Sonntag, 25. Februar 2018

Serien-ABC

Heute habe ich mal einen etwas anderen Tag mitgenommen - bei All meine Träume habe ich das Serien-ABC entdeckt und da ich in den letzten Jahren wenig Filme gesehen habe, dafür aber einige Serien, wollte ich diesen mal beantworten.
Achtung, angesichts der Natur einiger Fragen wimmelt es hier von Spoilern (aber keinen allzu aktuellen)!

 

A – Amazon Prime or Netflix?


Netflix, wobei ich keine Vergleichsmöglichkeiten habe. Ich habe seit ein paar Jahren ein Netflix-Abo, das Streaming-Angebot von Amazon habe ich dagegen nie ausprobiert.

 

B – Binge Watching or „One Episode a Week“?


Das ist sehr unterschiedlich und hängt einerseits von der Serie, andererseits vom Zeitfaktor ab. Manchmal schaue ich alle paar Tage oder Wochen eine Episode und manchmal schaue ich 3-4 hintereinander.

 

C – Cast Love
Who is your favorite Cast from a TV-Series?


Hier sind mir mehrere Serien eingefallen, aber ich habe mich für den Cast von Call the Midwife entschieden. Das ist eine der wenigen Serien, in denen ich eigentlich alle Charaktere mag - natürlich, manche gehen einem phasenweise auf die Nerven und nicht alle sind immer liebenswert, aber ich würde mir von niemandem wünschen, dass er/sie die Serie verlässt (was mir in anderen Serien durchaus passiert). Umgekehrt hat die Serie auch sehr problemlos den Ausstieg einiger Hauptdarstellerinnen verkraftet, da der restliche Cast das immer sehr gut abfangen konnte.
Abgsehen davon mag ich einfach die Stimmung in Nonnatus House. Auch wenn es manchmal Differenzen gibt, halten meistens alle zusammen und es wird nicht auf künstliches Drama und Intrigenspinnerei gesetzt (ja, Downton Abbey, ich meine dich).

 

D – Drink of Choice while watching a TV-Series


Ich drinke eigentlich immer nur Leitungswasser oder Tee (und morgens Kaffee), daher sind das auch meine Getränke der Wahl, wenn ich eine Serie anschaue.

 

E – English (O-Ton) vs. German (Synchro)?


Englisch! Ich kann mich kaum erinnern, wann ich zuletzt eine englischsprachige Serie in Synchronfassung gesehen habe. Die erste Serie, die ich mir im Original (mit englischen Untertiteln) angeschaut habe, müsste auf jeden Fall Lost gewesen sein vor über 10 Jahren.

 

F – Fictional Charakter you would probably date?


Eine schwierige Frage, da die meisten Charaktere, für die ich im Kontext einer Serie schwärme, nicht auch zwangsläufig welche sind, die ich im wirklichen Leben mögen würde. Vielleicht Logan Echolls aus Veronica Mars, der eine sehr positive Charakterentwicklung durchmacht und schließlich auch im abschließenden Film sehr sympathisch ist.

 

G – Glad You Gave this Series a Chance:


Da fallen mir zwei ein: Battlestar Galactica hätte ich mir wahrscheinlich nie angeschaut, wenn mich nicht ein Bekannter davon überzeugt hätte, dass mir die Serie bestimmt gefallen würde. Tatsächlich fand ich die Charaktere grandios und die Handlung mit ihren Wendungen extrem spannend. Leider hat mich die Serie dann irgendwo in der letzten Staffel verloren und ich habe das Finale bis jetzt nicht gesehen.
Eine weitere Serie bei der ich eigentlich dachte, sie wäre nicht mein Fall (und um die ich als Teenager einen Riesenbogen gemacht habe), ist Buffy - The Vampire Slayer. Als eine Freundin mir alle DVDs geliehen hat, wollte ich nur aus Neugier mal ein wenig reinschauen und war wider Erwarten begeistert.

