Montag, 21. August 2017

Heinrich Böll - Wanderer, kommst du nach Spa ...


erschienen bei dtv
woher: Buchandlung Kuppitsch

Neyasha und die Nobelpreisträger


Diese Kurzgeschichtensammlung enthält 25 Erzählungen von Heinrich Böll, die zwischen 1947 und 1950 entstanden sind. Zeitlich sind sie alle während oder kurz nach dem Zweiten Weltkrieg angesiedelt, gehören also der sogenannten "Trümmerliteratur" an.


Die Geschichten sind in einer knappen, nüchternen Sprache geschrieben und daher leicht zu lesen, wenn sie auch inhaltlich harter Tobak sind. Heinrich Böll schreibt von Soldaten in der Fremde, von Sterbenden, von desillusionierten Heimkehrern und von Männern, denen die Jugend geraubt wurde. Interessant fand ich den sehr privaten Blick auf den Krieg; die Sicht der einfachen Soldaten, die ganz auf die momentane Situation konzentriert ist und jegliche Weltpolitik ausspart. Wüsste man nicht, dass Böll Deutscher war und würden nicht ab und zu kleine Details einen Anhaltspunkt bieten, könnte dies ebensogut ein anderer Krieg und die Soldaten anderer Nationalität sein. Gerade diese enge Sichtweise macht die Geschichten daher sehr zeitlos und allgemeingültig.

Wie bei der Thematik zu erwarten, ist die Stimmung düster und es gibt kaum jemals einen Hoffnungsschimmer in den Erzählungen. Es ist also eine sehr bedrückende Lektüre und das wird meiner Meinung nach noch dadurch verschärft, dass sich im Laufe der Zeit eine gewisse Eintönigkeit einstellt. Vielleicht haben mir deshalb die ersten und letzten Geschichten am besten gefallen, während ich diejenigen des Mittelteils als etwas zäh empfunden habe.
So eindrücklich Heinrich Böll auch den Alltag des Krieges beschreibt, hätte ich doch die Sammlung gelungener gefunden, wenn sie weniger Erzählungen beinhalten würde. So wiederholen sich die Themen, die Handlungen und auch die Figurendarstellungen.
Apropos Figuren: Die meisten Kurzgeschichten sind in der Ich-Perspektive verfasst, einige auch in der 3. Person, wobei ich letztere teils als interessanter empfunden habe. 

"Wanderer, kommst du nach Spa ..." ist eine erschütternde Lektüre und vermittelt ein sehr eindrucksvolles Stimmungsbild. Es macht erwartungsgemäß keine Freude, diese Erzählsammlung zu lesen, aber die Lektüre lohnt sich trotz einiger Längen und Redundanzen.

Sonntag, 20. August 2017

Buchstabengeplauder #82

Hier ist es nun schon wieder eine Woche lang verdächtig still gewesen und das liegt daran, dass ich kurz nach meiner Rückkehr vom Urlaub in Großbritannien zu einer Dienstreise nach Norwegen aufgebrochen bin: Ich war vergangene Woche von Dienstag bis Donnerstag bei einer Konferenz in Bergen und bin dann nach Oslo weitergefahren, wo ich in einigen sehr interessanten Bibliotheken war und auch noch ein bisschen Sightseeing angehängt habe.

Wer es noch nicht weiß: Ich liebe Oslo abgöttisch. 2005 habe ich dort ein Semester lang studiert und vermisse die Stadt seitdem sehr. 2010 war ich im Mai für ein paar Tage dort (damals vor allem zwecks Recherchen für meine Doktorarbeit); sonst war ich aber leider in den letzten Jahren nie in Norwegen. Oslo zu besuchen war daher ein bisschen die Büchse der Pandora zu öffnen - und natürlich waren die zwei Tage dort viel zu kurz. Ich habe einige meiner früheren Lieblingsorte aufgesucht und so schön das auch war, hat das die Sehnsucht eher noch vergrößert.


