun für Die andere Hälfte der Hoffnung von Mechtild Borrmann entschieden. Eigentlich wollte ich eine weitere SuB-Altlast erledigen, aber nun ziehe ich doch mal das Buch vor, das demnächst wieder in die Bibliothek zurück muss.

Bevor ich weiterlese, lasse ich euch noch ein Frühlingsfoto vom letzten Sonntag da. Heute ist es ja leider nicht ganz so frühlingshaft und auch fürs Osterwochenende sind die Aussichten nicht allzu positiv - da muss man sich wohl mit Fotos von blühenden Bäumen trösten.



Update um 23:00

So richtig viel weitergegangen ist bei mir heute Abend nicht - ich war irgendwie unkonzentriert beim Lesen. Bisher finde ich Die andere Hälfte der Hoffnung aber sehr interessant.
Morgen fahre ich zu meiner Familie und werde wohl nur im Zug zum Lesen kommen. Ich fahre dann im Laufe des Ostermontags zurück nach Wien und schließe mich da zum "Endspurt" vielleicht nochmal an.

Habt ein schönes Osterwochenende!

Montag, 10. April 2017

Dänische Impressionen

Vorige Woche war ich mit meiner Schreibgruppe für vier Tage in Dänemark - vorwiegend in Kopenhagen, aber wir haben auch einen Ausflug nach Roskilde gemacht. Wir hatten großteils Glück mit dem Wetter und sind unzählige Kilometer kreuz und quer durch die Stadt, durch Parks, Kirchen und Museen gewandert. Es war ein sehr schöner Kurzurlaub. Kopenhagen ist eine wirklich nette und relativ entspannte Stadt, aber auch Roskilde kann ich sehr empfehlen - nicht nur das Wikingerschiffmuseum, sondern auch die Stadt an sich hat uns sehr gut gefallen.
Wenn man so wie wir Glück mit dem Wetter hat, ist Anfang April eine nahezu ideale Reisezeit. Teils hatten wir noch Nebensaisonpreise und der touristische Ansturm hat sich auch noch relativ in Grenzen gehalten. Um am Abend gemütlich draußen am Nyhavn zu sitzen, war es dann aber doch noch zu kalt. Tagsüber konnte man dort aber schon sehr angenehm Eis in der Sonne genießen. :-)

Hier nun ein paar fotografische Eindrücke:

Kopenhagen

 

Rathaus im Abendlicht
Nüchternes Understatement: das königliche Schloss Amalienborg
Der Klassiker darf auch nicht fehlen
Nyhavn

Seitenfetzer hat gefragt, ob ich vielleicht den einen oder anderen (bibliophilen) Insider-Tipp geben kann. Nun ja, mit bibliophilen Tipps ist es nicht so weit her. Wir haben zwar die eine oder andere Buchhandlung aufgesucht, aber keine davon war so besonders, dass ich sie mir extra notiert hätte (und ich glaube, die Anzahl der Mitlesenden hier, die Bücher auf Dänisch lesen, ist auch eher gering). 
Ich war auch kurz in der Öffentlichen Bibliothek, aber abgesehen davon, dass sie sehr groß ist, kann sie schwerlich mit den tollen niederländischen Bibliotheken mithalten, die ich euch vor kurzem gezeigt habe.


Interessant ist auf jeden Fall auch die königliche Bibliothek - der "schwarze Diamant". Wir haben allerdings nur einen kleinen Abstecher hineingemacht und an keiner Führung teilgenommen, daher habe ich von innen nicht so viel gesehen (es gibt dort aber auch sehr schöne alte Lesesäle, nicht nur moderne Glasarchitektur).


Als nicht-bibliophilen Insider-Tipp kann ich euch aber den Rat dalassen, in Christiansborg Slot mit dem Aufzug auf den Turm zu fahren. Das kostet keinen Cent (und ich versichere euch, das ist in Kopenhagen eine Seltenheit!); man muss nur durch eine Sicherheitskontrolle, weil in dem Gebäude auch das Parlament ist. Von oben hat man dann einen tollen Ausblick über die Stadt.