H – Hidden Gem Series (Geheimtipp):


I, Claudius ist eine BBC-Serie von 1976 nach dem gleichnamigen Buch von Robert Graves. Sie war damals eine der erfolgreichsten Fernsehserien überhaupt, ist aber mittlerweile ziemlich in Vergessenheit geraten. In 13 Episoden erzählt sie die Geschichte der Julisch-Claudischen Dynastie von Augustus bis Claudius. Die grandios besetzte Serie (mit Derek Jacobi, Brian Blessed und Sian Phillips) hatte kein großes Budget und konzentrierte sich daher ganz auf die Charaktere, ihre Beziehungen zueinander und die politischen Intrigen. Optisch ist die Serie nicht sehr gut gealtert, aber inhaltlich steht sie modernen Politthrillern um nichts nach.

I – Important Fangirl Moment:


Der gesamte Besuch der Doctor Who Experience voriges Jahr in Cardiff war ein einziger Fangirl-Moment ... :-)


J – Just Finished:


Es ist schon eine Weile her, seit ich eine Serie wirklich beendet habe - die, die ich in letzter Zeit gesehen habe, laufen entweder noch oder aber ich bin noch nicht am Ende angekommen.

 

K – Kinds of Series you won’t watch


Ich konnte nie so recht was mit Sitcoms anfangen und habe z. B. auch "Friends" nie gesehen. Das ganze Format ist einfach nicht mein Fall - vom Lachen des Publikums bis hin zur Konzentration auf ein Haus/Appartment, wo sich immer alle versammeln.

L – Longest running Series you have seen:


Das ist einfach zu beantworten: Doctor Who. Selbst, wenn man nicht mit der alten Serie 1963 zu zählen beginnt, sondern aufgrund der langen Pause erst mit dem Reboot 2005, sind es inzwischen 10 Staffeln.

 

M – Major Character Death you can’t get over:


Ianto Jones aus Torchwood. Die Serie hat meiner Meinung nach den Tod von zwei Hauptcharakteren zuvor gerade mal so überwunden, aber dann noch ein dritter ... Ich habe die 4. Staffel der Serie bis jetzt nicht gesehen.

Ianto's Shrine in Cardiff Bay

 

N – Netflix Series you love the most:


Ich habe bisher tatsächlich noch keine einzige Netflix-Serie gesehen. "House of Cards" habe ich zwar mal begonnen, bin aber nie über die ersten beiden Episoden rausgekommen.

 

O – One Series that you have seen multiple Times:


Von Gilmore Girls habe ich früher zumindest einzelne Folgen sehr oft gesehen. Letztes Jahr habe ich mir dann - als Einstimmung auf das Revival - die gesamte Serie noch einmal angeschaut. Obwohl ich einige Entwicklungen und Storylines nicht mag, hatte ich beim Rewatch wieder viel Freude damit. Nur das ersehnte Revival fand ich dann leider ganz furchtbar.

 

P – Pairing you love the most:


Willow und Tara aus Buffy. Die beide hatten eine so schöne und realistisch geschilderte Beziehung, in der es auch einige Höhen und Tiefen gab. Aber Joss Whedon hatte natürlich nichts besseres zu tun als den Fans das Herz aus der Brust zu reißen. *grummel*

 

Q – Quote that inspires you:


So gern ich auch Lady Violet Crawley mit einer ihrer vielen brillanten Wortmeldungen aus "Downton Abbey" zitieren würde, sind die doch alle nicht unbedingt inspirierend. Daher schnapp ich mir ein Zitat vom zehnten Doctor: "Some people live more in twenty years than others do in eighty. It's not the time that matters, it's the person."

 

R – Reboot you would like to see happening:


Ich würde gern das oben genannte I, Claudius als neue Serie mit einer Ausstattung wie Rome, aber demselben guten Drehbuch wie die Serie aus den 70er Jahren sehen.

 

S – Spin-Off
Favorite Spin-Off?


Hier möchte ich zwei Serien nennen, die meiner Meinung nach auch einige Parallelen aufweisen. Angel als Spin-Off von "Buffy" und Torchwood als Spin-Off von "Doctor Who" sind beides Serien, die deutlich düsterer und erwachsener als ihre Ursprungsserien daherkommen; sie haben beide ein Ermittlergrüppchen, das sich mit übernatürlichen Verbrechen beschäftigt und sie beginnen beide als etwas trashige "Monster of the Week"-Serie, die dann im Laufe der Zeit so viel mehr werden. Und beide haben einen exzellenten Cast mit sehr interessanten Charakteren. Und Hut ab vor den äußerst kontroversen Fragen und Entscheidungen, mit denen sich Torchwood in "Children of Earth" beschäftigt.

