Samstag, 3. Februar 2018

Susanna Kearsley - The Shadowy Horses


erschienen bei Allison & Busby
woher: Richard Booth's Bookshop in Hay-on-Wye


Die Archäologin Verity Grey wird zu einer Grabung in ein schottisches Dorf eingeladen. Ihr exzentrischer Arbeitgeber hat sein Leben der Suche nach dem letzten Lager der Neunten Legion gewidmet und glaubt, hier nun fündig geworden zu sein. Bald erfährt Verity, dass nicht archäologische Befunde der Grund für seine Überzeugung sind, sondern ein Dorfjunge, der den Geist eines römischen Legionärs sieht.

Susanne Kearsley hat selbst einige Jahre als Museumskuratorin gearbeitet und das merkt man dem Buch an. Sie schildert realistisch und detailliert den Alltag auf einer archäologischen Grabungsstätte und den Umgang mit Funden. Tatsächlich wird diesem Thema deutlich mehr Raum gewidmet als dem übernatürlichen Handlungsstrang rund um den Geist des Legionärs. Mir hat das sehr gut gefallen, aber ich denke, dass man schon eine gewisse Affinität zur Archäologie mitbringen muss, um das nicht langweilig zu finden.

Auch sonst schlägt der Roman eher ruhige Töne an. Die Autorin nimmt sich viel Zeit, um das Dorf, die Umgebung und die Bewohner zu schildern, bis man die schottische Landschaft beim Lesen beinahe sehen kann.
Durch die seltsamen Vorgänge rund um die Ausgrabungen bekommt die Idylle aber auch unheimliche Untertöne. Verity meint Menschen und Pferde zu hören, die nicht da sind, und stellt bald fest, dass der kleine Robbie sich den römischen Geist nicht nur einbildet.
Was es mit diesem auf sich hat, hat mich letztendlich ein wenig enttäuscht, da man nur wenig über tatsächliche Ereignisse in der Vergangenheit erfährt und rund um die Neunte Legion alle Möglichkeiten offen bleiben. Das ist natürlich ein sehr kluger Schachzug, da die Lösung, die einem eher vage angeboten wird, auf diese Weise nicht mit aktuelleren Forschungsmeinungen in Konflikt gerät.

Die Figuren sind liebevoll, aber recht einfach gezeichnet - das ist dann auch mein größter Kritikpunkt an dem Roman. Ich mochte Verity, ihren Arbeitgeber Peter Quinnell und den schottischen Grabungsleiter David sehr gern, hätte mir aber etwas mehr Ecken und Kanten gewünscht. Zwischen Verity und David entspinnt sich eine Romanze, die sich früh andeutet, dann aber recht langsam entwickelt. Gegend Ende rückt dann die Liebesgeschichte immer mehr in den Mittelpunkt, was mich aber nicht gestört hat, da ich die Gefühle zwischen den beiden sehr schön und nachvollziehbar beschrieben fand.

"The Shadowy Horses" ist ein sehr ruhiger Roman, der sich viel mit Archäologie und römischer Geschichte beschäftigt und vor diesem Hintergrund sowohl eine Geister- als auch eine Liebesgeschichte erzählt. Vermutlich nicht jedermanns Fall, aber mir hat er trotz mancher Schwächen sehr gut gefallen.

Kommentare:

  1. Oh, Susanna Kearsley! Die habe ich früher auch gerne gelesen und vor allem dieses hier - wobei ich gerade die ruhige Stimmung in dem Buch geschätzt habe.

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  2. Latha math, Neyasha.
    Archäologie ist das buddeln in der Vergangenheit; per se bereits faszinierend genug. Ich hege einen Faible für Dokus & Gechichte(n) rund darum.
    Wobei just die britische Literatur offensichtlich einen Narren an der legendären Neunten Legion gefressen hat.

    Nachvollziehbar (aus Ihrer Sicht als Museumskuratorin), dass sich die Autorin lieber nicht zusehr festlegen mochte (der wissenschaftliche Tenor geht in die Richtung, dass die Legio Hispana nicht in der römischen Provinz Britannia, sondern weit im Osten des Imperiums aufgerieben wurde). Eine gute Legende bleibt eben eine solide Quelle für phantasievolle Geschichten.
    'The Eagle' & 'Centurion' sind übrigens durchaus gelungene (filmische) Varianten der Legende der Neunten Legion.

    bonté

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    1. Es wird auch in dem Buch sogar thematisiert, dass die Neunte Legion um 130 aufs Festland verlegt wurde. Die Annahme ist hier, dass ein Teil der Legion in Britannien geblieben ist. Auch deshalb funktioniert der archäologische Teil in dem Buch trotz neuerer Forschungen noch immer gut.

      "The Eagle" hat mir nicht besonders gefallen, wobei ich da schon die Buchvorlage nur mittelmäßig fand. "Centurion" sagt mir gar nichts, den merke ich mir mal.

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    2. ...'Centurion' ist die Frei-ab-18-Variante der Legende, bei der Regisseur Neil Marshall (wie von Ihm gewohnt) die feine Balance zwischen "ordentlich Action", Charakterzeichnung & Story hält.
      Die Figur der rachedurstigen Etain ist hier eine späte Spiegelung Boudiccas (die mit Ihrem Rachefeldzug ähnlich scheiterte).

      bonté

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  3. Hach, das Buch mag ich auch sehr... Ich hab es auf Deutsch als "Rosehill" gelesen, mittlerweile auch schon mehrfach, weil ich gern in diese Geschichte zurückkehre. Das war mein erstes Buch von Susanna Kearsley und dann habe ich immer mal Ausschau nach anderen Büchern von ihr gehalten, habe aber mittlerweile dennoch erst 3 Bücher (mit "Rosehill") von ihr gelesen.

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    1. Es freut mich, dass das Buch anscheinend doch nicht so unbekannt ist. Mir ist es vorher nie untergekommen. Mein erstes Buch von Susanna Kearsley war "Mariana", das mir damals sehr gut gefallen hat.

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    2. Ja, "Mariana" hatte mir auch noch gut gefallen, aber dann habe ich noch "Glanz und Schatten" angefangen und finde das leider fürchterlich langweilig - schnarch! Ich habe es auch nie beendet, weil mir immer spannendere Bücher dazwischen gekommen sind. Schade eigentlich. Ich sehe aber gerade, dass erst im letzten Jahr ein neues Buch von ihr herausgekommen ist, "Der Ruf der Nacht", das aber nur so mittelmäßig sein soll, wenn man den Bewertungen glaubt.

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    3. Hm, schade, ich habe ein wenig den Eindruck, dass Susanna Kearsley eine Autorin ist, die gern ähnliche Figuren und Strukturen wiederverwendet. Möglicherweise ist das auch das Problem mit dem neuen Buch.

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