Christiansborg von hinten mit Blick auf den Turm

Roskilde

 

Dom im dramatischen Gegenlicht


und als Abschluss noch der Sonnenuntergang über den Wolken:

Freitag, 7. April 2017

Nathaniel Philbrick - Im Herzen der See


Die abgebildete Hardcover-Ausgabe von Blessing ist nicht mehr erhältlich
Taschenbuch-Ausgabe erschienen bei Heyne



1819 verlässt der schon in die Jahre gekommene Walfänger "Essex" den Hafen in Nantucket, um hoffentlich nach einer zweijährigen Reise mit kostbarem Walöl zurückzukehren. Doch in den Weiten des Pazifiks wird das Schiff von einem Wal gerammt und versenkt. Die Besatzungsmitglieder sind gezwungen, sich in den kleinen Walfangbooten mit nur wenig Wasser und Proviant auf den Weg nach Südamerika zu machen.

Nathaniel Philbrick schildert in diesem Sachbuch die Tragödie der Essex, die Herman Melville zu seinem berühmten Roman "Moby Dick" inspirierte. Mir hat sehr gut gefallen, dass der Autor zunächst das Leben auf Nantucket schildert. Seine Beschreibungen der Insel sind nicht nur sehr bildhaft, sondern man bekommt auf diese Weise auch einen Eindruck vom gesellschaftlichen Hintergrund der Walfänger. Nantucket im 19. Jahrhundert bildete einen eigenen Mikrokosmos - eine ganz eigene Kultur und Lebensweise, die sich gänzlich um Seefahrt und Walfang dreht. Mir hat diese Einleitung direkt Lust darauf gemacht, mehr über Nantucket zu lesen.

Nach dieser allgemeinen Einführung nimmt Philbrick sich Zeit, um die Besatzung der Essex vorzustellen und den Beginn der Reise zu schildern. Das ist insofern wichtig, da das Beziehungsgeflecht zwischen den Besatzungsmitgliedern später ebenso eine Rolle spielt wie auch die Probleme, die bereits kurz nach dem Auslaufen aufgetreten sind. So verlor die Essex gleich zu Beginn zwei Boote bei einem Unwetter. Der eher demokratische Führungsstil des Kapitäns George Pollard führte außerdem mehrmals dazu, dass er entgegen seiner Überzeugung dem dominanten Ersten Maat Owen Chase nachgab. Dessen (falsche) Entscheidungen hatten leider schwere Folgen und waren wohl hauptverantwortlich für den Tod vieler Männer.

Die Essex startete im August 1819 von Nantucket, umrundete Kap Hoorn und wurde schließlich im November 1820 mitten im Pazifik zweimal von einem Pottwal gerammt. Der Autor schildert den Schock und die Fassungslosigkeit der Männer, als sie sich plötzlich ohne Schiff nur noch mit drei kleinen Walfangbooten mitten im Ozean wiederfinden, sehr eindrücklich. 
Da die Männer nicht (wie von Pollard vorgeschlagen) Kurs auf die relativ nahe gelegenen Gesellschaftsinseln nahmen, sondern sich wie von Chase vorgeschlagen zur Küste von Südamerika aufmachten, hatten sie nicht nur den Wind gegen sich, sondern auch eine Strecke von mehr als 4000 Kilometer zu bewältigen. Der Grund, weshalb Chase sich gegen die Gesellschaftsinseln aussprach, war, dass er dort Kannibalen vermutete. Es ist bittere Ironie, dass die Männer in den Booten schließlich aufgrund des Nahrungsmangels selbst dazu gezwungen waren, die Toten zu essen.

Man kann sich wohl vorstellen, dass das Sachbuch alleine aufgrund der Themen - Walfang, Schiffbruch und Kannibalismus als letzter Ausweg - keine ganz leichte Lektüre ist. Ich finde aber, dass der Autor mit den Themen sehr gut umgeht und alles eindrücklich schildert, ohne aber dabei zu sehr ins Detail zu gehen.
Seine Hauptquellen sind die Tagebücher und Niederschriften von Owen Chase und dem Schiffsjungen Thomas Nickerson. Chase veröffentlichte sein Buch zu den Vorfällen bereits ein Jahr nach dem Untergang der Essex, während Nickerson seine Erinnerungen erst deutlich später zu Papier brachte. Veröffentlicht wurden diese überhaupt erst 1984, wodurch einige von Chases Schilderungen in ein etwas anderes Licht gerückt wurden. Nathaniel Philbrick geht auch kurz auf die Diskrepanz zwischen seinen Hauptquellen ein.