 

T – Turn Back Time
Which Show would you save from getting cancelled?


Wer hätte gedacht, dass ich hier mit einer Serie aus dem Bereich Paranomal Romance kommen würde, aber Moonlight hätte wirklich mehr als eine Staffel verdient. Die Serie hatte leichte "Angel"-Anklänge mit einem Vampir als Privatdetektiv und war insgesamt auch etwas klischeehaft, aber ich finde, dass sie dem Vampirgenre doch einen guten frischen Anstrich verpasst hat - mal davon abgesehen, dass Jason Dohring als Josef Kostan genial war! Noch dazu hat sich zum Ende der ersten Staffel eine interessante neue Storyline angebahnt, die ich gern noch weiter verfolgt hätte.

 

U – Unapologetic Fangirl for:


Doctor Who. Ich bin oft frustriert, ich schimpfe oft darüber, konnte teilweise mit ganzen Staffeln und/oder Companions (*hust*Amy*hust*) nichts anfangen und finde einige Episoden alles andere als gelungen. Das ändert nichts daran, dass ich mich auf den Beginn jeder neuen Staffel freue, mit größter Spannung hibble, wenn ein neuer Doctor bzw. Companion bekanntgegeben wird und das Christmas Special für mich seit ein paar Jahren ein fixer Bestandteil der Weihnachtsfeiertage ist.

 

V – Very Excited for this new Series:


Ich habe nicht recht mitverfolgt, welche neuen Serien demnächst ausgestrahlt werden, aber ich möchte mir auf jeden Fall noch The Handmaid's Tale und Alias Grace ansehen, da ich beide Bücher von Margaret Atwood toll fand - und das sind ja beides recht aktuelle Serien.

 

W – WTF
Most schocking Series Moment:


Der Tod von Claire McLeod in McLeods Töchter. Ich konnte es nicht glauben, als sie den Hauptcharakter der Serie umgebracht haben - zumal das in einer Zeit war, als man noch nicht über solche Dinge im Internet gespoilert wurde. Im Vergleich dazu, was in der Serie alles an Haupt- und wichtigen Nebencharakteren gestorben ist, ist "Game of Thrones" der reinste Spaziergang ...
Leider hat die Serie die vielen Ausstiege auch nicht gut verkraftet und daher zum Ende hin stark nachgelassen.

 

X – X Marks the Spot:
Start at the top of your shelf and pick the 10th DVD:

 

Y – Your latest Series Purchase


Ich habe mir schon länger keine Serien mehr auf DVD gekauft, weil ich die meisten über Netflix geschaut habe. Vermutlich war die letzte, die ich mir gekauft habe, Broadchurch. Zumindest die erste Staffel dieser Serie kann ich allen nur wärmstens ans Herz legen (danach lässt sie etwas nach). In punkto Besetzung, Charakterzeichnung, Plotaufbau und Spannung gehört sie zum Besten, was ich in den letzten Jahren gesehen habe!


ZZZ – Snatcher Series (last one that kept you up way too late):


Das dürfte die Miniserie Strike gewesen sein, die Verfilmung der Krimis von Robert Galbraith. Obwohl ich die Bücher gelesen hatte und also wusste, wie die Auflösung war, haben mir die ersten beiden Staffeln so gut gefallen, dass ich damit einfach nicht aufhören konnte. Ab heute läuft übrigens die Verfilmung des dritten Bandes! :-)

Sonntag, 18. Februar 2018

Lesesonntag im Februar

Endlich schaffe ich es, bei einem von Winterkatzes monatlichen Lesesonntagen (immer der 3. Sonntag im Monat) zumindest ein bisschen mit dabei zu sein, da ich außer Lesen auch noch einiges andere vorhabe.