Ich werde in den nächsten Wochen ein paar Eindrücke aus Bergen und Oslo sowie die noch fehlenden Impressionen aus Hay-on-Wye immer wieder mal dazwischenstreuen, damit das hier nicht gänzlich zum Reiseblog wird. ;-)
Was ich euch aber jetzt schon zeigen kann, sind meine SuB-Zugänge - jaaa, noch mehr Lesestoff, aber diesmal sind es etwas andere Bücher:


Ihr seht vielleicht schon, dass es sich dabei in erster Linie um Ausstellungskataloge handelt. Hansesatic Sites, Routes and Monuments habe ich im hanseatischen Museum in Bergen gekauft und es ist eher ein Nachschlagewerk als zusammenhängende Lektüre, da darin alle bisher bekannten Hansestädte und -kontore aufgelistet und beschrieben werden.
The Viking Invader beschreibt die Wikingerzeit im Stil einer reißerischen Zeitung. Mir ist das Heft schon in Roskilde aufgefallen, aber obwohl ich die Idee so witzig fand, habe ich es nicht gekauft. Das habe ich später bereut und deshalb habe ich in Oslo den Museumsshop im Vikingskipshuset aufgesucht - und bin prompt fündig geworden. 
Arctic Pioneers - The Voyage of the Belgica 1897-99 und Roald Amundsen and the Exploration of the Northwest Passage habe ich in meinem Lieblingsmuseum, dem Fram-Museum, entdeckt, da es dort einen Abverkauf von Ausstellungskatalogen gab. Die Kataloge waren unschlagbar günstig und es hätte noch einige gegeben, die mich sehr interessiert hätten, aber da ich nur mit Handgepäck unterwegs war, musste ich mich sehr zurückhalten. Ja, ich und meine Obsession mit Polarforschung. "Arctic Pioneers" habe ich übrigens schon gelesen und fand es sehr interessant.

Apropos schon gelesen: Ich habe in Norwegen auch schon den ersten meiner walisischen Neuzugänge ausgelesen und zwar The Lie Tree von Frances Hardinge, das mir sehr gut gefallen hat.

Winterkatze veranstaltet heute wieder einen sommerlichen Lese-Sonntag und ich habe überlegt, ob ich mich nach meiner Rückkehr noch anschließe, aber da ich bereits um vier Uhr in der Früh für meinen Flug aufstehen musste, bin ich ziemlich müde und muss mich etwas aktiver beschäftigen als mit Lesen - sonst schlafe ich wohl schlichtweg ein. 
Ich wünsche aber allen, die teilnehmen, schöne Lesestunden!

Sonntag, 13. August 2017

Impressionen aus England und Wales

Von 4. bis 10. August war ich mit meiner Nichte in Großbritannien. Wir haben zuerst für zwei Tage eine Bekannte in Tenbury Wells, einem kleinen Städtchen in Worcestershire, besucht und sind dann mit dem Zug nach Cardiff weitergefahren. Dort haben wir uns nicht nur die Stadt angesehen, sondern auch Ausflüge in die nähere Umgebung gemacht. Außer Penarth und Caerphilly haben wir auch das Bücherdorf Hay-on-Wye besucht, das ich aber in einem separaten Beitrag vorstellen werde.

Wir hatten eine tolle und sehr abwechslungsreiche Zeit in Cardiff. Das Wetter war einigermaßen gnädig zu uns - wir hatten zwar nur selten Sonnenschein, aber zum Glück auch nur ab und zu Regen.
Ich kann im Grunde alles von dem, was wir uns angesehen haben, empfehlen, aber die Highlights waren neben Hay-on-Wye meiner Meinung nach Penarth Pier und Caerphilly Castle. Sehr schön war auch die Doctor Who Experience, die aber leider mit 7. September 2017 schließen wird.

Die folgenden Fotos sollen euch einen kleinen Eindruck von unserer Woche vermitteln:


Bei unserer Bekannten am Stadtrand von Tenbury Wells




Bei der Tenbury Countryside Show 




Blick auf die Stadt Ludlow



Cardiff Bay

Roald Dahl Platz


Gedenktafel bei Ianto's Shrine (Cardiff Bay war Drehort der Serie "Torchwood")

Doctor Who Experience






Auf dem Weg von Cardiff Bay nach Penarth



Penarth Pier




Mit dem Bus durch den Nationalpark Brecon Beacons



Cardiff Castle 





Llandaff Cathedral



Caerphilly Castle



 

Samstag, 12. August 2017

Walisischer Bücherzuwachs

Spätabends am Donnerstag sind meine Nichte und ich von unserem Urlaub in England und Wales zurückgekehrt. Da ich noch am Sichten der vielen Fotos bin und nicht weiß, wie ich alles zusammenfassen soll, ohne euch in den nächsten Tagen ganz damit zu erschlagen, beginne ich meinen Reisebericht mit meiner Bücherausbeute.