Mir hat "Im Herzen der See" sehr gut gefallen. Der Fahrt der Essex und dem Unglück werden genug Raum gegeben, aber Philbrick rundet sein Buch ebenso durch das einleitende Kapitel über Nantucket wie auch durch eine Schilderung des weiteren Lebens der Überlebenden ab. Der Autor hält meiner Meinung nach eine sehr gut Balance, um die Strapazen der Männer weder zu distanziert noch zu voyeuristisch zu schildern. Alles in allem ein sehr interessantes Buch über eine Tragödie, die zur Inspiration eines der bekanntesten Klassiker der Weltliteratur wurde.

Samstag, 1. April 2017

Buchstabengeplauder #72

Zugegeben, auf meinem Blog ist es derzeit etwas ruhig und vor allem in punkto Rezensionen war der März eine unglaubliche Flaute. Aber die vergangene Woche war recht stressig und heute habe ich den wunderschön sonnigen Samstag drinnen in einer Tagung verbracht - die aber sehr interessant war. Es ging (ihr werdet es nie erraten) um Bibliotheken und deren Kunden.

Mir haben also einfach Zeit und Motivation gefehlt, um Rezensionen oder andere Beiträge zu schreiben. Das bedeutet aber nicht, dass ich nichts gelesen habe - vor kurzem habe ich Karnak-Café von Nagib Machfus, Der unsichtbare Gast von Marie Hermanson und Tell the Wolves I'm Home von Carola Rifka Brunt gelesen. Auch fast am Ende angekommen bin ich dank ein paar Stunden im Zug heute mit Am Ende der Welt traf ich Noah von Irmgard Kramer.

Bis ich über diese (und andere) Bücher etwas schreiben werde, müsst ihr euch aber noch ein wenig gedulden. Morgen geht es nämlich im frühen Morgengrauen mit meiner Schreibgruppe nach Kopenhagen. Ich bin schon sehr gespannt auf die Stadt und freue mich auf den gemeinsamen Urlaub. 

Hier auf dem Blog wird sich dann voraussichtlich Ende nächster Woche wieder etwas tun. Bis dahin wünsche ich euch ein paar schöne Frühlingstage!

Sonntag, 26. März 2017

Eine bibliothekarische Reise durch die Niederlande

Während es rundherum die Blogger zur Leipziger Buchmesse gezogen hat, war ich für einige Tage dienstlich in den Niederlanden. In erster Linie waren wir für eine Tagung dort, haben aber auch noch einige Führungen durch verschiedene Bibliotheken angehängt. Hier nun also ein paar fotografische Eindrücke:

Gouda

Die Bibliothek in Gouda ist seit 2012 zusammen mit einem Archiv, einer Druckerwerkstatt und einem Café in einer ehemaligen Schokoladenfabrik untergebracht. Es ist noch deutlich zu erkennen, dass das Gebäude früher eine Fabrik war, aber man hat quasi aus der Not eine Tugend gemacht und so versprüht die Bibliothek einen gewissen Industriecharme.
Von den Bibliotheken, die wir besichtigt haben, war Gouda die kleinste, dafür aber sehr gemütlich. Im Eingangsbereich vermischen sich gleich Bibliothek und Café und ich könnte mir gut vorstellen, hier einige Stunden zu verbringen.


Markierungen auf dem Boden zeigen die Bereiche der einstigen Fabrik
Paletten zur Präsentation ausgewählter Bücher

Almere

Die "nieuwe bibliotheek" in Almere war ein Gegenprogramm zu Gouda: Statt shabby chic gab es hier ein klares, luftig-helles Design und massenhaft Platz. Eine sehr elegante, beeindruckende Bibliothek, die ein Gesamtkunstwerk darstellt, für meinen Geschmack aber etwas mehr Leben vertragen könnte.





Amersfoort

Von Almere aus ging es weiter nach Amersfoort, wo wir wieder ein ganz andere Bibliothek zu sehen bekamen: Die zahlreichen Computerplätze auf der Treppe, die den Eingangsbereich beherrscht und die zugleich die Zeitschriftensammlung darstellt, erinnern eher an eine wissenschaftliche als eine öffentliche Bibliothek. Wie in Gouda sind auch hier ein Café und ein Archiv in den Bibliotheksbereich integriert. Mit den Holzmöbeln wirkte die Bibliothek fast ein wenig altmodisch, aber tatsächlich war sie die neueste von den hier vorgestellten.