Ich lese derzeit ein Buch, das im Februar neu bei mir eingezogen ist und zwar Das Leuchten am Rand der Welt von Eowyn Ivey. Ich bin über dieses Buch eher zufällig gestolpert, als ich im Januar mit meiner Nichte gemütlich in einer Buchhandlung gestöbert habe. Mir ist das Cover ins Auge gesprungen und dann der Name der Autorin (von Eowyn Ivey hat mir Das Schneemädchen sehr gut gefallen). Also habe ich das Buch zur Hand genommen, hineingeblättert und dabei ist mir gleich das Herz aufgegangen:



Es geht darin um eine Expedition entlang des Wolverine Rivers in Alaska 1885, die in Briefen, Tagebucheinträgen, Bildern und Zeitungsartikeln erzählt wird. Ich hätte das Buch damals beinahe vom Fleck weg gekauft, mich aber doch noch zurückgehalten, weil ich zu dem Zeitpunkt gerade so viel anderes gelesen habe. Im Februar habe ich es mir nun gegönnt und auch sofort zu lesen begonnen. Bisher gefällt es mir sehr gut und ich hoffe, dass ich heute damit etwas weiterkomme.

Parallel lese ich Gösta Berling von Selma Lagerlöf, das ich als recht skurril empfinde, und Anna Karenina als Hörbuch. Vermutlich werde ich aber auch noch ein ebook beginnen, da ich in den letzten Tagen immer "Gösta Berling" unterwegs mit dabei hatte und mir dieser Wälzer dafür einfach zu unhandlich und schwer ist. 

Ich werde jetzt dann gleich ins Weltmuseum fahren, wo heute im Rahmen des Welttags der Fremdenführer eine Freundin von mir Sonderführungen anbietet. Leider verlockt das Wetter mich nicht besonders, die Wohnung zu verlassen - es ist mal wieder kalt, grau und nebelig. Immerhin habe ich mir aber inzwischen ein bisschen Frühling in die Wohnung geholt.



Ich mache mich nun auf die Socken und melde mich hier später wieder.


Update um 16:00

Ich bin wieder zurück und bin froh, dass ich mich trotz Sonntagsfaulheit und schlechtem Wetter noch aufgerafft habe, ins Museum zu fahren. Meine Freundin hat eine sehr interessante Führung über die Reisen der Habsburger Franz Ferdinand, Ferdinand Maximilian (der spätere Kaiser von Mexiko) und Kronprinz Rudolf sowie die Geschichte der Sammlungen des Weltmuseums gemacht. Ansonsten habe ich mich nur kurz im Museum umgeschaut, das erst Ende 2017 neueröffnet wurde, da es mir heute zu wuselig dort war. Das hole ich dann lieber an einem "normalen" Museumstag nach.

Unterwegs habe ich noch mit dem ebook Bücherstadt von Akram El-Bahay begonnen, wobei ich mir nicht sicher bin, wie logisch ich das Setting - eine riesige unterirdische Bibliothek in einer vorindustriellen Gesellschaft - finde. Es gibt einen Grund, weshalb Tiefspeicher erst im 20. Jahrhundert üblich wurden: Die Kombination von gezwungenermaßen vielen Öllampen und Fackeln mit Büchern ist nicht die beste und auch das Klima lässt in Kellerräumen meist eher zu wünschen übrig (wobei Feuchtigkeit in einem eher wüstenhaften Setting vielleicht nicht so sehr das Problem sein dürfte wie hierzulande). 
Aber vielleicht sehe ich das gerade zu kritisch. Sonst kann ich noch nicht sehr viel zum Buch sagen, da ich noch nicht sehr weit bin. Jetzt gibt es bei mir erst einmal ein spätes Mittag- bzw. frühes Abendessen.


Update um 21:00

Ich habe heute Abend noch ein wenig bei Das Leuchte am Rand der Welt weitergelesen. Was mir an dem Buch (unter anderem) so gut gefällt, ist, dass man die Expedition aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet. Einerseits ist da der Bericht von Allen Forrester, andererseits gibt es auch Tagebucheinträge und Briefe seiner Frau Sophie, die in Vancouver zurückgeblieben ist und schließlich kommt noch eine Ebene in der Gegenwart dazu, da sich ein Erbe Forresters mit dem Kurator des Historischen Museums von Alpine über die Dokumente austauscht. Man vergisst beim Lesen tatsächlich, dass es sich dabei um Fiktion handelt und diese Expedition so nie stattgefunden hat.