Wir waren am Dienstag im Bücherdorf Hay-on-Wye - einem kaum 2000-Seelen-Dorf mit über 20 Buchhandlungen/Anitquariaten - und haben uns dort sehr ausgiebig mit Büchern eingedeckt. Eindrücke aus Hay werden die nächsten Tage noch folgen; nun geht es erst einmal um die Bücher:


Ihr seht: Es ist ein ziemlicher Stapel geworden. Ich glaube nicht, dass ich jemals so viele Bücher in so kurzer Zeit gekauft habe, aber ich hatte diesmal auch gar nicht vor, mich große einzubremsen. Zugegeben, mein Einkauf in Hay war nicht sehr zielgerichtet und geplant. Zwar hatte ich ein paar Bücher meiner Wunschliste im Kopf, die nur noch gebraucht erhältlich sind, aber als ich diese nicht gefunden habe, habe ich letztendlich sehr spontan zugegriffen. Die Bücher haben großteils zwischen 2 und 4 Pfund gekostet; vielleicht hätte ich mit Preisvergleichen zwischen verschiedenen Antiquariaten günstiger aussteigen können, aber darauf hatte ich schlichtweg keine Lust (zumal wir aufgrund der schlechten Busverbindungen zwischen Cardiff und Hay auch nicht so viel Zeit dort hatten).

Und nun zu meiner Ausbeute im Detail:

Victoria Hislop - Cartes Postales from Greece
Das erste Buch ist eines, das ich nicht in Hay gekauft habe, sondern im Waterstones in Cardiff. Es geht darin um eine Frau, die jede Woche eine Postkarte aus Griechenland von einem unbekannten Absender bekommt und letztendlich selbst zu einer Reise nach Griechenland aufbricht.
Das Buch klingt nach einer richtig schönen Sommerlektüre und ist auch schön gestaltet mit blauem Buchschnitt und vielen Fotos.

Susanna Kearsley - The Shadowy Horses
Vor Jahren habe ich von Susanna Kearsley ein Buch gelesen, das ich sehr mochte ("Mariana"). Als ich daher ein sehr gut erhaltenes Exemplar eines Romans von ihr erspäht habe, war gleich mein Interesse geweckt. Es soll eine Mischung aus Mystery, Fantasy und Romance sein; als ich dann noch Schottland, Archäologie und neunte Legion gelesen habe, musste ich zugreifen.

Sharon Shinn - Mystic and Rider
Auch auf dieses Buch bin ich durch die Autorin (mir haben The Shape-Changer's Wife und Summers at Castle Auburn sehr gut gefallen) aufmerksam geworden. Dieser Roman dürfte eher klassische High Fantasy sein; leider habe ich erst nach dem Kauf gemerkt, dass es sich um einen Reihenauftakt handelt.

Nevil Shute - A Town Like Alice
Bei diesem Buch handelt es sich um einen Titel von der BBC Big Read-Liste. Mit Alice ist dabei die australische Stadt Alice Springs gemeint. Der Roman ist teils in Australien, teils in Malaysia zur Zeit des Zweiten Weltkriegs angesiedelt.

Amie Kaufman & Jay Kristoff - Illuminae
Dieser Roman ist schon länger auf meiner Wunschliste, da er sehr faszinierend gestaltet ist (eine Collage aus E-Mails, Protokollen, Interviews, etc.). Inhaltlich weiß ich nicht sehr viel mehr, als dass die zwei Hauptfiguren auf einem Raumschiff von einem Planeten evakuiert werden, auf dem Krieg ausgebrochen ist.

Frances Hardinge - The Lie Tree
Mir wurde zwar nicht dieses Buch, aber die Autorin von Birthe empfohlen, daher habe ich zugegriffen, als ich dieses schöne Cover gesehen habe. Ich habe den Roman gleich in Wales zu lesen begonnen und bisher ist er sehr interessant. Es geht um die Tochter eines Archäologen, die mit ihrer Familie auf eine abgelegene Insel zieht, um einem Skandal rund um die Forschungen ihres Vaters zu entkommen. Der Roman ist im 19. Jahrhundert angesiedelt, enthält aber phantastische Elemente.