Amsterdam

Als letztes stand die Openbare Bibliotheek in Amsterdam (OBA) auf dem Programm - natürlich mit Abstand die größte der vier. Die Bibliothek erstreckt sich über sechs Stockwerke und ist wirklich sehenswert.





Es war sehr interessant, diese Bibliotheken zu besichtigen. So unterschiedlich sie auch waren, so haben sie doch deutlich gezeigt, welch hohen Stellenwert Bibliotheken in den Niederlanden haben. Ich war von allen vieren begeistert und hätte gern noch viel mehr Zeit dort verbracht. In welcher würdet ihr euch am liebsten für eine Weile mit einem Stapel Bücher vergraben?

Bei all dem dichten Programm ist auch noch ein wenig Zeit zum Sightseeing geblieben und daher lasse ich euch auch noch ein paar gänzlich unbibliothekarische Fotos hier:


Die wunderschöne Altstadt von Amersfoort





Amsterdamer Impressionen





Samstag, 18. März 2017

Ein kleiner Lesetag der anderen Art

Als ich vor zwei Wochen darüber geschrieben habe, wie ich mich von der Fülle an Büchern auf meiner Leseliste erschlagen fühle, habe ich in den Kommentaren mit Winterkatze darüber geschrieben, dass ich wohl mal einen Tag in der Bücherei verbringen müsste, um einige der Bücher anzulesen (und festzustellen, ob ich sie überhaupt lesen möchte).
Da heute kaltes, graues und stürmisches Wetter war, bin ich nach einem ausgedehnten Frühstück mit einer Freundin spontan noch weiter in die Bücherei gefahren, um genau das zu machen.

Ich habe mich zunächst mal mit einem Stapel Bücher eingedeckt und mir dann ein gemütliches Plätzchen gesucht, wo ich mir ein wenig in den Büchern vergraben und mir dazu Notizen gemacht habe.


Karnak-Café von Nagib Machfus, das zeitlich um den Sechstagekrieg herum angesiedelt ist, hat interessant begonnen und da es so ein schmales Büchlein ist, habe ich es auch direkt ausgeliehen.

Bis ans Ende der Meere von Lukas Hartmann schildert aus der Sicht des Malers John Webber die dritte Südseereise von James Cook. Der Einstieg ist mir nicht ganz einfach vorgekommen, aber das Buch scheint gut geschrieben zu sein und da mich auch das Thema interessiert, bleibt das Buch auf meiner Liste.

Vor dem Fest von Saša Stanišić war 2014 für den Deutschen Buchpreis nominiert und erhielt den Preis der Leipziger Buchmesse. Es beschreibt eine Nacht vor dem Fest im uckermärkischen Fürstenfelde. Beim Anlesen war mir der Roman etwas zu skurril und wirr. Ich glaube, das ist nicht wirklich mein Fall und fliegt daher von der Liste.

Auch Als wir unsterblich waren von Charlotte Roth wird wohl nicht auf der Liste bleiben. Der historische Roman erzählt in zwei Zeitebenen vom Mauerfall einerseits und dem Ersten Weltkrieg andererseits. Ich hatte beim Einstieg Probleme mit der Hauptfigur im Jahr 1989, die ich sehr unsympathisch fand und mit der Instant-Liebe, die dann auch gleich noch mit einem dunklen Familiengeheimnis verbunden ist. Ein wenig neugierig wäre ich auf das Geheimnis ja schon, aber zuhause habe ich dann noch herausgefunden, dass Charlotte Roth ein Pseudonym von Charlotte Lyne ist, deren "Die Glocken von Vineta" überhaupt nicht mein Fall war.


Cocktails von Pamela Moore war in den 50er-Jahren ein Kultbuch in den USA. Die Autorin war damals erst 18 Jahre alt, nahm sich mit Mitte zwanzig das Leben und war danach (zumindest im deutschsprachigen Raum) weitgehend vergessen. Ich bin auf den Roman aufmerksam geworden, als er 2015 in einer neuen Übersetzung bei Piper veröffentlicht wurde. Der Anfang hat mir gefallen und somit bleibt er auf meiner Liste.

Bei Blauer Hibiskus von Chimamanda Ngozi Adichie hat mich schließlich ein wenig die Konzentration verlassen. Ich war mir daher beim Anlesen nicht so sicher, ob ich ihn lesen möchte - vorerst bleibt er auf jeden Fall auf der Liste.