Ansonsten habe ich aber den späten Nachmittag und Abend wieder einmal mit meiner Weltkarte verbracht. Ich weiß nicht genau, wie es geschehen ist, aber irgendwie hat eins zum anderen geführt und aus einer Karte der Inseln, auf denen meine Romane spielen, wurde eine Karte der weiteren Umgebung und schließlich eine tatsächliche Weltkarte. Von fertig bin ich noch weit entfernt und ich bastle auch weiterhin halbherzig an der Plattentektonik herum - einerseits finde ich so etwas sehr spannend und hätte gern eine bessere Vorstellung davon, welche Gebirge wie entstanden sind, aber andererseits scheitere ich daran, selbst eine plausible Kontinentaldrift zu entwerfen. Meine Tektonik ist also bislang eine Mischung aus Recherche und Handgewedel.
Wenn ich dann irgendwann mal die Gebirge habe, werde ich mich als nächstes dem Klima zuwenden.
Und klar, natürlich habe ich mir das im Kleinen schon für die besagten Inseln überlegt (sonst hätte ich dort schwerlich Geschichten ansiedeln können), aber ich habe einfach Lust darauf, das in größere Zusammenhänge einzubetten.

Ich weiß, dass die meisten Menschen so etwas für ein sehr seltsames Hobby halten, aber für mich war das Weltenbasteln immer schon der Teil des Schreibens, der mir fast am meisten Spaß gemacht hat. Und damit meine ich nicht nur Fantasy. Auch bei meinen Pferdegeschichten früher konnte ich mich stundenlang damit beschäftigen, Parcourspläne für Springturniere zu entwerfen, mir die Abstammung der Pferde zu überlegen (ja, ein ganzes Zuchtbuch zu führen) und Umgebungskarten des Reitstalls zu zeichnen.

Ich glaube, bei mir ist dieses Entwerfen von Welten der eigentliche Auslöser des Schreibens, meine Form der Inspiration - insofern ist es wohl kein Wunder, dass es mit dem Schreiben nicht mehr geklappt hat, als ich mich ganz und gar darauf konzentrieren und meine knapp bemessene Freizeit nicht mit Weltenbasteln "verschwenden" wollte. Auch dem Malen und Zeichnen habe ich mich in erster Linie immer deshalb gewidmet, um auf diese Weise meine Welt illustrieren zu können.
Gut, dass ich das nun auch endlich erkannt habe, nachdem ich einige Jahre so darunter gelitten habe, dass mir meine Kreativität abhanden gekommen war. Dabei hatte ich nur den Schwerpunkt auf die falschen Dinge gelegt bzw. die Inspiration an den falschen Stellen gesucht.

Nach diesen vielen Worten lasse ich euch noch ein Bild der Welt in Hammer-Aitoff-Projektion da - es handelt sich dabei aber noch um ein work-in-progress.


Und damit verabschiede ich mich für heute, bedanke mich für den gemeinsamen Lesetag und wünsche euch noch einen schönen Sonntagabend!

Samstag, 17. Februar 2018

Kristina Gehrmann - Im Eisland 1. Die Franklin-Expedition

erschienen bei Hinstorff


Am 19. Mai 1845 brachen die beiden Expeditionsschiffe Erebus und Terror unter dem Kommando von Sir John Franklin in die Arktis auf, um die Nordwestpassage zu durchsegeln. Die Schiffe waren auf dem neuesten Stand der Technik, der Vorrat sollte die Mannschaft für mindestens drei Jahre versorgen können, die Männer waren voller Zuversicht und das Interesse der Öffentlichkeit enorm. 
Dennoch scheiterte die Expedition katastrophal - die Schiffe verschwanden im Eis und trotz groß angelegter Such-Expeditionen konnte niemand aus der Mannschaft gerettet werden. Es dauerte Jahre, ehe Spuren der Expedition entdeckt wurden und die Gründe für das Scheitern sind bis jetzt nicht restlos geklärt. 

Die Illustratorin Kristina Gehrmann erzählt die Geschichte dieser berühmten Tragödie als Graphic Novel bzw. Comic in drei Bänden, wobei der erste Band die Zeit vom Aufbruch bis zur ersten Überwinterung vor der Beechey- Insel schildert. "Im Eisland Band 1" hat 2016 den deutschen Jugendliteraturpreis in der Kategorie Sachbuch erhalten, wobei man über die Einordnung sowohl unter Jugendliteratur als auch unter Sachbuch diskutieren kann.