Louisa May Alcott - Little Women
Hierzu muss ich wohl nicht viel schreiben. Ein absoluter Klassiker, den ich schon längst einmal lesen möchte (bisher kenne ich nur die Verfilmung).

Joan Aiken - The Wolves of Willoughby Chase
Ein Kinderbuchklassiker in einem alternativ-historischen Setting, auf den ich durch Fire and Hemlock aufmerksam wurde.



Soweit also mein SuB-Zuwachs aus dem Urlaub. Nun bräuchte ich am besten gleich noch einmal Urlaub, um all die Bücher zu lesen. 

Und das ist übrigens die Ausbeute meiner Nichte (man sieht, wir haben uns nicht gerade gegenseitig aufgehalten):


Dienstag, 1. August 2017

Buchstabengeplauder #81 - Unternehmungen zum Urlaubsbeginn

Urlaub! :-)

Vergangenen Freitag hatte ich meinen letzten Arbeitstag für zwei Wochen und am Samstag ging es gleich mal zu meiner Familie. Dort habe ich den ganzen Nachmittag lesend im Garten verbracht - ich hatte Unterleuten von Juli Zeh mit dabei, das mir nach einem etwas zähen Einstieg nun sehr gut gefällt. Am Abend habe ich mit meiner Nichte stundenlang über Bücher geredet, ehe wir gemeinsam die letzten Folgen des neunten und die ersten Folgen des zehnten Doctors miteinander angeschaut haben (meine Nichte bereitet sich auf die "Doctor Who Experience" in Cardiff vor). Ach, es ist so schön, nicht mehr der einzige Nerd in der Familie zu sein!

Am Sonntag habe ich dann mit einer Freundin einen Ausflug nach Steyr gemacht. Wir waren zuerst im sehr interessanten Museum Arbeitswelt, das wir bei dem heißen Sommerwetter ganz für uns allein hatten, und sind dann noch durch die Stadt gebummelt. Steyr liegt am Zusammenfluss der Enns und der Steyr und hat eine sehr schöne Altstadt - wenn es euch also mal nach Oberösterreich verschlägt, solltet ihr euch die Stadt nicht entgehen lassen.



Am Nachmittag haben wir dann die Geburtstage meiner Neffen gefeiert und spontan ein kleines Sommer"kino" im Garten aufgebaut - bei einer Fußball-EM nicht nur ins Viertelfinale zu kommen, sondern dieses sogar zu gewinnen, ist schließlich für Österreich alles andere als üblich. Das hat sogar die Fußballmuffel der Familie wie mich mitgerissen (während ein paar Fans, die sonst kaum ein Spiel auslassen, wenig Interesse gezeigt haben - ist ja "nur" Frauenfußball %-)).

Nach diesem sehr ausgefüllten Wochenende bin ich dann gestern noch nach Salzburg gefahren, wo ich mit einer Freundin den Tag mit einem gemütlichen Frühstück im "The Heart of Joy" begonnen habe.


Gut gestärkt sind wir dann zu einer Wanderung durch die Glasenbachklamm aufgebrochen. Da wir bei der falschen Busstation ausgestiegen sind, hatten wir zuerst aber einen strammen Fußmarsch in der prallen Sonne zu bewältigen. Als wir dann eineinhalb Stunden später verschwitzt und erschöpft in der Klamm angekommen sind, wurden wir immerhin von kühlem Schatten belohnt.
Der Weg durch die Klamm war sehr schön und spannend: Die Glasenbachklamm hat neben einer malerischen Landschaft auch alte Felsformationen aus dem Mesozoikum zu bieten.


gefaltete Kalkschichten

roter Knollenkalk über grauem Hornsteinknollenkalk

Am Abend ging es dann nach Wien zurück, wo ich von der drückenden Hitze in der Stadt schier erschlagen wurde. Nun heißt es also, diese Temperaturen irgendwie bis Freitag zu überleben (und mich bei 37 Grad noch zu einer Putzaktion aufzuraffen), ehe es dann in die West Midlands von England sowie nach Wales geht.
Ich hoffe, dass ich die nächsten Tage noch ein paar ausstehende Rezensionen schreiben werde, aber spätestens ab Freitag ist es hier also erst einmal für eine Woche still.

Wie war euer Wochenende? Und was sind eure Überlebensstrategien für dieses Wetter (sofern es bei euch ebenfalls so heiß ist)?