Als ich mich eigentlich schon halb zum Gehen wandte, bat mich ein Herr, der während meiner Anleseaktion die ganze Zeit neben mir mit Deutschübungen beschäftigt gewesen war, um Rat bei einer Aufgabe. Ich muss ja sagen, dass ich selbst die Aufgabenstellung mehrmals lesen musste. Wenn man hier als eine Person mit deutscher Muttersprache, fertigem Germanistikstudium und viel Leseerfahrung erst einmal ein wenig stutzt, fragt man sich ja schon, wie das jemand bewältigen soll, der gerade erst die Sprache lernt.
Danach hatte ich dann doch noch einmal Lust für eine kleine Runde und habe mir noch einmal ein paar Bücher von der Liste gesucht:

Die andere Hälfte der Hoffnung von Mechthild Borrmann hat mir beim Anlesen so gut gefallen, dass der Roman gleich direkt mitkommen durfte.

Die Traumknüpfer von Carolin Wahl wurde dagegen von meiner Liste gestrichen. Ich habe einfach gemerkt, dass das wohl nicht so mein Fall von Fantasy ist.

Auch Herr des Lichts von Roger Zelazny habe ich von meiner Liste gestrichen. Der sehr mythisch-religiöse Einstieg war nicht so meins und auch mit den handelnden "Göttern" konnte ich nicht so viel anfangen. Science-Fiction ist nicht mein bevorzugtes Genre und wenn ich Bücher daraus lese, müssen die mich einfach gleich packen, damit ich Lust darauf habe. 

Neben den zwei genannten Büchern habe ich dann auch noch zwei Filme mitgenommen, wovon ich mir einen - die Verfilmung des Romans I Capture the Castle - gleich heute Abend angesehen habe. Wie der Roman hat mir auch der Film sehr gut gefallen. Ich finde die Besetzung sehr passend und die Stimmung des Buchs wurde gut eingefangen.


Da ich außerdem gerade so schön in Fahrt war, habe ich mir daheim auch noch ein paar Leseproben von Büchern der Liste auf meinen Reader geladen und auch noch angelesen:

Die Villa am Rande der Zeit des serbischen Autors Goran Petrović beginnt mit einem seltsamen Auftrag: Der Belgrader Student Adam soll ein bereits erschienenes Buch umschreiben. Der Roman wird mit Endes "Unendlicher Geschichte" verglichen und da ich den Einstieg interessant fand, bleibt er auf meiner Liste.

Etwas unschlüssig bin ich dagegen bei dem Krimi Eisesgrab von Jenny Milchmann und dem Jugendbuch Wie mein Sommer in Flammen aufging von Jennifer Salvato Doktorski. Bei beiden Büchern konnten mich weder die Hauptfiguren noch die Ausgangssituation wirklich überzeugen.
Auch Windjäger von Jim Butcher wird wohl eher von meiner Liste gestrichen werden. Ich bin mir nicht sicher, ob ich eine Fantasyserie beginnen möchte, von der es bisher nur den ersten Band gibt. Zudem kam mir auch die Übersetzung etwas holprig vor. Mal sehen, was ich in der nächsten Zeit noch von dieser Reihe höre.

Die Flutwelle von Mikael Niemi verbleibt dagegen sicher auf meiner Liste. Der Einstieg in den Roman, der vom Bruch eines Staudamms in Schweden und der folgenden Katastrophe erzählt, hat mir gut gefallen. 


Insgesamt habe ich heute also ganze 14 Bücher angelesen, von denen 4 sicher und 3 vermutlich von meiner Liste fliegen. Die restlichen Bücher haben mich mit ihrem Einstieg überzeugt und zwei davon habe ich auch direkt mitgenommen. 
Das war heute doch einmal ein ganz interessantes Experiment. Ich habe damit nicht nur meine Liste ein klein wenig reduziert, sondern mir auch einige Bücher wieder besser ins Gedächtnis gerufen, deren Titel mir inzwischen gar nicht mehr viel gesagt haben. Die Schattenseite der Aktion ist, dass es nun eine ganze Reihe von Büchern gibt, die ich am liebsten alle gleichzeitig lesen möchte - aus dem Grund habe ich auch nur zwei der angelesenen Bücher ausgeliehen.
Mal sehen, ob ich das vielleicht in Zukunft nochmal wiederhole. Es war schon ein bisschen anstrengend, so viele Anfänge zu lesen, aber es hat auch Spaß gemacht!