Ich habe bekanntermaßen ein Faible für Polarforschung und kenne dementsprechend die Geschichte der Franklin-Expedition sehr gut, aber ich habe trotzdem Kristina Gehrmanns Umsetzung extrem spannend gefunden. Zunächst war ich skeptisch, ob die Geschichte als Comic funktionieren kann, aber das tut sie - und wie!
In vielen kleinen Szenen und detailreichen Zeichnungen wird der Alltag auf den beiden Schiffen beschrieben und man lernt auch rasch einige Mannschaftsmitglieder genauer kennen, wie etwa Commander James Fitzjames, Francis Crozier, Kapitän der Terror und den Schiffsjungen Tommy Evans. Die Autorin versteht es, mit ihren Zeichnungen sowohl die Gefühle der Männer als auch zwischenmenschliche Szenen einzufangen. Mir sind die Expeditionsteilnehmer sehr schnell ans Herz gewachsen und ich habe mich dabei ertappt, wie ich richtig mit ihnen mitgefiebert habe, obwohl mir ja das weitere Schicksal bekannt ist. 

Vom Zeichenstil her sind die Figuren eher simpel gehalten und manche von ihnen wirken zu kindlich, aber sie sind doch gut voneinander zu unterscheiden und man kann die verschiedenen Personen bald problemlos auseinanderhalten. Die polaren Landschaften sind toll gelungen - man kann die klirrende Kälte fast durch die Seiten spüren. 

Ich kann den Auftakt zu Gehrmanns Trilogie allen wärmstens empfehlen! Das Comic ist historisch gut recherchiert, bietet viel Hintergrundwissen und bringt einem die verschiedenen Expeditionsteilnehmer rasch näher. Die Geschichte ist spannend erzählt und hält eine sehr gut Balance zwischen Abenteuer, Humor, Trauer und drohender Gefahr. Ich kann es kaum erwarten, die nächsten beiden Bände zu lesen.

Montag, 12. Februar 2018

Frances Hodgson Burnett - A Little Princess

erschienen bei Dreamscape Media
ungekürzte Lesung von Colleen Prendergast
woher: Audible

Sara Crew muss Indien und ihren geliebten Vater verlassen, um in einem englischen Internet zur feinen Dame erzogen zu werden. Sie findet schnell Freunde in der Schule und obwohl die strenge Schulleiterin Miss Minchin sie nicht mag, erfüllt sie Sara ihres reichen Vaters wegen doch jeden Wunsch. Das alles ändert sich, als schlechte Nachrichten aus Indien kommen und Sara sich fortan als Dienstmagd in der Schule verdingen muss.


Frances Hodgson Burnett hat mit Sara Crew eine ganz zauberhafte Heldin entworfen. Sara ist warmherzig, unvoreingenommen, wissbegierig und unglaublich fantasievoll. Sie denkt sich gern Geschichten aus und versetzt sich so intensiv in diese hinein, dass sie für sie beinahe zur Realität werden. Die Autorin beschreibt so anschaulich, wie Sara in ihren Geschichten leben, dass man selbst beim Lesen ganz darin eintauchen kann. In der Schule reagieren die Mädchen sehr unterschiedlich auf Saras lebhafte Fantasie: einige sind ganz davon fasziniert und bewundern Sara; andere wiederum finden sie seltsam und überheblich oder sind auf sie neidisch. So macht sie sich schnell Freunde, aber auch Feinde.

Ihre engsten Freundinnen sind die scheue Dienstmagd Becky und ihre Mitschülerin Ermengarde, die Schwierigkeiten beim Lernen hat. Die beiden halten auch dann noch zu Sara, als sie allen Reichtum verloren hat. Auch ihre Geschichten sind Sara ein Trost, als sie nun in einer engen, dunklen Kammer wohnen muss und mit Hunger und Kälte zu kämpfen hat. 
Es hat mich fasziniert, wie der Autorin hier die Balance zwischen der kindlichen Fantasiewelt und der harten Realität gelingt. So stellt Sara sich vor, sie wäre eine Gefangene in der Bastille oder ein Soldat im Krieg, um besser mit ihrem trostlosen Alltag umgehen zu können. Die Vorstellung, eine Prinzessin zu sein, hilft ihr schließlich, auf Ungerechtigkeiten mit Höflichkeit und Respekt zu reagieren - sehr zum Missfallen von Miss Minchin, die Sara aus der Reserve locken möchte. 
Trotzdem können die Geschichten nicht darüber hinwegtäuschen, wie sehr Sara immer wieder unter ihrer Situation leidet. Es gibt Szenen, die tieftraurig oder höchst ungerecht und wirklich hart zu lesen sind. 

"A Little Princess" ist ein wunderschönes Kinderbuch, das ich vom Anfang bis zum Ende genossen habe. Sicher, die Figuren sind teils ein bisschen schwarz-weiß geraten, aber nicht eindimensional gezeichnet. Und auch die Botschaften, die darin vermittelt werden, sind zwar schlicht, aber nicht banal und zudem auch zeitlos. Mir hat der Roman noch besser gefallen als The Secret Garden, da er meiner Meinung nach besser die Balance zwischen schönen und traurigen Szenen hält und das Ende weniger simpel ist.

Sehr gelungen ist auch die Hörbuchfassung mit einer sehr angenehmen, einfühlsamen Lesung von Colleen Prendergast.
Ich bin sehr froh, dass ich diesen Roman nun endlich gelesen habe (bislang kannte ich noch nicht einmal eine der filmischen Umsetzungen) und kann mir gut vorstellen, dass ich in Zukunft noch öfter dazu greifen werde.

Montag, 5. Februar 2018

Buchstabengeplauder #3/2018

Lebensgeplauder

Hat irgendwer vielleicht meine Motivation gesehen und kann sie bitte einfangen? Ich habe den Eindruck, dass ich gerade ganz in meinem alljährlichen Februartief angekommen bin, auch wenn ich mich vielleicht gerade unproduktiver fühle als ich es tatsächlich bin. So war die vorige Woche in der Arbeit sehr intensiv, da ich eine Ausbildungswoche betreut habe - diesmal nicht am Wolfgangsee, sondern in Wien - und oft bis spät in den Abend hinein eingespannt war. Trotzdem habe ich meistens brav mein tägliches Schreibpensum geschafft und auch sonst so einiges erledigt.
Aber ich muss mich derzeit immer erst zu allem selbst überreden, habe das Gefühl, dass ich in der Arbeit nur im Schneckentempo vorankomme und neige fürchterlich zu schlechter Laune. So habe ich mich etwa schon die ganze letzte Woche auf ein Treffen mit Freundinnen heute Abend gefreut, das nun leider nicht stattfinden konnte - und damit war für mich schon wieder den ganzen Tag jegliche Motivation davongefegt. Es nervt mich meist selbst am meisten, wenn ich in so einer Stimmung bin, aber ich finde es beruhigend, dass ich jedes Jahr rund um den Jänner/Februar so eine Phase habe und diese dann auch immer wieder vorübergeht.

Lesegeplauder

Immerhin hat sich mein Stimmngstief bislang nicht auf meine Lektüre ausgewirkt. Gestern habe ich Mord braucht Reklame von Dorothy L. Sayers ausgelesen, das mir sehr, sehr gut gefallen hat. Ich würde fast sagen, dass das bislang einer meiner liebsten Lord Peter Wimsey-Krimis ist.
Auch The Wolves of Willoughby Chase von Joan Aiken gefällt mir bislang sehr gut, auch wenn ich bei dem Buch nun einige Tage pausiert habe.
Nach Hörbüchern ist mir hingegen aktuell gar nicht - vor allem ist mir gerade überhaupt nicht nach Handarbeiten, wodurch ich dann kaum je zu Hörbüchern greife. Deshalb bin ich bei Anna Karenina kaum vorangekommen, aber mal sehen, was der restliche Monat so bringt.

Schreibgeplauder

Ich finde nun immer besser wieder ins Schreiben hinein, auch wenn ich mich täglich davor drücken möchte. Wenn ich dann aber mal angefangen habe, läuft es meist doch ganz gut. Die Plotlücken in "Bühnenrätsel" werden immer kleiner und ich habe einige Ideen, wie ich manche Szenen umstellen kann, damit die Handlungsstränge besser funktionieren.
Dabei läuft es für meine Protagonisten gerade überhaupt nicht gut. Herun hat zuviel in Angelegenheiten herumgewühlt, die besser ruhen sollten und hat nun die Folgen zu tragen - und Gabran ist gerade ziemlich mit den Nerven fertig, weil er um das Leben seiner Schwester bangen muss. Außerdem habe ich mit Lewo eine Nebenfigur aus dem ersten Band zur Beinahe-Hauptfigur befördert; ich überlege sogar, ihn zu einem Perspektiventräger zu machen.
Ich hoffe mal, dass es jetzt im Februar weiterhin gut läuft mit dem Roman. Die Rohfassung werde ich wohl im Laufe der nächsten Monate beenden können (vielleicht sogar noch im März), aber an die Überarbeitung denke ich lieber erst noch nicht - da kommt nämlich noch einiges auf mich zu.

Samstag, 3. Februar 2018

Susanna Kearsley - The Shadowy Horses


erschienen bei Allison & Busby
woher: Richard Booth's Bookshop in Hay-on-Wye


Die Archäologin Verity Grey wird zu einer Grabung in ein schottisches Dorf eingeladen. Ihr exzentrischer Arbeitgeber hat sein Leben der Suche nach dem letzten Lager der Neunten Legion gewidmet und glaubt, hier nun fündig geworden zu sein. Bald erfährt Verity, dass nicht archäologische Befunde der Grund für seine Überzeugung sind, sondern ein Dorfjunge, der den Geist eines römischen Legionärs sieht.

Susanne Kearsley hat selbst einige Jahre als Museumskuratorin gearbeitet und das merkt man dem Buch an. Sie schildert realistisch und detailliert den Alltag auf einer archäologischen Grabungsstätte und den Umgang mit Funden. Tatsächlich wird diesem Thema deutlich mehr Raum gewidmet als dem übernatürlichen Handlungsstrang rund um den Geist des Legionärs. Mir hat das sehr gut gefallen, aber ich denke, dass man schon eine gewisse Affinität zur Archäologie mitbringen muss, um das nicht langweilig zu finden.

Auch sonst schlägt der Roman eher ruhige Töne an. Die Autorin nimmt sich viel Zeit, um das Dorf, die Umgebung und die Bewohner zu schildern, bis man die schottische Landschaft beim Lesen beinahe sehen kann.
Durch die seltsamen Vorgänge rund um die Ausgrabungen bekommt die Idylle aber auch unheimliche Untertöne. Verity meint Menschen und Pferde zu hören, die nicht da sind, und stellt bald fest, dass der kleine Robbie sich den römischen Geist nicht nur einbildet.
Was es mit diesem auf sich hat, hat mich letztendlich ein wenig enttäuscht, da man nur wenig über tatsächliche Ereignisse in der Vergangenheit erfährt und rund um die Neunte Legion alle Möglichkeiten offen bleiben. Das ist natürlich ein sehr kluger Schachzug, da die Lösung, die einem eher vage angeboten wird, auf diese Weise nicht mit aktuelleren Forschungsmeinungen in Konflikt gerät.

Die Figuren sind liebevoll, aber recht einfach gezeichnet - das ist dann auch mein größter Kritikpunkt an dem Roman. Ich mochte Verity, ihren Arbeitgeber Peter Quinnell und den schottischen Grabungsleiter David sehr gern, hätte mir aber etwas mehr Ecken und Kanten gewünscht. Zwischen Verity und David entspinnt sich eine Romanze, die sich früh andeutet, dann aber recht langsam entwickelt. Gegend Ende rückt dann die Liebesgeschichte immer mehr in den Mittelpunkt, was mich aber nicht gestört hat, da ich die Gefühle zwischen den beiden sehr schön und nachvollziehbar beschrieben fand.

"The Shadowy Horses" ist ein sehr ruhiger Roman, der sich viel mit Archäologie und römischer Geschichte beschäftigt und vor diesem Hintergrund sowohl eine Geister- als auch eine Liebesgeschichte erzählt. Vermutlich nicht jedermanns Fall, aber mir hat er trotz mancher Schwächen sehr gut gefallen.